Extracted from Der Lutheraner, volume 49, June 6, 1893, p. 90. OCR’d by BackToLuther on April 26, 2017. Published here. English translation published at this blog post.

Glaube, Liebe, Hoffnung. *)

        *) Die hier abgedruckten Verse fanden sich nach dem Tode des sel. Prof. Günther auf seinem Schreibtische, wo er sie wahrscheinlich in seinen letzten Lebenstagen ausgezeichnet hatte.

Wenn du nur auf JEsum stehest,

Und in Not du zu ihm fliehest

Wie zum Steinritz eine Taube—

Das ist Glaube.

Wenn dein Herz an JEsu hanget,

Nach des Nächsten Wohl verlanget,

Daß doch ja ihn nichts betrübe —

Das ist Liebe.

Wenn du weißt, du wirst ihn sehen,

Darauf wartest, einzugehen —

In den Himmel, der da offen —

Das ist Hoffen.

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†  Prof. M. Günther. †

Gedächtnisrede,

Gehalten in der Aula des theologischen Seminars

von

F. Pieper.

In Christo herzlich geliebte Trauerversammlung!

Als wir vor wenig mehr als sieben Monaten an dieser Stätte zu einem Trauergottesdienst versammelt waren, mußten wir in die Klage ausbrechen: „Walther, Schaller, Lange — diese Männer hat Gott in einem Zeitraum von fünf Jahren aus unserer Mitte und von den Lehrstühlen an unserer Anstalt abgerufen." Was sollen wir aber heute sagen, wo wir noch in demselben Studienjahr uns abermals zu einem Trauergottesdienst versammeln müssen, weil der HErr der Kirche nun auch unfern theuern Prof. Günther plötzlich aus der Arbeit abgerufen hat! In einem Zeitraum von sechs Jahren — der 7. Mai des Jahres 1887 war der Todestag des selige Dr. Walther — hat nun unsere Anstalt vier Lehrer verloren. Alle älteren Glieder des Lehrercollegiums sind heimgegangen. Wir sind nicht bloß geschlagen — Gott hat uns in den Staub geworfen. Wir sind im Innersten erschüttert und erschreckt. Die Alten in unserm Rate sind von uns genommen!

Auch durch den Heimgang unsers sel. Günther hat unsere Anstalt und unsere ganze Synode einen großen Verlust erlitten. Er war einer der ersten Schüler der Gründer unserer Synode. In ihrem Geist war er erzogen, und in ihrem Geist wandelte und wirkte er im Dienst der Kirche vierzig Jahre, und zwar zwanzig Jahre als Pastor und zwanzig Jahre als Professor der Theologie an der hiesigen Anstalt. Ihn kennzeichnete eine klare und sichere Erkenntnis der reinen christlichen Lehre, wie sie im Bekenntnis unserer Kirche bezeugt ist. Er besaß in hervorragendem Maße die Gabe, zwischen rechter und falscher Lehre zu unterscheiden. Und wie er der reinen, unverfälschten Lehre von ganzem Herzen zugetan war, so teilte er mit allen ernsten und wohlunterrichteten Kindern Gottes auch die Eigenschaft, daß er aller Verfälschung der heilsamen Lehre von Herzen feind war. In diesem Sinne hat er im mündlichen Vortrage und in Schriften gewirkt und einen weitgreifenden Einfluß auf unsere Synode und die Kirche im Allgemeinen ausgeübt. Zwar vollzog sich seine Wirksamkeit mehr in der Stille. Selten ergriff er in öffentlichen Kirchenversammlungen das Wort. Aber es war ihm vor Andern gegeben, in klarem, knappem, schriftlichem (Column 2) Ausdruck die seligmachende Wahrheit zu bezeugen und den Irrtum zu widerlegen. So hat ihn Gott durch jahrelange Redaktionsarbeit, sonderlich am „Lutheraner", der Kirche zum Segen gesetzt. Und die reine Lehre war ihm nicht bloß ein todtes Kapital. Was er als theologischer Professor lehrte und schrieb, das predigte er auch gern von der Kanzel der christlichen Gemeinde. Predigend ist er gestorben. Er war als theologischer Professor noch mit großer Liebe im Pfarramt tätig. Als theologischer Professor hat er in Kirkwood in treuer, geduldiger Arbeit eine Gemeinde gesammelt und gepflegt, die nun schon seit mehreren Jahren einen eigenen Pastor berufen hat. Ein so begnadigtes Werkzeug in der Hand Gottes war der selige Günther!

Wir sind ob des Verlustes, den wir durch seinen plötzlichen Heimgang erlitten haben, tief, tief gebeugt. Aber wollen wir mit Gott hadern? Nicht also! Gott hat uns des Dienstes unserer Väter bis in ihr hohes Alter genießen lassen; sie haben allesamt vierzig bis fünfzig Jahre unter uns gewirkt. So ist nicht das Hadern, sondern das Danken unsererseits am Platze. Wollen wir verzagen, weil Gott die alten, erprobten Lehrer so schnell nach einander von uns nimmt? Auch das wäre nicht dem Willen Gottes gemäß. Wir wissen aus Gottes Wort und auch gerade durch das Zeugnis unserer Väter, daß die Kirche nicht auf die Personen der Lehrer, die Gott gibt und nimmt, gebaut ist, sondern auf einen Grund, der bei allem Wechsel der Personen völlig unverändert, stets ein und derselbe bleibt. Das ist der Grund der Apostel und Propheten, das ist Gottes Wort, wie es Gott durch die Apostel und Propheten in der heiligen Schrift hat aufzeichnen lassen und der Kirche zum Fundament gegeben hat. So lange die Kirche Gottes reines Wort hat und an demselben in einfältigem Glauben bleibt, so lange steht sie fest und unbeweglich auf dem Grunde, auf den Gott selbst sie erbauet hat und auf welchem Gott sie weiter erbauen wird bis an den jüngsten Tag. Wir sollen also nicht ungläubig verzagen. Wohl aber sollen wir uns erinnern und mahnen lassen, daß wir ja an dem unbeweglichen Grund der Kirche, nämlich dem untrüglichen Worte Gottes, im Glauben festhalten und aller Verführung gegenüber uns immer wieder von Neuem auf denselben gründen. Das kann, das wird Gott uns aus Gnaden geben. So ist in der großen Trübsal, die uns betroffen hat, unsere Bitte diese:

Ach, bleib mit deiner Gnade

Bei uns, HErr JEsu Christ,

Daß uns hinfort nicht schade

Des bösen Feindes List.

Ach, bleib mit deinem Worte

Bei uns, Erlöser Wert,

Daß uns beid hier und dorte

Sei Güt und Heil beschert.

Kyrieleison. Amen.

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Vortrag,

gehalten

bei Gelegenheit der Delegalensyuode 1893.

Von Prof. F. Pieper.

(Fortsetzung.)

Besonders haben wir in der Lehre vom Heilswege dem modernen Irrtum gegenüber die geoffenbarte Wahrheit zu bekennen.

Der Charakter der modernen Theologie besteht darin, daß sie unter dem Vorgeben, den Menschen