Fachveranstaltung"Racial Profiling & erweiterten DNA-Analysen in kriminalpolizeilichen Ermittlungen"
Gemeinsame Fachveranstaltung des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma und der Amadeu Antonio Stiftung

Dienstag, 27. März 2018 von 11 bis 16 Uhr
DokuZ Sinti und Roma, Aufbau Haus am Moritzplatz,
Prinzenstr. 84, Aufgang 2, 3.OG, 10969 Berlin (Zugang über Oranienstraße)

Thema und Hintergrund

Seit November 2016 haben Ermittler*innen, Politiker*innen und Journalist*innen die Forderung erhoben, die Anwendung erweiterter forensischer DNA-Analysen in Deutschland gesetzlich zuzulassen. Es geht dabei insbesondere um die Bestimmung der Haut-, Haar- und Augenfarbe (was unter dem Begriff DNA-phenotyping zusammengefasst wird) sowie der sogenannten „biogeografischen Herkunft“

Aus Sicht von Wissenschaftler*innen und Minderheiten-Vertretungen sind erweiterte DNA-Analysen in der Forensik hoch problematisch, da sich ein solches Verfahren ausschließlich gegen Minderheiten richtet. Schon 2016 formierte sich ein breites akademisches Bündnis und übte Kritik, da zahlreiche Fragen zu den wissenschaftlichen Grundlagen, der Praxisanwendung oder den weitreichenden gesellschaftlichen Folgen nach wie vor ungeklärt sind. Dennoch wurden diese Technologien in vielen Medien, in der Politik und in Ermittlerkreisen frappierend einseitig und positiv dargestellt.

Bislang kam es in Deutschland offiziell nur in einem Fall zu einer erweiterten biogeographischen Herkunftsanalyse mittels DNA, und zwar im Mordfall Michelle Kiesewetter. Der Fall wurde als das „Heilbronn Phantom“ bekannt und ein über Amtshilfe in Österreich erstelltes Gutachten führte dazu das Sinti und Roma massiv in den Fokus der Polizei gerieten. Die Ermittlungsakten dokumentieren unumstößlich den antiziganistischen Charakter der polizeilichen Ermittlungen, welcher sich auch in der rassistischen und hetzerischen Medienberichterstattung widerspiegelte.

Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma beschäftigt sich seit einiger Zeit intensiv und kritisch mit dem kriminalpolizeilichen Ermittlungsansatz erweiterter DNA –Analyse, der mit einem entsprechenden Gesetzesentwurf 2017 (Bundesratsinitiative aus Baden-Württemberg) in den Bundesrat eingebracht wurde und nun im Bundestag verabschiedet werden soll. Sowohl die CDU/CSU als auch die AfD hatten die Zulassung erweiterter DNA-Analysen in ihrem Bundestags-Wahlprogramm 2017. Auch im Rahmen der Regierungssondierungen mit der SPD ist das Gesetz ein Eckpunkt.

Im Sinne des Diskriminierungs- und Minderheitenschutzes ist es notwendig sich kritisch mit diesem Thema auseinanderzusetzen. Nicht nur Sinti und Roma sondern auch andere Minderheiten sind davon betroffen. Sie werden dadurch pauschal kriminalisiert und Übermaßen verdächtigt.

Gemeinsam wollen wir diese Debatte kritisch begleiten, sie um differenzierte wissenschaftliche Positionen und Fragen erweitern und eine breite öffentliche Diskussion zum Thema anzustoßen.

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