Exposé Promotionsvorhaben: Open Science und Open Access

Exposé Promotionsvorhaben

Open Science und Open Access: Eine praxistheoretische Studie zum Verständnis der Konzepte vor dem Hintergrund von Differenzierung zwischen verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen und wissenschaftlicher Reputation

20120809, Version 1.3

Christian Heise
Diplom Politikwissenschaftler
Reimarusstrasse 10
20459 Hamburg
christian.heise@gmail.com

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Open Science und Open Access: Eine praxistheoretische Studie zum Verständnis der Konzepte vor dem Hintergrund von Differenzierung zwischen verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen und wissenschaftlicher Reputation

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Promotionsexposé zur Zulassung als Promotionsstudent der Leuphana Universität Lüneburg, Frist: 31.07.2012

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deutsch


Abstract

Im Rahmen des Promotionsvorhabens soll wissenschaftlich erarbeitet werden, wie sich das Konzept „Open Access“ als Bestandteil der Open Science Bewegung im Laufe der Zeit entwickelt und verändert hat. Vor diesem Hintergrund sollen die Prinzipien des Hybrid Publishing definiert und evaluiert werden. Darüber hinaus soll bewertet werden, inwiefern wissenschaftliche Reputation und finanzielle Interessen als Treiber für Open Access im Rahmen von akademischen Publizieren funktionieren und welche Bedingungen in den unterschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen den Einsatz von Open Access beeinflussen. Abschließend soll auf Grundlage der Forschungsergebnisse ein Ausblick auf die weitere Entwicklung von offenen Strukturen im Rahmen von wissenschaftlichen Publikationen aber auch darüber hinaus gewagt werden.


1. Einführung in die Thematik

Obwohl die Wissenschaft von der freien Kommunikation lebt[1], befinden sich wissenschaftliche Bibliotheken seit Jahren in einer Krise, die immer mehr ihre Existenz bedroht. Sie sind mit einem Erlösmodell der Wissenschaftsverlage konfrontiert, das die Mission der Bibliotheken konterkariert.[2] Es basiert auf einem sehr „ungewöhnlichen Geschäftsmodell“[3] mit drei Teilnehmergruppen: Erstens die Wissenschaftler, sie forschen und verfassen wissenschaftliche Arbeiten und übernehmen dabei auch auch nachgelagerte redaktionelle Dienstleistungen rund um das akademische Publizieren. Zweitens, die Verlage, sie agieren als Mittelsmann und überprüfen die wissenschaftlichen Publikationen sowie veröffentlichen und vertreiben diese. Drittens, die wissenschaftlichen Einrichtungen, die diese Publikationen durch ihre Bibliotheken käuflich von den Verlagen (zurück)erwerben um sie anderen Wissenschaftlern zur Verfügung zu stellen.

Obwohl die wissenschaftlichen Mitarbeiter die meiste Arbeit bei der Erstellung und Überprüfung der vom Verlag vertriebenen Publikation übernehmen, werden sie nur selten dafür von den Verlagen bezahlt oder erledigen diese Arbeit im Rahmen ihrer Arbeitszeit, die durch die wissenschaftlichen Einrichtungen und nicht durch die Verlage finanziert werden. Ungewöhnlich ist das vor allem bei akademischen Publikationen die an öffentlich finanzierten Institutionen und Hochschulen erstellt werden. Hier ist die Erstellung der Publikationen für die Verlage fast kostenlos beziehungsweise durch Steuergelder finanziert. Trotzdem müssen die erstellten Publikationen von den Verlagen teuer über die öffentlichen Bibliotheken zurückgekauft werden. Nicht selten erwerben die Verlage in diesem Prozess auch das alleinige Nutzungsrecht für die Veröffentlichung und kapitalisieren damit öffentlich finanzierte Forschung. Der Kreislauf für diese äußerst lukrative Wertschöpfungskette beginnt von Neuem, wenn durch diese Publikationen wieder neuer wissenschaftlicher Inhalt entsteht, der erneut durch die Verlage vertrieben wird.

Trotz des „ungewöhnlichen Geschäftsmodells“ wird der Zyklus von den meisten Fakultätsmitarbeitern aus zwei Gründen unterstützt. Zum einen sind Mitarbeiter wissenschaftlicher Einrichtungen dazu angehalten neues Wissen zu produzieren und diese Informationen auch zu verbreiten, zum anderen sind sie an der Reputation interessiert, die wiederum nur durch Wissenschaft und Forschung sowie die Publikation der Ergebnisse erreicht werden kann.[4]

In vielen Ländern kommt noch der Umstand hinzu, dass Wissenschaftler für die Qualifikationsmaßnahmen, wie zum Beispiel für eine Promotion, laut den Qualifikationsordungen der Hochschulen verpflichtet sind ihre Arbeiten öffentlich zu publizieren. In diesen Fällen ist es nicht selten, dass erstens der Verlag für die Veröffentlichung der Arbeit des Wissenschaftlers Geld verlangt und zweitens ein alleiniges Nutzungsrecht für das Produkt und den Verkauf erlangt.

Schon Ende des letzten Jahrhunderts versuchten Wissenschaftler diesen Kreislauf zu adressieren und nach alternativen Modellen für das akademische Publizieren zu suchen. Die im Jahr 2003 veröffentlichte Berliner Erklärung fasst die Bemühungen um den freien Zugang zu wissenschaftlichen Publikationen (Open Access) umfassend zusammen und erweitert die Definition nach dem allgemeinen Zugang zu Inhalten. So soll nach der Erklärung jeder Nutzer entsprechend dem Modell der Open Source Software, nicht nur den reinen Zugang, sondern auch weitgehende Nutzungsrechte erwerben können. Die Unterzeichner deutscher und internationaler Forschungsorganisationen fordern darüber hinaus, dass  "die Urheber und die Rechteinhaber solcher Veröffentlichungen allen Nutzern unwiderruflich das freie, weltweite Zugangsrecht  zu diesen Veröffentlichungen“ gewähren und ihnen erlauben „diese Veröffentlichungen – in jedem beliebigen digitalen Medium und für jeden verantwortbaren Zweck – zu kopieren, zu nutzen, zu verbreiten, zu übertragen und öffentlich wiederzugeben sowie Bearbeitungen davon zu erstellen und zu verbreiten, sofern die Urheberschaft korrekt angegeben wird."[5]

In den neun Jahre nach der Erklärung sind Bibliothekare und Wissenschaftler nur schleppend den Grundgedanken dieser Erklärung gefolgt und noch immer in dem Closed Access System gefangen, verängstigt durch die Verleger und der unklaren Rechtslage. Es gibt noch immer keine Preiskontrolle und seit Jahren werden weltweit Milliarden für den Rückkauf beziehungsweise das Abonnieren von wissenschaftlicher Publikationen an Verlage aus meist öffentlichen Geldern gezahlt[6]. Innovationen weg vom Closed Access Modell hin zum Open Access Modell werden nur schleppend evaluiert und adaptiert. Vor allem ältere Generationen in der Wissenschaft sind nicht gewillt sich mit neuen Konzepten rund um das Thema wissenschaftliches Publizieren auseinander zu setzen und junge Generationen sind überfordert von eventuellen Kosten und mangelnder Reputation.

Dennoch gibt es auch Kritik an dem offenen Zugang zu wissenschaftlichen Materialien auf Basis von Open Access. Die Verlage sehen natürlich ihr lukratives Geschäftsmodell gefährdet und schüren die öffentliche Angst vor großem Jobabbau

in der Branche.[7] Aber auch einige Vertreter der Wissenschaftsgemeinde stehen Open Access kritisch gegenüber. Zum Beispiel sehen sie in der vielseitigen Unterstützung und Förderung der Open Access Veröffentlichungen einen unrechtmäßigen Zwang hin zum Open Modell.[8] Andere haben Vorbehalte gegenüber der Qualitätssicherung bei Open Access und sehen diese Veröffentlichungen als minderwertig an.[9] Aber auch die Angst vor Missbrauch, Urheberrechtsproblemen und Plagiaten stellt nicht unwesentliche Faktoren bei den Bedenken vor Open Access bei Wissenschaftlern dar. Darüber hinaus wird der niedrigere Impact Factor, der unter anderem durch die Zitierhäufigkeit in anderen Veröffentlichungen berechnet wird, bei Open Access Veröffentlichungen als Hindernis für die wissenschaftliche Anerkennung angesehen.[10]

Hinter den genannten Befürchtungen der Verlage und der Wissenschaftsgemeinde steht aber auch eine große Dynamik und steigender politischer Druck im Rahmen sämtlicher Open Bewegungen in den letzten Jahren[11]. So sind die Verlage und auch die Wissenschaftsgemeinde in einer Situation, in der sie sich endlich verändern müssen[12]. Es ist deshlab davon auszugehen, dass sich Bildung und Forschung vor dem Hintergrund von Open Education sowie auch die Rolle der Wissenschaft und das Verhältnis von privaten und öffentlichen Unternehmen Bildungssektor in absehbarer Zeit verändern werden[13].

2. Stand der Forschung

Der in Kapitel 1 beschriebene Zyklus bei dem bisherigen Erlösmodell hinter dem wissenschaftlichen Publizieren ermöglicht den Verlegern Betriebsgewinnmargen von über 35 Prozent[14] und hohe jährliche Wachstumsraten[15]. Ein Erklärungsversuch für das Verständnis seitens der Verlage für dieses Modell liefert Weingart. Er stellt fest, dass „die Wirtschaft (bisher immer) eine öffentliche Finanzierung der Wissenschaft und der Wissensproduktion, im Endeffekt aber gleichzeitig die privat(-wirtschaftliche) Aneignung und Nutzung des produzierten Wissens erwartet“[16]. Das steht der Annahme, dass es der Wissenschaft im Kern aber um Erkenntnisse und den Wissenschaftlern um Reputation geht[17] und dass Forschung von der freien Information lebt, diametral entgegen.

Sucht man nach Gründen für die Unterstützung des bisherigen Modells durch die Wissenschaftsgemeinschaft, wird deutlich, dass vor allem Reputation einen zentralen, extrinsischen Motivationsfaktor für Wissenschaftler dar(stellt)[18]. Die akademische Reputation „ist die zentrale Kommunikationsform, die das Wissenschaftssystem charakterisiert“[19]. Die Ergebnisse aus wissenschaftlicher Forschung werden dabei als Publikationen vor allen Mitgliedern der Wissenschaft präsentiert, „um diese intern von der Wissenschaftsgemeinde als wissenschaftlich bzw. unwissenschaftlich zertifizieren zu lassen"[20]. Diverse Studien offenbaren und erläutern die Motivation und Ängste von Wissenschaftlern in Open Access Veröffentlichungen zu publizieren.[21]

Auch wenn heute schon viele Open-Access Publikationen denjenigen in "Closed Access"-Medien in qualitativer Hinsicht meist nicht nach stehen, ist die Bildung einer guten wissenschaftlichen Reputation bei Nutzung des Open Access Modells derzeit noch immer in der Entwicklung.[22] Es ist zu konstatieren, dass "die Publikation in Open Access Angeboten (...) für viele Wissenschaftler heute noch unattraktiv ist, weil diese Foren nicht über die notwendige Reputation verfügen"[23] und für Wissenschaftler zählt (noch) nicht der eigene kommerzielle Erfolg sondern allein Reputation[24]. Reputation und die Bereitschaft Open Access gegenüber anerkannten Zeitschriften den Vorzug zu geben[25], ist somit für den zukünftigen Erfolg oder Misserfolg des Open-Access-Gedankens von entscheidender Wichtigkeit[26]. Die "Urheber von Wissenschaftspublikationen streben in erster Linie die möglichst breite Wahrnehmung ihrer Beiträge in der Fachöffentlichkeit an. Es ist deswegen nicht verwunderlich, dass Autoren die Veröffentlichung in solchen Zeitschriften oder Publikationen bevorzugen, die möglichst hohe Zitationsraten aufweisen.[27]

Die herrschende Meinung attestiert Open Access einen signifikanten positiven Einfluss auf die Verfügbarkeit von wissenschaftlichen Publikationen.[28] Zwei Vertriebsmodelle haben sich dabei als grobe konzeptionelle Rahmenmodelle durchgesetzt: erstens „Gold“, beschreibt die Öffnung von Zugang bei Erstveröffentlichung der wissenschaftlichen Arbeit und zweitens „Green“, das auf eine Öffnung zur Publikation bei einer Zweitveröffentlichung abzielt. Trotzdem ist die Verbreitung von Open Access unter beiden Vertriebsmodelle unterschiedlich stark ausgeprägt. Es ergeben sich aber auch weitere Unterschiede, so veröffentlichen, relativ auf die Gesamtheit betrachtet, Open Access Journale weniger Artikel pro Jahr als klassische Subscriptions-Journale und Open Access ist in den unterschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen unterschiedlich stark verbreitet[29].

3. Formulierung des eigenen Forschungsinteresses und Fragestellungen

Neben der Abarbeitung der definitorischen Fragen um die Begriffe Open Access in seinen unterschiedlichen Ausprägungen und hybrides Publizieren werden analog zu den aufgezeigten Forschungslücken folgende Fragestellungen abgeleitet: Warum ist Open Access in den verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen unterschiedlich weit verbreitet? Welche Faktoren begünstigen den Einsatz von Open Access in einer wissenschaftlichen Disziplin? Wie stark wirken Reputation oder Kosteneinsparungen als Treiber für den Einsatz von Open Access für wissenschaftliche Publikationen? Kann hybrides Publizieren als Publikationsmischform die Verbreitung von Open Access, besonders in den "rückständigen" Disziplinen, fördern? Welche weiteren extrinsischen Faktoren unterstützen die Verbreitung von Open Access? Welche Möglichkeiten bieten Open Access und das hybride Publizieren für inner- und außeruniversitäre Bildung und Forschung? Führt der Offene (und freie) Zugang und die Diskussion über intellektuelles Eigentumsrecht zu eine Entökonomisierung von Wissen und zu einer fundamentale gesellschaftliche Erneuerung? Welche Chancen und Risiken haben die beiden genannten Open Access Geschäftsmodelle in der Praxis? Welche mögliche Auswirkungen sind auf das Selbstverständnis von Wissenschaft und Wissenschaftler zu erwarten? Was bedeutet Offenheit und freier Zugang im Rahmen des wissenschaftlichen Diskurs- und Machtbegriffs?

Die vorläufige forschungsleitende Hypothese ist dabei, dass sich Open Access in einer Übergangsphasen von der reinen offenen Bereitstellung wissenschaftlicher Publikationen zur umfassenden und offenen Wissensverteilung an die Gesamtgesellschaft befindet. Eine weitere Annahme für diese Arbeit ist, dass die Open Access Bewegung sehr fragmentiert und durch kein eindeutiges Ziel definiert ist. Außerdem sind die Bestrebungen hin zu Open Access unterschiedlich stark in den verschiedenen wissenschaftliche Fachrichtungen ausgeprägt und die Definitionen von Open Access variieren ebenfalls stark. Deshalb sollen medienkulturwissenschaftlich Open Science und Open Access in ihren technischen als auch in ihren gesellschaftlichen und politischen Aspekten sowie die kulturellen Auswirkungen der Medienbrüchen im Rahmen von hybridem Publizieren auf hohem theoretischem Niveau reflektiert werden. Die Analyse in dieser Arbeit soll aus Perspektive des Produzenten und auch aus der (damit nicht immer harmonisierenden) Perspektive des Rezipienten beziehungsweise Medienkonsumenten stattfinden. Dabei soll auch adressiert werden inwiefern Macht, regulierende Prinzipien wie Verknappung sowie die Ein- und Ausgrenzung in den wissenschaftlichen Diskursen, nach dem Diskurs- und Machtbegriff[30] von Michel Foucault[31], mit den Modellen der Open Initiatives in der wissenschaftlichen Kommunikation vereinbar sind oder dem gegenüberstehen. Eine akademische Disziplin oder Fachrichtung, soll in dem Rahmen der Arbeit als ein Zweig des Wissens, der an Hochschulen und Universitäten gelehrt und erforscht wird, verstanden werden. Folgende Fachrichtungen haben sich als übliche Unterteilung herauskristallisiert und werden vor allem im Rahmen von Journal Publishing als Kategorien verwendet: Natural sciences, Social sciences und Humanities. Eine aktuelle Untersuchung über die Verbreitung von Open Access Veröffentlichungen in den unterschiedlichen Kategorien sowie eine Begründung für eine unterschiedliche Verbreitung steht aus und soll im Rahmen dieser Arbeit erfolgen. Darüber hinaus sollen die politischen Prozesse in der Medienwirtschaft beobachtet und im Rahmen der Arbeit auch dort experimentell eingegriffen werden.

4. Methodisches Vorgehen

Ausgehend von den Fragestellungen ist es am erfolgversprechendsten einen transdisziplinär Zugang zur wissenschaftlichen Bearbeitung der Fragestellungen zu wählen, der von den Kulturwissenschaften über die Wirtschaftswissenschaften bis hin zu den Medienwissenschaften reicht. Da die Begriffe “Open Science und „Open Access“ in der wissenschaftlichen Auseinandersetzung auf unterschiedlichste Art und Weise verwendet werden und auch hybrides Publizieren bisher noch nicht eindeutig definiert ist, wird es als sinnvoll erachtet die Begriffsbestimmungen für Open Access und das hybride Publizieren im Rahmen dieser Arbeit vorzunehmen und zu konkretisieren sowie in den historischen und gesellschaftlichen Kontext einzubetten.

In der Forschungsarbeit sollen drei wissenschaftliche Methodologien angewandt werden: das Konzeptionelle/Theoretische, das Ethnographische und das Experimentelle. Die Arbeit folgt dabei der Auffassung des Medientheoretikers Geert Lovink, der diese dreifache Methodik für die Erforschung der digitalen Kultur in “Net works without a Cause: A Critique of Social Media” (2011) für zwingend notwendig er achtet. Darüber hinaus werden die Forschungsergebnisse im experimentellen Umfeld des Inkubators der Leuphana Universität Lüneburg getestet und das ethnographische Vorgehen durch die Einbettung in wirtschaftliche Projekte, wie zum Beispiel in die Entwicklung eines unabhängigen Open-Access-Verlags, geprüft.

Um der Entwicklung von Open Access sowie den Treibern und Bremsern nachgehen zu können, sollen teilstandardisierte Interviews bei den Stakeholdern des akademischen Publizierens explorativ durchgeführt werden, nicht zuletzt weil theoretische Vorannahmen, siehe Kapitel 1, bestehen. Bei den drei Teilnehmergruppen: 1. Wissenschaftler, 2. Verlage, 3. wissenschaftliche Einrichtungen sollen mit Hilfe einer qualitativen Studie auf der Grundlage von Interviews die Gründe für oder gegen Open Access evaluiert und Vorannahmen geprüft werden.

Darüber hinaus soll mit Hilfe einer Studie, auf der Grundlage empirischer Analysen anderer Autoren, die Kosten für die Bereitstellung von Closed Access Magazinen genauer analysiert werden, um zu prüfen, ob je nach Fachrichtung hohe Kosten ein Treiber für Open Access Bestrebungen sind. Abschließend soll es im Rahmen der Arbeit möglich sein, nach der Ausführung der Untersuchung die theoretischen Vorannahmen – auch über den Vergleich von Fallstudien – weiterzuentwickeln. Ziel ist es, letztlich zu einem vertieften theoretischen Verständnis der empirischen Ergebnisse zu gelangen. Im Rahmen der Arbeit am Inkubator bietet es sich hier an, weitere Hypothesen anhand von Experimenten zu gewinnen und diese mit neuen Geschäftsmodellen und politischen Prozessen forscherisch zu begleiten. So können mögliche Verallgemeinerungsmodelle im Rahmen der in Kapitel 3 definierten Fragestellungen theoretisch entwickelt und praktisch geprüft werden.

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 von


[1] Sietmann, Richard (2003): "Offene Wissenschaft. Berliner Erklärung: Wissenschaftliches Publizieren im Internet.“ In: C't 23/2003, S. 60

[2]  Edwards, Richard (2003); Shulenburger, David: “The High Cost of Scholarly Journals (And What to Do About It),” In: Change , 35, 6, 2003, Seite 10 ff.

[3] Peek, Robin (1996): “Scholarly Publishing: Facing the New Frontier,” in: Scholarly Publishing: The Electronic Frontier, ed. Robin P. Peek & Gregory B. Newby, Cambridge, The MIT Press, 1996, Seite 11 

[4] vgl. Edwards, Richard (2003), 12 ff.

[5] Berliner Erklärung über den offenen Zugang zu wissenschaftlichem Wissen vom 22.10.2003, http://oa.mpg.de/lang/de/berlin-prozess/berliner-erklarung

[6] vgl. Suber, Peter (2012): „Open Access“, MIT Press, 2012

[7] vgl. Brummer, Alex (2012): „Open Access“ move puts thousend of UK jobs at risk in http://www.dailymail.co.uk/money/news/article-2160753/Open-access-puts-UK-jobs-risk.html (abgerufen 09.07.2012)

[8] vgl. Uwe Jochum (2009): Urheber ohne Recht. Wie Staat und Bürokratie mittels Open Access Wissenschaftler enteignen. In: Lettre International Nr. 87, 2009, S. 7–12

[9] vgl. Suber, Peter (2012): „Open Access. MIT Press, Seite 50

[10] Neumann, Jan (2006). Auf dem Weg zu einem Open-Access-Geschäftsmodell. Open Source Jahrbuch 2006, S. 326

[11] zum Beispiel die Veröffentlichung des Finch-Reports im Juni 2012, der Vorschläge unterbreitet, wie dieser Übergang zu fast ausschließlichem Open Access Publizieren gestaltet werden kann. Verfügbar unter: http://www.researchinfonet.org/wp-content/uploads/2012/06/Finch-Group-report-executive-summary-FINAL-VERSION.pdf

[12]  vgl. Velterop, Jan (2007): Das Beispiel eines Hybrid-Modells: Springer Open Choice, in: Deutsche UNESCO-Kommission: Open Access. Chancen und Herausforderungen, Bonn 2007, S. 37

[13] z.B. durch eine Kopplung vom Open Access Konzept an Forschungsförderung wie von der Europäischen Kommission im Juli 2012 bekanntgegeben. Verfügbar unter: http://europa.eu/rapid/pressReleasesAction.do?reference=IP/12/790&format=HTML&aged=0&language=DE&guiLanguage=en

[14] vgl. Russel/McGuigan (2008): The Business of Academic Publishing: A Strategic Analysis of the Academic Journal Publishing Industry and its Impact on the Future of Scholarly Publishing, 2008

[15] vgl. The Wellcome Trust: Economic analysis of scientific research publishing, Histon, 2003, online verfügbar unter http://www.wellcome.ac.uk/About-us/Publications/Reports/Biomedical-science/WTD003181.htm

[16] Weingart, Peter (2001): Die Stunde der Wahrheit?: zum Verhältnis der Wissenschaft zu Politik, Wirtschaft und Medien in der Wissensgesellschaft

[17] vgl. Graf, Klaus (2009): Urheberrechtsfibel - Nicht nur für Piraten, Books on Demand, 2009, S. 278

[18] vgl. Minssen, Heiner (2012): Arbeit in der modernen Gesellschaft: Eine Einführung, Springer, Berlin, 2012, S. 45

[19] Rutenfranz, Uwe (1997): "Zur Bedeutung des Mediums Computer für das Kommunikationssystem Wissenschaft", Westdeutscher Verlag, Opladen ,1997, S. 69

[20] Rutenfranz, Uwe (1997): "Zur Bedeutung des Mediums Computer für das Kommunikationssystem Wissenschaft", Westdeutscher Verlag, Opladen ,1997, S. 69

[21] vgl. Mann, F., von Walter, B., Hess, T. and Wigand, R.T. (2009): Open access publishing in science: Why it is highly appreciated but rarely used. Communications of the ACM, 52(3), S. 135–139

[22] vgl. Lutz, Alexander (2012): "Zugang zu wissenschaftlichen Informationen in der digitalen Welt", Mohr Siebeck, Seite 185

[23] Jani, Ole (2011): "Medienrecht Praxishandbuch: Schutz von Medienprodukten", Artur-Axel Wandtke (Hrsg.) 2. Auflage, 2011, Walter de Gruyter, Seite 115

[24] vgl. Minssen, Heiner (2012): Arbeit in der modernen Gesellschaft: Eine Einführung, Springer, Berlin, 2012, S. 45

[25] vgl. Jani, Ole (2011):"Medienrecht Praxishandbuch: Schutz von Medienprodukten", Artur-Axel Wandtke (Hrsg.) 2. Auflage, 2011, Walter de Gruyter, Seite 115

[26] vgl. Lutz, Alexander: (2012) "Zugang zu wissenschaftlichen Informationen in der digitalen Welt", Seite 185, 2012, Mohr Siebeck

[27] vgl. Metzger, Axel (2011): Die urheberrechtliche Gestaltung von Open Access Repositorien, In: Gutachten im Auftrag des Projekts IUWIS - Infrastruktur für Wissenschaft und Bildung in Sachen Urheberrecht, 2011

[28] vgl. Björk B. C., Welling P., Laakso M., Majlender P., Hedlund T., et al. (2010) Open Access to the Scientific Journal Literature: Situation 2009. PLoS ONE 5(6): e11273. doi:10.1371/journal.pone.0011273

[29] vgl. Antelman, Kristin (2004): "Do Open-Access Articles Have a Greater Research Impact?" In: College & Research Library, 2004

[30] vgl. Foucault, Michel (1980): “Power/Knowledge. Selected Interviews and other writings 1972-1977”, Harvester, London, 1980

[31] vgl. Foucault, Michel (1997): “Die Ordnung des Diskurses”, 6. Auflage, Fischer Taschenbuchverlag, Frankfurt a. Main 1997