Teil das gern, falls jemand Interesse hat.
Johannes Mainusch
Von Hamburg nach Berlin und noch weiter… 1
Wie die Idee zu einer neuen Radtour entsteht 5
Warum nicht das Gravel-Bike? 9
Auch nicht das Birdy-Faltrad 11
Reisetagebuch, 1.8.2025 - 24.10.2025 15
2025-10-24 Lagos - Tavira - Ende der Radtour 15
2025-10-22 Odeceixe - Sagres 29
2025-10-21 Porto Covo - Fisherman’s Trail - Odeceixe 33
2025-10-19 Comporta - Sines - Porto Covo 39
2025-10-18 Setubal [schtu:bal] - Ferry - Comporta 49
2025-10-17 Lissabon - Monumento Natural da Pedra da Mua - Setubal [schtu:bal] 57
2025-10-15: Aveiro - Lissabon 69
2025-10-10 bis 2025-10-15: Aveiro 72
2025-10-08 Porto - Radelpause 75
2025-10-07 Ofir - Azurara - Porto 75
2025-10-06 Vila Meã - Campo do Castelo - Ofir 83
2025-10-05 Hotel las Islas (Paredes) - Grenzübertritt nach Portugal - Valenca - Vila Meã 84
2025-10-04 Santiago de Compostela - Pontecesures - Hotel las Islas (Paredes) 92
2025-10-03 Melide - Santiago de Compostela 98
2025-10-01 Villafranca del Bierzo - Alto do Poio - Samos 107
2025-09-30 Santa Catalina de Somoza - 1500m - Villafranca del Bierzo 110
2025-09-29 Leon - Astorga - Hängematte - Santa Catalina de Somoza 117
2025-09-28 Fromista - Dorf mit Lehmbauten - Leon 120
2025-09-27 Burgos - Fromista 124
2025-09-26 Rodezno - Hängematte auf dem Valbuena - Frühmenschen in Atapuerca - Burgos 127
2025-09-25 Pause in Rodezno 134
2025-09-24 Pause in Rodezno 135
2025-09-23 Logroño - Najera - Rodezno 135
2025-09-22 Pamplona - Logroño 141
2025-09-21 Uritz - Pamplona 145
2025-09-20 Estérençuby - Grenze, Spanien – - Roncesvalles - Torre de Uritz 149
2025-09-19 Saint-Palais - Saint-Jean-Pied-de-Port - Estérençuby 153
2025-09-05 Pause in Avignon 196
2025-09-02 Cabrères d’Avignon - Domaine de la Bastidonne - Avignon 197
2025-09-01 Le Rocher d‘ Ongles - Apt - Cabrères d’Avignon 198
2025-08-31 Sisteron - Besuch der Zitadelle - Hängematte - Le Rocher d‘ Ongles 199
2025-08-30 Montgardin - Gap - Sisteron 202
2025-08-29 Briançon - Montgardin 204
2025-08-27 Roubion - Briançon 208
2025-08-26 Giorio di Susa - Col de l‘Echelle (1780m) - Roubion 209
2025-08-25 Chivasso - Turin - San Giorio di Susa 210
2025-08-24 Mailand - Vercelli - Chivasso 212
2025-08-23 Palosco - Mailand 214
2025-08-22 Barbarano am Gardasee - Brescia - Palosco 214
2025-08-21 Campingplatz in Vallene - Riva del Garda – Barbarano am Gardasee 217
2025-08-20 roter Adler, Kaltern - Trento - Campingplatz in Vallene 220
2025-08-19 Weißes Rössl, Lichtenberg - roter Adler, Kaltern 222
2025-08-18 Auszeithaus Auders - Weißes Rössl Lichtenberg 223
2025-08-17 Auszeithaus Auders 228
2025-08-16 Auszeithaus Auders 228
2025-08-15 Innsbruck - Auszeithaus Auders 229
2025-08-14 Waidring (am wilden Kaiser) - Innsbruck 233
2025-08-13 Salzburg - Waidring (am wilden Kaiser) 235
2025-08-12 Lambach a.d. Traun - Innsbruck 237
2025-08-11 St. Veit - Linz - Lambach a.d. Traun 238
2025-08-10 Pause in Sankt Veit 240
2025-08-09 Biwak im Böhmerwald - St. Veit Mühlkreis 240
2025-08-08 Nepomuk - Biwak im Böhmerwald 243
2025-08-07 Toužim - Pilsen - Nepomuk 244
2025-08-06 Eibenstock - Karsbad - Toužim 245
2025-08-05 Altenburg - Zwickau - Eibenstock 246
2025-08-04 Landsberg - Leipzig – Altenburg 247
2025-08-03 Hermsdorf bis Landsberg 248
2025-08-02 Dahrendorf bis Hermsdorf 249
Es kamen einige Dinge zusammen. Vor einem Jahr berichtete mein Bruder mir, dass er als Lehrer vorhabe, ein Jahr lang ein Sabbatical zu machen. Wir sprachen darüber, wie man so eine Zeit verbringen kann und Radfahren war damals schon ein Thema. Radfahren ist für mich eine der wenigen Urlaubsarten, bei denen ich nicht arbeiten kann. Bei vielen anderen Urlaubsarten ist bei mir die Versuchung groß, doch noch eine Videokonferenz oder ein Schriftstück vorzubereiten. Radfahren hingegen, körperlich anstrengend und auch geistig, denn die Eindrücke und Bilder, die ich während einer Fahrt aufnehme, beschäftigen mein Hirn.
Etwas später besuchte mich mein Freund Jim aus Portugal in Hamburg. Jim kenne ich seit über 25 Jahren aus einem Urlaub auf Hawaii. Inzwischen wohnt er mit seiner Familie in Portugal. An Portugal und
Porto haftete für mich immer ein exotischer Duft. Wohnmobil-Reisende berichteten von felsigen Küsten und einsamen Stränden. Von seltsam EU Förderung und geheimen Plätzen. Ich war noch nie in Portugal und war neugierig. Die Sprache klingt wie Spanisch, aber weicher. Terra incognita.
Wie lange würde man brauchen, um von Hamburg mit Umwegen nach Porto zu fahren? Wann wäre eine gute Zeit? Was würde ich gern auf dem Weg sehen? Wo würde ich gerne vorbeifahren? Der schwarzenbergische Schwemmkanal im Böhmerwald stand schnell auf dem Programm. Lag aber nicht auf dem direkten Weg. Erste Untersuchung mit Google Maps und Bauchgefühl ergaben: drei Monate Zeit brauche ich. Wäre das möglich? Ich fragte meine Partnerin und meine Kollegen, meine Tochter und die Menschen um mich herum und die Frage ergab ja, das wäre möglich.
Wann sollte ich losfahren? Was ist der beste Zeitpunkt, um in den Süden zu fahren? Ich bin der Meinung, um die schönen Jahreszeiten zu verlängern sollte man im Spätsommer und Herbst in den Süden fahren und im Frühling aus dem Süden kommen. Wie ein Zugvogel. Ich beschloss, den Zeitraum August September, Oktober anzupeilen, nach kurzer Zeit mach dich das zu meinem Plan. Ich war immer schon der Meinung, dass, wenn man etwas veranstaltet, eine Party, ein Fest oder irgendetwas, was andere Menschen beinhaltet, dann ist es wichtig, den Zeitpunkt als erstes festzulegen. Nicht, dass wo oder was man genau macht, sondern den Zeitpunkt. Und da meine Radtour, andere Menschen involviert, denn die müssen ja dann ohne mich auskommen, fixierte ich diesen Zeitraum.
Das war früher tatsächlich eine der schwierigsten Fragen für mich.
Als ich vor zehn Jahren das erste Mal so eine längere Tour vor zehn Jahren machte, hab ich allen erzählt, falls ich nach drei Jahren wieder da bin, wenn mir die Decke auf dem Kopf fällt, wundert euch nicht. Die Decke ist mir nicht auf den Kopf gefallen und ich hab damals gelernt. Das alleine fahren eine tolle Qualität. Selbstverständlich ist es schön, wenn man in einer Gruppe oder mit einem vertrauten Menschen fahren kann. Aber häufig haben die vertrauten Menschen andere Interessen, oder gerade dann keine Zeit, oder Angst vor Bergen und Steigungen fahren.
Als wir die Tour nach Porto dann machten, bin ich tatsächlich den größeren Teil mit meinem Bruder zusammen gefahren. Auch das war eine tolle Erfahrung. So viel Zeit haben wir schon sehr lange nicht mehr miteinander verbracht. Und es war auch für uns beide eine Herausforderung, denn jeder hat seine Eigenheiten und kleinen Marotten.
Aber die Teile, die ich alleine fuhr, habe ich wirklich ouch genossen. Besonders wenn man auf Fernradwegen fährt oder auf bekannteren Strecken, trifft man Menschen. Und bevor man sich’s versieht, fährt man zwei Tag mit einer neuen Bekanntschaft zusammen ein Stück der Strecke. Aber auch auf den Abschnitten, die ich ganz alleine fuhr, fühlte ich mich selten einsam. Auch das gehört dazu. So eine Radtour hat wahnsinnig schöne Hochgefühle und eben manchmal auch Tiefpunkte. Genau wie die Strecke.
Wer unsicher ist, ob er gerne alleine fährt, dem empfehle ich im August für ein paar Tage den Elberadweg oder den Ostseeradweg oder die Strecke von Würzburg nach Füssen zu fahren. Das sind echte Fahrrad-Highlights und sie sind gut befahren. Dort trifft man Menschen, wenn man möchte, oder man kann einfach alleine fahren. Ich war überrascht, wie gut mir das allein unterwegs sein gefällt.
Triggerwarnung: Dieses Kapitel zeigt, dass ich im Besitz einiger Fahrräder bin, von denen andere Menschen vielleicht nur träumen. So jedenfalls wäre es mir selbst vor 35 Jahren ergangen. Zu dem Zeitpunkt hatte ich keinerlei Geld und nur ein altes Fahrrad. Aber auch damals habe ich eine Radtour mit dem alten Fahrrad gemacht. Es kommt also nicht darauf an, das beste Material zu haben, es ist viel wichtiger loszufahren. Und: kommt Zeit, kommt Rad.
Ich bin 1,98 m groß und habe einen vergleichsweise langen Oberkörper. Außerdem wollte ich für diese Tour alles mitnehmen, dass man zum Campen benötigt. Das bedeutet. Das Gepäck muss auf vier Satteltaschen verteilt werden (siehe Packliste). Ich habe zwar auch ein Gravel Bike mit den entsprechenden Taschen, entschied mich dann aber für mein altes Touren-Fahrrad.
Mein Gravel Bike ist ein tolles Fahrrad der Marke Mason. Es hat ein Stahlrahmen und besitzt eine Carbongabel. Der Lenker hat einen schönen leichten Flair nach außen und das Handling besonders in Steigung und auf Schotter ist super. Allerdings neigen meine Hände dazu, auf dem Gravel Bike taub zu werden, und ich bekomme noch längeren Touren Schmerzen in meinen beiden Schultern. Ich nehme an, das liegt an der super harten Carbon Gabel und vor gebeugten Sitzhaltung.
Auch die Lastverteilung mit viel Gepäck ist ein Gravel Bike etwas ungünstig. Ich hab zwar einen schönen Frank, aber der Schwerpunkt liegt relativ weit oben und wenn ich viel Gepäck mitnehme, dann ist das meiste Gewicht vorne. Erstens fährt sich das nicht so gut, und zweitens bin ich nicht so sicher, was die Carbongabel wirklich aushält. Im letzten Jahr hatte ich einige Male mit den Felgen des Gravel Bikes, die Rissen ein. Und zwar genau dort wo der Schriftzug Kant der Marke reingelassen war. Beide Male. Der Hersteller sagte mir, ich darf die dicken Reifen nicht auf über 3 bar Druck aufblasen. Denn sonst wird der Druck auf die Felgen von innen zu groß. Das zeigte mir, dass das Gravel Bike aus Gewichtsoptimiererungsgründen nicht sehr viele Lastreserven zu haben scheint. Ich finde allerdings, wenn man mit 130 kg Gewicht und über 50 km/h bergab fährt, dann sollte man absolutes Vertrauen in das Material haben.
Obwohl ich es sehr gerne fahre, entschied ich mich schweren Herzens gegen das Gravel-Bike.
Seit einigen Jahren besitze ich ein Dienst-Fahrrad, das ist ein Birdy-Faltrad mit einer Rohloff-Schaltung. Einer der vielen Vorteile des Birdies ist seine Transportierbarkeit in Bahn und Flugzeug. Mit dem Birdy bin ich einige Radtouren in unserer Radfahrer Gruppe mitgefahren, ohne dafür eine Reservierung in der deutschen Bahn zu haben. Das macht das Birdy zum idealen Leiter auf fast allen Reisen.
Wir haben unterwegs Einige getroffen, die mit dem Faltrrad unterwegs waren. Von Asiaten wird das Birdy bevorzugt, von Engländern das Brompton. So ein Faltrad kann also als vollwertiges Reiserad verwendet werden. Besonders mit der 14 -Gang-Roloffschaltung ist es sehr vielseitig einsetzbar. Auf Schotterstrecken und mit viel Gepäck ist es allerdings einem Reiserad mit großen Rädern unterlegen. Da ich viel Gepäck mitnehmen wollte, hatte ich etwas Bedenken, so viel Gewicht auf den Aluminium-Rahmen des Birdies zu packen.
Das ist der 59 cm Rahmen, es gibt auch noch eine mit 64 cm Rahmenhöhe. Ein Stahlrahmen, durch die Dreieckskonstruktion der Überlappung den Rahmenrohre sehr stabil. Vermutlich ist das das längste Tourenrad, was in den letzten Jahren gebaut worden ist. Ich fahre es mit 29 Zoll Bereifung mit dicken Noppen, das hilft, damit es in der Kurve auf Sand stabil bleibt. Außerdem sieht es ziemlich gut aus mit den dicken Noppen. Durch den langen Rahmen und die 29 Räder läuft es sehr gut. Im direkten Vergleich mit dem Fahrrad meines Bruders, einem 27 einhalb Zoll Rennstall Rahmen mit Pinienschaltung bevorzuge ich dieses Rad auf Strecken mit leichtem Schotter. Auf Single-Trails, zum Beispiel im Wald,ist es im Handling allerdings etwas komplizierter, als das Rad meines Bruders.
Das Fahrrad habe ich mir vor über zehn Jahren gebraucht gekauft und dementsprechend übel sieht der Lack in vielen Stellen aus. Die Firma Topia aus Saarbrücken ist eine traditionelle und sehr eigensinnige Fahrradschmiede. Allerdings hat alles, was sie machen, irgendwie Hand und Fuß. Inzwischen haben die sich auf Fahrräder für sehr große und schwere Menschen spezialisiert.
Einige Dinge, die mir besonders gut an diesem Fahrrad gefallen, sind:
Weiteren Kapitel:i
Km: 51 (bis Faro mit dem Zug)
Höhenmeter: 170
Kcal-Aktivität: 1545
V-Max: ???
Odo (von Hamburg): 5.188 +51=5.239
Radfahrzeit: 2:43:18
Radelfreude: 10
Das erste Stück von Lagos nach Faro bin ich mit dem Zug gefahren, nur die letzten 40 km radelte ich für einen schönen Fahrradtour-Abschluss.
Der war dann auch tatsächlich sehr schön und ich genoss die meisten Kilometer. Nur am Anfang hinter Faro, fährt man auf dem eV eins ein ganzes Stück an der Bundesstraße entlang. Dann geht der Weg an der Küste entlang durch Lagunen und Salinen.
In einer der Salinen hab‘ ich tatsächlich gesehen, wie das Salz stellenweise wie Blüten aufblüht. Vielleicht ist das die Entstehung von Fleure de Sel.
Mir wurde ganz schön wehmütig ums Herz, über 5000 km, über 10 Wochen fahren, immer einer blauen Linie entlang, Eindrücke sammeln, Gedanken anklingen lassen, körperliche Anstrengung, lernen, bergauf zu fahren genießen, die zunehmende Fitness.
Das einfache Erfahren von Landschaft und Zeit. Ich werde es vermissen und ich habe schon eine Idee für die nächste Tour.
Ich bin dann noch nach Tahira rein gefahren, erst mal ins Zentrum, um die Tour komplett zu machen. Dann stell dich fest, dass ich tatsächlich wieder 5 km zurückfahren musste, um zu Nils Franziska und dem Bus zu kommen. Dort gab es dann einen herzlichen Empfang. Einfach schön. Danke.
Empfang am Ziel von Nils, Franziska, Bob und Gerhild.
Km: 55
Höhenmeter: 610
Kcal-Aktivität: 1836
V-Max: 37
Odo (von Hamburg): 5.133 + 55=5.188
Radfahrzeit: 4:26:27
Radelfreude: 10
Leuchtturm am Cap von Sao Vicente - somewhat underwhelming:
Morgens später Aufbruch an den westlichsten Punkt, an das Ende des Kontinents, wenn man aus der Perspektive von Hamburg schaut. Zum Gebäudekomplex mit dem Leuchtturm fährt eine dicke Straße. Und ich war nicht der einzige, der ans Ende der befahrenen Welt wollte. Zum späten Frühstück wählte ich die letzte Bratwurst vor Amerika, serviert von einem Norddeutschen Paar aus der Nähe von Wakendorf 2.
Die letzte Bratwurst vor Amerika, die hätte man sich auch gut und gerne sparen können, denn im billigen Lidl Brötchen schlummerte eine aufgewärmte, vorgebratene fade Wurst mit Senf aus dem großen Eimer. Sauerkraut gab es auch nicht. Das war wieder eins dieser Dinge, die man isst und es hinterher schnell bereut und sich fragt, warum man diesen Müll sich reingeschaufelt hat.
Die Leute, die den Fischerweg gewandert waren, sagten, als ich sie abends im Hostel traf, zu der Kap-Erfahrung: „somewhat underwhelming“
Basstölpel im Tiefflug vor dem Kap.
Mich faszinierten besonders die flach über den Wellen fliegenden Kolonnen weißer Vögel. Beim genauen Hinsehen kann man auch schwarze Flügelspitzen erkennen. Tolle Tiere. Ich habe grad Wikipedia nachgelesen, das sind sehr gute Flieger, Sturzflug-Experten, Taucher, Fischjäger und im Großen und Ganzen sehr gutmütige. Vögel. Flügelspannweite: bis 1,8 Meter! Den Namen Tölpel haben Sie erhalten, weil sie früher ohne Scheu häufig auf Schiffen gelandet sind und sich von Seemännern einfangen und aufessen ließen..
Dann ging es im Hinterland auf schönen und leeren Gravelpisten Richtung Lagos weiter. Einmal kam durch ein Dorf mit blühenden Sträuchern und hübschen Mauern. Die Mauern habe ich für Franz fotografiert.
Wann ist der letzten Naturereignisse war eine kleine Babyschlange. Ich vermute eine Kreuzfahrt, wenn man das Muster auf dem Rücken sich anschaut. Die war nur etwa 10-15 cm lang. Und bestimmt noch sehr ungefährlich (Niki!).
Die Landschaft wird dann atemberaubend, aber die Zivilisation hält in Form von Feriensiedlungen reicher Menschen Einzug. Die reichen Menschen waren nicht häufig anzutreffen, nur ein SUV mit englischen Kennzeichen überholte mich sehr knapp. Dafür waren Heckenschneider, Gärtner und Poolreiniger geschäftig unterwegs. Besonders pervers fand ich ein Stück des Wanderweges, das rechts und links, bei weniger als 1,50 m Breite mit hohen Zäunen umgeben war. Ich dachte mir, wie kann es sein, dass der öffentliche Raum so Privatbesitz eingeschränkt werden kann?
Die zunehmende Agglomeration von Betonbauten fotografierte ich besonders für Jürgen, den es ja immer Interessiert, wie Bauformen Auskunft über die Soziologie eines Ortes geben. Hier kann man direkt neben seinem Golfplatz wohnen. Es machte jedoch nicht den Eindruck, als ob da besonders viele Leute da wohnen. Mich macht die Soziologie solcher Orte immer etwas miesantropisch.
Dann ging es noch einmal über atemberaubende Klippen zwischen Burgau und Lagos zu meinem heutigen Ziel. Das Olive-Hostel in Lagos. Auf dem Bild auf der Dachterrasse sieht man, aus Aachen, inspirierte, die nächste Hamburg Auszeithaus Tour mit einem Westbogen zu fahren.
Km: 82
Höhenmeter:: 730
Kcal-Aktivität: 2538
V-Max: 42
Odo (von Hamburg): 5.051 + 82=5.133
Radfahrzeit: 5:44:22
Radelfreude: 10
Bin heute sehr spät erst um 11:00 Uhr so richtig losgefahren. Feucht warme, subtropische Luft, bedeckter Himmel. Nachts und am Morgen hat’s auch geregnet. Und es war einer von diesem Morgen, an dem man einfach überhaupt nicht los kommt.
Anfangs war die Strecke ein bisschen unspektakulär. Dann allerdings fuhr ich auf einem neuen Stück des EuroVelo eins. So neu, dass die Strecke auf Komoot noch gar nicht verzeichnet war. Da hab ich dann natürlich Fotos gemacht und die auch mit Komoot geteilt. Allerdings finde ich die jetzt auf Komoot grad nicht wieder.
Die Tour hatte einige Höhenmeter heute. Die Klippen sind doch relativ hoch und ich starte dm Tal und bin dann noch durch zwei weitere Täler gefahren.
Schöne Strandabschnitte mit vielen Surfern.
Aljezur:
In der kleinen Stadt Aljezur gibt es eine Burg. Der EV1 führt dort direkt vorbei. Da die Burg am höchsten Punkt liegt und ich vom niedrigsten Punkt kam, war das mit einer ganz schönen Steigung verbunden. Eine Schufterei in der Mittagshitze, da hochzufahren. Oben hat man dann einen schönen Rundumblick und wird darüber informiert, dass hier schon zu frühen Eisenzeit Menschen gelebt haben.
Sonnenbrille:
Ich kann mich noch erinnern, dass ich kurz vor der Burg, die Sonnenbrilleabnahmen, weil Schweiß und Sonnencreme mehr im linken Auge brannten. Das ist meine letzte Erinnerung an meine Sonnenbrille. Hinter der Burg ging’s dann noch ein ganzes Stück bergauf, dann unspektakuläre Landstraße, und dann kilometerweite Schotterpiste. Mit vielen Huppeln. Etwa 1 Stunde hinter der Burg wurde mir zu hell. Da war die Sonnenbrille aber schon nicht mehr bei mir. Vielleicht finde ich in den nächsten Tagen ein Fahrradgeschäft, das coole Sonnenbrillen verkauft.
Motorräder auf dem Weg:
Auch von Motorradfahrer, die auf Rohr Track suchen, scheint der Euro Velo eins ein gefundenes Stück Navigation zu sein.
Das Ende vom Kontinent.
Irgendwo in der Nähe von Zagrebs bekommt man dann das Gefühl, dass es hinter der nächsten Kuppe nicht weitergeht. Das Wetter war dazu auch passend neblig und bedeckt.
Km: 64
Höhenmeter:: 460
Kcal-Aktivität: 1658
V-Max: 42
Odo (von Hamburg): 4.987 + 64=5.051
Radfahrzeit: 4:39:38
Radelfreude: 10
Es gab heute staubige und langweilige Strecken, aber der Teil des Fischerman Trails riss alles ins Positive und der Tag bekommt eine Radelfreude 10.
Der Tag begann mit pladderndem Regen beim Aufwachen der langsam Nieselregen wurde. Beim Frühstück war dann davon nur noch diese samtig, weiche warme Luft übrig, mich an Hawaii erinnert hat. Wunderschön zum Fahrradfahren und sehr stimmungsvoll. So verwandelte sich eine Befürchtung beim Aufstehen, in der ich mir einen nasskalten Tag vorstellte, in ein subtropisches Freudenradelerlebnis.
Nach dem Frühstück Abschied von Beate und Marianne, mit denen ich am Vorabend beim Abendessen viel über Yoga und das Leben sprach. Zum Abschied bekam ich noch ein paar Yoga Tipps. Die gehen nun weiter Richtung Süden. Das ist die Richtung, in der die meisten Wanderer den Weg gehen, ist mein Eindruck. Also lieber Rückenwind als Sonne im Rücken?
The Fisherman‘s Trail:
Ich bin überrascht davon, wie viele Menschen jetzt im Oktober diesen Wanderweg gehen. Ich habe gehört, er ist in zwölf Tagesetappen unterteilt. Ein Stück teilte sich dieser Trail mit meinem Fahrradweg. Dieser Teil war spektakulär. Ein Sandweg auf den Klippen, die steil in den Atlantik abfallen. Und überall auf dem Wegwanderer. In dem kurzen Gespräch mit den Wanderern Gewinn ich den Eindruck, dass alle nett und hilfsbereit drauf sind. In einer Stelle musste ich mit dem Fahrrad und dem gesamten Gepäck eine sehr steile Zickzacktreppe hinunter gehen. Sofort hilf mir eine Wanderin, die mit ihren zwei Kindern und ihrer Mutter unterwegs war, trug die vorderen Satteltaschen. Es scheint so, als ob bei den Wanderern Gemeinschaften entstehen. Immerhin treffen die sich häufig abends wieder nach ihren anstrengenden Tagesetappen. Vielleicht ist Wandern eine Fortbewegungsart, die ich mir als Alternative zu Fahrradfahren überlegen sollte.
Gegen Ende der Etappe ging es ab vom Fisherman Trail etwas im Hinterland entlang. Durch Farmgelände und Gewächshäuser. An einer Stelle gab es ein Feld mit Wasser, büffeln, Zebras und Straußen. Wahrscheinlich hat der Bauer das Bedürfnis gehabt, die ganze Erde auf seiner kleinen Farm zu versammeln. Vielleicht so eine Art Arche Noah Gedanke. Ich jedenfalls hatte das Gefühl, kurzfristig schon in Afrika angekommen zu sein.
Nach meiner nicht sehr langen Etappe nahm ich mir ein Hostel in Odeceixe [ɔðɨˈsɐjʃɨ]. Oh-de-seisch. Jetzt fällt mir auf, dass auch die Lautschrift hier kaum zu lesen ist. Viele Zeichen, die ich in Lautschrift noch nie gesehen hab. Hier traf ich dann wieder auf Steven, lernte seine Frau kennen und ihre beiden Reisebegleiterin aus Vancouver. Im Hostel traf ich Claudia aus Dortmund, die dort das Kulturzentrum Depot leitet. Bettsy aus dem Allgäu, die als Physiotherapeutin in der Ausbildung so fit ist, dass sie gerne doppelt Touren geht Lennart aus Groningen, der gerade Job wechselt und zwei weitere Holländer deren Namen ich nicht weiß.
Pause in Porto Covo. Mittags hab ich einmal kurz geschaut, wie der Weg weitergeht. Man kann hier in den Hafen hinunter fahren und dann auf der anderen Seite den Fußweg wieder hoch. Nur dass das letzte Stück überflutet war. Erst am nächsten Tag hab ich verstanden, als ich’s probierte, dass man das bei Ebbe überqueren muss. Dann gibt es da einen schönen Weg
Abendessen mit Steve, Marianne und Beate. Eins meiner Themen ist, wie ich diesen Trainings und Bewegung mit in den Alltag ab November nehme.
Marianne aus Esslingen ist Yogatrainerin. Sie berichtete darüber so viel Gutes, dass ich jetzt doch vielleicht mal ernsthaft in das Thema Yoga eintauchen möchte.
Km: 78
Höhenmeter:: 480
Kcal-Aktivität: 2279
V-Max: 47
Odo (von Hamburg): 4.909 + 78=4.987
Radfahrzeit: 4:48:00
Radelfreude: 8
Der Vormittag war geprägt von Sandpisten, die meistenteils sehr schwer befahrbar waren.
Mit Kiefern und Sträuchern bewachsene Sanddünen. Herbstliche Farben gibt es hier kaum.
Ich hab’ nur einen Baum gesehen, der gelbe Blätter hatte, die meisten Bäume haben Nadeln. An den Stellen, wo die Nadeln den Sand bedecken, kann man einigermaßen fahren. Aber auch heute habe ich mich über Asphalt gefreut.
Müll:
Es scheint so, als ob die Portugiesen Irland nicht als ihr Eigentum begreifen. Vielleicht ist das ja ein Effekt der bundesdeutschen Kolonialisierung portugiesischer Ferienhäuser. Überall am Straßenrand liegt Müll. Ich hab‘ auch einen vollen Müllcontainer gesehen, eher übervoll, der den Eindruck machte, als wartete er sehnsüchtig auf den Müllwagen, der ihn leert.
Wo liegt das Problem? Mir fehlt für diese krasse Vermüllung jedes Verständnis. Wahrscheinlich ist es eine Mischung aus fehlender Infrastruktur im Müllwesen, fehlendes Gefühl dafür, dass das Land ja uns gehört, fehlende Erziehung, mangelnder Disziplin und vielleicht viel einfach-egal-Gefühl. Vermutlich hat man den Müll auch gerne aus seinem persönlichen Kraftwagen heraus, denn darin wäre Müll ja blöd. Besonders sarkastisch lustig fand ich den Müll neben einer Autowaschanlage. Sonntag wird das Auto gewaschen, daneben liegt Müll.
Jetzt erinnere ich mich natürlich daran, dass ich meine Plastik-Trinkflasche (eine alte Colaflasche) gestern auch mitten im Ort beim Telefonieren vergessen habe. Die ist nun bestimmt auch Müll, der hier durch die Gegend trudelt. Also, wieder in die eigene Nase fassen, ich bin auch ein Mülli. Und natürlich fehlt mir, wie so Vielen, das Verständnis für mein eigenes Fehlverhalten. Disziplin, Disziplin, Disziplin!
Kurz vor Sines gab es nicht wie gestern Storchennester auf großem Pfosten am Ortseingang, sondern nebeneinander, McDonald’s und Burger King Schilder. Ich hab‘ dann sofort Hunger bekommen und es fiel mir schwer, daran, vorbei zu fahren.
Sines:
Berühmteste Person der Stadt ist der Seefahrer Vasco da Gama. Vasco da Gama befuhr als erster den Seeweg um das Kap der guten Hoffnung an der Südspitze Südafrikas nach Indien. Das war 1498. also, nachdem Columbus seine Schiffe gegen Amerika gelenkt hatte. Die Handelsrouten damals nach Indien führten hauptsächlich auf der Seidenstraße und ein bisschen über das rote Meer ohne Suezkanal entlang. Heute ist Vasco da Gama eine große Statue gewidmet, die hinaus auf die See blickt.
Späte Einkehr in Sines zum Mittagessen:
Bin dann nach der etwas langweiligen Piste der Autobahn entlang und an Burger King und McDonald’s vorbei nach Sines gefahren und hier mit Blick über Hafen und Bucht kurz nach der Feuerwehrtruppe eingekehrt.
Dementsprechend musste ich 35 Minuten auf mein Essen warten. Die waren aber gut drauf und haben Fleischberge bestellt und ganz viel Bier getrunken. Gab anscheinend grad nichts zu löschen.
Dann ging es noch ein kurzes Stück weiter nach Porto Covo. Vielleicht bleibe ich morgen auch noch hier, das ist hier echt schön.
Und so sieht der Blick abends von meiner Terrasse aus:
Km: 31
Höhenmeter: 90
Kcal-Aktivität: 1080
V-Max: ???
Odo (von Hamburg): 4.878 + 31=4.909
Radfahrzeit: 1:35:00
Radelfreude: 9
Platten:
Ein Vormittag mit Rad reparieren, und dafür vorab Schläuche im Radladen einkaufen. Natürlich konnte ich nicht an mich halten und musste noch mehr kaufen. Nun besitze ich einen niegelnagelneuen Fahrradhelm, der beim Tragen auch nicht wehtut und super gut sitzt. Das hilft der Disziplin des Helmtragens ein bisschen, wenn man so einen tollen Kopfschutz hat. Vielleicht ist für reiche Leute Disziplin einfacher, wenn man sich einfach schöne Dinge kaufen kann. Vielleicht sollte ich mir für ab November einen Personal-Trainer oder eine Personaltrainerin nehmen, die mich auf Trab hält. Oder mir einen prima Hometrainer kaufen.
Nachdem dann alles repariert war, verließen wir unsere netten schweizerisch-portugiesischen Gastgeber
und setzten mit der Fähre über, auf eine lange Landzunge.
Die Fähre:
Auf der Fähre sind natürlich mehr Autos als Fahrräder. Und die meisten Autos, so die Mode in Europa, schwarz. Auf der Fähre hab‘ ich viele Fotos gemacht.
Die lange Landzunge:
Eine Sandzunge. Auf der gibt es eine Straße, die Richtung Süden geht. Auf der Suche nach hängemattenfähigen Bäumen schob ich mein Rad einmal durch sehr tiefen Sand, ein bisschen bergab und fand dann doch keine tollen Bäume. Beim Weg nach oben merkte ich, wie schwer es ist, das große und voll gepackte Rad durch den tiefen Sand zu schieben. Ich freue mich sehr, als ich wieder auf dem Asphalt der Straße war. Soviel man über Straßen und Autos meckern kann, Asphalt ist schon toll.
Ich fand dann ein Stück die Straße hinunter noch eine sehr geeignete Stelle für die Hängematte. Etwas später kam Steve dazu und machte ein schönes Foto von mir in meiner Idylle. Da es hier sehr viele Fliegen draußen gibt, war ich auch froh, diesen engmaschigen Moskitoschutz an der Hängematte zu haben.
In der Hängematte schrieb Stefan mir. Der Text ist unten. Es geht darum, das Radfahren, das schlauste ist, was Menschen unter dem Haufen anderer Lebewesen in der Tierwelt so machen können. Zu mindestens, wenn es um Energie geht. Der Mensch ist im Vergleich zu anderen Lebewesen ein echter Schlappi. Aber wenn er sich aufs Rad setzt, dann ist das Verhältnis Gewicht zu Energieverbrauch dermaßen effizient, dass es selbst den Geier erstaunt.
…
Tolle Grafik! Von der Studie oder zumindest von dem Ergebnis hab ich schon seit langer Zeit gewusst. Ich finde es faszinierend, dass die Evolution so etwas effizientes, wie ein Rad nicht hervorgebracht hat. Ist eigentlich auch völlig logisch, denn wie willst du eine Nährstoffversorgung in einem hypothetischen, biologischen Rad vom Rahmen über die Nabe auf die Felge übertragen. Nährstoffübertragung und Signalübertragung sind da praktisch unmöglich. Und damit auch kein biologisches Wachstum und keine Reparatur. Ein Platten eines biologischen Rades wäre dann halt nicht zu reparieren.
Um so etwas zu erfinden, um die Evolution in so ein Optimum der Energieeffizienz zu schubsen, brauchte es so etwas Disruptives, wie den Homosapiens.
Über die Effizienz des radelnden Menschen lacht der Gänsegeier, der alte Knochenfresser. Wenn der am Himmel kreist, dann ist das schon sehr elegant und effizient. Aber die Geirr schummeln natürlich mit den Aufwinden. Aber Radler schummeln ja auch mit Rückenwind oder Elektrodoping…
Schräge Vögel:
Hier wird Reis angebaut. Ich stelle mir vor, dass dort, wo Reisanbau stattfindet, es Lurche, Frösche und Schlangen gibt. Und dort, wo Lurche, Frösche und Schlangen habitieren, gibt es auch Störche. In einem der Dörfer gab es davon einige Nester. Ich dachte, eigentlich wären die Kollegen schon auf der Reise Richtung Afrika unterwegs, so ist es aber noch nicht.
Gerade möchte ich schlafen gehen, da lese ich diesen Kommentar von Stefan in unserem Chat:
Darüber muss ich jetzt erst mal nachdenken. Wären biologische Räder also doch möglich?
Km: 85
Höhenmeter: 880
Kcal-Aktivität: 2506
V-Max: 52
Odo (von Hamburg): 4.793 + 85=4.878
Radfahrzeit: 5:14:39
Radelfreude: 9-10
Heute Morgen, die unglaublich schön orangefarbene Fähre von Lissabon auf die andere Seite nach Almada genommen.
Die Brücke ist mit dem Fahrrad leider nicht befahrbar. Dafür konnte ich schöne Bilder von ihr machen. Der Start in Lissabon war großartig.
Der Teil, der sich dann Anschluss, bot, alle unattraktiven Seiten der sich langsam auflösenden Agglomeration.
Das ging eine ganze Zeit lang so, bis ich in Vororten war, die teilweise ab von der Hauptstraße nur aus Sandwegen bestanden. Und aus sehr vielen Fliegen. Dann wieder Sandwege durch ärmliche Häuser, die hohe Mauern anfassten, hinter denen Hunde meine Vorbeifahrt durch lautes Gebell kommentierten. Kaum komme ich an einem Grundstück vorbei, beginnt schon das nächste Hunde– Fahrradrennen, mit lautem Gebell und schnellen Pfoten von einer Grundstücksgenze zur anderen. Ein etwas kleinerer Hund freute sich total und drehte sich beim lauten Bellen dauernd im Kreis. Insgesamt kann ich die Stimmung der Hunde nicht deuten. Sind Sie nun laut und sauer oder verspielt und neugierig?
Früher hätte ich natürlich immer laut und sauer gesagt. Aber inzwischen liebe ich Hunde und deute das Ganze auch mit anderen Ohren.
Dann ging es eine lange gerade Straße durch baumbestandene Küstenhöhen. Ich weiß nicht wie man das anders nennen soll. Für einen Wald waren es definitiv zu wenig Bäume. Die Strecke war zwar schön, aber die Autos nerven ein bisschen.
Kurz vor der Landspitze von „Nossa Senhora do Cabo Espichelo“, auf der es eine eindrucksvolle Klosterruine und einen Leuchtturm gibt, wurde ich von Steven überholt.
Und seitdem radeln wir zusammen. Steven aus Connecticut ist mit seinem Gravel Bike und relativ leichtem Gepäck hier rüber geflogen und fährt Rad. Seine Frau macht in der gleichen Zeit eine Wandertour an der Küste und sie treffen sich dann übermorgen. Im Café zur Klosterruine haben wir erst mal ein alkoholfreies Bier getrunken und eine Orangen-Süßigkeit gegessen.
Dann ging es weiter die Küste entlang nach Setubal. Das wird ausgesprochen wie im österreichischen das Wort Stubl. Auf dem Weg dahin gab’s noch ein paar Höhenmeter und dann eine sehr schöne Abfahrt das Küstengebirge runter. Alle Routing-Apps empfahl, die Straße nicht zu fahren. Aber auf der Karte sah das total fahrbar aus. Wir haben es also riskiert. Schlimmstenfalls hätten wir halt den Berg wieder hochfahren und andersrum radeln müssen.
Dann kam die Sackgasse, Zeichen, Straße gesperrt, nochmal Zeichen, die ich als gesperrt wegen Filmaufnahmen interpretierte, Polizeiauto und viele parkende Autos. Irgendwann war die Straße durch Betonblöcke blockiert, die konnten wir umfahren. Von einer Besucherin, ließen wir uns dann erklären, dass man dadurch fahren kann. Und dann begann die schönste Strecke überhaupt. Das Besondere war natürlich, dass es keine Autos gab. Die Straße ist gesperrt wegen Steinschlag, aber wir haben nichts abbekommen. Dafür gab’s wahnsinnig schöne Blicke in die kleinen Buchten runter und eben Fahren auf jeder Seite, wo immer man wolle.
Am Ende des gesperrten Stück mussten wir unsere Räder mit Gepäck dann über die nächsten Betonblöcke heben. Da war nichts mehr zu umfahren. Kurz danach wieder ganz viel parkender Autos und noch einen kleinen Berg hoch. Noch mal etwa 10 km auf dem kleinen Berg ging an meinem Hinterreifen die Luft aus und diesmal war das Loch nicht einfach zu finden. Das Hinterrad musste ausgebaut werden. Es gab eine ganz schöne Sauerei an den Fingern. Lauter schwarze Schmiere. Mein Ersatzschlauch, so stellte sich heraus, war eher für ein Rennrad als für 29 Ballonreifen. Aber immerhin hat er mir in den letzten fünf Jahren als Ersatzschlauch ein gutes Gefühl gegeben. Und er hielt auch die letzten 10 km. Hab dann das ganze im Hostel allerdings nach Flicken des ursprünglichen Schlauchs wieder zurückgebaut. Denn vertrauenserweckend fühlte sich das Fahren auf diesem Rennradschlauch nicht an.
Steven fragte im Hostel, ob die Englisch sprechen, die Besitzerin sagte, nein, Deutsch. Sie kommt aus Zürich und hat sich sehr gefreut, dass ich Deutsch spreche. Auch ihr Mann, Portugiese, hat nach 30 Jahren Zürich fließende Deutschkenntnisse und hat sich ebenfalls gefreut, Deutsch zu sprechen. So war ich halt der Übersetzer von Deutsch auf Englisch für Steven.
Abendessen in der Stadt in einer kleinen Bar, die uns Hähnchen mit unfassbar scharfer Öl-Sauce serviert hat. Skorpion-Chilli. Sehr leckere Hähnchenteile. Dazu, nach dem warmen und schwitzenden Tag, literweise alkoholfreies Bier. Ich habe Nara, der brasilianischen Besitzerin eine hervorragende Bewertung auf Google Maps gegeben.
Mit dem Rad im Flixbus. Ich werde einen Tag in Lissabon verbringen und mich dann auf dem EV1, dem Radweg die Küste entlang, nach Tavira auf den Weg machen.
Flixbus:
Der Bus brachte mich mit dem Fahrrad in etwa 4 Stunden von Alvaro nach Lissabon. Das entspricht etwa 3-4 Tagen Fahrradfahrt. Wäre ich am Montag losgefahren, hätte ich das auch selbst fahren können. Aber es war einfach zu nett bei Xena und Jim.
Auf dem Weg höre ich einen Zen-Meditationspodcast, Dagmar schickte mir den. Über die äußere Unruhe. Über die innere Unruhe gibt es auch einen, den höre ich dann gerne morgen oder in den nächsten Tagen. Die äußere Unruhe kommt von vielen Terminen, vom „seinen Zweck erfüllen“. Etwas erreichen im Leben. Einer Sache nachgehen, für die man brennt und die einen dann vereinnahmt. Anlässe für äußere Unruhe gab es in meinen letzten Tagen nicht. Das ist sehr angenehm, keine Termine zu haben. Manchmal beschleicht mich ein bisschen ein schlechtes Gewissen vor irgendetwas oder irgendwem. Und gestern etwas Unruhe, weil die Tour mit Niki zu Ende ging, der Besuch bei jim und seiner Familie zu Ende ging. Und nun wieder etwas Neues beginnt.
Einfahrt Lissabon:
Ich hab ein paar Fotos der Außen Bezirke gemacht, da entwickelt sich noch was. Das ist für dich Jürgen, da entwickelt sich nun gerade Stadt. Es Ist ein bisschen, wie Hamburg, ein Terminal für Kreuzfahrtschiffe,
so eine Art Hafensstraßenhaus und viele Baukräne.
Lisbon Lounge Hostel:
Im ersten bis vierten Stock eines alten Hauses im Baixa de Lisboa. Super netter Empfang. Das Fahrrad darf im ersten Stock übernachten und ich im Dritten. Alles wirkt geräumig und nach Altbau. Aktuell sitze ich auf einem kleinen Balkon und guck auf die Straßenbahnen, die hier vorbeifahren.
Die letzten fünf Tage unserer Reise verbrachten Niki und ich bei meinem langjährigen Freund Jim und seiner Familie. Jim, Xana und die beiden zehnjährigen Byrne und Thomas haben uns aufgenommen und direkt ins Herz ihrer Familie geschlossen. Es war eine tolle Zeit und ein großartiges Ziel für die Reise.
… Surfen, neue Menschen, letzte Hängemattensession mit Niki, seltsame Früchte und nix Dringendes zu tun.
… Übergungen zur Disziplin im November
… Überlegungen zur weiteren Reise
…Abschied von Niki und Jim’s Familie
Km: 69
Höhenmeter: 140
Kcal-Aktivität: 2144
V-Max: ???
Odo (von Hamburg): 4.724 + 69=4.793
Radfahrzeit: 3:41:00
Radelfreude: 8
Abfahrt in Porto:
Morgens, in Porto, war es kalt und neblig. Wieder dieser Küstennebel, den ich mir auch so in San Francisco vorstelle. Vielleicht hängt es ja wirklich mit der kalten Atlantikströmung zusammen. Den ganzen Vormittag über war so diesig.
Die Strecke:
Die Strecke für die ganze Zeit an der Küste entlang, oft durch jetzt fast verlassene Touristendörfer, manchmal durch Sümpfe über Bretterwege, oder durch Kiefernwälder dir ein bisschen aussehen wie bei Buchholz in der Nordheide.
Verlassene Touristensiedlungen:
Ich war noch nie mitten in der Hochsaison, bewusst in so einem Ort. Wie ist das Leben dann hier? Bummeln, voller Partys, Familien und Paare, die hier ihren Urlaub verbringen? Aber ich war schon mehrfach in der Nachsaison in Spanien und nun auch in Portugal in solchen Orten. Und da haben sie für mich immer etwas geisterhaftes.
Das fahren:
Gut, trainierte Beine, ganz leichte Rückenwind und vor allen Dingen eine glatte Strecke backen und schnell voran.
Aveiro:
Ankunft bei Jim, Xena, Byron und Thomas in Aveiro. Jim und seine Famiiie sind uns ein Stück entgegengeradelt und haben uns an einem Kreisverkehr vor Aveiro empfangen…
Danach großes Willkommen, ausgiebiges Abendessen, lange Gespräche und eine wunderbare, familiäre Aufnahme.
Unsere Unterkunft in Porto ist direkt unter der eisernernen Eisenbahnbrücke, der Ponte Luis 1, auf der Südseite des Flusses. Damit eins der kuriosesten Airbnbs, in dem ich bisher gewohnt habe.
Km: 63
Höhenmeter: 250
Kcal-Aktivität: 1643
V-Max: ???
Odo (von Hamburg): 4.661 + 63 =4.724
Radfahrzeit: 4:29:00
Radelfreude: 8 (kühler Küsten,nebel und kobbeliges Kopfsteinpflaster)
Kopfsteinpflaster:
Viel viel Kopfsteinpflaster heute. Das fährt sich etwas Hubrig und kostet Kraft. Hohe Geschwindigkeiten erreicht man auf Kopfsteinpflaster nicht.
Auffahrunfall:
Die Wege hier haben manchmal zum auf und abfahren dreieckige Granitrampen. In einer der Beton,siedlungen überraschte mich so eine, weil ich zu weit nach vorne im Nebel schaute. Die lokale Rampe übersah ich.
Als ich sie dann hinauf donnerte, erschreckte mich der Ruck beim rauffahren, und ich bremste instinktiv. Mit neuen Bremsgummis geht das sehr gut. Niki war auch ein bisschen verpennt und vor mir hinten rein, während ich schon abgestiegen war. Das führte zu einer hässlichen Prellung mit Schrammen an der linken Wade. Manchmal ist es gut, reflexartig und instinktiv voll zu bremsen. Hat mir schon oft das Nasenbein gerettet. In diesem Fall war es eher ungünstig. Shit happens.
Küstennebel:
Ab mittags setzte ein heftiger Küstennebel ein, der der zunehmend betonierte Landschaft einen sehr lokalen Charme verlieh. So konnte man Fotomotive aufnehmen, wie zum Beispiel alte Festung, die völlig isoliert von den dahinterliegenden Betonbauten aus dem Nichts ragten.
Die Stadt Porto selbst begann unspektakulär mit Kraftwerken.
Die Strecke ist halt nicht immer nur schön und führt durch landschaftlich tolle Gegenden. Der Personenkraftwagen ist halt unser Hauptverkehrsmittel. Obwohl ich ja finde, dass beim Fahrradfahren viel mehr persönliche Kraft eingesetzt wird, als beim Autofahren. Immerhin fuhren wir hier auf Asphalt. Und das war sehr angenehm nach dem vielen Kopfsteinpflaster.
Skulptur von Janet Echelman:
Und einer Netzskulptur. riesengroß und zwecklos. „Kann weg?“ fragte ich mich zunächst, aber Menschen schienen da drin das Netz zu reparieren. Kunstaktion, oder Restauration? Nachdem ich den TED-Talk der Künstlerin gesehen habe, ahne ich jetzt, dass es sich um Restauration handelt.
Janet Echelman ist eine US-amerikanische Künstlerin, die netzartige Riesenskulpturen in die Landschaft stellt.
Abendessen: Portwein und Burger. Wir haben ein Airbnb, direkt unter der alten Bahnbrücke. So wollte ich auch in New York wohnen, in einem Airbnb, direkt unter der Brooklyn Bridge.
Morgen ein touristischer Ruhetag in Porto. Danach geht es weiter zu Jim nach Aveiro. Und danach ist alles unklar.
Eigentlich ist ja immer alles unklar. Man denkt nur, dass es so kommt, wie man plant.
Km: 83
Höhenmeter: 310
Kcal-Aktivität: 1976
V-Max: 49
Odo (von Hamburg): 4.578 + 83 =4.661
Radfahrzeit: 5:04:00
Radelfreude: 10
Fast in Porto. Kaum zu glauben, damit ist die Reise bald am Ziel. Was immer auch dann noch kommt. Jim und seine Familie in Aveiro, eventuelle Weiterfahrt per Rad an die Algarve, oder was anderes…
Heute war ein sonniger Tag am Fluss Miño und an der Atlantikküste entlang. Mittags Kichererbsensalat. Am Tisch saßen eine Berlinerin und ihr Mann aus Nazareth, der im israelischen Parlament als palästinensischer Abgeordneter der 20% gearbeitet hat.
In einer Waschanlage spülte ich den hartnäckigen Dreck des Regentages von Vorgestern herunter, eine dicke Sand- und Staubschicht.
Der Strand hier in der Nachsaison ist sehr entspannt und ohne die in Spanien an der Mittelmeerküste so verbreiteten Geisterbetonburgen. Angenehm.
Km: 62
Höhenmeter: 790
Kcal-Aktivität: 1655
V-Max: 35
Odo (von Hamburg): 4.516 + 62=4.578
Radfahrzeit: 4:55:00
Radelfreude: 10
Morgens in unserem überraschend super Hotel, gab es neben dem Frühstückssaal einen seltsamen Tisch mit Glasdeckel. Das seltsame war das Holz mit den Steinen darunter.
Auf Nachfrage erfuhren wir, dass es sich dabei um eine Flachsharfe handelt. Oder Flachsreibe. Eine Hechel??? Also etwas, was zur Herstellung von Flachs und Leinen verwendet worden ist. Ein großartiges Teil, sieht aus wie ein Schlitten mit eingelassenen Zinken. Aus Feuerstein.
Nur Holz und Feuerstein. Super archaisch. Die Hotelbesitzerin erklärte uns, dass das ein sehr altes Teil ist und man früher den Flachs da drauf geschlagen hat. Es muss sich also um eine Art Hechel handeln. Kurze Internetrecherche und Wikipedia Suche ergab gar nichts dazu. Vielleicht kommt das Teil direkt aus der Steinzeit.
Grenzübertritt:
Ich hab mich richtig gefreut, als ich heute in Portugal die Grenze überschritt. Mitten auf der Brücke des Rio Miño, der hier Portugal von Spanien teilt. Ein neues Land. Hier war ich noch nie. Neuland.
Kastanien in der Alten Burg:
Kurz hinter der Grenze ist die befestigte Burg der Stadt Valenca. Mitten in der Stadt gibt es ein römischen Meilenstein.
Natürlich musste ich den fotografieren. Auf dem Weg dahin gab es auch geröstete leckere Kastanien und massenweise Touristen, die fast alle versuchten, mit ihrem eigenen PKW, die einzige Zufahrt mit einer ampelregulierter Einfahrt in die Stadt zu erfahren. Blöd, wenn die Autos so breit sind, dass sie kaum noch durch das Burgtor passen, dann dauert es halt etwas länger, weil jeder Angst hat, seine Außenspiegel abzufahren.
Hängematte:
Kurz vor der Stadt probieren wir das mit den Hängematten noch mal aus, allerdings mitten im Sichtfeld der in die Stadt fahrenden Touristen war das wenig spaßig.
Schöne Fahrt am Fluss entlang:
Hinter der antiken Stadt Valenca führte der Fahrradweg entlang des Grenzfluss es zwischen Spanien und Portugal. Ein wunderschöner Fahrradweg.
17 Gängemenü:
Das ambientfreie Hotel hat ein Restaurant, das ein Menü anbietet. Das haben wir genommen. Und das war überraschend super. Im Anschluss nach dem gefühlt 17 Gängen wurden wir vom Koch Luis in die Küche eingeladen und er erklärte uns, wie er mit seiner 20-köpfigen Mannschaft auf ein Michelin Stern hin kocht.
Er hat auch in Hamburg gekocht, in der Hafencity im Restaurant Bianc.
https://maps.app.goo.gl/JwGQzQDNxGtkvXY26?g_st=ipc
Km: 78
Höhenmeter: 620
Kcal-Aktivität: 3024
V-Max: 37
Odo (von Hamburg): 4.438 + 78=4.516
Radfahrzeit: 5:30:00
Radelfreude: 4 (viel Regen)
Die Ausfahrt aus Santiago de Compostela war heute etwas später, ich hab noch mit der Telekom geklärt, dass ich jetzt wirklich Glasfaser haben möchte. Es ist gar nicht so leicht, aus dem Ausland eine 08 hunderter Nummer anzurufen. Aber das ist eine andere Geschichte.
In Compostela starteten wir mit Nieselregen. Erst nur ein bisschen, aber dann ein bisschen mehr. Der begleite uns den ganzen Tag und erst gegen 17:00 Uhr gab es eine Regenlücke. Dementsprechend gering war heute die Radelfreude. Schon nach relativ wenigen Kilometern dachten wir, wir könnten den Regen mit einer Mittagspause aussitzen.
Falsch gedacht. In der Nähe der Bar, wo wir Mittagspause machen, gibt es eine eindrucksvolle Fabrik. Irgendwie komisch, so ein Schornstein im Nebel.
Obwohl wir in keiner großen Höhe unterwegs sind, ging es den ganzen Tag Bergaufberg ab. Und das meist über Pilgerwege, die heute eben auch sehr nass und matschig waren.
Zunächst musste ich meine Bremsbeläge nun endlich wechseln. Der feinen, nasse Sand hat sie offensichtlich heute völlig runtergeschmuggelt. Etwas später hatte ich einen Platten. Naja, der erste in viereinhalb 1000 km.
Die Unterkunft heute ist das Hotel das Islas.
Super billig und liegt an der Hauptstraße. Aber nach hinten raus hat es einen wunderbaren Blick auf eine Wartlandschaft mit kleinen Inselchen davor.
Und unten rauscht der Wasserzulauf vom Swimmingpool, den man nach Auskunft des Hotel Managers aber besser nicht benutzen soll. Gleich werden wir auf unserem kleinen Balkon Pizza essen.
Km: 65
Höhenmeter: 1010 (1170 flaut Garmin)
Kcal-Aktivität: 1987
V-Max: 57
Odo (von Hamburg): 4.373 + 65 =4.438
Radfahrzeit: 4:34:00
Radelfreude: 8
Der Tag begann kalt und neblig und spät. Denn in Melide ging die Sonne um 8:34 Uhr auf. Wir sind inzwischen westlich von Dublin. Aber immer noch in der Hamburger Zeitzone (MEST). Erst südlich von hier, in Portugal verändert sich die Zeitzone. Morgen wird hier die Sonne um 8:35 Uhr aufgehen. Zum Vergleich: im Dezember in Hamburg ist der späteste Sonnenaufgangs-Zeitpunkt: 8:37 Uhr.
Flughafen:
Etwa 20 km vor dem Ziel hörten wir sehr viele startende Flugzeuge. Irgendwie müssen die vielen Pilger von gestern ja auch wieder nach Hause kommen. Bestimmt kann man sehr günstig hierher fliegen, denn beim Herflug der Flugzeuge gibt es sicher viele Leerkapazitäten. Laut ChatGPT sind 2024 etwa eine halbe Million Menschen hierher gepilgert. Das sind etwa 14 Boeing 737 Max am Tag.
Santiago de Compostela:
Ich versuchte, bei der Einfahrt auf dem Platz, an der Pforte, genau wie Hape Kerkeling ein harmonisches Erlebnis zu haben. Aber wir sind um die falsche Ecke gefahren und waren gar nicht auf dem Platz, sondern an einem Nebenplatz. Der Hauptplatz war dann eben daneben. Dort haben wir dann die Fahrräder abgestellt und uns kurz auf den Rücken gelegt, wie gut, dass ich ein Schaffell als Luxuselement mitgenommen habe. Das war sehr gemütlich. Man konnte die vielen Menschen und Gruppen beobachten, wie sie sich freuen und Handyfotos machen, und Insta-Posen. Aber auch verrückte Teenager Pfadfindergruppen, die sich zum Gruppenkuscheln auf ihre Rucksäcke schmeißen. Vielleicht doch ein bisschen Hape Kerkeling.
Thomas und Mathias berichteten später, als wir sie zum Abendessen trafen, dass bei ihrer Ankunft circa 2 Stunden vorher, der Platz gerammelt voll war und eine VIP-Trauung auf der Brüstung gegenüber der Kirche stattfand. Die Stimmung war sehr ausgelassen, und die Menge forderte, dass das nicht sehr attraktive, nun verheiratete Paar sich küssen sollte. O-Ton und Matthias: Er war unansehnlich, und sie, (kunstvolle Pause), war noch weniger attraktiv.
Santiago de Compostela wurde im zwölften Jahrhundert entdeckt. Übrigens von dem gleichen Benediktinermönch, der auch die 100 Jungfrauen-Geschichte in Leon entdeckt hat. Er beschreibt, wie im neunten Jahrhundert also drei Jahrhunderte vorher, jemand die Knochen des heiligen Jakobus auf mysteriöse Art und Weise im Compostelka fand. Interessanterweise ist das geschichtlich ziemlich gleichzeitig mit der Rückeroberung des Nordteils ( Christen vertreiben die Araber) von Spanien gewesen. Also gute Voraussetzung für Christen, diese ganze Strecke nach Westen zu pilgern und auf der Strecke viel zu übernachten und in Beneditinerklöstern zu speisen. Ein geopolitisch sowie touristisch schlauer Schachzug.
Ob es nun wahrscheinlicher ist, dass die drei heiligen Könige in Köln ihre letzte Ruhestätte gefunden haben, oder ob Jacobus hier liegt, wer vermag das zu beurteilen. Niki meint, die Chance das Jakobus hier wirklich liegt, ist wahrscheinlich geringer, als die Chance, den El-Gordo zu gewinnen. Also den großen spanischen Lotteriepreis.
Kathedrale von Compostela:
Zum Reingehen muss man ein bisschen Schlange stehen. Drinnen ist es dann ziemlich voll, und während wir Touristen waren, die einfach das Bauwerk und die goldene Kirche von innen ansehen wollten, weilten die Mehrzahl der Menschen allem Anschein nach mit tieferen christlichen Gedanken in der Kathedrale. Wir sind sicher als Durchreisende auch in der Minderheit, für die Meisten ist die Reise hier erst einmal zu Ende.
Km: 80
Höhenmeter: 1480 (1663 sagt Garmin)
Kcal-Aktivität: 2652
V-Max: 54
Odo (von Hamburg): 4.293 + 80 =4.373
Radfahrzeit: 6:32:00
Radelfreude: 9
Die Strecke heute gleich einem Segel Zahn Muster
Landschaftlich schön, aber nicht mehr ganz so atemberaubend wie die letzten Tage in den Bergen. Und bei schönem warmen Wetter. Die Vegetation ist hier grüner als auf der Hochebene. Bis zum Atlantik ist es ja auch nicht mehr weit.
Unsere Mittagspause bestand aus Pfirsich, Cola und Snickers. Und dann etwas später noch mal ein Käsebrot. Also gab es gar keine richtige Mittagspause. Etwas später trafen wir dann Thomas und Mathias aus Heidelberg und Mannheim wieder. Mit denen sind wir den Rest des Weges bisher gefahren und werden uns gleich zum Abendessen treffen.
Da wir heute den 100 km Radius nach Santiago de Compostela unterschritten haben, nahm die Pilgerdichte deutlich zu. Soweit ich weiß, braucht man 100 km Fußmarsch, um als Pilger zu gelten.
Radelfreude:
Das auf und ab stellt ein vor psychische Herausforderung. Dauernd etwas Neues. Erst Anstrengung und bergauf, dann tolle Abfahrt. Ach nein, wieder Steigung. Auf die Dauer fange ich an, Steigung zu mögen. Ich muss ihn nur langsam genug fahren. Und ich fange an Abfahrten zu genießen, was auch toll ist. Bislang habe ich im solchen Gelände die Abfahrten immer etwas argwöhnisch betrachtet, weil mit jeder Abfahrt vernichtet man ja Höhenmeter. Die man dann wieder mühsam sich erst strampeln muss. Das hängt also zusammen. Wenn ich die Steigung mehr mag, dann kann ich auf die Abfahrten mehr genießen. Der Schlüssel liegt daran, zu wissen, dass man die Steigung schafft. Wenn man es nur langsam genug angeht.
Kommod Navigation:
Funktioniert zuverlässig. Man merkt allerdings, dass sie aus Holland kommt, denn in den Bergen sind die Anzeigen, hier von Plural zu sprechen ist fast schon ein hohen, es gibt genau zwei, unzureichend. Hier wünsche ich mir viel mehr Daten. Und viel mehr lesbare Daten. So etwas wie Steigung und Höhenmeter auf einer Anzeige. Und am besten auch noch meine Herzfrequenz dabei also,@Komoot, Take This!
Km: 62
Höhenmeter: 1310
Kcal-Aktivität: 2061
V-Max: 56
Odo (von Hamburg): 4231 + 62 =4.293
Radfahrzeit: 5:18:31
Radelfreude: 10
Der morgendliche Start war mit 10° sehr kalt. Und es dauerte eine ganze Zeit, bis uns warm wurde. Dann, nach einer Stunde Fahrt, kam der Aufstieg. Ziemlich steil und da war’s dann auch warm. Wieder ging es durch wunderschöne Berglandschaft und über den letzten großen Höhenzug vor dem Atlantik. Ab jetzt kommt sehr hügeliges Gelände, aber keine große Höhe mehr. Die späte Mittagspause nahm wir am letzten Pass in Alto de Poio ein. Ich war besonders fasziniert von dem riesigen, schlafenden Hund, der vor dem Eingang der Wirtsstube sich flach auf den kalten Boden gelegt hatte und dort schnarchte. Egal, wer um oder über ihn rüber stieg.
Morges:
Der dritte Monat der Reise beginnt. Einige Dinge haben sich verändert. Meine Einstellung zu Bergen. Die Radfahrstrecken in den Bergen sind häufig eindrucksvoller als im platten Land. Die ständig wechselnden Ausblicke, auch gibt es dort weniger Autos. Dort ist mehr Natur.
Mein Startgewicht: mein neuer Job, das Radfahren fordert täglich circa 2000 kcal Aktivitätsenergie von meinem Körper. Das hat zur Folge, dass ich fitter bin als vor zwei Monaten. Gleichzeitig fühle ich meine Beine und bin mir meinem Körper sehr bewusst. Jeden Tag.
Einige Dinge sind gleich geblieben, das unbedachte Versacken in YouTube, wenn man doch nur ein Pentatonix Video suchen wollte.
Ich werde mir heute auf der Strecke über Disziplin Gedanken machen. Denn ein Ziel der Reise war, etwas zu ändern. Und das einfache Rückfall in gewohnte Muster, wie kann ich das hinterfragen, wenn diese Reise zu Ende ist. Wie also die Reise mitnehmen in den Alltag. Klar, ich kann natürlich im nächsten Jahr weitere Pausen und Reise machen aber ich möchte gerne, dass das Reisen alltäglich wird, ohne dass ich dafür wie Hartmut 17 Jahre auf dem Fahrrad leben muss. Hartmut war der Typ, den ich im letzten Sommer auf meiner kleinen Tour begegnete. Er ist komplett ausgestiegen und lebt auf dem Fahrrad. Pendelt aktuell zwischen Deutschland im Sommer und Sizilien im Winter hin und her.
So aber, wird wahrscheinlich mein Weg nicht sein. Und trotzdem wünsche ich mir ab November eine Reise im Alltag. Also mache ich mir heute darüber Gedanken, wie ich diese Alltagsreise jetzt schon beginnen kann.
…
Km: 69
Höhenmeter: 910
Kcal-Aktivität: 2096
V-Max: 59
Odo (von Hamburg): 4162 + 69 = 4231
Radfahrzeit: 3:58:00
Radelfreude: 10
Wir sind zurück in den Bergen und es ist gleich super schön und die Radelfreude ist auf Maximum.
Heute treffen wir Thomas und Matthias wieder. Die beiden kommen aus Mannheim und Heidelberg, Mathias kommt eigentlich ursprünglich aus Hamburg. Thomas ist Verkehrsplaner beim Verbund von über 40 Teilnehmern in Mannheim und organisiert seine Nachfolge, obwohl in der Job immer noch total kickt. Matthias ist Frauenarzt. Beide sind in unserem Alter und verbringen hier 2-3 Wochen Ferien. Mit Fahrrad. Beide radeln den Compostela Pilgereweg. Mattias kämpft sichtlich mit den Höhenmetern, aber er ist ja auch gerade erst angereist. Beide starteten in Pamplona.
Der Tag begann damit, dass wir auf 1500 Meter Höhe klettern mussten. Wunderschöne Landschaft tolles Wetter, klasse Blicke. Dort oben gibt es einen Berg, der von Pilgern mit von zuhause mitgebrachten Steinen aufgehöht wurde. Viele Steine, wo Leute was drauf geschrieben haben, Bilder von Menschen, die verstorben sind, irgendwelche komischen Gegenstände. Man kann nicht umhin. Es rührt einen an. Das, was bei Lourdes noch ausgeblieben ist, trifft mich hier ein bisschen doller.
Ich hab auch ein Stein hingelegt, den habe ich aber erst gestern aufgesammelt. So gesehen ein bisschen eine Schummelei. Denn eigentlich soll man ja ein Stein von zu Hause mitbringen. Aber das wusste ich natürlich nicht. Jedenfalls nicht bevor ich hierhin kam. Das verriet mir Thomas gestern. Denn die beiden Thomas und Mattias, die haben wir auch gestern schon getroffen. Und wahrscheinlich treffen wir sie morgen auch wieder.
Dann ging es einige Kilometer auf 1500 m durch die Berge. Eine Genussfahrt. Und dann 1000 Höhenmeter wunderschöne Abfahrt runter. In einen Ort mit Römerbrücke (Molinaseca). Haben wir natürlich auch fotografiert. Den Teil danach, also 20 km Straße, mit vielen Autos, vergessen wir, sonst bekommt der Tag nicht seine zehn Punktewertung. Und dann treffen wir an unserem Ziel ein.
Villa Franka del Bierzo:
Klingt nach Bier, aber wir haben eine kleine Weinprobe gemacht (sic), hier in der Gegend gibt es eine spezielle Traube, die charakteristisch ist. Mein Kumpel Thorsten würde sagen autochthon. Weil das so ein tolles Wort ist. Mencia.
Und immer noch sind wir auf diesem Camino nach Santiago de Compostela. Rings um uns internationale Stimmen. Man hört alles mögliche. Neben Deutsch auch Englisch und natürlich Spanisch und galizisch und was immer. Es ist also fast wie in Kreuzberg.
Km: 62
Höhenmeter: 500
Kcal-Aktivität: 1732
V-Max: 51
Odo (von Hamburg): - 1728 = 4098 + 62 = 4162
Radfahrzeit: 4:08:27
Radelfreude: 10
Heute kurze Strecke mit Hängemattenpausen nach einem späten Start in Leon.
Dementsprechend späte Pause in Astorga. Die gibt es ein Domunternehmen, ein Museum von Gaudi gebaut. Sieht ein bisschen so aus, als ob neben der Kirche noch jemand an der Kirche gebaut hat.
Wetter:
Durchgehend sonnig!
Strecke:
Ganz leichten Rückenwind und ganz leicht bergauf.
Kurz vor unserem Ziel noch eine lange Pause im Hängematten mit Blick auf einem Waldbrand.
Bemerkenswert, die Unterkunft am Abend. In einem Dorf, was zum ersten Mal völlig intakt erscheint. Keine verfallende Lehmbauten und keine hässlichen Betonunterkünfte.
Santa Catalina de Somoza. ***** https://share.icloud.com/photos/0705UXHy8ng_U0MLNXfoqbIkw
Unser Gastgeber hat kein Abendessen, hat uns aber zu einem Hostel geschickt, wo David kocht. Vegan. Bezahlung per Spende. Beim Abendessen, das super lecker war und mit Nachtisch und Obst und Getränken auch sehr üppig war, saßen ein Ungar ein Däne, eine Katalanin und zwei Taiwanesen mit uns am Tisch. Dementsprechend international und multikulti war das Abendessen-Gespräch. Ich bin immer noch ganz hin und weg.
Km: 120
Höhenmeter: 530
Kcal-Aktivität: 3090
V-Max: 51 (42 auf Schotter)
Odo (von Hamburg): - 1728 = 3978 + 120 = 4098
Radfahrzeit: 6:05:02
Radelfreude: 9-10
Heute sind wir früh gestartet. Schon um 9:10 Uhr bewegte sich die Pedale. Bis 12:00 Uhr hatten wir 56 km abgestempelt. Das ist ein Rekord.
Der Schottergott meinte es heute gut mit uns. Die kurzen Schotterpassagen waren von bester Qualität. Echter Speed Schotter. Hier erlangte ich die Höchstgeschwindigkeit auf Schotter von 42 KMH. Auf Asphalt war es später 51 KMH.
Und wir hatten die meisten Teile über, bis auf die letzten 20 km nach Leon hinein Rückenwind. Daher kommen auch die enormen Kilometer Werte heute. Es war überhaupt nicht so anstrengend wie gestern, obwohl wir gestern viel weniger gefahren sind.
Eigentlich wollten wir 20 km vor Leon unterkommen, aber unsere Unterkunft hat einen Heizungsschaden und kein Warmwasser. Darum bat uns die Wirtin fast, weiter zu fahren, und da wir noch Kraft hatten und es noch nicht so super spät war, beschlossen wir, bis nach Leon zu fahren. Da hatten wir dann die letzten 20 km Gegenwind, wegen Richtungsänderung, und da merkt man dann schon, dass Rückenwind besser ist.
Leon:
Hier findet an diesem Sonntag ein Fest statt. Die Zeremonie der »Cantaderas«. 834 besiegten die Christen die Muselmanen in einer wilden Schlacht. Das ist Teil der spanischen Rückeroberung durch die Christen der Reconquista. Mit dieser Schlacht soll auch das Privileg der Muselmanen, jährlich 100 Jungfrauen von den Christen einzustechen, kassiert worden sein. Und das feiert man hier mit traditionellen Frauen Bands aus jeweils vier Frauen. Den so genannten Cantaderas.
Wenn man die ganze Sache bei Wikipedia nach liest, so handelt es sich um eine Geschichtsfälschung. Ein christlicher Geistlicher, Pedro Marcio, hat im zwölften Jahrhundert in Santiago de Compostela ein Dokument gefälscht, das dieses Privileg der 100 Jungfrauen verbriefen sollte. Auch der heilige Jakobus spielt in dieser Geschichte eine Rolle, denn er erschien wichtigen Protagonisten vor der Schlacht im Traum.
Zudem ist völlig unklar, ob die Schlacht 834 oder 844 oder überhaupt stattfand.
Die Reconquista, die Rückeroberung Spaniens durch die Christen von den bis ein arabischen Herrschern dauerte von 722-1492. Also das gesamte Mittelalter. Ich war vor einigen Jahren in Granada, und hab’ mir dort die Alhambra angeguckt. Für mich ist das eines der beeindruckendsten Bauwerke Europas. Es zeigte mir auch, welche Hochkultur wir da zurückerobert haben als Christen.
Wir haben jetzt eine Wohnung mitten in der Altstadt für eine Nacht und vor der Tür ist richtig was los. Also Fälschung hin oder her, gefeiert wird.
Km: 72
Höhenmeter: 480
Kcal-Aktivität: 1681
V-Max: ???
Odo (von Hamburg): - 1728 = 3906 + 72 = 3978
Radelfreude: 8
Nach über neuneinhalb Stunden Schlaf und einem sehr langsamen Start, mit kurzem Besuch der Kathedrale. Es war. 10:00 Uhr und so konnten wir sehen, wie die merkwürdige mechanische Figur der Votivuhr den Gong zehnmal schlug. Mit einem etwas irren Gesichtsausdruck.
Im Takt mit den Schlägen verbreitete sich das Grinsen der Figur.
Kleine Recherche ergibt: es handelt sich bei der Büste um Papamoscas, den Mückenfresser, ein Wahrzeichen von Burgos. Ein Automat aus dem 18. Jahrhundert.
Wir verließen wir Burgos auf zunächst guten Wegen. Ein roter Beton, Asphalt Weg, der so glatt und sanft war wie Jeff Bezos Privatjet Rollbahn.
So hatte ich die Hoffnung, dass wir heute nicht ganz so viele Schottersteine umpflügen müssten, wie gestern. Wie ich auf einer Fußgängerampel (espera verde) lernte, ist der Wortstamm von Abwarten und Hoffen im Spanischen derselbe. Espera.
Und so wandelt sie sich meine Hoffnung gegen Schotter in Abwarten auf Schotter. Und der kam dann natürlich auch.
Schotter zu fahren, macht nur bergab Spaß. Und da auch nur für etwa 60 Minuten, danach melden sich dann die Handgelenke. Zumindestens bei mir so knapp 60 Minuten. Abfahrt Spaß hatten wir am Nachmittag auf Schotter, dafür aber wieder eine ganze Menge bergauf fahren auf Schotter. Kein Spaß.
Aber die Tour war heute deutlich kürzer als gestern und wir hatten sogar ein bisschen Zeit in Hängematten.
Schlingnatter:
Ein kleines Exemplar von haben wir heute auf dem Weg gesehen. Im Video verharrt sie ganz ruhig. Erst als ich etwas weg ging, schlängelte sie sich über den Weg. Ich fand, ganz schön schnell. Dann allerdings kam ein glattes Stück auf dem Jakobsweg und sie hatte Schwierigkeiten weiter zu kommen. Am Rand des Weges im Gebüsch, zischte sie dann einfach völlig schnell weg. Selbstverständlich habe ich aufgepasst, dass sie gut zum Wegesrand gelangt.
Km: 89
Höhenmeter: 990
Kcal-Aktivität: 2941
V-Max: 33
Odo (von Hamburg): - 1728 = 3817 + 89 = 3906
Radelfreude: 8-9
Das war ein langer und anstrengender Tag. Knapp 90 km klingt zwar nicht nach so viel, aber es ging ganz schön rauf und runter und vor allen Dingen die ganze Zeit über Pilger Schotterstrecke. Zwischendrin hatten wir einige super steile Stücke, die wir nur schiebenderweise bewältigen konnten.
Der Tag begann grau, wurde aber zum Nachmittag hin schön sonnig. Wir mussten eine kleine Bergkette überwinden mit knapp 1200 m Höhe. Dort bot sich eine Pilgerhütte zum Hängematten ausruhen an. Weil es schon Nachmittag war und der Einstieg relativ steil, gab es dann auch keine Pilger mehr. Ich glaube, die haben in ihrer Tagesplanung vorgesehen, Berge nicht am Nachmittag anzugehen.
Pilger:
An einer Stelle kamen wir von unserer Komoot Route zurück auf den Jakobsweg. Schon von Ferne sah man die Pilger, die sich wie eine Ameisenkette den Hügel hinauf bewegten.
Kurz danach gab es einen Gedenkstein für 300 Leute, die an der Stelle 1936 von Franco Anhängern ermordet wurden.
So als Spanien Touristen macht man sich ja nicht klar, dass der Franco hier bis 1975 noch an der Macht war und die Demokratie hier erst 1978 ausgerufen wurde. So gesehen eine junge Demokratie.
Atapuerca:
Hier wurden Anfang der Neunzigerjahre Knochenfunde von Frühmenschen in Höhlen gefunden. 800.000 Jahre alt. Ich hab mir dann vorgestellt, wie die Bewohner des Ortes auf 800.000 Jahre Siedlungsgschichte zurückblicken können. In dem Museum gab es viele Ausstellungsstücke, an denen man probieren konnte, mit Steinen Löcher in Holz zu bohren oder sich anschauen konnte, wie Feuer machen geht. Dort gab’s auch eine Tafel, die sagt, dass es für Feuer machen in Europa erst Belege seit etwa 200.000 Jahren gibt, Obwohl in Südafrika die Leute schon vor circa 1,5 Millionen Jahren wussten, wie man Feuer macht. Gab halt noch kein YouTube, wo man das nachgucken konnte. Trotzdem interessant, wie langsam sich Innovation damals verbreitet hat.
Die hier sind jedenfalls nicht 800.000 Jahre alt. Und sicher auch nicht original, aber sie zeigen eben, wie man auch vor tausenden von Jahren schon hübsche Töpfe machen konnte.
Burgos:
Die letzte Strecke nach Burgas war hässlich. Erst entlang der Autobahn und dann Kilometer weit durch Gewerbegebiet, bevor es in die Stadt ging.
Hier sind wir auch nicht den Euro Velo gefahren, sondern die von Komoot vorgeschlagene Strecke. Wahrscheinlich etwas kürzer und einfacher, aber eben hässlich. Erst in der Stadt wurde es schön.
Die vieltürmige Kathedrale, ist wirklich eindrucksvoll. Und auch der Burger in Burgos, was sonst soll man in der Stadt essen, war eindrucksvoll.
Nach zwei Tagen fürstlich faulenzen. Mit viel Rotwein und leckerem Essen geht’s morgen weiter Richtung Burgos. Könnte ein bisschen anstrengend werden, denn zwischen uns und Burgos liegt noch ein kleiner Höhenzug. Und etwa 90 km.
Heute gab es wieder Geier, die über uns kreisten:
https://share.icloud.com/photos/068Tdbz8DYX3pum_yfN2kA8rw
Beronia:
Die Weinmarke hat sich einen schönen Betonbau in den Hang gesetzt. Mit Gründach und Kräutergarten.. Wirklich super und sehr gigantisch. Sieht ein bisschen aus, wie die Abflughalle eines Flughafens, der daneben dann doch nicht entstanden ist. 6000 Fässer Wein haben die im Keller. Und nochmal die gleiche Menge auf Flaschen. Und die Ernte läuft. Irgendwer muss das alles ja auch austrinken. ChatGPT sagt, die Britten sind die größten Trinker von Rioja Wein, gleich gefolgt von den Deutschen. Wir haben ganz lange draußen gesessen und beobachtet. Die Weinkeller sind voll, ich vermute, im Rioja herrscht Überproduktion.
Km: 50
Höhenmeter: 640
Kcal-Aktivität: 1586
V-Max: 46
Odo (von Hamburg): - 1728 = 3767 + 50 = 3817
Radelfreude: 9 (kalt und etwas windig)
Heute nur eine kürzere Strecke, spät gestartet, schöne Tour aber etwas kalt. Hier ein paar Dinge, die wir auf dem Weg gesehen haben.
Die Rauchschwalbe. Davon haben wir kurz vor Najero viele gesehen, die mit halsabbrecherischen Flugmanövern knapp über dem Boden Insekten jagten. Nur, dass es für sie halt überhaupt nicht halsbrecherisch ist. Ein bisschen wie mit dem Radfahren. Sechs Wochen auf dem Fahrrad wird es einfach normal. Ich hab mit dem iPhone versucht, einen Zeitlupe-Film zu machen und das ist eines der Bilder aus der Aufnahme. Selbst in Zeitlupe ist der Vogel im nächsten Bild schon wieder drei Körperlängen weiter und hat eine andere Flügelstellung. Unfassbar wie schnell und wendig die sind. Rauchschwalben ziehen im Herbst bis südlich der Sahara, um dort zu überwintern. Aus meiner Erfahrung der letzten Jahre gibt es auch tatsächlich mindestens vier Gründe, im Winter nicht in Hamburg zu sein. Die Gründe heißen natürlich. November, Dezember, Januar, Februar.
Narera:
Durch die Stadt fließt ein Fluss, und auf der westlichen Seite hinter der Brücke endet die Stadt in einer roten Klippe. Offensichtlich haben dort Leute eine persönliche Stadterweiterung in die Klippe gehauen. Bislang habe ich nicht herausgefunden, wie alt diese Höhlen sind, nur wenige Jahrzehnte oder Jahrtausende.
Wie das wohl verwaltungstechnisch geht? Wer ist der zuständig, an der Stadtgrenze an einer senkrechten Klippe? wer kontrolliert da die Höhlenbauvorschriften? Oder gilt da Bestandsschutz, weil sie halt schon sehr alt sind?
Der Stadtteil vor den Höhlen wirkt jedenfalls sehr arm. Niki war in Corona Zeiten in dem Ort mit Niels und berichtete, dass damals dort absolut tote Hose war. Nix los. Keine Menschen auf der Straße. Etwas belebt. Da wirkte es bei unserer Durchreise schon.
Wir haben dann dort auch Mittag gegessen mit Snacks aus der Kneipe und alkoholfreim Bier.
Auf dem Dorfplatz saßen tatsächlich einige Leute in der spärlichen Sonne draußen und versuchten, sich in den drei Sonnenstrahlen aufzuwärmen.
Km: 100
Höhenmeter: 1390
Kcal-Aktivität: 3214
V-Max: 48
Odo (von Hamburg): - 1728 = 3667+100 =3.767
Radelfreude: 10
Pilger, Pilger Pilger… das war eines der wiederkehrenden Motive heute.
Da wir viel vor uns hatten, etwa 100 km, sind wir heute früher als sonst gestartet und haben ein schnelles Frühstück bei einer Bäckerei genommen. Im Pamplona hatte es heute Morgen nur 8°, kälter als in Hamburg. Dementsprechend dick haben wir uns angezogen. Heute sind wir nicht ganz genau den E3 gefahren, sondern haben an ein paar Stellen von Komoot vorgeschlagene Abkürzungen genommen. Die haben sehr gut funktioniert. Die Straßen sind hier sehr wenig befahren und die Autofahrer sind äußerst rücksichtsvoll. Take that, tu felix Austria!
Irgendwann am Vormittag fing Nikis Bremse an, quietschende Geräusche zu machen. Zwischen Bremssattel und Bremsscheiben hatte sich ein kleiner Stein verkeilt, so dass die Bremsscheibe nicht mehr zurück rückte und dauerhaft an der Scheibe schleifte (Jetzt frage ich mich schon wieder, ob ich das mit den Vergangenheitsform von schleifen richtig mache). Glücklicherweise haben wir das schnell entdeckt, und so war der Schaden schnell behoben. Und ich muss sagen, ich freue mich einmal mehr, Felgenbremsen zu haben. Etwas oldschool, aber robust.
Etwas später trafen wir Konrad aus Polen. Die Kommunikation war etwas stockend, aber wir fuhren dann ein Stück zusammen. Konrad ist auf der Suche danach, was er nach seiner Radtour machen möchte. Vorher hat er bei Amazon gearbeitet und hat dort einen Dienstwagen gehabt und ein Diensthandy und ein regelmäßiges Gehalt. Aber so richtig sinnvoll fand er das nicht. Auf einem der Fotos sieht man ihn, wie er Nickis 18 Gangschaltung bewundert. Oder war der Riemenantrieb? Jedenfalls findet Nikis technische Ausstattung, wiederholt Bewunderer.
Wir sind heute die ganze Zeit über eine Landschaft gefahren, die ich so noch nie gesehen habe. Bergrücken, Felsenmassive, ein Himmel, wie ich mir ihn sonst über Arizona vorstelle. Sehr eindrucksvoll und eine raue Schönheit.
Abends war ich erstaunt, angeblich haben wir heute 1390 Höhenmeter abgeschrubbt. Es ging auch ganz schön rauf und runter. Aber es ging. Mit 12,7 km/h Durschnittsgeschwindigkeit waren wir ja auch schön langsam unterwegs.
Abends in Logroño gab es sehr viele Menschen auf den Straßen. Volksfest. Es ist das jährliche Fest der Weinlese, das unter anderem mit Umzügen von lauten Blasmusikbands gefeiert wird. Eine Woche lang, ab dem 21. September. Leider war der Umzug grad an unserer Kneipe vorbei, als ich mit dem Handy rausstürmte und meine Vorspeise drinnen stehen ließ. Also kein Video davon. Und hinterherrennen wollte ich nicht, denn nach über 300kKalorien radeln hat Essen Priorität vor Kultur.
Banausenradeln!
Km: 58
Höhenmeter: 600
Kcal-Aktivität: 1691
V-Max: 34
Odo (von Hamburg): - 1728 = 3609+58 = 3667
Radelfreude: 9 (Etwas Landstraße, Wind, Regen)
Heute wieder nur eine relativ kurze Etappe nach Pamplona. Für den Tag war sehr viel Regen angekündigt, war aber dann gar nicht so schlimm. Nur einmal, am Vormittag mussten wir Regen-Klamotten anziehen.
Die Abfahrt aus den Pyrenäen war wunderschön und kurz vor dem einsetzenden Regen flog noch mal zum Abschied ein Geier über uns. Ganz dicht über uns. Wäre ein super Fotomotiv gewesen, aber so schnell bin ich nicht am Handy.
Es ging dann weiter zu einem Stausee und an einem Wasserkanal entlang. Bis dahin alles ohne Auto, Verkehr.
In Agotz trafen wir vor dem Carrefour Supermarché ein Paar aus Birmingham, die ähnlich bepackt wie wir mit Rädern unterwegs sind. Allerdings schwelgen die nicht so im Luxus wie wir, sondern haben die letzte Nacht gecampt. Und das bei dem vielen Gewitterregen. Besonders bemerkenswert fanden die beiden die Überquerung der Französisch spanischen Grenze. Also ohne Kontrolle und irgendwelche Formalitäten. Ich hab‘ dann den Brexit angesprochen. Und wild gestikulierend bedeutet mir beide: „don’t mention the B-word.“
Kurz hinter Agoiz wurden wir dann auf die Landstraße geleitet und mussten diese für ungefähr 10 km fahren. Das war mit Autoverkehr verbunden und vom Fahren her etwas langweilig. Dann verließen wir die Landstraße wieder und fuhren im Zickzack Richtung Pamplona.
Kurz vor Pamplona fuhren wir einen kleinen Hügel hinauf, auf dem oben ein merkwürdiger, etwas brutalistisch anmutender Bau mit seltsamer Dachkonstruktion stand. Der stand in Verbindung mit historischen Bauwerken. Ein Museum für Skulpturen. Leider schloss das Museum gerade, als wir ankamen, also setzten wir uns dort auf die skulpturhaftig gestalteten Mauern und schauten runter auf Pamplona. Nach etwa 5 Minuten kam ein uniformierte gelb bewesteter Wachmann aus dem Museum, und sagte uns in schönfließendem Spanisch, dass das Sitzen auf Mauern wegen der Gefahr, herunter zu fallen, nicht gestattet sei. Die Situation war irgendwie komisch, ich fühlte mich sofort per Zeitmaschine auf 14 Jahre geschrumpft und zurechtgewiesen. Bestimmt muss er das in der Woche, heute ist ja Sonntag, dauernd zu irgendwelchen besuchenden Schülergruppen sagen, die sich dort auf die Mauern setzen. Wäre ich dieser Macht-Wachmann, so hätte ich, direkt, nachdem wir uns getrollt hatten, mich auf die Mauer gesetzt und dort in aller Ruhe eine schöne Zigarette geraucht und die brennende Kippe nach unten geschnippt. Aber bestimmt hat er das nicht gemacht, dazu sah er viel zu linientreu aus.
In Pamplona war noch ein Stück des Weges gesperrt, so dass wir einen schlauen Umweg machten. Der führte dann sehr steil bergan. Die Steigung war so doll, dass es sogar schiebenderweise mir die Schuhe auszog. Jedenfalls, wenn man auf dem Vorderfuß versucht, bei fast unmöglicher Steigung das Rad nach oben zu stemmen. Also machte ich einen seltsamen etwas behindert anmuten Schrägschritt. Damit ging es. Oben auf dem Hügel war der lokale Wasserturm und ein super Blick auf die Kathedrale von Pamplona.
Hier haben wir uns nach der Empfehlung unseres heutigen Wirtes im Hotel neben der Kathedrale einquartiert **** und werden gleich mal die Stadt besichtigen.
Km: 45
Höhenmeter: 1130
Kcal-Aktivität: 1582
V-Max: 50
Odo (von Hamburg): 5337 - 1728 = 3609
Radelfreude: 10
Mit viel Respekt vor den Höhenlinien begann ich heute den Aufstieg. Niki war irgendwie cooler. Der Morgen war heute etwas kühler. Wir fuhren die Steigung extrem langsam hoch. Ich hab schön darauf geachtet, dass der Puls immer in Zone eins oder zwei blieb. Das führte dazu, dass ich langsam-Fahr-Übungen gemacht habe. Fünf km/h zu fahren ist kein Problem. Alles darunter wird problematisch , weil man die Balance halten muss. Wenn man 3,2 km/h fährt ist es verdammt schwierig geradeaus zu fahren. Dann kippt das Fahrrad gerne um. Um das zu verhindern, kann man wilde Lenkbewegungen machen. Wilde Lenkbewegungen sind aber nicht gut, schon gar nicht, wenn von hinten auch noch ab und zu Autoverkehr kommt. Oder wenn man auf Schotter fährt.
Am besten ist es, man ist vollständig im inneren und äußeren Gleichgewicht und fährt gerade hoch bei Minimalgeschwindigkeit. Das wiederum erfordert ausgeglichene Konzentration und Balance trotz stakem Treten.
So war’s dann gar nicht schwierig, die ersten 700 m hoch zu fahren. Hat einfach Zeit gebraucht. Oben sieht es ein bisschen aus, wie in den Highlands in Schottland. Die Überquerung der Pyrenäen und vor allen Dingen die Überquerung der Grenze Frankreich Spanien verlief absolut problemlos. Allein das finde ich großartig, dass man vom Nordkap bis nach Portugal unten fahren kann, ohne dass einen jemand nervt und ohne, dass einen jemand abknallt. Wenn wer fragt, was hat die EU je für uns getan, dann wäre das meine erste Antwort. Meine zweite Antwort wäre, schau dir mal den Film das Leben des Brian an. Aber da ging’s ja um Römer und nicht um die EU.
Für heute war Regen angekündigt. Auf den haben wir vergeblich gewartet.
Roncesvalles:
Mittagessen am Tisch der Pilger Nick und Nikita. Beide aus New York. Ich glaub‘ Nikita hieß irgendwie ein bisschen anders, aber so ähnlich. Dann haben wir noch unter einem großen Baum gesessen und mit Oswaldo aus Costa Rico gesprochen. Er schenkte Niki eine Costarica-Fahne. Nun hat Niki auch einen Wimpel am Fahrrad.
Wenn man sich auf dem Jakobsweg irgendwo hinsetzt, wird man halt angequatscht. Und das ist ja auch irgendwie nett.
Einen Ort weiter gab es einen Supermarkt, der um 17:00 Uhr aufmacht. Es scheint sich um den einzigen Supermarkt im Umkreis von 10 km zu handeln. Jedenfalls wurde er schon kurz vor 17:00 Uhr von einer Menge Pilger belagert, die alle hungrig auf Einkauf warteten.
Da unser Hotel heute Abend keine Küche mehr anbietet, haben wir dort Nudeln eingekauft. Und rote Soße, und Fischdose. Das haben wir dann in dem Luxus Hostel, eigentlich mehr so eine Art restaurierte Altbauturm nach modernsten Standard, mit dem Wasserkocher zubereitet. Kritisches Manöver. Essen im Wasserkocher zubereiten ist immer eine doofe Idee. Hat aber einigermaßen gut geklappt. Und dann haben wir sehr lecker im Gewitter Stimmung draußen Nudeln mit roter Soße und Makrelen in Olivenöl und französischen roten Espillet-Pfeffer gegessen und dazu einen hervorragenden spanischen Rotwein getrunken.
Auf dem Weg zur Unterkunft, sahen wir, wie Wolkenbänke hinter uns über die Pyrenäen krochen. Ein bisschen fühl ich mich an Fogg, Nebel des Grauen erinnert. Wir fuhren dann ein bisschen schneller weiter.
Km: 52
Höhenmeter: 1094
Kcal-Aktivität: 2077
V-Max: 50
Odo (von Hamburg): 5290 - 1728 = 3562
Radelfreude: 8 (steile Rampen bei 34 Grad C, Anstrengend)
Goxoki: Süßigkeiten, ein sanfter Ort inviting place
So hieß unsere Unterkunft von gestern auf heute und unser heutiger Start. Die beiden Gastgeber haben sich alle Mühe gegeben, damit wir eine Superzeit bei Ihnen hatten. Gestern Abend ein Viergängemenü, selbst gekocht, heute Morgen ein liebevoll gestaltetes Frühstück, insgesamt eine super Unterkunft. Unsere Gastgeber waren beide schwer hörgeschädigt und unterhielten sich die meiste Zeit miteinander und auch mit uns in Gebärdensprache. Oder mit aufschreiben oder mit dem Handy. Er hatte auch noch weitere Bewegungseinschränkung. Es war sehr lustig, wie sie uns gestern schilderten, was sie uns zubereitet hatten und sich dann sehr freuten, wenn’s uns geschmeckt hat.
Der heutige Tag war gespickt mit steilen, anstiegen und steilen Abfahrten. Und es wurde auch sehr heiß. Wahrscheinlich bislang der heißeste Tag mit 34°. So kämpften wir uns also durch die wunderschöne Hügellandschaft und tranken Unmengen von Wasser. Dass wir allerdings sofort wieder ausschwitzen
In Saint Pierre de la Port, besorgten wir uns einen Pilgerpass für den Jakobsweg mit Fahrrad. Da das Office gerade Mittagspause hatte, Scan mir einfach den QR-Code und machten das elektronisch. Im Papierpass kann man durch Stempel nachweisen, dass man die Strecke wirklich gelaufen ist. Oder eben Rad gefahren ist. Wie das digital geht, haben wir noch nicht herausgefunden.
Das ist auch der Ort, in dem Hape Kerkeling seinen Jakobsweg und damit sein Reisetagebuch , „Ich bin dann mal weg“, beginnt. Natürlich hat er deshalb dort begonnen, weil es einer der Standard-Startpunkte für die Pilger ist. Pilger haben wir viele gesehen. Die ganze Stadt ist voll davon. Da wir immer noch die Hoffnung hatten, auch den letzten Anstieg der Pyrenäen in Frankreich heute zu schaffen, machten wir nur ein kurzes Mittagspäuschen bei Lidl, mit Orangensaft und Rosinenschnecken.
Die dann kommende Strecke und die müden Beine vereitelten diesen Plan. Die Hitze hat auch eine Rolle gespielt. Jedenfalls hatte ich das Gefühl, jedes Mal, wenn ich etwas trank, dass es sofort aus den Poren meiner Haut wieder rausspritzte. Ich hab‘ so sehr geschwitzt, dass ich den Drehgriff meiner Gangschaltung nicht mehr ordentlich betätigen konnte. Und der Schweiß in meinen Augen brannte. Blind und schaltunfähig, Beides nicht förderlich beim Bergfahren. Als wir dann am letzten großen Anstieg ankamen, kreisen die Geier über uns. Nicht nur ein, zwei oder drei, sondern Dutzende. Aus meiner Kindheit, durch zahlreiche Western-Filme geschult ,weiß ich, wenn die Geier über dir kreisen, hör auf zu radeln. Das machten wir dann auch und kehrten in der letzten Herberge auf französischem Gebiet ein (Logis Hôtel des Sources de la Nive). Da wir dann etwas Zeit hatten, konnten wir es uns am Bach bei Affenhitze mit Wind noch in den Hängematten gemütlich machen.
Es gibt hier vier Sorten von Geiern. Den Gänsegeier, den Bartgeier, den Schmutzgeier, den ich bislang noch nicht kannte und den Mönchgeier. Unsere Geier waren meistens braun schwarz, also ich vermute Mönchgeier. Aber so war das nicht auszumachen.
Morgen geht’s also rauf. Eigentlich ging es heute auch schon rauf, und ich vermute heute viel mehr als morgen. Aber abwarten.
2025-09-18 Pau - Saint-Palais
Km: 102
Höhenmeter: 530
Kcal-Aktivität: 2548
V-Max: 53 (wie gestern)
Odo (von Hamburg): 5236 - 1728 = 3508
Radelfreude: 10- (schwül-heiß, daher sehr anstrengend)
Heute wurde in Frankreich gestreikt. Davon haben wir aber nur bei der Ausfahrt aus Pau etwas mitbekommen. Wegen Lagerkoller und meiner Trödel fuhren wir das erste Stück getrennt. Niki voraus. Das war auch der Grund, warum er dann ein super Mittagessen auftat, Fotos anbei. Ich trödelte hinterher und kam zum Mittagessen zu spät. Supernetterweise bekam ich noch einen Nachtisch und einen tollen Keks. Aber insgesamt ist mein Körper heute mehr auf Fettverbrennung gelaufen.
Mittags, also nach dem Mittagessen, trafen wir uns dann und fuhren gemeinsam weiter. Nachmittag war sehr heiß. Mir hat es ein bisschen zugesetzt. War ja auch ganz ordentlich viele Kilometer und Höhenmeter heute. Ich hab deutlich Respekt vor morgen, denn morgen geht es auf die europäische Hauptwasserscheide, also Höhenkamm der Pyrenäen.
2025-09-17 Tarbes - Lourdes - Pau
Km: 78
Höhenmeter: 490
Kcal-Aktivität: 2043
V-Max: 53
Odo (von Hamburg): 5132 - 1728 = 3404
Radelfreude: 10
Ein schräger Tag. Menschenmengen mit Hoffnungsmengen am heiligen Ort, ein freies Schwein und ein Bonanza-Radfahrer.
Zunächst einmal, Superwetter, super Strecke ohne viele Autos. Und auch die Höhenmeter zeigten meistens abwärts.
Auf den ersten Kilometern nahm ich einen mir wohlbekannten alten Duft wahr. Weihrauch. Zunächst dachte ich, es handelt sich um Einbildung, weil wir nach Lourdes fahren und meine Nase mir eine Geruchs-Fata-Morgana verspiegelt. Aber ein paar Meter weiter überholten wir dann eine betende Pilgergruppe, und die dufteten nach Weihrauch.
Geruchswahrnehmung ist ja archaisch und durchläuft keinerlei kognitiven Prozess, bevor die Neuronen feuern. Dazu gibt es einen interessanten Podcast von Tim Pritlove, der einen ehemaligen Uni-Professor aus Bochum, einen Duftforscher, darüber interviewte. Einer der vielen lohnenswerte Podcasts von Tim. Jedenfalls versetzt mich der Duft von Weihrauch immer zurück in meine Messdienerzeit und schrumpft mich quasi in ein schwarz-weißes Kostüm mit den Zwang, alles Folgende sehr würdevoll zu tun.
Dann ging es erstmal würdevoll bergauf bergab, einen sehr hübschen, malerischen Weg, bis wir nach 2 Stunden in Lourdes ankamen. In dem Ort geschah in den fünfziger Jahren des 19. Jahrhunderts einem 14-jährigen Mädchen ein Wunder in einer Grotte. Würde ich heute über die Zeit und den Ort einen Roman schreiben, so handelte, der von einer selbstbestimmten und kräutersammelnden unverheirateten Frau, die als Nomadin durch die Pyrenäen zieht. Natürlich wäre sie in der Region bekannt und auch ein bisschen gefürchtet. Vor allen Dingen wäre ihr Einfluss auf die Bevölkerung vom Klerus kritisch beäugt worden, und gerne wäre man sie losgeworden. Irgendwann würde diese Frau einem 14-jährigen Mädchen in einer Grotte begegnen und die beiden hätten einfach eine gute Zeit miteinander. Und nun kämen in meinem Roman zwei Mächte ans Spiel. Die heilige römische Inquisition und der lokale Staat. Quasi Don Camillo und Peppone. Aber diesmal würden die halt gemeinsame Sache machen und sich das Narrativ zu eigen machen. Die Geschichte wäre dann, das Mädchen hat halt ein Wunder erlebt. Einer der Inquisitoren wäre definitiv ein Kölner, denn die Kölner haben die Kunst der Reliquien und Wunder seit 1000 Jahren perfektioniert. Und dann machen die halt gemeinsame Sachen und verändern die Geschichte so, dass es halt sowohl dem Staat als auch der Kirche viel besser passt.
Wenn man sich heute, 170 Jahre später, Lourdes anguckt, dann wäre das jedenfalls eine wirtschaftliche und auch eine katholische Erfolgsgeschichte. Jede Menge Pilger, jede Menge Hotels, jede Menge Menschenmenge, jede Menge Glauben.
Ein Hauptexportartikel von Lord ist das Wasser. Das heilt. Man kann kleine Wasserflaschen für zwei Euro pro Stück kaufen, was der große Kanister in den Bildern kostet, weiß ich nicht. Jedenfalls wäre ich in einer anderen Geschichte so eine Art Lourdes-Wasserexporteur nach Norddeutschland. Dort würde ich das dann in Altersheimen und Krankenhäusern, präferiert in katholischen Krankenhäusern und Altersheimen, verteilen. Gleichzeitig würde ich Bingo-Shows machen und zu Spenden für die mittellosen Brüder der Mission aufrufen. Ich bin sicher, das wäre ein super Geschäft.
Da viele Gläubige das Wasser trinken, muss ich nachher mal nachgucken, wie die Wasserqualität eigentlich sichergestellt wird. Denn immerhin kann es ja nicht im Interesse der Kirche oder des Ortes sein, dass es böse Folgen vom Wasser trinken gibt.
Als wir weitergefahren sind, hab‘ ich mich dabei ertappt, doch noch mal zurück radeln zu wollen und meine kleine Wasserflasche von Jim zu füllen. Immerhin ist das Wasser ja auch irgendwie wertvoll, wenn da so viele Leute dran glauben. Jedenfalls ist das eine Massenbewegung. Und so wie die Kirche sich das zu eigen gemacht hat, bin ich sicher, dass die auch heute auch TikTok Aktien haben (weiß gar nicht, ob das eine AG ist).
Auf jeden Fall war das ein sehr denkwürdiger Besuch und er hat jetzt schon in den Telefonaten, die ich gestern und heute geführt habe, zu jeder Menge Gesprächsstoff gereicht.
Dann ging es weiter die Hügel hinunter Richtung Pau. Der Radweg ist wirklich herausragend schön geführt. Pau ist eine attraktive Stadt. Wir haben uns ein Airbnb mit Dachterrasse in der Altstadt genommen und sind am Abend lecker essen gegangen. Dahin also nichts Neues.
Bei der Einfahrt nach Pau war ich so durstig, dass wir noch ein Getränk in einer kleinen Bar genommen haben. Direkt daneben gab es eine Druckerei. Dort gibt es zwei alte Heidelberger Druckmaschinen. Ich war so begeistert, dass ich Fotos machte und Papier gekauft hab‘, und die haben sogar die Druckmaschinen für uns angestellt. Bis heute druckt die Druckerei also mit diesen Maschinen, die sicher älter als 60 Jahre sind, Eine ist so eingestellt, dass sie Papier perforiert, und die andere druckt. Alles ohne Computer. Papierblätter werden per Luftstrom angesaugt und bewegt. Ich bin immer noch total begeistert. Ich dachte, so eine Heidelberger Druckmaschine in Action kann man nur noch im Museum sehen. Offensichtlich Quatsch, damit wird noch gearbeitet.
2025-09-16 Saint-Bertram - Galan - Tarbes
Km: 95
Höhenmeter: 1310
Kcal-Aktivität: 2799
V-Max: 52
Odo (von Hamburg): 5055 - 1728 = 3327
Radelfreude: 9
Hügel, Kühe, schöne ruhige Radwege. Das ist die Zusammenfassung des heutigen Tages.
Die Landschaft in diesem Teil nördlich der Pyrenäen ist nicht mehr so exotisch in den ersten Tagen. Der Radweg führt uns entlang von Bächen, Tälern und eben manchmal auch von Hügelkuppen zwischen Hügelgruppen. Mittelgebirgig.
Wetter: den ganzen Tag bedeckt morgens etwas schwachen Nieselregen.
Ausdauer und Fitness: das zwischendurch immer wieder Berg abgeht und die Steigungen nicht extrem sind, ließ sich die Strecke gut fahren. Klar kommt man ins schwitzen, wenn es bergauf geht. Aber inzwischen bin ich ja auch ein bisschen trainierter als in Hamburg.
Tarbes:
Unser heutiges Ziel erreichten wir erst gegen 18:00 Uhr. Den Hunger stellten wir im l‘amise bouche, Google Tipp, einfaches Restaurant von der Familie betrieben. Viel selbst gemachtes Essen, aber eben auch sehr einfach und sehr lecker. Vorne in dem kleinen Raum saßen die Kinder der Familie, und ich vermute, der Koch war der Mann der Gastgeberin.
Die Stadt selber wirkt etwas wenig touristisch und dementsprechend auch nicht sehr weich.
2025-09-15 Saint-Girons - Saint-Gaudens - Saint-Bertram
Km: 91 (90 laut Komoot)
Höhenmeter: 540
Kcal-Aktivität: 2475
V-Max: 49
Odo (von Hamburg): 4960 - 1728 = 3232
Radelfreude: 8
Ich glaube, wir sind im Heiligen Land unterwegs. Jeder Ort heißt hier, Saint-irgendwer, demnächst sind wir in Lourdes und auch die Bildmotive enthalten mehr und mehr Marienstatuen und viel superkatholisches.
Der Tag begann mit schnellem Auschecken aus unserer schrebergartenartigen Unterkunft. Auch, weil wir den Hunger der Mücken dort nicht stillen wollten. Dann fuhren wir in den nächsten Ort zu der auf Google am besten bewerteten Bäckerei und holten uns Rosinenschnecken und süßes Zeug zum Frühstück. Dann lachte uns so ein runder Fladen mit Schinken in der Mitte an. Das kaufen wir auch. Es wurde uns warm gemacht und dabei handelte es sich um einen Croque Monsieur. Keinerlei Ähnlichkeit mit dem Croque Monsieur, den ich als Siebzehnjähriger in Eimsbüttel gegessen habe. Neben ganz viel Schinken enthielt es auch Mengen von geschmolzenen Käse. Die Rosinenschnecken haben wir dann nicht mehr geschafft, die sind immer noch im Gepäck. Ich glaube, das Croque Monsieur enthält so viel Kilokalorien, wie ein Tripelwhopper bei Burger King.
Derart gestärkt fuhren wir dann auf radwegumgewandelten Bahntrassen weiter. Einfaches Fahren. Wir schalten heute 60 vor 1. Das bedeutet, 60 km vor 13:00 Uhr. Dann waren wir in Sankt-Gaudens. Das erste, was man von St. Gaudens sieht, ist eine Papierfabrik. Das Innere des Ortes ist schöner. Zweite Einkehr des Tages.
Mittagessen:
Mittagessen in der Hippie Bar. Der Kellner war auch gleichzeitig der Kochen. Vermutlich der Eigentümer. Dementsprechend lang dauerte das Ganze. Ich habe gelernt, dass Burger gegrillt à la point bedeutet irgendwie zwischen Mittel durch und well-done. Hab ich gerade im Internet nachgeschaut. Stimmt so aber nicht. Demnach wäre a la Point sogar ein bisschen weniger als medium rare. Wörtlich übersetzt, bedeutet das ja, genau richtig, auf den Punkt gebracht. Vielleicht ist der Begriff ein bisschen flexibel…
Also, à la point und gegessen wird, was auf den Tisch kommt! Ansonsten wird es schwer mit der Völkerverständigung. Egalitée!
Nachmittags nach Sankt-Bertrand. Das war nicht mehr sehr weit. Die Kilometer kommen zusammen, weil es einen sehr hübschen Umweg am Fluss entlang gibt. Und dann haben wir noch Zeit verbraten, als wir ein heiliges Abbey besucht haben. Saint-Bertrand-de-Comminges: liegt auf einem Hügel obendrauf. Das Abby steht irgendwo daneben. Man hat den Eindruck, dass sie im frühen Mittelalter einfach diese ganzen tollen Gebäude aus den von den Römern übriggelassen steinen erbaut haben,. Das sieht von Außen alles hübsch aus, das Mauerwerk ist aber patchworkartik.
Saint-Bertrand-de-Comminges:
Die Römer waren hier schon 72 v. Chr. Und die römische Siedlung enthält 10.000 Einwohner. Also deutlich mehr, als der Ort heute so innehat. Ich bin halt totaler Römer Fan. Die haben’s echt drauf gehabt. Und ich liebe diesen Satz, was haben die Römer hier für uns getan aus dem Leben des Brian. Warum ist das römische Reich eigentlich untergegangen? Ich glaube ja, Korruption. Und wahrscheinlich haben sie vergessen, die Wasserleitung in Stand zu halten. Vielleicht der Verlust des Glaubens an die öffentliche Sache, die Republica. Die römische Republik endete ja auch schon mit Caesar. Und dann dümpelte der Staat noch so 500 Jahre vor sich hin. Mit einem Kaiser nach dem andern. Aber großgeworden ist Rom mit der Republik!!!
Der heilige Bertram ruht in einer Kiste. Ist bisschen so wie im Kölner Dom, nur viel kleiner und die Kiste ist nicht vergoldet. Aber im Kölner Dom ruhen ja auch drei Könige. Natürlich brauchen die eine größere Kiste. Aber auch hier hat man um die Kiste eine hübsche Kirche herum gebaut. Und es macht den Eindruck, also bis ein Wallfahrtsort wäre. Jedenfalls hat uns der Ort ja auch touristenmagnetisch angezogen.
Abendessen:
Biologisch, dynamisch, lokal. Drei Gänge. Die Menge der Gänge, die wir am Tag essen, findet sich so bei 6-7 ein, glaube ich. Bestimmt gibt es nach der Tour einen Jan-Ulrich-Effekt, der besteht ja darin, dass man nach der Saison ein Körpervolumen deutlich zunimmt. Jo-Jo! Es soll jetzt dieses neue Mittel geben, aus den USA. Das man einnimmt, und dann hat man keinen Hunger mehr. Ich glaub, das bestell ich mir morgen.
2025-09-14 Mirepoix - Foix - Saint-Girons
Km: 99
Höhenmeter: 620
Kcal-Aktivität: 2481
V-Max: ?
Odo (von Hamburg): 4869 - 1728 = 3141
Radelfreude: 8-9
Einfach ist nicht immer am reizvollsten. Sonst hätte der heutige Tag zehn Punkte bekommen. Denn mit einer kurzen 10 km Ausnahme sind wir vollständig auf Fahrradweg umgebauten warnt gelassen gefahren. Besser geht’s eigentlich nicht. Keinerlei Autos. Das Wetter war auch super. War eine sehr sehr schöne Tour. Aber, eben keine Zehn, Die unglaublichen landschaftlichen Besonderheiten der letzten Tage waren heute etwas abgemildert.
Trotzdem ne tolle Tour.
Morges in Mirepoix gab es einen von Freudeskreis der Katharer organisierten Flohmarkt für alte Sachen. Vor allem Münzen aller Ausprägungen gab es. Ich habe sogar halbierte Kupfermünzen gesehen. Ich hätte gerne alles gekauft, hab mich dann aber für nichts entschieden.
Mittagessen in Foix. Da war am Sonntag wenig los und so stellten wir uns zwei Monobloc Stühle und einen Tisch für unsere Snacks in die leere Markthalle.
Dann ging es weiter auf einer alten Bahntrasse Richtung Westen. Alles schön KFZ-frei. In Rimont schaute Niki sich das Abbeye de Combelongue an, während ich und ein Airbnb in Saint-Girons raussuchte.
Saint-Girons hat (hoffentlich) schon bessere Tage gesehen. Hier gibt es nichts Herausragendes, das wir am Sonntagabend entdecken konnten. Der Ort wirkt etwas lost in Space and Time. Hat aber immer noch zehnmal mehr Charme,, als Neumünster oder Elmshorn.
Da fehlen ein paar Kilometer hinter Foix. Der Akku vom Handy war leer und Komoot hat die Strecke nicht mitbekommen.
2025-09-13 Saint-Paul-de-Fenouillet - Eremitage Saint-Antoine de Galamus - Rennes-Les-Bains - Mirepoix
Km: 92
Höhenmeter: 900
Kcal-Aktivität: 2828
V-Max: 42
Odo (von Hamburg) 4770 - 1728 = 3042
Radelfreude: 10
Auch bedeckte Tage mit Nieselregen kann Zehnertage werden. Einfach top.
Seit dem Mittelmeer fahren wir am Fluss Agly entlang. Was zunächst relativ unspektakulär begann, aber gestern frisst sich der Fluss schon durch eine dieser Corbieres hindurch. Also hindurchgefressen hat er sich vermutlich früher, aber ich hab’s gestern erst gesehen, als wir dadurch gefahren sind. Heute sind wir durch die imposante Schlucht Gorges de Galamus
Gefahren. Dort ist auch die Eremitage von Galamus.
Dieser Fluss scheint also eher eine Bergfräse als ein normales Gewässer zu sein. Das führt zu absolut eindrucksvollen Strecken. Wieso denn nicht einfach gerade ins Mittelmeer runter geflossen ist, entlang der Berge, verstehe ich nicht. Wäre ein Grund nochmal Geologie zu studieren. Vielleicht muss ich auch einfach nur noch länger auf Google Maps mit Höhenlinien gucken und die Brille putzen, vielleicht versteh ich das dann.
Die Eremitage besteht seit dem siebten Jahrhundert. Es gibt eine schöne Grotte, in der eine Menge heilige als Statuen herumstehen. Im 17. Jahrhundert geschah ein Wunder, in dessen Verlauf viele Leute von einer seltenen Gewebenekrose geheilt wurden. Und seitdem gibt es dort eben auch die Eremitage mit Häusern. Weil sie so malerisch ist, hat sie nicht nur bei uns heute im Film mitgespielt, sondern auch in weiteren Spielfilmen.
Dann ging es rauf auf den Col du Linas, wo wir die Quelle der Agly hinter uns ließen. Hiermit haben wir auch die europäische Hauptwasserscheide überquert, denn ab jetzt fließt hier alles in den Atlantik.
Rennes-les-Bains:
Die Thermalquellen haben wir nicht ausprobiert, sondern Mittagspause gemacht. In dem Bistro lag ein gechillter, toller Hund rum. Ich schlug der Besitzerin vor, dass ich ihn einfach mitnehme. Sie war nicht einverstanden. Das Mittagessen war sehr lecker.
Dann gab’s noch mal Höhenmeter und die letzten 25 km vor dem Ziel haben wir auf eine alte Bahnstrecke, der wir folgen konnten. Die hatte sogar eine weichenartige spitzkehrige Fortführung auf eine weitere Bahnstrasse, die uns dann direkt zu unserem heutigen Ziel brachte. Also, so einen Bahntrassenwechsel habe ich bislang auch noch nicht auf dem Fahrrad mitgemacht. Man ist ja normalerweise schon froh, wenn man einzelne Teilstücke findet, aber gleich zwei Bahnstrecken aneinander, super.
Das Ziel:
Mirepoix war im frühen Mittelalter ein Zentrum der Katarer. Wer genau die Katarer waren und warum sie waren und warum sie von der römisch-katholischen Kirche als Ketzer bezeichnet wurden, lässt sich durch schnelles Wikipedia lesen nicht einfach herausfinden. Klingt ein bisschen so, als wären sie in Ungnade gefallen und hätten sich nicht viel um ihr Selbstmarketing gekümmert. Diese Leichtfertigkeit hat ihn in Folge ziemlich viel Ärger mit der Inquisition eingebracht. Die Stadt ist besonders eindrucksvoll durch Fachwerkhäuser mit hölzernen Arkaden. So etwas habe ich vorher auch noch nie gesehen.
Abendessen:
Normalerweise sollte das Abendessen auf Fahrradtour nicht erwähnt werden. Es ist immer etwas peinlich, wie viel Kalorien und Alkohol man dann doch in sich reinschiebt, nachdem man den ganzen Tag irgendwie gesund gestrampelt hat. Aber das war heute besonders lecker. Niki hat so einen Art Bohneneintopf mit zwei Sorten Wurst und Entenkeule gegessen und ich ein super zart geschmortes Schweineschäufele, so glaube ich, sagt man dazu. Vorspeise, Salat mit Entenschinken mit Foie gras.
2025-09-12 Rivesaltes - Tautavel - Saint-Paul-de-Fenouillet
Km: 49
Höhenmeter: 720
Kcal-Aktivität: 1530
V-Max: 43
Odo (von Hamburg) 4.. - 1728 = 2948
Radelfreude: 10
Heute gelernt: die schönen Strecken möglichst langsam durchfahren. le bon vie, c’est la france en velo sauf voiture. alors, comme aujourd.
V81 ist der code für den velosud. Wir fahren den morgen weiter.
Wir sind in den Corbières. Laut Wikipedia taugt das Gelände hier vornehmlich für unbedeutendes Scharmützel und Weltflüchtlinge. Weltflüchtlinge ist auch ein Wort, das in meinem Wortschatz heute neu auftaucht. Auch Urmenschen gab es hier. 1971 entdeckte man einen Schädel in einer Höhle. 450.000 Jahre alt. Damals haben sie sich von Rotwild ernährt und kannten noch kein Feuer. Ich schätze mal riesige Kieferknochen, kleines Hirn.
Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen. Aber hierbei handelte es sich halt nicht um ein Eichhörnchen, sondern um einen Frühmenschen.
M Homo Heidelbergensis. War dann schon schlauer, das Essen zu brutzeln, dann wird es leichter verdaulich, und in der Folge wächst das Hirn und schrumpfen die Kieferknochen.
So Innovation wie Feuer tätigt man also für seine Nachkommen und nicht für sich selbst. Denn zum Hirnwachstum braucht es Generationen.
Die Tour bekommt heute zehn Punkte, denn mehr als zehn vergeben wir nicht.
Und grad, bei Rotwein und auf Rosmarin aufgespielte Ententeile, entwickeln wir uns rückwärts. Richtung Homo Heidelbergensis.
Le bonheur est si simple!
2025-09-11 Narbonne Plage - beaucoup d‘Etanges - Leucate - Rivesaltes
Km: 85
Höhenmeter: 120
Kcal-Aktivität: 2077
V-Max: ?
Odo (von Hamburg) 4627 - 1728 = 2899
Radelfreude: 10
Heute starker Wind aus Nord bis Nordwest. Tramontania.
Für uns also meistens Seiten- bis Rückenwind. Die Strecke war heute weitestgehend autofrei, besonders in der ersten Tageshälfte und der absolute Hammer. Schon irre, wie zwischen diesen Touristenhochburgen mittendrin echte Naturgebiete ohne Zugang für Menschen ohne Fahrräder liegen. Nur zu Fuß oder mit dem Fahrrad kommt man dahin, wo wir waren. Oder halt mit dem Boot. Manchmal kommt es mir so vor, als ob die Qualität der Tour direkt umgekehrt proportional zur Anzahl der Autos ist.
Ich glaube, wenn man im Auto sitzt, und nach draußen schaut und diese ganzen schönen Etangs (Sumpfseen) sieht, dann wird das schon total cool sein. Im Auto hört man den Lärm, den so ein Auto macht, glaube ich, nicht so stark wie draußen. Und Autolärm triggert bei mir sofort Stress.
Die Sound Designer bei den Bayerischen Motorenwerken oder von Audi, die designen den Sound ja auch von innen, nicht von außen. Was also von innen klingt wie das satte Dröhnen eines Sechszylinders und das sanfte Rauschen des Fahrtwinds, das klingt von außen wie eine Rakete, die an einem vorbei zischt. Selbst bei Elektroautos ist der Lärm, den die Reifen erzeugen, nicht unerheblich.
Zu den Radwegen, besonders in den Touristengebieten, ist zu sagen, dass die Designer dieser Radwege wahrscheinlich noch nie vom Fahrrad gefallen sind. Vielleicht fahren die auch gar nicht Fahrrad. Oder wenn sie Radfahren, vielleicht gehören sie dann zu der Klasse der E-Bike Fahrer, die mit zitterndem Lenker versuchen Spur zu halten, wenn die Geschwindigkeit über zwölf KMH geht. Ich bin schon sehr häufig vom Fahrrad gefallen und oft sehr schmerzhaft. Es gibt hier verschwenkte Poller, die man im Zickzack durchfahren muss. Stoppschilder vor Einfahrten, Abfahrten und kurz danach wieder Einmündung auf Straßen, natürlich unter Gewährung, der Vorfahrt der Autos. Außerdem Mäuerchen, die zum Gegenfahren einladen und sehr viel Holz, das die Radwege von der Fahrbahn durchgehend abtrennt. Insgesamt mutet das Ganze an, wie ein Spiel ohne Grenzen auf dem Fahrrad gegen die Autofahrer. Außerhalb der Touristengebiete ist es nicht ganz so schlimm. Innerhalb wäre meine Empfehlung: Fahrradwege nicht benutzen.
Aber, Schwamm drüber, der Tag war super!
2025-09-10 Sète - traversée du Hérault en bateaux - Chateau Moyau - Narbonne Plage
Km: 81 (mit Gegenwind) - vent contraire)
Höhenmeter: 200
Kcal-Aktivität: 1806
V-Max: ?
Odo (von Hamburg) 4540 - 1728 = 2812
Radelfreude: 7 (Erkältung, Gegenwind, Autos)
Heute hatte ich drei Gegner. Einen dicken Kopf von meiner Erkältung, die mich seit gestern begleitet, zu viele Autos auf zu geraden Straßen bei E-Fahrrad Gegenverkehr und Gegenwind.
Die Campinganlagen, an dem wir vorbei fuhren, waren sehr unterschiedliche. Eine sah aus wie eine eine sehr hohem, sehr dichten Zaun rundrum. Zwei andere sahen aus wie Disneyland mit wahnsinnigen Aufbauten am Eingang.
Den Fluss Herault überquerten wir mit einem Boot. Das war ein Teil unserer Autoverkehrsumgehungsstrategie und hat gut funktioniert.
Pferde auf blühenden Wiesen waren heute eher die Ausnahme. Gab es genau einmal. Das eine Mal war es aber wirklich sehr malerisch.
Als Niki kurz vor dem Ziel das Chateau Moyau besucht hat, saß ich draußen und streichelte den Hund und trank Wasser. Keinen Wein, nur Wasser.
Ein kurzes Stück sind wir am Kanal Midi entlang gefahren. Vermutlich bietet der eine gute Abkürzung nach Toulouse. Aber unsere Strecke geht noch ein Stück am Mittelmeer entlang.
Wie neulich schon war eigentlich das letzte Stück der Strecke, das schönste. Kiefernwälder und Blick auf den etang und das Meer. Ziemlich genau da, wo dieses Wein Chateau war.
In Narbonne Plage ist jetzt fast nichts mehr los in der Nachsaison. Viele Betonvillen mit heruntergelassenen Jalousien.
2025-09-09 Arles - Aigues-Mortes - la Grande Motte - Sète
Km: 107
Höhenmeter: 130
Kcal-Aktivität: 2632
V-Max: ?
Odo (von Hamburg) 4459 - 1728 = 2731
Radelfreude: 9 (einen Punkt Abzug für la Grand Motte)
Die kurze Zusammenfassung von heute: recht viel Strecke, la Grand Motte hätten wir lieber umfahren, der Kanal von Arles nach Sète war großartig, im Mittelmeer gebadet, Willi und seine Frau aus München getroffen, Abendessen in Sète.
Carmargue:
Hinter Arles zwischen kleiner und großer Rhone, liegt die Carmargue, ein Sumpfgebiet im Rhone Delta. Bekannt für seine weißen Pferde, die wir auch gesehen haben. Allerdings nicht wild und in freier Natur. Dafür haben wir auch schwarze Rinder gesehen, aber natürlich auch nicht in freier Wildbahn. Wir haben versucht hier möglichst wenig anzuhalten, denn Niki meinte, hier gibt es riesengroße aggressive Mücken. Die haben wir aber dann auch nicht gesehen.
Willi und seine Frau:
Willi heißt natürlich mit vollem Namen Wilhelm und den Namen seiner Frau habe ich blöderweise vergessen. Eine Mischung aus Ulrike und Margarethe glaube ich. Die beiden sind Rentner, kommen aus München und sind mit dem Flixbus nach Lyon gefahren, um von dort aus per Fahrrad nach Barcelona zu reisen. Die machen jedes Jahr so ein Fahrrad Trip. Bislang haben wir nicht sehr viele Radreisende getroffen, aber nun sind wir auch an so einer internationalen Superroute, dem EV8, unterwegs. Da gibt’s mehr davon.
Aigues-Mortes:
Mittagspause kurz vor dem Mittelmeer. Der Ortsname ist irgendwie seltsam. Wenn ich das bei Translate eingebe, kommt „akuter Tod“ raus. Wir haben da einfach im Kanal bei der Eisenbahnbrücke angehalten und Mittagessen gemacht. Dann sind wir weitergefahren. Was zeigte sich, wie immer, dass das Mittagessen zu reichhaltig war. Eine Grundregel, die wir täglich missachten, ist: wenig zum Mittagessen. Denn wenn man zu viel ist, ist das Blut Magen und nicht in den Beinen. Außerdem behält man die geschmackliche Erinnerung an das Mittagessen mindestens 3 Stunden bei sich heute bei mir: Mortadella, Ziegenkäse und Senf zwischen einem halben Baguette. Mir hätte auch gereicht, das nur 20 Minuten nachzuspüren.
La Grande Motte:
Das Rumfahren in sozialistisch anmutenden Touristengebieten in der Nachsaison ist wenig amüsant. Besonders wenn alles auf Fußgänger und Autofahrer ausgelegt ist. Fahrradfahren, so wie wir es machen, ist da nicht vorgesehen. Außerdem haben diese Touristensiedlungen in der Nachsaison etwas von Geisterstädten. Westworldfeeling.
Rhône-Sète-Kanal:
Außer der historischen und wirtschaftlichen Bedeutung, hatte er für uns die Bedeutung, dass wir da entlang fahren konnten. Auch an Stellen, wo der EV8, also der internationale Radwanderweg, ins Inland führt, kann man weiter am Kanal fahren und somit die Strecke nach Sète ein bisschen abkürzen. Landschaftlich super reizvoll, durch einen Etang, also durch so eine Wasserlagune zu fahren am Kanal entlang. Das ist auch der erste Kanal, an dem ich gefahren bin, der durch ein Salzwassersee führt. Wir haben viele Flamingos gesehen und auch welche beim Fliegen beobachtet. Eindrucksvoll, rot-weiß schwarze Zeichnung. Genau wie der Wimpel an meinem Fahrrad.
Mittelmeer:
Da wir die ganze Zeit an dem Kanal entlang gefahren sind, der mitten durch die Lagune geht, konnten wir etwa 15 km vor Sète links abbiegen und waren kurz danach am Strand am Mittelmeer.
Keine Autos. Nur Menschen, die echt dahin wollten. Ideale Badestelle. Und das haben wir dann auch gemacht, ein schönes Bad im Mittelmeer.
Sète:
Unser Abendessen und Übernachtungsplatz.
2025-09-08 Avignon - Saint Remy - Glanum - Arles
Km: 62
Höhenmeter: 240
Kcal-Aktivität: 1768
V-Max: ?
Odo (von Hamburg) …- 1728 = 2624
Radelfreude: 9
Endlich wieder Radfahren. Auch wenn es heute nur eine kurze Strecke war. Außerdem gab’s außer zwei kurzen Hügeln fast keine Berge. Es war aber ziemlich warm mit hoher Luftfeuchtigkeit. Wahrscheinlich wird es heute Abend ein Gewitter geben.
Nach dem Frühstück erst spät losgefahren, so gegen elf. Dann ging es über Chateaurenard nach Saint Remy. Niki kennt die Gegend gut, und ich so einigermaßen. In Châteaurenard waren wir letztes Jahr mit Jürgen und auch durch Saint Remy sind wir gefahren und haben dort das Weingut Domain Dalmeran besucht.
Die Altstadt von Saint Remi war heute überlaufen. Jede Menge Touristen. So, dass man mit den Fahrrädern kaum durchkam naja, soll man ja vielleicht auch nicht. Etwas südlich des Ortes liegt der alte Römerort Glanum. Ursprünglich war gar nicht von Römern besiedelt, sondern von Galliern. Die haben dort dem keltischen Gott Glan gehuldigt. Dann kamen die Griechen und später die Römer. Das ist eine Riesensiedlung und Ausgrabungsstelle. Ich kann mir richtig gut vorstellen, wie man dort vor 2000 Jahren gelebt hat. Sehr kultiviert, frisches Wasser, geräucherter Wein (das muss ich noch mal nachgucken) und wahrscheinlich jede Menge Olivenöl.
Dann unternahm Niki wieder den Versuch, an einem Montag das Weingut von Ivo Leuschner zu besuchen. Den Typen kennt er irgendwie und der Wein ist auch lecker. La Fontanille. Das hatten wir letztes Jahr auch schon versucht, als wir mit Jürgen unterwegs waren. Wieder eine Niete. Es war niemand da. Aber ja eh egal, weil wir eventuelle Einkäufe sicher nicht auf dem Rad mitnehmen würden.
Weiter ging es nach Arles. Alles flach und eben wie eine Bratpfanne. Wenn man, so wie wir, von Norden kommt, beginnt Arles mit einem Industriegebiet. Dann kommt man an die Rhone und sieht rechts Wohnwagen am Ufer. Ist aber kein Campingplatz, sondern da wohnen Leute. Und zwar ziemlich ärmlich. Dann kommt der Bahnhof und gleich danach die Altstadt. Ziemlich abrupter Wechsel.
In Arles habe ich die Arena besucht. Die wird seit knapp 200 Jahren wieder in den 2000 Jahre alten Originalzustand schrittweise zurückversetzt. Jedenfalls, so gut es geht und so viel man darüber weiß. In die Arena passen 25.000 Zuschauer. Es gibt dort Stierkämpfe. Unglaublicherweise haben die Leute im Mittelalter in der Arena Häuser gebaut und darin gewohnt. Auf Wikipedia gibt es ein schönes Bild dazu, Da hat irgendjemand gemalt, wie das Dorf in der Arena in der Stadt Arles ausgesehen hat.
Bis 2025-09-07 Pause in Avignon
Abends haben wir uns in dieser total netten Burgerbude getroffen. Fahrräder und Burger. Eine gute Mischung und die Burger und das Bier waren alle aus Biomaterial.
2025-09-06: deutsche Bahn verpasst TGV
Es sollte morgen weitergehen, aber Niki hängt in Mannheim fest. Die Deutsche Bahn hat den TGV verpasst. Also, wäre Frankreich ähnlich unpünktlich wie Deutschland, dann hätte Niki vielleicht eine Chance gehabt. So hängt er nun in Mannheim fest und ich bleib einen Tag länger in Avignon und es geht hier am Montag weiter.
Heute habe ich dann doch einmal die Brücke besucht. Wahrscheinlich war ich als Kind doch nicht auf der Brücke, ich bin da nicht so sicher. Jedenfalls kann ich mich an das Geländer nicht erinnern.
So eine großartige Abendstimmung war das und langsam verließen alle Besucher die Brücke. Ich war fast der letzte. Von der Brücke aus kann man an ihrem abgebrochenen Ende auch auf den Mont Ventaux schauen.
Jetzt, wo ich über das Kinderlied nachdenke, sur le Pont d‘Avignon und nachgucken muss, was in der Strophe danach kommt, wird mir alles klar. Auf der Brücke von Avignon tanzt man. L’on y danse. Und nun erinnere ich mich daran, auf der Brücke von Avignon tanzte dann heute auch tatsächlich ein Mädchen. Ich verstehe nun, dass sie das natürlich wegen des Liedes gemacht hat. Sie war eine von vier Frauen, eine Mutter, drei Töchter, die mich baten, ein Bild von ihm zu machen. Ich saß am Rand, als sie weggingen, am Geländer und guckte ihnen zu und hörte von Rush den Titel „Driven“. Bislang mochte ich die späten Titel von Rush nicht. Lieber die der Siebziger und Anfang der Achtzigerjahre. Den Titel „Driven“ aus dem Jahr 1996 kannte ich nicht, aber er dröhnte so durch meine Ohren mit den Kopfhörern und das Mädchen tanzte perfekt dazu. Was die wohl für eine Melodie in den Ohren gehabt hat, als sie über die Brücke tanzte. Jedenfalls kann es bei dem Stil nicht das Kinderlied gewesen sein.
Der Titel von Rush hat jedenfalls einen ganz arhythmischen Drive und ist cool.
Nachklapp zum Thema KI und Internet:
Jetzt hab ich gerade auf Deutsch und französisch versucht, herauszufinden, wann die Brücke restauriert wurde. Ob das Geländer möglicherweise nach 1978 angebaut wurde. Das könnte ganz gut sein, denn das Besucherzentrum machte einen modernen Eindruck und hat auch ein Museum am Anfang der Brücke drin.
Im ersten Versuch jedenfalls antwortet die KI von Google, dass die Brücke im 16. Jahrhundert zerstört wurde und unbekannt ist, was alles an Baumaßnahmen durchgeführt wurde. Beim relativ modernen Sicherheitsgeländer finde ich das eine ziemlich doofe Antwort.
Im zweiten Versuch fragte ich nach der Restaurierung und stellte die ganze Frage auch auf Französisch, denn ich nehme an, die Franzosen dokumentieren halt in Französisch, was sie für Baumaßnahmen in Frankreich durchführen. Als Antwort bekomme ich viele Restaurants in der Nähe der Brücke vorgeschlagen.
Ich lerne also daraus, dass meine Frageabsicht anscheinend von der KI zunächst einmal auf Normalmaß gebracht wird. Und normal ist halt, nach Restaurants zu fragen oder bestenfalls nach der Zerstörung der restlichen Brückenbögen von mehreren 100 Jahren. Nicht nach Sicherheitsgeläner. Wenn ich aber nun Fragen habe, die nicht im Rahmen des Normalmaßes stattfinden. Was dann? Vielleicht macht KI das schöne diverse Internet zu einem Durchschnittseintopf.
Aktuell gibt es nicht viel zu berichten, da ich in der Hängematte vier Tage lang faulenze. Morgen, am Samstagabend kommt Niki aus Hamburg zurück und dann geht’s am Sonntag weiter. Und dann gibt’s natürlich auch wieder regelmäßige Berichte und Bilder und alles.
Mein Tagesablauf ist von unfassbarer Faulheit geprägt. Ich schaff’s am Tag gerade mal zum Markt zu gehen, um mir was zu essen zu kaufen oder ein Buch zum Lesen. Außerdem hat es mir die Paramount Serie Dexter angetan. Und ich telefoniere viel.
Ich finde ein super Faulbild, eigentlich wollte ich Vorbild schreiben, es Huckleberry Finn in seiner Tonne. Über die Ähnlichkeit von Huckleberry Finn und Diogenes muss ich noch ein bisschen weiter nachdenken. Ich glaub‘, Diogenes war ein unangenehmer Zeitgenosse, ich hab mal gelesen, dass er gelegentlich aus seiner Tonne rausgegangen ist und nackt durch die Stadt gerannt ist und Leute beschimpft hat. Das mache ich hier nicht. Ich bin mehr Huckleberry Finn.
Außerdem muss man sich ja auch fragen, ob man einen fiktionalen Charakter so einfach mit einer realen Person vergleichen kann. Naja, die reale Person ist fast zweieinhalbtausend Jahre alt und somit wird sie auch fiktionale Anteile enthalten..
Das bisschen was ich von Avignon abends bei Bier und Burger so sehe, macht nen super Eindruck. Den Papst-Palast hab ich schon letztes Jahr abgearbeitet und auf der Brücke war ich glaube ich als Kind. Insofern habe ich kein allzu schlechtes Gewissen, all die guten Tipps von alle Bekannten, was ich mir alles angucken muss, ein in den Wind zu schlagen.
Apropos, in den Wind schlagen. Gestern war es dunkel am Himmel und windig und Regen kam auf. Ich lag in meiner Hängematte und hatte eine Erleuchtung. Fast gleichzeitig ein Donnerschlag. So laut, dass es mir in den Ohren summte. Und natürlich raste dann mein Herz. Puls über 120, definitiv mindestens Zone drei. Das offenbar ganz in der Nähe ein Blitz eingeschlagen. Diese Blitz habe ich zuletzt am Mondsee als Jugendlicher beim Zelten mit Brüdern und meinem Cousin Peter erlebt. Liebe Grüße, Peter, erinnerst du dich an den Blitz und den Donner am Mondsee?
Wenn ich mit dem Fahrrad durch die Stadt rolle, Mein Baguette oder eine Rosinenschnecke zu kaufen, dann rollt das Rad ganz fein und leise vor sich hin. Fast wie mit einer eigenen Kraft, fast als ob es schon drauf wartet, in zwei Tagen wieder getreten zu werden und Strecke zu machen. Fast wie ein Jaguar, der leise brummt, und auf den nächsten Sprung wartet. Wie Edgars Jaguar in Berln,, der langsamen auf die Autobahnauffahrt rollt und weiß, gleich kommt das Berliner Glück und die volle Beschleunigung.
Km: 40
Höhenmeter: 100
Kcal-Aktivität: 1315
V-Max: ?
Odo (von Hamburg) 4261 - 1728 = 2523
Radelfreude: 8
Die kurze Einfahrt nach Avignon. Morgens haben wir noch unsere Kisten Wein von der Domaine de la Bastidonne abgeholt. So schwer beladen dich das Rad noch besser auf der Straße. Bergauf merkt man’s auch, aber heute gab’s nur einen einzigen Landschafts-Pickel, über den wir hinweg fahren mussten. Das war dann auch gleichzeitig der Rückblick auf den Mont Ventaux und somit der Rückblick auf die Provence.
In Avignon habe ich mir für die nächsten fünf Tage ein Airbnb mit Dachterrasse gemietet. Niki ist Richtung Hamburg unterwegs, zur Trauerfeier von Jens Mutter. Mit ihm die Kisten voller Wein. Und vor mir liegen nur vier volle Tage Pause.
Von den Kilometern her haben wir nun Halbzeit der Tour. Auch zeitmäßig kommt das ungefähr hin, kaum zu glauben, schon die Hälfte der Strecke. Dabei sind wir doch gerade eben erst losgefahren.
Km: 72
Höhenmeter: 600
Kcal-Aktivität: 2204
V-Max: 43
Odo (von Hamburg) 4211 - 1728 = 2483
Radelfreude: 10 trotz Regen
Heute Klasse Tag trotz Regen. Umwerfende Landschaft, wenig Verkehr. Kurz vor Apt dann ein Gewitter.
In Apt gab es Couscous zum späten Mittagessen. Danach sind wir die Radstrecke gefahren, die wir vor zwei Jahren schon mit Jürgen gemacht haben. Vorbei an der Römerbrücke, nur dass diesmal viel braunes Wasser den Fluss runter floss.
Hans haben wir in der lokalen Domäne eine Wein Verköstigung gemacht. Natürlich eingekauft. Mal sehen, wie wir die drei Kisten morgen nach Avignon transportieren werden. Von dort aus wird Nicaise direkt per Bahn nach Hamburg mitnehmen.
Interessante Erkenntnis des Tages: Laune hängt nicht immer vom Wetter ab.
Km: 43
Höhenmeter: 500
Kcal-Aktivität : 1384
V-Max: 42
Odo (von Hamburg) 4139 - 1728 = 2411
Radelfreude: 10
Unsere Wirtin in Sisterons bereitete uns ein üppiges Frühstück. Das haben wir dann gelobt, weil es so vielfältig und schön aussah. Sie meinte das ist doch normal. Wir sagten dann normal ist ein Kaffee und ein Croissant. Da hat sie dann gelacht und meinte ist doch besser so.
Neben uns im Frühstücksraum saß ein Paar aus Fribourg in der Schweiz. Die sprechen dort ein bisschen Deutsch aber hauptsächlich französisch. Eine Erkenntnis meinerseits ist es, dass ich mich in Französisch inzwischen ganz gut radebrechend durchschlagen kann. Wir haben über alles mögliche gesprochen. Den guten Wein, der am Genfersee angebaut wird und nicht nach Deutschland exportiert wird. Den Politiker Couchepin, der vor zehn Jahren in Lausanne durch eine sehr kleine Tür sein Amt verlassen hat. Das jedenfalls kommentierte damals die linke Tageszeitung in Lausanne. Über die Weltwirtschaft, Energiepolitik und so weiter. Also Themen, die man beim Frühstück so aufpicken kann. In der Schule ist mir französisch schwer gefallen. Die Aussprache, das Elegante der Sprache. Aber radebrechend und einfach drauf los redend, das funktioniert für mich ganz gut 🤪
Anschließend haben wir nebendran kurz die uralte Kathedrale besucht. Romanischer Stil, zwölftes Jahrhundert. Dann sind wir zur Zitadelle raufgeradelt. Das lohnte sich wirklich. Die Zitadelle ist auf einem schmalen Felsgrat gebaut. Bestimmt handelt es sich um die schmalste Zitadelle überhaupt. Man kann sich gut vorstellen, dass hier schon vor 4000 Jahren Leute gelebt haben und von oben irgendwelches Zeugs auf ihre Feinde runter warfen.
Ein cooler Ort. Auf YouTube gibt es ein gutes Video über so Elektrotrance, Musik, 90 Minuten, die hier oben im Rahmen des Musikfestivals aufgeführt wurden. Ganz oben auf der Zitadelle gibt es eine Kirche, die in den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts wieder aufgebaut worden ist. Vorher hat irgendein Pilot im Zweiten Weltkrieg ne Bombe drauf geworfen. Wahrscheinlich war der Typ genauso drauf, wie die Jugendlichen Motorradfahrer, die uns heute mit Wheelis und Drehzahlen oberhalb 5000 UPM überholt haben.
Da wir insgesamt nur sehr wenig Strecke vor uns hatten, machten wir nachmittags eine Pause mit Hängematten. Nebendran Lavendelfelder und Eichenwälder. Die Hängematte ist ja bekanntlich eine Erfindung der Mayas. Hätte die Diogenes schon die Vorstellung gehabt, dass man ein Bett an Seilen aufhängen kann, so hätte er bestimmt nicht in einem Weinfass gehaust. Für Huckleberry Finn gibt es da keine Entschuldigung.
Danach ging der Weg kilometerlang auf Höhenlinie 710 m weiter.
Heute übernachten wir in la Roche d‘ Angles. Übersetzt heißt das der Nagelfelsen oder der Felsen der Nägel. Der Nachbarort heißt Ongles, und hier am Ort sind wir am Eingang an einem Fels vorbeigefahren. Wahrscheinlich heißt es einfach nur der Felsen vom Ort nebenan oder so.
So, gleich radeln wir mal nach Ongles, Abendessen.
Weil aber sonntags essen in der Provinz problematisch ist, werden unsere Gastgeber uns mitnehmen, zu irgendeinem offenen Restaurant.
Km: 91
Höhenmeter: 750 (ging immer rauf und runter)
Kcal-Aktivität : 2220
V-Max: ?
Odo (von Hamburg): 4098 - 1728 = 2370
Radelfreude: 10
Musik Empfehlung heute: Jackson C., Frank, American Troubadour. Es lohnt sich auch den Wikipedia, einfach über diesen ziemlich unbekannten Musiker, der vor 26 Jahren verstarb zu lesen.
In Montgardin braute sich gestern Abend auch noch Regen und Gewitter zusammen. Davon war heute Morgen allerdings nicht mehr viel zu spüren. Blauer Himmel und kalt. Wir sind dann ohne Frühstück losgefahren mit der Absicht in Gal zu frühstücken. Zunächst galt es, zwei Höhenzüge zu überwinden. Die magische Zahl war 1020. Irgendwie ist der Fahrradweg so eingestellt, dass die Höhn Nadel immer auf 1020 heute geändert hat. Zweimal vor Gap. Dafür war die Strecke Verkehrsamt und unfassbar schön. Unfassbar habe ich jetzt schon häufig geschrieben. Magnificent hab ich noch nicht verwendet.
Mitten in der Altstadt von gab, war Markttag, und es gibt dort mehrere Plätze, die ineinander übergehen. Wir haben uns eine Brasserie gewählt und dort gefrühstückt oder gebranch-dingst. Am Tisch wurden wir sofort von Robert auf die Fahrräder, das Gepäck und den Hamburg-Wimpel angesprochen. Und zwar von Robert. Der wünscht uns dann natürlich mit seinem Kumpel noch alles Gute für die weitere Tour. War ganz erstaunt, dass wir bis nach Portugal fahren. Immerhin, zum ersten Mal hat sich der Wimpel gelohnt.
Dann hätten wir sehr gerne in der Domäne Tresbaudon eine Weinprobe mit anschließender Bestellung und Lieferung nach Hamburg abgemacht. Den Wein, hatten wir schon erfolgreich im Briancon gekauft und getrunken. Jahrgang 2017 den OR. Auf dem Schild und im Internet hieß es, ab 14:00 Uhr geöffnet. Wir haben dann allerdings umsonst gewartet und sind um gegen 14:30 Uhr wieder weitergefahren. Der Aufenthalt war trotzdem nett, es gab einen Hund mit guter Nase für die Reste unseres vor zwei Tagen gekauften Rilettes und eine Katze, die sich in einer alten Presse versteckte. Eine Diogenes – Katze.
Anschließend ging’s weiter den Durence-Kanal (Kanal Électricité de France) entlang. Es gab ein paar kurze, nervige Stücke Bundesstraße. Aber der allerüberwiegendste Teil des Tages war großartig zum radeln. Klarer Himmel, Sonne, nicht zu heiß. Der anfängliche Gegenwind drehte sich am späteren Nachmittag im Rückenwind, vent arrière..
In Sisteron hat Niki eine grandiose Unterkunft gebucht. Dachterrasse mit Ausblick auf die Zitadelle und den gegenüberliegenden Felsen. Bis dahin ging es größtenteils am Bewässerungkanal etwas oberhalb der Durance entlang. Unterwegs konnte Niki noch ein paar St. Pauli Aufkleber an Rennradfahrer verteilen. Davon trafen wir drei Stück. Auf Nachfrage wie viel Kilometer Diesel am Tag machen, weil die Antwort 130-180.
Km: 80
Höhenmeter: 880 (1045 auf Nikis Garmin)
Kcal-Aktivität : 2208
V-Max: 52
Odo (von Hamburg): 2289
Radelfreude: 9
Die Landschaft der Provence ist beeindruckend, mesmerisiered wäre ein noch besseres Wort.. die universelle Energie, die diese Landschaft ausstrahlt, das Fluidum. Die Freisetzung von Blockaden durch quasi magnetische Einflüsse der unterschiedlichen Landschaftsformen und Gesteinsschichten, ist schier überwältigend. So, nun habe ich den Herrn Mesmer mit seiner Hypnose, dem Fluidum und den Magnetismus und so weiter, genügend zitiert. Aber auch jenseits mesmerischer Esoterik ist die Provence eine meiner absoluten Lieblingslandschaften.
Niki ist ja mehr so ein Toskana-Fan. Aber auch er war sprachlos.
Mittagessen gab’s in einem Fischrestaurant in Embrun. Lecker, mit einer Knoblauch-Mayonnaise, die mich seitdem begleitet. Interessant, wie viel intensiver man Mittagessen beim Fahrradfahren wahrnimmt. Nicht nur beim Essen, sondern auch mindestens in den 30 km danach. Jedenfalls war schön, dass es auf diesem Essensteller neben Fisch und Mayonnaise und Kartoffel auch Bohnen Brokkoli und einen Fenchel gab und ein hart gekochtes Ei. Für mich eine ungewöhnliche Zusammenstellung.
Kurz vor Gap, drohte dann Regen. So sind wir einfach im nächstbesten Hotel eingekehrt und machen jetzt Pause.
Außerdem ist direkt neben dem Hotel eine Mikrobrauerei:
https://maps.app.goo.gl/d2yDu99Y1BihpEMK7?g_st=ipc
Pause…
Morgen geht es weiter Richtung Gap. Hab heute lange mit Jim telefoniert. Hawaii Jim in Averroes zu besuchen, ist ja eines meiner Ziele mit dieser Reise. Es grid mit den Zwillingen und seiner Frau in Philadelphia in den USA. Und er erwartet uns schon und bietet an, uns surfen beizubringen. Kann ich mir schon lebhaft vorstellen, wie für mich eine 10 m lange Planke raussucht und dann von hinten brüllt : „Paddel Paddel Paddel!“ während ich langsam den Atlantik in mich reinertrinke.
Jedenfalls war es ein super nettes Gespräch.
Km: 18
Höhenmeter: 0, ging nur kurz den Berg runter
Kcal-Aktivität : 604. ( fühlt sich eher wie Null an)
V-Max: ??
Odo (von Hamburg): 2209
Radelfreude: 6 (regnerisch und zu wenig gefahren, um überhaupt bewerten zu können)
Heute Morgen einen Tag Pause. Wir sind nur den Berg runter bis Briançon gefahren und haben uns hier in 100 m² über drei Etagen Altbau mitten in der Innenstadt Airbnb eingemietet. Die Unterkunft bekommt durchweg fünf Sterne von allen andern auch.
Km: 63
Höhenmeter: 1580
Kcal-Aktivität : 2516
V-Max: 43
Odo (von Hamburg): 2191
Radelfreude: 10
Heute wurden wir nach dem ersten üblen Anstieg von dem Profis der Spanien Rundfahrt (Vuelta a Espagna) überholt. Wir waren live dabei. Unendlich viele Begleitfahrzeuge und Polizeischutz, und dann das Hauptfeld. Das war aber sofort an uns vorbei. Also Radsport live gucken ist ein kurzes Vergnügen, jedenfalls solange es kein Bahn Rennen ist. Wir sind dann hinter den Profis langsam den Berg hochgekrochen zusammen mit dem Lieferwagen, der die Wegmarkierungen wieder abbaute. Insgesamt waren die ganzen Steigung aber angenehm zu fahren, dass nur ganz wenige Stücke mit mehr als 10 % gab.
Die Landschaft ist atemberaubend schön. Und Autos, LKW und Motorradfahrer haben weniger genervt als befürchtet lediglich so eine Adventuretruppe mit Diesel-Jeeps und schlechter Verbrennung raste in der Steigung zum Pass an uns vorbei und mähte dabei fast ein Rennradfahrer um, der uns entgegen kam.
Frankreich empfing uns mit Lerchenwäldern in super schöner Umgebung.
Km: 100
Höhenmeter: ca. 600
Kcal-Aktivität : 2434
V-Max: 43
Radelfreude (0-10): 8 (der Pilgerweg vor Susa ist der Hammer, Also 10 am Tagesende…)
Tagesstart in Chiasso im Airbnb. Das hat den Vorteil, dass es Kaffee gibt. Gleich zwei Tassen. Gegen zehn sind wir losgekommen, nicht gerade früh. Im Ort haben wir dann noch mal beim Bäcker halt gemacht, weil die Teilchen einfach zu lecker aussahen. Dann ging’s auf Nebenstraßen durch den letzten Rest der Poebene nach Turin.
Turin ist wirklich eindrucksvoll. Wenn man über die Brücke über den Fluss (Po) fährt, kommt man auf einem Riesenplatz, ähnlich wie in Linz und Oberösterreich an. Nur noch viel größer. Dann ist die Stadt irgendwie auch viel größer und hat jede Menge von diesen Plätzen.
Wir Mittagspause gemacht, sehr leckeren Toast gegessen. Und danach hat Niki dann Schokolade gekauft.
Hinter Turin versuchten wir, auf dem Radweg zu bleiben. Dem Aida-Radweg. Das war keine gute Idee, denn die Ausfahrt ging durch Slums, Industriegebiete und viel Verkehr. Ich glaube, wir sind mindestens 1 Stunde rum gefahren, bevor wir Turin irgendwie abschütteln konnten. Am Nachmittag wurde die Tour dann richtig toll, als wir in das Thal des Dora Riparia gekommen sin. Das ist einer der zahlreichen Po Zuflüsse, die sich so um Turin herum ansammeln. In diesem Fall das Tal, dass direkt östlich von Turin in die Alpen führt. Hier gibt es einen alten Pilgerweg, und die Dörfer sind malerisch um diesen Pilgerweg angeordnet. Irgendwie haben wir die Quelle von San Miguel gefunden. Aus dem Wasser wird auch Bier gemacht. Kennt man ja. Endlich wieder Berge. Die Höhenmeter werden wir morgen hassen, aber die Berge sind einfach toll.
Ernährung: außerdem Toast in Turin und den Teilchen für morgens um zehn gab es zum Nachmittag zwei super leckere Pfirsiche, sowas gibt’s eigentlich gar nicht in Deutschland. Abends in der Mangel eines offenen Restaurants, ein Abendessen aus Ochsen, Herzen, Tomaten, Ziegenkäse Penne mit roter Soße, Olivenöl, Salz und zum Nachtisch Keks und Schokolade. Dazu so ein regionalen, gekühlten Weißwein.
Km: 137
Höhenmeter: ca. 310
Kcal-Aktivität : 2673
V-Max: 32,4 auf fünf Kilometern als Split-Tempo
Radelfreude (0-10): 9
Rückenwind in der Po-Ebene! Da kommt man so richtig in Fahrt. Unser schnellstes Split Tempo heute, das bedeutet der Durchschnitt auf 5 km, waren 32,4 km/h. Morgens beim losfahren, leicht regnerisch, denn den ganzen Tag über bedeckt und so ungefähr 22°. Echtes Tempo Wetter. Auch die Po-Ebene begünstigt Tempo. Denn man fährt wie in einer Risotto Pfanne. Alles flach. Nur ganz am Horizont kann man die Berge erahnen. Ich möchte mir nicht vorstellen, wie es hier über 35° und Sonnenschein zu fahren ist. Zumal hier Reis angebaut wird. Ohne Ende Reis. Die Pflanzen stehen, wie es sich gehört, mit den Füßen im Wasser. Eigentlich scheint die ganze Poebene so eine Art bewässerte Sumpf zu sein. Dementsprechend hoch ist die Luftfeuchtigkeit. Also gut, dass es heute nicht so heiß war.
Mittags verbrachten wir in Vercelli. Das ist die Hauptstadt des Reisumschlags in Europa. Bei mir gab’s mal Lasagne, Niki entschied sich für Steinpilz-Risotto. Ein bisschen culturally atoned, finde ich.
Die Radwege sind hier anscheinend nicht von Radfahren geplant. Zur Verlangsamung der Fahrt wird je nach Ort, gern ein Doppelpoller eingebaut. Wenn man die zu schnell nimmt, bleibt man gern mit den Satteltaschen hängen. Stell mir dann immer vor, mal so eine Satire zu drehen, in der ein Autofahrer so fahren muss, wie ein Fahrradfahrer durch geplante Fahrradwege fährt. Also Nix geradeaus schnelle Fahrt, sondern sinnlose Pollerumrundung, epische Schleifen über Eisenbahnstrecken. Besonders lustig war die Strecke heute zwischen zwei Kanälen mit 2 m hohen Grasbewuchs.
Radstand: bis auf die Beleuchtung ist alles super und ganz leise.
Rad Niki: der Sattel quietscht.
Zustand Mensch: die Abschürfungen heilen, sorry morgen glaube ich fahren wir gemütlich nach Turin. Gucken uns das mal an und dann schauen wir weiter die Handgelenke auch. Alles prima.
Km: 77
Höhenmeter: ca. 0
Kcal-Aktivität : 1924
V-Max: ?
Radelfreude (0-10): 9
Immer am Kanal entlang durch die Po-Ebene bis nach Mailand. … Mailand, mir fehlen die Worte. Viele Menschen und der Foto-Space vor dem Dom ist von Insta- und Ticktock Furien umkämpft. Mit nem alten Rost-Rad kann man sich da in den Top-Perspektiven nicht lange kommentarlos aufhalten.
Niki und ich haben dann Proteine getankt und am Kanal Bier getrunken. Da waren wir dann auch nicht die einzigen. Das Kanalviertel hat sogar seine eigenen Security Leute: „Navigli Sicuri“. Die gibt es seit diesem Mai, um die Sicherheit usw. zu verbessern. Mir fehlen hier auch etwas die Worte. Vielleicht bekommen wir in Hamburg ja auch eine Kiez-Miliz oder in Berlin eine Döner-Sec.
Das Radeln war heute super. Bestes Wetter, gute Wege.
Km: 82
Höhenmeter: ca. 420
Kcal-Aktivität : 2075
V-Max: ?
Radelfreude (0-10): 8 (bis Brescia eine glatte zehn)
Salva aus der Radsport-Gruppe schickte uns ein Lied, „…e mi alzo sui pedali“. Auf Deutsch heißt das, „ich trete in die Pedale“. Man kann das auf YouTube mit Orchester und Fernsehübertragung gucken. Und dann die Übersetzung des Textes auf deutsch lesen. Wer Florian Silbereisen mag, wird sein Vergnügen daran haben. Wer eher die Bates hört, braucht kulturelle Übersetzungshilfe. Oder einfach auf Italienisch hören und nicht weiter darüber nachdenken. Nach dieser Logik müsste Florian Silbereisen eigentlich in Texas ganz groß rauskommen können…mmmh…
Heute begann der Tag mit einem Frühstück am See. Guckt euch die Bilder an. Wir haben echt nicht soo viel für das Hotel bezahlt, Niki fand da ein Special-Offer. Ich überlegte morgens kurz, wie viele der Gäste wohl bereit wären, für ein gratis Frühstück die Strecke über die Bucht zu schwimmen, gern mit begleitendem Kantholz, falls die Arme müde werden. Und dann dachte ich über die letzten Nachrichten aus Lampedusa nach, und ich fragte mich, wie viele von denen, die in Nordafrika starten, lieber einfach die Strecke über den Gardasee genommen hätten. Ich glaube, Nordafrika vs. Hotelgäste: 100% zu Null.
Mit solchen Gedanken drücke ich mir dann mein Rührei und die ganzen Gebäckteilchen rein. Lecker war es schon.
Dann ging es los mit etwa 140 Höhenmetern Anstieg zum Chiese-Tal. Hat sich gelohnt. Die Abfahrt war unfassbar schön. Radel Freude am Vormittag, glatte Zehn von zehn Punkten. Das ging dann an einem Bewässerungskanal bis Brescia so weiter. Immer leicht Berg ab, als ob wir einen Elektroantrieb hätten.
Brescia ist sehenswert. Es gibt eine astronomische Uhr an einem der vielen Plätze, die zeigt nicht nur die Uhrzeit an, sondern auch, dass wir aktuell im Sternzeichen des Löwen sind und der Mond gerade nur ein Viertelmond ist. Die gesamte Innenstadt ist Auto-befreit und das macht sie super angenehm zu begehen, oder mit dem Fahrrad zu befahren. Take that, Stuttgart!
Nach Brescia leitete mich Komoot und Navigationssystem auf die Hauptstraße. Sehr befahren. Stressig zu fahren. Mit dem anderen Radfahrer, Gravel Bike, Overnight, Ausstattung, jung, muskelbepackt lieferten wir uns wieder ein Radrennen im Windschatten. Diesmal hatte das fast ein böses Ende, als in einem der Dörfer ein Lieferwagen eine Seitenstraße rein rauschte. Niki machte eine Vollbremsung und ich reflexartig auch. Quietschende Reifen glücklicherweise nichts passiert. Wir fuhren dann etwas langsamer weiter.
Heute sind wir in einem einfachen Mini-Hotel auf dem Platten-Land untergekommen. Die Alpenausläufer kann man im Norden noch sehen. Aber hier befinden wir uns in einer bewässerte Ebene. Hier gedeihen. Mais, Hühner, und Mücken. Kurz noch zum Wetter: um 16:00 Uhr noch 34° im Schatten. Fast keine Wolke im Himmel, nur am Horizont ein Gewitterpilz.
Morgen geht’s nach Mailand. Dort haben wir uns für eine Nacht irgendwo in der Nähe des Stadtzentrums einquartiert.
Km: 85
Höhenmeter: ca. 0
Kcal-Aktivität : 2260
V-Max: ?
Radelfreude (0-10): 9
Die Nacht am Campingplatz im Zelt und der frühe Morgen begannen mit Regen. Die Wetteraussichten, die Apple auf dem iPhone präsentierte, waren trübe. Wir packten die Zelte nass zusammen und machten uns in Regenklamotten auf den Weg. Und dann, als wir losfuhren, hörte es zu regnen auf. Und wir radelten dieses wunderschöne Tal über Toblino langsam zum Gardasee hinunter. In Toblino gibt es eine Burg im See. Da kam zum ersten Mal die Sonne raus. Auf der nächsten Wegstrecke gab es wieder einen Schauer. Wir zogen uns die Regensachen wieder an. Aber unser Handeln war geleitet von Hamburger Regen-Pessimismus. In Hamburg ist der Regen meist kalt, anhaltend und macht richtig nass. Das, was wir heute an Schauern erlebten, war warm, samtig und irgendwie auch nicht so besonders nass.
In Riva del Garda machten wir eine kurze Pause und kauften für mich ein Batterie-Rücklicht. Meine Elektroanlage am Fahrrad ist irgendwie kaputt. Ich glaube, die Lampe, die ich bei eBay Kleinanzeigen günstig gekauft hab‘, hat eine Macke. Nun also erst mal Batteriebeleuchtung.
Der Gardasee ist beeindruckend. Dieser Blick nach Süden, rechts und links eingekesselt von hohen Bergen und im Südenn kein Horizont in Sicht. Magnificent.
Auf dem See, viele Segler, wir dann mit Gegenwind. Wir entschieden uns für die östliche Uferseite. Auf der westlichen Uferseite tobt ein jahrelanger Krieg zwischen Fahrrad- und Autofahren. Dort gibt es zwar kurze Versatzstücke eines Fahrradwegs, der irgendwie super schön an den Hang gebaut ist. Aber eben auch Galerie-Tunnelstücke, wo Autofahrer ihre 007 Fantasien ausleben. Wann ist eigentlich James Bond zuletzt auf einem Fahrrad gefahren?
Wir also im Osten bis Tori del Benaco. Von dort gibt’s ne Fähre auf die andere Seeseite. Niki sah die Fähre schon auf dem See kommen, so glaubte er und machte auf den letzten 20 Minuten Tempo. Blos nicht die nächste Abfahrt verpassen. Dann wurden wir von einem Bianchi Fahrer überholt. Rennrad mit der typischen türkisblauen Farbe. Ich konnte förmlich fühlen, wie Niki einen Adrenalinschock bei gleichzeitiger TestosteronInfusion bekam. Von Bianchi-Fahrern lässt man sich halt nicht überholen! Allein wie die Rahmen Farbe in den Augen kribbelt. Also trat er in die Pedale und saugte sich in den Windschatten. Und ich natürlich hinterher, Auch Windschatten. Meine Rolle war am einfachsten. Und so rasten wir mit über 33 km/h hinter einem Rennradfahrer den See entlang. Das war bestimmt ein komisches Bild wie diese beiden elefantösen Tourenräder hinter dem leichten Rennrad her rasten Die Fähre haben wir dann noch bekommen.
Wir haben uns über booking.com in einem erschwinglichen vier Sterne Hotel direkt am See einquartiert. Essen gehen kann man hier nicht, dann ist man sofort pleite. Die Unterkunft ist famos.
Leider habe ich auf dem letzten Kilometer dann noch eine Auffahrt auf einen kombinierten Fußgänger und Fahrradweg unterschätzt. Die Kombination von viel Verkehrsstress, Pfütze vor dem Kanstein, nasser Marmor Kantstein (sehr rutschig), führte dazu, dass das Vorderrad den Aufstieg auf den Kanstein verweigerte. Der Rest vom Rad und ich mit vollem Impuls, allerdings auf den Kanstein, beziehungsweise den Fahrradweg rauf flogen. Knall. Körper auf Planet. Und blutiges Knie. Naja, insgesamt habe ich Glück gehabt.
Nun sitzen wir am blauen See in der blauen Stunde und trinken ein Bier.
Heute wurde ich übrigens von der Tochter der Firmenleiterin meines Utopia Roadster Fahrrads kontaktiert. Sie fragte, ob sie etwas von der Tour für Marketing-Zwecke verwenden darf. Finde ich cool. Das Utopia rollt prima.
Km: 57
Höhenmeter: ca. 0
Kcal-Aktivität : 1582
V-Max: ?
Radelfreude (0-10): 10
Heute sind wir vormittags im Etschtal sehr schnell mit Rückenwind bis nach Trento gefahren. Es war der erste Tag ohne Sonnencreme. Bewölkt und regnerisch, aber ohne Regen und dabei eine ganz samtig weiche Luft und Rückenwind. Rückenwind ist ein unglaubliches Geschenk. Es geht einfach schnell voran, leichter Tritt, tolle Durchschnittsgeschwindigkeit und einfach pure Freude am Fahren. Manchmal höre ich einfach möglichst laut den Song von Thomas D dazu. Auch wenn es dabei um Autofahren und nicht ums Fahrradfahren geht. Ich weiß gar nicht, wie man beim Autofahren Rückenwind als elementare Kraft überhaupt begreifen kann. Vermutlich kann man nur als Fahrradfahrer Rückenwind in seiner eigentlichen Essenz verstehen.
Heute war auch die Trauerfeier für meine Freundin Alison in Belfast. Alison verstarb letzte Woche nach 19 Jahren mit einer Krebsdiagnose. Ich bin so froh, dass Joli und ich die Chance hatten, sie in unserer letzten Sommerreise in Nordirland zu besuchen. Ich nahm neben einer alten Kirche an der Etsch an der Trauerfeier per YouTube teil. Das taten einige, aber die meisten waren vor Ort in der Kirche in Belfast.
Also ein Tag mit Ruhepausen und Einkehr und einer Feier von Alisons Leben.
Anschließend schauten Niki und ich uns die Altstadt von Trento an. Mir gefällt es super in Trento. Unerwartet super, denn an sich wusste ich nichts über die Stadt.
Von Trento aus nahmen wir einen Bus in die westlich liegenden Berge. Am Busbahnhof beantworte ich die Frage, ob es sich um Elektroräder handelt, wahrheitsgemäß mit Nein. Somit sei es kein Problem, die Räder in den unteren Kofferraum der Busse zu schieben und sich dann den Berg hochfahren zu lassen. Am Bus selbst war es dann doch ein Problem, Weil unten schon ein Fahrrad drin war und unsere Reiseräder echt riesig sind. Aber Italien. Das Land der Ruhe , der Freundlichkeit und der Improvisation. Mit dem Hinweis darauf, dass es gefährlich sei, „Pericolo!“, durften wir die Fahrräder nach hinten, so halb auf die Sitze schieben. Der Busfahrer schickte eines seiner drei mitfahrenden Kinder, um uns die Tickets zurückzugeben. Dann fuhr er souverän, zügig, großzügig zu anderen Autofahrern und immer ein freundliches Wort zu seinen Kindern mit uns den Berg hoch. Im Vergleich zum Tiroler Busfahrer von einigen Tagen muss ich feststellen, so geht’s also auch.
Nun sind wir hier oben auf einem Campingplatz, total gemütlich und super ausgestattet und morgen geht es in Richtung Gardasee.
Km: 95
Höhenmeter: ca. 300
Kcal-Aktivität : 2136
V-Max: ?
Radelfreude (0-10): 10
Das Fahrrad ist nun leise und rollt prima. Vor allen Dingen den Berg runter und davon gab’s heut ne ganze Menge. Der Tag begann mit einem üppigen Frühstück bei Gesa, dann schmierten wir uns noch Stullen, und dann gab Gesa uns noch Stullen mit. Also ein Stullen-Tag. Sehr lecker, sehr gehaltvoll.
Die ersten etwa 35 km nach Meran ging es nur bergab.. Meran haben wir uns sehr genau angeguckt, es war immerhin die Lieblingsstadt meines Opas Georg. Er hat dort viele Märzen verbracht und hier auch sein Herz verloren.. Bis zuletzt.
Meran hat so ein ganz lockeres, fluffiges Flair, klar, voller Touristen, aber ich glaube auch, wichtige Persönlichkeiten haben hier Bücher geschrieben oder Märze verbracht.
Danach ging es die Etsch runter mit Gegenwind. Niki war die Lok und hat mir unendlicher Kraft unser Durchschnittsgeschwindigkeit, Puls und Temperatur immer weiter hochgetrieben. Kurz vor Bozen entschieden wir uns, nach Kaltern zu fahren. Das geht dann noch mal ein bisschen die Hügel hoch auf einer wunderschönen alten Bahnstrecke. Also mehr Höhenmeter, aber mit akzeptablen Steigung. Im kaltern gab’s auch ein weißes Rössl, wir sind aber im roten Adler eingekehrt.
Insgesamt ein super Tag.
Km: 101
Höhenmeter: ca. 600 (die anderen 600 sind wir Bus gefahren)
Kcal-Aktivität : 3111
V-Max: 53
Radelfreude (0-10): 10
φ, also der Buchstabe aus dem griechischen Alphabet, PHI, darüber, und was das mit 16:35 Uhr zu tun hat, wollte ich noch kurz schreiben. Betti fragte. So ein tönernes φ habe ich an mein Fahrrad gebastelt. Das könnte für Physik stehen oder auch für die Physis, die ich brauche, um die Strecke zu bezwingen. Das steht aber auch für den goldenen Schnitt. Der goldene Schnitt ist in Kunst und Natur ein häufig wiederkehrendes Größenverhältnis, das als besonders harmonisch oder schön empfunden wird. Zum Beispiel so Spiralmuster in Blüten, oder beispielsweise die Kerne in von Sonnenblumen, sind nachfolgend im goldenen Schnitt angeordnet. Der goldene Winkel ist 137,5°. Wenn man das auf einer Uhr abträgt und den Stundenzeiger ausliest, dann kommt 16:35 Uhr raus. 16:35 Uhr müsste also eine besonders harmonische Uhrzeit sein, hab ich mir gedacht. Okay, ich gebe zu, dass es ziemlich nerdig und nicht gerade selbsterklärend. Ich hab‘ vorgestern in der Hängematte sehr viel über den goldenen Schnitt gelesen, und kam dann drauf, dass ich mir mal Gedanken machen möchte, ob es mir harmonisch geht, wenn die Uhr gerade 16:35 Uhr anzeigt. Normalerweise merke ich mir 16:35 Uhr nie. Aber eine Uhrzeit, auf dich immer wieder komme, ist 22:22 Uhr. Schon als Kind oder Jugendlicher habe ich immer auf die Uhr geguckt und es war gerade 22:22 Uhr. Sah auf meinem digitalen Radiowecker immer super aus, und dann merkt man sich sowas halt. Nun also 16:35 Uhr. Hab ich aber heute auch wieder verpasst.
Zu heute: unser Plan früh loszufahren, ist am gemeinsamen Frühstück im Auszeithaus gescheitert. So um 9:30 Uhr ging’s dann los. Erst mal schön lange bergab nach Imst. Dann 35 km lang einmal um den Berg rum. Und all das nur um die Höhenmeter der Pillerhöhe zu sparen. Das erste schummeln des Tages bestand darin, dass wir uns abends bei Gesa hier im weißen Rössl verabredet haben und Jürgen unsere Satteltaschen hierher fuhr. Also wunderbares fahren ohne Gepäck.
Dann ging’s weiter, das Inntal hinauf. Ein absolut Sehenswertes historisches und auch sonst sehr pittoreske Juwel ist die Altfinstermmünz. Eigentlich nur eine Brücke, Dieter Claudius Augustus erbaute. Eigentlich muss davor auch schon eine Brücke gewesen sein, oder eine Furt. Denn vorher haben wir Leute auch schon die Alpen auf der Passage überquert.
Dann kann die zweite Schummelei, wir fuhren zurück zur Kajetansbrücke und nahmen mit den Fahrrädern den Bus nach Reschen. Über 500 Höhenmeter nicht gefahren. Klasse Schummelei. Vorher hatte ich mit der ÖBB App das Ticket gekauft. Inklusive Fahrradbeförderung, die sollte laut ÖBB nichts kosten. Der Busfahrer war anderer Meinung und so diskutierten wir eine Weile hin und her. Dann mischte sich eine Fahrgästin ein, sehr ungeduldig, und meinte, wir sollen doch einfach die zehn Euro für die Fahrräder bezahlen. Als ich darauf erwidernd fragte, ob das die Tiroler Gastfreundschaft sei und ob sie das bezahlen möchte, drohte die Situation zu eskalieren. Mit Unmut sah ich, dass Niki dem Busfahrer schon zehn Euro in die Hand drückte. Ich hätte in dem Moment gute Lust auf eine handfeste Keilerei gehabt. Das war alles vor 16:35…
Franz, zitiert in solchen Fällen immer einen Spruch seines Freundes, dem Buddhisten Rüdiger aus Flensburg, der sagt: „ …und alles, was uns aufgebracht, ist doch nur Schall und Rauch.“ . Das schreibe ich jetzt im Nachhinein. Denn in dem Moment ist mir das natürlich nicht eingefallen.
Danach ging’s dann am See entlang, wunderschön so gegen 16:35. Und danach immer runter. 500 Höhenmeter wieder abfahren zu Gesas weißem Rössl, Restaurant und Herberge. Anders als vor zehn Jahren gibt es zwischen Reschen und Lastschrift inzwischen einen Rad-Highway. Wenn man die Nerven dafür hat, kann man ungebremst mit 45 km/h mit seinem Fahrrad hier das Tal runter knallen. Bisschen bedenklich war allerdings, dass am Rande des Fahrradweges mindestens zwei Kreuze mit Blumen dran aufgestellt waren.
Bei Gesa habe ich dann über die Hälfte ihrer riesigen Familie wieder getroffen, ihren super tollen Hund gestreichelt und wir haben lecker gegessen. Nun mächtigen wir in der Endetage dieses 400 Jahre alten Hauses. Falls ihr mal hier in der Nähe seid, kehrt ein!
Km: 0
Höhenmeter: 0
Kcal-Aktivität : 0
V-Max: 0
Der zweite Tag Pause im Auszeithaus,Auders. Jürgen und Lennart sind heute angereist und mit Johanna Calaminus und ihrem Mann Henning Borchers und ihrer kleinen Tochter kam überraschender Besuch. Johanna und ihre Schwestern und die ganze Familie. Calaminus kenne ich schon immer. Und so gab es eins dieser typischen langen Abendessen mit Feuer in der Schale und vielen Geschichten. Morgen früh geht’s los in den Vinschgsu nach Lichtenfels zu Gesas Hotel zum weißen Rössl.
Früher Start, bin schon aufgeregt.
Km: 0
Höhenmeter: 0
Kcal-Aktivität : 0
V-Max: 0
Radelfreude [0-10): 0, Pause (Pausengreude: 10)
Dem Knarren und Knarzen auf der Spur. Seit etwa Magdeburg nerven mich die Geräusche, die das Fahrrad macht, wenn ich trete. Ursprünglich dachte ich, es liegt am Sattel oder an der Federstütze. Gestern meinte Niki, es ist vermutlich irgendwas am Tretlager, das kommt von da. Dann fiel mir ein, dass ich diesen super Kettenschutz montiert hatte, der wird mit dem Tretlager am Rahmen gehalten und hat innen eine Metallplatte. Die könnte verstärkend wirken wie ein Dosentelefon. Auch der Test, ob die Geräusche beim im Stehen treten weggehen, ergab: nein, tun Sie nicht. War eine gute Idee von Niki mir das vorzuschlagen, und ziemlich doof von mir, das nicht vorher schon selbst ausprobiert zu haben. Okay, also habe ich heute mithilfe von Franz Abzieher-Werkzeugen zunächst den Kettenkasten abgebaut, Kurbeln und ein Pedal abgeschraubt, die Kettenkastenbefestigung am Tretlager geöffnet alles sauber gemacht, gefettet und wieder richtig zusammengebaut. Jetzt das Ergebnis: das Fahrrad ist nun ruhig. Hoffentlich bleibt das so, das würde die Radelfreude täglich noch einmal um einen halben Punkt erhöhen.
Ansonsten ist der Tag schön faul. Habe einen neuen Hängemattenplatz am Parkplatz zwischen Holzstapel und Steinstadel gefunden. Auch die Sonne ist wieder da nachdem es heute Morgen geregnet hat alles super.
Was hab ich heute noch vor: um 16:35 Uhr den goldenen Schnitt feiern, und sonst nix.
Km: 69
Höhenmeter: 930
Kcal-Aktivität : 2259
V-Max: k.A.
Radelfreude [0-10): 7
Soll ich ehrlich sein oder schönfärben? Wenn man sich die Zahlen anschaut, dann war das weder der Tag mit den meisten Kilometern, noch mit den meisten Kalorien, noch mit den meisten Höhenmetern. Und trotzdem war es einer der anstrengenden Tage bislang. Hier einmal das Höhenprofil:
Die ersten 60 km verlief,en einigermaßen eben in der Bratpfanne des Inntals bei gefühlten 35 °C. Ob’s wirklich so heiß war, weiß ich nicht, aber stehenbleiben, war auch nicht erholsam, weil der Fahrtwind fehlte. Fahren bedeutete schwitzen. Schwitzen bedeutete Flüssigkeitsverlust. Flüssigkeitsverlust bedeutete: trinken ohne Ende. Und das führt zu Verlust von Elektrolyten, die man besser in den Muskeln gebrauchen kann.
In der Nähe von Ötzbrück gibt es wunderschöne Kiefernwälder, eine Seltenheit hier in der Gegend.
Dementsprechend haben wir Mittagspause am Inn in den Hängematten gemacht. Eigentlich eine großartige Idee, aber selbst in der Hängematte wurden wir gebraten. Dass der Spaß der Mitteleuropäer im Motorsport besteht, zeigte sich, als drei Enduros versuchten, meine Hängematte Downhill nieder zu mähen. Die kamen einfach durch den Wald runtergefahren. Wildes Handgefruchtell meinerseits, verständnisvolles Nicken der coolen Motorradfahrer, die dann einen kleinen Umweg, mit den Enduros machten, mehr frischen Waldboden plätten und dann auf dem Radweg davon knatterten. Kennzeichnenderweise am Eingang des Ötztals. Jedenfalls haben die bestimmt eine Menge Fun gehabt. Ötztal = Fun.
Nach der Pause bestand unser Fun darin, Trinkbrunnen zu finden und den bestmöglichen Weg rauf zum Auszeithaus. Vielleicht bewog mich die Erinnerung an die Enduros, einmal den Weg über Hochasten zu nehmen. Ein Plus von 150 Höhenmetern im Tausch gegen verkehrsarme Straße. Als das Handy dann 14% Steigung anzeigte und ich mich in Schlangenlinien die Straße hochkämpfte, bereute ich den Entschluss ein wenig. Niki, fit und mit der besseren Schaltung, fuhr geduldig voran.
Hochgeastet nach Hochasten.
Die letzten 150 m runter zum Auszeithaus wandern natürlich sehr entspannt.
Dann Wiedersehen mit Franz, Andrea, eine neue Auszeitgästin, Kiloweise Spaghetti mit leckerer roter Soße und Beinkrämpfe zum Abend zeigen mir, dass das wohl einer der anstrengendsten Tage bislang war. Es sind also nicht nur die Höhenmeter, sondern auch die Steigung ist sehr relevant. Höhenmeter mit sanfter Steigung kein Problem, Höhenmetern bei über 10 % Steigung: sehr übel. Außerdem glaube ich, dass das Kalorienzählen bei Höhenmetern irgendwie nicht so richtig funktioniert. Ich werde das in den nächsten Tagen einmal ausrechnen, wie viel Kalorien man braucht, um 150 Kilo 500 m hoch zu wuchten.
Km: 124
Höhenmeter: 520
Kcal-Aktivität : 3026
V-Max: 38
Radelfreude [0-10): 7
Musste gerade den Titel des gestrigen Eintrags korrigieren. Ich bin natürlich gestern von Salzburg gestartet und heute in Innsbruck angekommen. Ganz anderes Bundesland, ganz andere Kultur.
Da Niki und ich uns für heute Abend spontan in Innsbruck verabredet haben, um zur Wilderin zu gehen, muss ich etwas früher aufstehen und Gas geben. Gas geben ist schon mal total der falsche Ausdruck, eher Müsli geben oder Schokocroissant oder was immer der Körper in den Oberschenkeln so in Pedalumdrehungen umwandelt. Die Wilderin ist eines der epischen Restaurants in Tirol. Da gehen wir gleich hin. Freue mich schon drauf.
Das Wiedersehen mit Niki fand mit Johannischorle unter dem goldenen Dacherl statt.
Der Weg dahin allerdings war mühsam. 124 km in Affenhitze. Außerdem war das fahren am wilden Kaiser streckenweise auf der Bundesstraße echt gefährlich. Sankt Johann scheint das Geld für Fahrradwege ausgegangen zu sein, und so musste man sich mit Holzlastern, Anhänger-Autos und Motorrädern und jedem Sepp, der zum Brötchen holen unterwegs war, die Fahrbahn teilen. In Tirol röhren halt weniger die Hirsche und mehr die Motoren.
Aber es gab auch echt schöne Passagen. Und nach der letzten Tour durchs Inntal hatte ich ja ein vollkommenes Vorurteil, was den Inntalradweg anging. Der ist aber zwischen Wörgl und Innsbruck super geführt. Also ändere ich mein Urteil.
Begegnung heute: zunächst dem hölzernen Brückenheiligen Johannes Nepomuk. Durch Nepomuk bin ich in Tschechien gefahren, und der Johannes Nepomuk scheint wirklich ein tschechischer Heiliger des Mittelalters zu sein.
Dann begegnete ich unfassbar vielen E-Bikern. Die grüßen ein, in der Regel nicht. Ob es an der Konzentration liegt, die sie aufbringen müssen, wenn sie mit ihrer wesentlich höheren Geschwindigkeit bergauf fahren?
Und dann gab es kurz vor Innsbruck noch eine total nette Begegnung mit jemanden, der offensichtlich auch einen Touren Bike fuhr und ganz interessiert war, wo ich unterwegs schon gewesen bin. Leider hatte ich zu wenig Zeit, mich von ihm zum Kaffee einladen zu lassen, das wollte er gern. Aber Niki wartete schon in Innsbruck. Dafür hat er mir dann ein sehr leckeren Mohn Krapfen geschenkt. Das war echt nett. Endlich mal ein Österreicher, von dem man das Gefühl hatte, dass er nicht total durch die Touristenmassen genervt ist.
Km: 60
Höhenmeter: 550
Kcal-Aktivität : 1785
V-Max: k.A.
Radelfreude [0-10): 7
Der Tag heute begann mit einer traurigen Nachricht, Hilflosigkeit am Mittag und bot dann noch Denkwürdiges am Nachmittag. Morgen schickt mir Geon aus Belfast eine Nachricht, in der sie mir mitteilte, dass meine langjährige Freundin Alison gestern verstorben ist. Alison hatte Krebs und das schon seit 20 Jahren. Trotzdem haben wir sie im letzten Sommer noch besucht, als Joli und ich in Nordirland waren. Ich hab mir also heute vor einen Tag mit viel Pausen und in-mich-hören zu verbringen. Das passte auch gut zu der wunderschönen Landschaft und der sengenden Hitze, in der ich unterwegs war.
Als am Mittag Joli anrief, um moralische Unterstützung zum Ölen ihres Fußbodens zu bekommen, war ich gerade so mit Autoverkehr, Hitze und Gedanken beschäftigt, dass ich keine gute Unterstützung war. Das sind halt auch Auswirkungen vom weg-sein.
nachmittags traf ich dann auf Fritz und Uwe aus Bad Oeynhausen. Fritz mit Elektrorad Uwe noch ganz Bio. Die beiden sind etwa zwölf Jahre älter als ich und noch unterwegs. Soweit so gut so toll. Aber als dein Fritz in der Jausenstation vor seiner Cola umkippte, und ohnmächtig wurde, wendete sich mein Eindruck ein bisschen. Fritz ging es dann wieder okay. Im Krankenwagen wollte er nicht, Taxis gibt’s in der Nähe nicht, der Bus wollte ihn mit seinem Fahrrad nicht mitnehmen also bin ich mit beiden langsam weiter gefahren. Irgendwie hatte ich den Eindruck, dass er sein Elektrorad trotzdem nicht auf die höchste Stufe gestellt hatte. In Lofer trennen sich unsere Wege, ich wünsche den beiden alles Gute und hoffe, dass sie trotzdem noch eine schöne Woche verbringen können und dass Fritz sich nicht überfordert.
Nun zelte ich schon zum zweiten Mal auf einem Campingplatz. Es ist angenehm abends zu duschen, den ganzen Schweiß und die Sonnenmilch wieder runter zu spülen und anschließen, ein paar Minuten vor dem Essen auf der ISO-Matte draußen zu liegen.
Jetzt geht mir durch den Kopf, das Peter mir im Landhaus in Linz erzählte, dass ein Dorf geschleift wurde. Geschliffen, sagte ich. Nein, sagt er, das ist falsch, geschliffen werden Diamanten, Dörfer werden von Eroberern geschleift. Lehrerkinder, alles Besserwisser und nicht gern Schlechtergewusste.
In Innsbruck habe ich noch ein Bild von zwei ganz unterschiedlichen Wehranlagen auf einem Bild gemacht. Eine moderne und eine alt. Und ein Flughafen Tunneldurchfahrt Film.
Km: 92
Höhenmeter: 710
Kcal-Aktivität : 2592
V-Max: k.A.
Radelfreude [0-10): 8 müde Beine und große Hitze
Heute war es heiß. Keine Wolke am Himmel und die Wege führten meistens über offene Felder, so dass ich mich wie ein norddeutscher Brad Hering in der Pfanne der nördlichen Alpen fühlte. Irgendwie hatte ich schwere Beine, und ein Ziel vor Augen nämlich abends in Innsbruck zum Bier mit Klausi ankommen. Aber das bedeutete eben auch wieder über 90 km fahren. Und die Landschaft ist wellig. Wie ein heißes Waschbrett. Nachmittags gab’s ein Bad im Wallersee. Bislang bin ich da an der Stelle immer nur mit der Bahn vorbeigefahren. Die Zugstrecke Innsbruck Wien führt da direkt vorbei. Also quasi 10 m unterhalb der ersten Klasse geht’s zum Baden. Auch erstklassig.
Eigentlich wollten wir uns im Augustiner in Salzburg treffen, aber den habe ich geistig eher nach München verortet, und als ich hier im Campingplatz die Brat Händel drehen, sah, was es um mich geschehen. Nun kommen Brigitte und Klausi hierher.
Km: 86
Höhenmeter: 900 (das glaube ich nicht, ich glaub, die Tour hat der rückwärts gezählt)
Kcal-Aktivität : 2193
V-Max: k.A.
Radelfreude [0-10]: 9 weil Rückenwind am Nachmittag
Heute in Sankt Veit bei meinem Cousin Karli und seiner Frau Maria abgelegt. Dann nach Linz runter geradelt und mich im Landtag mit meinem Cousin Peter getroffen.
Runter radeln@Niki: von Sankt Veit bis Neusserlingauf der wenig befahrenen Landstraße. Dann rechts abbiegen und den Branitzbach und dann die große Rodl bis Rottenegg fahren. Bis dahin eine super Strecke. Besser geht’s nicht fast immer nur runter, keine Autos und am Bach entlang Abfahrt Galore. Nur dann kommt das dicke Ende. 10 km Bundesstraße bis nach Linz reinfahren unbedingt Gehörschutz aufsetzen und Atemmaske. Also erste Strecke glatte zehn Punkte, unten im Tal dann Griff ins Klo.
Treffen mit Peter: Wir waren zusammen Mittagessen beim Asiaten. Linz mausert sich und wird immer cooler. Im Landtag hat schon Johannes Kepler unterrichtet, das ist so circa 500 Jahre her. Heute arbeitet Peter in dem Büro, wo Johannes Kepler früher seinen Schülern Geschichte beibrachte. Geschichte? Jedenfalls hat Peter das erzählt. Der Landtag ist ein eindrucksvolles Gebäude. 500 Jahre alt und so Ehr-erhaben, dass man sich gut vorstellen kann, darin ganz Oberösterreich zu verwalten.
Anschließend ging es zu meiner Tante Uli, auch in Linz. Österreichische Verwandtschaft, also wieder essen Quarkkuchen. Morgen Abend bin ich in Salzburg mit meinem Cousin Klausi verabredet. Natürlich zum Essen. Immerhin habe ich versucht, zwischen Linz und Wels an der Traun entlang so richtig Gas zu geben und ein paar Kalorien zu verbrennen. Aber es ist halt Oberösterreich, also gab es Rückenwind, Kalorienverbrennen ist hier nicht angesagt.
Was mich wirklich nervt, ist mein quietschender Federsattel. Ich glaube, er kündigt meine Ankunft schon von weit her allen in der Umgebung an. Auf jedem Video höre ich den Sattel quietschen. Ich hab mir vorgenommen, der Sache im Auszeithaus noch mal auf den Grund zu gehen. Vielleicht Unterlegscheiben aus Silikon? Insgesamt eine neue Sattelstütze ohne Federung? Oder ausbauen und versuchen, das Quietschen am Schraubstock von Franz zu simulieren? Ich möchte nicht wissen, wie viel Kilokalorien ich auf der Tour bisher in quietscht investiert habe.
Km: 107
Höhenmeter: 900
Kcal-Aktivität : 2887
V-Max: 52
Radelfreude [0-10]: 9
Nachts am Biwak-Platz vor dem Einschlafen gab es noch einen schönen Vollmond. In Tschechien scheint wandern und Biwakieren mit Dixi-Klos und Gaskocher viel mehr verbreitet zu sein, als in Deutschland. Gestern waren da mindestens zwei oder drei vollständige Familien plus noch Leute aus Frankreich und anderwoher unterwegs. Und alles sehr nett und ruhig und zivilisiert. Jedenfalls wurde auch am letzten Tag in Tschechien mein Vorurteil bestätigt, dass das Land und die Leute einiges aus den nettesten Teilen der Siebzigerjahre Afga-Color-Kultur erhalten haben.
Dann ging es runter und rauf und runter. Kurze Zuckerpause an dem Alles-Laden an der deutschen Grenze, der von Besen, über Teppiche, Schnaps und Süßkram ein sehr breites Sortiment bot. Im Dreiländereck bei Nove Udoli steht ein Imbisswagen. Da hielt ich auch an. Auch gibt es dort die kürzeste Eisenverbindung der Welt zwischen Deutschland und Tschechien. Der motorlose ein Waggonzug beförderte gestern Kinder per anschieben zwischen den Nationen hin und her. Ich finde, das ist ein super Beispiel wie mit Technik und sehr wenig Energie und viel gutem Willen dort Spaß entstehen kann, wo früher der Eiserne Vorhang hing. Danach ein kurzer Anstieg und dann ging es los mit dem Schwarzenbergischem Schwemmkanal
Der Schwarzenbergisch Schwemmlanal ist ein Ding für sich. Mit ihm wurde im 18. Jahrhundert bis ins 20. Jahrhundert Holz aus dem Böhmerwald bis nach Wien befördert. Brennholz. Muss man sich das mal vorstellen, dass so Meter lange Scheitel mit dem eins 50 breiten Kanal den Berg runtergeschwemmt werden. Über 50 km bis Haslach und dort dann über die große Mühle nach Donau und nach Wien. Mit dem Schwimmkanal wurde eine europäische Wasserscheide überwunden. Östlich fließt das Wasser in die Elbe und dann auf der Südseite des Böhmerwalds, quasi mit dem Holz ins Schwarze Meer. was für eine Ingenieursleistung. Für ein Kanal hat er ordentlich Gefälle, so dass man heute mit dem Fahrrad auf der Höhe sehr bequem langsam den Berg runterfahren kann. Oder auch nicht so langsam. An einigen Stellen ist der Kanal in Original tiefer ausgehoben. Meistens allerdings verflacht oder überwachsen. Original tief, würde ich schätzen, 1,50 m tief und 1,50 m breit.
Wäre ich Milliardär, so würde ich den wiederherstellen. Den ganzen Kanal. Und dann würde ich da gebrannten Schnaps in Fässern runterbefördern und den is Haslach als schwarzgebranntes Zeug zu Höchstppreisen verkaufen. Wahrscheinlich würde ich Red Bull mit ins Boot nehmen, Die könnten dann dort so eine Art Triathlon veranstalten. Immerhin ist der Kanal eine natürliche Gegenstromanlage. Und die entgegen treibenden Schnapsfässer stellen Hindernisse dar, die man als geübter Schwimmer untertauchen müsste. Also das stell‘ ich mir alles sehr lustig vor.
Ich bin nicht ganz bis nach Haslach gefahren, sondern dann an den Moldau-Stausee abgebogen und über Sankt Oswald ins Mühlviertel reingefahren. Das war schon ziemlich spät am Nachmittag, es war heiß, neben mir Motorradfahrer, die in selbstmörderischem Tempo Wheeledneben mir machten. Etwas nervig. Dann das Mühlvisrtel. Wunderschön und auch ein Schwein für Fahrradfahrer. Das Mühlviertel ist im Wesentlichen eine schräg nach Südwesten abfallende Granitplatte, die in der letzten Eiszeit bucklig gespült wurde. Die durchschnittliche Höhe eines Buckel beträgt zwischen 100 und 200 Metern. Wunderschön, leider gibt es keinen einzigen Höhenweg. Meist geht’s steil runter oder steil rauf. Kein Wunder, dass die Radfahrer hier dann auch die Meisterschaften der österreichischen Rundfahrten gewinnen können. Wer hier Fahrrad fährt, braucht starke Nerven und dicke Beine.
Nun bin ich bei der Verwandtschaft angekommen bei Maria und Kali. Hab heute am Sonntag Annemarie besucht und werde einen Tag Pause machen und Kalorien tanken.
Km: 91
Höhenmeter: 1420
Kcal-Aktivität : 2720
V-Max: keine Ahnung
Radelfreude [0-10]: 9
Früher Aufbruch in Nepomuk. Dann ging es auf und ab und die zweite Frühstückspause am Schwanensee. Die erste Frühstückspause war ja noch in meinem Palais in Nepomuk mit Nescafé und Mandelbrötchen von gestern in der erwähnten zweiten Pause. Am Schwanensee gab es dann Hafermüsli mit Olivenöl und Wasser und etwas Salz. Die neu gekaufte Mischung schmeckt nicht so gut wie mein ursprüngliches Zeug. dann dann ging’s ins Tal durch den Ort Susice im Fluss Otava. Supermaler ist schon schön. Dann am Fluss entlang der lange Aufstieg in die Berge. Auch sehr malerisch, aber leider begleitet von Motorrädern und vielen Autos. Ich hab mir ein Hörbuch auf die Ohren gelegt. Ab Kvilda habe ich dann Pause gemacht, und mir überlegt, wie es weitergehen soll. Hab mich für den Höhenweg entschieden. Richtige Entscheidung, denn kurz hinterm Ort gab’s nur noch Fahrräder und einen Linienbus.. Offensichtlich sind andere Autos hier verboten.. Villa hat die Wasservorräte aufgefüllt, zum ersten Mal mein Wassersack verwendet, und so kann ich heute Nacht BIWA machen auf der Höhe mit Blick ins Tal. Super schön.
Km: 110
Höhenmeter: 960
Kcal-Aktivität : 2810
V-Max: 48
Radelfreude [0-10]: 8
Der Tagesbeginn war heute etwas verhalten. Ein etwas besseres Frühstück hätte vielleicht gebracht. Die erste richtige Pause war erst gegen 2:00 Uhr nachmittags in Pilsen. Die Strecke bis dahin zog sich ganz schön hin. Insgesamt ein schöner Tag. Besonders bemerkenswert ist die Unterkunft in Nepomuk. Hier hat gegen 1796 schon ein österreichischer Kaiser genächtigt. Für den war es wahrscheinlich klein, wie so ein Schrebergartenhaus. Für meine Verhältnisse ein Palast.
Km: 82
Höhenmeter: 1090
Kcal: 2206
V-Max: 45
Radelfreude [0-10]: 10
Hab mich zum Abendessen nach draußen gesetzt. Am Tisch saß schon Milan mit seiner Tochter Anna. Nachbartisch, Radek, Annette und Yakup.
Milan ist Trompeter und arbeitet als Wartung Manager für die Traktoren Firma John Deere. War auch schon auf Montage von Regalen in Kiel unterwegs. Und mit der Blaskapelle der lokalen Schule viel in Deutschland.
Der Tag begann in Eibenstock bei bestem Wetter mit einer Schiebe Steigung durch eine Baustelle. Dann ging es nicht allzu steil bis an die Grenze nach oben. Danach folgte eine spektakuläre Abfahrt. Kurz unter dem Gipfel gab es eine riesige Alm. Wiese, da habe ich erst mal Pause gemacht und mich auf den Rücken gelegt Und den Bach gelauscht. Danach ging’s immer runter im einigermaßen gemächlich im Tempo. Vorbei in einem Pfadfinderlager, das genauso aussah, wie man sich es in einem Pan-Tau Film vorstellt. Überhaupt kommen die Städte in Tschechien wieder genauso vor wie in einem Pan-Tau oder Lolek und Bolek Film. Die Streckenführung mit Bikerouter.de gemacht, das hat sich absolut bewährt. Das waren zwar einige Höhenmeter heute, aber die waren wirklich gut fahrbar. Viele Waldwege und Nebenstraßen.
Karlsbad ist schon irgendwie der Hammer. Ein gigantisches Hotel folgt im nächsten. Ich hab da Mittagspause gemacht mit die Leute angeguckt und bin dann dadurch geradelt. Danach ging’s dann wieder in die Berge und Hügel. Mit ChatGPT habe ich meinen ersten tschechischen Satz gelernt: “ könnte ich bitte ein bisschen Wasser haben.“ —> „Mohl bych prosím trochu vody?”.
Der Tag bekommt eindeutig zehn von zehn Punkten in Sachen Radelfreude..
to byl skvělý den
Das war ein klasse Tag
Km: 82
Höhenmeter: 840
Kcal: 2808 , Training 2762
V-Max: ?
Radelfreude [0-10]: 4
Ein Tag voller Regen. In Zwickau saß ich zweieinhalb Stunden unter der Markise vom Alex Restaurant und hab gewartet bis das Schlimmste vorbei zog. Danach ging’s immer bergauf. Erst abends, jetzt,, kommt die Sonne raus. Das war eigentlich wenig schönes Fahren. Aber schöne Telefonate und Bob Dylan Neil Young und die Rolling Stones schoben mich den Berg hoch. Und ich hab die ersten Höhenmeter geschafft. Das fühlt sich schon wie ein Archivement an.
Vorher gab’s noch ein paar lustige Begegnungen. Auf einer engen, abgeteilten Fußgängerbrücke neben einer Bundesstraße begegnete mir ein Schäfer mit seiner Schafherde. Die Schafe waren ganz schön aufgeregt.
Km: 95
Kcal: 2808 , Training 2443
V-Max: 35 km/h
Radelfreude [0-10]: 7
Die letzte Nacht bis heute Morgen hat es geregnet. Ich hab mir schon vorgestellt, wie ich den ganzen Tag in Regenklamotten fahren würtde. Dann kam es doch anders. Als ich bei Rossmann mein neues Ladegerät kaufte, bei Edeka frühstückte, kam die Sonne raus. Und die blieb den ganzen Tag über. Die Strecke bis Leipzig war unspektakulär, am Flughafen vorbei, auf dem auch nicht viel los war. Kurz vor Leipzig wird es dann richtig schön an der weißen Elster entlang. Gespräch mit ChatGPT, warum die weiße Elster heißt und warum die schwarze Elster, die ganz woanders ist, schwarze Elster heißt, ergab für mich kein logisches Ergebnis. Leipzig ist klasse die Stadt hat so parkähnliche Ausläufer, die mich ein bisschen an Wien erinnert haben. Ich kenne Leipzig bislang nur vom CCC Kongress und dann nur das Messegelände und dem etwas Öl Norden von Leipzig. Und von diversen Konferenzen und Besuchen im Auerbachskeller. Aber mit dem Fahrrad sieht die Stadt doch noch mal viel freundlicher und anders aus.
Dann ging’s weiter an der weißen Elster, die nördlich von Leipzig kanalartig geführt wird. Irgendwann kommt man in die Gegend, der mit Wasser aufgefüllten Braunkohle– Abbaugebiete. Dort wird verdammt viel Fotovoltaik aufgestellt. Die Strecke bis Altenburg war dann weitesgehend schön und es war sonnig. Altenburg ist auch eine klasse Stadt. Hatte ich bislang überhaupt nicht auf dem Zettel. Schöner großer Marktplatz und lecker Döner zum Abendessen.
Km: 118
Kcal: 2808 , Training 2751
V-Max: 45 km/h
Radelfreude [0-10]: 3
Größtenteils bedeckter Tag, am Schluss Regen. Die ersten 30 km waren langweilige Umgebung von Magdeburg. Dann gab’s einen tollen Frühstücksplatz und auch die Sonne kam raus. Die Streckenführung gingen danach über sehr wenig befahrene Landstraßen und teilweise über coole Radwege. Mittagspause in Calbe mit einem gigantischen Döner, der mich dann auch den ganzen Nachmittag in der zweiten Hälfte noch ernährt hat, Spektakulär schön ist das Stück an der Saale gewesen, leider nur kurz. Dann am Nachmittag auf dem großen Platz in Köthen. Vor der Kirche traf ich dann Stevie und Michael. Ein Ehepaar aus Hermannsburg in der Heide. Jetzt muss ich sofort erst mal Michael Jackson und Stevie Wonder hören… 1 Stunde vorm Ziel fing es an zu regnen immer mehr, so dass ich schließlich Regenklamotten anziehen musste.
Km: 120
Kcal: 3098
V-Max: 38 km/h
Heute nur einmal Regen. Zum Nachmittag hin wurde das Wetter immer besser. Zunächst ging es auf dem Altmark rundweg durch Wälder. Dort gab’s dann auch den ersten einzigen Regenschauer, dann ging es an der Aller weiter. Dort machte ich dann Bekanntschaft mit einigen Enten. Das war so gegen 15:00 Uhr und als ich nach einer Unterkunft recherchierte, war im gesamten Zielgebiet nichts frei. Es blieb mir nichts anderes übrig als Richtung Magdeburg abzubiegen. Rein gefahren bin ich nicht. Also nach Magdeburg, aber drauf geguckt hab ich von hier oben. Helmsdorf ist ein Vorort von Magdeburg im Nordwesten. Morgen muss ich mal zurück auf meinen Weg finden und eine Entscheidung treffen, ob ich über alle oder über Leipzig weiterfahre.
Heute Morgen im Wald, beim radeln, versuchte ich auszurechnen, ob ich mit meinen 150 kg Gewicht, also da ist natürlich das ganze Gepäck mit gerechnet, trotzdem nicht wenig, ob ich damit über Berge komme. Meine Erfahrung nach müsste ich so mit moderat Steigung 300 Höhenmeter in 1 Stunde schaffen. Mindestens nächste Woche, wenn ich schon etwas leichter bin und die Beine etwas mehr Muskelmasse ausgebildet haben.
Also: angenommen, ich brauche 1 Stunde für 300 Höhenmetern mit 150 kg. Dann ist die dafür benötigte Energie m*g*h, also Masse mal Gravitationkonstante mal Höhe. 150kg*9,81m/s**2 * 300m. Das ergibt etwa 450.000 Wattsekunden. Die ganzen Kilogramm, Meter pro Sekunde Quadrat und wieder Meter ergeben dann halt WattSekunden. Man das in Watt umrechnen möchte, muss man das durch die Anzahl Sekunden in 1 Stunde teilen, also 3600. Dabei hatte ich mich zunächst verrechnet und kam auf 1,2 kW Leistung. Daran bin ich dann fast verzweifelt auf dem Fahrrad denn so viel Watt hab ich nicht. Dann hab ich ChatGPT gefragt, der kam auf das gleiche Ergebnis. Noch mehr Frust. Dann rief ich Felix an der ist immerhin promovierter Physiker. Ich hab ihm von dem Dilemma erzählt und beim erzählen fiel mir dann auf, dass ich ein Faktor zehn vergessen hab. Beim Rechnen. Somit sind es nur etwa 120 W, die ich brauche. Das schaffe ich. Komisch, dass ChatGPT sich auch verrechnet hat. Ich hab ihn sogar zweimal nachrechnen lassen. Jedenfalls gibt’s noch Hoffnung für mich und die Berge.
Hamburg - Dahrendorf
Km: 125
Kcal: 3470/410
V-Max: 42 km/h
Als Dagmar und ich heute Morgen zum Frühstück mit Joli ins Estoril fuhren, Nieselregen. Dann war’s beim losfahren aber trocken. Trotz der fiesen Regenprognosen gab es tagsüber nur zweimal Regen. Und davon nicht mal viel. Nachmittags hinter Lüneburg kurz richtig schön. Ich bin heute sehr weit gefahren, der Niki hat mir empfohlen hier in Dahrendorf zu übernachten. Jetzt esse ich nach zwei Tellern Kartoffelsuppe und 125 km im Gartenstuhl und Blicke auf Lämmer und Schafe. Das war ein klasse Tag.
Die Idee zur Tour entstand eigentlich schon im letzten Herbst. Damals berichtete mir mein Bruder Niki, dass er ein Sabbatical nehmen wird. Und dass er eine lange Radtour plant, eventuell Portugal. Mir fiel dann ein, dass ich in Portugal Hawaii Jim kenne. Jim lernte ich vor 20 Jahren tatsächlich auf Big Island Hawaii kennen. Nun wohnt er inzwischen mit seiner Familie in Aveiro. Also ein Lohnes Ziel.
Ich beschloss, mir auch drei Monate Zeit zu nehmen und klärte das mit allen ab. Noch mal Danke an alle, die das möglich gemacht haben. Und das sind wirklich viele Menschen.
Danach dann die Tourenplanung. Für Niki und ich ein Stück zusammen? Was meistern wir allein? Welche Haltepunkte gibt es auf dem Weg? Plan nun ist jedenfalls der Plan, dass wir uns irgendwo im Norditalien treffen werden.
Über allem steht bisher die Vorfreude. Und die vor Aufregung. Gerade heute, am 24. Juli in Tirol regnet es Katzen und Hunde. Kein Wetter, das mich zum Losfahren motiviert. Und trotzdem totale Vorfreude. Noch fünf Arbeitstage.
Der Plan: