1870-Central-Fleischmann-Walther-Over Pulpit Fellowship; OCR'd by BackToLuther, August 16, 2015.
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Verhandlungen
über die von Herren Pastor PH. Fleischmann verabfaßten Thesen:
„Ueber Kanzelgemeinschaft."
I.
Unter Kanzelgemeinschaft versteht man jetzt diejenige kirchliche Sitte, da Prediger verschiedener Confessionen einander ihre Kanzeln zur öffentlichen Verwaltung des Predigtamts überlassen.
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II.
Kanzelgemeinschaft ist wider die Schrift, welche
a. das unverbrüchliche Festhalten an allen ihren Aussprüchen — bis auf den Tütel — von den Gläubigen fordert; und darum auch an denselben
b. jede Lehr- und Lerngemeinschaft mit solchen straft, die von den Aussprüchen der göttlichen Offenbarung weichen.
III.
Die Kanzelgemetnfchaft ist darum auch wider die Symbole der evang.-lutherischen Kirche, und wider die Verpflichtung auf dieselben, da diese, selbst lautere Zeugen der Schrift, auch gemäß der Schrift fordern und fordern müssen
a.. lautere Bezeugung ihrer symbolischen Lehren nach dem Maaß der Symbole, und eben dämm auch
b. Verwerfung und Abweisung jedes Gegensatzes gegen dieses Maaß.
IV.
gerade in dieser Bezeugung einerseits, und in dieser Abweisung anderer-seits, welche offenbar auch die Versagung der Kanzel fordert, besteht hauptsächlich auch die Erweisung der wahren brüderlichen Liebe, welche aus dem Glauben an das seligmachende Evangelium hervorquillt.
V.
Es versündigt sich demnach bet Pflege der Kanzelgemeinschaft ein evangelisch-lutherischer Prediger
a. wider Gott, weil er damit eben an derjenigen Statte Verachtung, Verfälschung und Verkümmerung seines Wortes zuläßt, wo es vornehmlich in seiner ganzen Reinheit unter seiner Verantwortung gelehrt werden sollte;
b. wider den Nächsten, weil er damit seiner ihm anvertrauten Heerde ein großes Aergerniß gibt, sei es zur Gleichgültigkeit gegen die Wahrheit, oder zur Verwirrung in derselben, oder zum völligen Abfall von derselben ;
c. .wider die eigene Kirche, weil er damit, obwohl berufener und beeidigter Diener derselben, doch deren Beruf und Auftrag mißachtet;
d. wider die fremde Kirche, deren Lehre er zuläßt, weil er damit ihrem Jrr-thum, statt ihn öffentlich zu verwerfen, öffentlich Berechtigung einräumt, und sie somit in ihrem Jrrthum bestärkt.
VI.
Es versündigt sich aber bei Duldung der Kanzelgemeinschaft auch jede lutherische Gemeinde
a. wider Gott, weil sie damit durch Anhören eines falschen Propheten Gottes Wort verachtet;
b. wider den Nächsten, weil sie damit sowohl den fremden Prediger in seinem Zrrthum hegt, als auch den eigenen;
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b. wider die eigne Kirche, weil sie damit ihrem Bekenntniß untreu wird, zu dessen Halten sie in der Taufe und Confirmation sich verpflichtet hat;
6. wider die fremde Kirche, deren Lehrer sie hört, weil sie damit öffentlich dem falschen Bekenntniß derselben zustimmt, statt öffentlich wider dasselbe zu zeugen.
VII.
Freilich fordert es die Liebe, die Vereinigung mit andersgläubigen Kirchen zu dem Einen Glauben anzustreben.
VIII.
Aber bei Uebung der Kanzelgemeinschaft wird schon Einigung gesetzt, ohne Abthun dessen, was die Einigung unmöglich macht: nämlich des Jrr-thums der Andersgläubigen.
IX.
Die Kanzelgemeinschaft ist darum so wenig ein Zeichen einer wahren, aus dem Jrrthum helfenden Liebe, daß sie vielmehr die Uebung derselben, in dem Bestreben, eine wahre Einigung getrennter Kirchen herbeizuführen, hindert.
X.
Es läßt sich sogar Nachweisen, daß Kanzelgemeinschaft noch anderen Lehrdifferenzen, als den bereits bestehenden, Thür und Thor öffne, und also die Kluft zwischen den getrennten Kirchen noch größer mache.
XI.
Indessen lassen sich allerdings Fälle denken, in welchen vorkommende Kanzelgemeinschaft auch von Gliedern der evang.-luth. Kirche vertheidigt werden mag; daß aber in solchen Fällen die Uebung der Kanzelgemeinschaft Statt finden soll, läßt sich gleichwohl nicht behaupten.
XII.
Dagegen kann es an einem lutherischen Prediher nicht tadelnswerth erscheinen, wenn er auf den Kanzeln andersgläubiger Kirchen das Evangelium verkündigt, wofern nur nicht die Umstande, unter welchen, und die Art, in welcher es geschieht, als strafbar sich erweisen.
Die die Besprechung einleitenden Bemerkungen lauteten dahin, daß die Ursache der Verabfassung vorliegender Thesen nicht etwa in einer Unklarheit oder tadelnswerthen Praxis in Betreff dieses Punktes innerhalb der Synode zu suchen sei: vielmehr soll damit ein Zeugniß abgelegt werden, welches wir als eine rechtgläubige lutherische Synode den anderen, sich lutherisch nennenden Synoden, sowie auch den unirten Kirchengemeinschaften gegenüber, schuldig sind. Auch haben wir hierbei Gelegenheit, einer bösen Zeitströmung auf den Grund zu schauen, das Gefährliche derselben um so besser zu erkennen und somit uns gegen den Einfluß derselben desto mehr zu verwahren, da ja auch wohl in dieser Beziehung Versuchungen an uns treten könnten. —
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Der Inhalt und Zusammenhang der Thesen ist kürzlich folgender: Die erste gibt die Definition der Kanzelgemeinschaft. In der zweiten, dritten und vierten wird gezeigt, daß Kanzelgemeinschaft wider die Schrift und die Symbole der Kirche und damit auch wider den Glauben und die Liebe streite. In der fünften und sechsten werden demgemäß im Einzelnen die Versündigungen angeführt, welcher sich bei Uebung der Kanzelgemeinschaft sowohl Prediger als Gemeinden schuldig machen. Die Thesen VII—X suchen dem zu begegnen, was zur Rechtfertigung der Kanzel - Gemeinschaft vorgebracht werden mag. Die zwei letzten suchen etliche Fälle anzugeben, in welchen die lutherische Kirche auch wohl die Kanzel-Gemeinschaft billigen könnte.
Thesis I.
Unter Kanzelgemeinschaft versteht man jetzt diejenige kirchliche Sitte, da Prediger verschiedener Confessionen einander ihre Kanzeln zur öffentlichen Verwaltung des Predigtamts überlassen.
Es iss selbstverständlich, daß „Kanzelgemeinschaft" hier nicht in einem, öfters gebrauchten, guten Verstand des Wortes, sondern so zu fassen ist, wie diese Bezeichnung in unseren Tagen von den Unirten, von unirtgesinnten lutherischen Gemeinschaften und besonders seit etlichen Jahren vom Qsnsral OouQeU verstanden wird. Es ist die Rede vom Austauschen der Kanzeln verschiedener Confessionen — eine kirchliche Unsitte, die sich gegenwärtig leider! durch die ganze amerikanische Christenheit zieht. Am schmachvollsten aber ist die Unsitte, wenn ein lutherischer Prediger seine Kanzel einem Secten-Prediger einräumt, obgleich er weiß, daß dieser aus Gewissensbedenken einem fremden Prediger die Kanzel versagt. Traurig und kläglich steht es, wenn ein lutherischer Prediger es sich wohl gar als eine große Ehre anrechnet, daß ein bei der Welt und bei lauen Christen angesehener Secten-Prediger seine Kanzel betritt und eine Rede hält. So ist es auch Unwissenheit und Unverstand, wenn lutherische Gemeinden es für unanständig oder gefährlich halten, einem Prediger fremder Confession, zumal wenn er einen großen Namen hat, die Kanzel zu verweigern. Auf die Frage: ob man denn einem Prediger, der sich lutherisch nenne, ohne Weiteres die öffentliche Verwaltung des Predigtamts überlassen dürfe? wurde geantwortet, daß es nicht auf den Titel, sondern vielmehr darauf ankomme, daß er ein rechtgläubiger luth. Prediger sei.
Thesis II.
Kanzelgemeinschaft ist wider die Schrift, welche n. das unverbrüchliche Festhalten an allen ihren Aussprüchen — bis
auf den Tütel — von den Gläubigen fordert.' Belegstellen aus
Gottes Wort: Joh. 8, 31. 32. Matth. 5, 18. 19. Gal. 1, 8. 9.
In der ersten Schriftsteller Joh. 8.: „so ihr bleiben werdet an meiner Rede, so seid ihr meine rechten Jünger und werdet die Wahrheit erkennen und
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die Wahrheit wird euch frei machen", redet Christus ganz gewaltig von dem unverbrüchlichen Festhalten an den Aussprüchen der heiligen Schrift und zwar in der Weise „unverbrüchlich", daß wir auf Grund ihrer Inspiration, Vollkommenheit und Deutlichkeit das Wort gelten lassen, wie es lautet (wie die lutherische Kirche bekennt) und nicht im Sinne der reformirten Kirche, die zwar auch ein unverbrüchliches Festhalten am Wort vorgibt, aber dennoch von demselben weicht, indem sie Wort und Geist von einander trennt, von „Geist" und „Buchstaben" der Schrift, als einander entgegengesetzt, redet. Das von Christo selbst gegebene deutliche Kennzxichen Seiner wahrhaftigen Jünger ist das Festhalten an Seinem Worte. Wer nicht bei Seiner „Rede" bleibt, ist nur ein Schein-Jünger, der die Wahrheit nicht erkennt und darum auch nicht zur Freiheit kommt. Ja, dieser Ausspruch Christi erklärt alle, die auch nur im Geringsten vom Worte abzugehen erlauben und also die „Weissagung" nicht „dem Glauben ähnlich" sein lassen, für Feinde der Kirche. Denn da das „so ihr bleibet" offenbar auf das treue, beständige Festhalten am Worte dringt: so ist auch klar, daß ein Abweichen vom Wort eine Verleugnung Christi selber ist. Es kann auch nicht geleugnet werden, daß die in der Ausübung der Kanzelgemeinschaft sich kundgebende, die göttliche Wahrheit gering schätzende Gesinnung im Pelagianismus wurzelt. Wer Gottes Wort als die alleinige seligmachende Leuchte erkannt hat, und durch dieses Licht seine natürliche Finsterniß vertreiben läßt — wer da weiß, daß sein Verstand ganz und gar verfinstert ist, und darum Gottes Wort in allen Dingen gelten läßt, wie es lautet — der hat keinen Respect vor einem Menschen, der seine Vernunft auch nur in Einem Punkt der heilsamen Lehre, sei er scheinbar noch so klein, Meister sein läßt. Wie kann der unverbrüchlich am Worte festhalten, bei JEsu Rede bleiben, der seine Meinungen geltend machen will und somit seine Klugheit dem Worte Gottes gleich stellt, ja, über dasselbe erhebt, geschähe es auch nur mit der Behauptung, daß auf den Unterschied der Lehre wenig oder gar nichts ankomme?
Bei Gelegenheit dieses Spruches wurde auch darauf aufmerksam gemacht, daß Christus mit dmen redete, die da gläubig geworden waren. Von diesen fordert Er das Festhalten an Seinem Wort. Man hört oft unge-förderte Christen sagen: „Der Prediger" (einer falschgläubigen Kirche) „ist ja auch gläubig; man muß nicht so fanatisch sein und ihn verachten; er hat den HErrn JEsum ja auch lieb." Aber: wenn er gläubig ist und JEsum lieb hat, warum verfälscht er denn Sein Wort? warum widerspricht er dem mit falscher Lehre, den er zu lieben vorgibt? Soll es denn umsonst sein, daß Christus denen, die an ihn glauben, sagt, sie seien dann Seine wahrhaftigen, treuen Jünger, so sie bleiben bei Seiner Rede? Wer leichtfertig und wissentlich von der reinen Lehre weicht, hört auf ein rechter Jünger Christi zu sein; er verliert die Freiheit, die aus der Wahrheit ist, und fällt zurück in die alte Gefangenschaft.
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Der andere Spruch: Matth. 6,18.19.: „Denn ich sage euch wahrlich: Bis daß Himmel und Erde zergehe, wird nicht zergehen der kleinste Buchstabe, noch ein Tüttel vom Gesetz, bis daß es alles geschehe. Wer nun Eins von diesen kleinsten Geboten auflöst, und lehret die Leute also, der wird der Kleinste heißen im Himmelreich; wer es aber thut und lehret, der wird groß heißen im Himmelreich", fordert das Festhalten an den Aussprüchen der heiligen Schrift, „bis auf den Tüttel". Denn der HErr will hier sagen: Muß Alles bleiben, was im Gesetz des Alten Testaments gesagt ist, wie vielmehr muß Alles bleiben, was das Evangelium lehrt: da durchaus und allein vom Evangelium die Seligkeit abhängt? Kein Tüttel (oder Jota) d. H. auch nicht ein Häkchen soll davon genommen oder dazu gethan werden.
Vergleiche hierzu 5 Mose 4, 2.: „Ihr sollt nichts dazu thun ... und sollt auch nichts davon thun ... (Cap. 12, 32. Spr. Sal. 30, 6.).
Es kann in der That kein gewaltigeres Zeugniß geben gegen diejenigen, die da sagen: in einer „Nebenlehre" vom Wort abzuweichen, habe keine Gefahr! Gott will nichts geändert haben: jedes Häkchen muß uns wichtig sein, weil an jedem Wort unsere Seligkeit liegt, und wer mit Bewußtsein abweicht, gibt seine Seligkeit weg: denn er wird dem Worte des großen Gottes ungehorsam. Wie ernstlich Gott das Festhalten bis auf den Tüttel — den Gehorsam gegen Sein Wort fordert, sehen wir an vielen Exempeln. Da Er beim Tempelbau befahl, einen güldenen Knauf zu machen, und nachgehends, eine Lampe anzuzünden, mußte es aufs Wort, dem Wort gemäß, geschehen; denn es handelte sich nicht um bloße äußerliche Dinge, sondern um den Gehorsam, den Er von Seinem Volk fordert. Thaten sie es nicht, so waren sie verdammte Menschen. So im Paradies! Gott sprach nicht: wenn du diese und jene große Sünde thust, sollst du sterben: sondern: du sollst nicht essen von dem Baum; — es handelte sich nicht etwa um die Frucht des Baumes, sondern um den Gehorsam gegen den Schöpfer, den HErrn aller Herren. Darum, wer auch nur ein Häkchen vom Wort abthut, wiederholt die Sünde Adams. — Weil Aarons Söhne fremdes Feuer brachten im Un-gehorsam gegen Gottes Wort, wurden sie getödtet.
Daß hier aber vom bewußten Abweichen von der Wahrheit die Rede ist, erhellt daraus, daß Christus spricht: „wer nun Eins von diesen kleinsten Geboten auflös't und lehrt die Leute also" rc. Das trifft demnach insonderheit die Irr lehr er, die da sagen, es schade nicht, wenn man in nichtfundamentalen Lehren seine eigne Meinung habe und predige. (Vergl. Offb. Joh. 22, 18. Apost. Gesch. 20,27. Matth. 28,20.)
Wie wir mit aller Genauigkeit bis auf den Tüttel an der heiligen Schrift festhalten sollen, lehrt St. Paulus Gal. 1,8. 9.: „Aber so auch wir, oder ein Engel vom Himmel euch würde Evangelium predigen, anders, denn das wir euch gepredigt haben, der sei verflucht. Wie wir jetzt gesagt haben, so sagen wir auch abermal: So Jemand euch Evangelium predigt, anders, denn das ihr empfangen habt, der sei verflucht." Diese Schriftstelle ist eben
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so gewaltig, wie Matth. 5,18.19., sie ist aber auch eine recht tröstliche Stelle für uns, die uns im Kampf gegen alle falsche Lehre und gegen jede Gemeinschaft mit derselben, ernmthigt, als in einem Kampf, den Christus haben will.
— Schwache Christen haben von falschen Propheten, besonders wenn sie wie Engel und im apostolischen Schein einherzugehen wissen, oft eine hohe Meinung: das darf uns aber nicht abhalten, vor ihnen zu warnen, als vor reißenden Wölfen. Paulus legt auf sich, ja, auf einen Engel, den Fluch, wenn er das Evangelium anders predigen würde. Darum sollen wir den Christen getrost sagen: seht doch den reformirten, methodistischen, baptisti-schen rc. Prediger an; wie fromm, heilig und voll Liebe er ist! Und doch ist er noch lange nicht wie St. Paulus, noch viel weniger wie ein Engel; und ob er es auch wäre, so träft ihn gleichwohl der Fluch, weil er Evangelium anders predigt. Diese Sprache behagt unserer weichlichen Zeit freilich nicht, aber es ist und bleibt dennoch des Heiligen Geistes Sprache, welche ihm nachzusprechen, wir uns durch 'nichts abhalten oder abschrecken lassen sollen.
— Der Apostel sagt nicht: so Jemand ein anderes Evangelium bringt; sondern: so Jemand Evangelium predigt, anders, denn das ihr empfangen habt: d. H. so Jemand das Evangelium durchAb- oder Zuthun verfälscht, der sei verflucht. Wenn z. E. Jemand von der heiligen Taufe nicht recht lehrt, so predigt er Evangelium anders. Denn auch von den Mitteln, dadurch Gottes Gnade uns angebotm, zugeeignet und versiegelt wird, müssen wir richtig belehrt werden, was nur in der lutherischen Kirche geschieht. Nur da wird ohne alles Dazu- und Davonthun dem armen Sünder gesagt, daß er nichts mehr zu thun habe, weil Alles vollbracht ist, sondern daß er im Glauben empfange und hinnchme, was ihm aus freier Gnade geschenkt wird, während ein Methodist sagt: du mußt erst fromm werden rc. Bei diesem seinem gesetzlichen Treiben verdammt der Methodist uns, weil wir lehren, daß allein der Glaube ans Wort gerecht mache; daß wir in der Taufe Gottes Kinder worden sind; daß, wer da glaubt und getauft wird, selig wird; daß wir im heiligen Abendmahl Vergebung der Sünden, Leben und Seligkeit empfangen; daß wir uns aufs Wort und die heiligen Sacramente verlassen sollen. Damit aber verdammt er das Evangelium selber. Der Unterschied zwischen der reinen Predigt des Evangeliums und dem „anders predigen" — besteht demnach nicht darin, daß die Einen „Vater Unser" und die ändern „Unser Vater" sagen; daß die Einen Hostien, die Anderen Brod beim heiligen Abendmahl austheilen: sondern darin, daß die lutherische Kirche das Evangelium rein — die Secten aber es anders predigen. Was macht daher einen rechten lutherischen Prediger? Nicht daß er an sich sonst gute Cere-monien einführe; sondern daß er das Gnaden-Evangelium so predige, wie es von Christo und Seinen Aposteln verkündigt worden ist, und also die Herzen zu solchem Tröste führe, der auch in der Stunde des Todes sich bewährt. Ohne diesen Trost ist alles andere, sei es auch noch so groß und herrlich, nur eine taube Nuß!
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Pauli großer Ernst in seiner Warnung vor denen, die „Evangelium anders predigen", hat seine große Ursache! Denken wir doch der Sache recht nach! Was hat denn der Satan im Sinn? Das vollgiltige Opfer Christi an den Menschen vergeblich zu machen — und die falschen Propheten helfen ihm, indem sie mit ihrer Lehre von eigenem Verdienst guter Werke Christi Opfer und Verdienst schmälern. So wird denn Christus um Seine Emte gebracht, und die Menschen werden um ihre Seligkeit betrogen. Ein unvorsichtiger Apotheker, der Gift statt Arznei verabreicht, fällt in die Hände des Gerichts — und doch hat er mit seinem Gift nur dem Leib geschadet: wie vielmehr trifft den Gottes Gericht und Fluch, der den theuer erkauften Seelen die lautere Milch des Evangeliums, die einzige Arznei wider der Sünden Noth und Tod vorenthält und sie dagegen mit falscher Lehre vergiftet! Wer dieses bedenkt, dem kann es nicht anstößig sein, daß reine Lehrer und alle rechtgläubigen Christen mit St. Paulo verfluchen alle Werkzeuge des Satans. Dieses Verfluchen ist ja auch keineswegs etwa der Ausdruck des Hasses, oder des gehässigen Richtens. Im Gegentheil bewegt sowohl die um die Ehre Gottes eifernde als auch die um das Wohl des Nächsten besorgte Liebe dazu. Auch ist dieses Verfluchen kein Richten über die Herzen, über Seel' und Seligkeit, sowenig damit gesagt ist, daß alle, die einer falschen Kirche angehören, verloren gehen. Denn durch Gottes besondere Gnade hören immer Etliche selbst aus der Predigt eines Jrrlehrers die Sprüche des heiligen Evangeliums zu ihrer Seligkeit heraus.
Vergleiche hierzu folgendes Zeugniß aus Luther, zu Gal. 5,9., aus welchem erhellt, wie wichtig es sei, daß man auch nicht ein Jota vom Wort abweiche. „,Ein wenig Sauerteig versauert den ganzen Teig/ Ist eine Warnung, die St. Paulus groß achtet, davon wir billig auch viel halten sollen, sonderlich zu unserer Zeit. Denn die Rotten, so da fürgeben, daß Christi Leib' und Blut im Abendmahl nicht gegenwärtig sind, verweisen und sprechen uns übel, daß wir zänkisch, hartsinnig und unfreundlich sein, und um eines einigen Artikels willen vom Sacrament die christliche Liebe und Einigkeit der Kirchen trennen; meinen derhalben, wir sollten den Artikel, daran so viel nicht gelegen, deß man auch nicht allerdings gewiß sei, sintemal die Apostel ihn nicht genugsam, als wohl von nöthen wäre, erkläret haben, so hoch und groß nicht achten, daß man um desselben willen beide, die ganze christliche Lehre und gemeine Einigkeit so vieler christlichen Gemeinden, darüber sollte zergehen lassen, sonderlich weil sie sonst in allen ändern Artikeln der christlichen Lehre, welche nöthiger sind und mehr daran gelegen ist, mit uns allerdings eins wären.
„Mit solchem ihrem Argument, das wahrlich einen Schein hat, und in des Pöbels Ohren wohl klingt, machen sie nicht allein, daß die, so ihnen anhangen, uns bitter feind werden; sondern bereden dadurch auch viele fromme Leute, daß sie uns ungewogen werden, und uns verdenken, als thäten wir es aus eitler Eigensinnigkeit, oder sonst aus einem sonderlichen Grolle, daß wirs
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mit ihnen nicht halten wollten .Aber es sind eitel behende Tücke und Argelist des Teufels, damit er nichts anders suchet, denn daß er nicht allein diesen Artikel, sondern die gattze christliche Lehre umkehren und zerstören möchte.
„Darum antworten wir auf solch ihr Fürgeben mit St. Paulo, und sagen: ,Ein wenig Sauerteig versauert den ganzen Teig/ Gleichwie in der Philosophie, wenn man im Anfang ein wenig fehlet, am Ende ein sehr großer und unmäßiger Jrrthum daraus wird: also gehet es in der Theologie auch zu, daß ein kleiner Jrrthum die ganze christliche Lehre verderben und fälschen soll. Darum soll man Lehre und Leben nur sehr von einander scheiden. Die Lehre ist nicht unser, sondern Gottes ist sie, der uns allein zu Knechten und Dienern darüber berufen hat: darum sollen noch.können wir den allergeringsten Titel oder Buchstaben davon nicht begeben oder Nachlassen. Das Leben aber ist unser; derohalben so viel dasselbige betrifft, können die Sacra-mentirer von uns nichts begehren, daß wir nicht gern wollen und sollen thun, leiden, verzeihen u. s. w., doch so ferne, daß an der Lehre und Glauben nichts begeben werde. Denn so sagen wir allewege mit St. Paulo: ,Ein wenig Sauerteig versäuert den ganzen Teig/
„Darum können wir im selben Stücke nicht um. ein Härlcin breit weichen. Denn es ist mit der Lehre so genau abgezirkelt und eigentlich abgemessen, daß man ohne großen und merklichen Schaden weder dazu thun, noch davon etwas nehmen kann; mit dem Leben aber ist es also, daß es wohl etwas auf sich nehmen, oder aber etwas nachgeben, thun oder leiden kann, wie es die Nothdurft erfordert.
„Wenn einem ein klein Stäublein in ein Auge fällt, kann er es nicht leiden, läßt es herausziehn, oder thut dem Auge Schaden. Daher pflegen wir Deutschen von der Augenarzenei zu sagen: Nichts ist in die Augen gut; und Christus sagt Matth. 6,22. Luc. 11,34.: ,Das Auge ist des Leibes Licht, wenn nun dein Auge einfältig sein wird, so ist dein ganzer Leib Licht' rc. und hernach D. 36.: ,Wenn nun dein Leib Licht ist, daß er keine Stücke von Finsterniß hat, so wird ergänz licht sein/ Mit welcher Allegorie oder Gleich-niß Christus anzeiget, daß das Auge, das ist, die Lehre kurzum ganz rein und lauter, Helle und licht sein soll, daß kein Stück der Finsterniß, auch nicht ein einiges Wölklein, daran vermerket werde rc. Auch hat St. Jacob in seiner Epistel ohne Zweifel nicht aus seinem Geist, sondern wie er es von den Aposteln gehöret, sehr hübsch und fein gesagt, 2,10.: Mer an Einem sündigt, der ist am Ganzen schuldig/ Darum soll die Lehre sein, gleichwie ein feiner ganz güldener Ring, daran kein Nißlein noch Bruch sei; denn sobald solcher Ring ein Rißlein oder Bruch gewinnt, ist er nicht mehr ganz. Was hilfts die Juden, daß sie gläuben, daß ein einiger Gott und Schöpfer aller Dinge sei, ja, daß sie alle Artikel gläuben und die ganze Schrift annehmen, so sie Christum verleugnen? Darum ist es, wie St. Jacob saget: ‘Wer an Einem sündiget, derselbe ist am Ganzen schuldig.’
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„Darum ist dieser Spruch fleißig zu merken wider ihr Argument, damit sie uns mit Unwahrheit auflegen, als zerrissen wir die Liebe und Einigkeit in der Christenheit zu großem Schaden und Nachtheil der heiligen Kirche. Wir sind wahrlich bereit und willig, Friede und Liebe ihnen zu erzeigen; doch so ferne sie uns die Lehre des Glaubens unverletzt und ungefälscht lassen. Wo wir solches bei ihnen nicht erhalten können, ist es vergebens, daß sie die christliche Liebe so hoch rühmen. Verflucht sei die Liebe in Abgrund der Höllen, so erhalten wird mit Schaden und Nachtheil der Lehre vom Glauben, der billig alles zumal weichen soll, es sei Liebe, Apostel, Engel vom Himmel, und was es sein mag rc.
„Darum geben sie damit, daß sie diese Sache so leicht und gering achten, genugsam zu verstehen, was sie von der Majestät und Herrlichkeit des göttlichen Worts halten rc. Wo sie ernstlich und von Herzen gläubten, daß es Gottes Wort wäre, würden sie damit nicht also leichtfertig scherzen und spielen, sondern es in höchsten Ehren halten, und ohne allen Zweifel und Disputation gläuben, was es ihnen sagt und fürhält: würden auch wissen, daß Ein Gottes Wort alle, und wiederum alle Gottes Worte EinS wären; würden wissen, daß alle Artikel unseres christlichen Glaubens Einer wären, und wiederum, daß Einer alle wäre, und wo man Einen fahren läßt, daß gewiß die ändern allesammt mit der Zeit einzelig hinnachfallen: dmn sie hangen alle aneinander, und gehören zusammen.
„Darum lassen wir es geschehen, daß sie die christliche Liebe so hoch rühmen, als sie immer mögen; wir rühmen dagegen von der Majestät und Herrlichkeit des Worts und Glaubens. Die Liebe kann man etwa Nachlassen, daß es ohne Schaden und Gefahr ist: das kann aber mit dem Wort und Glauben nicht geschehen. Die Liebe soll Alles leiden und Jedermann weichen; dagegen aber soll und kann der Glaube gar nichts leiden, und kurzum Niemand weichen. Die Liebe, so gern weicht, alles gläubt, zu gute hält, vergibt und leidet, wird oftmals betrogen; aber gleichwohl können ihr alle Trügereien keinen Schaden thun, der ein Schade heißen möchte, das ist, sie verleuret darum Christum nicht, wenn sie gleich betrogen wird; darum läßt sie sich nicht irre machen, führet immer fort, hilft und thut wohl Jedermann, auch gegen den Undankbaren, und die es nicht werth sind. Dagegen, wenn es in Sachen ist, so die Seligkeit belangen, und die Schwärmergeister ihre Lügen und Jrrthum unter dem Schein der Wahrheit lehren, und damit viel Leute betrügen und verführen, da muß man wahrlich keine Liebe erzeigen, ihren Jrrthum auch nicht billigen und recht sprechen: denn da verleuret man nicht eine Wohl-that, einem Undankbaren erzeiget; sondern das Wort, den Glauben, Christum selbst und das ewige Leben rc. verleuret man.
„Darum habe deß keinen Zweifel, wenn du Gott in Einem Artikel verleugnest, so hast du ihn gewißlich in allen verleugnet. Denn er läßt sich nicht stückweis zertheilen in viel Artikel, sondern ist ganz und gar in einem jeden, und in allen zumal Ein Gott.
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Darum wenn uns die Sacramentirer lange und viel beschuldigen, daß wir der Liebe nicht achten, als wir billig thun sollten, antworten wir ihnen mit diesem Spruch St. Pauli: ,Ein wenig Sauerteig versäuert den ganzen Teig'; item: mit der Ehre, Glauben und Augen ist böse scherzen."
(„Kirche und Amt." p. 129.)
Zu b. der zweiten These, daß die Schrift „jede Lehr- und Lern-gemeinschast mü solchen straft, die von den Aussprüchen der göttlichen Offenbarung weichen", wurden folgende Schriftstellen angeführt: Matth. 7,15. Matth. 16, 6. Röm. 16,17—19. 1 Tim. 6,3—5. Apostg.20,28—31.
Matth. 7,16. straft Christus die soeben genannte Gemeinschaft, indem Er nicht allein vor den falschen Propheten warnt, sondern auch ihre Gefährlichkeit aufdeckt: sie sind reißende Wölfe. Das sind sie, ob sie auch prangen mit selbsterwählter Heiligkeit und mit Gleißnerei in prächtigen Worten; ihr Schafspelz benimmt ihnen nichts von ihrer Gefährlichkeit. Hier steht also Leben und Seligkeit auf dem Spiel! Wer dafür hält, eine Gemeinschaft mit Jrrlehrern sei lieblich und schön anzusehen, geräth in Gefahr, mit Eva in die Netze des Satans verstrickt zu werden. Wie kann doch ein Prediger diesem Worte: „sehet euch vor, vor den falschen Propheten", entgehen, wenn er einen Falschgläubigen auf seine Kanzel treten läßt! Macht er doch dem reißenden Wolf die Thür auf! — Wie kann eine Gemeinde vor diesem Wort bestehen, wenn sie einen Jrrlehrer auf der Kanzel duldet — sei es auch nur ein einziges Mal, bei einer besonderen Gelegenheit? Heißt denn das sich hüten, wenn man (bewußt) die falschen Propheten hört und hören will? Wird denn auch ein Wanderer in unbekannter Gegend bei einem Schurken den Weg erfragen, von dem er doch weiß, daß er die Fremdlinge in die Räuberhöhlen führt? Und wäre er nicht, sich selbst Schaden zufügend, ein Erzbösewicht, wenn er trotz aller treuherzigen Warnungen einem solchen Schurken sich anvertrauen wollte? Darum, weil selbiger vielleicht auch dann und wann den rechten Weg auf eine gewisse Strecke zeigte? Toll und thöricht müßte er ja sein und um kein Haarbreit besser, als die Feinde, die ihn überreden wollten, den gefährlichen Weg einzuschlagen! So toll und thöricht handeln die Kanzelgemeinschaftler.
Ein Christ weiß, wie er durch eine verkehrte Vorstellung in große Angst und Noth gerathen, ja allen Trost verlieren kann, und ein falscher Prophet kann in einer Predigt wohl mehr Schaden thun, als eine falsche Vorstellung erzeugen. Ist es darum nicht schrecklich, wenn man sich damit zufrieden gibt, daß die Prediger anderer Confessionen ja christliche Prediger seien ? Versäuert ein wenig Sauerteig nicht den ganzen Teig? Sage daher doch ja nicht, es komme nicht so viel darauf an, wenn Jemand von der heiligen Taufe und vom heiligen Abendmahl anders, als das klare Wort Gottes, lehrt; ein solcher entwendet dir nicht Nebensachen, sondern Hauptstücke: das vierte und sechste Hauptstück deines Katechismus. — Also, wenn Einer zu dir kommt,
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und besonders wenn er sich für einen Lutheraner ausgibt; oder wenn dich etwa dein Beruf in eine fremde Kirche führt, dann horche auf das Bekenntniß und prüfe, damit du den Baum an seinen Früchten erkennen kannst. Wenn sich aber Jemand an (bei) seinem Sectennamen zu erkennen gibt, wer er sei, so bedarf es keines weiteren Prüfens, denn du siehst ja alsobald seine Wolfsklauen und reißenden Zähne. Denn er sagt es ja frei: „ich lehre anders, als ihr Lutheraner. Die Taufe ist nicht das Bad der Wiedergeburt; im Abendmahl ist nicht Christi Leib und Blut gegenwärtig; Christus ist nach seiner Menschheit nur im Himmel an einem gewissen Ort und nicht allgegenwärtig; Gott hat nicht alle Menschen also geliebt, daß Er Seinen Sohn für alle dahin gegeben hat." Dann gilt fliehen. Thust du es nicht, so schlägst du deine Seligkeit leichtfertig in die Schanze.
Bei Matthäus 16, 6. ist das von großer Wichtigkeit, daß Christus sich des Wortes „Sauerteig" bedient. Der Sauerteig an sich ist im Verhältniß zum Teig, damit er vermenget wird, eine Kleinigkeit und doch ist seine Wirkung so groß. — Aus dem Zusammenhänge Erhellt, daß der HErr hier nicht von groben Lästerern der Wahrheit redet; sondern von solchen, die zwar auch noch Gottes Wort predigen, aber ihre Irrlehren darunter mengen, wie ja die Schriftgelehrten auch Mosen predigten und die Propheten lasen, aber nicht rein und allein, sondern vermischt mit Menschensatzung und Tradition. Das sollen wir uns wohl merken, damit wir nicht in das Urtheil einstimmen, das jetzt von so vielen Seiten ausgesprochen wird, als müßten wir uns nur vor denen hüten, die gotteslästerlicher Weise die ganze'Heilslehre verwerfen, nicht aber vor denen, die z. Ex. in der Lehre von den Sacramenten und der Person Christi rc. andere Ansichten („Anschauungen") hätten, als wir. Das Wort bleibt stehn: „ein wenig Sauerteig versäuert den ganzen Teig", wie St. Paulus, der es von seinem Heiland gelernt hat, Gal. 5. schreibt. Die falsche Lehre, scheine sie anfänglich auch unbedeutend, hat die Art und Beschaffenheit des Sauerteigs: ganz unvermerkt, schleichend, aber doch ganz sicher, geht sie ihren Gang in der»Umwandlung der seligmachenden Lehre in Gift. — Bei Gelegenheit dieses Spruches (Matth. 16, 6.), wurde auch die Bemerkung gemacht, daß wir drei Richtungen darin angezeigt finden, wie sie sich heute noch zeigen. Dort sind genannt: Pharisäer und Sadduzäer mit ihrem Sauerteig,.und die Jünger, die, Christi Wort rein bewahrend, sich vor diesem Sauerteig hüteten. So finden wir heut zu Tage: das werkgerechte Pabstthum, den Spiritualismus (die Schwarmgeistern) der Reformirten und ihrer Geistesverwandten, und die Bekenntnißtreue der Jünger JEsu. —
Was der andere Theil dieser These lehrt, gründet sich ferner auf Röm. 16,17—19.: „Ich ermahne aber euch, lieben Brüder, daß ihr aufsehet auf die, die da Zertrennung und Aergerniß anrichten, neben der Lehre, die ihr gelernt habt, und weichet von denselbigen. Denn solche dienen nicht dem HErrn JEsu Christo, sondern ihrem Bauch, und durch süße Worte und prächtige
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Rede verführen sie die unschuldigen Herzen." Mögen'Jrrlehrer immerhin vorgeben, der Zweck ihres Kommens und Arbeitens sei, die Menschen, aus Liebe zu ihnen, zu bekehren: der Apostel urtheilt anders; sie dienen nur dem Bauch, d. i. sie suchen gute Tage 'und Ehre vor den Menschen, während sie mit ihrem Thun und Lehren unschuldige Herzen verführen. Das sollten die wohl beherzigen, die falsche Propheten so leichtfertig entschuldigen, aufnehmen und vertheidigen. — Wichtig ist es auch, daß St. Paulus hier sagt: „neben der Lehre, die ihr gelernt habt." „Sie bringen stets was neues her" und richten dadurch Spaltungen an. Wenn wir die Gemeinschaft mit Andersgläubigen abweisen, den Sectirern und Schwärmern die Bruderhand versagen, so wird uns die Schuld der Zertrennung zur Last gelegt, während sie doch mit ihren neuen Lehren die Trennung und Spaltung angerichtet haben. Es ist darum gottlos, den reinen Lehrern und Bekennern der Wahrheit zur Last zu legen, daß sie den Leib Christi zerrissen. Das heißt den Unschuldigen verdammen, davon Spr. 17,15. gesagt ist, daß es dem HErrn ein Greuel ist. Hier müssen wir darum auch abermal öffentlich bekennen, daß nicht Luther, sondern die Calvinisten die protestantische Kirche zerrissen haben und solche Zerreißung noch fortsetzen. Denn Luther ist, wie die lutherische Kirche, geblieben bei der Lehre — „die ihr gelernt habt"; die Zwinglianer aber und Calvinisten sind von dieser Lehre gewichen. Daher die Trennung! Wirst du bei Einem, der dich zu Gaste geladen hat, zu Tische sitzen bleiben, wenn du siehst, daß er Gift in die Schüssel thut? Wirst du nicht vielmehr vor solcher Gastfreundschaft dich fürchten? Wirst du mit ihm essen, aus Besorgniß, er möchte dich für einen Zänker halten, mit dem man auch nicht einmal ein friedlich Gastmahl halten könnte? Und wenn du von dannen gehst, ist die Schuld etwa dein, daß ihr nicht als Freunde mit einander gastiren könnt? Die Zwinglianer haben Gift geworfen in die Gefäße, daraus wir das Brod des Lebens essen und das lebendige Wasser trinken sollen: darum sitzen wir nicht mit ihnen zu Tische: d. H. darum haben wir keine Lehr- und Lerngemeinschaft mit ihnen. (Diese Schriftstelle zeugt 'auch gewaltig gegen die moderne Entwickelungstheorie. Die Lehre ist ein für allemal fertig; wir sollen halten ob dem Glauben, der einmal den Heiligen vorgegeben ist: „ihr habt die Lehre gelernt." Es kann nichts Neues entwickelt werden. Darum ist dies Wort des Apostels auch so trostreich und glaubensstärkend für die, die da bleiben bei der alten Wahrheit.).
Ein besonderer, ganz gewaltiger Nachdruck liegt auch in den Worten: „Weichet von ihnen." Wie traurig sieht es unter ändern in dieser Hinsicht auch in Deutschland aus! Große, gelehrte Leute — Lutheraner, treten in Gemeinschaft mit Falschgläubigen und wollen mit Hülfe solcher Conferenzen die Kirche Deutschlands aufbauen. —
Die vierte Belegstelle: 1 Tim. 6,3—6.: „So Jemand anders lehret und bleibet nicht bei den heilsamen Worten unsers HErrn JEsu Christi, und bet der Lehre von der Gottseligkeit; der ist verdüstert und weiß nichts, sondern ist
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seuchtig in Fragen und Wortkriegen, aus welchen entspringt Neid, Hader, Lästerung, böser Arsswohn, Schulgezänke solcher Menschen, die zerrüttete Sinne haben und der Wahrheit beraubt sind, die da meinen, Gottseligkeit sei ein Gewerbe. Thue dich von solchen." Wiederum ein klarer Befehl, die Gemeinschaft mit Falschgläubigen ernstlich zu meiden. Der Apostel warnt nicht allein vor den Ketzern, d.i. vor solchen Jrrlehrern, die trotzig und hartnäckig, trotz aller Lehre und Ermahnung an grundstürzender Irrlehre festhalten und sich selbst verurtheilt haben (Tit. 3.): sondern vor einem Jeden, der auch nur einen Buchstaben am Wort ändert. Darum ist es nur ein leeres Gerede, wenn der Oeneral Ovunoil uns sagt: „Ketzer lassen wir nicht auf unsere Kanzeln; die Reformirten und Unirten sind keine Ketzer." Es steht nirgend geschrieben: „Thut euch nur von den Ketzern", — sondern Gott sagt: so jemand and ers lehrt.., von dem thue dich (er sei ketzerisch oder heterodox).
Apost. Gesch. 20,28—31.: „So habt nun Acht auf euch selbst und auf die ganze Heerde, unter welche euch der Heilige Geist gesetzt hat zu Bischöfen, zu weiden die Gemeinde Gottes, welche er durch sein eigen Blut erworben hat. Denn das weiß ich, daß nach meinem Abschied werden unter euch kommen greuliche Wölfe, die der Heerde nicht verschonen werden. Auch aus euch selbst werden aufstehen Männer, die da verkehrte Lehren reden, die Jünger an sich zu ziehen." Diese Worte des Apostels umfassen beide Theile der zweiten These: nämlich sowohl, daß wir an den Aussprüchen der heiligen Schrift festhalten, als auch jede Lehr- und Lerngemeinschaft mit ändern Confessionen meiden sollen. — Was hier gesagt ist, gilt insonderheit den öffentlichen Lehrern und Predigern. Wenn sie nun „Männer, die da verkehrte Lehren reden", auf ihre Kanzel lassen, sie wohl gar noch dazu einladen, so beweist dieser ihr Ungehorsam gegen dieses Wort, daß sie keine Wächter, sondern schlafende, stumme Hunde, faule Bäuche sind. Hierher gehört auch Tit. 3, 10.11.: „Einen ketzerischen Menschen meide, wenn er einmal und abermal ermahnt ist, und wisse, daß ein solcher verkehrt ist und sündigt, als der sich selbst verurtheilt hat." — Luther ermahnte daher u. a. den Dr. Georg Major, als dieser 1545 auf das Regeirsburger Colloquium abreisen sollte: „Wer seine Lehre, Glauben und Bekenntniß für wahr, recht und gewiß hält, der kann mit ändern, so falsche Lehre führen, oder derselben zugethan sind, nicht in Einem Stalle stehen, noch immerdar gute Worte dem Teufel und seinen Schuppen geben. Ein Lehrer, der zu den Jrrthümern stille schweigt, und will gleichwohl ein rechter Lehrer sein, der ist ärger, denn ein öffentlicher Schwärmer, und thut mit seiner Heuchelei größern Schaden, denn ein Ketzer, und ist ihm nicht zu vertrauen; er ist ein Wolf und ein Fuchs, ein Mischling und ein Bauchdiener rc. und darf Lehre, Wort, Glauben, Sacrament, Kirchen und Schulen verachten und übergeben; er liegt entweder mit den Feinden heimlich unter Einer Decke, oder ist ein Zweifler und Windfaher, und
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will sehen, wo es hinaus wolle, ob Christus oder der Teufel obsiegen werde, oder ist ganz und gar bei sich selbst ungewiß, und nicht würdig, daß er ein Schüler, will geschweige« ein Lehrer heißen solle, und will niemand erzürnen, noch Christo sein Wort reden, noch dem Teufel und der Welt wehe thun." (Gespräch mit vr. Georg Major. XVII. 1477.)
Man vergleiche ferner folgendes theologische Bedenken der wittenber-gischen Facultät vom Jahr 1660: Ob ein Prediger der Unsrigen dürfe mit ansehen rc. Als nämlich i. 1. 1650 die Reformirten nur das Simultaneum begehrten, erklärte die theologische Facultät zu Wittenberg, u. a.: „Soll man einen falschen Lehrer nicht in sein Haus nehmen, viel weniger wird man ihm die Kirche, als welche Gottes Haus und viel heiliger, denn ein ander Wohnhaus ist, einräumen können; soll man ihn nicht, auch nur grüßen, sondern sich seiner Gemeinschaft so viel möglich entschlagen, damit man sich seiner bösen Werke nicht theilhaftig mache, wie kann man sich dann mit ihm gar in Eine Kirche, an Einen Predigtstuhl und Altar zusammen spannen lassen? Und das hat Johannes mit seinem eigenen Exempel bekräftigt, als er mit dem Erzketzer Cerinth in einer Badstube nicht bleiben wollen; was würde er wohl gethan haben, wenn er ihn hätte sollen in der Kirche auf seiner Canzel sehen? Gleichwie Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit, Licht und Finsterniß, Christus und der Teufel nimmermehr beisammen stehen, also wird viel weniger . . ein rechter Lehrer mit einem Heterodoxo, ein Prediger der Gerechtigkeit mit einem Verkehrer des Wortes der Gerechtigkeit in,Einer Kirche und auf Einer Canzel statt haben können! Der Tempel Gottes hat keine Gleiche mit den Götzen, keine Gemeinschaft; falsche Lehre aber ist nach dem Urtheil des Heiligen Geistes eine Abgötterei.. So ermahnt der Heilige Geist hin und wieder, man soll Acht haben, daß nicht falsche Lehrer einschleichen, Act. 20, 28. 29. .. Wie kann man denn nun dem Calvinischen Wolf gar Thür und Thor zum Schafstall aufsperren und freie Hausung darin versteckten?.. Es können auch die Einfältigen gar leichtlich durch falsche Lehre verführt werden, durch süße und prächtige Rede Röm. 16,18., maßen dieselbigen, sonderlich die Calvinisten sich befleißigen, welche lutherische Zungen führen, und calvinische Greuel verbergen... In der Königlichen Stadt Danzig sollte ein Calvi-nischer Prediger durch der Obrigkeit Edict auf die lutherische Canzel nebst einem Lutheraner gelassen werden. Dieser ermahnet die Gemeine, zu beten, mit einem beweglichen Sermon, und fiel mit ihr nieder auf seine Kniee. Sie beteten und schrieen zu Gott. Was geschah? Da der Calvinist sollte die erste Predigt thun, schlug ihn Gott, daß er die Nacht zuvor plötzlich starb, und die Kirche, da man Gottes Gericht sah, gänzlich dem lutherischen Exercitio gelassen ward. Das Gebet des Gerechten (vielmehr einer ganzen Gemeine) vermag viel, wenn es ernstlich ist, sagt St. Jak. 5,16." (Wittenb. Consilia I, 493. ff.)
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Thesis III.
Die Kanzelgemeinschaft ist darum auch wider die Symbole der evangelisch-lutherischen Kirche, und wider die Verpflichtung auf dieselben, da diese, selbst lautere Zeugen der Schrift, auch gemäß der Schrift fordern, und fordern müssen a. lautere Bezeugung ihrer symbolischen Lehren nach dem Maaß der Symbole, und eben darum auch d. Verwerfung und Abweisung jedes Gegensatzes gegen dieses Maaß.
Die Symbole zeigen selber an, wie sie verstanden sein wollen. „Nach dieser Anleitung", (heißt es in der Vorrede zur Concordien-Formel, Lxiwnio) „wie oben vermeldet, sollen alle Lehrer angestellt, und was derselben zuwider, als unseres Glaubens einhelliger Erklärung entgegen, verworfen und verdammt werden." Desgleichen in der Einleitung zur „8o1i<1a voelarntio": „ . .. was bisher von der Summa unserer christlichen Lehre gesagt, wird allein dahin gemeint, daß man habe eine einhellige, gewisse, allgemeine Form der Lehre, dazu sich unsere evangelischen Kirchen sämmtlich und insgemein bekennen, aus und nach welcher, weil sie aus Gottes Wort genommen, alle anderen Schriften, wie fern sie zu probiren und anzunehmen, geurtheilt und regulirt sollen werden." Ferner sagt die Apologie (Art. IV.) zum achten Artikel der A. C.: man soll falsche Lehrer nicht annehmen oder hören, denn dieselbigen sind nicht mehr an Christus Statt, sondern sind Widerchristi. — Von nicht geringer Bedeutung ist es, daß die Bekenner der Wahrheit Lntheri wohl überlegte und ernste Worte, die er kurz vor seinen: Tode in seinem letzten Bekenntniß ausgesprochen, in die Concordienformel ausgenommen haben, da er von denen, die falsche Lehre vom Abendmahl führen, also spricht: „Ich rechne sie alle in einen Kuchen, das ist, für Sacramentirer und Schwärmer, wie sie auch sind, die nicht glauben wollen, daß des HErrn Brod im Abendmahl sei sein rechter natürlicher Leib, welchen der Gottlose, oder Judas, ebensowohl mündlich empfängt, als St. Petrus und alle Heiligen: wer das (sage ich) nicht glauben will, der lasse mich nur zufrieden, und hoffe bei mir nur keiner Gemeinschaft, da wird nichts anders aus." Vergleiche hiermit auch den 10. Artikel der Concordienformel (8o1. Vsol.): „Von Kirchengebräuchen, so man adiaphora, oder Mitteldinge nennt", woselbst unsere Kirche ebenfalls bezeugt, daß eine brüderliche Gemeinschaft erst dann hergestellt werden könne, wenn wahre Einigkeit in der reinen Lehre und im rechten Bekenntniß hergestellt sei. Und die dieses wissen, ja, auf die Symbole geschworen haben, und doch dawider handeln, sind meineidig geworden: — sie haben Gott und Menschen belogen.
Dr. Luther sagt in der „Warnungsschrift an die zu Frankfurt am Main, sich vor Zwinglischer Lehre zu hüten" (1530.): „Wer seinen Seelsorger öffentlich weiß, daß er zwinglisch lehret, den soll er meiden, und ehe sein
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Lebenlang des Sacraments entbehren, ehe ers von ihm empfangen sollt, ja auch ehe darüber sterben, und alles leiden. Ist aber sein Seelsorger der Zwei--züngigen einer, der mit dem Maul vorgibt, es sei im Sacrament der Leib und Blut Christi gegenwärtig und wahrhaftig, und doch verdächtig ist, daß er im Sacke verkaufe und anders meine, weder die Worte lauten: so gehe oder sende frei zu ihm und laß dir deutlich heraus sagen, was das sei..... was Hand und Mund hie fasset. Jsts ein redlicher Schwärmer, der aufrichtig mit dir handeln will, der wird dir also sagen, er reiche dir eitel Brod und Wein, dabei du sollt denken und glauben den Leib und Blut Christi. Jsts aber der Gaukler einer, die unter dem Hütlein spielen, so wird er mum, mum sagen und den Brei im Manl umher werfen, und also geifen: Ei, es ist genug, daß du glaubest den Leib, den Christus meinet. Das heißt dann fein geantwortet, und Urkund geben der Hoffnung, so in uns ist, wie St. Paulus lehrt (1 Petri 3,17.)" rc.
In der Auslegung der Genesis (5 Mos. Cap. 7.) erzählt Luther vom Ausgang des Marburger Gespräches: „Brüderschaft aber haben sie von uns begehrt, die haben wir ihnen auf diesmal abgeschlagen und nicht Zusagen können. Denn, wenn wir sie für Brüder und Schwestern annehmen, so müßten wir verwilligen in ihre Lehre; wiewohl man dieses Abschlagen nicht gerne gesehen, und fürgab, man sollte die Liebe gegen ihnen erzeigen, bis sie Gott auch wieder herzubrächte, denn wir auch unsere Feinde lieben sollten. Nu, wer es übel auslegen will, der mags thun; wer auch mehr ausrichten kann, der richte es aus." —
Phil. Jak. Spener, der doch für einen der mildesten Theologen gilt, und selbst von Methodisten und Baptisten hoch gehalten wird, warnt allen Ernstes vor der Abendmahls- und Kanzelgemeinschaft in folgenden Worten: „Was die äußerliche Brüderschaft anlangt, welche sich gründet auf die Gemeinschaft des Glaubens, den man glaubet, oder die Religion, sind alle Lutheraner meine Brüder: da sie sich M einem Glauben bekennen und halten; aber kein Reformirter, so lang er solcher bleibt, ist mein Bruder, denn er bekennt sich zu einer ändern und zwar einer solchen Religion, bei der ich gefährliche Irrthümer glaube zu erkennen." („Letzte Theolog. Bedenken" Thetl I x. 605 sau. 1695^.) „Nachdem aus Gottes Verhängniß wegen eingeschlichener falscher Lehre die Christenheit in mehr Theile getrennt worden, kann ich keine andre Brüder nennen, als die sich zu der lutherischen Kirche bekennen." („Uebereinstimmung mit der Augsburger Confession", p. 226.)
Zu d. der dritten These wurden noch zwei Stellen aus dem Vorwort zumConcordienbuche verlesen, darin angegeben wird, wie weit die symbolischen Bücher verbindlich sind. Daselbst heißt es u. A. nämlich: „ ... Und dieweil unser Gemüth und Meinung, wie oben gemeldet, allezeit dahin gerichtet gewesen, daß in unfern Landen, Gebieten, Schulen und Kirchen keine andere Lehre, denn allein die, so in der heiligen göttlichen Schrift gegründet, und der Augsburgischen Confession und Apologie in ihrem rechten Verstände
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einverleibt, geführt und getrieben, und dabei nichts, so derselben entgegen, einreißen möchte, verstattet würde, dahin denn diese jetzige Vergleichung auch gestellt, gemeint und ins Werk gerichtet: so wollen wir hier abermals öffentlich vor Gott und allermänniglich bezeugt haben, daß wir mit vielgedachter jetziger Erklärung" rc. rc. Und ferner: „Denn wir, abermals schließlich und endlich zu wiederholen, durch dieses Concordien-Werk nichts neues zu machen, noch von der einmal von unfern gottseligen Vorfahren und uns erkannten und bekannten Wahrheit.... gar nicht, weder in Rkdrm noch klirssibus abzuweichen ... entschlossen und gemeint sind." — Ganz dasselbe will auch St. Paulus, wenn er 1 Cor. 1,10. alle Gläubigen ermahnt, daß sie allzumal einerlei Rede führen sollen.
Wie treu und gewissenhaft die alten rechtgläubigen Lehrer in der Verwerfung und Abweisung jedes Gegensatzes gegen das Maaß der Symbole sich erwiesen haben, kann an mehrfachen Exempeln gezeigt werden.
Jo H. Arndt, Verfasser der sechs Bücher vom wahren Christenthum, ein selbst von Methodisten hochgeschätzter Theologe, dem selbst die Feinde der luth. Kirche das Zeugniß gehen, daß er ein gläubiger, gottseliger Christ war, ließ sich, als der Fürst von Anhalt (ums Jahr 1590) den Exorcismus bei der Taufe verbieten wollte, lieber von seiner Gemeinde in Paderborn verjagen und aus dem Lande verweisen, als auch nur in diesem Stück den Refor-mirten zu weichen, weil er sonst, wenigstens dem Schein nach, die falsche Lehre der Reformirten, daß Christenkinder, weil von christlichen Eltern gezeugt und geboren, heilig seien, gebilligt hätte.—Paul Gerhard, den sogar die Secten um seiner geistreichen und köstlichen Lieder willen bewundern und der wegen der besonderen Kraft und Anmuthigkeit seiner Lieder die protestantische Nachtigall heißt, sollte laut Befehl des Churfürsten von Brandenburg nur die Reformirten nicht nennen, wenn er in seinen Predigten ihre falsche Lehre widerlegte. Aber er ließ sich (1661) lieber verbannen, als Menschen zu Liebe dem Bekenntniß etwas zu vergeben. War das etwa auch nur Halsstarrigkeit bei „todtem Buchstabenglauben", daß er um des lutherischen Zeugnisses und Bekenntnisses willen den Wanderstab ergriff? Fürwahr, das Festhalten an dem Bekenntniß reiner Lehre ist keine Zanksucht oder sogenannte todte Orthodoxie! Und Fresenius hatte Recht, da er sagte: „wenn man den Reformirten die Kirchen einräumt, so werden sie auch bald im Stadtrath sitzen." Reicht man den Religionsmengern erst nur den kleinen Finger, so werden sie sich bald der ganzen Hq/rd bemächtigen. „Der Zweck heiligt das Mittel" ist der von den Papisten gehegte und gepflegte jesuitische Grundsatz. Während wir diesen von Grund des Herzens verabscheuen, sehen wir die Secten denselben aüsüben. Sie meinen, sie könnten der Kirche zum Frieden verhelfen, und bedienen sich dazu eines gar schlechten Mittels: der Verleugnung der Wahrheit. —
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Thesis IV.
Gerade tn dieser Bezeugung einerseits, und in dieser Abweisung andererseits, welche offenbar auch die Versagung der Kanzel fordert, besteht hauptsächlich auch die Erweisung der wahren brüderlichen Liebe, welche aus dem Glauben an das seligmachende Evangelium hervorquillt.
Gott spricht 3 Mos. 19,17.: „Du sollst deinen Nächsten nicht hassen in deinem Herzen; sondern du sollst deinen Nächsten strafen, auf daß du nicht seinethalben Schuld tragen müssest." Die Strafe ist demnach an dem Irrenden die höchste Liebeserweisung. Wie wenig wird dieses erkannt! Wenn wir die Prediger anderer Confessionen strafen, indem wir ihnen Grund und Ursache anzeigen, weshalb wir keine Kanzelgemeinschaft mit ihnen eiugehen können, so schreien sie: seht da die lieblosen, rechthaberischen und zanksüchtigen Altlutheraner; mit denen kann man keinen Frieden schließen! Und doch ist diese Strafe nichts anders, als die Beweisnng der rechten Liebe, die den wahren Frieden liebt und sucht! Ist die Bemühung, einen verirrten Blinden vom gefährlichen Weg auf den rechten zu bringen, etwa ein Zeichen der Lieblosigkeit oder Rechthaberei? Und was müßte das für ein Mensch sein, der die Mühe, das Warnen, Rufen, Drohen eines Freundes noch schelten und dabei in thörichtem Selbstvertrauen seinem Unglück entgegen gehen wollte? Wie es nun schrecklich lieblos wäre, wenn man einen Blinden nicht den rechten Weg führen — ihm sein bevorstehendes Unglück nicht anzeigen wollte, so ist der in der That ein liebloser Mensch, der dem Jrrthum Vorschub leistet, den Irrlehren freien Lauf gestattet haben will. — Nur große Thoren werden sagen, es sei lieblos, wenn Eltern ihre Kinder strafen, auch mit der Ruthe, wenn es sein muß; und das dagegen sei Liebe, wenn sie ihnen allen Willen ließen! Wie solche Thoren große Schuld tragen an dem Verderben der Jugend, so tragen nicht minder andere Thoren große Schuld an der Zerrüttung in der Christenheit, indem sie Lauheit und Leichtsinn Liebe nennen. Dürfen wir uns aber an ihr Geschrei kehren? So wenig ein geschickter, ums Wohl seiner Patienten aufrichtig bekümmerter Arzt sich an den Unwillen der Umstehenden kehren wird, wenn er, um den Schaden zu heilen, das Messer anlegt. Lassen wir die falsche Lehre und ihre Vertheidiger ungestraft, so sind auch wir Schuld an all dem Jammer und Unheil, das aus falscher Lehre entspringt. Darum sollen wir He strafen, auf daß wir nicht ihrethalben Schuld tragen müssen. — Hierher gehört auch, was St. Jacobus sagt (Cap. 5,19.20.): „Lieben Brüder, so jemand unter euch irren würde von der Wahrheit und jemand bekehrte ihn, der soll wissen, daß, wer den Sünder bekehrt hat von dem Jrrthum seines Weges, der hat einer Seele vom Tode geholfen und wird bedecken die Menge der Sünden."
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Thesis V.
Es versündigt sich demnach bei Pflege der Kanzelgemeinschaft ein evangel.-luth. Prediger
a. wider Gott, weil er damit eben an derjenigen Stätte Verachtung, Verfälschung und Verkümmerung seines Wortes zuläßt, wo es vornehmlich in seiner ganzen Reinheit unter seiner Verantwortung gelehrt werden sollte. Hesek. 3,17. 2 Cor. 4,1.2. (2 Tim. 2,15.)
Hesek. 3,17. r „Du Menschenkind, ich habe dich zum Wächter gesetzt über das Haus Israel; du sollst aus meinem Munde das Wort hören, und sie von meinetwegen warnen."
Ein evang.-luth. Prediger ist ein Wächter; und wie er selbst die Lehre rein bewahren soll, so soll er auch also über die Seelen wachen, daß ihnen nicht Gift statt Milch gereicht werde, folglich auch kein Prediger, der in falscher Lehre steckt, auf seine Kanzel trete. In seiner Berufung ist ihm die Kanzel anvertraut und insofern gehört sie ihm. Darum muß er auch von Allem, das auf derselben geredet wird, Rechenschaft geben. Und wäre die Gemeinde so beschaffen, daß sie aus Feindschaft gegen solche Entschiedenheit und Standhaftigkeit im reinen Bekenntniß den Prediger verjagte, so hätte er doch seine Seele errettet. Luther schreibt an Nie. Hausmann (1531) in Betreff eines zu Zwickau ungerechter Weise abgesetzten Predigers (Erlanger Ausg. Dom. 54. S. 218 f. Walch, XXI. 356.): „Wollen die zu Zwickau, oder auch ihr selber, meine lieben Herren und Freund, euren Bruder nicht nähren, das mocht ihr wohl lassen. Christus ist etwas reicher, denn die Welt, ob er sich wohl arm stellt. Es heißt esurlentös imxlsdit (die Hungrigen füllet Er mit Gütern)."
2 Cor. 4,1. 2.: „Dieweil wir ein solch Amt haben, nachdem uns Barmherzigkeit widerfahren ist, so werden wir nicht müde; sondern meiden auch heimliche Schande, und gehen nicht mit Schalkheit um, fälschen auch nicht Gottes Wort, sondern mit Offenbarung der Wahrheit und beweisen uns wohl gegen aller Menschen Gewissen vor Gott." Hier haben wir an Paulo und seinen Mitarbeitern ein Exempel treuer Verwaltung des heiligen Predigtamts. Dies Exempel gilt allen. Wie wollen es doch die verantworten, die einen solchen in ihre Gemeinschaft aufnehmen, von dem sie wissen, daß er Gottes Wort verfälscht? „Befleißige dich Gott zu erzeigen einen rechtschaffenen und unsträflichen Arbeiter, der da recht theile das Wort der Wahrheit." 2 Tim. 2,15.
b. wider den Nächsten, weil er damit seiner ihm anvertrauten Heerde ein großes Aergerniß gibt, sei es zur Gleichgültigkeit gegen die Wahrheit, oder zur Verwirrung in derselben, oder zum völligen Abfall von derselben. —
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In dreierlei verkehrte, Verderben bringende Verhältnisse zur Wahrheit kann ein untreuer Prediger der luth. Kirche seine Zuhörer bringen. Das erste ist die Gleichgültigkeit, da die Zuhörer, in Folge der Kanzelgemeinschaft mit Falschgläubigen, die reine, heilige Wahrheit gering schätzen lernen, und somit auf den Unterschied der wahren und falschen Lehre kein Gewicht mehr legen. Das andere ist die Verwirrung, da sie entweder immer tiefer in Unklarheit gerathen müssen, ob ihr oder der andere Prediger die reine Lehre verkündige, — oder aber die Artikel der christlichen Glaubenslehre unter einander vermengen, und also statt in der Erkenntniß gefördert, nur immer verwirrter werden. Nur in der reinen luth. Predigt hangen alle Glaubenslehren ohne Vermischung derselben aneinander. Die reine luth. Predigt handele z. E. von der Erwerbung der Seligkeit, oder von der Zueignung derselben von Seiten des Heiligen Geistes durch die Gnadenmittel, so führt sie doch zu ein und demselben, gewissen, seligen Ziel. Sie läßt den Zuhörer nicht auf halbem Wege stehen: „wenn du im Glauben bleibst, so wirst du selig", — daß er dann, sich selbst überlassen, ängstlich sorgen muß: kann und werde ich elender Sünder denn auch im Glauben bleiben? — sondern sie stellt ihn auf das gewisse, wahrhaftige Wort, und auf die Unterpfänder der gewissen Gnade: Taufe und Abendmahl. — Das dritte ist: völliger Abfall von der Wahrheit. — „Lasset uns aber Niemand ein Aergerniß geben, auf daß unser Amt nicht verlästert werde'^sondern in allen Dingen lasset nns beweisen als die Diener Gottes, in dem Wort der Wahrheit, in der Kraft Gottes, durch Waffen der Gerechtigkeit, zur Rechten und zur Linken." 2 Cor. 6, 3. u. 7.
e. wider die eigene Kirche, weil er damit, obwohl berufener und beeidigter Diener derselben, doch deren Beruf und Auftrag mißachtet.
Damit kann sich keiner rechtfertigen, daß die Gemeinde die Kanzelgemeinschaft etwa duldet oder gar wünscht: denn ein evang.-luth. Prediger ist berufen, nicht allein die Wahrheit zu predigen, sondern auch zu wachen, daß kein falschgläubiger Prediger die ihm anvertraute Kanzel betrete. Die wahre, unsichtbare Kirche hat ihn durch den Mund der sichtbaren wahren Kirche berufen, nicht Menschenlehre, sondern Gottes Wort zu verkündigen. Auf seinen Beruf sähe Luther, nicht auf den Willen des Pabstes und der Papisten. Auf seinen Beruf zum Predigtamt (die Schrift zu lehren) berief und stützte er sich; sonst hätte er nimmermehr lutherisch gepredigt. — 1 Cor. 4,1. 2.: „Dafür halte uns Jedermann, nämlich für Christus Diener und Haushalter über Gottes Geheimnisse. Nun sucht man nicht mehr an den Haushaltern, denn daß sie treu erfunden werden." —2 Tim. 3,14.: „Du aber bleibe in dem, das du gelernt hast, und dir vertrauet ist." 2 Tim. 1,13.: „Halte an dem Vorbild der heilsamen Worte, die du von mir gehöret hast, vom Glauben und von der Liebe in Christo JEsu."
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d. wider die fremde Kirche, deren Lehre er zuläßt, weil er damit ihrem Jrrthum, statt ihn öffentlich zu verwerfen, öffentlich Berechtigung einräumt, und sie somit in ihrem Jrrthum bestärkt.
Da doch wohl anzunehmen, daß viele lutherische Prediger im Gewissen überzeugt sind von dem mjt der Uebung der Kanzelgemeinschaft begangenen Unrechte, aber aus Menschenfurcht und -Gefälligkeit das nöthige Zeugniß dagegen nicht ablegen, dadurch sie aufhören, Christi Knechte zu sein: so sei hier auf St. Pauli Ausspruch verwiesen: „Predige ich denn jetzt Menschen, oder Gott zum Dienst? Oder gedenke ich Menschen gefällig zu sein? Wenn ich den Menschen noch gefällig wäre, so wäre ich Christi Knecht nicht." Gal. 1,10. Der Apostel hat denen, die anders lehrten, so wenig Berechtigung eingeräumt, daß er sie freche, unnütze Schwätzer nennt, die ganze Häuser verkehren, denen Titus, als Widersprechern der Wahrheit, das Maul stopfen sollte. Tit. 1,9—11. Ja, von allen Dienern der Kirche fordert er, daß sie mächtig seien zu strafen die Widersprecher, nicht, ihnen mit ihren Jrr-thümern Berechtigung einzuräumen. Welch' greuliche Versündigung auch gegen die falsche Kirche ist es daher, wenn ein lutherischer Prediger den Jrrthum nicht allein nicht öffentlich verwirft; sondern bei Pflege der Kanzelgemeinschaft demselben vielmehr zustimmt! 'Will sich der Ooneral Oounoil damit entschuldigen, daß dergleichen Jrrlehrer, wie sie Tit. 1,9—11. genannt sind, nicht zur Gemeinschaft zugelassen werden, so müssen wir nochmals zu bedenken geben, daß ein wenig Sauerteig den ganzen Teig ver-säuert.
Thesis VI.
Es versündigt sich aber bei Duldung der Kanzelgemeinschaft auch jede lutherische Gemeinde
a. wider Gott, weil sie damit durch Anhören eines falschen Propheten
Gottes Wort verachtet.
Joh. 10, 27. u. 6.. „Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir." „Einem Fremden aber folgen sie nicht nach, sondern fliehen von ihm; denn sie kennen der Fremden Stimme nicht." Matth. 17,5.: „Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe, den sollt ihr hören." . Matth. 7, 15.: „Sehet euch vor, vor den falschen Propheten." Ueberhaupt gehören hierher alle Sprüche der heiligen Schrift, die die christliche Gemeinde zur Hausfrau machen, derer Diener die Diener am Worte sind. — Im Pabftthum freilich ists umgekehrt; da hat die Gemeinde nichts zu thun, als dem zu gehorchen, was der Priester sagt. Das Prüfen der Lehre ist, dem klaren Gotteswort zuwider, verboten.
Die Duldung der Kanzelgemeinschast von Seiten der Gemeinde ist keineswegs gleichgültig. Werden Zuhörer von falscher Lehre verführt, so dürfen sie nicht denken, sie seien ohne Schuld. Sie werden sich dereinst damit
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nicht retten, daß sie sagen: der und der hat uns so gelehrt. Freilich droht Gott dem Wächter: so du den Gottlosen nicht warnst, so will ich sein Blut von deiner Hand fordern; aber damit spricht er den Ungestraften keineswegs vom ewigen Unglück frei, sondern ^ sagt in derselben Drohung vom Gottlosen: er wird um seiner Sünde willen sterben. Sich auf den Pastor verlassen, heißt: Fleisch für seinen Arm halten und den Fluch auf sich laden. Jerem. 17,6. Die Gemeinde hat von Gott Befehl und Beruf empfangen, darauf zu sehen, daß die Lehre lauter und rein in ihrer Mitte verkündigt werde, wie z. E. Paulus an die Eoloffer (Cap. 4,16.17.) schreibt: „sagt dem Archippa: siehe auf das Amt, das du empfangen hast in dem HErrn, daß du dasselbige ausrichtest." Desgleichen an die Corinther (1 Cor. 10,15.): „Als mit den Klugen rede ich, richtet ihr, was ich sage." Zuhörer sind Schafe, aber nimmermehr Thiere, die blindlings folgen müssen, sondern Schaft JEsu Christi, die aufmerksam lauschen, ob sie aus dem Munde ihrer Prediger die Stimme ihres guten Hirten hören.
Es ist ein schändliches, gottloses Geschrei, das besonders die Rationalisten in unserer Zeit laut werden lassen: „Die Kanzel muß frei sein; es ist Sklaverei, wenn man jemand an die Symbole binden will." Bet solcher Pfaffenfreihett liegen die, armen, geknechteten Gemeinden in Banden. Freie Kanzeln —unfreie Gemeinden!'— Die Kanzel ist nicht frei, sondern an Gottes Wort gebunden; sie ist nicht da um menschlicher Weisheit und Meinung willen, sondern um der göttlichen Wahrheit willen, und allein, um diese zu verkündigen. Und wenn Gemeinden ihre Kanzeln „frei" sein lassen, so lassen sie sich von Blinden leiten. Mag aber auch ein Blinder einem Blinden den Weg weisen? Werden sie nicht alle beide in die Grube fallen? — Läßt ein Prediger seine Zuhörer auf dem Gedanken, als hätten sie keine besondere Ursache, den Inhalt seiner Predigt zu prüfen (und leider herrscht dieser Sinn bei vielen Christen), so steht er der Frucht seiner Arbeit selbst im Weg in einer ganz erschrecklichen Weise. Denn die Zuhörer werden bei dem Wahn: „wir sind zu einfältig — unser Pastor muß das verstehen", immer träger im Forschen und Lesen des göttlichen Worts, und versäumen es endlich ganz. Daher auch das traurige Zeichen, daß viele Gemeindeglieder keine Lust haben, sich gute Bücher, oder eine Bibel mit Auslegungen anzuschaffen. Tag und Nacht sollten sie forschen, damit sie in aller Lehre und Erkenntniß immer reicher würden und um so sicherer der Verführung entgehen könnten, nach dem Exempel der Beroenser, die selbst als die Apostel ihnen predigten, täglich in der Schrift forschten, ob es sich also verhielte. Darum müssen wir fort und fort daran erinnern, daß die Gemeinden Hausfrauen sind, die nicht blindlings zu folgen, sondern zu wachen haben, damit sie nach dem Wort St. Johannis (2 Joh. V. 10. u. 11.) einhergehen können: „So jemand zu euch kommt, und bringt diese Lehre nicht, den nehmet nicht zu Hause, und grüßet ihn auch nicht. Denn wer ihn grüßt, der macht sich theilhaftig seiner bösen Werke." Das betrogene Volk im Pabstthum sagt: wir sind Laien und
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können die Lehre nicht prüfen; unsere Geistlichen Iverden uns ja recht lehren. Gottes Wort dagegen macht uns alle zu Geistlichen, die von Gott gelehret sind und als geistliche Priester verkündigen können die Tugenden deß, der uns berufen hat zu Seinem wunderbaren Licht! Und eben daraus geht hervor, wie schwer eine lutherische Gemeinde sich an Gott und Seinem Wort versündigt, wenn sie, leichtfertig und träge, die Kanzelgemeinschaft duldet. —
d. wlder den Nächsten, weil sie damit sowohl den fremden Prediger in seinem Jrrthum hegt, als auch den eigenen.
Matth. 18,16.: „Sündigt aber dein Bruder an dir, so straft ihn zwischen dir und ihm alleine. Höret er dich, so hast du deinen Bruder gewonnen." 3 Mos. 19, 17.: „Du sollst deinen Bruder nicht hassen in deinem Herzen; sondern sollst deinen Nächsten strafen." Jak. 5,19.20.: „Lieben Brüder, so jemand unter euch irren würde von der Wahrheit, und jemand bekehrte ihn, der soll wissen" rc..«
Ein rechtes Musterbild ist uns die Gemeinde zu Antiochien (Apst. Gesch. 14. u. 18.). Als dort Etliche aufgestanden waren, die zwar auch lehrten, der Mensch werde durch den Glauben gerecht, aber dabei doch auf die Beschneidung drangen, so gerieth die ganze Gemeinde darüber in Aufregung; die ganze Gemeinde betheiligte sich an diesem Lehrstreit; woraus zu ersehen ist, wie jene Christen gesinnt waren. Sie hegten die fremden Prediger mit ihren Jrrthümern nicht, noch ruhten sie, bis die falsche Lehre abgethan war. Gerade so ist jeder Einzelne in der Gemeinde verpflichtet, gegen jedweden aufsteigenden Jrrthum zu zeugen und folglich auch gegen Zulassung eines falschen Predigers zu protestiren.
e. wider die eigne Kirche, weil sie damit ihrem Bekenntniß untreu wird, zu dessen^Halten sie in der Taufe und Confirmation sich verpflichtet hat.
Offenb. 2,10.: „Sei getreu bis an den Tod, so will ich dir die Krone des Lebens geben." Cap. 2,10.: „Halte was du hast, daß niemand deine Krone raube."
In der heiligen Taufe hat der Christ nicht einen Menschen und dessen Meinungen, sondern Gott und Seiner Wahrheit, Treue gelobt. Bei seiner ConfirmatioN'hat der lutherische Christ der falschen Lehre und dem Unrechten Gottesdienst abgesagt, und der reinen Lehre, darin er im Confirmanden-unterricht ist unterwiesen worden, treu zu verbleiben gelobt — sich zum Halten des Bekenntnisses der rechtgläubigen Kirche verpflichtet. Diese Verpflichtung macht die Sünde der Verleugnung um so schwerer. Denn wenn ein Kind nach seiner Taufe in Unwissenheit aufwächst, oder in gottloser Lehre auferzogen wird, so hat es doch nicht die Verantwortung auf sich, die der auf sich ladet, der von der erkannten Wahrheit abfällt. — St. Paulus schreibt
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dem Timotheus: „Ich erinnere mich des ungefärbten Glaubens in dir, welcher zuvor gewohnt hat in deiner Großmutter Lois, und in deiner Mutter Eunike, bin aber gewiß, daß auch in dir." (2Tim. 1,5.) Woraus erhellt, daß Timotheus den Segen einer gottseligen Erziehung: reine Lehre und ungefärbten Glauben, treulich von Kind auf bewahret hat. Darum schreibt Paulus ferner an ihn: „Weil du von Kind auf die heilige Schrift weißt, kann dich dieselbe unterweisen zur Seligkeit, durch den Glauben an Christo JEsu." (2 Tim. 3,15.) Und vorher (V. 14.): „Du aber bleibe in dem, das du gelernet hast und dir vertrauet ist; sintemal du weißt, von wem du'gelernet Haft." — Die mit der Confirmation verbundene Verpflichtung auf das reine Bekenntniß sollte nicht so gering angesehen werden. Wie viele haben es nicht schon bekannt, daß sie diesen Act nie vergessen können! Ist ein Prediger im Confirmanden-Unterricht treu; thut er bei der Confirmation, was er durch Gottes Gnade und nach Gottes Willen thun kann und soll — auch vornehmlich in der Ansprache an die Confirmanden und alle Zuhörer: so schafft die Confirmation großen Segen. Unterläßt er es aber, oder ist er lau und kalt dabei, so gibt er ein großes, herrliches Mittel ans seinen Händen. Und warum sollten wir nicht auch bei der christlichen Confirmation die Gelegenheit wahrnehmen und die Zeit auskaufen, die uns gegeben ist?
6. wider die fremde Kirche, deren Lehrer sie hört, weil sie damit öffentlich dem falschen Bekenntniß derselben zustimmt, statt öffentlich wider dasselbe zu zeugen.
Eph. 5, 6—11.: „Lasset euch niemand verführen mit vergeblichen Worten, denn um dieser willen kommt der Zorn Gottes über die Kinder des Unglaubens. Darum seid nicht ihre Mitgenossen. Denn ihr wäret weiland Finsterniß, nun aber seid ihr ein Licht in dem HErrn. Wandelt wie die Kinder des Lichts. Die Frucht aber des Geistes ist allerlei Gütigkeit und Gerechtigkeit und Wahrheit. Und prüfet, was da sei wohlgefällig dem HErrn." —
Matth. 5,16.: „Lasset euer Licht leuchten vor den Leuten, daß sie eure gute Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen."
Matth. 10, 32. 33.: „Wer mich bekennet vor den Menschen, den will ich auch" rc...
Wir sollen bekennen: nicht als ob etwa dadurch der Herrlichkeit Gottes Etwas beigetragen würde (denn Gottes Herrlichkeit kann nicht wachsen); sondern um des Nächsten willen. Darum handelt der schändlich wider den Nächsten, der es unterläßt, den Namen Christi in reiner Lehre zu bekennen. Wenn wir nicht um des Nächsten willen bekennen sollten; wenn die Kirche nicht die Mutter aller Gläubigen sein sollte: so nähme Gott uns gleich nach unserer Bekehrung in den Himmel.
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Das Bekenntniß kommt aber keineswegs etwa dem Prediger allein zu, (in öffentlicher Predigt); sondern jeder Christ, wo er geht und steht, soll das Evangelium ausbreiten. In seinem Bekenntniß des Namens Christi soll er auch wider den Jrrthum zeugen und darum auch nicht leiden, daß ein Jrr-lehrer den Predigtstuhl einnehme. Bei Gottes Zorn und Ungnade soll eine christliche Gemeinde dafür sorgen, daß die reine Lehre fort und fort erschalle. — Wie viel hat eine christliche Gemeinde zu thun und wie hochwichtig ist ihre Aufgabe! Sie hat von vornherein den Prediger zu wählen. Wählt sie einen irrgläubigen, oder gestattet sie den gegenseitigen Austausch der Kanzeln mit solchen, so stimmt sie dem falschen Bekenntniß zu und verleugnet damit Christum vor den Menschen, d. i. vor der fremden Kirche, an welcher sie sich somit gröblich versündigt.
Thesis VII.
Freilich fordert es die Liebe, die Vereinigung mit andersgläubigen Kirchen zu dem Einen Glauben anzustreben.
Ephes. 4,3—6.: „Seid fleißig zu halten die Einigkeit im Geist, durch das Band des Friedens. Ein Leib und Ein Geist, wie ihr auch berufen seid auf einerlei Hoffnung eures Berufs. Ein HErr, Ein Glaube, Eine Taufe, Ein Gott und Vater" rc.
Bekennen wir, daß eine solche Vereinigung wünschenSwerth und daher auch anzubahnen sei, so legen wir ebensowohl ein großes Gewicht auf die dabei anzuwendenden Mittel, nämlich 1) auf das öffentliche und sonderliche Zeugniß der Wahrheit, mit Verwarnung vor jeder irrigen Lehre, und Hinweisung auf die Folgen derselben. 2) auf die Fürbitte für die Irrenden, daß sie zur Erkenntniß der Wahrheit kommen mögen. Joh. 17,17. Wo eine Vereinigung neben oder außer der Wahrheit gesucht und geschlossen wird, wird nicht in JEsu Sinn gehandelt. Die Wittenbergische Concordie und die Interimistische lassen uns den Unterschied zwischen einer wahren und einer falschen Einigung erkennen. Die wahre anzustreben, erfordert die Liebe. Wenn wir jetzt die Erfahrung machen, daß andere Synoden (die uns früher feindselig gegenüber standen) sich.uns nähern, so könnte leicht der Gedanke entstehen, es sei besser, wenn wir allein bleiben, damit wir bei der Mühe und Arbeit, die wir mit uns selbst haben, uns nicht auch noch mit anderen abplagen müßten, bei denen noch manches viele, schwere Kämpfe verursachen könnte. Das wäre aber nicht der Liebe gemäß. Sobald sie ans Grund der Wahrheit sich mit uns einigen wollen, sollen wir auch beweisen, daß die Liebe, die mit den Schwachen (in der Lehre oder im Leben) Geduld hat, bei uns waltet. So sehr wir uns zu hüten haben, daß wir nicht auf kirchcnpolitische Weise Vereinigungen erstreben oder uns verderblicher Praxis theilhaftig machen, so ernstlich sollen wir die auf dem Grunde der reinen Lehre gesuchte, gottgefällige Einigung fördern, und die
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Getrennten zusammen zu bringen suchen. Sagt doch unser treuer Heiland: Wer zu mir kommt, den werde ich nicht Hinausstoßen. Wie sollten wir sündhaften Menschen diejenigen zurückweisen, die einen redlichen Ernst an den Tag logen, mit uns unter Einer Fahne zu kämpfen? — Doch dürfen wir es uns auch nicht verhehlen, daß, wenn so viele nacheinander sich uns anschließen, eine bedenkliche Gefahr für uns entstehen könnte, da wir ja nicht immer von vornherein gewiß sein können, ob alle es von Herzen aufrichtig mit der Wahrheit treu meinen, auch wohl öfters noch Dinge Vorkommen, bei denen nicht zu entscheiden, ob Schwachheit bei der Aufrichtigkeit oder strafbare Lauheit zu Gründe liege. Darum sollen wir uns freuen mit Zittern, Vorsicht gebrauchen uud nach St. Pauli Vorschrift anhalten mit aller Geduld und Lehre. In den letzten Jahren sind ja doch durch Gottes Gnade herrliche Vereinigungen erzielt worden. Denken wir nur an die lieben Norweger, an die Synoden von Wisconsin und Illinois. — Sobald eine Synode als Synode redet und die reine Lehre in allen Stücken bekennt, dürfen wir,ihr die Anerkennnng nicht versagen, wenn auch noch Patienten in ihrer Mitte sind. Aber damit ist noch nicht gesagt, daß man auch jedem Einzelnen solcher Synode die Kanzel öffnen müsse. — Daß unter dem „anstreben" kein gewaltsames Drängen, kein aufdringliches Nachlaufen zu verstehen, ist selbstverständlich. Die Liebe wartet hier ruhig ab und verfährt in der rechten Weisheit.
Thesis VIII.
Aber bei Uebung der Kanzelgemeinschaft wird schon Einigung gesetzt, ohne Abthun dessen, was die Einigung unmöglich macht: nämlich des Jrrthums der Andersgläubigen.
Jerem. 6,13.14.: „Sie geizen allesammt, Klein und Groß; und beide, Propheten und Priester, lehren allesammt falschen Gottesdienst, und trösten mein Volk in seinem Unglück, daß sie es gering achten sollen, und sagen: -Friede! Friede!' und ist doch nicht Friede."
Ezech. 13,10.f.: „Darum, daß sie mein Volk verführen und sagen: -Friede'; so doch kein Friede ist. Das Volk bauet die Wand, so tünchen sie dieselbe mit losem Kalk."
Sachar. 8,19.: „Liebet Wahrheit und Frieden." (1 Cor. 13,6.)
Ganz im Widerspruch mit diesen Worten Gottes ist die Praxis des Oener«.! Oouneii, welcher in seinem Drgan („Dutlisrun anä Dlissioour^") vom 20. Jan. 1870 sich also erklärt: „Fragt man, ob es für einen luther. Pastor oder seine Gemeinde recht sei, einen Prediger einer anderen Denomination etnzuladen, auf ihrer Kanzel solche Lehre und Meinungen der christlichen Sittenlehre zu predigen, in welchen er und seine besondere Confession mit dem Bekenntniß der luther. Kirche stimmt, so ist unsere klare und bestimmte Antwort darauf: Ja!" — Eine solche Praxis aber beweis't, daß die Kirchen-gemeinschaftler 1) nicht glauben, daß Gottes Wort, d. i. jedes Wort der
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heiligen Schrift Gottes Wort sei. Christus spricht: „Der Mensch lebt von einem jeglichen Wort, das durch den Mund Gottes geht"; und Paulus: „alle Schrift von Gott eingegeben, ist nütze" rc. Also liegt in jedem Wort der heiligen Schrift unsere Seligkeit. Wer aber leichtfertig mit der heilsamen Lehre umgeht, leugnet dieses, und macht sich somit der Teufelslehre der Rationalisten theilhaftig, die da sagen, Gottes Wort sei zwar in der Schrift, aber die Schrift sei nicht Wort Gottes. 2) daß sie Feindschaft fürchten. Statt sich zu fürchten vor Gottes Wort (Jesaias 66,2.), fürchten sie sich vor Menschen. Jerem. 15,19.: „Wo du die Frommen lehrest sich sondern von den bösen Leuten, so sollst du mein Lehrer sein. Und ehe du solltest zu ihnen fallen, so müssen sie eher zu dir fallen." Falsche Lehrer gehören allewege zu den bösen Leuten: sie sind schlimmer, als die Mörder.
Thesis IX.
Die Kanzelgemeinschaft ist darum so wenig ein Zeichen einer wahren, aus dem Jrrthum helfenden Liebe, daß sie vielmehr die Uebung derselben, in dem Bestreben, eine wahre Einigung getrennter Kirchen herbeizuführen, hindert.
Kanzelgemeinschaft kann kein Zeichen der Liebe sein, denn die Liebe thut dem Nächsten nichts Böses. Pflege und Duldung der Kanzelgemeinschaft aber thut dem Nächsten Böses, sowie sie der Ehre Gottes zuwider ist. Hierher gehört, was St. Paulus Gal. 4,16. schreibt: „Bin ich denn also euer Feind worden, daß ich euch die Wahrheit Vorhalte?" Er will sagen: die von mir euch bezeugte Wahrheit hat eurem Fleische weh gethan; dürft ihr aber daraus den Schluß machen, daß ich als euer Feind lieblos gegen euch gehandelt hätte? Doch gewiß nicht! — Wer das Austauschen fremder Kanzeln hegt und pflegt, hält den Jrrlehrern die Wahrheit nicht vor, thut ihnen darum freilich auch nicht weh, übt darum auch keine Liebe; sondern beweis't im Gegentheil nur Feindschaft, indem er ihnen schmeichelt, als stünden sie ganz richtig. —
Thesis X.
Es läßt sich sogar Nachweisen, daß Kanzelgemeinschaft noch anderen Lehrdifferenzen, als dm bereits bestehenden, Thür und Thor öffne, und also die Kluft zwischen den getrennten Kirchen noch größer mache.
2 Tim. 2, (15.) 17.: „Ihr Wort frißt um sich wie der Krebs." Cap. 3, 8.13.: „Gleicherweise aber wie Jannes und Jambreö Most widerstanden: also widerstehen auch diese der Wahrheit; eö sind Menschen von zerrütteten Sinnen, untüchtig zum Glauben." „Mit den bösen Menschen aber wird es je länger, je ärger, verführen und werden verführt." (Vergl. hierzu Gesgb. No. 165. V. 4.5. u. bes. V. 6.) — Wenn die konfessionellen Schranken nicht mehr beachtet werden, so machen sich je mehr und mehr bei den Lehrern der
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Kirche eigene Meinungen und Ansichten über die Aussprüche der heiligen Schrift geltend. Dies sieht man namentlich auch innerhalb der unirten Kirche; die öffentlichen Schriften legen genügendes Zeugniß davon ab, daß die verschiedenartigsten Auffassungen und Darstellungen der christlichen Lehre immer mehr einreißen. —
Thesis XI.
Indessen lassen sich allerdings Fälle denken, in welchen vorkommende Kanzelgemeinschaft auch von Gliedern der evang.-luth. Kirche vertheidigt werden mag; daß aber in solchen Fällen die Uebung der Kanzelgemeinschaft Statt finden soll, läßt sich gleichwohl nicht behaupten.
Vergleiche „Lehre und Wehre", April-Heft 1870. x. 124 f., woselbst zugegeben ist, daß obige Fälle eintreten können: a) wenn solche „Nichtlutheraner" auf luth. Kanzeln gelassen werden, die in allen sogen. Unterscheidungslehren mit der luther. Kirche übereinstimmen, denen also, um rechte Lutheraner im gewöhnlichen Sinne zu sein, nichts fehlt, als der Name und die äußere Zugehörigkeit zu unserer luth. Kirche; l>) wenn solchen die Kanzel eingeräumt wird, die, obgleich selbst rechtgläubig, doch Prediger irrgläubiger Gemeinschaften sind, aber so, daß sie als Zeugen der Wahrheit gegen die Jrrthümer öffentlich auftreten. Dagegen ist festzuhalten, daß wir selbst Predigern unserer Confession die Kanzel versagen müssen, wenn es sich herausstellt, daß sie falsche Lehre hegen. — Dürfen wir denn mit den „Lutheranern" der preußischen Landeskirche Kanzelgemeinschaft Pflegen? Nein! denn diese wollen ja in der unirten Kirche bleiben. Deshalb ist unser Verhältniß gegen sie ein ganz anderes, als zu denen, die innerhalb einer irrgläubigen Gemeinschaft gegen die Jrrthümer derselben öffentlich zeugen, und eben nur bleiben, so lange sie die wohlgegründete Hoffnung haben', daß ihr Zeugniß Nutzen schaffen werde. Mit solchen Hoffnungen aber in der preußischen Landeskirche bleiben zu wollen, wäre thöricht, da sie schon längst bewiesen hat, daß sie bleiben will, was sie ist. Gerade so verhält es sich mit den falschgläubigen Kirchen Amerika's, die sich schon gänzlich festgeschlossen haben.
Zur Erläuterung der Fälle, in welchen Kanzelgemeinschaft gerechtfertigt werden mag, wurde hierbei auf Mart. Boos gewiesen, von welchem bekannt ist, daß er ganz vortrefflich von der Rechtfertigung aus Gnaden, allein durch den Glauben, gepredigt hat, weshalb er von seiner eigenen Kirche, der römisch-katholischen, aufs heftigste verfolgt wurde. Obgleich ihm Taufende anhingen, so hielt er es doch für gewissenlos, aus der römischen Kirche zu scheiden und somit viele seiner Zuhörer zu verlassen. Auch durfte er, wegen der Schwachheit derselben, sich nicht lutherisch nennen, da sie eine wunderliche, ja, schreckliche, durch papistische Lügen erzeugte Vorstellung von Luther hatten. Luther rieth ja selbst den Regensburgern, daß sie seinen Namen nur verschweigen, auch die Augsburgische Confession nicht nennen, aber der evangelischen Wahr-
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heit nichts vergeben sollten. — Zwei Kennzeichen sind es also, darauf man bei Zulassung eines fremden Predigers sehen muß: 1) er muß in allen Unterscheidungslehren mit dem Bekenntniß der lutherischen Kirche übereinstimmen; 2) er muß als Zeuge der Wahrheit öffentlich bekannt sein.
Thesis XII.
Dagegen kann es an einem lutherischen Prediger nicht tadelnswerth erscheinen, wenn er auf den Kanzeln andersgläubigen Kirchen das Evangelium verkündigt, wofern nur nicht die Umstände, unter welchen, und die Art, in welcher es geschieht, als strafbar sich erweisen.
Das fordert Marc. 16,15.: „Gehet hin in alle Welt und prediget das Evangelium aller Creatur." Ein Lutheraner soll jede Gelegenheit, die sich ihm darbietet, benutzen, das lautere Evangelium auszubreiten. Das heißt aber nicht, daß er sich aufdrängen oder in andere Gemeinden einschleichen dürfe; sondern er soll und muß den Beruf anderer Prediger respectiren, wie vr. Luther davon in der Erklärung des 82. Psalms (zu V. 4.) sagt: Einem Jeglichen ist sein Theil Volks befohlen, „darin kein Anderer oder Fremder ohn sein Wissen und Willen sich unterstehen soll, seine Pfarrkinder zu lehren, weder heimlich noch öffentlich.... Und Solches soll man also fest halten, daß auch kein Prediger, wie fromm oder rechtschaffen er sei, in eines Papisten oder ketzerischen Pfarrherren Volk zu predigen oder heimlich zu lehren unterstehen soll, ohn desselben Pfarrherren Wissen und Willen. Denn es ist ihm nicht befohlen."
Dreierlei dürfte in Betreff dieser These ein lutherischer Prediger zu beachten haben: 1) daß er seiner eigenen Gemeinde keine Veranlassung gebe zum Verdacht, als hielte er mit der Lehre der Prediger anderer Confessionen. 2) muß er Kraft und Muth haben, auch auf fremder Kanzel als Zeuge der Wahrheit aufzutreten. 3) darf er nicht der Weisheit ermangeln, den Text so zu benutzen, daß in der Ausbeutung desselben, wie er es auch (ohne demselben Zwang anzuthun) mit sich bringen möge, die Schäden der falschen Kirche aufgedeckt werden.
Fragt man also, ob es wider das Gewissen sei, wenn ein lutherischer Prediger in einer fremdm Kirche predigt, nachdem er dazu aufgefordert worden, so ist die Antwort: nein. Christus hat in den Synagogen gepredigt und die Apostel in den Götzentempeln, und wir hätten gewiß gern im Palast des Pabstes' gepredigt, wenn man uns nur Einlaß und Erlaubniß gewährt hätte. Es wäre ja Sünde, wenn wir die Aufforderung, das Evangelium auch ändern zu predigen, ohne Weiteres zurückweisen wollten! —
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Acht These«
über das Verhältniß von Staat und Kirche in Rücksicht auf etliche Zeitfragen.
1. Da die Kirche eine heilige Gesellschaft derjenigen ist, welche durch das Band des Heiligen Geistes in wahrem Glauben und in wahrer Liebe verbunden sind; der Staat dagegen eine von jeder ändern weltlichen Oberhoheit unabhängige Gesellschaft von Menschen auf einem bestimmten Landesbezirk unter gemeinschaftlichem Recht, Gesetz, Obergewalt zum Zweck gemeiner irdischer Wohlfahrt: so sind Kirche und Staat von so verschiedener und entgegengesetzter Natur, daß eine Vereinigung und Vermischung beider beide schädigt und zerrüttet.
2. Da die Kirche ein geistliches Reich göttlicher Gnade, die Obrigkeit dagegen Gottes Dienerin ist, zu strafen die Bösen und zu Lobe dm Frommen, so ist das Verhältniß von Kirche und Staat so: die im Staat lebenden Glieder der Kirche sind und bleiben der Obrigkeit, sofern sie nichts Sündltches gebietet, zum Gehorsam verpflichtet; die Obrigkeit dagegen bleibt auch dann für sie Gottes Dienerin, wenn sie sich gleichgültig oder gar feindlich gegen die Kirche stellt.
3. Da durch die Bestimmung, daß nur das Recht geltm, und das Unrecht bestraft werden soll, die Oberhoheit Gottes von Seiten der Menschen anerkannt wird: so setzt die Bildung und der Bestand jedes Staates in seinen Gliedern Religion voraus.
4. Da der Staat oft genöthigt ist, diese seine Voraussetzung, die Religion seiner Glieder, zur Anwendung zu bringen: so ist diejenige unter den verschiedenen im Staat vorhandenen Religionen die herrschende, welche in den Staatseinrichtungen den Vorzug hat.
5. Da in dem Staaten-Bund, in welchem wir leben, nur das Christen-thum in Staatsconstitutionen anerkannt ist; die christliche Religion durch den obersten Gerichtshof und andere Gerichtshöfe des Landes für einen Be-standthetl des cronuuvn lav hiesigen Landes erklärt worden ist; Lästerung der Person Christi und des Heiligen Geistes als Staatsverbrechen bestraft wird; nur die vom Christenthum geforderte Monogamie gesetzlich erlaubt ist; nur die spectsisch christliche Feier des Sonntags gesetzlich festgestellt ist; der Eid vor Gericht auf die Bibel abgelegt wird; nur christliche Kapläne firr die legislativen Versammlungen, für die Armee und Flotte vom Staat angestellt werden; die Bibel in allen Staatsanstalten, Asylen, Gefängnissen u. dergl. vom Staate eingeführt wird; auch kein anderes Religionsbuch, als die Bibel, oder doch wenigstens das Gebet des HErrn in den Staatsschulen in Brauch ist: so ist unleugbar: daß die christliche Religion die herrschende Religion unseres Landes ist.
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6. Da der Staat in unserem Lande nicht die papistische, sondern die protestantische, vom Pabste verworfene Bibelübersetzung in die Gerichtshöfe und Gesetzgebungen, Staatsanstalten u. s. w. einführt; nur die Anrufung Gottes und nicht die vom Pabst geforderte Anrufung der Heiligen in Angelegenheiten des Staates angeordnet ist; unsere ganze Staatsverfassung und Regierung, die laut unserer Constitution gesetzlich festgestellten Rechte freier Religionsübung, freier Rede und Presse u. dergl. vom Pabste als gottlos verworfen werden: so ist unleugbar, daß die herrschende Religion unseres Landes protestantisch ist.
7. Da der Staat nur Religion im Allgemeinen zu seinem Bestände voraussetzt, nicht aber eine bestimmte Religionsgesellschaft oder Kirche zu bilden zum Zweck hat; auch die Kirche nur die Gewalt des Wortes durch ihren göttlichen Stifter empfangen hat: so ist mit Recht in dem ersten Amendment zur Constitution der Vereinigten Staaten bestimmt, daß der Congreß kein Gesetz machen soll rücksichtlich einer festen Religionsform, oder welches die freie Ausübung der Religion verbietet.
8. Da von Seiten der Atheisten und Papisten kräftige Anstrengungen gemacht werden, die protestantisch - christliche Religion zu verdrängen, um respective Atheismus oder Papismus an ihre Stelle zu setzen: so ist es die Pflicht jedes Christen, hiesigen Landes, der als Glied des Staates das Beste desselben suchen soll, diesen, den Staat untergrabenden Tendenzen entschieden entgegen zu wirken, also u. a., soweit es gesetzmäßig geschehen kann, diejmigen Atheisten und Papisten, welche diesen Tendenzen im Staate Geltung zu verschaffen suchen, von politischem Einfluß und politischen Aemtern fern zu halten; die Staatsschulen unter protestantischem Einfluß erhalten zu helfen; die Bibel, als dasjenige Religionsbuch, worauf der Staat seine Glieder zu vereiden pflegt, und das daher jedem Gltede des Staates bekannt sein sollte, nicht aus den Staatsschulen verdrängen zu lassen; und alles, was der Erhaltung und Kräftigung der herrschenden Religion und der von ihr geforderten öffentlichen Sittlichkeit förderlich ist, mit allen gesetzlichen Mitteln zu unterstützen.
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Vorstehende Thesen wurden bis auf die beiden letzten von der Synode berathen und in der hier mitgetheilten Form von derselben angenommen. Aus den hierzu von der Synode gemachten Bemerkungen thetlen wir folgenden Auszug mit.
Zuerst wurde gefragt: Warum hat man zu jetziger Zeit diese Thesen der Synöde zur Besprechung vorgelegt? Antwort: Bekanntlich ist bis jetzt in den öffentlichen Schulen unseres Landes die Bibel insofern unangefochten im Gebrauch gewesen, daß ein Abschnitt aus derselben hat verlesen werden können oder daß das Gebet des HErrn gesprochen ist. Nun hat es sich, wie jeder weiß, zugetragen, daß z. B. im Osten die Papisten alles aufgeboten haben, die Bibel aus den Schulen zu verdrängen. Auch in Cincinnati hat der öffentliche School Board dieselbe Sache verhandelt und hat auf stürmische
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Drängen der Papisten und Atheisten die Bibel zu verdrängen gesucht. Wir haben nun wohl als Lutheraner unsere eignen Schulen und könnten daher dieser Schulfrage fern bleiben. Aber wir sind doch auch Bürger dieses Landes, und als solchen muß uns daran gelegen sein, die rechte Stellung in dieser aufgeworfenen Zeitfrage einzunehmen. Diese Frage wird mit der Zeit das ganze Land in Bewegung setzen und es wird sich die Nothwendtgkeit: uns zu entscheiden, gebieterisch aufdrängen. Es kann dahin kommen, daß der eine Theil durch diese Frage nach und nach zu Versuchungen gedrängt wird, Kirche und Staat zu verbinden, wie das z. B. in Europa der Fall ist; oder der andere Theil, die Papisten und Atheisten, wird hier herrschend werden. Daher ist es denn jetzt recht an der Zeit, daß wir über diese Sache berathen und uns klar über das Verhältniß werden: wie die Kirche zum Staat steht. Mancher könnte auch auf den Gedanken kommen, als dürft der Staat nichts Christliches in sich aufnehmen.
Zu 1. ES wurde gefragt: worin die Vermischung etwa bestehe, die mit Kirche und Staat geschehen könne? Antwort: Sie geschieht dadurch, wenn die Obrigkeit zugleich Obrigkeit der Kirche sein will. Dann wird sie das Mittel des Zwangs, das ihr zu Gebote steht, anwenden, um die Kirche zu regieren. Es zeigt sich dieses an den Landeskirchen in Deutschland. Da sind die Kirchengesetze Staatsgesetze. Der König betrachtet sich nicht nur als Landesherrn, sondern auch als Machthaber innerhalb der Kirche. Als Oberherr des Landes meint er ein Recht zu haben, auch der Kirche Gesetze geben zu dürfen, und fordert bei Androhung weltlicher Strafe Gehorsam. So ist ja die Union zwischen Lutheranern und Neformirten in Preußen durch weltliche Gewalt, durch die Obrigkeit eingeführt worden, weil der König von Preußen meinte, als Herr seines Landes sei er auch der Herr innerhalb der Kirche seines Landes. Er setzte ihnen die Prediger; setzte lutherische Prediger, die dem Machtgebot der Union widerstrebten, aus ihren Aemtern; trieb lutherische Christen mit Gewalt in falschgläubige Gottesdienste, ihre Kinder in unirte Schulen. Am erschrecklichsten und gräulichsten zeigt sich die Vermischung im Pabstthum. Der Pabst hält sich für den Stellvertreter Christi.und den Herrn der Erde. Als solchem sei ihm auch das weltliche Schwert übergeben, d. H. die Macht, Ordnung im Machtreich zu schaffen; die Obrigkeiten hätten ihr Amt nur als Lehngut von ihm; er könne es jedem wieder nehmen. Darum setzte er Obrigkeiten ab und ein und entband die Unterthanen ihres Eides, dm sie ihren rechtmäßigen Landesherrn geschworen hatten. Da wird die Kirche mit dem Staat vermischt, aus dem Reiche Gottes wird ein Reich dieser Welt. In der Kirche soll keiner herrschen. „Die weltlichen Fürsten herrschen und die Gewaltigen heißt man gnädige Herren" sagt der HErr Christus. Damit beschreibt Er das Weltreich. Er setzt aber hinzu: „ihr sollt nicht also thun", d. i. in meiner Kirche oder in meinem Gnadenreiche soll's nicht also zugehen. Zur Zeit der Reformation gab es Bischöfe mit weltlicher Gewalt, die ihre eigne Gerichtsbarkeit
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hatten. Was sagte Luther diesen? Ihr mögt immerhin Fürsten bleiben als Bischöfe; aber haltet nur beide Aemter recht auseinander und vernichtet nicht das eine mit dem ändern. Wollt ihr z. B. euern Unterthanen ein Fasten ausschretben — immerhin! — thut es nur nicht als Bischöfe, sondern als Fürsten. Welche Thorheit ist es nicht, wenn in unserer Zeit deutsche Theologen sich so sehr dagegen sträuben und dagegen schreiben, wenn der Staat die Civil - Ehe einführen will. Sie sagen, das Schließen der Ehe-bündnisse käme nur der Kirche zu; es sei falsch, wenn es der Staat thue. Man sieht daraus, wie wenig rechte Erkenntniß über Staat und Kirche vorhanden ist. Wir dagegen erkennen es als eine große Wohlthat an, wenn Ungläubige und Kirchenfeinde nicht mit Gewalt gezwungen werden zu kirchlichen Handlungen; wenn der Staat die Einrichtung getroffen hat zu seiner Selbsterhaltung, daß der Lsczuire trauen darf. Das Volk würde ja sonst in Haufen in Hurerei fallen. Ferner: Ein christlicher Richter, vor den eine Ehescheidungsklage gebracht wird, wird daher in solchem Fall nicht sowohl als Christ, sondern vielmehr als Obrigkeit zu handeln haben. Er würde wohl, wenn die Klage nicht auf Grund des Ehebruchs anhängig gemacht ist, sondern aus ändern nach Staatsgesetz erlaubten Ursachen, sprechen: seht, ihr bleibt vor Gott doch immer noch ungeschieden, wenn ich euch auch scheide; denn Gott sagt in seinem Wort: Niemand scheide sich von seinem Weibe, es sei denn um der Hurerei willen. Er wird sie aber doch scheiden, denn er hat hier nicht näch der Bibel, sondern nach dem Gesetz zu urtheilen. Die Kirche handelt anders. Kommt ein vom Staat Geschiedener und will mit einer Ändern wieder copulirt werden, so untersucht sie, ob jener sich nach Gottes Wort hat scheiden lassen dürfen; sonst weist sie ihn ab. Der Staat muß Manches ordnen, was nach Gottes Wort der Christ nicht ausüben darf. Er muß es ordnen, um Ruhe zu schaffen; läßt er solche öffentliche Vergnügungen zu, welche Christen unanständig sind, so können wir nichts dagegen haben. Ein Christ aber kann sich, wenn er daran Theil nehmen will, nicht darauf berufen: die Obrigkeit lasse es ja zu. Für ihn gilt vielmehr die Frage: ist's auch nach Gottes Wort recht? Als der König von Dänemark zur Zeit der Reformation die Lehre vom Wucher hörte, wurde es ihm angst und er beschloß, ein Gesetz dagegen zu erlassen, schrieb aber zuvor an Me-lanchthon und sprach gegen ihn die Befürchtung aus, daß ein Wucher-Verbot eine Revolution hervorrufen könnte. Melanchthon antwortete: er solle durch Gesetze den Wucher mäßigen. Der König schrieb zurück: wie darf ich das, da Wucher Sünde ist! Melanchthon erwiderte: Er als Landesherr könne durch Gesetz fünf Procent setzen, damit der Wucher nicht das Land verderbe. Als Christ solle er den Predigern sagm, wie sie die Christen unterrichten sollten, sich nach Gottes Wort zu halten und nicht nach dem Wuchergesetz des Königs.
Staat und Kirche zu vermischen, dazu zeigen sich auch hier Gelüste. Denn was sind die Forderungen Etlicher, unser Staat sollte nach der Bibel
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und christlichen Grundsätzen regiert werden, anders, als ein Ansatz nach dieser Richtung hin? Es würde die gräulichste Tyrannei daraus entstehen für den Staat, wenn dem Statt gegeben werden würde. Denn wollte die Obrigkeit sagen: jeder soll den Gottesdienst besuchen, so würden die Kirchenftinde Unruhe stiften oder das Land verlassen oder sich tyrannisiren lassen. Ja, wir als Christen würden solche Tyrannei bald mitfühlen müssen. Denn wäre die Obrigkeit katholisch, so würde sie alles katholisch zu machen trachten, und es wäre mit einem „geruhigen und stillen Leben" für uns unter einer solchen christlichen Obrigkeit zu Ende. Man hat's an Deutschland gesehen. Refor-mirte Fürsten haben lutherische Prediger abgesetzt; oder sind sie katholisch gewesen, so haben sie papistische eingesetzt. Aus der falschen Anschauung, daß der Staat nach christlichen Grundsätzen regiert werden müsse, kömmt die Meinung, als könne man im Staat nichts Rechtes durchsetzen, wenn man sich nicht dabei auf die Bibel berufen dürfe. Daraus gehen häufig hervor die Begnadigung der Mörder seitens des Gouverneurs; die Vertheidigung von der göttlichen Einsetzung des Sonntags und der Sonntagögesetzeu. dergl. Der Staat hat solches gar nicht nöthig; er braucht sich für Beibehaltung der Todesstrafe nicht auf die Bibel zu berufen, sondern darf nur einfach sagen: das Land würde eine Mörderhöhle werden, wenn man die Mörder frei ausgehen ließe. Er kann, ohne sich auf die Bibel zu berufen, die strengsten Sonntagsgesetze erlassen, ja alle christlichen Feiertage feiern lassen — lediglich um der äußerlichen Ruhe willen. Da hat der Staat wohl Christliches in sich ausgenommen, aber ohne Vermischung mit der Kirche, So ist es auch keine Vermischung von Kirche und Staat, wenn der Staat, der nach der Mehrheit seiner Glieder aus Christen besteht, christliche Sitten in sich aufnimmt, und es bleibt immer eine Schande für unfern Staat, daß das Mvrmvnenthum mit der Vielweiberei unter uns noch Duldung hat. Eben so wenig hat die Religion der Atheisten, wie auch das Heidenthum der Chinesen eine Berechtigung im hiesigen Staat. Sie sind gefährliche Feinde, die am Baum der
Freiheit dieses Landes nagen.
Zu 2. Die Obrigkeit hat es nur mit dem Aeußeren im Leben zu thun und auch da nur mit groben Sachen. Sie nimmt sich des Naturgesetzes an, soweit sie kann; sie straft nicht, wie die Kirche: Neid, Zorn u. dergl., sondern wenn diese Sündm zu Verbrechen verleitet haben, als Diebstahl, offenbarem Betrug u. dergl. Daß sie auch da Gottes Dienerin bleibt, selbst wenn sie die Kirche verfolgt, wurde durch ein Beispiel erläutert, als: Wie ein Diener des Königs, der etwas Strafbares begangen hat, doch so lange des Königs Diener bleibt, bis dieser ihn seines Amtes entsetzt; so auch die Obrigkeit. Darum sei ihr nicht zu widerstehen. Ihr Sträfliches giebt christlichen Unterthanen kein Recht, sich wider ihre Gewalt zu setzen.
Zu 3. Hier wird behauptet, daß Religion die Grundlage eines jeden Staates ist und daß ohne Religion kein Staat bestehen kann. Unter „Religion" ist natürliche Religion zu verstehen, d. H. die Anerkennung, daß ein
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Gott ist, daß ein ewiges Leben und eine bevorstehende Vergeltung ist. Ohne diese Anerkennung giebt es gar keinen Begriff von Recht und Unrecht; denn auch dem positiven Recht im Staate liegt zu Grunde oder steht mit ihm in Beziehung das ewige Gesetz 'Gottes, das sich im Gewissen als Gottes Stimme hören läßt. Daß der Staat einen Eid von seinen Beamten fordert, beweist es, wie er Religion in seinen Gliedern voraussetzt» Denn hiermit sagt er: du sollst schwören bet Gott, der belohnen und strafen wird, je nachdem du handelst — daß du dich allein nach dem Recht halten wollest. Ohne Religion kann ein Staat auch gar nicht die irdische Wohlfahrt bezwecken; denn diese kann nur dann erstrebt werden, wenn Recht und Unrecht in seinem wahren Wesen erkannt ist. Ein Staat, aus lauter Atheisten bestehend, kann ganz sicherlich nicht auf die Länge bestehen. Ein Atheist ist eigentlich nichts anderes als ein geschetdtes Thier. (Wie man auch auf die verrückte Annahme gekommen ist bei den Atheisten, daß der Mensch von den Affen abstamme.) Würde eine solche Gesellschaft, die ihre hirnverbrannten Grundsätze mit klarem Bewußtsein festhtelte, die irdische Wohlfahrt bezwecken können? Nimmermehr! Denn was sollte den Atheisten abhalten, zu lügen, zu betrügen, zu stehlen, zu morden u.s.w.? Das Gewissen? Die Furcht vor Gott? Nein, er leugnet ja solches. Aber woher kömmt es, daß dennoch diese Gesellen von Recht und Unrecht reden? Es kömmt daher, daß einige Ueber-bleibsel des Guten aus früheren Zeiten sich noch bei ihnen vorfinden; daß sie in Wahrheit selber nicht glauben, was sie sagen, und wider Willen die hier ausgesprochenen Grundsätze stillschweigend anerkennen müssen. Anders freilich ist das bei denjenigen, die in ihrer Atheisterei ins gottlose Leben immer tiefer und tiefer gerathen sind, zu wilden Bestien sich ausgebildet und alle Scheu vor Schand und Laster vollends von sich geworfen haben. Diese hat Gott im Feuereifer seines Zornes dahingegeben, daß sie jeder Gewissensempfindung baar geworden sind. Man sieht das hin und wieder an einzelnen Verbrechern, als z. B. an Traupmann.
Zu 4 — 6. Die Bemerkungen der Synode zu diesen drei Thesen waren nur kurz und dienten nur dazu, den Wortverstand klar zu machen. Bei These 6. war es der Synode fraglich, ob das Christenthum für einen Bestand-theil des oonunon durch den obersten Gerichtshof erklärt worden ist. Ein Glied der Synode versprach indeß, die betreffende Entscheidung abschriftlich beizubringen, damit sie als Beleg dienen möge. (Ist nicht eingegangen. Bemerkung des Secretärs.)
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Illinois-Synode.
Herr Professor Walther überreichte der Synode einen Auszug aus den diesjährigen Verhandlungen der westlichen Districtssynode. Derselbe wurde verlesen und in der Kürze besprochen. Die Sache ist folgende: Wie bekannt ist, so wurde die Vereinbarung unserer Allgemeinen Synode mit der Synode
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von Illinois auf der Allgemeinen Synode in Fort Wayne noch hinausgeschoben, weil unsererseits einige Bedenken gegen die Lehre und Praxis genannter Synode vorhanden waren. Zur Hebung dieser Bedenken wurde die fernere Abhaltung freier Conferenzen durch die Glieder beider Synoden ange-rathen. Dem sind nun die Illinois - Bruder und die Brüder unserer westlichen Districtssynode nachgekommen und es hat sich durch Gottes Segen das Verhältniß so geklärt, daß die westliche Districtssynode ihrerseits sich überzeugt hat, daß der Bestätigung der früher» Vereinbarung ferner nichts mehr im Wege stehe; sie hat auch die Bereitwilligkeit ausgesprochen, bet der nächsten Allgemeinen Synodalsitzung diese Bestätigung zu beantragen und zu befürworten. Es liegt nun unfern Brüdern im westlichen District daran, von uns zu erfahren, wie unsere Gesinnung und Urtheil über diese ihre Handlungsweise sei. Sie wünschen nicht von den ändern Districten so angesehen zu werden, als ob sie als Districtssynode eine kirchenrechtliche Verbindung mit einer ändern lutherischen Körperschaft eingegangen seien; denn das sei es nicht; es sei auch gar nicht die Absicht der Synode gewesen, dieses wider die Synodal-Constitution zu thun. Sie habe sich aber Gewissens halber für verpflichtet erachtet, diese Erklärung öffentlich abzugeben, da die ganze versammelte Illinois - Synode sich auf sehr erfreuliche Weise für reine Lehre und rechte Praxis ausgesprochen und auch erklärt hat, daß sie das von ihr früher geschehene Unlutherische verwerft, auch die Consequenzen nicht scheuen wolle, die aus der zwischen uns und ihnen im Werk begriffenen Vereinbarung für sie hervorgehen müssen in Ansehung ihrer kirchlichen Stellung zum Oensral Oounoll und der etwa sich vorfindenden mißlichen Stellung einzelner Gemeinden von ihnen und uns zu einander. Es wurde beschlossen: Wir erklären auf Grund der uns vorgelegten Thatsachen unsere herzliche Einigkeit mit dieser Handlungsweise unserer westlichen Districtssynode.
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Den Antrag der Gemeinde in New York betreffend.
Der Herr Allgemeine Präses theilte mit, daß bei ihm ein Schreiben der lutherischen Gemeinde in New Aork eingegangen sei, in welchem diese den Wunsch ausspricht, veranlaßt durch den Brand unsers Gymnasiums in Fort Wayne, daß in den betreffenden Gemeinden unserer Synode, in deren Mitte sich Gebäulichkeiten der Synode befinden, eine größere Anzahl von Trustees aus der Zuhörerschaft und zwar aus den resx. Ortsgemeinden erwählt werden möchten. Der Brief wurde svorgelesen und beschlossen, daß dem Verlangen nicht Folge gegeben werden könne, weil es wider Cap. 5. H. H 3 unserer Constitution sei. Nach dieser müssen die Trustees Beamte der Synode sein. Zudem sei es auch nicht rathsam, das Gewicht, welches die Trustees einer öffentlichen Anstalt haben, in die Hände von Privatpersonen einer und derselben Gemeinde zu legen.
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Die leere Baukasse betreffend.
Die Aufsichtsbehörde unserer Anstalt in Fort Wayne ließ durch einige ihrer Glieder den Nothstand vorstellen, in dem sich unsere Baukasse befindet. Es sei ja anzuerkennen, wie opferwillig unsere Gemeinden in Folge des stattgehabten Brandes des Colleges gewesen seien, um den Schaden wieder gut zu machen. Die für die allgemeine Baukaffe eingegangenen Gelder aber haben bei weitem die Bedürfnisse nicht bestritten, die durchaus zu bestreiten sind. In St. Louis, Fort Wayne und Addison muß gebaut werden, wenn der Gesundheitszustand der Zöglinge nicht gefährdet werden soll. Geringe Summen reichen nicht zu; es muß eine recht kräftige Anstrengung gemacht werden. Es wurde der Vorschlag gemacht, einen geeigneten Mann als Collector und reisenden Agenten anzustellen, der es sich zur Lebensaufgabe machen müsse, für die Anstalten der Synode zu wirken. Man glaubte, daß ein solcher Mann, der in der Sache recht orientirt sei und der die Gabe habe, auf eindringliche, freundliche, nicht gesetztreiberische Weise den Nothstand mit beredter Zunge den Gemeinden vorzustellen, einen tieferen Eindruck auf die Gemeinden machen und kräftiger zur Liebesthätigkeit reizen werde. Häufig fehle es in den Gemeinden an klarer Einsicht in die Bedürfnisse unserer Anstalten. Daran seien dann fteilich wohl die Pastoren schuld; aber mancher Pastor sei beim besten Willen schwer dahin zu bringen, sich der Sache so anzunehmen und dieselbe so zu betreiben, wie es zu wünschen sei. Mancher sei blöde, lasse sich durch einzelne.Unwillige zurückschrecken, oder habe mit eigner Noth ums tägliche Brod zu kämpfen, so daß es schlechterdings nicht zu einem sichern, freudigen Angriff und dann auch anhaltender Sorge für die Anstalten der Synode bei ihm kommen wolle. Freilich, wäre die Liebe unter uns recht brünstig, so hätte man dieses Mittel nicht nöthig; aber es sei doch auch dasselbe nicht unevangelisch; ja es werde — so es nur auf rechte Weise betrieben werde — mit dazu dienen, die Liebe zur Erhaltung unserer Anstalten kräftig anzufeuern. Wir müssen darauf sehen, daß der Segen, den uns Gott in unfern Anstalten gegeben hat, nicht verschüttet wird; hat uns doch Gott im Kleinen eine ähnliche Zeit wiedergeschenkt, wie er sie einst großartig zur Reformationszeit gab durch das Aufblühen gelehrter Schulen in Deutschland.
So sehr auch auf diese Weise die Anstellung eines Agenten der Anstalt befürwortet wurde, so konnte sich doch die Synode für jetzt noch nicht dazu entschließen, sondern faßte den Beschluß: daß die Pastoren und Deputirten nach ihrer Zurückkunst in die Gemeinden eiligst dahin wirken sollten, daß der leeren Baukaffe aufgeholfen werde. Herr Professor Walther wurde noch gebeten, eine Aufforderung zur Beisteuer im „Lutheraner" ergehen zu lassen.
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Verschiedenes.
1. Das Committee zur Durchsicht des Kassenberichts des Districts-Kasstrers, Herr D. Droste, stattete einen Bericht ab, der angenommen wurde.
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2. Ein Schreiben der Gemeinde zu Pomeroy, worin dieselbe die Synode um Rath bittet, wie sie sich in Betreff der, einer Gemeinde aus der Ohio-Synode angehörtgen, um Aufnahme aufragenden Glieder zu verhalten habe, wurde vorgelesen. Die Synode wies diese Gemeinde an ihren Districts-Präses, zu dem sie das Zutrauen habe, daß er die Gemeinde im Sinne der Synode berathen werde.
3. Der Ehrw. Allgem. Präses, Herr Professor Walther, wurde von der Synode einstimmig gebeten, die Eröffnungspredigt im „Lutheraner" veröffentlichen zu wollen.
4. Der Distrtcts-Kassirer, Herr D. Droste, reichte eine Bittschrift um Entlassung ein, da ihm Zeit und Kräfte fehlten, diesem Amte vorstehen zu können. Die Entlassung wurde ihm angesichts der vorgelegten Verhältnisse gewährt, und wurde an seiner Statt Herr Lehrer C. Grahl von Fort Wayne von der Synode gebeten Und bevollmächtigt, ihr Kassirer zu sein.
5. Beschlossen, daß die Conferenz - Protokolle bei Gelegenheit der jährlichen Synodalversammlungen von einer durch den Präses dazu ernannten Committee durchgesehen und die wichtigsten Gegenstände der Synode vorgelegt und dann unter den Conftrenzen gegenseitig ausgetauscht werden sollen. Dies wird von großem Segen sein, da auf diese Weise die Conferenzen sich gegenseitig inspiciren und zu desto größerem Fleiße reizen, auch dadurch verhütet wird, daß nicht verkehrte Wege eingeschlagen werden. Der Ehrw. Districts-Präses wurde ersucht, darauf zu halten, daß die rs8x. Secretäre die Protokolle mitbringen.
6. Beschlossen, daß der hiesigen Gemeinde im Abendgottesdienste der herzlichste Dank für die freundliche Bewirthung der Synode abgestattet werde. Eben so
7. Beschlossen, daß der kastor lool in einem hiesigen englischen Blatte den Rail-Road-Compagnien im Namen der Synode für die erwiesenen Vergünstigungen den schuldigen Dank abstatte.
8. Schließlich wurden noch die Einladungen für die nächste Synodal-Sitzung vorgelegt: von den Gemeinden in Cincinnati, Logansport und Indianapolis. Die Mehrheit entschied sich für Indianapolis und zwar am zweiten Mittwoch im August 1871.
Die Synode schloß ihre gesegneten Sitzungen mit dem Gebet des HErrn. Die Pastoren hielten noch am nächsten Tage zwei Pastoral - Conferenzen ab.
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Gottesdienste.
Es predigten:
Freitag-Abend in East Cleveland Pastor Hochstetter.
„ „ in West Cleveland Pastor Dulitz.
Sonntag-Morgen in East Cleveland Pastor H. Kühn über das Evangelium Luc. 16,1—9.
„ „ in West Cleveland Pastor Jäbker über dasselbe Evangel.
„ Nachmittags in West Cleveland Pastor Wüstemann,
„ Abends in East Cleveland Pastor Jüngel, beide über die Epistel 1 Cor. 10, 6—13.
Dienstag-Abend: Pastoral-Predigt durch vr. Sihler über 1 Timoth. 4,12.
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Beamte:
A. Der Allgemeinen Synode: Professor C. F. W. Walther, Präses; Pastor Th. I. Brohm, Vice-Präses; Pastor G. Küchle, Secretär; Herr I. F. Schuricht, Kassirer.
B. Des Mittleren Districts: Pastor H. C. Schwan, Präses; Pastor W. S. Stubnatzy, Vice-Präses; Pastor Th. Wichmann, Secretär; Lehrer C. Grahl, Kassirer.