ERASMUS+ - PROJEKT

 

Junge Europäer schreiben / machen Geschichte.

Die Schüler des Schloß-Gymnasiums nehmen seit Beginn des Schuljahres an einem besonderen Programm teil, das sich Erasmus + nennt. Dies bedeutet drei Jahre Recherchen und kreatives Wirken mit Jugendlichen aus Frankreich, Italien, Spanien und Litauen zum Thema politisches Engagement. Auf dem Programm stehen Filme, Theater und Treffen in den teilnehmenden Ländern Europas.

Besuch des Zeitzeugen, Herrn Gießwein - zwischen unserem Schulleiter, Herr Millard (links), und Herrn Werner -, im Schloß-Gymnasium zur Vorbereitung des Interviews

„Ziel des Projektes ist es, sich mit dem politischen und sozialen Engagement zweier Generationen auseinanderzusetzen: Dem der Generation unserer Großeltern und unserem eigenen“, sagt eine teilnehmende Schülerin des Schloß-Gymnasiums. „Dafür werden die Nachkommen von Personen interviewt, die in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts in unserem Alter waren, bzw. ihre Nachkommen. Sie stammen aus Italien, Spanien, Frankreich, Litauen und Deutschland. Wir versuchen zu verstehen, was sie bewogen hat, sich im spanischen Bürgerkrieg und im Zweiten Weltkrieg zu engagieren“, fügt eine andere Teilnehmerin hinzu.

Das Projekt mit dem Titel „Junge Europäer machen Geschichte“ wurde von Lehrern der Berthelot-Schule in Toulouse entwickelt und von der Erasmus + Agentur ausgewählt. Dies ist eine erfreuliche Tatsache, da nur ein relativ kleiner Teil der gemeldeten Dossiers für eine Finanzierung ausgewählt wird. Damit haben die teilnehmenden Schüler des Schloß-Gymnasiums die Möglichkeit im Rahmen der zweimal im Jahr stattfindenden internationalen Treffen an dem Fortgang des Projektes zu arbeiten. Ein Projekt, das insgesamt 250 bis 300 Jugendliche aus fünf Ländern Europas zusammenbringt.

„Das Schöne an diesem Projekt ist die Zusammenarbeit von so vielen Jugendlichen aus unterschiedlichen Ländern zum gleichen Thema. Drei Jahre lang werden sich die Schüler in den fünf teilnehmenden Ländern einander ablösen um in Theaterateliers und Filmclubs das Thema aufzuarbeiten und einen gemeinsamen Dokumentarfilm zu produzieren. Dieser soll den Blick junger Europäer von heute auf das Engagement ihrer Vorfahren gegen Diktatur und Faschismus in den 30er-40er Jahren lenken“, wie Heinz Werner, Lehrer für Geschichte, Englisch und Spanisch und Koordinator des Projektes am Schloß-Gymnasium, erläutert. „Wir hoffen damit schulische Fähigkeiten wie Ausdrucksfähigkeit oder Gruppenarbeit auch mit Hilfe von eher außerschulischen Aktivitäten zu fördern.“

Im Februar haben Schüler des Schloß-Gymnasiums, die vorher in Interview-Techniken durch eine Filmemacherin aus Toulouse eingeführt worden waren, Herrn R. Gießwein, in Wuppertal getroffen und interviewt.

Die Teilnehmer am Projekt zur Erstellung des Dokumentarfilmes lernen Herrn Gießwein
kennen und haben Gelegenheit, ihn persönlich zu befragen.

Herr Gießwein ist der Sohn eines im Nationalsozialismus verfolgten Kommunisten, der sich aus dem Exil in den Niederlanden den Internationalen Brigaden im spanischen Bürgerkrieg gegen Franco anschloß. „Mein Vater hatte für seine politische Überzeugung gekämpft; auch um den Preis, dass er seine Familien in Deutschland zurücklasen musste. Ich glaube nicht, dass ich zu einem solchen Opfer bereit gewesen wäre“, so Herr Gießwein über das politische Engagement seines Vaters. Die Schüler sind von dem Einsatz Herrn Geißweins beeindruckt, „weil er aufgrund seiner Überzeugung sein Leben riskierte und für die Freiheit einer anderen Nation kämpfte. Ich persönlich würde mich in so einer Situation der Machtübernahme durch Rechtsextremisten auch politisch engagieren, aber niemals als ein Soldat im Krieg. Und genau deshalb bin ich beim Erasmus+ Projekt dabei, um mich zu engagieren!“, erklärt Anass, einer der teilnehmenden Schüler.

Teilnehmer am Interview mit Herrn Gießwein in Wuppertal im Februar 2017

Für Zoe ist es vor allem wichtig, dass „unsere Generation viel bewegen kann und Interesse an aktuellen Geschehnissen zeigen sollte. Europa ist ein wichtiger Zusammenschluss, der in den letzten Jahren für immer selbstverständlicher gehalten wurde und dessen Image sich verschlechtert hat. Allerdings wird der Zusammenhalt bei Problemen wie Terrorismus und Diskriminierung immer wichtiger.“

Das Programm führt auch dazu, dass sich Denkweisen verändern. Im Dezember sind vier Schüler des Schloß-Gymnasiums nach Litauen gefahren. Dort wurden von den Schülern unter anderem die Lebensläufe der Personen den Schülern und Lehrern der jeweils anderen Länder vorgestellt und die Interviews vorbereitet. „In Vilnius ist mir durch das Arbeiten mit den Schülern, die Museumsbesuche, die Vorträge und auch durch die sehr herzliche Aufnahme in meiner Gastfamilie, in der ich mich trotz sprachlicher Barrieren sehr wohl gefühlt habe, klar geworden, wie wertvoll der Austausch mit so vielen Nationen und Kulturen ist. Trotz unterschiedlicher Herkunft verbindet uns alle ein Teil der Geschichte“, bekräftigt Zoe.

Erstes internationales Treffen in Vilnius im Dezember 2016 - Die teilnehmenden Schülerinnen und Schüler

informieren sich gegenseitig über die Geschichte ihres Landes in der Zeit zwischen dem 1. und 2. Weltkrieg und bereiten die Interviews mit den Zeitzeugen vor.

Im Mai werden zwölf Jugendliche und fünf Lehrer unserer Schule nach Italien fahren, um nach den Interviews und den Arbeiten des Theaterprojektes eine erste Bilanz zu ziehen. „Ich hoffe, dass am Ende alle Schüler beim Thema politisches Engagement sensibilisiert sind und merken wie wichtig es ist, sich in das politische und soziale Leben des Landes einzubringen, um die Demokratie, die wir geerbt haben, lebendig zu halten,“ sagt M. Husson, der Initiator und Gesamtkoordinator des Projektes. Durch die verfilmten Porträts der Freiwilligen, die sich in den Kriegen der 30er-40er Jahre engagierten, und ihrer Nachkommen, hoffen die Jugendlichen und ihre Lehrer ein besseres Verständnis vom Engagement gegen den Faschismus in der Zeit des Spanischen Bürgerkrieges und des Zweiten Weltkrieges zu bekommen.

Besuch mit Führung der Gedenkstätte Ninth Fort in Kaunas / Litauen im Dezember; diese ehemalige Festung wurde in der Zeit des 2. Weltkrieges zu  einer Vernichtungsstätte für Juden. 

Der Dokumentarfilm soll anlässlich des 80. Gedenkjahres zum Ende des Spanischen Bürgerkrieges 2019 in Toulouse gezeigt und eventuell später auch im Programm Arte länderübergreifend ausgestrahlt werden.

Präsentation am Tag der Offenen Tür

(November 2016)

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Teilnehmende Lehrer und Schüler am Erasmus-Projekt

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Das vom Schüler Anaas Laábich entworfene Logo für das Gesamtprojekt

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