Thema: Burgschule gegen den Klimawandel – Ökologischer Wandel in der Schule und im Stadtteil

 

Themenfindung

 

Entstanden ist die Idee zu diesem Projekt aus dem Thema "Klima und Wetter" des Welt- Zeit- Gesellschaftsunterrichts. Dabei bestand bei den Schülern ein großes Interesse am Klimawandel. Wir besuchten einige Ausstellungen und Museen. Besonders, nachdem der Film „Eine unbequeme Wahrheit“ gezeigt wurde, entstand die Bereitschaft, selbst aktiv zu werden. Der Gedanke, ein Projekt daraus zu machen, bot sich an und die Schüler selbst kamen auf die Idee, dieses nicht nur den Eltern oder Mitschülern zu präsentieren, sondern auch den Bürgern unseres Stadtteils. Ziel sollte sein, dass die Besucher unseres Vortrags ausführlich informiert werden, das Gelernte sofort anwenden und auf ihr Leben im Haushalt oder dem Hausbau/ bzw. der -renovierung übertragen können. Darüber hinaus sollte die Arbeit auch eine Wirkung nach Innen haben und eine praktische Umsetzung an der Schule erfahren – die Schule sollte klimafreundlich gestaltet werden. Unser Thema, Ökologischer Wandel in der Schule und im Stadtteil, stand fest. 

 

Vorbereitung im Vorfeld

 

-          Film "Eine unbequeme Wahrheit" von Al Gore 

-          Besuch der Ausstellung "Klimazonen" im Naturkundemuseum Karlsruhe 

-          Besuch der Ausstellung "Expedition ins Klima" des Umweltministeriums Baden-Württemberg 

-          Experimente und Informationen zur Entstehung des Klimas und zum Klimawandel 

     

Themen der Vorträge

 

            Wie entsteht das Klima auf unserer Erde? 

            - Erwärmung der Erde durch die Sonne              - Entstehung von Jahreszeiten     

            - Entstehung von Klima und Klimazonen  

             

             Veränderungen des Klimas 

            - Veränderung der Konzentration von CO2 auf der Erde bzw. in der Atmosphäre  

            - Zusammenhang CO2 und Temperatur auf der Erde    - Wie trägt der Mensch dazu bei ? 

            - Folgen der Klimaveränderung   - Abschmelzen der Pole  

  

             Was können wir dagegen tun? 

            - Möglichkeiten zur Reduktion von CO2 im Haushalt, Büro und KFZ 

            - Das Energiesparhaus – neue Wege zur effektiven Energienutzung 

  

Aktionen

 

·       Webauftritt

 

             - Erstellung eines Blogs 

             - Dokumentation des Bürgerabends per Video 

             - Nutzung innovativer Medien

 

·         Klimafreundliche Schule 

            - LIGHTS OUT – LICHT AUS! Aktion: Obergrombach schaltet das Licht aus 

            - Organisation eines Lights Out! - Straßenfestes 

            - Infotag und Aufklärung über den Klimawandel mit Spiel und Preisen für die Klassen 3 - 6   

            - Aktion „Klimafreundliche Schule“ – Schüler sparen Energie 

            - Einführung „Klimadetektive“ 

            - Bau einer Photovoltaikanlage mit der Option der Bürgerbeteiligung 

            - Energetische Sanierung der Burgschule 

            - Bau einer Pelletsheizung 

            - Abschluss eines Energievertrages mit der Stadt Bruchsal, der uns ein Drittel der  

  eingesparten Energiekosten erstattet. 

  

Teambildung  

 

Bereits Ende letzten Jahres wurde mit der Arbeit an dem Thema begonnen – unabhängig von der Idee an einem Wettbewerb teilzunehmen. Dazu hatte sich die gesamte Klasse entschieden. Zur Vorbereitung des Bürgerabends wurden feste Gruppen gebildet, die jeweils einen bestimmten Teil des Projekts ausarbeiteten. Die Durchführung geschah im Rahmen des Unterrichts. Die Koordination wurde vom Klassenlehrer übernommen. Da mit dem Wechsel des Schuljahres die Hauptschulabschlussprüfung begann, stand nicht mehr genügend Zeit zur Verfügung, um das Projekt weiterhin im Unterricht stattfinden zu lassen. Daher wurde die Arbeit auf freie Nachmittage verlegt und beruht bis heute auf Freiwilligkeit. Die Koordinationsaufgaben des Klassenlehrers wurden an eine Managementgruppe übergeben. Jedem Mitglied unterstanden dabei wiederum mehrere Schüler, denen vereinbarte Aufgaben zugewiesen werden konnten. Während der Sitzungen der Managementgruppe wurden die Fortschritte und Probleme beraten und Lösungen gesucht. Die Schüler teilten dabei Gruppen ein, die für die Pressearbeit zuständig waren oder für die Veröffentlichung der Ergebnisse im Internet. Des Weiteren gab es z.B. eine Gruppe, die   handwerkliche Tätigkeiten übernahmen, sowie eine Videodokumentations-Gruppe. Die Zusammenarbeit, Kommunikation und Terminplanung der Schüler untereinander geschah über die Kollaborative Software der Firma Google.  

 

Zusammenarbeit mit den außerschulischen Kooperationspartnern 

 

Zusammengearbeitet haben wir mit dem Infozentrum Energie (IZE) Bruchsal, das uns beraten und unsere Bürger-Veranstaltung unterstützt hat. Herr Dipl. Ing (FH) Willi Lechleiter übernahm dabei die Beratung zum Thema Energieeinsparung, sowie die Durchführung einer wirtschaftlich rationellen energetischen Altbaumodernisierung und den Einsatz erneuerbarer Energien. Bei unserem Bürgerabend übernahm er im Anschluss noch die Aufgabe, interessierten Bürgerinnen und Bürger Informationen über staatliche Förderprogramme zur Verfügung zu stellen.  

Der Bürgermeister der Stadt Bruchsal, Herr Hockenberger, sicherte uns politische Unterstützung zu. Er befürwortete unsere Aktionen in der Gemeinde und in unserer Schule. Er unterstützte uns bei der Kooperation mit den verschiedenen Ämtern der Stadt Bruchsal, so z.B. um die "Lights out / Licht aus" Aktion zu organisieren. Ebenso erhielten wir Unterstützung bei der Errichtung einer Photovoltaik-Anlage, die zur Energiegewinnung der gesamten Gemeinde zur Verfügung stehen soll und Inhalt des Energievertrags mit der Stadt ist. Herr Hockenberger stellte in Absprache mit uns Kontakte her und leistete Überzeugungsarbeit bei unseren Ansprechpartnern.  

Der Energie und Wasserversorger Bruchsal unterstützte uns bei der Realisierung einer Photovoltaikanlage auf dem Schuldach sowie bei der Planung und Durchführung unserer geplanten Aktion „Lights out / Licht aus“ in Obergrombach, bei der wir die Bürger von Obergrombach aufforderten, das Licht für 10 Minuten auszuschalten. Diese Aktion wurde vom Geschäftsführer der EWB, Herr Solberg, persönlich verantwortet. Herr Stefan Pohner, Energieberater bei der EWB, beriet die Schüler bei der Aufdeckung von Energielücken in der Schule und half dabei, die Schule klimagerecht zu gestalten. So z.B. durch die Einführung von Klimadetektiven. Bei einer geplanten Schulveranstaltung „Prima Schulklima“ hat sich die EWB bereiterklärt, einen Preis für die Gewinner unseres Schulquiz zur Verfügung zu stellen.  

Die Paramount Company stellte uns Ausschnitte aus dem Film „Eine unbequeme Wahrheit“ zu Verfügung. In diesem Film zeigt der ehemalige Präsidentschaftskandidat der USA Al Gore die Folgen und Gründe des Klimawandels. 

Unterstützende Materialien, Anregungen zum Energiesparen in der Schule, sowie ausführliche telefonische Hilfen, erhielten wir von KlimaNet Baden-Württemberg. Eine direkte Kontaktaufnahme kam leider nicht zustande, da die KlimaNet für jeden Vorort-Termin 1000€ berechnet. Trotzdem war das gelieferte Material sehr hilfreich.

 

Projektverlauf und Dokumentation im Internet

 

Die Arbeit mit den Schülern war getragen vom großem Engagement und der großen Motivation der Schüler. Doch auch die Grenzen der Schüler wurden aufgezeigt. Bei der Arbeit mit Hauptschülern muss man sich sehr viel Zeit nehmen. Gut 80% der Klasse leiden an z.T. starker Lese-Rechtschreib-Schwäche. Ein guter Teil der Klasse ist es nicht gewöhnt, pünktlich und zeitnah Arbeiten zu erledigen. Eine niedrige Frustrationstoleranz erschwert zusätzlich die Aufgabe. Mit der Rolle, auf der Hauptschule gelandet zu sein, haben viele ein Problem. Sie sehen sich als zurückgesetzt und disqualifiziert an. Dadurch musste fast jede schriftliche Arbeit mehrfach wiederholt werden, bis „fast alle“ Fehler beseitigt werden konnten. Termine, die nicht eingehalten wurden, mussten verlegt oder umorganisiert werden. Teilweise ist ein sehr geringer Eigenantrieb, zurückzuführen auf ein ebenso geringes Selbstwertgefühl, vorhanden, da auch vom Elternhaus niemals Ansprüche an die Schüler herangetragen wurden. Die Erfolge, die die Schüler bei der ersten Bürger-Veranstaltung erfuhren, gaben ihnen erheblichen Auftrieb. Viele Besucher beurteilten die Präsentation als besonders gut gelungen und auch in den Medien wurde ihnen verständlich gemacht, dass ihre Arbeit nicht auf dem typischen Niveau einer Hauptschule lag. Zusätzlichen Auftrieb erhielten die Schüler dadurch, dass das Projekt von MICROSOFT ausgewählt wurde, beim INNOVATIVE TEACHERS CONGRESS 2007 in Helsinki aufgestellt zu werden. Die Schüler erzielten damit die Möglichkeit, verstärkt Interesse bei den Medien zu entwickeln, was dazu beitrug, dass die Öffentlichkeit vom Projekt Notiz nahm. Von MICROSOFT ausgewählt wurde das Projekt für seinen innovativen Medieneinsatz, der Dokumentation in einem Video-Blog und natürlich wegen der Brisanz des Themas. Die Schüler haben, entgegen mancher Medienmeldung, keinen Preis gewonnen und waren auch nicht in Helsinki vor Ort. 

Da tatsächlich nicht alle Schüler in der Lage sind, sich schriftlich mitzuteilen, lag daher ein besonderer Schwerpunkt auf der praktischen Arbeit, so beispielsweise dem Modelbau. Ebenso die Arbeit mit Neuen Medien und dem Web 2.0 war ein zentraler Aufgabenbestandteil. 

Die Webseite wurde Anfang des Schuljahres in Angriff genommen. Das Projekt musste dann bis Ende März vorübergehend ruhen, da die Schüler auf die Hauptschulabschlussprüfung vorbereitet werden mussten und dies leider im gleichen Zeitraum stattfindet wie der Focus-Wettbewerb. Die neue HAP in BW sieht insgesamt 9 Teilprüfungen vor und lässt eigentlich keinen Spielraum für andere Projekte. Nur die Begeisterung und der freiwillige Einsatz der Schüler konnte das Projekt bis jetzt zum Abschluss bringen. Dabei kam es vor, dass der eine mehr und der andere etwas weniger leisten konnte.  

 

Beschreibung der Vor Ort - Präsentationen

 

Bürgerveranstaltung:

 

Sie fand im Juli 2007 im Saal des Musikerheims Obergrombach statt. Ziel der Aktion war es, die Bürger Bruchsals/Obergrombachs über den Klimawandel aufzuklären und sie zum aktiven Handeln anzuregen, wie z.B. Energie und Co2 zusparen in Haushalt, Büro, Kfz oder beim Haus Um- oder Neubau klimafreundliche Methoden einzusetzen. Unterstützt wurde der Vortrag von unserem Kooperationspartner Dipl. Ing. Willi Lechleitner. Vertreter der Gemeinde, der Politik und der Presse waren ebenfalls anwesend. Knapp 70 interessierte Bürgerrinnen und Bürger erschienen zum Vortrag der Schüler. Auch Schulleiter anderer Schulen sind erschienen.

 

Lights Out – Aktion mit Straßenfest:

 

Am 17.04.2008 löschten eine überwiegende Mehrheit der Obergrombacher Bewohner für 10 min ihr Licht, um ihre Solidarität im Kampf gegen den Klimawandel auszudrücken. Das zeitgleich stattfindende Straßenfest besuchten nicht nur etwa 200 Besucher, auch die Kooperationspartner der Stadt und der EWB erschienen, um sich bei Würstchen, Bier und Guggenmusik unterhalten zu lassen. Viele Schüler der Grund- und Hauptschule kamen und entzündeten gemeinsam mit uns eine Kerze gegen den Klimawandel. Anwesend war ebenfalls unser Kooperationspartner und Schirmherr, der Bürgermeister der Stadt Bruchsal, Herr Hockenberger.

 

Aktionstag „Prima Schulklima“ (eigentliche Live-Präsentation):

 

Am 21.4.2008 fand ein Klimatag für die Klassen 3-6 statt. Der zuvor vor Bürger gehaltene Vortrag wurde entsprechend auf das Niveau der Schüler umgeändert. Zeitgleich zur Präsentation, konnten die eingeladenen Klassen noch an einem Ratespiel teilnehmen. Dazu stellte jede Klasse zwei Vertreter, die das Rateteam stellten. Einige Schüler der Klasse 9 hatten speziell dazu, zusammen mit einem Elektromeister, sog. "Buzzer" gebaut, die anzeigen, welches Team zuerst "den Knopf" gedrückt hat. Somit waren die eingeladenen Schüler sehr motiviert, beim Vortag auch aufzupassen - denn alle konnten ihr Rateteam unterstützen. Der Gewinner kann den von unserem Kooperationsparter ausgelobten Preis (s.o.) in Anspruch nehmen. 

Nach einer kurzen Pause wurden die Schüler der teilnehmenden Klassen in ihrem Klassenzimmer auf die Möglichkeiten des Energiesparens in der Schule aufmerksam gemacht. Jede Klasse stellte nun sog. Klimadetektive. Die "Schulung" wurde jeweils von einem dreiköpfigen Schülerteam der Klasse 9 durchgeführt. In Gruppenarbeit konnten die teilnehmenden Schüler selbsttätig Möglichkeiten erarbeiten, in der Schule Energie zu sparen. Jede entdeckte Möglichkeit wurde hierzu durch ein rotes Ausrufezeichen als Hinweisschild an der jeweiligen Stelle angebracht (z.B. Heizkörper) Die im Anschluss gewählten Klimadetektive haben nun die Aufgabe, in täglich wechselnden Gruppen (pro Klasse), die Einhaltung der durchgeführten Maßnahmen zu kontrollieren. Die Klasse, die diese Regeln am besten befolgt, wird einen Anteil aus dem vom Energiesparvertrag ausgezahltem Guthaben erhalten. 

 

Ergebnisse der Projektarbeit:

 

Die Schüler, die dieses Projekt bearbeiten, hinterlassen einen bleibenden Eindruck an unserer Schule. So gibt es nunmehr zahlreiche Hinweisschilder, die die Schüler der Burgschule auf den sorgfältigen Umgang mit Energie im Schulhaus hinweisen. Die Klimadedektive werden als dauerhafte Einrichtung an der Schule sein. Mit dem Energievertrag mit der Stadt Bruchsal und der energetischen Sanierung der Schule werden der Schule langfristig ein Drittel des ersparten Betrages zur Verfügung stehen. Die Installation einer Photovoltaikanlage im Wert von 100.000€ machen unsere Schule zu einem Kraftwerk für Obergrombach. Die Bürger werden sich Anteile kaufen können und können somit umweltfreundlich erzeugten Strom bestellen. 

Zahlreiche öffentliche Auftritte, die Präsentation beim INNOVATIVE TEACHERS CONGRESS in Helsinki und eine gut besuchte Internetseite, haben unsere Ideen zum Klimawandel den Bürgerinnen und Bürgern Obergrombachs näher bringen können. 

Was mich als Klasslehrer besonders freut, sind die vielen kleinen Erfolge, die die Schüler auf ihrem Weg erfahren haben und ihnen das Gefühl gaben, nicht nur einfach „Rest-Schüler“ zu sein. Bei der Durchführung des Projekts konnten sie eine Vielzahl von Kompetenzen und Fähigkeiten erwerben, wie sie nur denkbar schwierig durch den normalen Fachunterricht hätten vermittelt werden könnten. Durch die Konstruktion der „Energiesparhäuser“ wurde bei vielen Schülern ein Interesse für den Bauberuf geweckt, der bei einem Schüler schon in einem Vorvertrag zum Anlagenmechaniker Fachrichtung Sanitär-Heizung-Klima mündete. Er will sich hierbei vor allem mit dem Einsatz regenerativer Energien beschäftigen. Dies zeigt mir, dass sich der Einsatz gelohnt hat.