Potenziale und Fallstricke - Urheberrecht, OER und
freie Lizenzen

Matthias Andrasch für OERlabs (www.oerlabs.de), Lizenz der Folieninhalte: CC0 - einzelne Grafiken/Inhalte sind davon ausgenommen, siehe Kennzeichnung auf der jeweiligen Folie. Präsentationsvorlage von Slidescarnival (CC BY 4.0)

26.06.2017 Gastvortrag im Seminar „Gestaltung und Produktion digitalen Lernmaterials“ von Sandra Hofhues, Universität zu Köln

OER Logo von unesco.org, Autor: Jonathas Mello (CC BY 3.0).

Zielgruppe in diesem Fall: Studierende, z.B. aus dem Intermedia-Studiengang, Lehramt oder Erziehungswissenschaften, welche über wenig Kenntnisse in Bezug auf Urheberrecht sowie freie Lizenzen verfügen

Studierende erstellen in diesem Seminar Feinkonzepte zu OER-Projekten, Seminarbeschreibung hier:

http://blog.hf.uni-koeln.de/oer/2016/03/01/seminarbeschreibung/

90minütige Seminarstunde, Studierende hatten sich vorher mit (Medien-)Didaktik und der bildungspolitischen Frage zu OER beschäftigt, z.B. 5R kennengelernt.

Ziele und Ablauf

Grundverständnis und Einführung in Creative Commons Lizenzen, Grundstein für euer Feinkonzept (Umgang mit Urheberrecht) legen.

  • Relevanz
  • Kleines Urheberrechts-1x1
  • OER und freie Lizenzen: Creative Commons (CC)
  • CC-Kompetenz?
  • Weiterführendes Material
  • Diskussion/Fragen zu euren Projekten

Hi!

Matthias Andrasch

Wissenschaftlicher Mitarbeiter OERlabs (
www.oerlabs.de),
B.A. Medienbildung, Ins-Internet-Reinschreiber & Eduhacker.

Twitter: @m_andrasch
Web: www.matthias-andrasch.de

Disclaimer

Keine Rechtsberatung.

Relevanz

Urheberrecht in einer mediatisierten Welt?

1.

Urheberrecht 1x1

Die Situation in Deutschland

2.

Urheberrecht 1x1: Werk

  • Länderspezifisch! Deutschland:

  • „Werk“ (Text, Foto, Video, etc.) erstellt = automatisch Urheber*in

→ eigene geistige Schöpfung
→ „Schaffenshöhe“ (vs. Alltägliches/Handwerkliches)

→ bis 70 Jahre nach dem Tod (danach: gemeinfrei)

Sonderfälle?

Anforderungen an urheberrechtlichen Schutz eines Tweets (Screenshot nicht unter freier Lizenz)

Urheberrecht 1x1: Nutzung

Für die Nutzung eines Werkes
ist Erlaubnis des Urhebers
oder der Urheberin notwendig.

„Quelle:” ist nicht ausreichend.

Urheberrecht 1x1: Nutzung

  • Ohne Erlaubnis: Schranken:
    • Wiedergabe von Werken an elektronischen Leseplätzen in öffentlichen Bibliotheken, Museen und Archiven, § 52b UrhG
    • Vervielfältigungen zum privaten und sonstigen eigenen Gebrauch, § 53 UrhG
    • Zitat, § 51 UrhG → sehr enge Grenzen! (siehe z.B. hier)
    • Öffentliche Zugänglichmachung für Unterricht und Forschung, § 52a UrhG
    • ...

Weiterführende Infos zu Schranken: LLZ Wiki Uni Halle

§52a

Folie aus Material der Lehrerfortbildung Baden-Württemberg:

https://lehrerfortbildung-bw.de/st_recht/urheber/urh/

(nicht unter freier Lizenz)

Checkliste zu verschiedenen Quellen und Nutzung im Unterricht, Schul-Intranet oder weböffentlich:

https://lehrerfortbildung-bw.de/st_recht/urheber/checkl/text_bild/index.html

Warum ist das wichtig?

www.br.de/sogehtmedien/

Darf ich dieses Youtube-Video als Lehrer*in im Schulunterricht zeigen?

Unsicherheiten

  • Video auf Webseite / Blog / Wiki / ins Intranet der Schule hochladen (einbetten)?
  • in außerschulischem Workshop nutzen?
  • Was ist eigentlich mit Veränderungen am Video? Im „Flipped Classroom“-Video einen Ausschnitt einfügen?
  • Auswege? Bayerischen Rundfunk anrufen und Vertrag abschließen - für jeden spezifischen Nutzungszweck?

Aktuelles Update:

Urheberrechts-Wissensgesellschafts-Gesetz (UrhWissG) ab 1. März 2018 in Kraft

EU-Perspektive

Aktivismuskampagne: www.rightcopyright.eu

EU-Perspektive

Studie zu Lehrertypen und wie Umgang mit Urheberrecht erfolgt in EU-Ländern:

https://rightcopyright.eu/wp-content/uploads/2017/04/Teachers-and-modern-educational-practices.pdf (CC0)

OER und freie Lizenzen als Lösung?

Pädagogische und zeitgemäße Freiheiten durch Creative Commons Lizenzen?

3.

OER-Definition (UNESCO)

Offene Lizenz

Open Educational Resources (OER) sind Bildungsmaterialien jeglicher Art und in jedem Medium, die unter einer offenen Lizenz veröffentlicht werden.

Nutzung/Bearbeitung

Eine solche offene Lizenz ermöglicht den kostenlosen Zugang sowie die kostenlose Nutzung, Bearbeitung und Weiterverbreitung durch Andere ohne oder mit geringfügigen Einschränkungen.

Mehr als Material

Open Educational Resources können einzelne Materialien aber auch komplette Kurse oder Bücher umfassen. Jedes Medium kann verwendet werden. Lehrpläne, Kursmaterialien, Lehrbücher, Streaming-Videos, Multimediaanwendungen, Podcasts – all diese Ressourcen sind OER, wenn sie unter einer offenen Lizenz veröffentlicht werden.

Quelle: Jöran Muuß-Merholz für www.open-educational-resources.de – Transferstelle für OER. Lizenz: CC BY 4.0

Lizenzen

We have a massive system to regulate creativity. A massive system of lawyers regulating creativity as copyright law has expanded in unrecognizable forms, going from a regulation of publishing to a regulation of copying.

Lawrence Lessig, Jurist, Harvard-Professor, Gründer Creative Commons - Zitat aus Vortrag von 2002 (Quelle: Wikiquote)

Foto:
"Lawrence Lessig" (CC BY 2.0) by Joi

Vorteile Creative Commons

  • Creative Commons Lizenzen operieren ebenfalls mit länderspezifischem Urheberrecht
  • weltweit Arbeitsgruppen aktiv, weite Verbreitung
  • Nutzungsvertrag zwischen Urheber*in und Lizenznehmer*in ohne mündliche oder schriftliche Absprache
  • regeln auch Veränderungen und Wiederveröffentlichung statt nur passive Nutzung
  • Einfach auffindbar durch Maschinenlesbarkeit

1,2 Milliarden

Creative Commons lizenzierte Werke

https://stateof.creativecommons.org/?lang=de (2016)

Lizentypen

CC0 = Gemeinfrei (Public Domain)

CC-BY = Namensnennung

CC-BY-SA = Namensnennung-Weitergabe-
unter-gleichen-Bedingungen (ShareAlike)

--

ND = Keine Veränderung (No derivates)
NC = Nichtkommerziell (non-commercial)

CC-Kompetenz nötig?

Umgang und Fallstricke
bei Creative Commons Lizenzen

3.

Vorschlag von Andre Hermes (@medienberater) im Blog: Vermittlungsmodell für CC-Kompetenz für Schüler*innen:

1.) CC0

www.pixabay.com

CC0 = Urheber*in stellt Werk der Allgemeinheit ohne Bedingungen zur Verfügung

1.) Weitere Rechtsvorschriften

Was fällt euch auf?

Persönlichkeitsrecht

Persönlichkeitsrecht nicht in CC-Lizenz enthalten!

Siehe „Recht am eigenen Bild“, Pixabay-Hinweise

Galileo-Beitrag zu Pixabay und Persönlichkeitsrecht (Screenshot nicht unter freier Lizenz)

VICE.com Beitrag zu Persönlichkeitsrecht und Stockfotos (Screenshot nicht unter freier Lizenz)

1.) Weitere Rechtsvorschriften

  • Markenrecht
  • Meme-Kultur und GIFs mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit rechtswidrig in Deutschland, z.B. www.giphy.com
    (fest in Twitter integriert) → Zitatrecht kaum anwendbar
  • Keine Fair Use Regelung, keine Urheberrechtschranke für GIFs

Suchergebnis bei GIPHY, Screenshot nicht unter freier Lizenz

2.) CC BY - Lizenzangaben

Urheber*in: Macht damit was ihr wollt, aber mein Name soll (muss) genannt werden - sowie: TULLU Regel (laut Lizenztext Creative Commons)



Beispiel Web:

Foto „Lawrence Lessig“ von Joi Ito unter der Lizenz CC BY 2.0 via Flickr

Beispiel Print:

Foto „Lawrence Lessig“ von Joi Ito (https://www.flickr.com/photos/joi/) unter der Lizenz CC BY 2.0 (https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/legalcode) via Flickr (https://www.flickr.com/photos/joi/2723085701)

2.) CC BY - Lizenzangaben

2.) CC BY - Lizenzangaben

2.) Fiese Details & Glaubwürdigkeit

  • Abmahnungen
    • Unterschiede zwischen OER-Produzent*innen und Fotograf*innen bzgl. Abmahnungsrisiko
    • Unerlaubter Upload auf pixabay, flickr & Co
  • keine hundertprozentige Sicherheit, Organisationen mit Rechtsabteilungen im Vorteil, Risiko für Einzelpersonen (Rechtskosten, Anwaltsgebühren)
  • Wie sieht so etwas aus? Beispiel Zitatabmahnung

2.) Fiese Details & Glaubwürdigkeit

  • Tipps:
    • TULLU Regel beachten
    • Reverse Image Search
    • Bilder des*der Fotograf*in durchgehen
    • Links folgen bei Wikimedia Commons -> Flickr (manchmal fehlerhaft übernommen)
    • Screenshot der Seite selber abspeichern, auf welcher man Medien findet

Tipps u.a. aus Blogbeitrag von Andre Hermes sowie Facebook-Gruppe “OER im deutschsprachigen Raum”

2.) CC-BY Beispiele

3.) ShareAlike

  • Oft genutzt, erhält Offenheit
  • Aber: kompliziertere Nutzung

Wenn ihr in einem Video z.B. ein CC BY-SA Foto habt, dann muss das ganze Werk unter CC BY-SA lizenziert werden bei Veröffentlichung.

3.) ShareAlike-Beispiel

Beispiel: https://segu-geschichte.de/streik/

→ kann für Arbeitsblätter, etc. verwendet und geändert werden, muss dann wieder unter einer kompatiblen ShareAlike-Lizenz veröffentlicht werden.

4.) ND (keine Veränderung)

  • Nicht relevant für uns, wenn OER als Veränderung gedacht wird, z.B. Anpassung an verschiedene Szenarien
  • Siehe mBook-Diskussion
  • Beispiel: Musikstück darf eigentlich nur abgespielt werden (Siehe hier)

5.) NC (Nichtkommerziell)

  • Sehr kompliziert, persönliche Meinung: lieber nicht benutzen in Deutschland
  • Wird trotzdem oft genutzt, aber auch (leider) oft missverstanden
  • Kann nicht in Wikipedia übertragen werden
  • Streitfrage: Was ist „kommerziell“?
  • Broschüre: Folgen, Risiken und Nebenwirkungen der NC-Lizenz

Fragen?

Weitere Fallstricke

  • OER
    • Dateiformat oder Plattform (veränderbar?)
    • Markenrecht
  • Allgemein
    • Datenschutz (Erfassen von personenbezogenen Daten?)
    • Zweitverwertungsrechte und Gebühren bei öffentlicher Aufführung (z.B. GEMA, VG Wort)
    • Panoramafreiheit
    • Fotos von Kunstwerken in Ausstellungen

Weiterführendes Material

4.

Weiterführendes Material

www.oerlabs.de/oer/

- Videos, Praxisleitfäden

und mehr verlinkt

Communities:

Twitter: #OERde, #OER

https://www.facebook.com/groups/OERde/
https://twitter.com/search?q=%23OERde&src=typd

Aufgabe für die Gruppen

5.

Gruppenaufgabe

  • Diskussion in den Projektgruppen: Spezifische offene Fragen zu euren Projekten, eigenen oder fremden Inhalten?

Vielen Dank!

Vielen Dank für Eure Aufmerksamkeit!


Kontakt: matthias.andrasch@uni-koeln.de
Twitter: @m_andrasch

OER als Lösung?

  • Einarbeitungszeit notwendig?
  • Viele Detailfragen zu Lizenzen und genauen Regelungen?
  • Potenzial durch internationale Anerkennung und weite Verbreitung?
  • Abmahnungen in Deutschland als hohes Risiko?
  • Aber: bessere Lösung derzeit als konventionelle Urheberrechtsschranken?
OER-Seminar: Potenziale und Fallstricke - OER, Urheberrecht und Creative Commons Lizenzen (weböffentlich) - Google Slides