Staatliche Diffamierung in Österreich 2019 – Wir stellen uns dagegen!
English below.

KRITIK AM POLITISCHEN ZIONISMUS MUSS ERLAUBT BLEIBEN – NEIN ZUR AMTLICHEN DIFFAMIERUNG VON MUSLIMEN UND LINKEM ANTIKOLONIALISMUS

Der sogenannte Antisemitismusbericht 2018 der damaligen österreichischen Bundesregierung folgte dem repressiven Trend rechtsnationalistischer Regierungen in Europa, bestimmte Gruppen in der Bevölkerung und bestimmte politische Kampagnen durch Denunzierung, Diffamierung und Diskreditierung zu ächten.

Schon die SPÖ/ÖVP Vorgängerregierung hatte mit dem Islamgesetz die Richtung, bestimmte Gruppen in der österreichischen Bevölkerung unter eine besondere Gesetzgebung zu stellen, vorgegeben. Damit unterstellt die österreichische Politik aller großen Parteien vor allem Menschen mit türkischen und arabischen Hintergründen eine bestimmte religiöse und politische Haltung, oftmals mit kulturrassistischen Zuschreibungen. Diese Unterstellung ist letztendlich identitär, weil sie Haltung und Herkunft mutwillig konstruiert und verbindet.

Außerdem sollen mit dem Antisemitismusbericht politische Standpunkte diffamiert, ausgegrenzt und letztendlich kriminalisiert werden. Dies zielt vor allem auf die legitime Kritik an der israelischen Politik bzw. auf die notwendige Solidarität mit den PalästinenserInnen. Anstatt deren humanistischen und demokratischen Zugang im Sinne eines „Gleichen Rechts für alle“ zu würdigen, wird Menschen, die diese Kritik und Solidarität üben, Antisemitismus als Grundmotiv unterstellt. Die österreichische Bundesregierung versuchte damit in einer absoluten, faktenfreien und ahistorischen Betrachtung und Vereinfachung, Antisemitismus und Antizionismus gleichzusetzen.

Diese Form der Politik hat vor allem in Österreich und Deutschland eine schreckliche Tradition. Und es sind heute genau die Parteien, die anderen Gruppen Antisemitismus unterstellen, die sich nie von den verschiedenen Spielarten des Faschismus und seinen rassistischen Denkmustern in vollem Umfang lossagen konnten. Umgekehrt hat die ÖVP, die historisch in der ideologischen Tradition der „Antisemitenliga“ zu verorten ist, größte Probleme bis heute, die Bilder von Dollfuss und Lueger aus ihren Räumen in das Kellerarchiv zu verräumen. Bei der FPÖ, deren Wurzeln im Deutschnationalismus und Nationalsozialismus liegen, und der wiederholt Verbindungen zu (Neo-)Nazis nachgewiesen werden konnten, tritt dieses unselige Erbe ohnehin oft zutage.

Diese damalige Regierung und die koalierten Parteien überschlugen sich in der Bekundung ihrer Solidarität mit Israel. Einerseits um ihre Vergangenheit loszuwerden und andererseits um die ihnen gleichgesinnten Parteien in der israelischen Politik und deren Rückwirkung auf faschistoide Politiken in Europa zu unterstützen.

Die zwischen einer kulturellen und ethnischen Orientierung schwankende identitäre Mobilisierung nimmt Einfluss auf das Begründungsgebäude der Staaten. Vom demokratischen Staat aller seiner Bürger soll das Selbstverständnis verschoben werden hin zu einem Staat, der eine bestimmte Gruppe privilegiert und andere benachteiligt oder völlig ausgrenzt. In den Augen dieser identitären PolitikerInnen hat das zionistische Israel dafür auch eine Vorbildfunktion.

Diese Form der antidemokratischen und ausgrenzenden Argumentation kommt nicht (mehr) nur von rechtspopulistischer Parteien, Bewegungen und Regierungen. In Österreich wird diese Ausgrenzung durch den Antisemitismusvorwurf mittlerweile auch durch Institutionen betrieben, die dem traditionell linksliberalen Lager zuzuordnen sind. Hier wird ein nationaler bzw. europäischer „Burgfrieden“ quer durch alle parlamentarischen Parteien und Institutionen geschlossen, der den israelischen Staat von allen völker- und menschenrechtlichen Verpflichtungen freizusprechen sucht. Ein Beispiel dafür ist das in der historischen Aufarbeitung der Faschismus verdienstvolle Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands (DOEW). Andreas Peham, langjähriger Mitarbeiter des DOEW, bekannter Israel-Propagandist und Studienautor für VP-FP, spricht de facto die Regierungsparteien, die zwei Haupterben des historischen Antisemitismus, frei und liefert die Begründungen für die chauvinistische Kampagne der Regierung gegen Muslime, die zum Hauptfeind deklariert wurden. So viel zur Aushöhlung von „Wehret den Anfängen“.

DER BERICHT BENUTZT UNWISSENSCHAFTLICHE DEFINITIONEN UND METHODEN.

Hauptansatzpunkt der staatlichen und institutionellen Kriminalisierungsversuche gegenüber jeglicher Palästina-Solidarität und dem gleichzeitigen Schüren antimuslimischen Rassismus ist dabei eine Neudefinition des Antisemitismusbegriffs, der in Auftragsstudien die gewünschten Ergebnisse erzielen soll. In Österreich präsentierte dazu Nationalratspräsident Sobotka im März 2019 die Ergebnisse einer vom Parlament in Auftrag gegebenen Antisemitismusstudie, die Antisemitismus als Geisteshaltung vor allem muslimischen MigrantInnen zuschreibt – ein Ergebnis, das propagandistisch von der mit dem Rechtsextremismus in Verbindung stehenden FPÖ schon seit Jahren vorbereitet wurde. Der Bericht benutzt dabei unangemessene Methoden und unwissenschaftliche Vergleiche.
So wurde bewusst eine „Aufstockungsgruppe“ türkisch- und arabischsprechender StudienteilnehmerInnen herangezogen, die jedoch, wie die VerfasserInnen der Studie im Übrigen selbst anführen, im Unterschied zur restlichen Gruppe nicht repräsentativ ist. Darüber hinaus wurde bei der „Aufstockungsgruppe“ nur eine Interviewform verwendet, bei den anderen TeilnehmerInnen hingegen wurden drei verschiedene Interviewformate miteinander kombiniert. Die StudienautorInnen führen selbst an, dass die betreffenden Stichproben nicht ausreichend gestreut werden konnten und eine Repräsentativität daher „nicht notwendigerweise gegeben“ sei. Auch die definitorischen Grundlagen selbst weisen eine klare politische Stoßrichtung auf, die mit einer unzulässigen und in letzter Instanz unredlichen Gleichsetzung einen politischen Standpunkt festzuschreiben sucht: Die Ablehnung des politischen Zionismus als jüdischem Nationalismus sei Antisemitismus. Damit wird die israelische Doktrin übernommen und jede politische Kritik am Zionismus tabuisiert.

Gleichzeitig lassen sich die Studienergebnisse politisch nutzen, um dem antimuslimischen Rassismus ein neues – vermeintlich wissenschaftliches – Fundament zu liefern: Antisemitismus erscheint als muslimisch/arabisch/türkisches Phänomen. Damit wurde der Kurzschluss zur von der FPÖ lange propagierten „These“ des „importierten Antisemitismus“ vollzogen. Konsequenterweise wird als Gegenmaßnahme von der ÖVP- Staatssekretärin Edtstadler ein verpflichtender KZ-Mauthausen-Besuch für MuslimInnen und eine „Dokumentationsstelle für den politischen Islam“ gefordert.

DIE ARGUMENTATION IST IDENTITÄR UND FOLGT DAMIT DEM TRADITIONELLEN MUSTER DES ANTISEMITISMUS.

Die Umdeutung und Neuinterpretation der Antisemitismusdefinition – inhaltlich mit den Definitionen der zionistischen Netanjahu-Regierung synchronisiert – erfolgt dabei entlang der klassischen antisemitischen Tradition. Sie ist im Kern identitär, geht sie ideologisch doch von einer geschlossenen, ethnisch homogenen „Kultur“ aus, deren „Reinheit“ von den ethnisch, religiös und kulturell „Anderen“ bedroht sei: MuslimInnen, AraberInnen, TürkInnen. Staat und Gesellschaft hätten „völkisch“ einheitlich zu sein, zumindest aber nach „völkischen“ Kriterien regiert, beherrscht zu werden: Das „christlich-jüdische Europa“ ähnlich wie der „jüdische Staat Israel“. Das Judentum in seiner ganzen Vielfalt wird zu einer vermeintlich politischen homogenen Ideologie zusammengeschmolzen: dem politischen Zionismus. Jegliche jüdische Opposition gegen diese nationalistische politische Ideologie wird an den Rand gedrängt, ausgegrenzt, letztendlich zu einem „jüdischen Antisemitismus“ umdefiniert und im Keim erstickt.

Diese Neudefinition von Antisemitismus, die künftig ein Wesensmerkmal jeder Kritik am israelischen Besatzungsregime sein soll, vermischt die Interessen des israelischen Staates mit der heterogenen jüdischen Bevölkerung in und außerhalb Israels. Sie unterstellt eine Gleichheit von Judentum (jüdischer Kultur und Religion) und Zionismus, d.h. als Politik in Form eines ethnozentrisch-jüdischen Nationalismus. Jüdinnen und Juden wird damit implizit die Verantwortung für die völker- und menschenrechtswidrige Politik dieses Staats aufgezwungen. Nicht-zionistische oder antizionistische Jüdinnen und Juden geraten in den Geruch von VerräterInnen, werden „undenkbar“ gemacht. Der Tradition Luegers folgend, bestimmt man letztendlich, „wer a (guter) Jud is“.

DIE REGIERUNGSPARTEIEN SCHAFFTEN ES ALSO NICHT, SICH VON IHRER ANTISEMITISCHEN UND RASSISTISCHEN GESCHICHTE ZU LÖSEN UND WANDTEN SIE GEGEN ANDERE.

Entsprechend dieser politischen Zielsetzungen gelingt es den rechtsnationalen und „christlichsozialen“ Parteien, sich von der eigenen antisemitischen Geschichte und Gegenwart freizukaufen. Die Neudefinition des Antisemitismusbegriffs tabuisiert und immunisiert nicht nur den verbündeten Staat Israel gegen Kritik oder Sanktionen, sondern ermöglicht es zugleich, den politischen Kampfbegriff „politischer Islam“ zu homogenisieren und zu verschärfen. Netanjahus Versuch, die Schuld an der Shoah den PalästinenserInnen zuzuschieben (Stichwort „Großmufti“ von Jerusalem), mag vor einigen Jahren in Europa noch auf Ablehnung gestoßen sein. Über den Umweg „des importierten Antisemitismus“ soll nunmehr die europäische Ausgeburt „Antisemitismus“ Muslimen, AraberInnen und TürkInnen zugespielt werden. Einen ersten Vorstoß wagte der ÖVP-Mandatar Martin Engelberg mit Antritt der rechtsrechten Regierung Österreichs, als er in der israelischen Tageszeitung „Ha'aretz“ die Koalition mit der FPÖ verteidigte. Man solle sich nicht auf die Freiheitlichen fixieren, schrieb er, denn „in Österreich kommt die wahre antisemitische Bedrohung von den Muslimen, nicht den Nazis“. Die FPÖ sei „ungeachtet ihrer nationalsozialistischen Wurzeln längst zu einer einwanderungsfeindlichen, populistischen Bewegung geworden“, feierte Engelberg die rechtsrechte Koalition und begründete damit zugleich, weshalb Rechtsextremismus und Israel-Lobbyismus im Europa des 21. Jahrhunderts eine völlig neue Antisemitismus-Definition benötigen. Die Arbeit dazu lieferten Auftragsstudien, die dann wohl in Gesetzesvorlagen gegossen werden sollten.

WIR FORDERN:

• Eine offene Debatte über die israelische Apartheidpolitik muss möglich bleiben. Ein Verbot für derartige Veranstaltungen in öffentlichen Einrichtungen widerspricht dem Grundrecht auf Meinungsfreiheit und ist zurückzunehmen.

• Das Ende der Stigmatisierung von Muslimen als „die feindlichen Anderen“ durch Politik und Institutionen.

• Landraub, Vertreibung, Diskriminierung und die Unterdrückung palästinensischer Menschenrechte müssen weiterhin, wie in den Genfer Konventionen, vom Europarat, und vom Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen, klar als fortwährende Verletzungen des internationalen Rechts benannt werden können.

• Der Versuch, die Kritik an der Politik Israels durch eine propagandistisch motivierte Gleichsetzung von Antizionismus und Antisemitismus in der öffentlichen Debatte zu unterdrücken, ist zurückzuweisen.

• Große Teile der schwer unterdrückten palästinensischen Gesellschaft setzen große Hoffnungen in die gewaltfreie internationale BDS-Bewegung zum Boykott Israels. Der Beschluss des Wiener Gemeinderates, der diese Bewegung als antisemitisch denunziert und damit Kritik an Israel unterdrückt, ist aufzuheben.

Österreich, Juni 2019

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English version:

CRITICISM OF POLITICAL ZIONISM MUST CONTINUE TO BE ALLOWED – NO TO THE OFFICIAL SLANDERING OF MUSLIMS AND LEFT ANTI-COLONIALISM

The so-called Anti-Semitism Report 2018 of Austria’s former Federal Government followed the repressive lines of right-wing nationalist governments in Europe, which aimed to stigmatize certain population groups and political campaigns by denouncing, defaming, and discrediting them.

With its Islam Law, the preceding coalition government of the Social-Democrats (SPÖ) and the People’s party (ÖVP) already set the direction by subjecting certain groups of the Austrian population to special laws. Thereby, the policies of all major Austrian parties impute certain religious or political attitudes, often supplemented by racist cultural attributions, primarily to people of Turkish or Arabic backgrounds. This imputation/ascription is ultimately identitarian because the attitudes and origins of population groups are deliberately constructed and linked.

In addition, the anti-Semitism report also aims to defame, isolate and ultimately criminalize certain political viewpoints. Above all, it targets legitimate criticism of Israeli policies and the much-needed solidarity with Palestinians. People who voice such criticism and practice such solidarity are slandered as “anti-Semites” instead of receiving recognition for a humanitarian and democratic approach that is based on equal-rights-for-all. By means of ahistorical, and fact-free arguments and simplifications, the Austrian Government tries to equate anti-Semitism with anti-Zionism.

This kind of politics has an appalling tradition, particularly in Austria and Germany. Moreover, it is precisely the parties, which never quite separated themselves from the various sorts of fascism and their racist ideas that now accuse others of anti-Semitism. For example, to this day, the ÖVP, whose historical origins are located in the ideological tradition of the “League of Anti-Semites,” has the greatest difficulties in removing the pictures of Dollfuss and Lueger from their offices and consigning them to the storage cellars. The roots of the Freedom Party (FPÖ) lie in German nationalism and National Socialism; their connections to (neo-) Nazis have been demonstrated repeatedly, and more evidence of their disastrous legacy emerges on an almost weekly basis.

This former government and its coalition parties tripped over each other in expressing their solidarity with Israel. On the one hand, they want to rid themselves of their past, and on the other to support like-minded parties in Israel and their influence on fascistic politics in Europe.

The identitarian mobilisation, which oscillates between a cultural and an ethnic orientation, increasingly influences the foundational concept of European states, which is to be shifted from a “democratic state of all citizens” towards a state that privileges a certain group and disadvantages, or totally excludes, others. In the eyes of “identity” politicians, Zionist Israel serves as a model.

These anti-democratic and exclusionary arguments are no longer advanced only by right-wing populist parties, movements, and governments. In Austria, institutions that traditionally were part of left-liberal spectrum now also use accusations of anti-Semitism for purposes of exclusion. Thereby, a national and even Europe-wide consensus is enforced that absolves Israel of all responsibilities under international and human rights law. One example is the Documentation Center of the Austrian Resistance (DÖW), which is commendable for its historical analysis of fascism. Andreas Peham, a long-time staff member of the DÖW and now well-known as an Israel propagandist, is an author of the ÖVP-FPÖ study that absolves the governing parties - the two principal heirs of historical anti-Semitism - and simultaneously supplies the rationale for the government's chauvinist campaign against Muslims, who are declared to be the principal enemy. This strips the post-fascist slogan "Resist the beginnings" of its meaning.

THE ANTI-SEMITISM REPORT USES UNSCIENTIFIC DEFINITIONS AND METHODS

By means of commissioned reports, the state and some of its institutions attempt to criminalize all solidarity with Palestine and simultaneously to incite anti-Muslims racism. The main instrument for accomplishing this is a new definition of anti-Semitism. In March of 2019, the President of the lower (more powerful) house of the Austrian parliament, Wolfgang Sobotka, presented the results of a study (commissioned by parliament), which ascribes anti-Semitic attitudes primarily to Muslim migrants - a result for which the propaganda of the far-right connected FPÖ has prepared the ground over many years. To obtain its results, the report uses inappropriate methods and unscientific comparisons. For example, the study deliberately used a “supplementary group” of Turkish and Arabic speakers, which - as the authors themselves state and in contrast to the primary sample were not representative. Moreover, the supplementary group was interviewed using a single interview form, whereas with the other participants three different formats were combined. The study authors themselves state that the samples concerned were not sufficiently dispersed and that representativeness was therefore "not necessarily given.” The very definition on which the study is based shows a clear political thrust, which, by means of an inadmissible and ultimately dishonest equivalence, attempts to establish a political position, i.e. that it is anti-Semitic to refuse to accept political Zionism as Jewish nationalism. Thereby, the study adopts Israeli doctrine and renders all political criticism of Zionism taboo.

Simultaneously, the study’s results can be used politically to provide a new - supposedly scientific - foundation for anti-Muslim racism: anti-Semitism is made to appear as a Muslim/Arab/Turkish phenomenon. This completes the short circuit to the FPÖ’s long promoted "thesis" of "imported anti-Semitism". In response, the former ÖVP State Secretary, Edtstadler, draws the consequences and proposes a counter-measure: Muslims must be obligated to visit the concentration camp Mauthausen, and a "Documentation Centre for Political Islam" must be set up.

THE REPORT’S ARGUMENTS ARE IDENTITARIAN AND THUS FOLLOW THE EXAMPLE OF ANTI-SEMITISM

The changed meaning and new interpretation of the anti-Semitism definition, whose criteria are synchronized with those of the Zionist Netanyahu regime, follows the classic tradition of anti-Semitism. At its core, it is identitarian, because its ideology is based on a closed, ethnically homogeneous culture whose purity is threatened by the ethnicity, religion and culture of “others”, i.e. by Muslims, Arabs, and Turks. State and society would have to be völkisch (i.e. uniform in terms of ethnicity, religion and culture) or at least be ruled according to these criteria, i.e. a Christian-Judaic Europe, similar to the “Jewish State” of Israel. Judaism in all its diversity is reduced to a supposedly homogeneous political ideology - political Zionism. Any Jewish opposition to this nationalist ideology is marginalized, isolated, ultimately redefined as "Jewish anti-Semitism" and nipped in the bud.

Criticism of Israel’s occupation regime becomes an essential characteristic in this new definition of anti-Semitism, which thereby commingles the interests of the Israeli state with those of the heterogeneous Jewish populations within as well as outside of Israel. It imputes equality between Judaism (Jewish culture and religion) and Zionism, and in politics takes the form of an ethnocentric Jewish nationalism. Jews are thereby implicitly forced to take responsibility for Israeli state policies that are contrary to international and human rights law. Non-Zionist or anti-Zionist Jews are imbued with the aura of treason and are banished to the realm of the "unthinkable". In the tradition of Lueger, this definition ultimately determines "who is a (good) Jew".

THUS THE FORMER GOVERNING PARTIES FAILED TO DISTANCE THEMSELVES FROM THEIR ANTI-SEMITIC AND RACIST HISTORY AND PROJECTED IT ON OTHERS.

In line with these political objectives, the right wing, nationalist and Christian-social parties have succeeded in ransoming themselves from their anti-Semitic history and its continuation in the present. The new definition of anti-Semitism not only immunizes the allied state of Israel against criticism or sanctions (and turns such acts into taboos), but also generalizes and sharpens the propaganda label of "political Islam." It may be that a few years ago Netanyahu's attempt to shift the blame for the Shoah to the Palestinians (keyword "Grand Mufti" of Jerusalem) was still rejected by some in Europe, but by taking the “detour” of “imported anti-Semitism,” the European spawn of anti-Semitism can now be shifted to Muslims, Arabs, and Turks. As the former right-right Austrian government took office, ÖVP Member of Parliament, Martin Engelberg, delivered the opening thrust in the pages of the Israeli daily, Ha’aretz. In defense of his party’s coalition with the FPÖ, he wrote that it is wrong to be fixated on the Freedom Party, because “in Austria the real anti-Semitic threat comes from Muslims, and not Nazis.” Engelberg celebrated the “right-right” coalition, and maintained that the FPÖ “regardless of its National Socialist roots, has long since become an anti-immigration, populist movement.” He thereby furnishes the rationale for why, in 21st century Europe, both right-wing extremists and the Israel Lobby need a completely new definition of anti-Semitism. The spadework for this was done by commissioned studies whose conclusions could then find their way into legislative proposals.

WE DEMAND THAT:

• an open debate about Israel’s Apartheid policies must continue to be possible. The ban on such events in public institutions contradicts the fundamental right to freedom of expression and must be withdrawn.

• the stigmatization of Muslims as “hostile others” in politics and institutions must end.

• clearly characterizing the theft of land, expulsion of Palestinians, and repression of their human rights as ongoing violations of international law, as stated by the Geneva Conventions, by the Council of Europe, and the UN Human Rights Council must remain legally permissible.

• repressing such criticism of Israeli policies through propagandistic attempts to equate anti-Zionism with
anti-Semitism must be rejected.

• because of the great hope that major sectors of the severely oppressed Palestinian society place in the non-violent international Boycott, Divestment, and Sanctions (BDS) movement, the decision of the Vienna City Council, which denounces this movement as anti-Semitic and thus suppresses criticism of Israel, must be revoked.

Austria, June 2019

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UnterzeichnerInnen/signatories:

Antiimperialistische Koordination (AIK), Austria
BDS Austria
Frauen in Schwarz (Wien), Austria
Antifaschistische Aktion Wien, Austria
Initiative für den Aufbau einer Revolutionär Kommunistischen Partei - IA.RKP, Austria
Jüdische Stimme für einen gerechten Frieden in Nahost e.V., Germany
Steirische Friedensplattform, Austria
Verein für antirassistische und friedenspolitische Initiative – Dar al Janub, Austria
Netzwerk Muslimische Zivilgesellschaft - NMZ, Austria
Jewish Network for Palestine, UK
Biosocial Research Foundation, USA
Al-Quds Association, Spain
UK-Palestine Mental Health Network
BACBI - Belgian Campaign for the Academic and Cultural Boycott of Israel
BDS Schweiz-Suisse
Collectif Palestine 12 -Millau, France
AFPS 63, Association France Palestine Solidarité, France
BDS France, France
Gibanje za Pravice Palestincev, Slovenia
Gruppo Ibriq per la causa e la cultura Palestinese, Italy
Samidoun Palestinian Prisoner Solidarity Network, International
Jews for Palestinian Right of Return; Labor for Palestine, USA
Jüdisch-Palästinensische Dialoggruppe München, Germany
Boycott from Within (BFW), Israeli citizens for BDS, Israel
US Campaign for the Academic and Cultural Boycott of Israel (USACBI), United States
BDS Berlin, Germany
Institut für Palästinakunde e.V., Germany
University of Applies Sciences Frankfurt/M., Germany
Palästina Forum Nahost Frankfurt/M., Germany
Palästina/Nahost-Initiative Heidelberg, Germany
Antifaschistische Aktion Wien, Austria
Handala, Austria
Palästinesische Gemeinde Österreich, Austria
BDS Florenz, Italy
Gruppo Ibriq per la cultura e la causa Palestinese, Italy
Gibanje za pravice Palestincev, Slovenia
Salaam Ragazzi dell'Olivo Comitato di Trieste, Italy
Diensten en Onderzoek Centrum Palestina, Netherlands
IJAN,International Jewish Anti Zionist Network, Spain
Union Juive Française pour la Paix (UJFP), EJJP and ECCP, France
Iniciativa za spravodlivy mier na Blizkom vychode, Slovakia
Palästinensische Gemeinde - MS, Germany
CPJPO, Comité pour une Paix Juste au Proche-Orient, Luxembourg
YANTE - Youth, Art and Levante, Austria
OKAZ, Austria
Arabischer Palästina-Club, Austria
Solidarität International (SI) e.V., Germany
Palästinakomitee Stuttgart, Germany
Duisburger Netzwerk gegen Rechts, Germany
Hände weg von Syrien, Austria
The Palestine Committee of Norway, Norway
AKUBLI - The Norwegian Committee for Academic and Cultural Boycott of State of Israel, Norway
Palestina Solidariteit vzw, Belgium
Verein SOMM, Austria
Initiative für politische Bildung, Austria
LinkeStmk, Austria

Individuals:

Prof. David Klein, California State University Northridge, USA
PhD Les Levidow, Campaign Against Criminalising Communities (CAMPACC), UK
Ronnie Kasrils, Retired Minister South African Government
Na'eem Jeenah, Executive Director, Afro-Middle East Centre, Johannesburg, South Africa
​Dr. Shahid Mathee, Lecturer at the Department of Religion Studies, University of Johannesburg, South Africa
Ofer Neiman, Israel
Mohammed Assaf, Germany
John King, USA
Raymond Deane, composer/author, Ireland
Cristina Soler Crespo, Spain
Cynthia Franklin, University of Hawaii, USA
Paul McDermott, Pasadena Foothills chapter of the ACLU, USA
Prof. Richard Sesford, University of Exeter, UK
Steven Friedman, University of Johannesburg, South Africa
Em. Prof. Herman De Ley, Ghent University, Belgium
Doris Ghannam, Germany
Prof. Rachel Giora, Tel Aviv University, Israel
Birgit Althaler, Switzerland
Ronnie Barkan, Israeli dissident, Palestine/Israel
Jan Ralske, Filmmaker, Germany
Nada Pretnar
Mary Mathai
Michal Sapir, Israel
Prof. James Dickins, University of Leeds, United Kingdom
Jean-Pierre Bouché, France
Hadas Leonov, Germany
Loretta Mussi, BDS Italia, Italy
Anna Farkas, Rete Romana di Solidarietà con il Popolo Palestinese, Italy
Alfred Almeder, Personenkomitee "Frieden für die Ukraine", Austria
Leonhard schaefer, BDS Florenz, Italia
Amir Ali, Germany
Vera Macht, Germany
David Klein, U.S. Campaign for the Academic and Cultural Boycott of Israel, USA
Ursula Sagmeister, Frauen in Schwarz Wien, Austria
Heinz Assenmacher, BDS Bonn, Germany
Elfi Padovan, Germany
Alex Link
Henning Kleeblatt
Günter Schenk, CJACP, Frankreich
Wolfgang Behr, Germany
Brigitte Gärtner-Coulibaly, Germany
Claus Stephan Schlangen, Germany
Claudia Karas, Germany
Kirsti Aarseth, AKULBI - THE NORWEGIAN COMMITTEE FOR ACADEMIC AND CULTURAL BOYCOTT OF THE STATE OF ISRAEL, Norway
Eva Sievers, Germany
Dr. Shadi Abu Daher, Austria
Andreas Wisuschil, Lawyer, Munich, Germany
Brigitte Neubacher, UN-Bedienstete in Ruhe, Kabul-Vienna, Austria
Günther Gerstenberg, Germany
Anja Matar, Germany
Jean-Guy Greilsamer, France
Sonia Fayman, UJFP, IJAN, France
Nicole Lefeuvre, France
Irène Steinert, Netherlands
Maria Obispo, Spain
Peter Unterweger Secretariat, Int'l Metalworkers Federation, retired, Austria
Arch. DI. Eric Egerer, Austria
Franz Fischer, Switzerland
Peter Leuenberger, Switzerland
Dr. Nadia Arouri, YANTE - Youth, Art, and Levante Director, Austria
Wilfried Bader, Austria
Margrith Nagel, Switzerland
Rudolf Knutti, Gesellschaft Schweiz-Palästina, Switzerland
Hanna Grubhofer, St. Andrä-Wördern, Austria
Waltraud Schauer, Palästina-Aktivistin, Frauen in Schwarz, Austria
Annette Groth, The Left Party, Germany
Abraham Melzer, Germany
André Rosevègue, UJFP Nouvelle Aquitaine, France
Georges Gumpel, Union Juive Française pour la Paix - UJFP, France
Allen Böhm, Austria
Reza Foroughi, Wien, Austria
Dr. Thomas Prader, Lawyer, Austria
Derya Günes, Austria
Bruno Berger, Austria
Dr. Lisl Rizy, Austria
Helga Suleiman, Palästina Solidarität Steiermark
Ron Ganzried, Switzerland
Daniela Vill, Austria
Hermann Klosius, Austria
Frigga Karl, Paris-Wien
Stephan Bartunek, Gruppe42, Austria
Irina Vana, Soziologin, Austria
Willi Langthaler, Aktivist und Autor, Austria
Hans Peter Radauer, Austria
Franz Pöschl, Germany
Günter Schenk, Strasbourg, CJACP, France
Reinhard Loidl, Filmschaffender, Austria
Renate Schiansky, Austria
Jochim Varchmin, Germany
Imad Garbaya, tunesischer Linksoppositioneller, Austria
Albert F. Reiterer, Sozialwissenschaftler, Austria
Renate Häberle, Palästinakomitee Stuttgart, Germany
Monika Vykoukal, Austria
Nathaniel, United States
Verena Rajab, Palästinakomitee Stuttgart und Partei Die Linke Bundesrepublik Deutschland, Germany
Attia Rajab, Palästinakomitee Stuttgart, Germany
Karin Pilz, Aktivistin, Austria
Raimund Boris Lechthaler, Solidarwerkstatt Österreich, Austria
Vykoukal Karl
Johanna Weichselbaumer, Austria
Gordon Leed, Supporter of oppressed peoples around the world, Scotland
Gerhilde Merz, freie Übersetzerin, Austria
Jürgen Jung, Salam Shalom e. V., Germany
Federico Nier-Fischer, free lance journalist
Dr.Edda Egerer, Austria
Mary Pampalk, Frauen in Schwarz Wien, Aktivistin f. Menschenrechte, Austria
Ingrid Sporn
Paul Blank
Dr. Leo Gabriel, World Social Forum, Austria
Robert Reischer, Österreich
Stefan Grasgruber-Kerl, Austria
Angela Krause, München, Germany
Oskar Lechleitner, Austria
Mag. Renate Bursik, Austria
Gholamhossein Mashhadi, Austria
Leopold Kroell, Psychotherapeut, Theologe, Austria
Dr. Lieselotte Türkmen-Barta, Austria
Maria Ziesler, Austria
Helmut Seidl, Austria
Elisabeth Lindner-Riegler, Austria
Dr. Gerhard Hertenberger, freier Autor, Austria
Dr. Angela Waldegg, Austria
Hans Wührer, Pfarrer i.P., Linz, Austria
Karl Helmreich, Mönch, Austria
Franz Sölkner, Thal bei Graz, Steirische Friedensplattform, Austria
Rolf Becker, ver.di Hamburg, Germany
Dr. Doris Griesser, freie Journalistin, Austria
Roswitha al-hussein, Verein SOMM, Sozialarbeiterin, Austria
Christine Hoedl, Austria
Michaela Rosner, Bibliothekarin, Austria
Prof.Rafael Pardo Moreno, France
Dr. Birgit Englert, Afrikawissenschaftlerin, Wien
Raed Sabbah, Austria
Fritz Edlinger, Gesellschaft fuer Österreichisch-Arabische Beziehungen, Austria
Dr. Doris Höflmayer, Ärztin, Hamburg/Wien, Germany/Austria
Klaus Helms, Mitglied der Industrial Workers of the World (IWW), Germany
Richard Langthaler, gpa, Pensionist, Austria
Paulo Wallner, Austria
Yuko Gulda, verein genbaku no hi, Musician, Austria
Sohre Abadi, Austria
Patricia Pawelka, Kangaroo Bumerang, Austria
Johan Steinberg, Kommunikationswissenschaftler, Netherlands
Elisabeth Gschaider, Austria
Wilfried Bader, Austria
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