Sehr geehrte Frau Riedl,

 

die Auffüllung muss schon allein aus Gründen der Verkehrssicherung sein. Sie bietet aber auch naturschutzfachlich nur Vorteile, denn das Gewässer wird erst dann, dank der stärkeren Erwärmung und dem Fehlen von Fischen, als Laichgewässer für Amphibien und Libellen attraktiv und erfolgreich. Auch wegen der Bodenverdichtung würde ich mir keine Sorgen machen: diese Art von Sekundärbiotop braucht geradezu eine regelmäßige Katastrophe, um der natürlichen Waldentwicklung entgegenzuwirken und die spezielle Flora zu fördern, die auf verdichteten Böden im Vorteil ist (Hochstauden wie Steinklee, Natternkopf, Disteln usw.). In einigen ehemaligen Steinbrüchen, auch Naturschutzgebieten, ging der Schutzzweck verloren und verschwanden die Gelbbauchunken, Wechselkröten und Kreuzkröten wieder, weil sie mit beschatteten, zuwachsenden Tümpeln nichts anfangen können. Am Veralgen ihrer Tümpel stören sie sich dagegen überhaupt nicht. So sind sie halt!

 

Stechmücken könnten sich tatsächlich einstellen. Ist aber auch eher ein Naturschutz-Vorteil: räuberische Wasserkäferlarven und kleine Singvögel freuen sich!

 

 

Vielleicht lässt sich versuchsweise in den Zaun an wenig auffälliger Stelle eine Überkletterungshilfe einbauen; dies hielte ich - zumindest so lange der Biotop nicht überlastet und zerstört wird - für ein sinnvolles Entgegenkommen von Seiten der Gemeinde, der es im Übrigen allein zu verdanken ist, dass ein Teil des Biotops jetzt erhalten bleibt. Falls Sie dies dort vorschlagen wollen, grüßen sie BM Oehler bitte herzlich von mir.

 

 

mit freundlichen Grüßen

Christoph Aly

Von: Riedl, Rose-Marie [mailto:r.riedl@hohenstein.de]

Gesendet: Freitag, 10. Januar 2014 12:31

An: Aly, Dr. Christoph (RPK)

Betreff: Tongrube "Rosenäcker" in Wiernsheim/Pinache

Hallo Herr Dr. Aly

 

Wir hatten ja vor einigen Wochen Kontakt wegen der Tongrube „Rosenäcker" in Wiernsheim/Pinache. Erfreulicherweise soll das Biotop ja nun doch erhalten bleiben – die Verträge mit den Eigentümern und damit die Übernahme der relevanten Flächen durch die Gemeinde sind lt. Bürgermeisteramt abgeschlossen.

 

Bei der letzten Gemeinderatssitzung wurde nun erläutert, dass der zugehörige See aber bis auf eine Tiefe von 1,2 m (bisher 6-7 m) aufgeschüttet werden soll und das möglichst kurzfristig. Außerdem soll der Damm zwischen dem See und dem dahinterliegenden Feuchtgebiet durchbrochen und das gesamte Areal neu umzäunt werden, um Wildschweinen den Zutritt zu verwehren.

 

Speziell erstere Maßnahme finde ich ziemlich radikal, da sich damit das Wasser (da nur von Oberflächenwasser gespeist) besonders im Sommer extrem aufheizen und damit wahrscheinlich auch veralgen wird. Da die neue Tiefe anhand des Wasserstandes im Winter, sprich jetzt, definiert wird kann man davon ausgehen, dass sie bei Niedrigwasser im Sommer allenfalls mal bei 0,8-0,9 m liegen dürfte, worüber sich u. a. auch die Stechmücken freuen dürften.

 

Ist das alles mit dem Regierungspräsidium und/oder Landratsamt so abgestimmt und aus Sicht des Naturschutzes tatsächlich sinnvoll? Wenn das so ist, kann man wenigstens davon ausgehen, dass die Teil-Verfüllung wenigstens dann gemacht wird, wenn der Boden gefroren und damit die Kollateralschäden durch schweres Gerät zu vermeiden.

 

Dass es sich beim Biotop auch weiterhin um ein „Idyll hinter Gittern" handeln wird, erfreut mich und meine Mitstreiter ehrlich gesagt auch nicht grade, auch da hätte es ja sicherlich auch andere Möglichkeiten gegeben dem Sicherheitsbedürfnis der Gemeinde Rechnung zu tragen – aber naja, mit meinem Wunsch die Bürger in die Diskussion zum Nutzungskonzept einzubinden, bin ich ja leider kläglich gescheitert. Die eiligst überreichte Ehrenmedaille der Gemeinde hat mich da ehrlich gesagt auch nicht drüber hinweg getröstet

 

Es wäre nett, wenn Sie mir Ihren Kenntnisstand und Ihre Einschätzung übermitteln könnten. Vielen Dank vorweg!

 

 

Mit freundlichen Grueßen / kind regards

 

Dipl.-Betriebsw. (FH) Rose-Marie Riedl