Request edit access
Offener Brief an den Vorsitzenden des Wiener Gemeinderates Thomas Reindl und den Präsidenten des Wiener Landtages, Ernst Woller
Darüber soll man nicht mehr sprechen dürfen?
Wie sichert der Gemeinderat die Meinungsfreiheit? Kolonialismuskritik muss erlaubt bleiben
Offener Brief an den Vorsitzenden des Wiener Gemeinderates Thomas Reindl und den Präsidenten des Wiener Landtages, Ernst Woller

Der Wiener Gemeinderat hat eine Reihe von einstimmigen Beschlüssen gegen Antisemitismus gefällt. Das ist grundsätzlich zu begrüßen. Getrübt wird die Freude allerdings dadurch, dass es zur gegenwärtigen virulenten Hetze gegen Musliminnen und Muslime keinen Beschluss gibt.

Mehr noch: Kritik am israelischen Kolonialismus und an der Unterdrückung des palästinensischen Volkes soll als antisemitisch abgestempelt und in Folge sogar unterbunden werden. Der antifaschistische Grundkonsens wird so gegen die Demokratie und die Menschenrechte gekehrt, die allen gleichermaßen zukommen müssten. Im Fadenkreuz befindet sich dabei die nach südafrikanischem Muster von der palästinensischen Zivilgesellschaft ins Leben gerufene Boykottkampagne BDS, die auf friedliche Art und Weise nicht mehr als die Einhaltung der einschlägigen UN-Resolutionen erreichen will.

Tragisches Ergebnis ist, dass dies letztlich alles auf eine unwidersprochene Unterstützung für die ultrarechte Regierung Israels hinausläuft. Denn selbst sehr moderate und sogar jüdische Kritikerinnen und Kritiker der israelischen Politik sind davor nicht gefeit, als Antisemiten diffamiert zu werden.

Dramatische Folge ist, dass israelkritische Veranstaltungen in Wien kaum mehr möglich sind - in öffentlichen und stadtnahen Räumlichkeiten ohnehin nicht mehr. Aber auch im privaten Bereich wird die Angst vor der drohenden Rufmordkampagne, die gerne auf die Gemeinderatsbeschlüsse verweist, immer größer.
Einige wenige Beispiele unter Dutzenden, die zeigen, wie die Meinungsfreiheit bereits massiv eingeschränkt wurde:

• Paula Abrams-Hourani, der mittlerweile verstorbenen Gründerin des Vereins „Frauen in Schwarz“ und jüdische Wahlwienerin, wurde für eine Filmvorführung ein bereits zugesagter Raum im öffentlich geförderten Amerlinghaus wieder entzogen. Initiiert wurde die Kampagne damals von der FPÖ. (2016).

• Hedy Epstein, mittlerweile ebenfalls verstorbene jüdische Holocaust-Überlebende wurde 2016 von einer Veranstaltung im Parlament, bei der sie mit anderen ZeitzeugInnen über Krieg und Faschismus sprechen sollte, wegen ihrer Kritik an Israel von Parlamentspräsidentin Doris Bures, SPÖ, wieder ausgeladen.

• Ronnie Kasrils jüdischer Weggefährte Nelson Mandelas im Kampf gegen die Apartheid, ehemaliger Minister in Südafrika und heute Vertreter von BDS, durfte im März 2019 weder im Volkskundemuseum noch einem privaten Hotel bei einer Veranstaltung sprechen, nachdem die Mietverträge mit Verweis auf den Gemeinderatsbeschluss kurzfristig gekündigt worden waren.

• Hanin Zoabi, ehemalige arabische Knesset-Abgeordnete, durfte im Mai 2019 im öffentlich geförderten WUK nicht sprechen. Interveniert hatte die heutige Vizebürgermeisterin der Grünen Birgit Hebein mittels eines „Geheimdossiers“ des DÖWs.

• Ein Kinoabend mit dem argentinischen Film „¡Yallah ¡Yallah“ über palästinensische Fußballkinder konnte im September 2019 nicht stattfinden, da den VeranstalterInnen von der privaten Artis-Kinokette knapp vor der Österreichpremiere mit dem Hinweis auf den Gemeinderatsbeschluss der gültige Vertrag gekündigt wurde.


Wir fragen:

- Aus wem besteht die „Expertenkommission“ oder das „Monitoring-Komitee“, das hinter den Kulissen immer im Sinne der israelischen Besatzung agiert?

- Wenn ein solches Gremium überhaupt nötig ist, sollten dann dessen Mitglieder nicht nur namhaft gemacht werden, sondern auch die verschiedenen Sichtweisen auf den Konflikt repräsentieren?

Wir fordern:

Der Wiener Gemeinderat soll einen Beschluss zur Sicherung der Meinungsfreiheit fassen und damit sicherstellen, dass

- Kritik an Kolonialismus und Bevölkerungssegregation in öffentlichen Räumen der Stadt Wien wieder möglich wird und

- die politische Forderung nach Einhaltung der einschlägigen UN-Resolutionen nicht als Antisemitismus verfemt werden darf.
Open letter to the Chairman of the Vienna City Council Thomas Reindl and the President of the Vienna Parliament, Ernst Woller
How does the local council ensure freedom of expression?
Criticism of colonialism must continue to be permitted

The Vienna City Council has taken a number of unanimous decisions against anti-Semitism. In principle this is to be welcomed. However, the satisfaction is clouded by the fact that there is no resolution on the current aggressive smear campaign against Muslims.

What is more, criticism of Israeli colonialism and the oppression of the Palestinian people is to be labelled anti-Semitic and subsequently even stopped. The anti-fascist basic consensus is thus turned against democracy and human rights, which should be equally enjoyed by all. The BDS boycott campaign, launched by Palestinian civil society according to the South African model, which aims to achieve nothing more than compliance with the relevant UN resolutions in a peaceful manner, is thereby placed in the crosshairs.

The tragic result is that all this ultimately amounts to an unchallenged support for Israel's ultra-right government. Indeed very moderate and even Jewish critics of Israeli politics are not immune to being defamed as anti-Semites.

The dramatic consequence is that events critical of Israel in Vienna are hardly possible any more - at least not in public nor in the vicinity of cities. But also in the private sphere the fear of the threatening smear campaign, which likes to refer to the decisions of the local council, is growing ever greater.

A few examples among dozens that show how freedom of expression has already been massively restricted:

• Paula Abrams-Hourani, the late founder of the association "Women in Black" and a Jewish Viennese by choice, was deprived of a room in the publicly funded Amerlinghaus for a film screening. The campaign was initiated by the FPÖ. (2016).

• Hedy Epstein, meanwhile also deceased Jewish Holocaust survivor, was uninvited in 2016 because of her criticism of Israel by Doris Bures, SPÖ, President of Parliament, from an event in parliament in which she was to speak with other contemporary witnesses about war and fascism.

• Ronnie Kasril a Jewish companion of Nelson Mandela in the fight against apartheid, former minister in South Africa and today representative of BDS, was not allowed to speak at an event in March 2019, neither in the Volkskundemuseum nor in a private hotel, after the contract agreements were terminated at short notice with reference to the local council's decision.

• Hanin Zoabi, former Arab Knesset deputy, was not allowed to speak at the publicly funded WUK in May 2019. Birgit Hebein, the current Vice Mayor of the Green Party, had intervened referring to a "secret dossier" of the DÖW.

• A cinema evening with the Argentinean film "¡Yallah ¡Yallah" about Palestinian football youths did not take place in September 2019, as the private Artis cinema chain, shortly before the Austrian premiere, cancelled the contract with the organisers on the grounds of the local council's decision.

We ask:

• Who does the "Expert Commission" or the "Monitoring Committee", which always acts behind the scenes in the interests of the Israeli occupation, consist of?
• If such a body is necessary at all, shouldn't its members not only be named, but also represent the various views on the conflict?

We demand:

The Vienna Municipal Council should take a decision to secure freedom of expression and thus ensure that:

• Criticism of colonialism and population segregation becomes possible again in public spaces of the City of Vienna and

• the political demand for compliance with the relevant UN resolutions must not be branded as anti-Semitism.
Bisherige Unterzeichnerinnen und Unterzeichner
• Univ. Prof. Dr. Walter Sauer, Historiker, Wien
• Samuel Welber, Jüdische Stimme für gerechte Frieden in Nahost, Wien
• Bernhard Heitz, emeritierter Bischof der Altkatholischen Kirche
• Mag.Dr. Meinrad Schneckenleithner, Vizepräsident Pax Christi
• Kaplan Franz Sieder, Pax Christi, Amstetten
• Franz Sölkner, Friedens- und Öko-Aktivist, Thal bei Graz
• Stephan Bartunek, Medienaktivist, Gruppe42, Wien
• Abhijit Ghosh, Pensionist, Multikultureller Stammtisch, Amstetten
• Leo Gabriel, Sozialanthropologe und Mitglied im Rat des Weltsozialforums, Wien
• Karl Helmreich, Benediktinermönch, Hirtenberg
• Stefan Grasgruber-Kern, entwicklungspolitischer Aktivist und Sektionsvorsitzender SPÖ, Wien
• Mary Pampalk, Frauen in Schwarz, Wien
• Joseph Pampalk, Priester und Entwicklungshelfer im südlichen Afrika, Wien
• Birgit Englert, Assoziierte Professorin für Afrikanische Geschichte und Gesellschaft, Wien
• Wilhelm Langthaler, Autor und Aktivist für eine gerechtere Weltordnung, Wien
• Andreas Auzinger, KPÖ Innviertel, Ried
• Hannes Hofbauer, Publizist, Wien
• Elisabeth Lindner-Riegler, pensionierte AHS-Lehrerin, Wien
• Waltraud Schauer, ehemaliger menschlicher Schutzschild im Irak, Wien
• Dr. Angela Waldegg, Künstlerin, Wien
• Christine Hödl, Pensionistin, Graz
• Gerhilde Merz, Friedensaktivistin und Mitglied von Pax Christi, Linz
• Irina Vana, Soziologin, Wien
• Eva Obemeata-Gimoh, Sozialarbeiterin, Wien
• Frigga Karl, Menschenrechtsaktivistin, Wien/Paris
• Murat Gürol, IT-Techniker, Wien
• Thomas Pierer, KPÖ-Steiermark, Bruck an der Mur
• David Stockinger, Vorsitzender SPÖ Schwechat, Vorstandsmitglied Solidarwerkstatt Österreich
• Doris Höflmayer, Ärztin, Wien/Hamburg
• Peter Unterweger, Sekretär Internationaler Metallgewerkschaftsbund, i. R, Wien/USA
• Ursula Sagmeister, Frauen in Schwarz Wien, Maria Enzersdorf
• Albert F. Reiterer, Gesellschaftswissenschaftler und Publizist, Wien
• Boris Lechthaler, Solidarwerkstatt Österreich, St. Leonhard b. Freistadt
• Karin Pilz, Aktivistin, Wien
• Mag. Dieter Kurz, Pax Christi Stmk, Hausmannstätten
• Maria Ziesler, Komitee Frieden für die Ukraine, Pöllauberg
• Dr. Mag. Josef Windischer, Obmann Vinzenzgemeinschaft Waldhüttl, Innsbruck
• Gerald Oberansmayr, Verleger, Solidarwerkstatt
• Oliver F. Hashemizadeh, Angestellter und Aktivist
• Marcus Scholz, Angestellter und Aktivist
• Christian Schillinger, Aktivist, Wien
• Dr. Ingeborg Grau, Afrika-Historikerin, Wien
• Dr. Bea de Abreu Fialho Gomes, Afrikawissenschaftlerin, Wien
• Erwin Bartsch, IT-Techniker, Wien
• Helmut Seidl, Zimmerer/Kunstschmied und Kulturanthropologe, Pöllauberg
• Christl Meyer, Biologin/Ethik, Frauen in Schwarz, Wien
• Mag.a Andrea Mayer-Edoloeyi, Theologin, Solidarwerkstatt, Linz
• Thomas Eiler, Angestellter, Wien
• Walter Wolf, MBA, Amstetten
• Johanna Weichselbaumer, Solidarwerkstatt Österreich, Alkoven
• Waltraud Torossian, Architekt, Entwicklungshilfe Pakistan, Flüchtlingshilfe Libanon, Wien
• Rudolf Schober, Gemeinderat der SPÖ Ottensheim
• Gerhard Summer, Vermessungstechniker, BDS Austria, Wien
• Daniel Jungmayer, IT-Consultant, BDS Austria, Wien
• Roswitha Al-Hussein, Aktivistin, Graz
• Wolfgang Stadler, ÖBB-Angestellter, 1020 Wien
• Michaela Mayer, Illustratorin, Kindergruppen-Betreuerin, 1030 Wien
• Wilhelm Andel, Pensionist (UNRWA), 1230 Wien
• Matthias Klien, Selbstständiger Künstler, Wien
• Alois Stifter, Meinungsfreiheit und Gerechtigkeit liebender Staatsbürger, 8044 Weinitzen
• Dr. Heinz Leitner, Pensionierter Beamter d. Arbeitsministeriums, Wien
• Karl Leyrer, ehemaliger AHS-Lehrer, Gleisdorf
• Peter Schustereder, Friedensaktivist, Wien
• Sylvia Hauser, Pensionistin, Innsbruck
• Brigitte Reichel, Selbständige
• Thomas Steindl, Wien
• Aleksandra Fila, Studentin, Wien
• Nadia Baha, Wien
• Sukayna El Ganayny Prünner, Wien
• Mag. Renate Bursik, Lehrerin/ Pension, 1070 Wien
• Petra Bacha, Universalmuseum Joanneum, Graz
• Johann Schlöglhofer, Elektrotechniker, Kematen, Tirol
• Hubert Krammer, Bündnis gegen den Krieg - Hände weg von Syrien, Loitzendorf, NÖ
• Franz Ofner, Universitätsdozent, Wien
• Robert Reischer, Menschenrechtsaktivist, 2763 Pernitz
• Fred Baumgartner, Student (katholisch), Innsbruck
• Wilfried Bader, Antiimperialist, Angerberg / Tirol
• Dipl.-Ing. Fritz Weber, unabhängiger Publizist zu ethischen und bibelexegetischen Fragestellungen, Wien
• Helga Suleiman, Palästina Solidarität Steiermark, Graz
• Mag. Susanne Slattery, Historikerin, 3352 St. Peter/Au
• Irene Kainz, Wien
• Zita Loga, Aktivistin, 1070 Wien
• Mag. Richard Langthaler, Pensionist; früher Afrikareferent bei der ÖFSE (Österreichische Forschungsstiftung für Entwicklung; früher UNDP-Einsatz in Burkina Faso und Entwicklungshelfer in Kongo/Kinshasa, 1110 Wien
• Franz Binder, Ein Mensch, der das Recht auf ein Leben in Sicherheit aller jüdischen Mitmenschen achtet. Und auch das Leid, dass diesem Volk zuteil wurde verurteilt. Dasselbe aber auch nichtjüdischen Menschen in Israel zugesteht., Ybbs
• Mag.a Gabriele Wagner, Solidarwerkstatt Linz, 4020 Linz
• Sonia Saadi, Aktivistin, Wien
• Michael Herder, Menschenrechtsaficionado, 1100 Wien
• Wolfgang Friedhuber, Linke Stmk, Graz
• Ulrike Koushan, Friedens- und Umweltaktivistin, 5020 Salzburg
• Jutta Matysek, Umweltaktivistin, Wien
• Tatjana Kojić, Übersetzerin, Wien
• Susan Kutscha-Lissberg, Ärztin, Wien
• Emina Dautovic, Graz, Steiermark
• Derya Günes, Steuerberaterin, Wien
• Dina El Haddad, Graz
• Wolfgang Stadler, Angestellter, 1020 Wien
• Cornelia Mitter, Grafikerin, Wien
• Dr. Tarek Alborno, Arzt
• Franz Samide, Palästina Solidarität Steiermark, Bad Gams
• Viktor Pölzl, Obmann Verein Freimann, Graz
• Eveline Steinbacher, Angestellte, Solidarwerkstatt, Linz
• Kalliopi Damanaki, Kindergruppenbetreuerin und Sprachförderin, Wien
• Oskar Lechleitner, Student, Wien
• Gerhard Drexler, Pensionist, ehem. Soziologe, 1230 Wien
• Petra Klier, 1230 Wien





International:
• Doris Ghannam, Menschenrechtsaktivistin, Berlin
• Gordon Leed, Musician and activist, Peterborough, Groß-Britannien
• Dr. Stephanie Reiß,Physikerin, Flüchtlingsnetzwerk Ilmenau
• Güven Unternehmer mit sozialem Engagement, Albstadt
• Ebazer Cimeken, 73230 Kirchheim/Teck
• Dr.-Ing Mustapha Saad, Bauingenieur, Deutschland
• Attia Rajab, Palästinakomitee, Stuttgart
• Ellen Rohlfs, Übersetzerin, Lektorin, Friedensktivistin, 49565 Bramsche
• Verena Rajab, Journalistin, Stuttgart
• Dr. Hans-Jürgen Bandelt, Professor i.R. und Publizist, Hamburg
• Claudia Karas, Friedens-/Menschenrechtsaktivistin, Frankfurt




Organisationen:
• Solidarwerkstatt Österreich
• Dar al Janub - Verein für antirassistische und friedenspolitische Initiative
• Steirische Friedensplattform
• Antiimperialistische Koordination
• Frauen in Schwarz Wien

Reihenfolge nach Eingang der Unterstützungserklärung
Ich möchte den Offenen Brief unterzeichnen
Geben Sie Namen, Email und eine kurze Selbstbeschreibung ein.
Name *
Your answer
E-Mail-Adresse *
Your answer
Wohnort /place of residence *
Your answer
Selbstbeschreibung / self-description *
Your answer
Kommentare
Your answer
Submit
Never submit passwords through Google Forms.
This content is neither created nor endorsed by Google. Report Abuse - Terms of Service - Privacy Policy