Berlin, 3. Juli 2020
Pressemitteilung
„Wie stellen wir uns Körper vor? Kongress lädt Aktivist*innen ein, Bilder zu unterlaufen“
„Queer the Imaginary“: Ein neuer Kongress bringt Kunstschaffende, Aktivist*innen und Wissenschaftler*innen am 29. und 30. Juli in Berlin zusammen, um die Vorstellungswelt aufzumischen.
Interessierte können bis zum 12. Juli über ShellCongress.com eine Idee für ihren Beitrag einreichen. Um ihn—etwa als Vortrag, als Workshop oder als Experiment—zu materialisieren, erhalten sie materiell und inhaltlich Unterstützung. Wer Ende Juli nicht in Berlin ist, kann sich per Live-Stream einklinken.
„Hautfarbe, Geschlecht, auch das, was man jetzt Neurodiversität nennt— das sind Kategorien, anhand derer Körper klassifiziert und wirtschaftlich ausgebeutet werden. Wir entwickeln unter diesem Eindruck ein feines Sensorium, wir sehen also den Leuten schon von Weitem an, ob sie “abweichen”, wie privilegiert oder erfolgreich sie sind. Aber diese Bewertung findet in der Imagination statt, in der Welt der Bilder, und die Vorstellungskraft ist sehr flexibel. Ein Bild lässt sich nie auf eine einzelne Bedeutung reduzieren: es beinhaltet immer viel mehr. Dieses Zuviel macht die Bilder widerständig gegen Deutungshoheit. In der feministischen Kunst gibt es diese Strategie, sie greift das Zuviel auf und macht es explizit, um zu irritieren, um das ‘normale’ Bild-Verständnis zu stören. Wir wollen also Aktivist*innen zusammenbringen, gemeinsam diese Unbändigkeit der Bilder erkunden und neue Strategien zum Queering der Vorstellungswelten erarbeiten. — Wir haben abweichende Körper, und wir wollen sie in subversive Körper verwandeln“ (Flupsi)
Die Veranstaltung ist eine Initiative internationaler Körper-Kunst-Aktivist*innen, die seit 2020 gemeinsam forschen und Happenings organisieren, im Stadtraum, etwa in der Floating University oder am Alexanderplatz, und online. Mit dem Kongress möchten sie transdisziplinäre, institutionsunabhängige Verbindungen anstiften und einen dauerhaften Dialog befeuern.
An den Kongress schließt eine Inkubationsphase an, in der die Teilnehmenden ihre Ansätze miteinander verknüpfen und weiterentwickeln. Anspruch ist, den Aktivist*innen einen Rahmen frei von ökonomischem und institutionellem Druck zu bieten, um ergebnisoffen zusammenarbeiten zu können. Eine interaktive Publikation wird ab Ende August den Dialog breiter öffnen.
Warum ‘Shell’?— Zunehmend kommunizieren wir über Bildschirme und virtuelle Plattformen, wo sich neue Bildbedeutungen und Vorstellungen etablieren, etwa in Memes. Der Begriff ‘Shell’ stellt die Materialität dieser Bildoberflächen heraus. Er umfasst gleichermaßen den Cyborg-Körper von Motoko Kusanagi im Film Ghost in the Shell (1995), das bahnbrechende Computerprogramm Shell (1965), wie auch die Muschelschale, die schon vor der Erfindung der Schrift als Kommunikationsmedium diente. ‘Shell’ stellt im Unterschied zu Begriffen wie ‘Medium’ oder ‘Werkzeug’ den Körper in den Mittelpunkt und denkt ihn aktiv. Der Begriff zeigt etwa in der Bildanalyse oder im politischen Aktivismus neue Strategien auf, die vom Bewegungsspielraum des Körpers verständigt sind. Endlich sind es unsere abweichenden Körper selbst, die ihre Bedeutungszuweisungen unterlaufen.
Wir freuen uns über Rückfragen, Interviewanfragen und gemütliche Treffen mit Kaffee und Kuchen:
shellcongress@gmail.com oder +49 176 97310643 (Flupsi)
Mehr Infos und Multimedia: ShellCongress.com?window=Presse