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Till Westermayer

Bewerbung Parteirat

Redezeit: 4 Minuten

Es gilt das gesprochene Wort


Liebe Freundinnen und Freunde,

für mich ist der Parteirat das strategische Herz der Partei. Deswegen werde ich jetzt auch keine inhaltliche Rede halten. Meine Leib- und Magenthemen sind Wissenschafts- und Netzpolitik, dass ich das kann, und dass ich für Hochschulen und Studierende, Informationsfreiheit und Bürgerrechte brenne, das wisst ihr.

Ich fange mit einem Punkt an, der ein bisschen heikel ist: Ich bin mit Leib und Seele Vegetarier.

Schuld daran ist die Grüne Jugend. Die habe ich vor 22 Jahren mitgegründet. Und so lange bin ich grün-aktiv. Unter anderem 12 Jahre lang als Kreisvorstand in meiner Heimat Breisgau- Hochschwarzwald, und die letzten acht Jahre durfte ich euer Delegierter für den Länderrat sein. Danke dafür!

22 Jahre grün heißt nun auch, dass ich eine ganze Menge an Tiefs, aber auch an Hochs miterlebt habe. Ein Lernprozess: Die Partei hat sich in dieser Zeit mehrfach neuerfunden. Und auch ich selbst habe einiges dazugelernt. Und das ist ja auch gut so, denn nur wer sich ändert, bleibt sich treu.

Es zeichnet uns Grüne aus, dass wir es geschafft haben, über all diese Neuerfindungen hinweg unseren Wesenskern zu behalten. Wir sind die Partei, die von vorne bis hinten für Ökologie steht, und wir sind die Partei, die diesen grünen Faden immer schon mit Emanzipation, mit Freiheit und mit sozialer Gerechtigkeit verbindet. Kurz: Wir haben unseren Leitstern nicht verloren.

Allerdings sind Nachhaltigkeit und emanzipatorisch verstandene Freiheit zwei Werte, die sich durchaus widersprechen können. Zu unserem Lernprozess gehört es, dieses Verhältnis immer wieder neu austarieren zu müssen - egal, ob es um den Veggieday oder um die Wissenschaftsfreiheit geht.

Ich bin Vegetarier, und allein schon deswegen fällt mir das mit dem Krötenschlucken schwer. Überhaupt: Zur grünen Eigenständigkeit gehört es halt auch, dass wir Kröten lieber über die Straße helfen, statt sie zu schlucken. Aber es müssen ja nicht immer Kröten sein. Zur Politik gehört der produktive Streit um Lösungen, die weder zu 100% der einen noch zu 100% der anderen Seite entsprechen. Es zeichnet uns Grüne in Baden-Württemberg aus, dass wir uns immer wieder darauf einlassen, echte Lösungen zu suchen, nicht das formelhafte Wegschieben von Konflikten. Das ist oft innovativ im besten Wortsinn. Diesen Streit um neue Lösungen sollten wir kultivieren. Orte dafür aufzubauen und zu finden, ist eine ganz wichtige Motivation für meine Kandidatur.

Wir sind 2011 auch deswegen gewählt worden, weil viele Menschen den Nebel leid waren, der über dem Land lag. Wir haben ihn weggepustet, aber wir können keine Garantien auf ewig schönes Wetter geben. Viele konfrontieren uns mit ihren Hoffnungen. Ich erlebe das in meiner Arbeit in der Landtagsfraktion immer wieder - egal, ob es um Freie Radios, um Hochschulen oder um Netzpolitik geht. Das Glas ist nie voll genug. Hier hilft nur, immer wieder das Gespräch zu suchen.

In den nächsten zwei Jahren stehen wir vor unserer vielleicht wichtigsten Herausforderung: Wir müssen uns als Regierungspartei neu erfinden. Damit sind wir noch nicht fertig. Wir haben noch keine Antwort darauf, was die Politik des Gehörtwerdens für uns als Partei bedeutet. Und wir müssen entscheiden, wie wir 2016 in die Landtagswahl gehen. Dafür gute Lösungen zu finden, daran möchte ich mitarbeiten.

Ich weiß: die Auswahl heute fällt schwer. Ich möchte mich mit Mut, Gelassenheit und Verstand sehr gerne in den Parteirat einbringen - und bitte dafür um eure Stimme.

Bitte beachten Sie: Als Richtwert kann von einer Rededauer von ca. 1 Minuten pro Textseite ausgegangen werden.