Wie Psychotherapie sein sollte

Dieser Text will ausdrücken, was alles falsch läuft mit der heutigen Art und Weise, wie Menschen mit psychischer Erkrankung behandelt und behandelt werden. Falls du verstehst.

Er wird von mir, von meinen Stimmen sowie auch von Menschen, die ich auf andersartige Weise in meinem Kopf höre, geschrieben.

Ich höre seit etwa 3 Jahren Stimmen und war deshalb auch mehrmals als Patient für längere Zeit in einer Psychiatrie. Desweiteren habe ich als Aushilfe (FSJler) in einer Psychiatrie gearbeitet. Außerdem leitete ich seit einer Weile eine Selbsthilfegruppe des Netzwerks Stimmenhören e.V. in Berlin. Durch das Stimmenhören habe ich mir viel Gedanken über mich selbst gemacht, aber auch über die Dinge, die mir und vielen anderen mit ähnlichen “Erkrankungen” widerfahren.

Den Menschen, die ich im Kontext der Psychiatrie kennen gelernt habe, kann man überhaupt nichts vorwerfen. Sie haben nur ihren Job gemacht und ihn gut gemacht.

Dennoch sehe ich in den Dingen, die sie tun Konkret, oft Verbesserungsbedarf und auch Fehler in den Grundgedanken hinter ihren Arbeitsweisen.

Durch die Gedanken, die ich mir zu diesem Thema gemacht habe, bin auf unterschiedliche Missstände gestoßen. Anstatt mich aber nur zu beklagen, möchte ich in diesem Text einen konstruktiven Lösungsansatz bieten. Die hier dargestellten Lösungsansätze wirken oft rein utopisch. Dies ist Teil des Konzeptes dieses Texts.

Das erste große Problem ist die Institutionalisierung des ganzen. Die zwei Haupteigenschaften dieser Institutionalisierung sind das in Schubladen Packen der Menschen, also das sogenannte Diagnostizieren und das Behandeln, also der Versuch des Heilens.

In beiden Aspekten läuft vieles falsch. Während ich den gesamten Denkansatz hinter dem Diagnostizieren für Schwachsinn halte, kann ich natürlich verstehen, wieso man Menschen, die unter der Gesellschaft, ihrem sozialem Umfeld und/oder sich selbst leiden, helfen will.

Ein weiterer Aspekt ist das Drumherum. Die Stimmung und gesamte Gefühlslage ist von ihrem Umfeld abhängig. Ein seelisches Leiden am denkbar deprimierendsten Ort, den wir kennen, dem Krankenhaus, heilen zu wollen, ist unlogisch. Auf der einen Etage wird jemandem das Bein vergipst und in der darüber bekommt jemand Pillen verabreicht, damit er keine Stimmen mehr hört. Wem das nicht krank vorkommt, der tut mir leid.

In der Welt, die ich sehe, gilt die Anarchie, während alle Menschen von sich aus lieb sind.

Die Welt ist nur leider nicht so.

Diese Welt und Gesellschaft ist kaputt und ekelhaft und macht die Menschen krank. Um die Menschen zu heilen, müssen wir ein Umfeld schaffen, welches nicht krank macht.

Wir brauchen ein sicheres, positives, also in keinster Weise deprimierendes Umfeld. Es sollte verschiedene Möglichkeiten zu Tätigkeiten  und vor allem keine Strukturen bieten.

Es sollte keinen strukturierten Tagesablauf geben. Die Menschen sollten aus eigenem Interesse heraus die Möglichkeiten des Umfelds nutzen und erkunden wollen.

Wer Ruhe sucht soll ruhige Bereiche finden, wer sich in verschiedenen Dingen ausprobieren will, soll dieses dann tun können, wenn er selbst darauf Lust hat.

Das Umfeld soll abwechslungsreich sein und verschiedene Stimmungsbilder vermitteln.

Dies soll die Person dazu anregen, selbst auf konstruktive Art und Weise über die eigenen Probleme nachzudenken. Reizabschirmung ist vom Gedanken her gar nicht mal so falsch, da man Zeit hat, über sich selbst nachzudenken. Da es aber gleichzeitig dazu führen kann, in immer gleichen Gedankenkreisen festzusitzen ist es gleichzeitig sehr gefährlich. Wenn nix passiert und man nur die Welt im eigenen Kopf hat, sollte man sich nicht wundern, wenn man sich immer mehr und mehr im eigenen Kopf aufhält.

Über sich selbst nachzudenken, wenn man ein Problem hat, ist nicht falsch. Es sollte nur auf eine Weise passieren, die zu Lösungen führt, und nicht immer im Kreis gehen.

Um dieses im Kreis Denken zu vermeiden, reicht es nicht, die Person über die Definition des Wortes “Grübeln” aufzuklären. Man muss ein wie oben beschriebenes Umfeld schaffen, welches die Leute auf andere Gedanken bringt und verschiedene Gefühle auslöst, ohne die Person zu überfordern.

Das Umfeld sollte die Person auf das eigene Problem stoßen. Immer nur die Symptome zu behandeln oder gar zu unterdrücken verlängert nur das Leiden.Der Mensch muss es schaffen, sich seinem Problem zu stellen und es zu verarbeiten.

Dies ist kein neuer Gedanke, er wird nur im heutigen Behandlungssystem nicht umgesetzt, da dort der Gedanke regiert, möglichst viele Mensche für möglichst wenig Geld wieder arbeitsfähig zu machen.

Ich denke, dass sich jedes innere Problem entweder auf einen Umstand im tatsächlichen Leben oder ein Ereignis aus dem bisherigen (inneren) Leben zurückführen lässt.

Ein Umfeld zu entwickeln, in dem ein Mensch von sich aus darauf kommt, welcher Umstand dies ist, oder welches Ereignis dies war, ist ein unfassbar hoch gestecktes Ziel.

Ich denke das Tiefenpsychologie funktionieren kann, wenn man dem Menschen erlaubt, sich nicht von einem anderen Menschen ablenken zu lassen, sei er noch so gut ausgebildet.

Jemand ist hilfreich, der eine normale Konversation mit dir führt, ohne sich anmaßen, zu wissen was gut für dich ist. Trotzdem kann man in der Psyche des Menschen nicht einfach rumdoktorn, als würde man ein Organ reparieren und erwarten, nix kaputt zu machen.

Die Persönlichkeit eines Menschen ist viel weniger greifbar als somatische Probleme und man kann nicht im Vorhinein wissen, was man mit einer bestimmten Äußerung anrichtet.

Menschenkenntnis funktioniert, solange der Mensch “funktioniert”.Man schließt von sich auf andere, daran ändert auch ein Psychologiestudium nichts.

Noch schlimmer als von sich auf andere zu schließen ist es allerdings von einem reduzierten Krankheitsbild auf einen vollständigen individuellen Menschen zu schließen.

Ich verstehe,dass alle Menschen, die in diesen oder vergleichbaren Bereichen arbeiten, Menschen helfen wollen und es auch tun. Ärzte und Psychologen sind echt krass gute Menschen, da sie quasi alle ein Einser Abi haben und somit in jedem Bereich arbeiten könnten, wenn sie wollten, und dann trotzdem aus Überzeugung heraus ihr ganzes Leben an den deprimierendsten Orten verbringen und unter hohem Stress versuchen, möglichst vielen Menschen möglichst viel zu helfen.

Die praktische Umsetzung, wie sie zur Zeit in den meisten Psychiatrien passiert, macht allerdings mehr kaputt als sie repariert.

Dies mag radikal klingen, ich denke aber, das es dir nichts bringen kann, längere Zeit in einem Krankenhaus zu sein, wo sonst nur Leute rumrennen, die keine Zeit für dich haben (weil sie halt wirklich keine Zeit haben) und Leute, die noch mehr oder genauso fertig sind wie du, dir nix bringen kann.

Man sagt nur hinterher, es habe einem geholfen, weil man niemandem einen Grund geben möchte, einem zu raten, da nochmal hinzugehen.Zudem muss man im gesamten Umgang mit allen Beteiligten, - Angehörigen, Ärzten, etc. -  darauf achten nichts zu sagen, was ihnen einen Grund gibt Medikamente zu erhöhen oder eine Entmündigung oder derartiges einzuleiten.

Gerade im Falle vom Thema Suizid ist dies besonders gefährlich. Jemand, der mit dem Gedanken spielt, sich das Leben zu nehmen, will vielleicht mit jemanden drüber reden, ohne gleich eine Dauerbetreuung aufgedrückt zu bekommen oder gar am Bett festgegurtet zu werden. (Fixierungen passieren in Deutschland eher selten. Ich habe aber innerhalb von etwa 2 Monaten als Aushilfe mehrere erlebt. Jemanden zu fixieren, hält vielleicht den Körper in gesundem Zustand, löst in dem Menschen selbst aber puren Hass oder anderes derartiges aus und kann in keinster Weise zur Heilung beitragen.

Ein offenerer Umgang mit dem Thema ohne sofortige Konsequenzen würde dazu führen, dass mehr Menschen sich Hilfe suchen.

Jemand, der depressiv ist, sollte nicht tagelang mit sich selbst in einem Krankenhauszimmer alleine gelassen werden. Ihm sollte gezeigt werden, was es alles zu erleben gibt. Was man in vielen Psychiatrie Stationen antrifft, sind Patienten, die keine Motivation haben, das Bett zu verlassen. Dies führt zu rückgekoppelten Diagnosen: Der Patient liegt nur im Bett, ergo muss er depressiv sein. Es gibt in Krankenhäusern keinen einzigen Grund, das Bett zu verlassen. Es ist halt der bequemste Ort. Dies könnte behoben werden und indem man ein Umfeld schafft, das dazu einlädt, es zu erkunden.

Wenn eine Person das Bett einer spannenden, interessanten und abwechslungsreichen Welt vorzieht, lässt sich vermuten, dass sie entweder depressiv ist, oder im Kopf eine Welt vorfindet, die interessanter ist, als die echte.

Die führt zu meinem nächsten (Kritik)punkt: Diagnosen

Bei einem Beinbruch oder anderen rein körperlichen Problem gibt es eine oder mehrere physische Dysfunktionen, die zu dem Problem führen, dessen Name auch Diagnose genannt wird.

Nun ist in der heutigen Medizin die Auffassung verbreitet, man könne auch das, was nach der Auffassung des Diagnostizierendem in der Psyche des Patienten falsch läuft, nach denselben strukturellen Abläufen heilen wie physische Probleme.

Dies ist einfach falsch.

Die Psyche eines Menschen ist unendlich viel komplexer als das Gehirn. Wir verstehen nicht einmal die neuronalen Arbeitsweisen des Gehirns komplett. Wovon wir allerdings überhaupt gar keine Ahnung haben ist, wie aus diesen Arbeitsweisen das sogenannte Bewusstsein resultiert. Es gibt hierzu verschiedene Theorien, aber selbst diese erkennen an, das es hochwahrscheinlich jedes Bewusstsein anders ist bzw. funktioniert.

Jeder von uns lebt in einer komplett anderen Welt. Es kommen von allen Sinnesorganen elektrische Signale im Gehirn und dann auch im Bewusstsein an. Was das Bewusstsein daraus macht ist, von Mensch zu Mensch komplett unterschiedlich. (Unterschiedliche Farben, Gerüche, Gefühle etc). Dies lässt sich experimentell leider nicht beweisen, ist aber durch Logik anzunehmen.

Was man unter diesen Gesichtspunkten anerkennen muss, ist das das Heilen einer sogenannten psychische Krankheit etwas ist, das in den Bereich der Metaphysik fällt.

Wir müssen also aufhören, Diagnosen für psychische Belange zu benutzen. Sie machen die Arbeit eines Arztes oder Psychologen leichter, sorgen aber gleichzeitig dafür, dass jemand, der in einer Krisensituation steckt und aus unterschiedlichsten Gründen nicht ganz er selbst ist, ein lebenslang bestehendes Etikett aufgedrückt bekommt.

Ein Kind, das im Unterricht Schwierigkeiten hat aufzupassen, muss nicht gleich eine Krankheit namens ADHS oder ADS haben. Der Unterricht ist nur einfach um einiges langweiliger als das, was im eigenen Kopf abläuft. Einem Kind deshalb gleich täglich Amphetamine zu verabreichen ist - wie jeder weiß - völlig krank.

Ich finde jede so genannte psychische Krankheit lässt sich auf eine solche Art erklären.

Da man leider nicht aus einem Bewusstsein heraus in ein anderes hineinschauen kann, um einer Person zu helfen, das ihr innewohnende Problem zu lösen, kann man nur mit ihr sprechen. Dennoch ist es oft einfach anmaßend, zu denken,  man könne durch reine Konversation mit der Person herausfinden, wie diese nach innen hin funktionieren muss, um nicht mehr zu leiden. Ich denke schon, dass es in der Theorie möglich ist, jemanden so gut zu kennen, dass man dies tun kann. Bei einem kleinen Kind beispielsweise sind die inneren Abläufe möglicherweise noch so überschaubar, dass ein solcher Ansatz tragbar ist. (Mir ist klar, dass man nicht wissen kann wissen kann, wie komplex ein Kind wirklich ist.)

Bei einem erwachsenen Menschen jedoch, der selbst nicht weiß, warum er leidet, ist dieser Ansatz nicht wirklich sinnig.

Die einzige Person, die dies auf eine sinnige Art und Weise durchführen kann, ist die Person an sich selbst.Um dies zu tun braucht sie den oben beschriebenen Freiraum. Teil des Raumes sollten schon (Bezugs)-Personen sein die auf eine offene Art für Konversationen da sind und nicht nur, weil sie dafür bezahlt werden.

(Ich will an dieser Stelle klarstellen, dass ich niemandem, der Psychologe oder Arzt ist, unterstelle, er mache es wegen des Geldes. Mir ist klar dass (quasi) jeder, der diesen Weg geht, es aus Überzeugung macht.)

Da man bei der Konversation mit sich selbst und auch dem normalen Nachdenken über sich selbst, oft Sachen über sich denkt, von denen man glaubt, dass sie stimmen, obwohl sie aus Sicht anderer gar nicht zutreffen,  sollte man schon regelmäßig versuchen, seine Schlüsse in Worte zu fassen und sie entweder aufschreiben oder jemandem schildern. Ansonsten kommt  man vielleicht auf rückgekoppelte Ideen, die gar nicht auf die Umwelt (also das, was außerhalb der Ich-Umwelt Grenze passiert) anwendbar sind.

Die Qualität der Ergebnisse eines Gesprächs mit einem Gegenüber kann die Qualität eines Gesprächs mit sich selbst übertreffen, muss aber nicht. Jeder Mensch ist in diesem Bezug anders.

Noch viel absurder ist es zu denken, man könne ein solches Problem durch das bloße Geben einer psychoaktiven Substanz beheben.

In den richtigen Momenten kann eine psychoaktive Substanz einem Menschen helfen.

Sie sollte allerdings niemals gegen den Willen des Menschen verabreicht werden. Zwangsmedikamentation ist eines der ekelhaftesten Dinge, die der Staat ganz offen zulässt. Hiervon rede ich aber noch nicht mal.

Ich habe ja am eigenen Leibe erfahren wie schnell es geht, dass man täglich eine Substanz konsumiert, von der man nicht einmal genau weiß was sie genau macht und welche Nebenwirkungen sie hat. Man sollte dem Menschen nicht einfach ein Medikament verordnen und ihm dann bei der Medikamentenausgabe etwas auftischen. Man sollte auch nicht im Gespräch Formulierungen benutzen, die es dem Patienten, der in der Situation vielleicht innerlich anderweitig beschäftigt ist, schwer macht, gegen das verordnete Medikament Einspruch zu erheben. Der Gedanke, dass ein Mensch Einspruch erheben muss, um ein Medikament nicht zu nehmen, ist krank.

Die Person sollte in klaren Worten gefragt werden, ob sie eine bestimmtes Medikament nehmen will oder nicht. Alles was der Arzt über ein bestimmtes Medikament weiß, muss ihr in einfachen Worten verständlich gemacht werden.

Grundsätzlich gesprochen werden fast immer Medikamente verabreicht, die Bewustseinsverengend wirken. Sie sedieren und/oder dämpfen die Wahrnehmung und das Denkvermögen. Ich rede hier über alle Beruhigungsmittel und im Besonderen über Benzodiazepine und Neuroleptika. Die Nebenwirkungen sind oft zusätzlich belastend.

Nach z.B. einer längeren psychotischen Episode kann das Gehirn als physisches Organ sehr überlastet sein, und durch den lang anhaltenden Stress können die biochemischen Prozesse im Gehirn aus dem Gleichgewicht gekommen sein.

Unter diesem Gesichtspunkt kann ich nachvollziehen, dass eine Medikament verabreicht wird, das dafür sorgt, dass das Gehirn zur Ruhe kommt. Auch stressbedingte Schlafstörungen können durch ein solches Medikament (also meist Benzodiazepine) überwunden werden.

Wenn das Gehirn und auch der Geist zur Ruhe gekommen sind, sollte man diese stark dämpfenden Medikament aber unter gar keinen Umständen länger als unbedingt nötig verabreichen.

Nicht nur ist es so, dass diese Medikamente körperlich abhängig machen, sondern sie behindern auch das Nachdenken.

Um sich der Realität der aktuellen Lebenssituationen bewusst zu werden und über sie nachzudenken, benötigt man den Vollbesitz seiner geistigen Fähigkeiten. Besonders auf lange Sicht ist es sehr schädlich für eine heilende Psyche, wenn täglich diese dämpfenden Medikamente genommen werden.

Sie hindern daran, klar zu denken und richtig zu fühlen.

Im Gegensatz zu dämpfenden Beruhigungsmitteln oder anderen frei oder nicht frei verkäuflichen Medikamenten gibt es noch andere psychoaktive Substanzen, die auf das Bewusstsein des Menschen wirken. Diese nicht Medikament sondern Droge zu nennen, nur weil sie nicht von einem Arzt verschrieben werden, sondern meist aus eigenen Beweggründen genommen werden, ist in meinen Augen inkonsequent.

Im gesamten bisherigen Text bin ich hauptsächlich auf die Behandlung von Menschen mit psychischen Erkrankungen in Bezug auf Psychiatrie und Psychotherapie eingegangen.

Im folgendem möchte ich die Behandlung im öffentlichen Raum ansprechen.

Heutzutage sind in fast allen Umfeldern Menschen eher interessiert und hilfsbereit, wenn eine Bezugsperson von einer bestehenden psychischen Erkrankung berichtet. Dies ist natürlich immer von den genauen Umständen abhängig. Ein Depressiver, der sich an seine Freunde oder Familie wendet, wird in fast allen Fällen auf offene Ohren und Unterstützung stoßen.

Dies ist natürlich nicht immer so; es gibt auch Menschen, die in solchen Fällen völlig allein gelassen werden. Dies geschieht aber immer seltener.

Das Problem liegt aber darin, dass es in vielen sozialen Gefügen schwierig sein kann, so etwas wie das eigene psychische Leiden zum ersten Mal anzusprechen. Hieran lässt sich auch insofern wenig ändern, als man den Menschen ja nicht vorschreiben sollte, wie sie sich ihren Freunden gegenüber verhalten sollen. Es müsste eher ein gesellschafts weites Verständnis dafür geben, dass Krisen im eigenen Leben etwas normales sind und jemand mit psychischen Problemen mit der Bezugsperson seiner Wahl reden kann, ohne vor diesem Moment Angst haben zu müssen.

Einen Schritt weiter Gedacht, sollte es den Menschen eigentlich unmöglich sein, überhaupt in eine solche Lebenssituation zu gelangen. Sie sollten über die Dinge, die zu einer inneren Krise führen können, direkt mit einem Partner, Freund, Familienmitglied oder anderen Menschen, dem sie vertrauen, sprechen können und diese so besser verarbeiten.

Oft sind Beziehungen und auch Freundesgruppen aber leider äußerst oberflächlich, und es gibt Hemmschwellen, die einen Menschen daran hindern, sich einer Person seines Vertrauens gegenüber zu solchen Themen zu äußern. Seltsamerweise ist es oft so, dass man sich dann einem Psychiater eher öffnet als einem Bekannten.

Dies kann ein nachvollziehen. Ich habe schon oft an mir beobachtet, das ich einer Person von der mir komplett egal ist, was sie von mir denkt, eher von mir erzählen kann, als einem Mensch aus meinem engeren sozialen Umfeld.

Unter diesem Gesichtspunkt ist die Existenz von Psychotherapeuten nicht nur mehr als gerechtfertigt, sondern eine lebensrettende Notwendigkeit.

Diese Auffangsysteme für Menschen, die eine Krise durchleben, sind zwar  notwendig, doch wenn man ohne sie auskommen oder sie zumindest signifikant entlasten könnte, wäre dies eine positive Entwicklung.

Um sie erfolgreich zu entlasten, müsste man eine Gesellschaft schaffen welche dafür sorgt, dass Menschen die auf eine psychische Krise zuwandern,offen von den Menschen um sie herum darüber aufgeklärt werden. Eine solche Unterhaltung kann zwar sehr anstrengend sein. Noch viel anstrengender aber ist es, wenn eine Person aus dem eigenen Umfeld eine psychische Krise durchlebt und man nicht mehr weiß, wie man ihr helfen kann, oder sie ganz verliert.

In vielen sozialen Gefügen ist es längst normal, über diese Dinge zu reden. In anderen ist es aber auch völlig undenkbar. Um es den Menschen zu ermöglichen, solche „gesunden“ sozialen Gefüge aufzubauen, müssen gewisse Grundfertigkeiten vermittelt werden, die in den aktuellen Bildungsinstitutionen einfach nicht thematisiert werden.

So etwas wie Selbstkenntnis, Menschenkenntnis, Persönlichkeitsentwicklung oder Gruppendynamik passt möglicherweise schon in das, was wir zurzeit als Schule verstehen. Ich denke aber, dass ein strukturenloseres, Werte, Information und Denkweisen vermittelndes schulartiges Gebilde für einen solchen Zweck wesentlich besser geeignet wäre. In einem solchen Gebilde sollten die (jungen) Menschen eigene Denkweisen und Werte entwickeln, mit denen am Ende jeder von ihnen für den Rest des Lebens mit sich selbst und den Menschen um sie herum zurecht kommen können.

Eine solche Lernweise sollte nicht in Fächer einkategorisiert werden.

Niemand sollte sich an Regeln oder Strukturen halten müssen.

Die Menschen sollten aus eigenem Interesse heraus die Dinge lernen, die sie interessieren.

Ohne dass die Menschen es so richtig merken, werden gesunde Psychen entwickelt, die sofort merken dass, und warum es ihnen schlecht geht. Des weiteren wird das Gespür dafür entwickelt, wenn es einer Person im eigenen Umfeld schlecht geht und warum.

Das Gespür an sich ist fast allen Menschen auch heutzutage angeboren. Nur wissen viele Leute nicht, woher sie das Gefühl über jemanden andern haben oder was es zu bedeuten hat.

Es sollte vermittelt werden, wie man solche Sachen richtig ausdrücken kann. Wenn das Vermittelte auch richtig verstanden und innerlich verarbeitet wird, stehen die Chancen gut, dass die Menschen soziale Gruppen aufbauen, welche es den Menschen schwer bis unmöglich machen, im Laufe ihres Lebens eine psychische Erkrankung zu entwickeln.