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Zuviel PV?

Vom Schock der negativen Preise zur digitalen Energiewende

Dr.-Ing. Andreas Schmitz | Akkudoktor

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Alarmsignal 1. Mai

Markt im Ausnahmezustand:

Mittags waren alle Nachbarländer bei -500€/MWh im Day Ahead Markt.

Hauptursache klar der PV-Strom:

Extremer PV-Anteil trifft auf historisch niedrige Last am Feiertag.

Unflexible Großkraftwerke:

Kernkraftwerke in Frankreich regeln praktisch nicht runter und verschärfen den Verfall.

Das deutliche Signal:

Wir haben nicht generell 'zu viel' PV, sondern ein massives Flexibilitätsproblem!

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Markt vs. Netzstabilität: Die Kaskade

1. Termin- & Day-Ahead-Markt

Regulärer Handel bis -500€/MWh. Hier fiel das Alarmsignal.

2. Intraday-Markt

Kurzfristiger Ausgleich am selben Tag. Preise eskalieren bis zu +/- 10.000€/MWh! (Hier waren wir am 1.5.)

3. Regelenergiemarkt

Die erste echte Notfallmaßnahme der Übertragungsnetzbetreiber zur Frequenzhaltung.

4. Netzbetreiber-Abregelung

Harte Abregelung vor Ort. Aktuell können bereits 63% der installierten PV-Leistung ferngesteuert abgeregelt werden.

5. Automatische Selbst-Abschaltung

Letzte Instanz der Hardware bei Überfrequenz/Überspannung. Extrem schwer zu koordinieren.

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Lokale Probleme: Das blinde Dorf-Netz

• Oft ignoriert: Die echten Probleme entstehen lokal im Niederspannungsnetz (Dorf/Stadt).

• Spannungsmessung der Community beweist: Lokale Spannungen schießen mittags massiv nach oben und kratzen hart am gesetzlichen Grenzwert.

• Die Folge: Wechselrichter schalten sich lokal wegen Überspannung ab. Netzbetreiber kriegen davon oft gar nichts mit (sie sind 'blind').

• Das Paradoxon: Wir haben mittags lokal extremen Überfluss, aber sobald die Sonne sinkt, herrscht gähnende Leere.

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Die Lösung: Intelligente Direktvermarktung

Was ist Direktvermarktung?

Der Solarstrom wird nicht mehr stumpf gegen eine feste Einspeisevergütung abgegeben, sondern aktiv zum echten, aktuellen Börsenstrompreis verkauft. Das System steuert sich intelligent: Einspeisen wenn der Preis hoch ist, drosseln oder einspeichern wenn der Preis negativ wird.

Hardcore-Nerds machen es vor: Jörg & Christin

Zwei absolute Vorreiter aus unserer PV-Community zeigen eindrucksvoll, was machbar ist: Durch ein smart gesteuertes Energiemanagementsystem erzielen sie aktuell reale Erlöse von 13 bis 14 Cent/kWh – statt der mageren 7 Cent Standardvergütung! Intelligentes, netzdienliches Handeln zahlt sich also auch wirtschaftlich massiv aus.

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Dynamische Netzentgelte: Der Mieter-Gamechanger

• Der nächste große Hebel: Netzentgelte müssen sich dem Stromangebot anpassen (günstig bei Überschuss, teuer bei Lastspitzen).

• Chance für die soziale Energiewende: Damit werden plötzlich reine Kleinspeicher wie Powerstations in der Wohnung extrem attraktiv.

• Wirtschaftlich ohne Dach: Solche Speicher rechnen sich innerhalb weniger Jahre komplett ohne eigene Balkonsolar- oder PV-Anlage!

• Das Prinzip: Nachts oder mittags bei extrem billigen Netzentgelten/Strompreisen den Speicher vollmachen, abends verbrauchen. So geht echte Teilhabe für Mieter.

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Die bürokratische Wand: Ich will, aber darf nicht!

Mein persönliches Beispiel:

Ich habe den Smartmeter installiert. Ich habe die Technik. Ich bin absolut bereit, in die Direktvermarktung zu gehen. Aber der Netzbetreiber blockt stumpf ab mit der Begründung: 'Messkonzept passt nicht'. (Und es gibt aktuell praktisch nur einen Anbieter am Markt, der es überhaupt versucht).

Kein Einzelfall, sondern Systemversagen:

Tausende Menschen aus unserer Community sind hochmotiviert, wollen Verantwortung übernehmen und netzdienlich handeln. Richtige Klasse-Leute! Aber sie werden systematisch ausgebremst. Schlimmer noch: Viele haben nicht einmal einen Smartmeter – und ohne den geht überhaupt nichts.

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Fairness fordert Fortschritt: Was sich ändern MUSS

• Das System anpassen, nicht den Ausbau drosseln! Die Menschen bauen PV aus einem tiefen Sicherheits- und Autarkiebedürfnis heraus.

• Smartmeter-Rollout radikal beschleunigen. Wer keine digitale Infrastruktur liefert, darf die Menschen nicht für Inflexibilität bestrafen.

• Bürokratie-Stopp für Eigeninitiative: Sätze wie 'Messkonzept passt nicht' müssen der Vergangenheit angehören. Der Marktzugang muss für alle offen sein.

• Echte Fairness: Man kann den Leuten nicht die Vergütung kürzen oder wegnehmen, ohne ihnen gleichzeitig die Werkzeuge und den Zugang zu geben, sich selbst am Markt zu behaupten!

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Lassen wir die Menschen endlich die Energiewende machen!

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit. Diskutieren wir!