Die Zwitschermaschine: Was von Twitter übrigbleibt. Ein Vortragstext in 228 Tweets[1]. (Kathrin Passig, 2012)
Ursprünglich ein im März 2012 in Graz gehaltener Vortrag, im Herbst 2012 im Residenz Verlag in Die Kunst des Zwitscherns erschienen, zusammen mit den Vorträgen von Helwig Brunner (über zwitschernde Vögel) und Franz Schuh (zwitschernde Schluckspechte).
Der kurze Link zu diesem Googledoc hier: bit.ly/zwitschermaschine
- Meine Twitteranmeldung schob ich lange hinaus: “Peinlich, so spät dran zu sein, alle sind schon da”, dachte ich. Das war im Frühjahr 2008.
- Damals hatte Twitter im deutschsprachigen Raum vielleicht 30.000 aktive Nutzer.
- Heute twittern etwa 500.000 der 100 Millionen Menschen, die Deutsch sprechen, also 1 Prozent[2]. Sie können immer noch zu den Ersten gehören.
- Ich erkläre für alle Fälle ganz grob, was Twitter ist. Wer alles schon weiß, darf weiter unten wieder einsteigen.
- Das Grundkonzept: Nach der Anmeldung kann man vom Rechner oder Smartphone Nachrichten von maximal 140 Zeichen Länge veröffentlichen.
- Tiefdruckgebiet Xenia Horstmann-Guggenbichler hat sich verzogen. Ein Anlass, den Feldschwirl an seinem krautigen Waldsaum aufzusuchen.[a][b][c][d]
Maik Novotny, 27. Juli 2011, twitter.com/the_maki/status/96180761702580225 - So sah der erste Tweet der Welt im Jahr 2006 aus, der historische "Das Pferd frisst keinen Gurkensalat"-Satz des Twitterns:
- just setting up my twttr
Jack, 21. März 2006, twitter.com/jack/status/20 - Die Länge hat historische Gründe: Anfangs lief noch einiges über SMS, eine SMS hat 160 Zeichen, minus 20 für den Twitter-Nutzernamen.
- Twitter ist _das_ Medium für wortkarge Norddeutsche. Wenn nur nicht die 140 Zeichengrenze wäre. Wie textet man so viel Platz überhaupt voll?
Swen Wacker, 22. Dezember 2009, twitter.com/SwenWacker/status/6920199315/ - Eine 140-Zeichen-Nachricht heißt "Tweet". “Twitter” heißt “Zwitschern”, ein “Tweet” ist ein einzelner Piepser, vgl. Sylvester & Tweety.
- Man abonniert die Updates einzelner Personen. Dieser Vorgang heißt "followen" oder "jemandem folgen". Die Leser heißen Follower.
- Wenn man jemanden nicht mehr so interessant findet, kann man ihn "entfollowen" oder "entfolgen".
- Kann man sich hier eigentlich auch selbst entfollowen?
Linda Fischer, 2. Dezember 2008, twitter.com/fraugeschickt/status/1033852497 - Auf fremde Tweets antwortet man, indem man den Nutzernamen mit einem @ voranstellt. Der Adressat erhält eine Benachrichtigung.
- Diesen Tweet widme ich der inzwischen in Vergessenheit geratenen Kulturtechnik des Nachdenkens vor dem Akt der Kommunikation.
Sascha Lobo, 13. März 2009, twitter.com/saschalobo/status/1320871164 - @saschalobo Es ist erst in Vergessenheit geraten, wenn das ZDF eine mehrteilige Dokumentation dazu ausstrahlt.
Matthias Bauer, 13. März 2009, twitter.com/moeffju/status/1320881833 - Die Wolken der Twitter-Beziehungen überschneiden sich an ihren Rändern.
- Anna folgt 100 Personen, Bernd folgt 100 Personen, 10 davon sind identisch. Was diese 10 schreiben, sehen sowohl Anna als auch Bernd.
- Durch die Schnittmengen verbreiten sich Informationen. Zusätzlich gibt es den Retweet: das Weiterleiten von Tweets an den eigenen Kreis.
- Anna retweetet einen Beitrag von Bernd. Jetzt sehen alle ihre Follower diesen Beitrag, auch diejenigen, die Bernd gar nicht folgen.
- @hamoll die moderne variante von "eulen nach athen tragen" ist ja "sascha lobo retweeten"
Taubenvergrämer, 3. März 2009, twitter.com/Vergraemer/status/1273411386 - Mitte 2007 erfand Twitternutzer Chris Messina das (oder den) Hashtag: eine mit einer Raute markierte Zuordnung des Tweets zu einem Thema.
- Mit Hashtags lassen sich Tweets in einen Kontext einordnen, und Nutzer können so nach Veranstaltungen oder Themen suchen.
- New blog post: Eine kleine Taxonomie der Funktionen von Twitter-Hashtags in meiner Timeline http://t.co/L2bSDPuW
Kilian Evang, 26. Januar 2012, twitter.com/texttheater/status/162665564635004928 - Eine der ersten Fragen zu Twitter ist meistens: “Was schreiben die Leute denn da rein?” oder “Was soll ich denn jetzt da reinschreiben?”
- Twittern ist ganz einfach, wenn man die Sache mit den Haupt-, Stütz-, Füll- und Ziertweets erst mal verinnerlicht hat.
Pathos Galore, 5. April 2011,twitter.com/PathosGalore/status/55254498658095104 - Darauf gibt es keine einfache Antwort, weil unterschiedliche Menschen Twitter unterschiedlich nutzen.
- Die einen twittern Links zu Themen, die sie interessant finden.
- DICHTEDIALOG: Ein Projekt zur Zukunft von suburbanen Siedlungsräumen in Graz. http://bit.ly/GEZlNV #suburbia #zwischenstadt
Rainer Rosegger, 22. März 2012, twitter.com/urban_net/status/182610694263422976 - Die anderen schreiben auf, was in ihrem Leben passiert, auch wenn das vielleicht nicht viel ist.
- Zuchinichremesuppe, Gebackener Seelachs - Painade ohne Ei, Petersilkartoffeln, Krapfen. Mit mir komuniziert halt nur das, was ich fress.
Hermes Phettberg, 9. März 2012, twitter.com/Phettberg_McGoo/status/178095007172014081 - Manche erzählen Geschichten in 140 Zeichen.
- Stumm irrte Lorenz zwischen den Autowracks umher. Die Leiche lag mitten auf dem Asphalt. Erst auf den zweiten Blick erkannte er sich.
Florian Meimberg, 20. Juni 2011, twitter.com/tiny_tales/status/82772719736856577 - Andere benutzen Twitter als Kleinanzeigenbörse:
- Falls Igel mitlesen: Größerer Laubhaufen (2,5 m²) in ruhiger Lage zu vergeben. Mietfrei bis Frühjahr. Verpflegung auf Anfrage.
Christian Kintner, 19. Oktober 2009, twitter.com/ckintner/status/4993593110 - Und wieder andere nutzen es zur Neubelebung des ansonsten nur noch auf Kalenderblättern dahinvegetierenden Aphorismus-Genres.
- "Twitter ist exactly like Oscar Wilde. A huge, wobbly thing built around 'wit'" #oscarwildeday
Maik Novotny, 1. Dezember 2008, twitter.com/the_maki/status/1031950634 - Auch auf Fragen zu entlegenen Themen kann man bei Twitter Antworten bekommen. Oft mehr, als einem lieb ist.
- Okay, es würde mir extrem weiterhelfen, wenn auf meinen vorherigen Tweet nur Leute antworten würden, die wirklich schon mal im All waren.
Max Winde, 12. Juli 2009, twitter.com/343max/status/2604209667 - Selbst Politiker haben mittlerweile Twitter entdeckt. Nicht nur die der Piratenpartei.
- Als @kajo2009 twittert SPD-Bundesgeschäftsführer Kajo Wasserhövel. Ich habe gehört, er verlost unter seinen Followern ein Bundestagsmandat!
Sascha Lobo, 23. Februar 2009, twitter.com/saschalobo/status/1240533862 - Manche Nutzer haben gesonderte Accounts für bestimmte Twitterzwecke. Am üblichsten ist wohl eine Mischnutzung.
- "Die meisten Reviergesänge sind zugleich auch Werbe- und Balzgesänge, die zur Paarbildung führen sollen."
Helwig Brunner, “Das Zwitscherchaos eines ganzen Jahres” (der Vortrag vor meinem eigenen) - Erfolgreiche deutschsprachige Twitterer haben bis zu sechsstellige Leserzahlen. Sascha Lobo hat 100.000[3], die Spiegel-Eilmeldungen 150.000[4].
- Wer auf Englisch twittert und prominent ist, kann auch eine Million und mehr Leser erreichen. Lady Gaga hat 20 Millionen[5] Follower.
- Allerdings sind viele davon nicht aktiv. Sie nutzen Twitter nur zum Lesen oder sind wieder abgesprungen. Man weiß es nicht genau[6].
- Anfang 2012 hatte Twitter ungefähr 500 Millionen[7] Nutzer. Jeden Tag werden 250 Millionen[8] Tweets veröffentlicht.
- Der Tweets-pro-Sekunde-Rekord liegt im Moment bei 25.000 (Dezember 2011)[9].
- Nach einer internen Studie ist Twitter Produktivitätskiller Nummer 2. Knapp geschlagen von vom-Bus–überfahren-werden.
Max Winde, 18. April 2008, twitter.com/343max/status/791721468 - Twitter finanziert sich durch Werbung (eher experimentell) und durch Verkauf des Zugriffs auf die Gesamtdaten (z.B. an Suchmaschinen).
- Das Auswärtige Amt der USA bat Twitter im Juni 2009, geplante Wartungsarbeiten wegen der Wahlen im Iran zu verschieben.
- Twitter Down Time Rescheduled 2-3p PST (1:30a in Iran). See more here: http://bit.ly/XmcsB #nomaintenance #iranelection
Claude Malaison, 16. Juni 2009, twitter.com/Emergent007/status/2184834720 - Auch Twitter wird es eines Tages nicht mehr geben. Es wird noch existieren, aber an Bedeutung verlieren, etwa so wie heute Myspace.
- Myspace: 2003 gegründet, Verkaufswert 2005: US$ 580.000.000, Verkaufwert 2011: US$ 35.000.000. Stand 2012: 30 Millionen Besucher/Monat[10].
- So ähnlich sieht vermutlich die Zukunft von Twitter aus. Aber auch flüchtige Formate haben bleibende Folgen.
- Begeben wir uns in die Rolle von Internetarchäologen aus der Zukunft.
- Was war eigentlich damals, Mitte der Nuller Jahre, an Twitter wirklich neu? Welche Möglichkeiten sind erst dadurch in die Welt gekommen?
- Das ist nicht so einfach, wie es auf den ersten Blick aussieht. Wir wissen gar nicht so genau, was wann wirklich neu war.
- Die einen wissen es nicht mehr, weil man sich sofort an alles gewöhnt: Wie, Mobiltelefone gab es nicht schon immer?
- Was hat man eigentlich mit iPhones gemacht, bevor es das Internet gab?
Matthias Bauer, 25. Juli 2009, twitter.com/moeffju/status/2842560046 - Aber es gab eine Zeit, in der man ein Gebäude anrufen musste, wenn man mit einem Menschen sprechen wollte. Das ist noch nicht lange her.
- Nicht geräteförmige, sondern eher konzeptuelle Veränderungen sind von vornherein schwierig zu erkennen.
- Und man vergisst bei diesen unsichtbaren Veränderungen noch schneller, dass es sie irgendwann einmal nicht gab.
- Ehrlich gesagt erinnere ich mich nur noch facebookhaft an die Zeit vor Twitter.
Sascha Lobo, 7. Juli 2009, twitter.com/saschalobo/status/2513906414 - Andere wiederum wissen – gerade, wenn es um das Internet geht – gar nicht, dass es dieses Neue überhaupt schon gibt.
- Kleine Näherung: 75% der Leute leben heute gedanklich im 19. Jh., 20% im 20. Jh. und der Rest jetzt.
Michael Bukowski, 10. Februar 2012, twitter.com/mbukowski/status/167746171442429953 - Aus beiden Richtungen ist es schwierig, das Neue so gründlich zu betrachten, wie es das eigentlich verdient hätte.
- Auch die gleichgültige "X ist doch dasselbe wie Y, nur in schneller/einfacher/billiger"-Betrachtung des Neuen greift zu kurz.
- Lasse mir SMS erklären. Ist wie Twitter, aber nur an eine Person, und man muss für den Account und die Nachricht bezahlen.
Matthias Bauer, 12. Juni 2009, twitter.com/moeffju/status/2133363902 - Die E-Mail ist nicht dasselbe wie ein Brief, nur schneller und ohne Briefmarke. Sie hat grundsätzliche Veränderungen mit sich gebracht.
- Auch GPS-Navigation ist nicht einfach nur praktischer als Landkarte und Kompass. Sie kann mehr und erzeugt neue Praktiken.
- Und das Fahrrad war nicht nur ein albernes Sportgerät für reiche Dandys, sondern auch das erste Individualverkehrsmittel.
- Arbeiter konnten damit ihren Aktionsradius in Arbeit und Freizeit erweitern, was wiederum andere Umwälzungen nach sich zog.
- Solche Neuerungen sind nicht nur Vereinfachungen oder Spielereien, sondern grundsätzliche Verschiebungen unserer Möglichkeiten.
- Mit "Verschiebungen" meine ich weder "Verbesserungen" noch "Verschlechterungen". Zunächst werden die Dinge nur anders.
- Ob sich die Welt dadurch verbessert oder verschlechtert, ist aus dem kurzen Abstand kaum festzustellen.
- Und ob längeres Abwarten hilft, ist auch alles andere als klar, man vergleiche die offenen Forschungsfragen zu den Folgen des Buchdrucks.
- "Zu einer umfassenden Bestandsaufnahme der Verluste, die die Einführung des Buchdrucks ... gebracht hat, sind wir bislang nicht gekommen."
Michael Giesecke, Der Buchdruck in der frühen Neuzeit - Was also war an Twitter wirklich neu, und welche Veränderungen haben sich bisher daraus ergeben?
- 1. Das einseitige Followerprinzip. Alle sozialen Netzwerke vor Twitter (also ca. ab 2002) kannten nur zweiseitige Freundschaftsbeziehungen[e][f].
- Beide Teile mussten eine Beziehung bestätigen. Aber nicht jedes Interesse eines Menschen an einem anderen wird erwidert.
- Das kommt bei Lesern und Autoren vor, bei Fans und Musikern, aber auch, wenn Anna Bernds Äußerungen interessanter findet als umgekehrt.
- Die Festlegung auf die Freundschaftsmetapher führte etwa bei Facebook zu einer extremen Ausweitung des Begriffs bis zur Inhaltslosigkeit[g].
- Bei Twitter kann man jedem folgen, ohne vorher zu fragen. Ob das Prominente sind oder die eigene Verwandtschaft, spielt keine Rolle[h].
- I have trouble dealing directly with the superstars on Twitter. Can we please filter everything through the media, like in, hm, 2008?
Aleks Scholz, 22. Juli 2009, twitter.com/dalcashdvinsky/status/2781108675 - Beziehungen werden dadurch leichter zu knüpfen, internationaler und stärker von gemeinsamen Interessen gesteuert.
- Es gibt bei Twitter weniger Höflichkeitsverbindungen als bei Facebook, also Kontakte, die man aus der Schule oder von der Arbeit kennt.
- Bei Facebook empfinden viele es als unhöflich, eine Freundschaftsanfrage abzulehnen. Dieser Konflikt entfällt bei Twitter.
- Der angelegte Filter ist ein anderer als bei symmetrischen Beziehungen. Die Beiträge fremder Menschen spielen eine größere Rolle.
- Im Juli 2011 griff Google+ das asymmetrische Followerprinzip auf. Dadurch geriet Facebook unter Druck und zog im September 2011 nach.
- 2. Twitter ist vollständig an die Interessen des Nutzers angepasst. Jeder stellt sich sein eigenes Twitter zusammen.
- Srsly, wo ist das Problem? Wenn ihr keine pädophilen Tweets lesen wollt, followt halt nicht Pädophilen.
Christian Heller, 22. Juni 2011, twitter.com/plomlompom/status/83317952409108480 - Diese Individualisierung führt immer wieder zu Missverständnissen, wenn jemand Twitter zum ersten Mal betrachtet.
- Twitter ist von allen erfolgreichen Neuerungen im Web wahrscheinlich die, die den schlechtesten ersten Eindruck hinterlässt.
- Nicht allen erschließt sich auf Anhieb, was diese Individualisierbarkeit eigentlich bedeutet.
- “Das meiste, was auf Twitter kursiert, ist belangloses Geschnatter von zweifelhaftem Erkenntniswert.”
Spiegel Online, 6. März 2009, www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,611127,00.html - Aus dem Archiv: "Banales Geplapper im Drahte: Zweifelhafte Neuerfindung 'Telefon'" (DER SPIEGEL, Heft 12/1877)
Maik Novotny, 2. März 2009, twitter.com/the_maki/status/1270295285 - Aber jeder Mensch hat eine andere Vorstellung davon, welcher Teil das belanglose Geschnatter und welcher Teil von Interesse ist.
- Die Fülle meines Wollens und die Hagerkeit meines Könnens muss ausgetwittert werden!
Hermes Phettberg, 6. Juli 2009, twitter.com/Phettberg_McGoo/status/2493163208 - Wer bei Twitter belangloses Geschnatter liest, der hat es sich so ausgesucht.
- Der Vorwurf der Belanglosigkeit bedeutet letztlich nur, dass da jemand den Twitterstream eines anderen Menschen betrachtet.
- Das ist, als würde man fremde Hosen anziehen und sich dann beschweren, dass sie so schlecht passen. Dem Besitzer passen sie gut.
- Auch Vogelgezwitscher ist öffentlich, jeder kann es hören. Aber es ist nicht für jeden gleichermaßen interessant.
- Der Vogel meint nicht die Öffentlichkeit. Er meint nur die, die seine Interessen teilen, zum Beispiel fortpflanzungswillige Amseln.
- Nur selten hört man: “Was interessiert es mich, dass sich die Amseln paaren möchten! Können die das nicht unter sich ausmachen?”
- 3. Dass in einen Tweet nur 140 Zeichen passen, bedeutet nicht nur, dass 141 eben nicht mehr hineinpassen. Es hat Folgen.
- Manche sagen, Tweets seien zu kurz für ernsthafte Diskussionsbeiträge. Ich dagegen nehme Diskussionsbeiträge nicht ernst, die zu lang sind.
Christian Heller, 10. August 2010, twitter.com/plomlompom/status/20807355375 - Die erzwungene Kürze entlastet den Verfasser: Man ist nicht mehr selbst schuld, wenn man zu einem Thema nur einen einzigen Satz sagt.
- Für ein Blog hätte man sich erst einen Beitrag um den Satz herum ausdenken müssen. Oft entsteht stattdessen gar nichts.
- Nur nebenbei: das Samsung Galaxy S ist ein superbeschissenes Handy, ich schaff's nur nicht, den notwendigen Rant-Blogpost zu schreiben.
Martin Oetting, 10. November 2010, twitter.com/oetting/status/2401988255944704 - Die Hemmschwelle sinkt, auch einzelne Ideen, Gedankenbruchstücke oder schmucklose Informationen zu veröffentlichen.
- Habe ich das "Habe ich das gerade eben getwittert oder nur gedacht" gerade eben getwittert oder nur gedacht?
durst, 8. Februar 2012, twitter.com/durst/status/167037866218758144 - Das wirkt sich auf ganz verschiedenen Gebieten aus, unter anderem auf dem der politischen Mobilisierung.
- Nach dem Frühstück als Nr. 37.842 endlich die #ACTA Petition unterzeichnet. 50k muss voll werden! http://t.co/eNa7msCX
Jörg Tauss, 11. März 2012, twitter.com/tauss/status/178779975124656128 - Früher gab es keinen geeigneten Ort für die Nachricht “Ich habe gerade die Petition gegen ACTA unterzeichnet”. Jetzt gibt es ihn.
- Die Begrenzung auf 140 Zeichen ist auch eine Befreiung vom Druck, alles in längere Texte zu fassen. Dadurch entstehen neue Gewohnheiten.
- Lese freiwillig nur noch Twitter und monumentale Lebenswerke. Alles andere erscheint mir unentschlossen.
Daniel R., 18. Oktober 2009, twitter.com/kchkchkch/status/4972266175 - Im zitierten Tweet steckt ein ernster Kern. Twitter schult den Blick für Redundanz und Weitschweifigkeit.
- 4. Durch die Kürze der Beiträge funktionierte Twittern von Anfang an auch gut unterwegs.
- http://twitpic.com/135xa - There's a plane in the Hudson. I'm on the ferry going to pick up the people. Crazy.
Janis Krums, 15. Januar 2009, twitter.com/jkrums/status/1121915133/ - Das war bei anderen sozialen Netzwerken nicht oder nur mühsam möglich. Vor allem war es – etwa bei Facebook – nicht öffentlich.
- Schon früh wurde live aus dem Gerichtssaal getwittert, im deutschsprachigen Raum war der erste Fall 2009 in Rostock.
- TODO Tweetbeispiel
- Diese juristische Arbeit entstand danach zur Frage, ob Twittern aus Gerichtssälen erlaubt sein sollte: bit.ly/GRXO0l
- Ein verwandtes Problem sind Profisportler, die aus dem Umkleideraum oder von der Ersatzbank aus twittern.
- Das war anfangs sehr beliebt und ist in den USA inzwischen weitgehend durch die jeweiligen Organisationen verboten worden.
- In der NFL etwa müssen die Spieler 90 Minuten vor dem Spiel das Twittern einstellen und dürfen erst nach den Interviews weitertwittern.
- 5. Twitter ist schnell. Die Berichterstattung im Netz hat sich dadurch beschleunigt.
- In seinen Anfangszeiten war das Netz in weiten Teilen noch sehr nah am gedruckten Wort.
- Man schrieb Dinge auf Webseiten, die dann erst mal stehen blieben, fast galt es als unfein, sie allzu häufig zu verändern.
- Dass es in Blogs seit Ende der 90er Jahre häufig neue Beiträge auf der Startseite gab, war schon ungewohnt schnell für das damalige Web.
- Durch Twitter gewöhnte man sich an einen schnelleren Nachrichtentakt im Netz.
- Am Nachmittag des 29. Mai 2008 stand ich in Island ratlos vor einem geschlossenen Supermarkt, in dem es sehr unordentlich aussah.
- Ich bekam eine besorgte SMS von Sascha Lobo. Ich stand im Epizentrum eines Erdbebens (6,3) und er wusste es vor mir. Durch Twitter.
- 6. Anders als zum Beispiel bei Facebook ist Öffentlichkeit der Normalzustand und Nichtöffentlichkeit die Ausnahme.
- Das bedeutet, dass man sich etwas mehr Mühe geben muss, Beiträge zu schreiben, die nicht nur für Freunde von Interesse sind.
- Wenn Twitter ein paar Sekunden “over capacity” ist, werde ich nervös. Wenn Facebook stundenlang ausfällt, erfahre ich es aus der Zeitung.
Anatol Stefanowitsch, 7. März 2012, twitter.com/astefanowitsch/status/177336788094947328 - Durch diese Öffentlichkeit werden Dinge möglich, von denen empirische Sozialforscher vorher nur träumten.
- Twitter stellt Programmierschnittstellen bereit, mit denen man – in der Regel kostenlos – von außen auf die Twitterdaten zugreifen kann.
- Natürlich nicht auf alle, kaum jemand hat die technischen Möglichkeiten, eine Viertelmilliarde Tweets pro Tag zu verarbeiten.
- Aber das ist auch gar nicht nötig, schon aus kleinen Stichproben kann man dieselben Trends herauslesen wie aus der Gesamtmenge.
- Die Forschung hat in den wenigen Jahren, seit es Twitter gibt, erst an der Oberfläche dieses Datenbergs gekratzt.
- Man kann zum Beispiel anhand positiv oder negativ besetzter Wörter ein Stimmungsbild der Welt erstellen: bit.ly/akikJr
- Für diese Studie wurden 509 Millionen Tweets von 2,4 Millionen Leuten in 84 Ländern ausgewertet: sciencemag.org/content/333/6051/1878
- In allen Ländern wacht man gutgelaunt auf und bekommt im Laufe des Tages schlechtere Laune. Nach Feierabend bessert sie sich wieder.
- Am Wochenende sind die Menschen glücklicher, und im Winter ist man allgemein weniger froh als im Sommer.
- Das ist nicht überraschend, aber bisher wurden solche Daten vor allem an Studenten erhoben, keiner sehr repräsentativen Gruppe.
- Auch Twitter ist nicht repräsentativ, aber immerhin ist die Streuung dort deutlich breiter: bit.ly/bSPXMt (Achtung, Zahlen von 2010).
- Twitterer sind in Alter und Bildungsgrad eine viel heterogenere Gruppe als Studenten.
- Außerdem spiegeln Tweets einen Gefühlszustand im Moment des Schreibens wider, keine Erinnerung wie im Uni-Labor.
- Und schließlich ist es auch billiger und schneller, diese Daten aus Twitter herauszudestillieren.
- Einschränkungen: Aus dem Stau oder vom Frühstück wird gern live getwittert, aus dem Sexualleben nicht ganz so oft.
- Orgasmen sind wie Küche putzen. Ich könnte es selber machen, aber es ist viel cooler, wenn ein heisser Typ es tut, und ich dabei twittere.
Marie von den Benken, 5. Februar 2012, twitter.com/Regendelfin/status/166243036144209920 - Man erfährt aus Twitter nur etwas über diejenigen Themen, über die sich die Nutzer öffentlich äußern.
- In Wien machen sie alles, was sie auch in Berlin machen, nur schweigen sie bescheiden darüber.
durst, 5. März 2012, twitter.com/durst/status/176796624436203522 - Diese Art der Datenerhebung funktioniert also nicht als Ersatz, sondern nur als Ergänzung zu den bisherigen Techniken.
- Auch die Geheimdienste werten natürlich Tweets aus und geben das offen zu: bit.ly/uZS4DB.
- Wenn meine Tweets schon an die Marktforschung verkauft werden, sollen bitte auch meine umfangreichen #wasfehlt-Meldungen ausgewertet werden!
dermilde, 29. Februar 2012, twitter.com/dermilde/status/174821350421180416 - Zusammenfassung: 1. Follower-Prinzip, 2. Individueller Nachrichtenkanal, 3. Kürze, 4. Mobilität, 5. Schnelligkeit, 6. Öffentlichkeit.
- Durch das Zusammenspiel dieser Punkte ergeben sich neue Möglichkeiten.
- Durch 4., 5. und 6. etablierte sich ein Einsatzzweck, für den Twitter heute eine Art Monopol hat: das Veranstaltungstwittern.
- Vor Twitter war diese Nische durch Liveblogging besetzt. Aber Liveblogging hat höhere Teilnahmehürden und erreicht weniger Leser.
- The @berlinergazette symposium »Learning from Fukushima« has started quite recently. Livestream: http://t.co/akZ4Cu4r Hashtag: #lff2910
Christian Strippel, 29. Oktober 2011, twitter.com/strippel/status/130203976074412032 - Alle Tags zur Veranstaltung tragen dasselbe Hashtag. Manchmal geben die Veranstalter es vor; wenn nicht, finden die Besucher eines.
- Schade, dass der Veranstalter keinen Hashtag ausgegeben hat. #Krisenkommunikationsgipfel - ich setze jetzt mal auf #KKG
Sandra Strüwing, 22. März 2012, twitter.com/SandraStruewing/status/182742659645964288 - Veranstaltungstwittern hat zwei Funktionen. Zum einen öffnet es die Veranstaltung nach außen. Abwesende können das Geschehen verfolgen.
- Die Anwesenden sind dann etwas abwesender, weil sie nebenbei twittern, aber dafür sind die Abwesenden etwas anwesender.
- Zweitens haben auch die Abwesenden die Möglichkeit, sich aktiv zu beteiligen. Das kann auf mehreren Wegen passieren.
- Die Anwesenden reichen Fragen, die via Twitter eingehen, an die Redner weiter. Antworten kommen über Twitter oder einen Livestream zurück.
- Eine zweite Option ist die Twitterwall (z.B. twitterwallr.com[11]). Dort werden alle Tweets angezeigt, die mit der Veranstaltung zu tun haben.
- Im günstigen Fall ist sie so angebracht, dass die Redner oder Diskutanten sehen können, was sich dort abspielt.
- "Just as speakers do this in the real world, they must be monitoring the verbal, explicit reactions in the backchannel like Twitter ..."
www.web-strategist.com/blog/2009/10/09/how-speakers-should-integrate-social-into-presentations - Damit gibt es erstmals einen Rückkanal vom Publikum zu den Rednern, der konkreter ist als Applaus oder gelangweiltes Stühlerücken.
- Und der Kontakt nimmt auch nicht nur ein paar Alibiminuten am Ende ein, in denen das Publikum dann Fragen stellen darf.
- Das Ganze scheitert allerdings häufig daran, dass es am Veranstaltungsort nicht genug Internet oder keinen Handyempfang gibt.
- "Ihr lacht über mich, weil ich kein re:publica-Ticket habe, aber ich lache über euch, weil ihr alle kein Internet mehr habt."[12]
Herr Zivilschein, 13. April 2011, twitter.com/Zivilschein/status/58217294823817216 - Öffentlichkeit bedeutet auch: Twitter ist inzwischen ein beliebter Feedbackkanal für Lob und Kritik an Unternehmen.
- Unternehmen sehen Kritik naturgemäß lieber in den dafür vorgesehenen Beschwerdekanälen, wo sie für die Außenwelt unsichtbar bleiben.
- Bei Twitter hingegen ist die Kritik öffentlich und lässt sich auch nicht einfach löschen wie z.B. auf Facebook-Unternehmensseiten.
- Verbraucher haben damit einen Hebel, Unternehmen zu einer Reaktion zu bewegen.
- Das klingt attraktiv nach David vs. Goliath, ist aber nicht unproblematisch. Es funktioniert auch dort, wo man selbst der Empfänger ist.
- Wissenschaftler etwa diskutieren derzeit, wie wünschenswert das sofortige Kritisieren wissenschaftlicher Veröffentlichungen ist.
- Microblogging entfaltet seine Wirkung dabei vor allem als Transmissionsriemen. Die eigentliche Information steht woanders.
- Informationen gelangen auch zu denjenigen, die die ursprüngliche Publikation gar nicht lesen.
- Ein wesentlicher Unterschied zu Kettenbrief, Mail oder Weitersagen ist der, dass die Nachrichten bei Twitter weniger stören.
- Mails gehen häufig mit Handlungsaufforderungen einher. Schnell sind die Empfänger überfordert. Das System E-Mail skaliert nicht.
- Bei Twitter strömt alles vorbei, man kann hinschauen, muss aber nicht, ein bisschen wie Radio. Wichtiges kommt wieder.
- "... eine Kultur des Verpassens entwickel[n]: die Fähigkeit, den schneller werdenden Passierstrom an sich vorbeirauschen zu lassen ..."
Sascha Lobo, www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,741682,00.html - Man muss sich als Absender wenig Sorgen machen, die Empfänger zu stören.
- Seit wenigen Jahren ist es dadurch viel einfacher, eine Information sehr schnell sehr breit zu streuen.
- Ein Beispiel: wir-sind-einzelfall.de. Der Initiator hatte immer schlechteren Handyempfang, wurde aber von O2 als "Einzelfall" abgetan.
- Nach Aufruf über Microblogging-Kanäle kamen auf der Website innerhalb weniger Wochen 10.000 solche Einzelfälle zusammen.
- Der Konkurrent T-Mobile schaltete Werbung, die Presse berichtete, und O2 meldete sich zügig zu Wort und versprach Abhilfe.
- Ein zweites Beispiel: ushahidi.com wurde 2007 gegründet, um Informationen aus Krisengebieten zu sammeln und weiterzuverteilen.
- Beim Haiti-Erdbeben 2010 suchten Ushahidi-Freiwillige in Boston Ortskoordinaten zu SMS-Hilferufen Verschütteter.
- Verschüttete hatten sich aus einem unauffindbaren Laden namens Un Bon Prix gemeldet.
- URGENT Please RT need address of Un Bon Prix, near Napley Inn Hotel, people trapped!
Ushahidi, 18. Januar 2010, twitter.com/ushahidi/status/7892810055 - @ushahidi he worked there cLL HIM MARC HENRY LOUIS 742E 46TH STREET BROOKLYN, N.Y. 11203 PHONE (347)819-5811 marchenrylouis@yahoo.fr
sarapouly, 18. Januar 2010 (Der Twitteraccount der Absenderin existiert nicht mehr) - Die Ushahidi-Mitarbeiter riefen Marc Henry Louis an, ließen sich den Weg erklären, und dirigierten die Hilfsmannschaften zu "Un Bon Prix".
- Vielleicht denken Sie jetzt: “Jaja, das Internet, das kann ja immer alles Mögliche”.
- Aber das hätte noch vor fünf Jahren nicht funktioniert. Blogs erreichten weniger Leser, alles dauerte länger.
- Bei O2-Problemen ist es verkraftbar, wenn die Reaktion auf sich warten lässt, bei Erdbebenverschütteten nicht.
- Dieser Hebel hat zur Herausbildung einer neuen Art der politischen Betätigung geführt.
- Oder zu "einer neuen politischen Klasse" (Jeannette Hofmann, Politikwissenschaftlerin, in einem Böll-Stiftungs-Vortrag 2012).
- "Insbesondere mit Social Media gibt es neue Formen des Ausdrucks kollektiver Willensbildung und Interessenvertretung ... (Teil 1/2)
- ... wie es sie vielleicht seit dem Entstehen der Gewerkschaftsbewegung im 19. Jahrhundert nicht mehr gegeben hat." (Teil 2/2)
Bernd Holznagel / Pascal Schumacher, www.uni-muenster.de/Jura.tkr/digitalconstitution/?p=353 - Man hört zwar häufig die Aufforderung, sich nicht im Internet zu betätigen, sondern auf die Straße zu gehen und zu demonstrieren.
- Aber das ist nicht die einzige Form der politischen Betätigung.
- Und diejenigen, die da politisch aktiv werden, sind nicht dieselben, die früher stattdessen auf die Straße gegangen wären.
- Es sind die, die früher gar nichts getan hätten. Die Einstiegsschwellen für die politische Betätigung sind gesunken.
- Auch das ist natürlich nicht uneingeschränkt positiv. Oder nur so lange, wie es um die eigenen politischen Vorlieben geht.
- Im Moment werden die neuen Möglichkeiten vor allem für libertäre bis linke Positionen genutzt. Das wird nicht immer so bleiben.[13]
- Wenn die Einstiegsschwellen für politische Betätigung und für Mobilisierung von Menschenmengen sinken, dann sinken sie für alle.
- In der fiktiven Zukunft, aus der wir auf das Twitter von 2012 zurückblicken, sind hoffentlich einige Probleme von heute gelöst.
- Es gibt bisher kein brauchbares Empfehlungssystem, das bei Twitter, Facebook oder Google+ Leser zu interessanten Autoren führt.
- Es ist weitgehend Zufall, ob man auf Lesenswertes stößt, wenn man nicht dauerhaft viel Zeit und Mühe in die Suche investieren will.
- Alle drei großen Microblogging-Anbieter schlagen vor allem prominente Nutzer vor, anstatt sinnvolle persönliche Empfehlungen zu erzeugen.
- Ein zweites ungelöstes Problem: Die Suche in älteren Beiträgen funktioniert fast gar nicht.[14]
- Nicht einmal Google bietet in seinem eigenen sozialen Netzwerk Google+ eine brauchbare Suche.
- Alle Beiträge verschwinden nach ein paar Tagen. Sie sind zwar noch gespeichert, man hat aber kaum eine Chance, sie wiederzufinden.
- Das war ein Blick in die Vergangenheit von morgen. Wir waren dabei, als eine Entwicklung die Welt verändert hat.
- So ungewöhnlich ist das auch wieder nicht, es geschieht alle paar Jahre.
- Handy, GPS, WWW, Computer, TV, Radio, Strom, Auto, Telegrafie, Eisenbahn, Dampfmaschine, Aufklärung, Buchdruck, Christentum, Landwirtschaft.
- Irgendetwas verändert immer gerade die Welt, und die Leute stehen drumherum und sagen “Wir leben in interessanten Zeiten."
- Später kann sich dann niemand mehr vorstellen, dass es irgendwann einmal keine Landwirtschaft gegeben hat.
- Und schon jetzt ist schwer vorstellbar, dass das, was ich hier beschreibe, vor fünf Jahren nicht möglich war.
- Deshalb muss hin und wieder jemand einen Vortrag über die Dinosaurierknochen der Gegenwart halten. Vielen Dank.
[1] Der Vortrag wurde weder in dieser Form gehalten noch tatsächlich getwittert, sondern für die Lesefassung nachträglich in 140-Zeichen-Stücke zerlegt. Die meisten davon eignen sich schlecht als Tweets, weil sie nicht für sich allein stehen können und nicht unterhaltsam genug sind. Es ist also eigentlich ein Fake-Twitterformat, das mit der Form kokettiert, ohne ihre eigentlichen Anforderungen zu erfüllen.
[3] Oktober 2015: 306.000
[4] Oktober 2015: 882.000
[5] Oktober 2015: 51,3 Millionen
[6] Inzwischen weiß man es etwas genauer, siehe nächste Fußnote.
[9] Im August 2013 lag er bei 143.199 Tweets pro Sekunde.
[10] 2015 seltsamerweise angeblich wieder 50 Millionen.
[13] Stand 2015, naja, wisst ihr ja selbst.
[a]Wieso kann man eigentlich in Google Docs keine Tweets vernünftig einbetten? Was ist das für eine Welt?
[b]+1 (Ich habe schon Twitterprotokolle so in Auftrag gegeben: „Kopiere die URLs zu den Tweets zum Thema X aufwärts chronologisch in einen WordPress-Artikel. Dann mache aus der Vorschau Screenshots, die Du zu einem pdf zusammenbastelst.“
[c]Einbetten: Wenn der Tweet gelöscht wird, dann ist der Tweet weg. Sync-yay!
[d]Genau deswegen basteln wir ja diese Protokolle so um, dass man nachher auch ein pdf davon hat. Z.B. http://www.joeran.de/live-ticker-moocs-and-beyond/
[e]Wenn man RSS als ein sehr loses Netzwerk ansieht, dann schon.
[f]Es stimmt leider auch sonst nicht. Mehr dazu steht in diesem sehr guten Beitrag von danah boyd über die frühen sozialen Netzwerke: http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/j.1083-6101.2007.00393.x/full das Followerprinzip wurde nicht bei Twitter erfunden.
[g]Die Freundschaftsmetapher führte auch dazu, dass das bayerische Kultusministerium (und andere) unter anderem deshalb Facebook für Schulen als tabu erklärte, weil es in der "Freundschaft" zwischen Lehrern und Schülern eine drohende Unschicklichkeit vermutetete.
[h]Auch die "Follower"-Metapher führte in den Augen der Kultusministerialbürokratie zu Unbehagen. Es könne "nicht angehen", dass ein Lehrer in ein "Follower"-Verhältnis mit einem Schüler trete. Die Übermächtigkeit einer Metapher im Vergleich zur Beschreibung technischer Zusammenhänge könnte nicht schöner illustriert werden.