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Einführung in die Philosophie der Metakognition

Dr John Dorsch

Ludwig-Maximilians-Universität München

Cognition, Values and Behavior Group

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II. genauer betrachtet: �Was heißt Metakognition?

john.dorsch@lmu.de

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Was ist die Verbindung zwischen Metakognition und Selbsterkenntnis?

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1. Was ist Selbsterkenntnis?

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1. Was ist Selbsterkenntnis?

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Prof. Steve Fleming, UCL and Wellcome Center for Neuroimaging

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1. Was ist Selbsterkenntnis?

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Prof. Steve Fleming, UCL and Wellcome Center for Neuroimaging

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1. Was ist Selbsterkenntnis?

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Prof. Steve Fleming, UCL and Wellcome Center for Neuroimaging

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1. Was ist Selbsterkenntnis?

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Prof. Steve Fleming, UCL and Wellcome Center for Neuroimaging

„Self-awareness [is] a work in progress �and something to be striven toward.“

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Selbsterkennen als Fertigkeit?

Beispiel 1.��Erkennen von den emotionalen Auslösern

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Selbsterkennen als Fertigkeit?

Beispiel 1.��Erkennen von den emotionalen Auslösern��Beispiel 2.��Entscheidung treffen, welche mit eigenen Werten übereinstimmen.

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1. Was ist Selbsterkenntnis?

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Gnothi seauton �(«Erkenne dich selbst»)

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1. Was ist Selbsterkenntnis?

In einfachen Worten ist das Wesen der Sokratischen Philosophie, diese Frage:

Sollte ich die Dinge glauben, an die ich glaube?

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1. Was ist Selbsterkenntnis?

  • Das heißt, das Explanandum von Metakogniton ist eine Art Selbsterkenntnis, die sowohl epistemisch ist als auch ethisch ist.
  • Diese Art der Selbsterkenntnis ist mit unserem ethischen Urteilsvermögen verbunden: sind unser Meinungen und Überzeugungen von uns selbst richtig? Sind sie gerechtfertigt?

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  • Diese Fähigkeit, Rechtfertigung für Meinungen zu suchen, ist nur dann möglich, wenn wir Meinungen als Meinungen bilden (oder repräsentieren) können, d.h. als etwas, das richtig oder falsch sein kann.

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1. Was ist Selbsterkenntnis?

M. C. Escher, Zeichnung: �„Self-Portrait in Spherical Mirror“

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  • Diese Fähigkeit, Rechtfertigung für Meinungen zu suchen, ist nur dann möglich, wenn wir Meinungen als Meinungen bilden (oder repräsentieren) können, d.h. als etwas, das richtig oder falsch sein kann.
  • Mit anderen Worten erfordert sie die Fähigkeit, Meinungen als solche darzustellen, als Repräsentationen, auch bekannt als (metarepräsentative) Metakognition.

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1. Was ist Selbsterkenntnis?

M. C. Escher, Zeichnung: �„Self-Portrait in Spherical Mirror“

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  • Diese Fähigkeit, Rechtfertigung für Meinungen zu suchen, ist nur dann möglich, wenn wir Meinungen als Meinungen bilden (oder repräsentieren) können, d.h. als etwas, das richtig oder falsch sein kann.
  • Mit anderen Worten erfordert sie die Fähigkeit, Meinungen als solche darzustellen, als Repräsentationen, auch bekannt als (metarepräsentative) Metakognition.

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1. Was ist Selbsterkenntnis?

M. C. Escher, Zeichnung: �„Self-Portrait in Spherical Mirror“

Kein D.J. (Mic Controller)� „Maurits Cornelis“

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  • Diese Fähigkeit, Rechtfertigung für Meinungen zu suchen, ist nur dann möglich, wenn wir Meinungen als Meinungen bilden (oder repräsentieren) können, d.h. als etwas, das richtig oder falsch sein kann.
  • Mit anderen Worten erfordert sie die Fähigkeit, Meinungen als solche darzustellen, als Repräsentationen, auch bekannt als (metarepräsentative) Metakognition.
  • Wie haben wir diese metakognitive Fähigkeit erworben, Meinungen als Meinungen zu erlangen?

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1. Was ist Selbsterkenntnis?

M. C. Escher, Zeichnung: �„Self-Portrait in Spherical Mirror“

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1.1 Was ist der Ursprung �der Selbsterkenntnis?

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1.1 Was ist der Ursprung �der Selbsterkenntnis?

Einerseits behauptet die Entwicklungspsychologie, den ontogenetischen Ursprung für Selbsterkenntnis gefunden zu haben, indem sie die Entstehung von explizierte Fähigkeit zu „Mentalisieren“ bei Kindern untersucht (d.h. metarepräsentative Metakognition).

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1.1 Was ist der Ursprung �der Selbsterkenntnis?

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3. Sitzung

4. Sitzung

5. Sitzung

6. Sitzung

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1.1 Was ist der Ursprung �der Selbsterkenntnis?

Andererseits behauptet die vergleichende Psychologie, den phylogenetischen Ursprung für Selbsterkenntnis gefunden zu haben, indem sie die implizite Fähigkeit zum "Mentalisieren" in nicht menschenlichen Tieren untersucht, z.B. durch das Unsicherheitsmonitoring-Paradigma (d.h. bewertende Metakognition).

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1.1 Was ist der Ursprung �der Selbsterkenntnis?

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7. Sitzung

4. Sitzung

5. Sitzung

6. Sitzung

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1.1 Was ist der Ursprung der Selbsterkenntnis?

Somit haben wir zwei verschiedene Erklärungen über den Ursprung der Selbsterkenntnis.

Hat die bewertende Art aus der vergleichenden Psychologie auf irgendeine Weise die Bedingungen für die metarepräsentative Art aus der Entwicklungspsychologie geschaffen?

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1.1 Was ist der Ursprung der Selbsterkenntnis?

Gibt es eine Möglichkeit, die verschiedenen Erklärungen miteinander zu verbinden?

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2. Zwei dominante Erklärungen von Metakognition.��

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Entwicklungspsychologie: �Mentalisierung

Auch bekannt als...

  1. System 2 Metacognition
  2. Metarepresentational Metacognition
  3. Explicit Metacognition
  4. Attributive Metacognition
  5. Theory of Mind / Mindreading
  6. Fremdmetakognition

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Auch bekannt als…

  1. System 1 Metacognition
  2. Procedural Metacognition
  3. Implicit Metacognition
  4. Evaluative Metacognition
  5. Metamemory
  6. Eigenmetakognition

vergleichende Psychologie:�bewertende Metakognition

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Entwicklungspsychologie: �Mentalisierung

Auch bekannt als...

  1. System 2 Metacognition
  2. Metarepresentational Metacognition
  3. Explicit Metacognition
  4. Attributive Metacognition
  5. Theory of Mind / Mindreading
  6. Fremdmetakognition

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Auch bekannt als…

  1. System 1 Metacognition
  2. Procedural Metacognition
  3. Implicit Metacognition
  4. Evaluative Metacognition
  5. Metamemory
  6. Eigenmetakognition

vergleichende Psychologie:�bewertende Metakognition

System 2: oft bewusst, langsam, aufwendig, und von der Sprache abhängig

System 1: oft unbewusst, schnell, leicht, und nicht von der Sprache abhängig

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Entwicklungspsychologie: �Mentalisierung

Auch bekannt als...

  1. System 2 Metacognition
  2. Metarepresentational Metacognition
  3. Explicit Metacognition
  4. Attributive Metacognition
  5. Theory of Mind / Mindreading
  6. Fremdmetakognition

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Auch bekannt als…

  1. System 1 Metacognition
  2. Procedural Metacognition
  3. Implicit Metacognition
  4. Evaluative Metacognition
  5. Metamemory
  6. Eigenmetakognition

vergleichende Psychologie:�bewertende Metakognition

Metarepresentational: Meinungen werden als Meinungen repräsentiert.

Procedural: zeigt man wie es gemacht wird, nicht aber was behandelt wird (eine Meinung)

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Entwicklungspsychologie: �Mentalisierung

Auch bekannt als...

  1. System 2 Metacognition
  2. Metarepresentational Metacognition
  3. Explicit Metacognition
  4. Attributive Metacognition
  5. Theory of Mind / Mindreading
  6. Fremdmetakognition

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Auch bekannt als…

  1. System 1 Metacognition
  2. Procedural Metacognition
  3. Implicit Metacognition
  4. Evaluative Metacognition
  5. Metamemory
  6. Eigenmetakognition

vergleichende Psychologie:�bewertende Metakognition

Explicit: Bei der Verwendung, weiß man, worum es geht, nämlich um mentale Zustände

Implicit: Bei der Verwendung, muss man nicht wissen, worum es geht

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Entwicklungspsychologie: �Mentalisierung

Auch bekannt als...

  1. System 2 Metacognition
  2. Metarepresentational Metacognition
  3. Explicit Metacognition
  4. Attributive Metacognition
  5. Theory of Mind / Mindreading
  6. Fremdmetakognition

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Auch bekannt als…

  1. System 1 Metacognition
  2. Procedural Metacognition
  3. Implicit Metacognition
  4. Evaluative Metacognition
  5. Metamemory
  6. Eigenmetakognition

vergleichende Psychologie:�bewertende Metakognition

Attributive: Man schreibt sich oder einem anderen einen mentalen Zustand zu.

Evaluative: Der Ablauf des mentalen Akts wird als gut/schlecht bewertet.

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Entwicklungspsychologie: �Mentalisierung

Auch bekannt als...

  1. System 2 Metacognition
  2. Metarepresentational Metacognition
  3. Explicit Metacognition
  4. Attributive Metacognition
  5. Theory of Mind / Mindreading
  6. Fremdmetakognition

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Auch bekannt als…

  1. System 1 Metacognition
  2. Procedural Metacognition
  3. Implicit Metacognition
  4. Evaluative Metacognition
  5. Metamemory
  6. Eigenmetakognition

vergleichende Psychologie:�bewertende Metakognition

Theory of Mind: mental Zustände werden als solche repräsentiert.

Metamemory: Die Bewertung betrifft oft das Gedächtnis.

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Entwicklungspsychologie: �Mentalisierung

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Die Analyse von verschiedenen Kulturen zeigt die Abhängigkeit von "mentalizing"-Fähigkeiten von kulturellen Praktiken auf und führt zur ��Cultural Origin Hypothesis.���(see Heyes, 2020)

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Entwicklungspsychologie: �Mentalisierung

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Entwicklungspsychologie: �Mentalisierung

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Mindreading ist wie bookreading: Es muss uns beigebracht werden.

Cecilia Heyes, University of Oxford

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vergleichende Psychologie:�bewertende Metakognition

„Uncertainty Monitoring Paradigm“

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vergleichende Psychologie:�bewertende Metakognition

„Uncertainty Monitoring Paradigm“

Welcher Bereich hat mehr Punkte? Welcher ist dichter?

(Welcher ist spärlicher?)

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vergleichende Psychologie:�bewertende Metakognition

„Uncertainty Monitoring Paradigm“

Welcher Bereich hat mehr Punkte? Welcher ist dichter?

(Welcher ist spärlicher?)

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1. Versuch, mit Zwangswahl

vergleichende Psychologie:�bewertende Metakognition

„Uncertainty Monitoring Paradigm“

Insgesamt 2 Versuche….

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1. Versuch, mit Zwangswahl

vergleichende Psychologie:�bewertende Metakognition

„Uncertainty Monitoring Paradigm“

Insgesamt 2 Versuche….

Wenn die richtige Entscheidung getroffen wird, bekommt man eine Belohnung.

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1. Versuch, mit Zwangswahl

vergleichende Psychologie:�bewertende Metakognition

„Uncertainty Monitoring Paradigm“

Insgesamt 2 Versuche….

Wenn die falsche Entscheidung getroffen wird, bekommt man eine Strafe.

Auszeit/Ladebildschirm

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2. Versuch, mit „Opt-Out“�(überspringen)

vergleichende Psychologie:�bewertende Metakognition

„Uncertainty Monitoring Paradigm“

Insgesamt 2 Versuche….

Wenn „Überspringen“ gewählt wird, bekommt man weder eine Belohnung noch eine Strafe.

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  • Diese Grafiken zeigen die Verwendung der "Opt-out"- Taste.
  • Konzentriere dich auf den Mittelgrund, wo es schwierig zu bestimmen ist, ob es dicht oder spärlich ist.
  • Vergleiche den Menschen (B) mit dem nicht menschlichen Tieren (C, D).

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vergleichende Psychologie:�bewertende Metakognition

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Uncertainty Monitoring Ergebnis

Smith, et al., 2018; Beran et al., 2014; Goto & Watanabe, 2012; Beran et al, 2009; Foote & Crystal, 2007, 2012; Basile et al., 2009, Roberts et al., 2009; Shields et al., 1997; Smith et al., 1997; Inman & Shettleworth, 1999; Roberts et al. 2009; Smith et al., 1995; Teller, 1989;

vergleichende Psychologie:�bewertende Metakognition

„Uncertainty Monitoring Paradigm“

Rhesusaffe

Buschhäher

Kapuziner Affe

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vergleichende Psychologie:�Mentaliserung in Affen?

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Was ist die Verbindung zwischen Metakognition und Selbsterkenntnis?

Eine Theorie…��eine aufsteigende Kapazität�

Joëlle Proust, �Ecole Normale Supérieure

4. Sitzung

Asher Koriat, �University of Haifa

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Was ist die Verbindung zwischen Metakognition und Selbsterkenntnis?

Noch eine Theorie…��zwei verschiedene Kapazitäten��(und Self-monitoring ist nicht metakognitiv (trivial) und hat keinerlei Verbindung zur Selbsterkenntnis)�

Peter Carruthers, �University of Maryland

5. Sitzung

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Was ist die Verbindung zwischen Metakognition und Selbsterkenntnis?

Tadeusz Zawidzki, �George Washington University

Cecilia Heyes, University of Oxford

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Was ist die Verbindung zwischen Metakognition und Selbsterkenntnis?

John Dorsch, �Ludwig-Maximilians-Universität

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Was ist die Verbindung zwischen Metakognition und Selbsterkenntnis?

Durch (strongly embodied) Noetic Feelings

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  • Self-knowledge
  • Epistemic agency
  • Noetic feelings
  • Uncertainty monitoring
  • False belief task
  • Systems theory of cognition
  • Consciousness
  • Embodied cognition

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  • Mind and Cognition
  • Cybernetics
  • Mental Representation
  • de re / de dicto
  • Concepts
  • Affordances
  • Metamemory

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  • Epistemic agency
  • Cognitive affordances
  • Self/world distinction
  • Normativity
  • Metaethics

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  • Noetic Feelings
  • Emotion (William James)
  • Interoception
  • Processing fluency
  • Classic studies in metamemory
  • Embodied cognition

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53

  • Reinforcement learning
  • Cybernetics
  • Motor Cognition
  • Mind and Cognition
  • Concepts
  • Epistemic norms

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  • Noetic feelings
  • Emotion
  • Embodied cognition
  • Neurovisceral integration model
  • Bayesian brain hypothesis
  • Beliefs (mental states)

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  • Predictive processing framework
  • Bayesian brain hypothesis
  • Animal cognition
  • Self-knowledge

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56

  • Theories of consciousness
  • Predictive processing
  • Emotion (limbic system)
  • Epistemic agency
  • Social cognition

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Zwei Aufgaben

1. kleine Aufgabe: Umfrage (5 - 10 min)��Was erfordert die ausgereifteste metakognitiven Kompetenz?

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Zwei Aufgaben

2. (große) Aufgabe: Diskussion (10 - 20 min)��1. Beispiel mit der Ärztin (am Anfang)�2. Beispiel mit der Studentin, Jane�

  • In Gruppen solltet ihr darüber diskutieren, welche metakognitiven Kompentenzen diese Beispiele voraussetzen.
  • Z.B. Mentalizierung, evaluative Metakognition, beides?

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Danke Euch!��

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john.dorsch@lmu.de