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A. GOLDMAN: THEORY OF MIND

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GLIEDERUNG DES REFERATS

  1. Zusammenfassung von Goldman‘s Arbeit „Theory of Mind“:�Verschiedene Ansätze zur Mentalisierung, 1. Person/3. Person Kontrast
  2. Argumentationsanalyse & -kritik: �Fazit, Analyse der Bewertung der Simulation Theory, Problem der Theoretisierung?
  3. Gemeinsame Arbeit am Inhalt: �Bearbeitung von Fragen in kleinen Gruppen

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THEORY OF MIND: AUFBAU

2 große Abschnitte mit Versuchen zur Klassifikation verschiedener Ansätze zu Mentalisierung:

  1. 4 rivalisierende Ansätze bezüglich Mentalisierung:
    1. Theory-Theory
    2. Modularity Theory
    3. Rationality Theory
    4. Simulation Theory:
      1. Mirroring & Simulational Mindreading
      2. Simulation & High-Level Mindreading

  1. 1. Person/3. Person Kontrast:
    1. First-Person Mindreading

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THEORY-THEORY

  • Erste Theorie über Mindreading, entstanden mit „Empiricism and the Philosophy of Mind“ von W. Sellars 1956
  • Konzepte des allgemeinen Menschenverstandes und Sprache über mentale Zustände sind Produkte einer Theorie
  • Psychologie wird von wissenschaftsähnlicher Theorie geleitet

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    • Experiment: „false-belief-tasks“: starke kognitive Entwicklung zwischen Alter 3 & 4
    • Erklärung von TT: Theorie im Gehirn der Kinder verändert sich: ab 4 werden Fehler zugelassen �-> 3-Jährige haben konzeptionelles Defizit
    • Problem: Variierungen der Experimente lassen auch 3-Jährige bestehen
    • 3-Jährige haben Probleme mit inhibitorischer Kontrolle -> ein Jahr mehr Reife als Grund für Bestehen?
    • Allgemeines Problem der TT: sind Denkstrukturen aller Kinder so ähnlich, dass nur eine Theorie als Erklärung reicht?

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MODULARITY THEORY

  • Mitte der 1980er Jahre entstanden
  • MT hält Mentalisierungs-Module für angeboren und automatisch entwickelt, nicht angelernt
  • Übereinstimmung mit nativistischer Theorie des „Kernwissens“: Babys haben bereits Wissen über Physik & Arithmetik in sich
  • Beweise: Studien an „normalen“ Kindern, – mit Down-Syndrom und – mit Autismus: Vermutung, dass Kinder mit Autismus eine Beeinträchtigung des Moduls haben
  • Leslie: Befunde deuten auf reifendes Modul hin: „Theory-of-Mind-Mechanismus“ (ToMM):�u. A. Basis für Ausbildung der ToM & bei Autismus beeinträchtigt
    • Problem mit ToMM: erfüllt nicht die Hauptkriterien für Modularität nach Fodor wie z. B. domain-specificity (nur durch bestimmte Reize aktivierbar)
    • Weiteres Problem: ToMM verwendet Wissen aus anderen Systemen

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RATIONALITY THEORY

  • D. Dennet: Geist "rationalisiert" Ziel als rationaler Akteur durch Zuordnung von Einstellungen
  • Alltagspsychologie ist Produkt der intentionalen Haltung, die versucht, das Verhalten anderer vorauszusagen; Standartannahme: Agent ist rational
  • Unplausible Konsequenzen: Menschen vergessen/ignorieren & handeln nicht immer rational �-> Umgang mit Inkonsistenz? Normative Regel? Nein
  • Unvollständig: umfasst keine mentalen Zustände (Empfindungen/Emotionen) �-> Attribution von Rationalität möglich?
  • Gergely et al.: Babys erwarten rationale Entscheidungen?�-> Es existieren auch mentale Zustände ohne Rationalität (z. B. Mentalisierung durch Mimik)
  • RT höchstens Erklärung für kleinen Ausschnitt des Mindreading

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SIMULATION THEORY

  • Auch „empathy-theory“ genannt
  • R. Gordon: „Was würde ich in der Situation dieser Person tun?“
  • Verständnis anderer durch einen Prozess des Mitfühlens/Wiedererlebens/Hineinversetzens�-> innere Nachahmung von Gedanken als zentrales Werkzeug zum Verständnis Anderer
  • Goldman: Leser des Geistes simulieren Ziel durch Versuch, mentale Zustände anderer in sich zu generieren, um so weitere Zustände zu generieren und Ziel besser zu verstehen
  • Problem: wie ist Theorie möglich, ohne selbst Theoretisierung zu sein? -> Zustand ist nur Glaubensvorstellung
  • Goldman: Unterschied zwischen „Theorie-gesteuerten“ – (fremde Systeme) und „Prozess-gesteuerten“ Simulationen (ähnliche Systeme)
  • In letzterem Fall ST ohne Theoretisierung möglich

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MIRRORING & SIMULATIONAL MINDREADING

  • Ursprünglich Zuschreibung propositionaler Einstellungen, jetzt Konzentration auf einfache mentale Zustände
  • Gallese & Goldman: Verbindung zwischen simulationsartiger Gedankenlesung und Aktivität von Spiegelneuronen: Aktionsplan des Akteurs wird von – des Beobachters gespiegelt �-> mentale Simulation -> Spiegelsystem Teil eines allgemeinen Gedankenlesesystems?
  • besonders bei Absichten aktiv (Studie von laboconi et al., 2005)
  • Probleme: Aktivität beinhaltet nur Vorhersagen von Handlungen/ist nur Nachahmung der Absichten, Verbale Berichte der Teilnehmer deuten jedoch auf Attribution von Absichten hin
    • Unbewusste Nachahmung von Mimik und Gestik in allen Altersgruppen (auch Neugeborenen)
    • Spiegelung = mentales Nachahmen (1.), nicht zwingend mit Verhaltensnachahmung (2.) �-> tiefgreifender Prozess, da 1. ohne inhibitorische Kontrolle noch mehr zu 2. führen würde

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SIMULATION & HIGH-LEVEL MINDREADING

  • Nicht alles durch Spiegelung erklärbar – andere Simulation?
  • Simulation: Nacherleben eines Prozesses/mentalen Ereignisses (ST: E-Imagination: eigene Konstruktion eines mentalen Zustandes beim Lesen der Gedanken anderer)
  • Bpw. Visualisierung: Konstruktion eines realistischen Bildes – ähnelt visueller Wahrnehmung, auch auf motorisiertes Verhalten übertragbar
  • Bruckner & Carroll: Kerngehirnnetzwerk: unterstützt Selbstprojektion (eigene Tempi und andere Geister)�-> Perspektivenwechsel -> auch Simulation
  • Gedankenlesen erfordert gut ausgewählten Satz an Eingaben – Fehler: Quarantäneversagen, tritt bei Theoretisierung nicht auf, in Realität häufig (egozentrische Voreingenommenheit)
  • Simulationstheorie scheint – so Goldman – gute Erklärungsmöglichkeit zu sein

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FIRST PERSON MINDREADING

  • Existiert Methode zur Selbstmentalisation? TT & RT: nein
  • Gedankenexperiment: Vorhersagen eigener körperlicher Handlungen: Entstehung & Erkennung von Absichten: Basieren auf Introspektionen, keine anderen Anreize�-> auf Zugang zurückzuführen, ähnlich auch bei körperlichen Reizen & Erinnerungen
  • Wilson: Zugang zu eigenen Gedanken viel besser als zu anderen -> privilegierter Zugang?
  • Nichols & Stich: oft behauptete Parallelität zwischen Selbst und Anderen hält nicht stand
  • Problem: Keine Daten zu körperlichen Empfindungen (passen nicht zum Modell)
    • Shoemaker: viele Ungleichheiten zwischen äußerem Sinn und Introspektion: Fehlen eines Organs, das Introspektion auf kognitive Objekte ausrichtet – Aufmerksamkeit wird abgelehnt
    • Hurlburt: Studie bezeichnet Aufmerksamkeit als erforderlich für reflektive Bewusstheit
    • Fazit: 1. Person Problem genauso kompliziert wie 3. Person Problem, obwohl weniger behandelt

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ARGUMENTATIONSKRITIK - FAZIT

  • „Theory of Mind“ behandelt relativ objektiv verschiedene in den Kognitionwissenschaften behandelte Ansätze zur Erklärung von Mentalisierung, also wie Menschen das Leben und Denken Anderer verstehen
  • Besonderer Fokus auf Simulation Theory als Alternative zur Theory-Theory, da Goldman selbst Simulationstheoretiker ist
  • Fragen:
  • Reichen die empirischen Beweise der Arbeit aus?
  • Ist ST wirklich unabhängig von theoretischem Schließen?
  • Wie werden verschiedene Arten von Simulationen unterschieden? Wie ist deren Anwendbarkeit in der Praxis? Welchen Zusammenhang haben diese Antworten auf die oberen Fragen?

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FRAGEN & KRITIK – 1

  1. Reichen die empirischen Beweise der Arbeit aus?
  2. Viele Beweise und Argumente für ST und nur wenige dagegen
  3. Thema wird tendenziell einseitig beleuchtet, besonders im Vergleich mit den anderen Theorien, die im Paper behandelt werden
  4. Viele Gedankenexperimente, erst bei Vertiefungskapiteln mehr Studien, dann aber weniger allgemeine

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FRAGEN & KRITIK – 2

  1. Ist ST wirklich unabhängig von theoretischem Schließen?
  2. Funktionsweise einer Simulation: beim Hineinversetzen in andere ist man auch auf eigenes Wissen und Verständnis der anderen angewiesen
  3. ähnelt Aufbau einer Theorie
  4. Müsste rein auf Prozess der direkten Nachahmung/Simulation bestehen, ohne Benötigung von explizitem theoretischem Wissen -> direktes Einfühlen/Nachempfinden

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FRAGEN & KRITIK – 3

  1. Autismus
  2. Kleiner Exkurs: ST/ET bei Autismus:
    • Eindeutige Beeinträchtigungen der Fähigkeit der Fremdmetakognition
    • Fremdmetakognition nur durch Theoretisieren möglich, aber nicht generell unmöglich -> TT?
    • ST keine perfekte Theorie wenn man Neurodiversität betrachtet
    • Also: ST nicht als universelle Theorie möglich

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FRAGEN & KRITIK – 4

  1. Unterscheidung verschiedener Arten von Simulationen – Teil 1:
  2. Goldman: Unterscheidung zwischen „Theorie-gesteuerten“ (1) und „Prozess-gesteuerten“ Simulationen (2):
    1. Werden angewendet auf Systeme, die sich von einem selbst unterscheiden
    2. Werden angewendet auf Systeme, die einem selbst ähneln
    3. Problem: wann genau sind andere Systeme einem ähnlich? Was sind Systeme? �Hier erstmal: Personen
    4. Da es nie dieselbe Person 2 mal geben kann, ist immer ein gewisser Unterschied dabei
    5. Sobald ein Unterschied existiert, ist laut Goldman also ein gewisser Grad von Theoretisierung nötig

-> „perfekte“ ST (keine Theoretisierung, nur Nachempfinden) nicht möglich

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FRAGEN & KRITIK – 5

  1. Unterscheidung verschiedener Arten von Simulationen – Teil 2:
  2. Systeme nicht als Personen:
  3. Zunächst Betonung individueller Unterschiede im Simulationsprozess: scheint schlüssig, keine Person ist genau wie die andere, und meistens ist eine auf Diversität ausgerichtete wissenschaftliche Theorie akkurater als umgekehrt (siehe Kritik an TT und RT)
  4. Zusammenfassung zu Systemen jedoch problematisch: Komplexität des interpersonellen Verständnisses wird übersehen:
  5. Selbst, wenn Individuen einander ähneln, gibt es immer noch erhebliche Unterschiede in den kognitiven Prozessen
  6. Eine bestimmte, auf ganze Systeme angewandte Simulation stellt möglicherweise eine unzuverlässige Methode zur Erforschung der mentalen Zustände anderer dar

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GEMEINSAMES ARBEITEN

Aufgaben/Fragen/�Anregungen für euch

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FRAGEN UND AUFGABEN FÜR EUCH

  1. Gebt Beispiele für Situationen, in denen es wichtig sein könnte, die Gedanken und geistigen Prozesse des Gegenübers/der Gegenüber zu verstehen
  2. Inwiefern ist Fremdmetakognition abhängig von Mimik und Gestik anderer Personen?
  3. Würdet ihr Fremdmetakognition eher als unbewussten oder als bewussten Prozess definieren?
  4. Gibt es einen allgemeinen Standard/Aufbau der Denkprozesse anderer oder eine gemeinsame Grundlage? Wenn ja, welchen/welche?
  5. Welche Auswirkungen hat erfolgreiche Fremdmetakognition auf das eigene Leben?
  6. Kann (korrekte) Eigenmetakognition behilflich/nicht behilflich sein? Gebt für beides Beispiele

Welche Kritik würdet ihr vielleicht noch üben?

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DANKE FÜR EURE AUFMERKSAMKEIT!