Regeln für den FPV-Multicopterbetrieb ab 31.12.2020

Stand/letzte Änderung: 10.03.2021

Schwerpunkt bei diesem Dokument liegt auf den Bereich der privat Hergestellten UAS.
UAS: unmanned aircraft system => ein unbemanntes Luftfahrzeug sowie die Ausrüstung für dessen Fernsteuerung

Disclaimer: Der Text hier stellt keine rechtliche Beratung dar, sondern meine Sicht der Dinge die ich nach bestem Wissen und Gewissen zusammengetragen habe.

  1. Sobald auf der Drohne eine Kamera drauf ist, musst du dich als UAS-Betreiber registrieren und bekommst eine eID (Betreiber-ID) die auf den Copter muss
  2. Wenn du in keinem Verband (DAeC, DMFV,...) bist, brauchst du immer einen Spotter (auch Sub250g)
  3. Wenn du in keinem Verband bist, kannst du bis 31.12.2022 "Bestandsdrohnen" (auch Selbstbau) bis 500g in der Kategorie A1 fliegen (ohne Geschwindigkeitslimit). Du brauchst keinen Drohnenführerschein aka EU-Kompetenznachweis. Würde ich aber trotzdem machen.
  4. Wenn du in keinem Verband bist, musst du Drohnen über 500g in A3 fliegen (quasi nur in der Pampa) und brauchst einen EU-Kompetenznachweis. (Online und aktuell kostenlos)
  5. Wenn du in einem Verband (DAeC, DMFV,...) bist, kannst du Sub250g ohne Spotter fliegen. Auch Longrange wenn du die anderen Bedingungen (max. 30m über Grund und max. 25mW) einhältst.
  6. Wenn du in einem Verband bist, darfst du bis 2kg(?) praktisch überall fliegen
  7. Abstandsregeln (100m von Autobahn, Bundeststraßen, Schulen/Hochschulen, Krankenhäusern,... sowie 1,5km von Flugplätzen) gelten in jedem Fall (Verbandsmitglied oder nicht)

Diese Regel deckt geschätzte 95% aller Fälle im FPV-Bereich ab. Wer mehr wissen will sollte weiterlesen.

Für FPV-Piloten ist es u.U. sinnvoll in den DAeC oder den DMFV ein zu treten. Bis die Verbände Betriebsgenehmigungen erhalten haben, fliegen Verbandsmitglieder nach den alten Vorschriften. Mehr dazu hier. Außerdem hat man mit der Verbandsmitgliedschaft auch gleich eine Versicherung.

Quellen für die Zusammenfassung sind die EU-Richtlinien 2019/947, die FAQs des LBA und etliche Anfragen per E-Mail direkt beim LBA.

Über Anregungen und Kommentare freue ich mich: silbaer@gmail.com

Inhalt

Allgemeines

Registrierung, Training, EU-Kompetenznachweis (A1/A3-Schein)

Flugverbotszonen

Kategorie Open A1 bedeutet

Kategorie Open A3 bedeutet

Übergangsvorschriften

Mindestalter

Betrieb im Rahmen von Verbänden und Vereinen

Weitere Regeln / Vorschriften

Betretungsrecht

Überflugrecht

Allgemeines

Generell gilt:

Registrierung, Training, EU-Kompetenznachweis (A1/A3-Schein)

Achtung: Die Fernpiloten-ID im Portal bzw. die Registrierungs-ID auf dem Kompetenznachweis ist nicht die e-ID die auf den Copter muss! Die wird euch nach Prüfung des hochgeladenen Ausweisbildes per E-Mail geschickt. Die Mails landen oft im SPAM-Ordner!

  1. Registrierung. Auch für die Prüfung notwendig. Für die Registrierung als Betreiber müssen (Ausweis-) Dokumente hochgeladen und Versicherungsdaten eingegeben werden. Das kann auch noch nachträglich geschehen
  2. Training. Das Material ist ziemlich umfangreich mit verschiedenen Videos und Texten.
  3. Trainingsprüfung. Die Trainings-Prüfung besteht aus 20 Multiple Choice Fragen und kann beliebig oft wiederholt werden. Da angezeigt wird ob die Antwort richtig oder falsch ist, kann das auch zum Training benutzt werden
  4. Registrierung zur Prüfung. Nachdem die Trainingsprüfung mit mindestens 75% richtigen Antworten abgeschlossen wurde, kann man sich zur Prüfung registrieren. Über dem Ergebnis erscheint ein dicker “Registrieren”-Button
  5. Prüfung. Anmeldung mit obiger Registrierung notwendig. Nach aktuellem Stand wird die Prüfung künftig 25 Euro kosten. Solange die Kostenverordnung der Luftfahrtverwaltung noch nicht an das neue EU-Recht angepasst ist (vermutlich erst ab Mitte 2021), ist der Kompetenznachweis A1/A3 kostenfrei.

Flugverbotszonen

Vorhandene Vorschriften bezüglich Flugverboten bleiben in Kraft. Sprich: Die Abstandsregeln zu Flughäfen, Schulen/Bildungseinrichtungen, Polizei, Autobahn/Landstraßen usw.
Unter
droniq.de gibt es eine offizielle App. Im Browser: map2fly oder airmap

Kategorie Open A1 bedeutet

 Kategorie Open A3 bedeutet

Übergangsvorschriften

Für UAS ohne Herstellerklassifizierung (auch private Hergestellte!) gibt es Übergangsvorschriften:

x < 250g: Kategorie A1

250g ≤ x < 500g: Bis 31.12.2022 A1, danach A3

500g ≤ x < 2kg: 50m Abstand zu Menschen, nationaler Kenntnisnachweis gem. §21a Abs. 4 S. 3 Nr. 2 LuftVO (das ist der große Drohnen Führerschein) + EU-KN A1/A3 + Selbsterklärung prakt. Kenntnisse (nur bis 31.12.2022) oder EU-Fernpilotenzeugnis

Alternativ kann ab 250g das UAS auch in A3 betrieben werden. Bis 01.01.2022 mit einem nationalen Kenntnisnachweis gem. §21a Abs. 4 S. 3 Nr. 2 LuftVO, danach mit EU-Kompetenznachweis

Mindestalter

Unter 250g oder unter Aufsicht gibt es kein Mindestalter, ansonsten mindestens 16 Jahre. Die Aufsicht muss das Mindestalter haben und die entsprechenden Kompetenznachweise für die Kategorie in der die Drohne betrieben wird.

Betrieb im Rahmen von Verbänden und Vereinen

Durch die Übergangsregelung in Artikel 21 der EU-Verordnung “darf der UAS-Betrieb im Rahmen von Flugmodell-Vereinen und -Vereinigungen entsprechend dem nationalen Recht ohne eine Genehmigung nach Artikel 16 bis 1. Juli 2022 fortgeführt werden.” Der DMFV hat eine Stellungnahme des BMVI veröffentlicht, in der klargestellt wird, dass auch das Fliegen abseits von Modellflugplätzen durch Verbandsmitglieder unter diese Regelung fällt.

Effektiv heißt dass, das die EU-Verordnung für Verbandsmitglieder nicht gilt und weiterhin nach der aktuellen LuftVO geflogen werden darf, also z.B. Sub250g ohne Spotter. Aber Achtung: Aktuell wird die LuftVO geändert. Wenn die neue Fassung gültig ist, ist der Spaß wahrscheinlich vorbei. Gleiches gilt, wenn den Verbänden die Betriebsgenehmigung erteilt wird. Dann gelten die Regeln dort; wie auch immer die aussehen.

Weitere Regeln / Vorschriften

Ein paar Fragen tauchen immer wieder auf und will ich hier auch erwähnen auch wenn diese ab 2021  nicht neu sind.

Betretungsrecht

Das Betretungsrecht für Felder, Wiesen und Wälder ist im Landesrecht geregelt und wird unterschiedlich gehandhabt. In einigen Bundesländern darf man praktisch jede Wiese / Wald betreten und in anderen darf man sich nur auf Wegen bewegen. Wer genaueres wissen will muss selber für sein Bundesland nachforschen.

Überflugrecht

Das Überfliegen von Privatgrundstücken ist erstmal grundsätzlich erlaubt. Einschränkungen gibt es bei Wohngrundstücken (nur mit ausdrücklicher Erlaubnis) oder wenn Grund zu der Annahme besteht, dass Persönlichkeitsrechte beeinträchtig werden.

Wenn sich jemand gestört fühlt, sollte man trotzdem nicht auf sein Recht beharren, sondern das Gespräch suchen.