Nobelpreis für Medizin - Umsetzung der Erkenntnis in die Praxis

Wie Orientierung im Gehirn entsteht

von Konrad Wiesendanger, Partner SokratesGroup

Wie sich der Mensch im Raum orientiert, wird seit einigen Jahren entschlüsselt. Der diesjährige Medizin-Nobelpreis würdigt die bahnbrechende Arbeit von John O’Keefe und dem Forscherpaar May-Britt Moser und Edvard Moser, die im Hippocampus des Gehirns die sogenannten Orts- und Rasterzellen entdeckten.

Was in der Presse als “das menschliche Navi” bezeichnet wird, ist ein Orientierungssystem, das dem Menschen hilft, sich innerhalb kürzester Zeit in fremden Räumen und Strukturen zurechtzufinden.

 

Orientierung und Ordnung

Wenn wir unsere Sachen wieder finden wollen, verräumen wir sie nach einem räumlichen Ordnungssystem, das aber für Aussenstehende nicht unbedingt durchschaubar ist. Wenn wir aber wollen, dass auch jemand anders diese Sachen wieder finden kann, sind wir bestrebt, dass sich die Ordnung in einem Raster abbilden lassen kann. Den Hinweis, dass ein Dokument in der zweiten Schublade von rechts in der dritten Reihe von oben im hinteren Drittel des Buchstabens G zu finden sei, versteht jeder schnell. Die Rasterzellen im Hippocampus ermöglichen im Verbund mit der Wahrnehmung der Körperposition eine schnelle Orientierung, Klarheit und Sicherheit.

 

Orientierung in der Kommunikation

Die Kommunikation in der Arbeitswelt ist ebenfalls eine komplexe Orientierungsaufgabe. Wer sagt was; wie ist es gemeint? Welche Argumente müssen berücksichtigt werden, um auf eine gute Lösung zu kommen? Wird über Menschen oder Funktionen gesprochen?

Ein Raster, das die Orientierung in der Kommunikation vereinfacht und sie für alle Beteiligten zugänglich macht, kann viele schwerfällige Prozesse vereinfachen und beschleunigen, Konflikte vermeiden oder leichter klären sowie die Planung der nahen und mittleren Zukunft von Organisationen erleichtern.

 

Dieses Raster gibt es!

Das SokratesMapConcept (SMC) ist ein morphologisches Raster, das gehirngerechte Orientierung schafft, vergleichbar mit einem Stadtplan. Ob in komplexen Projektsitzungen, bei Konflikten im Team, oder für die Darstellung ganzer Organisationen, die Sokrates Karten bilden die Sachverhalte mit einer leicht nachvollziehbaren Struktur ab und ermöglichen allen Beteiligten, sich schnell zu orientieren und ihre Ideen für alle verständlich einzubringen.

Das SMC erlaubt auch, die Karten über ein Webtool zu verknüpfen und so wie ein Zoom in die Tiefe der Organisation zu blicken, ohne die Orientierung zu verlieren. Die gleichzeitige Abbildung von Abteilungen und den dazugehörigen Jobprofilen erleichtert Führungsaufgaben, die Rekrutierung und Einarbeitung geeigneter Mitarbeitender und die gezielte Planung von Weiterbildung.

 

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Die Orientierungs- und Rasterzellen finden ihr Pendant auf der Sokrates Karte, so die These. Die Verbindungsarbeit des Gehirns zwischen der Erfahrungswelt und der Realität verläuft unmittelbarer effizienter, schneller und fehlerfreier. Lernen erfolgt wesentlich schneller und auch die Kommunikation zwischen Menschen gelingt weitgehend konfliktfrei und konstruktiver.  

Die Entstehung des SokratesMapConcepts

Schon 2005 vermutete Thomas Braun, der Entwickler des SokratesMapConcepts, dass das Gehirn Koordinatennetze zu spannen scheint. Die Entwicklung des Koordinatensystems im Bereich der Kartografie, die Entwicklung des Morphologischen Kastens durch den Astrophysiker Fritz Zwicky in der Mitte des letzten Jahrhunderts, Kreuzworträtsel und nicht zuletzt das berühmte Memory-Spiel zeigen, dass der Mensch dank Informationen, die in einem Raster abgelegt sind, ihr Erinnerungsvermögen massiv steigern können. Für Thomas Braun lag es auf der Hand, Informationen in Koordinaten abzulegen, in sogenannte Sokrates Karten. Der Aufbau von solchen Karten führt zu einer verbesserten Erinnerungsfähigkeit und legt damit Ressourcen frei für kreatives Denken. Zusammenhänge werden oft überhaupt erst sichtbar, das Zusammenspiel von Faktoren auf der Metaebene, das früher nur erfahrenen Fachleuten vorbehalten war, kann nun dank der Ablage in Raster (Sokrates Karten) auch von weniger erfahrenen Personen nachvollzogen und leichter erlernt werden. Diese Effekte, die jederzeit wiederholbar sind, können nur auf eine korrespondierenden Struktur im Gehirn zurückzuführen sein, so die damalige These von Thomas Braun. Dass der Nachweis der Orts- und Rasterzellen im  Gehirn nun mit dem Medizin-Nobelpreis ausgezeichnet wurde, bestätigt die Bedeutung seiner These auf eindrückliche Weise.