Gemeinsam
besuchen wir zwei Ausstellungen in der Villa Merkel. Beide präsentierten
Künstler:innen beschäftigen sich intensiv mit ihrer Biografie und ihren
Identitäten.Vor Ort möchten wir uns mit diesen komplexen Begriffen
beschäftigen, verschiedene Räume und Gruppen identifizieren, die uns prägen,
und schreiben die Ausstellung weiter in Form von Zeichnung und gewobenem
Teppich.
RAMAZAN CAN
Where is my Playe in this World?
Der in Ankara lebende Ramazan Can kommt aus einer Familie die einst Nomaden waren
und der ethnischen Gruppe der Yöruk angehören. In seinem Werk nimmt die
Geschichte seiner Herkunft eine bedeutende Rolle ein.
Im 19.
Jahrhundert wurde es den Yöruk verboten nomadisch zu leben und sie wurden im
osmanischen Reich zur Sesshaftigkeit verpflichtet. Dieser Verlust der
Lebensweise wirkt bis heute nach und findet Auseinandersetzung im Werk von
Ramazan Can. In seinem plastischen Werk steht die Dualität von Beton und
Textilien für Gegenwart und Vergangenheit, aber auch für die Schichtung von
Erinnerung.
SERENA
FERRARIO
Hungry Ghosts
Das
wichtigste Medium für Serena Ferrario ist die Zeichnung. Von diesen ausgehend
entwickelt sie Rauminstallationen die durch Videos, gebaute Elemente und
Objekte erweitert werden. Seit 2016 beschäftigt sich Ferarrio in diesen
explizit ihrer Migrations- und Familiengeschichte. Mit einer rumänischen Mutter
und einem italienischen Vater. In München lebend, changiert sie zwischen den
Kulturen, was sich in die Wortfetzen, Bildmotiven und Zeichnungen in ihren
Collagen spiegelt. Sie sieht sich selbst als Third Culture Adult Kid, das diese
selbsterfundene dritte Kultur in der freien Kunst zu definieren versucht und
sich darin frei und aufgehoben fühlt.