Günter Wageneder
Tanja Jadin
Anm.: Dies ist die Online-Version des im Tagungsband zum 13. Treffen des Forum Neue Medien Austria erscheinenden Artikels.
Unter dem Schlagwort eLearning2.0 wollen wir in diesem Artikel Lehr- und Lernszenarien vorstellen und diskutieren, in denen Social Software, vor allem Wikis, Weblogs und RSS[Fußnote1] als didaktische Werkzeuge eingesetzt werden. Wenn wir den Begriff eLearning2.0 verwenden, stellt sich die Frage, was ist neu am eLearning2.0 und was ist oder war eLearning1.0? Wenn wir uns dem Ursprung der "Versionshysterie" zuwenden, also dem Wort Web2.0 von Tim O`Reilly (O`Reilly, 2005), so sind die wesentlichsten Merkmale der Generation 2.0, dass das Web zur Plattform wird, dass die Nutzer ihre eigenen Inhalte gestalten und verwalten, dass zunehmend eigene, bisher persönliche Daten oder Inhalte verschlagwortet (also mit Tags[Fußnote2] versehen) und öffentlich präsentiert werden. Hier sind Anwendungen wie Wikis, Weblogs, Flickr und YouTube zu nennen. Es geht nicht mehr um reine Veröffentlichung auf Homepages (Web1.0), sondern um die Teilnahme (Web2.0) in weltweiten Netzwerken (O`Reilly, 2005). In welchem Zusammenhang stehen diese neuen Medien nun zu eLearning und welche Potenziale gilt es zu nutzen? Kerres (2006) stellt eLearning1.0 dem eLearning2.0 gegenüber: Bei eLearning1.0 war die Lernumgebung "eine Insel im Internet mit Inhalten und Werkzeugen" (ebd., S.6) und wandelte sich bei elearning2.0 hin zu einem Portal. Während bei der Version 1.0 der oder die Lehrende alle Ressourcen den Lernenden zur Verfügung stellt, werden bei 2.0 diese von den Lehrenden aggregiert. Die dritte Unterscheidung betrifft die Ebene der Lernenden. Diese nutzen nicht allein die vorgegebenen Inhalte und Werkzeuge, sondern konfigurieren ihre eigene n persönlichen Lern- und Arbeitsumgebungen (ebd., S.6).
Wir wollen daher folgende Arbeitsdefintion für diesen Artikel vorschlagen: Von eLearning2.0. kann dann gesprochen werden, wenn unter Einsatz von Web2.0-Medien bzw. von Social Software wie Wikis, Weblogs und RSS Lernende in kollaborativen Lernaktivitäten Inhalte selbständig erarbeiten und erstellen und für ihre Lernziele verwenden. Gemäß dieser Definition wird ein wesentliches Merkmal eines eLearning2.0 klar erkennbar: die Selbständigkeit der Lernenden beim Wissenserwerb. Dieses Charakteristikum ist jedoch nicht neu. Bereits in bestehenden Lehr- und Lerntheorien kennen wir die Bedeutsamkeit der zunehmenden Lernerautonomie und die veränderte Rolle von Lehrenden in Form von Tutor/inn/en oder Coaches (mehr dazu bei Jadin, in Druck). Dementsprechend macht es Sinn, zwei Formen des Lehrens und Lernens mit neuen Medien wie folgt zu unterscheiden.
Zwei Formen des Lehrens und Lernens mit neuen Medien
Ausgehen möchten wir von einer uns wichtig erscheinenden Differenzierung zwischen zwei Formen des Lehrens und Lernens mit neuen Medien: "eLearning mit Selbstlernmaterialien" und "Seminaristisches eLearning". Bei der einen Form steht die Vermittlung bzw. das Konsumieren fixer und genau abgegrenzter Inhalte im Vordergrund - ähnlich wie bei einer Vorlesung; bei der anderen Lehr- und Lernform das prozesshafte Lernen, die Kommunikation und die Kollaboration – vergleichbar einem Seminar. Siehe dazu die folgende Tabelle 1:
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eLearning mit Selbstlernmaterialien |
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Seminaristisches eLearning |
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<------------------------ tendenziell ------------------------> |
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Inhaltsorientierung |
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Prozessorientierung |
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an kognitivistischen oder behavioristischen Prinzipien orientiert |
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an konstruktivistischen Prinzipien orientiert |
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individuelles Lernen |
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kooperatives/kollaboratives Lernen |
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Kommunikations- u. Kooperationstools spielen eine geringe Rolle |
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Kommunikations- u. Kooperationstools spielen eine große Rolle |
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(Tutorielle) Betreuung möglich aber selten |
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(Tutorielle) Betreuung wichtig und häufig |
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(lehrerzentriert) |
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lernerzentriert |
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(asynchron (eigentl. n/a, da keine Kommunikation) |
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asynchron/ synchron |
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ungetaktet oder getaktet |
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getaktet |
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Implementierung: Mediendidaktik und –design spielen eine große Rolle |
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Implementierung: Mediendidaktik und –design spielen eine geringere Rolle |
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hoher Implementierungsaufwand, niedriger Betreuungsaufwand |
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geringer Implementierungsaufwand, hoher Betreuungsaufwand |
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Betonung des Multimedialen |
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Weniger Multimedia |
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vernetzt |
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linear (--> vernetzt) |
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Verortung nach Schulmeister 2003: |
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(Form: virtuell) |
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Form: integriert --> virtuell |
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(Funktion: n/a) |
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Funktion: asynchrone Kommunikation --> synchrone Kooperation |
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Methoden: Instruktion oder expositorische Lehre |
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Methoden: moderierte problemorientierte Arbeitsgruppen --> selbstorganisierte Lerngemeinschaften |
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Verortung nach Harmon & Jones 1999: |
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(Immersive Web-Use) |
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Essential Web-Use --> Immersive Web-Use |
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Anm.: n/a .... nicht anwendbar |
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Tabelle 1: eLearning mit Selbstlernmaterialien und Seminaristisches eLearning (eigene Darstellung)
Die Bedeutung dieser Unterscheidung liegt darin begründet, dass für "eLearning mit Selbstlernmaterialien" und für "Seminaristisches eLearning" je unterschiedliche Aspekte didaktischer und instruktionaler Theorien sowie von Theorien des Lehrens und Lernens und deren Umsetzung in die Praxis von Relevanz sind. So haben - um nur je ein Beispiel zu nennen - die von Mayer 2001 aufgezeigten "Multimedia Principles" vor allem für die Gestaltung von Selbstlernmaterialien hohe Relevanz, Theorien und Befunde rund um "Computer Supported Collaborative Learning" (CSCL) spielen dagegen speziell im Kontext von seminaristischem eLearning eine Rolle.
Folgen der Web2.0-Entwicklungen auf das Lehren und Lernen mit neuen Medien
Bevor wir diskutieren, ob Entwicklungen der Netzkultur der letzten zwei, drei Jahre auf universitäres Lehren und Lernen mit neuen Medien Auswirkungen haben oder haben können (und wenn ja, welche), macht es Sinn, zuvor fest zu machen, welcher Seite der oben aufgezeigten Klassifikation wir uns zuwenden.
Auf der Seite der Selbstlernmaterialien besteht ein wesentlicher Einfluss der gemeinhin unter dem Begriff "Web2.0" zusammengefassten Entwicklungen in den neuen Formen des Umganges mit Content und vor allem bei der Erstellung von Content (Lerninhalten, Lernobjekten). Wir möchten an dieser Stelle nur einige wenige Beispiele nennen:
Herstellen von Lehr-/Lernmaterialien: Beim Produzieren von Lernmaterialien kann man mittlerweile problemlos auf Inhalte zurückzugreifen, die man nicht erworben oder selbst erstellt hat. Zahlreiche Content-Austauschportale und das darin oftmals implementierte Creative Commons-Lizenzmodell machen dies möglich. Zwei der berühmtesten Beispiele hierfür sind www.flickr.com für den Austausch von Bildern und www.youtube.com für den Austausch von Videos (mehr Portale dieser Art unter del.icio.us/guenter_w/share). Zudem haben durch zahlreiche Wiki-Projekte (z. B. Wikipedia, Wikibooks, Wikiversity, eLib.at u. v. a. m.) und Weblogs die Referenzierungsmöglichkeiten zugenommen. Die Frage nach der Verwendbarkeit dieser Inhalten für Lehr-/Lernszenarien sei an dieser Stelle aber offen gelassen.
Austausch von Lehr-/Lernmaterialien: Vereinfacht haben sich ebenso die Bereitstellung eigener Inhalte und der Zugriff auf Lehr-/Lernmaterialien, die von anderen Personen produziert wurden; sei es in den oben genannten oder in speziell für Lernobjekte eingerichteten Portalen (vgl. del.icio.us/guenter_w/learningobjects).
Information über neue Lehr-/Lernmaterialien: Letztlich wurde es Dank der weit verbreiteten Bereitstellung und Nutzung von RSS-Feeds einfacher, über Neuerungen in solchen Portalen auf dem Laufenden gehalten zu werden (so erlauben es RSS-Feeds am Ende jeder Kategorien-Seite auf www.merlot.org automatisch über neue Lernmaterialien innerhalb einer Kategorie informiert zu werden; der Feed www.merlot.org/merlot/materials.xml?category=2308 benachrichtigt bspw. über aktuelle Lehr-/Lernmaterialien zum Thema "Education > Teaching and Technology > Instructional Design").
In unserem Workshop und in diesem Artikel wollen wir uns aber vor allem auf das prozesshafte, auf das kollaborative und kommunikative Lehren und Lernen mit neuen Medien beziehen, auf ein – wie wir es hier nennen möchten – seminaristisches eLearning. Gemeint ist, ein Lernen, bei dem nicht fertig bereit gestellte Inhalte konsumiert werden. Statt dessen sind die Lernenden gefordert, Informationen zu recherchieren, diese einzubringen und/oder Inhalte selbst zu erstellen; ein Lernen, bei dem die Lernenden längst vor dem Einzug der neuen Medien in unsere Hochschulen von passiv Konsumierenden zu aktiv Gestaltenden werden durften.
Beispiele für seminaristisches eLearning mit Social Software in universitären Lehrveranstaltungen
Um die Möglichkeiten und den Einfluss von Web2.0-Entwicklungen auf ein seminaristisches eLearning diskutieren zu können, wollen wir Beispiele universitärer Lehrveranstaltungen schildern, in denen typische als Social Software zu klassifizierende Werkzeuge verwendet werden (in den geschilderten Fällen sind dies vor allem Wikis, Weblogs, RSS-Dienste, Tagging und auch Diskussionsforen):
Beispiel 1: ePortfolio und Wiki im "Projektseminar eLearning"
Zu Beginn der Lehrveranstaltung "Projektseminar eLearning" im SS 2006 wurden Studierende in Gruppen eingeteilt. Jede Gruppe konnte ein von der Lehrveranstaltungsleiterin vorgegebenes Thema bzw. Projekt wählen. In den Projekten sollte das bisher erworbene Grundlagenwissen bereits absolvierter Lehrveranstaltungen angewendet werden (z.B. Berücksichtigung von motivationalen Aspekten, Einbeziehen didaktischer Aspekte etc.). Die Aufgabe für die Studierenden bestand darin, während des Semesters laufend an dem Projekt zu arbeiten und den Lern- und Projektfortschritt zu dokumentieren (ePortfolio). Im Laufe des Semesters mussten die Projekte einmal präsentiert und zudem im Plenum diskutiert werden. In der verbleibenden Zeit innerhalb der LV konnten die Studierenden an ihren Projekten bzw. an ihren ePortfolios arbeiten. Lehrveranstaltungsbegleitend wurde ein Kurs in der Lernplattform Moodle zur Verfügung gestellt. Dieser gab einen Überblick über Organisation, Ablauf der LV, neue und wichtige Ankündigungen, bot ein Diskussionsforum und Chat, alle Präsentationsunterlagen und Literaturvorschläge sowie Links.
Seminaristisches eLearning mit Social Software in dieser LV: Konkret sollten die Studierenden ein ePortfolio in der ePortfolio-Plattform Elgg erstellen und ihr Lerntagebuch entweder im Wiki oder im Elgg führen. Dabei sollten sie über ihre (Lern-)Erfahrungen mit dem Thema und mit den verwendeten Werkzeugen (Wiki und Elgg) reflektieren und protokollieren. Gegen Ende der Lehrveranstaltung mussten die Studierenden im Rahmen einer Übung den Projektbericht einer anderen Gruppe lesen und kommentieren. Am Ende des Semesters sollte ein abgeschlossener Projektbericht (in Form eines ePortfolios) im Wiki der Universität Linz vorliegen (elearn.jku.at/wiki/index.php/Projektseminar_eLearning).
Beispiel 2: Ein Wiki-Lehrbuch von Studierenden in der Lehrveranstaltung "Gestaltung und Evaluation von eLearning Szenarien"
In einer Lehrveranstaltung im WS 2005/06 von Bernad Batinic an der Universität Linz war es die Aufgabe von Studierenden ein Lehrbuch zu verfassen. Dieses sollte im Wiki geschrieben werden und Themen der Lehrveranstaltung, namentlich die Gestaltung und Evaluation von eLearning-Szenarien umfassen (elearn.jku.at/wiki/index.php/Gestalten_und_Evaluieren_von_eLearning_Szenarien). Jede/r Student/in hatte ein Kapitel zu bearbeiten. Mit diesem Lehrbuch von Studierenden für Studierende sollte eine Alternative zu herkömmlichen Lernszenarien, wie das Schreiben von Seminararbeiten, erprobt werden.
Seminaristisches eLearning mit Social Software in dieser LV: Im Peer Review-Verfahren musste jede/r Student/in ein Kapitel eines Kollegen oder einer Kollegin lesen und bewerten. Darauf aufbauend wurden die Kapitel überarbeitet. Eine darauf folgende Lehrveranstaltung zielte darauf ab, das Lehrbuch zu vervollständigen und zu optimieren (so wurden z. B. Kontrollfragen am Ende jedes Kapitels eingebaut). Die Studierenden waren eingebunden in ein gemeinschaftliches Projekt, bei dem im Kontext gelernt werden konnte und Lernszenarien gestaltet und evaluiert wurden. Sie hatten somit die bereits recherchierten, verfassten und relevanten Aspekte im Projekt "Lehrbuch" angewendet. Durch das Peer-Review Verfahren kam noch zusätzlich der Evaluationsaspekt zur Geltung.
Beispiel 3: Das Wikibook "Soziologische Klassiker" im PS "Lektüre klassischer soziologischer Texte"
Im Sommersemester 2006 haben 70 Studierende eines Proseminares am Fachbereich Soziologie der Universität Salzburg (abgehalten von Manfred Gabriel) gemeinsam das Wikibook "Soziologische Klassiker" verfasst. Abgesehen von der Koordination der Arbeitsgruppen und ersten Recherchen und Vorarbeiten, die in der Lernplattform der Universität Salzburg erfolgten, fand die inhaltliche Arbeit fast zur Gänze auf de.wikibooks.org statt. Bis zum Ende des Semesters sind so knapp 70 lexikalische Einträge zu wichtigen Soziologinnen und Soziologen entstanden. Sowohl der Verlauf als auch das Ergebnis der Arbeit können unter de.wikibooks.org/wiki/Soziologische_Klassiker eingesehen werden. Eine ausführlichere Beschreibung des Konzeptes dieser LV finden Sie in der Sammlung didaktischer Szenarien auf dem neuen fnma-Portal (Direktlink: www.fnm-austria.at/strategiecontent/Ditaktische/).
Seminaristisches eLearning mit Social Software in dieser LV: Die Studierenden haben gemeinsam an einem größeren Ganzen gearbeitet und sich dabei die neuesten Entwicklungen des WWW zu Nutze gemacht: kursinterne Wikis; das Wikipedia-Seitenprojekt Wikibooks; universitätsexterne Personen (allen Salzburger Beteiligten unbekannte Nutzer/innen von Wikibooks) haben sich inhaltlich und speziell als Redakteure in die Arbeit eingebracht und insbesondere auf die Berücksichtigung von Urheberrechten und die Verwendung von lizenzfreien oder nach Creative Commons lizenzierten Inhalten (de facto Texte und Bilder) geachtet.
In dieser an der Universität Salzburg im laufenden Semester (WS 2006/07) abgehaltenen Lehrveranstaltung wird versucht, den Teilnehmer/inne/n Kompetenzen der Nutzung neuerer Technologien im Bildungswesen (Schule, Hochschule, Berufs- und Weiterbildung) zu vermitteln. Konkret geht es darin a) um die Nutzung von Webtools (Diskussionsforen, Chats, WikiWebs, Weblogs, ePortfolios, ..., Lernplattformen) im Bildungswesen, b) um die Produktion von eLearning-Content mit dafür entwickelten Autorentools sowie c) um didaktische Aspekte der Nutzung von Webtools (in Hinblick auf seminaristisches eLearning; vgl. oben) und der Produktion von eLearning-Content (in Hinblick auf eLearning mit Selbstlernmaterialien; vgl. oben).
Seminaristisches eLearning mit Social Software in dieser LV: Gegenstand der Bewertung der Studierenden in dieser LV sind zum einen Übungen, an denen die Studierenden gänzlich online in Diskussionsforen und Wiki-Webs (zumeist kollaborativ) arbeiten, zum anderen "Learning & Reflection ePortfolios" innerhalb der hierfür installierten Plattform Elgg. In den ePortfolios sollen die Studierenden (nach wiederholten Impuls-Vorträgen des LV-Leiters) ihr eigenständiges Weiterlernen dokumentieren bzw. auch die gehörten Inhalte kritisch reflektieren und sich mit ihren Kolleg/inn/en vernetzen. In der inhaltlichen Gestaltung ihrer Beiträge im ePortfolio sind die Studierenden dabei (innerhalb der groben Grenzen des Themas der LV) völlig frei. Die Studierenden konnten also ihre eigenen Schwerpunkte setzen und je nach eigenem Interesse, Wissen in die LV einbringen und vertiefen. Vom LV-Leiter erhalten sie dabei wiederholt Feedback, kritische Rückfragen und (unverbindliche) Tipps zum Weiterlernen. Dementsprechend wird für die Bewertung der Aktivitäten in den ePortfolios der Studierenden am Ende des Semesters alleine eine individuelle Bezugsnorm (im Gegensatz zu einer sozialen oder kriteriellen) herangezogen. Bewertet wird also der in den ePortfolios dokumentierte individuelle Wissens- und/oder Kompetenzzuwachs ohne dabei von vorneherein festzulegen worin dieser bestehen muss.
In der an der Universität Salzburg im laufenden Semester von Stefan Karlhuber abgehaltenen LV "eStudy Skills" sind das Web2.0 bzw. das Social Web und seine Chancen für a) das Suchen und Finden von Informationen, b) das Bereitstellen eigener Inhalte sowie c) für gemeinsames (kollaboratives) Arbeiten selbst Gegenstand der inhaltlichen Auseinandersetzung. Es ist daher nahe liegend, dass Social Software auch als didaktisches Mittel zum Einsatz kommt.
Seminaristisches eLearning mit Social Software in dieser LV: Ganz im Sinne von Personal Learning Environments[Fußnote 3] sind die Studierenden dieser LV eingeladen, in verteilten Webdiensten (wie Weblogs, Flickr, eSnips, Wikispaces, del.icio.us, ...) ihr Lernen und vor allem ihr eigenständiges Weiterlernen (über die Inputs des Lehrenden hinaus) zu dokumentieren und zu reflektieren, sich mit ihren Kolleg/inn/en zu vernetzen und dem Lehrenden Feedback zu geben. Die Vernetzung zwischen den einzelnen Webdiensten und auch zwischen den Studierenden untereinander und zwischen Studierenden und Lehrenden erfolgte dabei via RSS-Feeds. Durch diese Vorgehensweise ist jede/r Beteiligte/r sowohl auf einer zentralen LV-Seite als auch auf ihren/seinen eigenen Seiten (bei entsprechendem RSS-Import) über die virtuellen Entwicklungen bei den anderen Kursteilnehmer/inne/n informiert.
Evaluationsergebnisse zu Beispiel 1: ePortfolio und Wiki im Projektseminar "eLearning"
Am Ende des Semesters füllten 29 von 34 Studierende einen mehrteiligen Fragebogen aus. Dieser bestand aus dem HILVE (Heidelberger Lehrveranstaltungsinventar, Rindermann & Amelang, 1994) und aus zusätzlichen Fragen zum Lehrveranstaltungskonzept (45 Items und zwei offene Fragen). Dabei wurden die Studierenden gebeten die an sie gestellten Aufgaben in der Lehrveranstaltung zu bewerten, das ePortfolio-Konzept sowie Weblog und Wiki für den Einsatz in der Lehre zu beurteilen. Nachfolgend werden die wichtigsten Ergebisse daraus dargestellt:
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|
M |
SD |
1 |
2 |
3 |
4 |
5 |
6 |
7 |
|
% |
% |
% |
% |
% |
% |
% |
|||
|
Wiki für Projekt-Seminararbeiten finde ich ... (7 = sehr hilfreich, 1 = gar nicht hilfreich) |
6,07 |
1,06 |
0 |
0 |
3,4 |
3,4 |
20,7 |
27,6 |
44,8 |
|
Ich will nicht in einem Wiki schreiben |
1,97 |
1,61 |
69,0 |
3,4 |
6,9 |
6,9 |
10,3 |
3,4 |
0 |
|
Ich würde es besser finden, wenn immer nur ein Lerntool zum Einsatz kommt (nur ein Weblog oder nur ein Wiki) |
5,11 |
2,33 |
14,3 |
7,1 |
3,6 |
10,7 |
7,1 |
7,1 |
50,0 |
|
Weblogs für Projekt-Seminararbeiten finde ich ... (7 = sehr hilfreich, 1 = gar nicht hilfreich) |
3,54 |
1,79 |
14,3 |
21,4 |
10,7 |
25,0 |
14,3 |
7,1 |
7,1 |
|
Ich will nicht in einem Weblog schreiben |
3,14 |
2,13 |
35,7 |
14,3 |
7,1 |
14,3 |
7,1 |
14,3 |
7,1 |
|
Die Beschäftigung mit Wiki/Weblogs etc. hält mich vom Lernen ab |
2,11 |
1,52 |
57,1 |
10,7 |
7,1 |
17,9 |
3,6 |
3,6 |
0 |
|
Ich hätte gern ein einheitliches Lerntool, das von der Uni zur Verfügung gestellt wird (z.B. ein Weblog) |
5,82 |
1,27 |
0 |
3,6 |
0 |
7,1 |
32,1 |
14,3 |
42,9 |
|
Ich möchte einen Log-In für alle angebotenen Lerntools (Wiki, Weblogs) und Lernplattformen (Moodle, ScholionWB+, WeLearn) |
6,00 |
1,51 |
0 |
3,6 |
7,1 |
7,1 |
10,7 |
10,7 |
60,7 |
|
Ich möchte, dass Wiki und Weblogs vermehrt in LV eingesetzt werden |
4,96 |
1,66 |
7,1 |
0 |
7,1 |
21,4 |
25,0 |
17,9 |
21,4 |
|
Ich möchte, dass die LV-Leiter/innen der Uni alle einheitlich ein Wiki/Weblog verwenden |
5,89 |
1,64 |
0 |
7,1 |
7,1 |
3,6 |
10,7 |
14,3 |
57,1 |
Tabelle 2: Studierende bewerten Weblog und Wiki im Projektseminar "eLearning" (N = 29; 1 = trifft gar nicht zu, 7 = trifft voll und ganz zu)
Bei der Evaluation dieser LV haben wir die Studierenden in einem Online-Fragebogen vor allem nach der subjektiven Einschätzung ihres Lernerfolges bei der Arbeit am Wikibook gefragt. 33 der 70 Studierenden haben den Fragebogen ausgefüllt:
84,9% der 33 Studierenden, die den Fragebogen ausgefüllt haben, sagen dass sie das Lernen im Wiki-Projekt als intensiv oder als sehr intensiv empfunden haben (Kategorien 1 und 2 von 5 möglichen; 15,2% in Kategorie 3; 0% in Kat. 4 u. 5).
72,7% geben an, dass Sie im Wiki-Projekt mehr gelernt haben als durch klassische Vorträge der LV-Leitung (wiederum Kat. 1 u. 2; 18,2% in Kat. 3; 9,1% in den beiden Gegenpositionen).
69,7% geben an, dass sie im Wiki-Projekt mehr gelernt haben als wenn sie ein Skriptum zum gleichen Thema gelernt hätten (Kat. 1 u. 2; 9,1% in Kat. 3; 18,2% in den beiden Gegenpositionen).
Nur mehr 36,3% der antwortenden Studierenden geben an, dass sie in dieser Form mehr gelernt haben als beim Schreiben einer Pro-/Seminararbeit zum gleichen Thema (Kat. 1 u. 2; 33,3% in Kat. 3; 18,2% in den beiden Gegenpositionen).
Schließlich sagen 69,7% der Studierenden aus, dass sie in dieser LV "mehr als sonst üblich voneinander gelernt" haben (Kat. 1 u. 2; 18,2% in Kat. 3; 6,1% in den beiden ablehnenden Gegenpositionen); (vgl. im Detail Tabelle 3).
Die Antworten auf die offenen Fragen dieses Fragebogens (weitere Anmerkungen) lassen sich auf folgende Stichworte zusammenfassen: Aktives Erarbeiten erscheint lernwirksamer als passives Lernen nach Vortrag oder Skriptum, geschätzt wird der intensive Austausch mit den Kolleg/inn/en; beklagt wird der hohe Arbeitsaufwand.
Leider ist es nicht möglich, Aussagen über jene 37 Studierende zu treffen, die diesen Fragebogen nicht ausgefüllt haben. Und ebenso könne wir leider keine Aussagen über die objektive Lernwirksamkeit (gemessen auf Basis von Wissenstests) dieses Szenarios in Vergleich zu anderen Szenarien treffen.
|
|
% |
% |
% |
% |
% |
|
N |
M |
SD |
|
Das Lernen im Wiki-Projekt in dieser LV habe ich ... |
|
|
|
||||||
|
als sehr intensiv empfunden (1) |
36,4 |
48,5 |
15,2 |
0,0 |
0,0 |
(5) als gar nicht intensiv empfunden |
33 |
1,79 |
,69 |
|
mehr gelernt als durch klassische Vorträge der LV-Leitung (1) |
33,3 |
39,4 |
18,2 |
6,1 |
3,0 |
(5) weniger gelernt als durch klassische Vorträge der LV-Leitung |
33 |
2,06 |
1,02 |
|
mehr gelernt als beim Lernen eines Skriptums zum gleichen Thema (1) |
30,3 |
39,4 |
9,1 |
15,2 |
3,0 |
(5) weniger gelernt als beim Lernen eines Skripts zum gleichen Thema |
32 |
2,19 |
1,14 |
|
mehr gelernt als durch das Schreiben einer PS/SE-Arbeit zum gleichen Thema (1) |
12,1 |
24,2 |
33,3 |
9,1 |
9,1 |
(5) weniger gelernt als durch das Schreiben einer PS/SE-Arbeit zum gleichen Thema |
29 |
2,76 |
1,15 |
|
Im Wiki-Projekt in dieser LV haben wir Studierenden ... |
|
|
|
||||||
|
mehr als sonst üblich voneinander gelernt (1) |
39,4 |
30,3 |
18,2 |
6,1 |
0 |
(5) weniger als sonst üblicherweise voneinander gelernt |
31 |
1,90 |
,94 |
Tabelle 3: Studierende bewerten den Wiki-Einsatz in der LV "Lektüre klassischer Soziologischer Texte" an der Univ. Salzburg.
Digitale Medien und Lebenslanges Lernen, E-Learning-Symposium Oberösterreich 2007, Linz. (= Schriftenreihe E-Learning, Bd. 4). Linz: Trauner Universitätsverlag.