1 of 17

2 of 17

Rumäniendeutsche literatur

Dr. Andreea Dumitru-Iacob

3 of 17

Schwerpunkte der Präsentation

Teil 1: ALLGEMEINES

1. Rumäniendeutsch: Begriffsbestimmung

2. Historischer Exkurs 

3. Überblick zur rumäniendeutschen Literatur�

Teil 2: PROJEKTE FÜR DEN UNTERRICHT 

1. Lyrikprojekt und - kalender zur rumäniendeutschen Literatur - Mihaiu

2. Projekt "Literatur und Heimat" - Dumitru-Iacob 

3. Eginald Schlattner und Iris Wolff (?) - Dumitru-Iacob 

4 of 17

Rumäniendeutsch?

  • enge Verbindung mit der Geschichte der deutschen Minderheiten auf rumänischem Territorium
  • Bildung des Begriffs nach der Entstehung Großrumäniens 1918
  • Begriff entsteht 1919 aufgrund einer politischen Entscheidung und auf Bestreben der Siebenbürger Sachsen
  • rumäniendeutsche Identität in einem mehrheitlich rumänischen Umfeld (Verhältnis zwischen Minderheit und Mehrheitsbevölkerung)
  • Sammelbegriff für alle deutschen Minderheiten, die das aktuelle Gebiet Rumäniens bewohnen

5 of 17

Die deutschen Minderheiten auf rumänischem Territorium:

Die Siebenbürger Sachsen

Die Banater Schwaben

-----------

Die Buchenlanddeutschen

Die Deutschen aus dem Altreich und aus der Dobrudscha

Die Bessarabiendeutschen

Gemeinsamkeiten:

  • gemeinsame Sprache
  • starke Verbindung zum Glauben
  • Ausrichtung auf den deutschen Kulturraum

Unterschiede:

  • Wohngebiet
  • soziokulturelle Voraussetzungen

6 of 17

Die wichtigsten Siedlergruppen der deutschen Minderheit

Die Siebenbürger Sachsen

  • Ansiedlung im 12. Jahrhundert
  • privilegierte Nation des Mittelalters
  • reges kulturelles Leben
  • Protestantismus
  • schon ab dem 16. Jh. schriftliche Nachweise geistlicher Literatur in deutscher Sprache

Die Banater Schwaben

  • Ansiedlung im 18. Jahrhundert
  • lebten vorwiegend in Dörfern
  • schwäbische Mundart
  • Agrar- und Handwerkskultur
  • Katholizismus

7 of 17

DEUTSCHSPRACHIGE LITERATUR BIS 1918��AUF DEM HEUTIGEN TERRITORIUM RUMÄNIENS

8 of 17

Die literatur der siebenbürger sachsen

  • Johannes Honterus: das Reformationsbüchlein (1543) und die Kirchenordnung aller Deutschen in Sybembürgen (1547) – geistliche Texte
  • Georg Kraus: Siebenbürgische Chronik (1608-1665) und Daniel Speer oder Ungarischer/Dacianischer Simplicissimus: Seinen wunderlichen Lebens-Lauff und Sonderliche Begebenheiten gethaner Reisen geschichtliche Stoffe
  • Daniel Georg Neugeboren: Über die Lage und die Hindernisse der Schriftstellerei in Siebenbürgen (1790) und Gedanken über den jetzigen Zustand der Gelehrsamkeit in der Sächsischen Nation in Siebenbürgen, sammt einigen Vorschlägen zur Verbesserung (1795) über Literatur und Volk
  • Stephan Ludwig Roth: Der Sprachkampf in Siebenbürgen (1842) – über die Beziehungen zur rumänischen Bevölkerung
  • 19. Jh.: Literatur wird in Zeitungen und Zeitschriften veröffentlicht, wie zum Beispiel Der Siebenbürger Bote, Siebenbürger Wochenblatt, Blätter für Geist, Gemüth und Vaterlandskunde.
  • Josef Haltrich mit Deutsche Volksmärchen aus dem Sachsenlande in Siebenbürgen, Berlin 1856, Friedrich Müller mit Siebenbürgische Sagen, Kronstadt, 1857, Friedrich Wilhelm Schuster mit Siebenbürgisch-sächsische Volkslieder, Sprichwörter, Räthsel, Zauberformeln und Kinder-Dichtungen, Wiesbaden 1865 – volkskundliche Schriften
  • Anfang des 20. Jhs.: realistische Züge der Epik (Oskar Wittstock, Adolf Meschendörfer); Darstellung der dörflichen Verhältnisse – die siebenbürgisch-sächsische Gesellschaft

9 of 17

Die literatur der banater schwaben

  • Die Schriftsteller verstehen sich eher als deutsche und österreichische Schriftsteller nicht als banatschwäbische.
  • Die ersten Banater Dichter sind Johann Friedel (mit Briefen, Briefromanen, Betrachtungen und Dramen), Johann Nepomuk Preyer (Epigramme, Theaterstücke) und Josef Gabriel d.Ä. als schreibender Bauer.
  • Die Werke der Banater Schwaben befassen sich mit banatschwäbischer Thematik – vor allem mit dem Leben auf dem Dorf
  • Adam Müller-Guttenbrunns (1852-1923) Prosa und Publizistik fördern „die Bildung eines regionalen Eigenständigkeitsbewusstsein unter den Deutschen des Banats“.
  • Magyarisierungstendenzen unter den Deutschen nach dem österreichisch-ungarischen Ausgleich (1867)
  • Anfang des 20. Jhs.: erhöhtes Interesse für die Verwendung der deutschen Sprache

10 of 17

Die literatur der bukowina

  • in der Hauptstadt Czernowitz findet eine lebendige deutschsprachige Literatur- und Kulturszene statt
  • die deutsche Sprache als verbindendes Element
  • deutsche Schriftsteller und Literaten erst ab Mitte des 19. Jahrhunderts (Besonderheit: Juden, die Deutsch als Sprache ihrer Schriften wählen)
  • nach dem Zweiten Weltkrieg: deutschsprachige Bevölkerung wird vertrieben bzw. emigriert
  • Themen der deutschsprachigen Literatur aus der Bukowina: Exil, Verlust, Identitätsverlust, Vielvölkerleben
  • Paul Celan, Rose Ausländer, Gregor von Rezzori

11 of 17

RUMÄNIENDEUTSCHE LITERATUR

„Das, was wir heute rumäniendeutsche Literatur nennen, ist aus der Vereinigung dreier Ströme entstanden: der deutschen Dichtung des Banats, Siebenbürgens und der Bukowina. Die lang angestrebte Annäherung zwischen siebenbürgisch-sächsischen und banat-schwäbischen Elementen, durch die Verlagerung und zeitweilige Zentralisierung der einst isolierten geistigen Mittelpunkte zwangsläufig eingetreten, führte einerseits zum Verwischen manches charakteristischen Zuges, während andererseits der Grundstein zu einer heute einheitlichen Entwicklung gelegt wurde.“

Alfred Kittner (1906-1991), Schriftsteller aus der Bukowina

12 of 17

RUMÄNIENDEUTSCHE LITERATUR�-Bezeichnung / Merkmale-

  • Literatur der deutschen Minderheit aus Rumänien; Sprache: Deutsch (Rumänien ist eine Sprachinsel mit schriftlichen und mündlichen Eigentümlichkeiten.)
  • Nationalitätenliteratur, Regionalliteratur, Minderheitenliteratur, auslandsdeutsche Literatur, „inselsprachliche Literatur” (Peter Motzan, Literaturhistoriker)
  • Randliteratur
  • geprägt von geographischen, sprachlichen, demographischen, soziologischen, ethnopolitischen, ethnologischen und kulturhistorischen Faktoren

13 of 17

Rumäniendeutsche Literatur 1918-1945 (1)

  • 1930er Jahren: gemeinsames Identitätsbewusstsein der deutschen Bevölkerungsgruppen
  • 1940: Gründung der Deutschen Volksgruppe – alle „volksdeutsch“ – die Blut-und-Boden-Ideologie in der Literatur: Heinrich Zillichs Roman Zwischen Grenzen und Zeiten (wird 1937 Hitler überreicht) und Adolf Meschendörfers Stadt im Osten
  • Zeitschrift Klingsor (1924-1939) – Heinrich Zillich (Herausgeber)
  • Arbeit am siebenbürgisch-sächsischen Wörterbuch – Beschäftigung mit der deutschen Muttersprache als identitätsstiftendes Merkmal
  • Lyrik ist eher politisch geprägt: Krieg, Nationalsozialismus, das Leben als Minderheit
  • Prosa: realistisch, „wirklichkeitsgetreu“
  • Themen der Epik: Heimat in „Stadt- und Dorfgeschichten“; die einheimische Welt
  • Theater: Blütezeit durch die Gründung von Theatervereinen

14 of 17

Rumäniendeutsche Literatur 1945-1989 (2)

  • 1945 Ende des Zweiten Weltkrieg: Deportation der Vertreter der deutschen Minderheit – der Literaturbetrieb stellt keine Priorität mehr dar
  • die literarische Zensur aller Texte: Selbstzensur, Verlagszensur, Zensur des Zensuramtes (spezifische Techniken der poetischen/schriftstellerischen Camouflage)
  • Auftragsdichter/Parteidichter: Alfred Margul-Sperber
  • Entstehung einer sogenannten Oppositionsliteratur: z.B. Aktionsgruppe Banat (Publikationsverbot)
  • Erhaltung der deutschen Kultur und Sprache durch: Literatur bzw. Staatsverlage, Zeitungen und Zeitschriften.
  • Lyrik: Sammelbände bekannter Autoren
  • Epik: Romane, Erzählungen, Kurzgeschichten in Prosaanthologien; Thema: Erziehung
  • Bühnenliteratur: spärlich vertreten
  • Schriftstellerprozess 1959

15 of 17

Rumäniendeutsche Literatur 1989-dato

  • massive Auswanderung der Schriftsteller und der deutsch(sprachigen) Leserschaft nach 1990
  • nach dem Fall des Eisernen Vorhangs: keine Zukunft für die rumäniendeutsche Literatur; Deutsch als „Sprache der Grabsteine“
  • trotzdem:
  • 2025 in Rumänien schreibende rumäniendeutsche Autoren: Eginald Schlattner, Carmen Elisabeth Puchianu, Joachim Wittstock, Elise Wilk, Balthasar Waitz.

16 of 17

RUMÄNIENDEUTSCH – IMMER NOCH AKTUELL?

  • Begriff entspricht nicht mehr seiner eigentlichen Definition
  • rumäniendeutscher Schriftsteller: Vertreter der deutschen Minderheit aus Rumänien – „Arbeitssprache “: Deutsch
  • Begriff muss „aktualisiert“ werden: z. B. siebenbürgischer-deutscher Schriftsteller für Eginald Schlattner
  • die meisten „rumäniendeutschen“ Schriftsteller leben im deutschsprachigen Ausland: siehe Herta Müller - Nobelpreis 2009, Franz Hodjak, Iris Wolff

17 of 17

RUMÄNIENDEUTSCH – IMMER NOCH AKTUELL?

„Die rumäniendeutsche Literatur ist ein abgeschlossenes Kapitel und gehört nun strikt zur Literaturgeschichte. Selbst die Bücher, die wir hier schreiben und veröffentlichen, gehören nicht mehr zur rumäniendeutschen Literatur, wieso auch? Eine rumäniendeutsche Literatur kann es in Deutschland nicht geben. Es könnte sie nur in Rumänien geben, aber da sind wir schon wieder am Anfang meiner Antwort.”

Franz Hodjak