Kapitel 11 „Der FBI Weiterbildungskurs“


FBI HQ, Washington

Montag, 08.02.1993 8:00 h


Agent Scully. Da ist noch eine Sache die ich mit ihnen besprechen muss. Es geht um ihre Qualifikation für den Feldeinsatz. Wie sie sicherlich wissen, gibt es laufend Veränderungen wie neue Gesetzte, Waffen oder Technik. Damit unsere Agenten immer auf dem Laufenden sind bieten wir Informationskurse, Weiterbildungslehrgänge und der gleichen an. Das machen wir nicht zum Spaß, wir erwarten das jeder Agent diese Programme in Anspruch nimmt. Nach den FBI Vorschriften stehen Agenten im Aktiven Dienst mindestens 8 Tage im Jahr für diese Zwecke zur Verfügung. Sie haben im letzten Jahr von keinem dieser Tage Gebrauch gemacht.“ Weiterbildung? Etwa eines dieser öden Wochenenden, mit anderen Agenten und irgendwelchen welchen Besserwissern, die einem erzählen wie man seinen Job machen soll? „Sir. Ich werde mich darum kümmern. Quantico hat soweit ich weiß ein paar ausgezeichnete Weiterbildungskurse.“ Sie hatte mehr als zwei Jahre dort verbracht sie kannte sich aus. Er reichte ihre eine Broschüre. Die Überschrift allein kam ihr wie ein schlechter Witz vor. ‚FBI Partner Trainings Programm’ Sie hatte nicht einmal einen. Der Standort klang mehr als gut. Wer wollte nicht einmal Las Vegas einen Besuch abstatten. „Sir. Das ist ein Partnerprogramm.“ Sie hatte sich den Inhalt noch nicht einmal angeschaut. „Ich weiß. Es ist ein neues Programm, das in Kooperation mit einem privaten Bildungsträger entstanden ist. Ich will nicht alles wiederholen was in der Broschüre steht. Ich habe ihnen zwei Plätze reserviert. Es ist ihnen überlassen wenn sie mitnehmen. Sie können sogar Mr. Mulder mitnehmen, das wäre mir sogar mehr als Recht. Er müsste als FBI Agent auftreten und niemand dürfte wissen das sie verheiratet sind. Es wäre für uns eine großartige Möglichkeit dieses Programm zu testen. Ich würde ihnen Mulders Stunden gut schreiben. Damit hätten sie für 92 und 93 ihre Pflicht erfüllt.“


Sie musste erst einmal Sacken lassen was ihr Skinner gerade erzählt hatte. Mulder sollte FBI Agent spielen? Weil der AD das Programm testen will und dazu ein verheiratetes Paar mit an den Start schicken will. Sie würde dafür zwei Jahre Weiterbildung im Preis von einem Bekommen angerechnet bekommen. „Sir. Was ist wenn sich Mulder entscheidet mit zu machen? Wollen sie ihn dann etwas mit einer Dienstmarke und Waffe auf die Menschen in Las Vegas loslassen?“ Fragte sie ungläubig nach. „Sie würden auf ihn aufpassen. Es gelten die Regeln wie immer und selbst verständlich wird ihr Ehemann für diese Zeit voll entlohnt. Das FBI übernimmt alle Kosten. Ich würde vorher aber gerne noch einmal mit Mr. Mulder reden, sollte er sich entscheiden mit zu machen.“ Diese Geschichte kam ihr mehr als verrückt vor.


FBI HQ, Washington

Mittwoch, 10.02.1993 10:00 h


Danke das sie kommen konnten Mr. Mulder. Sie haben sich also entschieden?“ Skinner schien sichtbar erfreut zu sein ihn zu sehen. Mulder fühlte sich im FBI Hauptquartier immer noch mehr als unbehaglich. „Ja. Scully hat mir von ihrem Vorschlag erzählt und ich habe an sich nichts gegen einen kleinen Trip nach Vegas einzuwenden.“ Er hatte darüber nachgedacht und diese Broschüre gelesen. Sie behaupteten darin Agenten nicht nur in Top Form zu bringen sondern auch beurteilen zu können ob zwei Agenten als Partner geeignet sind oder nicht. Der Rest klang wie die Beschreibung einer Partnervermittlung. „Das ist eine gute Entscheidung und ich versichere ihn das sie diese nicht bereuen werden. Sie kennen die Bedingungen?“ Oh ja. „Ich denke schon. Ich soll als FBI Agent auftreten und bin während des Programms nicht Scullys Ehemann, sondern nur ihr Partner.“ Eine Woche in getrennten Betten war das härteste an diesem Deal. „Ja das sind die Bedingungen. Wie werden ihnen als was sie als FBI Agent brauchen zur Verfügung stellen. Es gibt noch eine zusätzliche Bedingung, die auch in ihrem eigenen Interesse ist. Sie bekommen von uns eine Dienstwaffe ausgehändigt. Einer unserer Waffenausbilder wird ihnen den Umgang mit einer Waffe erklären und einen praktischen vier Tage – Crashkurs geben. Diesen Kurs müssen sie bestehen um eine Waffe führen zu dürfen und er ist nicht nur auf diesen Deal beschränkt. Sie sind dann ganz offiziell berechtigt eine Schusswaffe zu führen und unterliegen den normalen gesetzlichen Bestimmungen.“


Toll, das ist was Scully ihm seit einem Jahr einzureden versucht. Jetzt bekommt sie ihren Willen. Ob die beiden sich gegen ihn verschworen haben? „Einverstanden. Wann und wo fange ich mit dem Kurs an?“ Scully würde glücklich sein, das war die Hauptsache. „Ihr Ausbilder wartet bereits bei Kim. Er wird sie über alles Notwendige informieren. Viel Glück.“ Damit war er entlassen und machte sich auf den Weg seinen neuen Lehrer kennen zu lernen.


Mulder’s Haus, Georgetown

Sonntag, 14.02.1993 20:00 h


Scully, zum Valentinstag schenkt man Pralinen und nicht Smith & Wesson.“ Sie schaute ihm zu wie er seine Waffe fachmännisch reinigte. Er hatte in den letzten Tagen eine Menge an der Academy gelernt. Sie war erleichtert das er endlich seinen Waffenschein hat. Sie hatten bereits gepackt und waren morgen für den ersten Flug nach Vegas gebucht. Heute hatten sie ein schönes Abendessen im Kerzenschein. Mulder hatte ihr Pralinen mitgebracht. Er war mit seinem Geschenkt nicht ganz so glücklich. „Mulder du kannst jetzt offiziell eine Waffe tragen und ich fühle mich wohler wenn du eine bei dir trägst. Sie passen übrigens besser zu Armani als Schwerter.“ Eine Schusswaffe konnte einen Unsterblichen vielleicht nicht töten, aber schmerzen bereiten. Auch wenn er es nicht einsehen wollte Pistolen hatten ihre Vorteile. Als FBI Agentin war sie da etwas befangen. Sie wollte aber das ihr Ehemann in der Lage ist sich zu verteidigen und seien wir mal ehrlich. Wann hatte er mal sein Schwert im Gepäck? Sie muss immer darauf bestehen, das er eins mitnimmt. Er packt es immer in den Kofferraum. Auf Flugreisen kann sie es ja noch verstehen, der Papierkram für das Ding ist nahe zu unendlich. Als FBI Agenten durften sie aber ihre Dienstwaffen mit sich führen. Und die Taktik auf Unsterbliche schießen und dann wegrennen, schien aus ihrer Sicht nicht verkehrt. Aber Mulder hatte da seine eigenen Ideen. Nach Las Vegas würden sie jedenfalls kein Schwert mitnehmen.


Sehr witzig Scully. Ich hoffe du weißt zu schätzen was ich für dich mache.“ Er begutachtete seine Marke. Für den Dienstausweis hatte er sich die Haare FBI konform schneiden müssen. Ihr gefiel der neue Haarschnitt, auch wenn er gut zwei Tage über den Verlust gejammert hat. Das seine Haare in ein paar Wochen wieder die Alten sind, wollte er nicht gelten lassen. Sie hatte an den Abenden versucht ihm ein wenig FBI Protokoll und Prozeduren ein zu trichtern. Er hat ihr Handbuch überflogen und als Schwachsinn zu den Akten gelegt. Sicher sein perfektes Gedächtnis würde ihm helfen es zu zitieren wenn er es brauchte, aber er würde sich nicht daran halten. Sie hatte sich in der letzten Woche mehr als einmal gefragt, worauf sie sich eingelassen hat.


FBI Programm, Las Vegas

Montag, 15.02.1993 11:00 h


Sie waren endlich an ihrem Ziel eingetroffen. Das FBI hatte für dieses Programm keines der großen Hotels, den Spiele - Palästen gewählt sondern ein Einfaches Motel außerhalb der Stadt. Busse würden sie täglich zur Polizeischule bringen. Die Police Academy von Las Vegas stellte großzügig ihre Einrichtungen für dieses Programm zu Verfügung. Im eigenen Interesse, den sollte man mit dieser ersten Testwoche erfolgreich sein, dann würde auch der Polizeidienst von diesem Weiterbildungssystem profitieren. Alle hielten es für eine gute Möglichkeit und wollten sehen ob es auch den Praxistest bestand. Da die Polizei keine eigenen Leute schicken konnte, wollten sie wenigsten als Beobachter den ersten Test verfolgen. Wie konnte man das besser als im eigenen Revier?


Agent Dana Scully und Agent Fox Mulder.“ Meldete sie sich und ihren Partner bei der Hotelrezeption an. „Ah sie sind die beiden Agenten aus Washington DC. Füllen sie bitte diese Anmeldeformulare aus und geben sie dann ihre elektronischen Geräte hier bei mir ab.“ Die Dame war freundlich und hatte gerade Ihren Ehemann an den Rand der Verzweiflung gestürzt und sie konnte ihn auch nicht mehr stoppen. „Was soll das heißen, geben sie ihre elektronischen Geräte ab?“ Sie kannte Mulder er trennte sich nie von seinem Handy. Hier war es seine einzige Verbindung zur Außenwelt, zu Akim und seinen Geschäften. Er würde es bis zum letzten Blutstropfen verteidigen. „Agent Mulder. Alle Kursteilnehmer müssen Handys, Laptops, Pager und ähnliches hier abgeben. Es ist Teil der Regeln. Haben sie nicht ihr Programmhandbuch gelesen?“ Programmhandbuch? Sie kannten nur diese Broschüre. „Wir hatten von unserem Vorgesetzten nur eine Informationsbroschüre bekommen. Uns wurde nichts von einem Kurshandbuch erzählt.“ Mischte sich Scully ein bevor sich ihr Mann dazu äußern konnte. „Oh warten sie. Ihre Kursunterlagen wurden hier für sie hinterlegt. Man hatte versäumt sie ihnen zu zuschicken.“ Ein Blick zu Mulder und sie wusste das sie beide das selbe dachten. Es war Absicht. Sie bekamen ihre ‚Kursstarter Sets’ und machten sich erst einmal auf den Weg zu einem der aufgestellten Tische um die Formulare aus zu füllen.


Scully? Wie soll ich die Fragen beantworten?“ Er hatte einen Punkt. Sie konnten das hier schlecht ausdiskutieren. Vielleicht war dies ein guter Zeitpunkt an ihren anderen Kommunikationsmöglichkeiten zu arbeiten. „Ich werde dir beim Ausfüllen helfen. Wir machen es einfach wie im Boggs Fall.“ Damit konnten sie anfangen. <Okay Scully. Wie lange bin ich beim FBI?> Rechne einfach deine Zeit als Berater mit, dachte sie wäre der einfachste Weg. Sie konnte sehen wie er die nächsten Fragen ohne ihre Hilfe beantworten konnte. Es war nicht schwer mit seiner Beratertätigkeit die Fragen zu beantworten. Er hat eben für VCU gearbeitet. <Scully, wie lange sind wir Partner?> Über die Frage musste sie nicht nachdenken. Ein Jahr, seit sie sich kennen. Er lächelte vor sich hin als er die Antwort eintrug. Den Rest schaffte er ohne ihre Hilfe und sie hatte Zeit ihren Bogen auszufüllen. Dann überraschte sie Mulder als er vorbildlich sein elektronisches Spielzeug ablieferte. Das Handy das man ihm gegeben hatte. Sein Laptop hatte er nicht mitgebracht. Scully hatte ihren eingepackt, ihr Textverarbeitungsprogramm war mit seinem kompatibel. So bekam sie jetzt einen bösen Blick von ihm als sie das Gerät abgab. <Du hättest es ruhig behalten können.> Schmollte er wie ein drei Jähriger dem man gerade sein Lieblingsspielzeug genommen hatte. Sie bekam eine Nummer für die Sachen die sie abgegeben hatten und ihre Zimmerschlüssel. Sie beide hatten Räume neben einander bekommen mit einer Verbindungstür dazwischen. Das schien ihn über den Verlust seiner Spielsachen etwas hinweg zu helfen. Aber sie traute dem Frieden nicht ganz.


Mulder, was hast du mit deinem privaten Handy gemacht?“ Es war ihr im Fahrstuhl wieder eingefallen. „Nichts. Es ist da wo es hingehört.“ Sein Grinsen war breit und seine Augen bettelten sie förmlich an ihn nicht zu verpetzen. „Okay. Mein Name ist Hase und ich weiß von nichts.“ So würde sie sich und den Angestellten eine Menge ärger ersparen. Ein unglücklicher Mulder war mehr als sie im Augenblick vertragen konnten. Sie hatten bis zum ersten Treffen um 13:00 Uhr noch etwas Zeit. Zimmerservice gab es nicht. Die Teilnehmer sollten zum Essen den großen Speisesaal aufsuchen. Das war eine ihrer Methoden die Agenten darin zu hindern sich die meiste Zeit in ihren Zimmern zu verstecken. Eine anderer Methode bestand darin das es keine Unterhaltungsmedien auf den Zimmer gab. Zur Unterhaltung hatte man einen Gemeinschaftsraum eingerichtet. Sie konnte die Begeisterung ihres Mannes in seinen Augen ablesen, als er sein Zimmer betrat. Für eine Woche kein Fernsehen, keine Scully in der Nacht musste Mulders Beschreibung der Hölle schon sehr nahe kommen. „Scully!“ konnte sie ihn schreien hören und öffnete schon mal ihre Seite der Verbindungstür, seine Seite war bereits offen und sie konnte ihn am Bett stehen sehen. Er wirkte nicht gerade begeistert. Er hatte sein Gepäck aufs Bett geschmissen und wühlte im Starterset nach diesem Handbuch. Es war wirklich Zeit einen Blick darein zu werfen.


Mulder. Das ist nur für eine Woche.“ Sie klang jetzt wie ihre Mutter als sie versucht hat ihre vier Kinder auf das Feriencamp vorzubereiten. Sie hatten es alle gehasst. „Ein Woche in der Hölle. Schon ein Blick ins Handbuch riskiert? Sind wir etwa beim Militär gelandet?“ Er zeigte ihr eine Seite mit dem generellen Tagesablauf. Sie konnte erkennen was er meinte. Wecken um 05:00 Uhr und Zapfenstreich pünktlich 22:00 Uhr. Alles war militärisch durch geplant. Sie fand sogar Regeln für die bekloppten Verbindungstüren in ihren Zimmern und es gab sogar Kontrollen wie beim Militär. Das ging wirklich zu weit. Es fehlte wirklich nur noch das sie Uniformen tragen mussten. „Scheiße!“ Ein Scully untypisches Wort, aber das Beste was ihr dazu ein viel. „Du sagst es Partner. Lass uns etwas Essen gehen. Ich vertrage nicht mehr von diesem Mist auf leerem Magen.“ Sie ließen ihr Gepäck stehen und begaben sich zum Speisesaal. Wo bereits andere ihren Unmut über das beschissene Handbuch und die Regeln kundgaben. Sie konnte Mulder gerade so zurückhalten. Es war nicht gut schon am ersten Tag negativ aufzufallen. Sie hatte das Gefühl das Mulder mehr als genug andere Möglichkeiten finden würde. Sie holten sich etwas zu Essen und nahmen an einem der Tische etwas abseits platz.


Mulder hatte ein Sandwich und Kaffee, während sie sich an dem Cesar- Salat versuchte und dazu ein Glas Mineralwasser trank. Er beäugte ihr Glas. „Ich fürchte das wird dich in den nächsten Stunden nicht wach halten. Bis 17:00 Uhr dürfen wir uns Vorträge und sonstigen Nonsens anhören. Glaubst du Mineralwasser ersetzt eine gute Dosis Koffein?“ Sie gab nur höchst ungern zu wenn er Recht hatte. „Auch wieder war.“ Er war Gentleman und holte ihre den Kaffee wie sie ihn mochte. Mit Sahne, ohne Zucker.


FBI Programm, Las Vegas

Montag, 15.02.1993 13:00 h


Alle hatten sich im Gemeinschaftsraum eingefunden. Es waren insgesamt 8 Kurspaare, also 16 Personen anwesend. Sie waren alle aus unterschiedlichen Bundesstaaten angereist und kannten sich offensichtlich nicht. Mulder hatte keine Widersehensfeiern gesehen, die Leute blieben unter sich. So saß jeder mit seinem Partner und gab sich Mühe den Rest der Anwesenden zu ignorieren. Der Leiter dieser Veranstaltung kam in den Raum und stöhnte sichtbar beim Anblick der sich ihm bot. Mit so einem Haufen hatte er wahrscheinlich nicht gerechnet und bereute vermutlich den Tag an dem er geboren wurde. „Guten Tag meine Damen und Herren. Es freut mich zu sehen das sie es alle geschafft haben hier zu erscheinen.“ Er schaute sich im Raum um und schien kurz etwas zu überlegen. „Ich schlage vor wir stellen uns erst einmal gegenseitig vor. Danach werde ich ihnen das Programm kurz erläutern und ihre Fragen beantworten.“ Die Menge gab ihre Zustimmung. Der Leiter bestimmte das sie sich im Uhrzeigersinn bewegten und so würde Mulder als 10ter an der Reihe sein sich vorzustellen. Genug Zeit also um bei den anderen Erfahrungen zu sammeln.


Ich bin Mark Hamilton aus dem New Yorker Büro, Abteilung Wirtschaftskriminalität …" Mulder schaltete ab, er hatte wirklich einen langen Nachmittag vor sich. Marks Partnerin hieß Nancy Davis und mochte Ski fahren. Toll! Mulder versuchte sich auf Name und Büro zu konzentrieren. So kamen Chris Saunders und Brenda O’Dell aus Dallas. Michel Donavan und George Allport stammen aus Detroit. Miranda White mit ihrer Partnerin Paula French waren aus LA angereist. „Ich bin Dana Scully aus Washington DC. Mein Partner und ich sind für die X Akten zuständig …“ Einige der männlichen Kollegen konnten sich vor Lachen nicht halten. Die Gerüchte über die X Akten scheinen weit herum gekommen zu sein. Sie würden sich diese Woche wohl noch den einen oder anderen Witz anhören dürfen. Mulder konnte es recht sein, wenn er auch ein paar Sprüche loswerden konnte. „Hi. Ich bin Fox Mulder.“ Er wartete bis die Witze über seinen Vornamen ihre Runde gemacht hatten, bevor er weiter sprach. „Aus Washington DC zurzeit mit meiner Partnerin den X Akten zugeteilt.“ Er war der Ansicht das genügte an Informationen. Dann kamen die Jungs aus Chicago an der Reihe, Brian Fischer mit Partner David Price. Rick Russo und Liz Roberts waren aus Santa Fee. Das Letzte Paar Rosa Moore, Gillian Finck war von hier. So hatte sie schon mal zwei potenzielle Reiseführer. Damit hatten sie es endlich hinter sich und Mulder musste feststellen das er mit Scully die meisten Lacher auf ihrer Seite hatten. Die Hälfte hatte Jobs wo sie ihren Schreibtisch nur zum Essen oder Kaffee holen verließen. Die andere Hälfte hat sich mit Mördern, Kidnappern, Geiselnahmen, Sekten, illegale Waffen und Drogen herum geschlagen.


Wie gefällt dir die Show bis jetzt?“ Fragte er seine Partnerin. „Halb und Halb. Ich schätze einmal da hat jemand seine Hausaufgaben gemacht.“ Er wollte noch etwas sagen, doch der Kursleiter übernahm wieder das Wort. „In den Nächsten Tagen werden wir sie auf Herz und Nieren Testen und sehen ob sie als Partner oder Team zusammenarbeiten können. Ihre Vorgesetzten werden von uns über jeden von ihnen einen Bericht erhalten in den ihre Einzelleistungen, Partner- und Team Leistungen beurteilt werden. Ihre Stärken, Schwächen, alles wird in diesem Bericht nachzulesen sein.“ Großartig. Genau das was er schon immer wollte eine Horde Idioten die ihn analysieren. „Wir werden sie nicht nur auf den neusten Wissenstand bringen, sondern auch zeigen wie sie sich besser untereinander verstehen und zusammenarbeiten können.“ ‚Kurz gesagt wir machen bessere Agenten aus ihnen!’ Rede. Der übliche hohle Quatsch. Er bemerkte das Scully aufmerksam zuhörte und sich Notizen zu machen schien. Als er sich im Raum umsah konnte er auch andere Agenten sehen wie sie mit schrieben. Das war nun wirklich lächerlich. Mulder hatte nur mit einem halben Ohr hingehört, konnte aber nichts entdecken was er nicht im Handbuch finden konnte. So war morgens Fitness, Selbstverteidigung, Schießstand und so weiter angesagt, während sie nachmittags den theoretischen Müll über sich ergehen lassen mussten. Die Abende waren Gruppenarbeit wo sie ihre Hausaufgaben und Vorbereitungen für den nächsten Tag machen konnten. Wie bereits befürchtet konnte er seinen Ausflug in die Stadt vergessen. Glücksspiel war nach den Regeln verboten. Wie fast alles andere auch. Welcome in the Army!


Im Anschluss wurden sie in vier kleine Teams aufgeteilt. Sie waren in Team Rot mit den beiden aus New York. Bei den großen Aufgaben würden sie mit Team Grün zusammen arbeiten das aus LA und Vegas bestand. Team Blau und Gelb waren so zu sagen ihre Konkurrenz. Am Ende der Woche konnte man sich ein paar nette kleine Preise in den Kategorien bestes Vierer Team, bestes Team, beste Partnerschaft, bester Agent und beste Agentin verdienen. Es winkte Sonderurlaub in den ersten beiden Kategorien, nicht interessant für ihn aber Scully. Dann könnten sie ihre Flitterwochen von zwei auf drei Wochen verlängern. Das wäre doch etwas Positives an dieser Situation.


FBI Programm, Las Vegas

Dienstag, 16.02.1993 10:00 h


Der Tag war definitiv zu lang. Sie befanden sich jetzt in der Sporthalle der Polizeischule und hatten einen Selbstverteidigungskurs. Ihr Trainer war ein Idiot, kein Vergleich zu Roy aber immer noch besser als der Typ der für das Fitnessprogramm zuständig ist. Die haben tatsächlich einen echten Drillsergeant für den Job aufgetrieben. Er hatte sie alle über einen netten kleinen Hindernisplatz gejagt und dann noch 5 Kilometer laufen lassen. Netter Frühsport, ein Glück das er selbst ausgesprochen Fit war. Nun durfte er zusehen wie der Trainer Spaß daran hatte sie durch die gegen zu schmeißen. Ein weiterer Nachteil war das Scully dieses Mal nicht sein Trainingspartner war. Er musste zusammen mit Mark üben, während Scully mit Nancy trainierte. „Agent Mulder, sind sie noch bei uns?“ Er musste wohl eingenickt sein. Scully stieß ihn in die Rippen. „Ja?“ machte er sich bemerkbar. „Wenn es sie so zu langweilen scheinen. Warum kommen sie dann nicht nach vorne und zeigen ihren Kollegen was sie können!“ Es klang nicht wie eine Bitte und nach Scullys Blick zu urteilen ging er lieber nach vorne. „Gern. Was kann ich für sie tun?“ Er wurde gebeten den Trainer anzugreifen und kassierte dafür einen heftigen Schlag in die Rippen, das war das einzige Mal wo er mitspielte danach hatte der andere nichts zu lachen.


FBI Programm, Las Vegas

Dienstag, 16.02.1993 14:00 h


Scully fand die Nummer mit dem Selbstverteidigung Trainer gar nicht witzig. Der Mann würde bestimmt morgen wieder fit sein. So konnte Mulder nicht verstehen was für ein Problem sie hatte. Der Mann hatte schließlich ihn angegriffen und er hat nur gemacht worum er gebeten wurde, sich selbst verteidigt. Einen positiven Nebeneffekt hatte es jedenfalls. Niemand machte sich mehr über seinen Namen lustig. „Agent Mulder? Wollen sie nicht mit ihrer Aufgabe anfangen?“ Fragte ihn der Kursleiter. Sie nahmen gerade alte Fälle durch und sie sollten den Täter ermitteln. „Wieso anfangen? Ich bin schon fertig.“ Er hörte ein Stöhnen durch den Raum gehen. „Können Sie uns verraten wie sie so schnell auf ihre Lösung gekommen sind?“ fragte der Kursleiter ungläubig nach. „Leicht. Lesen sie sich die Zeugenaussage des ersten Mannes doch einmal genau durch. Er weiß Dinge die er nur wissen kann, wenn er der Täter ist.“ Das musste nun wirklich jeder sehen können. Mulder hoffte das sie bald interessantere Probleme zu Gesicht bekommen.


Der nächste Kurs war noch schlimmer. Einer von Pattersons Männern erzählte ihnen etwas über Profilen und sie sollten sich selbst an einen authentischen Fall versuchen. Mulder kam sich mehr als verscheißert vor. „Sir. Dürfte ich um eine andere Aufgabe bitten.“ Meldete er sich beim Seminarleiter. „Ist ihnen der Fall etwas zu schwierig Agent?“ Er hatte jetzt die volle Aufmerksamkeit aller. „Nein. Ich habe den Fall schon einmal vor 6 Jahren gelöst.“ Erwiderte er ganz trocken. „Dürfte ich nach ihrem Namen fragen Agent?“ Der Mann wirkte mehr als verwundert, offenbar hatte man ihn nicht informiert. „Fox Mulder.“ Nun verlor sein Gesicht an Farbe. „Sie sind der Profiler der diesen Fall gelöst hat.“ Das war doch sein reden. „Deshalb hätte ich gerne einen anderen Fall.“ Mulder blieb freundlich. „Tut mir Leid ich wusste nicht das Sie an diesem Seminar teilnehmen. Ich fürchte sie können Kaffee trinken gehen. Die anderen Fälle die ich habe, kennen sie auch schon. Zwei sind von ihnen und der dritte ist von Patterson.“ Okay diesen Kurs konnte er als erledigt abhaken. „Das ist Schade.“ Er war wirklich enttäuscht. Was sollte er allein anstellen. „Morgen wird es interessant. Da beginnt die Gruppenarbeit an zwei aktuellen Fällen. Ich bin sicher sie werden ihren Spaß haben. Könnte ich ihnen ein paar Fragen stellen?“ Versuchte er Mulder etwas aufzuheitern. „Gern.“ So nutze der Kursleiter die Gelegenheit und ehe Mulder es sich versah gab er den Kurs und beantwortete Fragen aller Teilnehmer.


FBI Programm, Las Vegas

Dienstag, 16.02.1993 18:00 h


Für Scully war es ein langer Tag. Mulder schien sich prächtig zu amüsieren. Sein Kurs hatte ihr am besten gefallen, er war wirklich ein guter Sprecher der trockene Fakten mit einer gewissen Portion Humor verpackt interessant machen konnte. Sie hatten ihm alle gebannt zugehört und waren fast enttäuscht als die Zeit um war. Sie glaubte nicht das er es bemerkt hat aber in der Gruppe hatte er sich in die oberen Ränge geredet. Sie hatten Respekt vor ihm und würden in den Gruppenarbeiten seine Führungsrolle akzeptieren. Sie waren jetzt praktisch das Alphapaar. Sie konnte es in ihren Gesichtern sehen, als sie den Speisesaal betraten. Mulder wurde von allen Seiten angestarrt. Er ignorierte es oder es viel ihm nicht auf. Sie saßen an ihrem üblichen Tisch und aßen in aller Ruhe. Sie besprachen ihre Vorgehensweise für den Abend. Gruppenarbeit, Team Rot würde sich in ihrem Raum treffen um an einen Beispielfall zu arbeiten. Mulder war eher daran interessiert einen kleinen Ausflug in die Stadt zu machen. Sie würde heute wie ein Wachhund auf ihn aufpassen müssen. Sie keine Lust sich alleine mit diesem Fall zu amüsieren. „Das ist ein aktueller Fall. Alles was man von uns erwartet ist Richtungen die zur Lösung des Falls führen könnten aufzuzeigen. Niemand erwartet das wir ihn lösen.“ Meinte sie. „Findest du das nicht auch komisch das sie uns offene Fälle für die Gruppenarbeit geben?“ Seine paranoide Ader schlug mal wieder durch.


Es ist besser als den Kram aus der Academy noch einmal aufzuwärmen. Dieser Auftrag motiviert mich jedenfalls mehr als die Beispiele in den Kursen. Es ist irgendwie beruhigend das sich auch andere die Zähne daran ausbeißen und das man vielleicht ein kleines Stück zur Lösung beigetragen hat.“ Sie konnte in seinem Gesicht sehen das ihm diese Antwort nicht gefiel. „Wir hatten interessantere Fälle, als diese Scully.“ Sicher nur wenig konnte mit den X Akten mithalten. Aber es machte ihr Spaß einmal zusehen was ihre Kollegen so machten. Einen weiteren Vorteil hatte dieses Programm, ihr Partner bekam ein wenig vom FBI Training mit, konnte etwas über FBI Protokoll und Prozeduren lernen. Das konnte für ihre Zusammenarbeit an den X Akten nicht schlecht sein und würde ihren Bossen vielleicht zeigen das sie keinen anderen Partner brauchte.


FBI Programm, Las Vegas

Mittwoch, 17.02.1993 22:00 h


Scully lag zufrieden in ihrem Bett. Der Tag war ohne große Zwischenfälle verlaufen. Ihr Selbstverteidigungslehrer hatte gelernt das es besser ist ihren Partner in Ruhe zu lassen. Sie hatten beide ihre Tests bestanden und führten nach den ersten Zwischenergebnissen die Tabellen an. Es hatte sie überrascht wie gut sich Mulder mit den ganzen FBI Regeln auskannte. Wenn man bedachte wie oft er sie ignorierte. Es war wirklich etwas Neues das sie über ihn gelernt hatte. Was wohl Skinner darüber denken wird? Die Entschuldigung: ‚Er wusste es nicht besser?’ Würde nach diesem Lehrgang nur noch schlecht funktionieren. Sie hatten heute in einem der Seminare über ihre Ausbildung gesprochen und bisherigen Einsatz Gebiete. Mulder hatte ein wenig über seine erste Begegnung mit Patterson geredet. Es war offensichtlich das er den Chef der ISU nicht leiden konnte. Scully konnte kaum glauben wie es in der Abteilung zugehen soll. Sie kannte viele Agenten die ihren linken Arm dafür geben würden unter Patterson arbeiten zu können. Der Mann ist schließlich einer der meist geachteten Agent des FBIs, schon fast eine Legende. Ob Mulder es wollte oder nicht er hatte damit eine Diskussion über Patterson und andere FBI Größen ausgelöst, die für den Rest des Seminars andauerte.


FBI Programm, Las Vegas

Donnerstag, 18.02.1993 22:00 h


Auch dieser Tag war für ihn ohne Zwischenfälle verlaufen. Es hatte noch mehr Tests gegeben und ein paar einfache Probleme zum lösen in der Gruppenarbeit. Er hatte sich an das Programm gewöhnt und konnte jede Hürde ohne größere Schwierigkeiten nehmen. Wenn es so gut weiter ging, dann würde Scully die eine Woche Sonderurlaub gewinnen. Sie schien ihren Spaß zuhaben und die meisten anderen Agenten auch. Sie trafen sich jeden Abend für ein zwei Stunden im Gemeinschaftsraum. Er hatte sogar jemanden gefunden mit dem er Pingpong spielen konnte. Scully verstand sich ausgezeichnet mit den anderen Frauen und sie unterhielten sich die meiste Zeit während die Männer dasselbe taten. Nur die Themen waren anderen so unterhielten sie sich über Baseball, Basketball oder Football. Die Frauen waren mehr an Männer, Mode und Reisen als Themen interessiert. Über die Arbeit wurde so gut wie gar nicht gesprochen. Es war wirklich kein Vergleich zu Montag 13:00 Uhr.


FBI Programm, Las Vegas

Freitag, 19.02.1993 22:00 h


Der Vorletzte Tag und die Sieger standen bereits fest. Es war für die anderen unmöglich den Punkteabstand noch einzuholen. Noch mehr Tests und am Ende war klar das sie gewinnen würden. Mulder führte die Gesamtwertung an. Sie hatte sich den ersten Platz bei den Frauen gesichert und war stolz wie Oskar auf ihren Mann. Selbst sie konnte seinen 20 Punkte Vorsprung nicht brechen. Man musste dazu sagen das die Männer sich ein paar mehr Punkte als die Frauen verdienen konnten. Sie hatten ein paar Tests mehr als die Frauen zu bestehen. Die letzten 5 Tests würden morgen gerade einmal 10 Punkte bringen. Nicht genug um ihn oder Scully noch von der Spitze zu jagen.


FBI Programm, Las Vegas

Samstag, 20.02.1993 18:00 h


Der letzte Tag lag endlich hinter ihnen und die Abschlussfeier würde jeden Moment losgehen. Sie hatte in der letzen Woche neue Freunde gewonnen und eine Menge gelernt. Mulder war mit den Ergebnissen zufrieden. Sie waren von Gillian und Rosa eingeladen worden ihre verpasste Gelegenheit nachzuholen. Die Beiden hatten ihnen die große Tour durch Vegas versprochen. Ein Angebot das sie beide dankend angenommen und sich gleich für ein Wochenende im April festgelegt haben. Mit den beiden Agentinnen aus Los Angeles haben sie eine ähnliche Verabredung getroffen. Sie wollten voraussichtlich im Mai nach Washington kommen. Alle 16 waren sich einig das sie sich bald mal für ein Wochenende ohne Seminare und Prüfungen treffen wollten. Man einigte sich auf das zweite Wochenende im August, alle wollen dann nach Dallas kommen. Die beiden Agenten aus Texas waren Genies wenn es um die Organisation solcher Treffen ging und hatten nichts dagegen sich um die Vorbereitungen zu kümmern. Nach dem sie alle Telefonnummern und Adressen getauscht hatte, wurden noch Fotos gemacht. In allen möglichen Variationen. Die Kursleitung hatte versprochen die Abzüge an alle Teilnehmer zu verschicken. Um 20:00 Uhr war es dann so weit. Die Teilnahme- Urkunden wurden ausgehändigt und die Auszeichnungen vergeben.


Mulder und Scully mussten jeder eine Abschlussrede halten. Sie kamen sich beide wie auf eine High School Abschlussfeier vor. Nur das ihre Reden nicht von der ungewissen Zukunft die vor ihnen lag handelte sondern mehr in der Gegenwart angesiedelt war. Sie feierten und tanzten den ganzen Abend lang. Die Stimmung war ausgezeichnet. Mulder bedauerte nur das er seine Scully mit allen Herren beim Tanz teilen musste. Jeder wollte einmal an der Reihe sein. Die Herren standen förmlich Schlange bei ihr. Trotzdem gehörte der Erste und jeder dritte Tanz ihm. Sie tranken Wein, genossen das Essen am Büffet und feierten bis morgens um eins.


Mulder’s Haus, Georgetown

Sonntag, 21.02.1993 19:00 Uhr


Sie saßen gemütlich auf der Couch und schauten sich einen dieser alten Klassiker im Fernsehen an. Mulder wusste nicht genau welcher Film das war, er bekam eh nicht viel davon mit. Sie hatten beide eine Woche wie im Kloster gelebt, da gab es eine Menge nachzuholen und der Film war nicht so wichtig. Das Personal hatte sie mit allem notwendigen versorgt und versprochen sie für den Abend nicht mehr zu stören. Damit konnte er leben. Morgen würde scheußlich genug werden. Sie würden ihren Bericht für das FBI schreiben und er seine kurze Karriere als FBI Agent beenden. Danach hatten sie beide genug andere Dinge zu tun. So war hier und jetzt ausgesprochen kostbar und er dachte nicht im Traum daran eine Sekunde zu verschenken.


FBI HQ, Washington

Montag, 22.02.1993 14:00 h


Mulder war bereits gegangen, er hatte alle Sachen abgegeben und ihr gemeinsamer Bericht musste bereits seinen Weg zu Skinner gefunden haben. Sie hatte sich für ihre Urkunde einen netten Platz an ihrer Bürowand ausgesucht. Alles was ihr noch fehlte war ein Bilderrahmen. Sie war froh, dass das Thema Weiterbildung damit vorläufig vom Tisch war. Noch so eine Woche würde sie nicht durchstehen. Sie wunderte sich aber was ihre Bosse von diesem ersten Test des neuen Programms halten würden. Sie würde gerne die Berichte über sich und Mulder lesen. Es konnte nicht gut für das Programm sein das ausgerechnet ein verheiratetes Paar gewonnen hat und Mulder der eigentlich kein Agent ist den ersten Platz belegt hat. Sie würde Skinner gerne hören wie er das seinen Chefs zu erklären versucht. Scully konnte es eigentlich egal sein, solange sie ihre sieben Tage Sonderurlaub bekam. 3 Tage für bestes Vierer Team und noch einmal 4 Tage als bestes Doppelteam. Für beste Partner hatten sie zwei Eintrittskarten für den nächsten FBI Ball erhalten. Bester Agent/ Agentin hatte ihnen zwei Einkaufsgutscheine eingebracht. Keine Ahnung was sie damit machen sollten. Weder Scully noch Mulder kauften bei Sears ein.


Sie nahm sich die Zeit aufzuarbeiten was liegen geblieben war. Der Monat war fast zu Ende, es war Zeit das sie langsam ihren Spesenbericht und den Finanzbericht ihrer Abteilung machte. Mulder hatte Glück er brauchte sich nie darum zu kümmern. Ein weiterer Grund warum er wohl nie FBI Agent wird, er hasst den ganzen Papierkram nach einem Fallabschluss.


FBI HQ, Washington

Montag, 22.02.1993 14:30 h


Der Bericht von Mulder und Scully war gerade auf seinem Tisch gelandet und er überflog kurz den Inhalt. Das Paar schien in Las Vegas seinen Spaß gehabt zu haben. Agent Scully hat das Programm gut gefallen und würde es jeder Zeit weiter empfehlen. Mulder kritisierte die straffe militärische Organisation, es hatte keine Möglichkeiten gegeben das Angebot seinen eigenen Interessen anzupassen oder einfach nur die Stadt unsicher zu machen. Nach den ersten Berichten der Kursleiter hatte er reichlich andere Gelegenheiten gefunden sich zu amüsieren. Der Kursleiter in Selbstverteidigung hatte sich über ihn beschwert. Mulder hatte ihn vor der Klasse lächerlich gemacht und zwei Mal ins Land der Träume geschickt. Patterson hat sich verärgert geäußert weil Mulder den Profiler Kurs übernommen hat und seinen Mann zum Schüler degradiert hatte. Skinner hatte sich bereits mit dem Kursleiter verständigt und der war von Mulders Ausführungen total begeistert gewesen. Für den Mann war es die Gelegenheit von einem der Top Profiler zu lernen. Er bedauerte nur das zukünftige Kursteilnehmer nicht dieselbe Möglichkeit haben. So konnte er Patterson schon einmal abharken. Eine andere Beschwerde gegen Mulder war der Vorwurf einen Kurs sabotiert zu haben. Die Kursleiterin war der Ansicht das Mulder die Antworten bereits vorher gekannt haben muss. Sie war der Ansicht das Niemand in einer derartigen Geschwindigkeit Informationen aufnehmen und verarbeiten kann. Das hatte die Moral in ihrem Kurs drastisch gesenkt. Skinner hatte ihr einiges erklären müssen damit sie im Programm bleibt.


Im Prinzip hatte sich sein ganzer Vormittag um Mulder’s Teilnahme an diesem Programm gedreht. Es muss irgendwo eine undichte Stelle geben, die Programmergebnisse hatten sich bereits im FBI herum gesprochen und jeder wollte seine ‚Topagenten’ haben. Er hatte heute Morgen bei seiner Ankunft bereits 35 Anfragen auf seinem Tisch liegen. Er hatte sie noch nicht einmal Lesen können. Er musste erst einmal die Lehrer und Kursleitung mit ihren ganzen Beschwerden abarbeiten und nur ungefähr die Hälfte war gegen Fox Mulder gerichtet. Er war schon auf die Abschlussberichte von Mulder und Scully gespannt. Sie würden erst gegen Ende der Woche vorliegen. Bis dahin hatte er hoffentlich Zeit dem Direktor zu erklären warum ausgerechnet ein Ehepaar als Kurssieger hervorgehen konnte und das der beste Kursteilnehmer nicht einmal FBI Agent ist. Er hatte einige tausend Agenten. Warum hatte er ausgerechnet diese Beiden geschickt? Welcher Dämon hatte ihn da geritten? Ja, Agent Scully und Mulder hatten ihren Spaß in Las Vegas gehabt.


Mulder’s Haus, Georgetown

Dienstag, 23.02.1993 20:00 Uhr


Sie hatte keine Lust auf eine große Geburtstagsparty gehabt. Der Tod ihres Vaters lag noch zu frisch in Erinnerung. So hatten sie ein einfaches gemütliches Essen bei Kerzen schein. Mulder hatte ihr Parfüme zum Geburtstag geschenkt und fürs Abendessen dafür gesorgt das ihre Lieblingsgerichte auf den Tisch kamen. Sie war zu frieden mit sich und der Welt und freute sich schon auf den Nachtisch, Mulder.


FBI HQ, Washington

Freitag, 26.02.1993 15:00 h


Die Abschlussberichte des neuen Trainingsprogramms lagen vor. Skinner war überrascht wie viele Leute an den Programmunterlagen interessiert waren. Selbst dieser rauchende Bastard hatte sich herbemüht um sich Kopien zu sichern. Er bedauerte das man keine medizinischen Untersuchungen in das Programm mit aufgenommen hatte. Er war von Mulders abschneiden sehr angetan. Der Bericht las sich auch wie der Traum eines jeden Abteilungsleiters. Agent Scully und Mulder waren aufeinander abgestimmte Partner, die sich ideal ergänzten und so ihre Schwächen optimal ausgleichen konnten. Ihre persönlichen Leistungen konnten sich genauso sehen lassen. Kurz gesagt man bescheinigte ihm das er wahrscheinlich zwei der besten Agenten unter seinem Kommando hatte. Jeder Vorgesetzte würde sich freuen so etwas zu hören, nur Skinner war gewiss nicht nach Feiern zu mute. Er hatte immer noch das Selbe Problem und diese Abschlussberichte haben noch einmal ordentlich Öl ins Feuer gekippt.


Im Moment hatte er andere Probleme. Die Versammlung mit seinen Divisionsleitern war am beginnen. Wie sollte es anders sein kam das Gespräch sofort auf dieses Gottverdammte Programm. Die Kursteilnehmer hatten zu 7 erfolgreich gelösten Fällen beigetragen. Diesen Erfolg wollten alle natürlich besprechen. „Das neue Programm hat sich für das FBI bezahlt gemacht. Ich habe gehört das bereits eine lange Warteliste für Kursplätze existiert und neben Polizei Departments auch das DEA und anderer Agenturen Interesse zeigen. Ich würde aber noch nicht zu optimistisch sein, wir hatten bis jetzt nur einen erfolgreichen Testdurchlauf.“ Weihte er seine Führungskräfte langsam ein und umschrieb kurz die Ergebnisse. „Was ist mit den X Akten? Werden sie jetzt geschlossen?“ war die erste Frage die er zu hören bekam, nach dem er seine Rede beendet hatte. „Das Projekt wird fortgesetzt.“ Es hatten sich in den letzten Monaten immer mehr Stimmen gegen das Projekt ausgesprochen. Viele empfanden es als eine Verschwendung von FBI Ressourcen und Steuergeldern. „Mit der jetzigen Besetzung?“ Seine schien den wenigsten zu gefallen. „Agent Scully hat bisher um keine Versetzung gebeten. Sie leistet hervorragende Arbeit.“ Auch diese Antwort stieß auf wenig gefallen.


Agent Mulder?“ Das war die Frage die er befürchtet hatte. Er holte tief Luft. „Ist ein Problem, das ich mit ihnen als nächstes besprechen wollte. Ich hatte von meinem Vorgesetzten wie alle anderen sieben Assistent Direktoren den Auftrag bekommen zwei Agenten zu schicken um das neue Programm zu testen. Ich hatte mich für Agent Scully entschieden. Da sie keinen festen Partner hat, kam mir die Idee ihren Ehemann zu fragen ob er nicht bereit wäre an diesem Programm mit zu machen. Mr. Mulder war so freundlich mir den gefallen zu tun.“ Alle schauten ihn an als sei ihm ein zweiter Kopf gewachsen. Da niemand etwas sagte, fuhr er fort. „Mr. Mulder hat schon des Öfteren als Berater für das FBI gearbeitet. Ich bin mir sicher das sie schon von ihm gehört haben. Er hilft Agent Scully seit einem Jahr als inoffizieller Berater bei den X Akten aus. Das FBI hatte ihn von 1986 bis 1990 als Berater unter Vertrag. Er war als Profiler an Fällen wie Monty Probs, Luther Lee Boggs, John Barnett, John Lee Roche und eine Menge mehr beteiligt.“ Er konnte an ihren Gesichtern sehen das sie sich erinnerten.


Das ist ein und derselbe Mann? Seine Arbeiten sind Lehrstoff an der Academy.“ Wurde von Rechts eingeworfen. „Wieso arbeitet Mulder nicht fürs FBI?“ kam von Links. Jetzt wo sie alle scheinbar ihre Stimme wieder gefunden hatte, wurde Skinner förmlich mit Fragen überschüttet. Er musste sich erst einmal Gehör verschaffen bevor er ein paar davon beantworten konnte. „Ich werde versuchen ein paar ihrer Fragen zu beantworten, aber bitte bleiben sie ruhig. Rekrutierungsversuche hat man bereits unternommen seid Mulder sein letztes Jahr in England verbracht hat. Er hatte aber immer wieder abgelehnt. Zur nächsten Frage, es waren Ereignisse im Roche Fall die Mulder dazu bewegten als Berater zu kündigen. Seine jetzige Tätigkeit ist eher inoffiziell, ihn interessieren die X Akten. An einen Beratervertrag zeigt er im Moment kein Interesse.“ Damit hatte er ihnen fast alles erzählt. Die Diskussion ging noch einige Zeit hin und her. Er ließ ihnen eine halbe Stunde Zeit dann lenkte er die Unterhaltung auf die aktuellen Tagespunkte zurück. Dabei fragte er sich die ganze Zeit wie wohl seine Vorgesetzten und die anderen sieben Assistent Direktoren auf diese Informationen reagieren werden. Er konnte sie beim nächsten Frühstück schon lachen hören.


Kapitel 12 „Im Körper des Feindes“


Mulder’s Haus, Georgetown

Sonntag, 28.03.1993 20:00 h


Scully hatte die letzten 5 Wochen mit ihrem EX Freund Jack Willis zusammen gearbeitet. Sie vermisste die Arbeit mit Mulder. Auf Skinners Empfehlung hatten sie ihre Zusammenarbeit an den X Akten gestoppt. Ihre Teilnahme am neuen Trainingsprogramm hatte für zuviel Aufregung gesorgt und man wollte abwarten bis sich der Staub etwas legt. Deshalb hatte AD Skinner ihr einen Anderen Auftrag gegeben und sie hatte sich plötzlich mit ihrem EX an ein und demselben Fall wieder gefunden. Eine Reihe von Banküberfällen sorgte zurzeit für Aufregung. Jack war der SAC an diesem Fall und sie beide haben seit 5 Wochen fieberhaft daran gearbeitet den Täter dingfest zu machen. Mulder hatte in der Zwischenzeit Roy geholfen die schwarze Witwe zu fassen. Seiner Theorie nach suchten sie eine sterbliche Frau die für einen Unsterblichen den Köder spielte. Die Frau saß jetzt im Gefängnis und Roy hatte ihren Partner erledigen können. Mulder war bei der Aktion nicht dabei gewesen er war zu sehr beschäftigt einen korrupten Regierungsangestellten zur Strecke zu bringen. Der Mann war für die Probleme des Motorenwerks in Baltimore mit verantwortlich gewesen. Der Rest war eine Kettenreaktion und die ganze Investorengruppe viel in sich zusammen und konnte vom FBI überführt werden. Das kleine Familienunternehmen war damit wieder sicher. Die letzen beiden Wochen, war Mulder auf Geschäftsreise gewesen. Er hatte sie zwar täglich angerufen, dennoch vermisste sie ihn schrecklich. Sie konnte nicht mehr länger warten bis er nach Hause kommt.


Sein Flug müsste inzwischen eingetroffen sein und er auf dem Weg hier her. Das Essen war vorbereitet, der Wein kalt gestellt. Alles was fehlte war ihr Ehemann. Sie ärgerte sich das sie nicht selber zum Flughafen gefahren ist um Mulder abzuholen. Warum hatte sie nur auf ihn gehört? Warum hatte sie ihn überhaupt gehen lassen? Konnten seine Vermögensverwalter ihn nicht hier in Amerika besuchen? Warum hatte Fatima ihn begleiten dürfen? Die Welt war einfach nicht fair zu Dana Scully. Alles was sie bekommen hatte waren fünf langweilige Wochen mit Jack Willis, ihrem EX Freund von der Academy. Da viel ihr ein, sie hatte Jack nicht einmal erzählt das sie verheiratet ist. Was wird wohl Mulder davon halten, sollte er es erfahren? Sie brauchte sich zum Glück nicht weiter den Kopf zerbrechen Mulder war endlich zurück und umarmte sie. Sie hielt ihn lange fest, schon allein um sich zu versichern das dies Real und nicht ein Produkt ihrer Fantasie war. Die junge Araberin lächelte und begrüßte sie freundlich als sie endlich bereit war Mulder los zu lassen. Da sich Mulder nicht selbst um sein Gepäck kümmern musste, konnten sie gleich ins Esszimmer gehen und Abendbrot essen. Es wurde auch sofort aufgetragen. Der lange Flug hatte ihn und Fatima vermutlich hungrig zurück gelassen.


So was gibt es Neues?“ wollte er während des Essens wissen. „Nicht viel. Ich arbeite immer noch mit Jack an diesem Bankräuber Fall. Wenn nicht bald ein Wunder geschieht sitzen wir noch Monate an diesem Fall.“ Sie versuchte ihren Frust nicht raus zu lassen, aber es gelang ihr nur mühselig. „Uns ging es auch nicht viel besser. Mal abgesehen davon das wir ein Wochenende mit Adam in Zürich verbracht haben. Wir haben etwas besucht was er eine wilde Party nennt. Türkei, Algerien und Bahrain waren dann nur graue Routine.“ Mulder war ein guter Geschäftsmann würde sie aber Gott sei dank nie mit den Details langweilen. Was Mulders Geschäft anging so interessierte sie nur was er hier in den USA machte. Alles andere gehörte in ihren Augen zu Fox dem Unsterblichen, der auch in zwei oder dreihundert Jahren eine gute Versorgung mit Geld und Identitäten brauchte. Es freute sie das er ein paar Tage mit Adam verbringen konnte, sie würde ihn wahrscheinlich erst auf ihrer kirchlichen Hochzeit oder Flitterwochen wieder sehen. „Dann bleibst du jetzt für eine Weile zu Hause?“ Sie hatte von seinen Trips langsam die Nase voll und würde so gar darauf bestehen das er jetzt mindestens ein Monat für sie da ist. „Ja. Für dieses und nächstes Quartal ist alles geregelt. Im September plane ich diese Reise zu wiederholen. Warum kommst du dann nicht mit?“


Ich glaube bis dahin haben wir meinen ganzen Urlaub schon aufgebraucht.“ Scully hatte mit ihren drei Flitterwochen Skinner ein paar Haare gekostet. „Verstehe. Dann versuchen wir es im nächsten Jahr.“ Er wirkte leicht enttäuscht, verstand aber das wen sie ihren Job behalten wollte, kaum eine andere Wahl hatte. Sie hatten gerade Mal März, wer wusste was in diesem Jahr noch alles auf sie zu kommen würde. Eine große Welle hatten sie im FBI bereits los getreten. Die X Akten hatten kaum Freunde beim FBI und die Tatsache das Scully und Mulder dort arbeiteten war vielen ein Dorn im Augen. Aber im Augenblick zählten andere Dinge. Mulder war da und sie hatte Hunger. Sie aßen und unterhielten sich gemütlich. Nach dem Essen gingen sie beide auf ihre Zimmer. Mulder hatte ein paar Souvenirs mitgebracht. Zum Glück keinen Flaschengeist. Es reicht ihr das sie bereits eine Flasche im Haus hatten. Bis jetzt war keiner neugierig genug gewesen die Flasche zu öffnen. Stattdessen zeigte er ihr ein paar ungeschliffene Edelsteine. Einer davon sollte ihren Ehering schmücken. Scully sollte sich aussuchen welcher Stein es sein soll. Sie würden ihre Ringe dann gemeinsam entwerfen. Die Idee gefiel ihr sehr gut. Ihr Verlobungsring und das Medallion das Mulder ihr zu Weihnachten geschenkt hatte, waren seine eigenen Entwürfe gewesen. Es machte alles zu etwas ganz besonderem, persönliches.


Die anderen Sachen waren Kleinigkeiten wie Postkarten, eine Schneekugel aus den Alpen, ein paar Süßigkeiten aus der Türkei, ein paar Muschelschalen die er am Strand gefunden hatte und ein paar andere Dinge.


FBI HQ, Washington

Montag, 29.03.1993, 11:30 h


Mulder war mit Scully zum Mittagessen verabredet und hatte versprochen sie abzuholen. Es war kein Problem gewesen, ein Besucherausweis zu bekommen. Scully hatte bereit einen für ihn hinterlegt. Es schien fast so als wollte seine Frau das er ihrem derzeitigen Reich im Dritten ein Besuch abstattet. Gewöhnlich würde er in der Eingangshalle auf sie warten, während Security sie verständigt. So klemmte er sich den Ausweis sichtbar an die Jacke und machte sich auf den Weg nach oben. Verstehe einer die Frauen.


Als er an dem Kasten das Scully zurzeit Büro nennt ankam, fand er es ausgesprochen hässlich und leer. Von seiner Ehefrau war weit und breit nicht zu sehen. Er war groß genug über die ‚Bürowände’ zuschauen, nirgends war ein Büschel roter Haare zu sehen. Wie konnten Leute in diesen Dingern arbeiten, er lobte sich sein echtes Büro. Das war ihm unbegreiflich. Er ging den Flur entlang und schaute in die einzelnen Boxen in der Hoffnung Scully doch noch irgendwo zu finden. Diese Etage war das reinste Labyrinth. „Sir? Kann ich ihnen helfen?“ fragte ihn eine junge Agentin. „Danke. Ich bin auf der Suche nach Special Agent Dana Scully. Wissen sie vielleicht wo ich sie finden kann?“ Mulder’s Charme tat bereits seine Wirkung. „Agent Scully ist im Augenblick in einem Meeting im Sechsten. Ich bin aber sicher das sie bald zurück ist. Sie können hier warten wenn sie wollen. Ein Kaffee Sir?“ Er überlegte kurz ob er hier wirklich warten wollte. „Können Sie mir das gute Zeug aus dem Vierten besorgen? Dana hat mir erzählt der Kaffee hier in der Bullpen brennt einem Löcher in die Schuhe.“ Sie fing an zu lachen. „Ich gebe ihnen einen von meinen Vorrat. Der ist bei weitem Besser als der im Vierten. Dana schnorrt bei mir häufiger einen Kaffee. Sie sind Mulder ihr Ehemann. Stimmt’s oder habe ich recht?“ Er legte den Kopf leicht zur Seite und tat so als würde er überlegen. „Sie haben Recht. Fox Mulder, es freut mich sie kennen zu lernen Agent …“ Eine Braue ging Fragend nach oben. „Miller. Cindy Miller.“ Ergänzte sie schnell.


Er bekam seinen Kaffee der wesentlich besser als das Zeug war das er in der PD Raleigh oder in Scully’s Kellerbüro getrunken hatte. „Der ist wirklich gut, Cindy.“ Erntete ihm ein Lächeln von der jungen Frau. „Danke. Der Trick ist etwas Kakao unter das Kaffeepulver zu mischen.“ Sagte sie ganz leise in einem verschwörerischen Ton. „Der Trick ist Neu für mich.“ Er nahm einen weiteren Schluck. Den Tipp würde er sich merken. Sie zuckte kurz mit den Schultern. „Ein alter Geheimtipp meiner Großmutter.“ Sie unterhielten sich eine Weile. Der übliche Smalltalk über das Wetter, den großen Blizzard der am 13. die Ostküste heimgesucht hatte und viele andere Dinge. Agent Miller war angenehm überrascht, die Gerüchte über Agent Scullys Ehemann waren nicht einmal dicht an der Wahrheit. So war er mit Sicherheit keine 45 Jahre alt, er sah aus wie um die 30. Er sah in der Tat ausgesprochen gut aus, war aber kein Bodybildertyp wie manche munkelten. Sie hätte die Liste beliebig weiter führen können über den mysteriösen Mann in Agent Scullys Leben. Es war eines der beliebtesten Themen gewesen, besonders nach Agent Scullys Rückkehr vom Trainingsprogramm in Vegas. Jeder wollte wissen wer Agent Mulder ist. Es hieß die beiden Agenten hätten in Vegas das Weiterbildungsprogramm zu ihrer Show gemacht und jede Abteilung im FBI würde sich um sie reißen.


Danke für den Kaffee. Es hat mich gefreut sie kennen zu lernen Agent Miller.“ Verabschiedete er sich, nach dem er seinen Kaffee ausgetrunken hatte und beschloss noch ein paar Minuten bei Scullys Schreibtisch zuwarten. Er setzte sich einfach an ihren Tisch und lass die Tageszeitung die er dort fand. „Können Sie mir verraten warum sie meine Zeitung lesen?“ Mulder schaute auf und sah in das verärgerte Gesicht eines Mannes so Anfang 40. „Entschuldigen Sie. Ich habe nicht gewusst das es Ihre ist. Ich dachte sie gehört Agent Scully. Das ist doch ihr Schreibtisch, oder?“ Entschuldigte er sich und gab dem Mann die Zeitung zusammengefaltet zurück. „Ja. Und wer sind sie überhaupt? … Besucher haben in diesem Bereich nichts verloren.“ Sein Blick schweifte von dem Besucherausweis zu Mulders Gesicht während er sprach. „Mein Name ist Mulder und ich bin mit Agent Scully verabredet. Sie scheint etwas spät dran zu sein.“ Er sah kein Grund den Mann weiter zu verärgern, doch scheinbar führte jeder Satz den er aussprach in diese Richtung. Wo war Scully, wenn er sie brauchte? „Mulder? Nie gehört. Hat es etwas mit einem ihrer Fälle zu tun? Dann kann ich ihnen vielleicht helfen.“ Er wollte ihn sichtbar loswerden. „Nein danke, es hat nichts mit Agent Scullys Arbeit zu tun. Wir sind zum Mittagessen verabredet.“ Das Gesicht des Mannes verfinsterte sich weiter.


Jack?“ rettete ihn Scullys Stimme. „Hi Scully.“ Begrüßte Mulder sie, diesen Jack dabei vollkommen vergessen. „Mulder! Es tut mir Leid das du warten musstest. Der Termin bei AD Skinner hat länger gedauert als ich erwahrtet habe.“ Auch sie hatte Jack vergessen und erst ein ‚Ehm’ erinnerte die beiden an seine Anwesenheit. „Oh Entschuldige Jack. Das ist mein Ehemann Fox Mulder. Mulder das ist ein alter Freund von mir Jack Willis. Wir arbeiten zurzeit an dieser Bankraub-Serie.“ Übernahm Scully das Vorstellen. „Freut mich sie kennen zu lernen Agent Willis.“ Mulder reichte dem Mann die Hand doch der andere erwiderte die Geste nicht. Er schien mehr geschockt zu sein. Hatte Mulder etwas Falsches gesagt? Er schaute Scully fragend an. Sie zuckte nur mit den Schultern. „Mr. Mulder. Es freut sie kennen zu lernen. Dana ich bin gekommen, weil ... es gibt neue Erkenntnisse im Fall, deshalb haben wir ein Meeting um 13:00 Uhr.“ Jack versuchte so viel von seiner Haltung zu bewahren wie noch übrig war. Er hatte die Gerüchte über Dana's Neuen gehört aber in den letzten Wochen als Gerüchte abgetan. Er hatte es nicht Wahr haben wollen. Er drehte sich um und ging.


Mulder’s Haus, Georgetown

Montag, 29.03.1993, 18:30 h


Sie saßen beide am Tisch beim Abendessen. Mulder hatte bisher den Vorfall in ihrem Büro nicht einmal angesprochen. Sie wusste eh nicht wie sie antworten sollte. Sie war der Meinung gewesen das Jack über ihre Heirat Bescheid wusste. Er hat den Ring an ihrem Finger gesehen und es war über Wochen im Büro das Gesprächsthema Nummer Eins gewesen. Sie hatte kurz vor Feierabend mit ihm darüber gesprochen. Ihre Beziehung war schon lange Zeit beendet gewesen, sie hatte nicht gewusst das er noch etwas für sie empfindet. Scully hätte es dann nie so weit kommen lassen und ihn vorher aufgeklärt. Auch wenn sie nicht wusste warum, sie hatte sich bei Jack entschuldigt. Warum fühlte sie sich dann immer noch so schlecht? Sie schuldete Mulder eine Erklärung. War das der Grund?


Mulder, ich glaube ich schulde dir eine Erklärung. Es tut mir aufrichtig Leid was heute in meinem Büro abgelaufen ist. Ich hatte keine Ahnung, das mit Jack ist mindestens drei Jahre her und ich trage deinen Ring. Jack hatte sich der Realität gegenüber Blind gestellt und ich war blind genug es nicht zu sehen. Ich hatte ihm nicht erzählt das ich verheiratet bin, das hatte ihn verletzt. Nichts an dem Vorfall von heute Mittag ist deine Schuld, Mulder.“ So jetzt war es raus. „Hast du mit Jack gesprochen?“ fragte er nach einer weile. „Ja. Ich habe ihn die Situation erklärt und mich entschuldigt.“ Er nickte nur und damit war für beide die Sache vom Tisch.


Maryland Marine Bank

Dienstag, 30.03.1993, 17:55 h


Entspann dich Jack.“ Der Mann raubte Scully langsam den letzten Nerv. Sie hatten einen Tipp bekommen, das ihr Bankräuber hier als nächstes zuschlagen wird. Jetzt beobachteten sie schon seit Stunden die Bank. Sie hatten das Team in der Bank abgelöst und Scully füllte zum schein ein paar Überweisungsträger aus während Agent Willis scheinbar ungeduldig auf sie wartete. „Die Bank macht in 5 Minuten dicht.“ Er war aufgeregt, sie nahm es ihm nicht über. Sie mochte seit 5 Wochen an diesem Fall arbeiten, Jack jagte dem Bankräuber bereits ein Jahr hinterher. „Bist du dir sicher das der Tipp keine Ente war?“ fragte sie ihn nach einer Weile. Mehr des Redens willens statt Interesse. „Nein, das ist Real. Ich kann es fühlen. Glaub mir ich bin an dieser Sache lang genug dran, das ich es förmlich riechen kann das dies der richtige Ort ist. Ich kann sie spüren. Ich bin in ihren Köpfen.“ Sie schaute ihn skeptisch an. „Solange du deinen behältst.“ Er grinste. „Ich hab die Warnung verstanden Agent Scully.“ Er lächelte sie kurz an und nahm dann mit den anderen Agenten über Funk Kontakt auf um zu hören ob sich auf ihren Positionen etwas tut. Scully war froh das Jack wieder der alte war. Sie hatte gestern Abend noch gedacht das sie ihre Freundschaft endgültig den Rest gegeben hatte.


Scully konnte nicht verstehen wie sie sich in einer Minute so gut verständigen konnten und in der nächsten die Hölle auf Erde erlebten. Ihr SOB schreiend in die Bank gestürmt kam. Er schrie: „Alle auf den Boden! Runter! Wird’s Bald! Du .. Runter auf den Boden! Beeilung oder ich schieße!“ Die Kunden schrieen und gerieten in Panik. Scully sah Jack wie er seine Waffe zog. Der Bankräuber war mit dem Kassierer beschäftigt, Geld verlangt. Er war beschäftigt, so zog auch sie ihre Waffe. „Dupre! Waffe runter. FBI! Die Waffe runter! Sofort.“ Sie beiden hatten ihre Waffen auf Dupre gerichtet. Für Scully lief alles wie in Zeitlupe ab. Statt seine Waffe zu senken schnellte er herum und feuerte. Ihr Training setzte ein, sie drückt ab und Dupre ging zu Boden. Als sie sich zur Seite drehte sah sie das Willis auf dem Boden lag. Sie schrie in ihr Funkgerät nach einer Ambulanz, ‚Agent down!’ bevor sie Dupres Waffe aus dem Weg kickte und sich um Willis kümmerte. Die FBI Agentin verschwand und die Ärztin übernahm. Sie leistete Erste Hilfe bis die Sanitäter übernahmen.


Bethesda Naval Hospital, Washington

Dienstag, 30.03.1993, 19:35 h


Oh Gott! Oh Gott … Wie konnte das angehen?’ Scully saß im Warteraum. Der Schreck saß immer noch tief in ihren Knochen. Jack hatte es beinahe nicht geschafft. Sein Herz war stehen geblieben. Der Arzt versuchte was er konnte um ihn wieder zu beleben und wollte nach 12 Minuten Agent Willis für Tod erklären, doch Scully bestand als Ärztin darauf das er es weiter versuchte. Sie befahl den Defibrillator von 350 auf 400 zu setzen. Scully war bereit notfalls mit ihrer Waffe ihre Anordnung durchzusetzen. Sie konnte, wollte nicht akzeptieren. Nach dem zweiten Schock mit 400 kam endlich die Erleichterung. Sie hatten einen Puls. Das war jetzt eine Stunde her. Der Arzt hatte sie danach hierher in den Warteraum verbannt und jetzt wartete Scully auf jemand der ihr sagen würde wie es Jack Willis ging. Eine Schwester hatte ihr Tee gebracht und Fragen gestellt. Sie konnte sich nicht einmal erinnern was das für Fragen waren und ob sie überhaupt eine davon beantwortet hat. In ihrem Kopf spielte sich in zwischen zum tausendsten Mal die Szene in der Bank ab. Tausend Mal hatte sie zu langsam reagiert.


Scully?“ Sie hatte Mulder nicht bemerkt. Er stand direkt vor ihr, für Scully konnte er sich genau dort aus dem Nichts materialisiert haben. Sie glitt in seine Arme und fing an zu schluchzen. Er hielt sie einfach nur fest, ließ sie gewähren. Wartete geduldig bis sie sich an seiner Schulter ausgeweint hat.


Leichehalle, Bethesda Naval Hospital

Donnerstag, 01.04.1993, 09:45 h


Scully schaute sich in der Leichenhalle um. Jack Willis wurde vermisst und jetzt das. Mark Dupres Leiche waren drei Finger mit einer chirurgischen Schere entfernt worden. Die Spurensicherung hat Fingerabdrücke gefunden die eindeutig Agent Willis zugeordnet werden konnten. Sie war gekommen um sich selbst ein Bild zu machen. Scully kannte Jack seit ihrer Akademiezeit. Sie konnte sich nicht vorstellen das er zu so etwas fähig war. Er hatte an diesem Fall über ein Jahr gearbeitet, war förmlich Besessen gewesen. Was war in ihn gefahren?


Mulder’s Haus, Georgetown

Donnerstag, 01.04.1993, 20:45 h


Scully, du sitzt ja immer noch hier. Was beschäftigt dich?“ Sie hatte sich seit sie gekommen ist ins Arbeitszimmer zurückgezogen. Sie hatte noch nicht einmal ihr Abendessen angerührt. Er ging zum Schreibtisch und schaute auf die Fotos die sie ausgebreitet liegen hatte. „Hat das mit deinem letzten Fall zu tun?“ Hakte er nach als er keine Antwort er hielt. „Ja. Ich kann nicht behaupten das ich es verstehe.“ Meinte sie nach einiger Zeit, als sie wohl bemerkte das er nicht einfach gehen würde. „Was verstehst du nicht?“ Er nahm Platz und sie überlegte kurz, bevor sie zu reden begann, reichte sie ihm die Akte. „Die Kurz Version. Auf dem Foto siehst du Warren James Dupre und seine Partnerin Lula Phillips. Kennen gelernt hat sich dieser Bonney und Clyde Verschnitt im Frauen Gefängnis von Maryland. Sie hat dort wegen Totschlag eingesessen und er war Gefängniswärter. Ihre Romanze flog auf, er wurde gefeuert. Am 2. Mai letzten Jahres wurde sie entlassen. Eine Woche später begannen sie in Annapolis ihre Serie von Banküberfallen. Seit dem kamen 7 Menschen ums Leben und sie haben ungefähr 100000 $ Beute gemacht. Bei den Überfällen haben sie sich immer abgewechselt, einer raubt die Bank aus, der andere fährt das Fluchtauto. Jack hat den Fall von Anfang an bearbeitet. Am Dienstag hatten wir dann endlich Erfolg und konnten wenigstens Dupre stellen. Bei der Verhaftung kam es zum Schusswechsel, das Ergebnis kennst du ja. Gestern Abend ist Jack aus dem Krankenhaus verschwunden. Die Fotos die ich hier auf dem Tisch verstreut liegen habe wurden heute Morgen gemacht. Jemand wir vermuten Jack war über Nacht in die Leichenhalle eingebrochen und hat Dupre drei Finger abgetrennt.“ Erklärte sie ihm und wartete bis er sich die Bilder angesehen hat.


Das ist wirklich ein reizendes Paar. Diese Phillips ist immer noch auf freiem Fuß?“ Sie konnte in seinem Gesicht lesen das ihm dieser Gedanke nicht gefiel. „Leider. Die Fahndung läuft aber auf Hochtouren. Ihr Gesicht ziert die Titelseiten der Zeitungen und ist in ‚Amerikas Most Wanted’ zusehen.“ Sie würde diese Frau auch lieber hinter Schloss und Riegel sehen. „Warum würde jemand Dupres Ehering haben wollen?“ Manchmal konnte selbst sie seinen Gedankengängen nicht folgen. „In der Akte steht das die beiden verheiratet sind. Wenn du dir das Bild ansiehst, die Finger sind abgetrennt worden um an den Ehering zu kommen.“ Er zeigte seine Hand um es zu verdeutlichen. „Er wollte den Ehering? Danke Mulder, jetzt verstehe ich noch weniger als vorher.“ Sie war nicht wütend auf ihn, aber ihr Frust schwang deutlich mit jedem Wort mit. Er wusste dies und ignorierte ihre Bemerkung. „Wie seit ihr am Dienstag eigentlich auf die Maryland Marine Bank gekommen?“ Fragte er stattdessen. „Ein anonymer Tipp.“ Er schaute sie verdutzt an. „Eine Frau? Ich will nicht Paranoid klingen aber 100 000 $ sind eine schöne Summe besonders wenn man sie nicht durch zwei teilen muss. Wenn sie dieses Mal dran war den Fluchtwagen zu fahren, muss es für sie doch die Gelegenheit gewesen sein.“


Das erklärt nicht was mit Jack Willis los ist.“ Meinte sie resignierend.


FBI HQ, Washington

Freitag, 02.04.1993 10:00 Uhr


Mulder für Mittagessen ist es noch etwas zu früh.“ Sie wunderte sich, es war nicht Mulders Art sie unangemeldet zu besuchen. „Ich war im Krankenhaus, habe ein paar Fragen gestellt. Dabei ist mir etwas Merkwürdiges in die Hände gefallen. Wusstest du das Willis und Dupre zur selben Zeit einen Herzstillstand hatten?“ Er zeigte ihr einen EKG Ausdruck. Sie wunderte sich wie er an den Abschnitt gekommen, beschloss aber das es für sie besser war Ahnungslos zu bleiben. „Nein. Ich war aber dabei als Jack wieder belebt wurde. Was ist das für ein Streifen. Das Gerät muss eine Fehlfunktion gehabt haben.“ Sie schaute ihn, wartete auf eine Erklärung. „Eine Krankenschwester war so freundlich mir das zu geben. Das ist Willis EKG Ausdruck zum Zeitpunkt seiner Wiederbelebung. Nach was sieht das aus, wenn mir mal Fehlfunktion ausschließen?“ Sie konnte es in seinen Augen lesen, er hatte eine Theorie. Die Frage war nur ob sie ihr Gefallen würde. „Wenn wir Fehlfunktion außer Acht lassen, dann könnte man es für zwei Herzschläge halten.“ Sie legte viel Betonung auf das ‚Wenn’. „Beide hatten zur selben Zeit Herzstillstand. Technisch gesehen waren beide also für ein paar Minuten Tod, oder?“ Worauf wollte er hinaus. „Technisch, wir konnten aber Willis zurückholen.“ Eine Welle von Ärger schwappte über sie als sie sich daran zurück erinnerte. „Ihr habt seinen Körper wieder belebt.“ Langsam machte es Klick. „Mulder?“ Das konnte nicht sein Ernst sein. „Zwei Menschen starben, nur einer kam zurück. Die Frage ist … Welcher von beiden kam zurück?“


Überlas es Mulder aus einem Fall eine X Akte zu machen. Sie hatte dank ihm bereits eine Menge seltsamer Dinge zu Gesicht bekommen, die sie wissenschaftlich nicht erklären konnte. Das Seltsamste saß direkt vor ihrer Nase und war ihr Ehemann. Warum sollten dann Dupres und Willis nicht die Körper tauschen? Zumindest würde dann die Geschichte mit dem Ehering einen Sinn ergeben. „Gut. Lass uns nach Beweisen suchen. Mein Boss wird uns die Geschichte sonst nie abkaufen. Hölle, selbst ich habe meine Schwierigkeiten damit.“ Ihre Antwort brachte ein breites Grinsen auf sein Gesicht. Sie arbeiten endlich wieder gemeinsam an einem Fall, das war für Scully im Augenblick alles was zählte.


Ein Hotdogstand, Washington

Freitag, 02.04.1993 12:30 Uhr


Prof. Varnes Geschichte waren interessant, helfen uns aber nicht weiter. Ich stimme zu das Jacks Verhalten aus der Reihe ist. Wie du bereits weißt habe ich ihn an der Academy kennen gelernt und wir waren gut ein Jahr zusammen. So glaube ich mehr über ihn zu wissen als den Fakt, das wir am selben Tag Geburtstag haben. Ich gebe zu der Jack Willis den ich gekannt habe, wäre nicht verschwunden oder hätte die Hand eines Toten verstümmelt um seinen Ehering zu klauen. Das ist eine Drehung seines Charakters um 180 Grad. Aber könnte das nicht psychologische Ursachen haben? Wie Posttraumatischer Stress? Am Dienstag hatte mir Jack noch erzählt, das er sich in die beiden hineinversetzten kann. Denken kann wie sie. Seine Worte hatte mich an dich und deine Profiler – Fähigkeiten erinnert.“ Sie schaute auf ihren Hotdog und biss vorsichtig ab. Wie hatte Mulder sie zu Hotdogs überreden können? „Was würde Dupre jetzt machen? Glaubst du nicht auch das er auf der Suche nach Lula ist? Er müsste mittlerweile Wissen das sie ausgeflogen ist.“ Auch er war mit seinem Hotdog beschäftigt. Kämpfte mit dem Extrakraut als drohte herunter zufallen. Sie konnte nicht anders als lachen.


Lula ist auf der Flucht. Natürlich ist sie ausgeflogen. Jack war besessen von diesem Fall, er hat von nichts anderes geredet. Er könnte somit auf der Suche nach ihr sein. Das ist ein gute Schlussfolgerung für beide Theorien. Wir sollten aber noch ein Schritt weitergehen und unseren Informanten als dritte Person in die Gleichung mit einbeziehen. Wir haben keine Beweise das es Lula war.“ Versuchte sie ihn etwas ab zu bremsen. „Es gibt bestimmt jemanden an den er sich wenden würde, wenn er seine Ehefrau finden muss. Das bestreite ich nicht. Aber unser wissen in dieser Richtung ist fast Null. Wir könnten sehen ob es Verwandte gibt.“ Es war für sie beide frustrierend.


Desmond Arms Resident Hotel

Samstag, 03.04.1993 08:45 Uhr


Der Name des Opfers ist Thomas Phillips.“ Informierte sie ein Agent vor Ort. Das musste Lula’s Bruder sein. „Was wissen wir noch, Agent Bruskin?“ Ermunterte sie ihn weiter zu machen. Scully schaute sich in der zwischen Zeit um. „Ein Schuss mit einer 45er mitten ins Gesicht. Die Nachbarn haben den Schuss gehört, sich aber nicht die Mühe gemacht 911 anzurufen. Die Polizei wurde heute Morgen anonym verständigt.“ Scully stöhnte innerlich, sie hatte langsam die Nase voll von Anonymen anrufen. „Was wissen wir über das Opfer?“ fragte sie weiter. „Single. Lebte hier seit sieben Monaten. Ein paar Jugendsünden, kleine Sachen wie Drogenbesitz. Kein Vergleich zu seiner großen Schwester.“ Sie konnte nicht ungewöhnliches entdecken. „Danke Agent.“ Sie könnte Mulder’s Hilfe jetzt gut gebrauchen. Er hatte mit Tatorten ironischer Weise mehr Erfahrung als sie. Nur wollte ihn dieser Sheriff nicht an den Tatort lassen. Vorschriften. Scully hätte ihm gerne erzählt wo er sie sich hin stecken kann. <Danke Darling! Ich mag es wenn du schmutzig dankst. Konzentrier dich einfach auf die Umgebung, lass mich durch deine Augen sehen!> Zum Glück hatten auch sie ein paar Tricks im Ärmel. <War der Fernseher an, als man den Toten gefunden hat?> Fernseher? <Siehst du irgendwo Bücher? Was hat er die ganze Zeit gemacht? Die Wände angestarrt? Meditiert?> Okay, ich frag nach. „Agent Bruskin? War der Fernseher an als man die Leiche gefunden hat?“ Er schaute kurz auf seine Notizen. „Nein, war aus.“ Er schein Neugierig zu sein, stellte aber keine Fragen. Sie konnte sehen was Mulder meinte.


Hat die Spurensicherung Fingerabdrücke auf dem Ausschaltknopf des Gerätes gefunden?“ Die konnte er nicht beantworten so holte er jemanden vom Forensic Team. „Kann ich nicht sagen, wir haben dort ehrlich gesagt nicht nachgesehen.“ Er schaute sie fragend an. „Wir können davon ausgehen das unser SOB den Fernseher nach der Tat ausgeschaltet hat. Vielleicht gibt es einen Gott und er hat uns dort ein paar Spuren hinterlassen.“ Der Mann schien zu verstehen was sie meinte. „Ich kümmere mich sofort darum. Danke für den Tipp Agent.“ <Willis ist hier?> Sie wurde abgelenkt als Willis in der Tür stand und Sheriff Daniels denselben Zirkus wie mit Mulder startete. Sie ging rüber um zu wissen was hier gespielt wird. <Vorsicht Scully!> Sie konnte spüren das Mulder sich Sorgen machte. Hier würde ihr nichts passieren. „Hallo Jack. Wo hast du gesteckt. Das halbe FBI war auf der Suche nach dir.“ Sie ignorierte den Sheriff und führte Willis nach draußen. Er schien etwas abwesend zu sein. „Ich weiß es nicht. Ich war nicht ich selbst. Ich bin praktisch auf der auf offener Strasse aufgewacht.“ Sie behielt ihn im Auge suchte nach etwas vertrautem. „Du gehörst in ein Krankenhaus. Komm ich fahr dich hin.“ Sie wollte ihn am Arm fassen doch er zog ihn weg. Ging ein paar Schritte zurück. „Nein. Ich kann jetzt nicht gehen. Dies ist immer noch mein Fall.“ Das kam ihr mehr als bekannt vor. „Du bist nicht diensttauglich.“ Argumentierte sie weiter. „Das ist Tommy Phillips Wohnung, oder?“ Es konnte nichts Schaden, vorerst auf ihn einzugehen. „Ja. Jack … “ Weiter kam sie nicht. „Wie wurde er getötet? Mit ’ner 45er?“ unter brach er sie. „Ja.“ Er war mehr oder weniger ein Tatverdächtiger, so hielt sie sich mit den Informationen zurück. „Ich wusste es! Das ist Lulas bevorzugte Waffe. Ich kenne diese Leute. War lange genug hinter ihn her. Wir sind ihnen dicht auf den Fersen.“ Meinte er triumphierend.


Jack du gehörst in ein Krankenhaus. Als deine Kollegin und Freundin empfehle ich dir dich gründlich durchchecken zulassen. Physiologisch und Psychologisch. Das ist nur zu deinem Besten.“ Sie lächelte ihn an. „Okay. Das ist nur fair.“ Willigte er endlich ein. Sie führte ihn zu ihrem Wagen wo Mulder bereits auf sie wartete. <Spiel mit, bitte!> „Sir, es gut sie wieder zu sehen.“ Begrüßte er ihn. <Ich bin George Hale.> „Agent …“ Mulder lächelte ihn freundlich an. „Mulder, Sir.“ Scully verdrehte fast die Augen bei diesem Schauspiel. Gut Jack konnte sich an Mulder nicht erinnern. Das bedeutete aber noch gar nichts. „Ich hab etwas vergessen. Bin gleich wieder da!“ Die beiden Männer nickten nur und sie rannte noch einmal zurück. „Die Spurensicherung hat am Fernsehgerät einen Fingerabdruck gefunden der nicht zum Opfer gehört.“ Empfing sie Sheriff Daniels. „Das sind gut Neuigkeiten. Ich fahre mit Agent Jack Willis zum Bethesda Naval Hospital. Informieren sie mich bitte sobald sie etwas Neues wissen und sorgen sie bitte dafür das der gefundene Fingerabdruck als erstes mit den Abdrücken von Lula Phillips und Agent Jack Willis verglichen wird.“ Sie mochte es nicht gegen einen ihrer eigenen Leute zu ermitteln. Aber in diesem Fall konnte es Jack genauso gut helfen. Wenn sich Daniels über ihre Anweisungen wunderte, so behielt er es für sich. „Das werde ich machen Agent Scully.“ Damit ging sie zurück zu ihrem Wagen.


Mulder spielte den Chauffeur. Scully setzte sich nach hinten, überließ Willis den Beifahrersitz. Ihr Mann hatte sichtbar Spaß an seiner Rolle. Was wird wohl Skinner dazu sagen wen er von dieser Geschichte erfährt? <Nichts. Ich habe mich nicht als Agent ausgegeben. Das hat nur er gesagt.> Sie konnte ihn in ihren Gedanken lachen hören. „Okay wir setzten Agent Willis am Krankenhaus ab. Aber können wir vorher noch eine Raststätte besuchen? Ich könnte eine Kleinigkeit vertragen.“ Schlug Mulder vor. „Kein Problem. Agent Willis, haben Sie etwas dagegen?“ Bezog Scully den Mann mit ein. „Ich könnte auch ein gutes Frühstück vertragen.“ Stimmte er zu. „Dann ist das nächste Diner unseres.“


Diner, Washington

Samstag, 03.04.1993 10:05 Uhr


Die Raststätte war zu Mulders Leidwesen gut besucht. Sie hatten einen Tisch für sich, die hohen Lehnen der beiden Sitzbänke boten ihnen etwas Privatsphäre vor den anderen Gästen. Mulder hatte sich Kaffee, Rühreier und gebratenen Speck bestellt. Scully begnügte sich mit Orangensaft, Kaffee, Jogurt und ein Truthahn Sandwich. Willis hatte sich ein Burger bestellt und trank sein Kaffee mit reichlich Zucker. Der Zucker schien Scully irgendwie zu stören. <Was ist los?> fragte Mulder deshalb nach. ‚Jack würde seinen Kaffee niemals mit Zucker trinken. Er ist Diabetiker, er meidet Zucker wo er nur kann. Noch etwas ist anders. Er ist plötzlich Linkshänder.’ Konnte er als Antwort in ihren Gedanken lesen. <Seine Gedanken sind schwer zu Blocken. Lula! Wenn das so weiter geht bekomme ich Kopfschmerzen.> Mulder war mehr als genervt darüber! ‚Niemand wird uns deine Theorie abkaufen. Versuch es zu beweisen. Das einzige was wir vermutlich können, ist ihm den Mord an Tommy Phillips nach zu weisen.’ Scully hatte in diesem Punkt Recht, selbst wenn sie ihm glaubte, kein Anderer würde seiner Theorie glauben und Dupre würde wahrscheinlich mit Unzurechnungsfähigkeit oder ähnlichem davon kommen. „Was hast du am Tatort herausgefunden?“ fragte er laut seine Ehefrau. Er musste wenigstens so tun als ob.


Das Opfer war Lulas kleiner Bruder. Er wurde mit einer 45er erschossen. Agent Willis ist der Meinung das es Lula war, da die 45er ihre bevorzugte Wahl ist.“ Spielte sie Mit. „Ich stimme da Agent Willis voll zu. Ich mein wer seinen eigenen Ehemann ans FBI ausliefert und in eine Falle laufen lässt, ist auch in der Lage seinen eigenen Bruder zu töten.“ Versuchte er Dupre zu provozieren. „Mulder, wir wissen noch nicht genau ob es sich bei dem anonymen Anrufer um Lula Phillips handelt. Das FBI Labor arbeitet noch daran.“ Hielt sie die Diskussion im Gang. „Ich finde sie hat 100000 gute Gründe und mit ihrem Bruder aus dem Weg, gibt es niemanden mehr mit dem sie teilen müsste.“ Legte er nach. Willis hielt sich offensichtlich zurück, wollte hören was sie wussten. „Es gibt aber noch mindestens zwei andere Motive für den Mord an ihren Bruder. Erstens, er könnte der anonyme Informant gewesen sein und sie wollte sich dafür rächen. Zweitens, er war vielleicht der Einzige der uns zu ihr führen konnte. Jetzt müssen wir warten das die Medienaufrufe etwas bringen oder sich jemand das Kopfgeld verdienen will.“ Sagte sie mehr für Willis als Mulder. „Im Augenblick ist das in der Tat unsere beste Chance. Vielleicht ist sie ohne Dupre nicht ganz so gut im Versteckspiel.“ Stimmte Mulder zu. „Schon eine Idee wie wir weiter vorgehen?“ fragte sie ihn.


Was hältst du davon das ich Agent Willis im Krankenhaus Gesellschaft leiste, während du mit Agent Skinner sprichst, vielleicht hat er bereits herausgefunden wer unser anonymer Anrufer ist. Du kannst uns danach vom Krankenhaus abholen und wir planen unsere weiteren Schritte.“ Schlug Mulder ihr vor. Er konnte ihr vom Gesicht ablesen das es ihr nicht gefiel, das er mit Willis alleine blieb. „Okay.“ Stimmte sie nur wieder willig zu und ihr Blick sprach mehr als tausend Worte. Gab klar zu verstehen was sie von der Idee hielt.


FBI HQ, Washington

Samstag, 03.04.1993 11:00 h


Ich hoffe es ist etwas wichtiges Agent Scully.“ Skinner wirkte leicht verärgert. Sie hatte ihn vom Golfklub ins Büro zurückgeholt. „Es geht um Agent Willis, Sir. Ich glaube sie sollten darüber Bescheid wissen bevor die Kugel ins rollen gerät. Wir vermuten das er für den Tod von Thomas Phillips verantwortlich ist. Wir konnten einen Fingerabdruck am Tatort sicherstellen. Unsere Vermutung ist das der Abdruck von Willis stammt.“ Es war noch zu früh ihm von Mulders Annahmen zu berichten. „Wer sind wir?“ Er sah aus als würde er die Antwort bereits kennen. „Mulder und ich, Sir.“ Sie tat ihm den gefallen und sprach es noch einmal deutlich aus. „So was ist seine Theorie?“ Er wollte ihr scheinbar die Zeit sich eine passende Rede zu recht zu legen nicht gönnen. „Agent Willis hat sich deutlich verändert. Es wirkt als würden wir es mit einer anderen Person zu tun haben. So ist er plötzlich Links statt Rechtshänder. Er trinkt sein Kaffee neuerdings mit viel Zucker, ob wohl er es als Diabetiker besser wissen müsste. Er scheint weder mich noch Mulder wieder erkannt zu haben. Das er Mulder erst am Montag aus dem Büro werfen wollte, weil Besucher dort nicht verloren haben, hatte er heute scheinbar vergessen als er ihn mit ‚Agent’ anredete.“ Sie sah wie Skinner stöhnte. „Agent Scully, was ist Mulders Theorie?“ Seine Geduld war dünn. „Dupre und Willis hatten zur selben Zeit einen Herzstillstand. Wir konnten Willis wieder beleben. Mulder glaubt das nicht Willis sondern Dupre zurückgekommen ist. Dupre ist Linkshänder, auf den Bändern der Sicherheitskameras der Banken ist dies deutlich zu sehen. Der Vorfall in der Leichenhalle würde wesentlich mehr Sinn ergeben. Dupre wollte seinen Ehering zurück.“


Sie konnte sehen, das Skinner nicht sonderlich begeistert war. „Was davon können sie beweisen?“ Unglaube war deutlich in sein Gesicht geschrieben. „Wir können beweisen das Willis für die Tat in der Leichenhalle verantwortlich ist und können ihm vermutlich auch den Mord an Thomas Phillips nachweisen. Ein psychologisches Gutachten würde vermutlich die Veränderungen im Verhalten und Charakter aufzeigen können. Wen wir Glück haben können wir es mit psychologischen Thermen erklären. Posttraumatischer Stress, Persönlichkeitsstörung, etwas in dieser Richtung. Mulders übernatürliche Erklärung dürfte sich schwer beweisen lassen.“ Faste sie die Lage zusammen. „Agent Willis ist ein hervorragender Agent. Sie sind sich über die Folgen im Klaren?“ Er musste ihr nicht erzählen, was auf dem Spiel stand. Scully wusste es auch so. „Sir. Ich kenne Jack Willis seit meiner Zeit auf der Academy. Der Mann den ich heute gesehen habe, ist nicht mehr der Selbe mit dem ich am Dienstag in der Bank gestanden habe. Egal was wir glauben, Jack Willis benötigt Hilfe. Er ist im Augenblick nicht er selbst.“ Damit würde sie Jacks Karriere hundertprozentig den Todesstoß geben.


Bethesda Naval Hospital, Washington

Samstag, 03.04.1993 12:15 h


Mulder langweilte sich. Die Warterei war nicht zum aushalten und er haste Krankenhäuser. Die Ärzte prüften Willis auf Herz und Nieren, gaben ihm das volle Programm. So war Willis beschäftigt und sie konnten geduldig auf das Ergebnis der Fingerabdruckanalyse warten. Als Scully kam, konnte er bereits an ihrem Gesicht ablesen, das sie keine guten Nachrichten hatte. „Skinner war nicht begeistert. Das Labor konnte aber inzwischen den Fingerabdruck Willis zu ordnen. Verstärkung ist bereits auf dem Weg.“ Zumindest etwas. „Großartig. Was hast du ihnen erzählt? Das Willis unter einer Persönlichkeitsstörung leidet und sich für Dupre hält?“ Der Glauben der Menschen reichte bis zu Gott in sehr schmalen Grenzen. Viele waren nicht bereit über diese Grenzen hinaus zu glauben. „Das ist das Beste was wir kriegen konnten.“ Ihre gefiel es genauso wenig wie ihm.


Die Verstärkung traf 10 Minuten nach Scully ein. Mulder musste wie üblich zurück treten. Willis war in einem der Behandlungsräume unter einem Vorwand holte man die Krankenhauspersonal aus dem Zimmer und nahm dann die Verhaftung vor. Mulder konnte sie nur hören nicht sehen. Als er hörte wie Scully Willis seine Rechte vorlas wusste er das alles erfolgreich verlaufen war. Die zwei Agenten die Skinner zur Verstärkung geschickt hatte brachten Jack raus, dicht gefolgt von Scully. Sie kam zu ihm. „Ich muss ins Büro, das kann heute noch ein langer Tag werden. Nimmst du dir ein Taxi?“ Er nickte nur. Sie verabschiedeten sich kurz und machten sich dann auf den Weg seinen Weg.


Mulder’s Haus, Georgetown

Samstag, 10.04.1993 15:00 h


Die Woche war lang gewesen für Scully. Die Suche nach Lula Phillips war beendet, ein aufmerksamer Bürger der die Sendung ‚Amerikas Most Wanted’ gesehen hat, konnte den Entscheiden Hinweis geben. Scully war bei der Verhaftung dabei gewesen und hatte auch das Verhör geführt. Es stellte sich dabei heraus das Mulder recht hatte, was den ersten anonymen Anruf anging. Den zweiten anonymen Anruf den die Polizei nach Thomas Phillips Tod erhielt konnte das Labor inzwischen Willis nachweisen. Der Anruf und sein Fingerabdruck am Tatort reichten dem Staatsanwalt um Anklage wegen Mordes zu erheben. Für Scully und Mulder waren beide Fälle erst einmal abgeschlossen. Sie hatten wichtigere Probleme. Ihre Mutter war dieses Wochenende zu Besuch. Sie hatten bereits die Führung durchs Haus hinter sich und der Kaffee war im Esszimmer serviert. Fatima hatte sich ihnen angeschlossen. Sie schien mit Scullys Mam ganz gut zu Recht zu kommen.


Ihr habt wirklich ein schönes Haus, sehr gemütlich eingerichtet.“ Meinte Maggie nach einer Weile. „Danke, Mam. Fatima und Akim hatten sich um alles gekümmert und bis ins kleinste Detail geplant.“ Scully erzählte ihr die Kurzversion der Geschichte und versuchte ihr bei der Gelegenheit auch das ein oder andere zu erklären. Mulder hatte sichtbar seinen Spaß und Scully hätte ihn das ein oder andere Mal gerne umgebracht. Nur dann hätte sie ihrer Mutter auch noch erklären müssen warum Mulder nicht so leicht tot zu kriegen war und das wollte Scully unter allen Umständen vermeiden. So kam er mit dem einen oder anderen wohl platzierten Tritt gegen sein Schienbein davon. Fatima hielt sich zurück, aber auch ihr konnte Scully ansehen das sie ihren Spaß hatte zu zuhören. Keiner der beiden machte Anstalten ihr in irgendeiner Form zu helfen. Es war als hätten sie sich gegen Scully verschworen. Ihre Mutter hörte aufmerksam zu und tat so als würde sie von dem Gerangel ihrer Kinder nichts mitbekommen. Sie hatte ihre Tochter selten so erlebt und genoss die Abwechslung. Für eine Mutter ist es immer das Wichtigste zu wissen das ihre Kinder gut versorgt sind. Dana und Fox ging es sichtbar gut. Sie bekamen ordentlich zu Essen, konnten ihre freie Zeit mit einander verbringen.


Das Fox sein Arbeitsplatz hier im Haus hatte gefiel ihr dabei außerordentlich gut. Sie hat ihren Ehemann abgöttisch geliebt und würde ihre Entscheidung ihn zu heiraten nie bereuen. Aber die Zeiten wo er auf See war, waren lang gewesen. Manchmal zu lang für sie, das Warten war hart und die Sehnsucht nach ihm nahe zu unendlich gewesen. Das war etwas das sie ihrer Tochter ersparen wollte. Sie hörte weiter zu und hoffte das bald das für sie interessanteste Thema angesprochen wurde. Sie wollte endlich eine ihrer Töchter vor dem Traualtar sehen.


Kapitel 13 „Das Geheimnis ewiger Jugend“


Mulder’s Haus, Georgetown

Dienstag, 27.04.1993 10:30 h


Sie hatten das letzte Wochenende in Las Vegas verbracht. Sie hatten auch Roy, Rike und Fatima eingeladen und sich in einem der großen Hotels vor Ort einquartiert, dem Caesars Palace. Rosa und Gillian hatten Wort gehalten und ihnen die große Tour durch die Stadt gegeben. Sie hatten sich alle prächtig amüsiert. Die beiden FBI Agentinnen aus Vegas hatten ziemlich überrascht reagiert als sie erfuhren, dass er kein Agent ist und Scully seine Partnerin in einer ganz anderen Beziehung war. Die Damen hatten sich erst nach Stunden von ihrem Lachanfall erholt. Die Stimmung war riesig gewesen. Sie hatten verschiedene Casinos besucht und Mulder hatte mit Scully cirka 500 $ verspielt. Sie hatten sich von vorne herein ein niedriges Limit gesetzt und wollten ihr Geld lieber anders ausgeben.


Heute war wieder ein normaler Arbeitstag für Mulder. Er kümmerte sich um seine Aktien und das Unternehmen. Scully hatte wieder einmal einen Auftrag der nichts mit den X Akten zu tun hatte. Sie machte für einige VCU Teams die Autopsien drüben in Quantico. Nach der Willis Geschichte war sie bei ihrem Boss etwas in Ungnade gefallen. Mulders Theorie das Dupres Geist in Willis Körper gefahren war, durfte sie jetzt mehr oder weniger ausbaden. Es war unfair, aber alles was er machen konnte war es an den Abenden bei Scully wieder gut zu machen. Beim FBI konnte er leider nichts ändern. Sie meinte es wäre okay, bei Autopsien wüsste sie wenigsten woran sie war. Nach weiteren Geistergeschichten war ihr im Augenblick eh nicht zu mute. Maggie’s Besuch vor 14 Tagen war gut verlaufen, das hatte Dana eine Last abgenommen. Der Hochzeitstermin steht inzwischen fest, sie wollen sich am 31. Juli das Jawort geben. Father McCue wird die Zeremonie durchführen. Maggie hat sogar schon die kath. Kirche in Baltimore für die Trauung reserviert. Im Prinzip hat die alte rüstige Dame die Regie übernommen. Dana und Fatima tanzen nach ihrer Pfeife. Als Mulder wissen wollte wie er ihn helfen könnte, waren sich alle einig. Seine Aufgaben waren pünktlich vor dem Altar stehen und die Rechnungen zu bezahlen. Der Rest war Frauensache und Top Secret. Das schien Scully ein wenig über die Tage in Quantico hinweg zu helfen.


Akim. Haben unsere Leute schon ein paar geeignete Sendeanstalten gefunden?“ Eines von seinen Zielen war es ins Mediengeschäft ein zusteigen. „Wir haben erst einmal ein paar Radiosender in die engere Wahl genommen. Unsere Leute sind aber noch nicht mit den Backgroundchecks fertig. Auf dem Fernsehmarkt suchen wir noch nach geeigneten Zielen.“ Sie mussten behutsam vorgehen, Mulder wollte nicht das sein Name in irgendeinem dieser Geschäfte auftauchte. Es war ein Projekt das sie langsam über Jahre aufbauen würden. So gab er sich mit dieser Antwort zu frieden. Der Unterhaltungsmarkt versprach Profit konnte in der Zukunft aber auch Mulders anderen Interessen dienen. „Ist in Ordnung. Es wird nicht leicht sein unter der Nase der Regierung ein flächendeckendes öffentliches Informationsnetz auf zu bauen und zu koordinieren. Es ist im Augenblick auch nur von sekundärer Bedeutung. Das Kommunikationssystem für unser Unternehmen ist zurzeit wesentlich wichtiger. Konnte Mr. Wilczek seinen neuen Arbeitsplatz inzwischen so gestalten wie er es sich vorgestellt hatte?“ Der Computerexperte saß jetzt in Algerien und arbeitete für Mulder. „Ja. Wir konnten ihm alle Technik die er wollte besorgen. Zwei bis drei Jahre Entwicklungszeit für den ersten Prototyp können wir schon einmal einplanen.“ Zwei bis vier Jahre Entwicklungszeit für ein Softwareprojekt dieser Größe waren normal. Mr. Wilczek würde bekommen was er benötigt. Ob Material oder Personal, sein Unternehmen hatte die Ressourcen und Geld spielte auch keine Rolle.


Natürlich hatte Mulder seine Hobbys nicht aufgegeben. Von Adam hatte er gelernt seine Ziele einzugrenzen, genau zu definieren. Sich wie ein General über das Spielfeld zu bewegen. Er wollte immer noch Samantha finden. Dazu musste er mehr über die Außerirdischen wissen. Die einzige Chance mehr über sie zu lernen waren ihre Verbündeten auf der Erde. Sie hatten die Antworten nach denen er suchte, vielleicht sogar Samantha. Diese Alliierten ausfindig und unschädlich machen war somit sein Ziel. Doch das war leichter gesagt als getan. Sie waren mächtig und lauerten in den Schatten. Benutzten Regierung und das eigene Volk für ihre Zwecke. Sie waren extrem vorsichtig und es war schwer Informationen über sie zu finden. Die beste Quelle waren vermutlich die X Akten da sie ihre Verbrechen meist mit dem übernatürlichen, nicht erklärbaren Tarnen konnten. Sie waren sein erste Base.



Über den amerikanischen Markt hatte er vielleicht seine zweite und dritte Base. Sie benötigten wie jeder andere Ausrüstung für ihre Laboratorien und Anlagen. Manchmal waren es nur kleine Dinge wie Reagenzgläser, Desinfektionsmittel oder Spritzen. Mulder versuchte heraus zu finden wie die Regierung der artige Dinge handhabte und wie diese Waren zu ihren Bestimmungsorten gelangten. Das Verteilersystem konnte vielleicht Aufschluss über ihre Anlagen geben. Damit war eine gute zweite Base im Spiel. Dann brauchten sie natürlich Kapital. Auch das Geld musste irgendwo Spuren hinterlassen. Ihre Investoren zu finden war nicht so einfach, aber eine lohnende dritte Spielbase. Schaffte er es ihre Geldgeber anzugreifen konnte er ihnen finanziell schweren Schaden zu fügen. Sein Unternehmen und Vermögen waren auf dem amerikanischen Markt die besten Chancen voran zu kommen und so war er eben Geschäftsmann statt Psychologe. Mal abgesehen von der Tatsache das auch er Geld und Ressourcen brauchte. So diente der Markt wie ein zweischneidiges Schwert auch seinen Zwecken. Die vierte Base hatte er noch nicht besetzt, sie würde er sich offen lassen.


Das Meeting mit Akim ging weiter. Ein weiter viel versprechender Bereich von dem sich Mulder doppelten Nutzen versprach war ein Laboratorium. So suchten sie auch in diesem Bereich nach Gelegenheiten. Wirtschaftliche Rentabilität spielte auch hier vorerst die wesentliche Rolle. Er hatte schließlich an sein Unternehmen zu denken. Diskretes Vorgehen war auch hier Überlebens wichtig. Er stand noch immer am Anfang und befand sich in der Lernphase. So hatte er kleine Projekte an den er üben konnte. Dafür verwendete er hauptsächlich das Geld seiner privaten Börsengeschäfte. Das Aktiengeschäft des Unternehmens liefen über Akim ab während Mulder seine privaten direkt über seine Hausbank und Mr. Roberts abwickelte. Es mochte kompliziert erscheinen, half ihm aber seine Lernprojekte von den wichtigen Geschäften getrennt zu halten auch wenn Akim meinte es sei überflüssig. Alles gehörte schließlich ihm und er konnte damit machen was er wollte. So findet es der Araber immer wieder amüsant Mulders Bewegungen auf dem Aktienmarkt zu beobachten. So hatte er bereits feststellen müssen das es bereits Leute gibt die auf Mulder Aktivitäten aufmerksam werden. Sie hatten sich schon des Öfteren darüber unterhalten. Doch bisher konnten sie sich beide noch nicht entscheiden wie sie darauf reagieren sollten und ob diese Entwicklung wirklich nur schlecht war.


So hatte Mulder lange erfüllte Arbeitstage als Geschäftsmann. Kein Wunder das er jede Gelegenheit nutzte diesen zu entkommen.


Mulder’s Haus, Georgetown

Dienstag, 27.04.1993 19:30 h


Wie war dein Tag?“ Scully sah fertig aus als sie zu Hause ankam. Sie freute sich auf ein heißes Bad. „Wie immer Fließbandarbeit. Vier Autopsien am Stück. Und deiner?“ Fragte sie ihren Mann. „Langweilig wie immer. Hab mir ein neues Lernprojekt gesucht. Das wird dir gefallen. Was hältst du davon wenn ich dir im Bad davon erzähle. Du siehst aus als könntest du ein Bad gebrauchen.“ Scully war schon weiter sie hatte ihre Ankunftszeit bereits telefonisch durchgegeben und Anweisungen für ein schönes heißes Bad hinterlassen. Personal hatte doch seine Vorzüge. Alles was sie noch machen musste war Mulder und sich in die Wanne zu bekommen. „Klar. Habe schon alles vorbereiten lassen. Lass uns gehen.“ Sie machten sich auf den Weg zu ihrem Schlafzimmer. Kleidung war bereits heraus gelegt, das Wasser eingelassen und ein kleiner Snack stand daneben. Nichts besonderes nur ein wenig Obst und Mineralwasser. In einer halben Stunde gab es schließlich Abendessen. Alles war perfekt. Sie halfen sich gegenseitig aus ihren Kleidungsstücken und ließen sich dann ins warme Wasser gleiten. Sie hatte inzwischen ihre Routine. „Tut das gut.“ Ihre Muskeln entspannten sich langsam. „Wie wäre es nachher mit einer netten Massage, das wird deinen arg in Mitleidenschaft gezogenen Beinen gut tun.“ Der Vorschlag klang gut. „Wenn du sie machst, einverstanden. Was ist das für ein neues Projekt?“ Zum Glück waren die meisten seiner Lernprojekte harmlos.


Kaffee. Ich bin da auf eine nette kleine Kaffeeplantage in Brasilien gestoßen. Sie reicht um unseren privaten Bedarf und den von drei oder vier Hotels zudecken.“ Sie schaute ihn jetzt an als sei ihm ein zweiter Kopf gewachsen. „Kaffee Mulder? Was hast du gegen den von Starbuck auszusetzen?“ Das war eine der verrücktesten Ideen die er je hatte. „Sie es wie ein Biologieprojekt aus der Schule. Es wird eine kleine edle Marke sein und eine Kaffeeplantage könnte doch ein wunderbares Ziel für Bildungsreisen sein. Eine alternative zum Urlaub auf dem Bauernhof.“ Warum klang bei Mulder selbst der dümmste Einfall wie eine brillante Idee? „Mulder, du gibst dem Begriff Kaffeejunkie eine neue Bedeutung. Mach was dir Spaß macht, wenn du glaubst etwas dabei lernen zu können dann ist es okay für mich.“ Sie war nicht wirklich der Meinung das daraus etwas werden könnte, aber das würde er früher oder später selber merken. So wechselte sie das Thema und sie unterhielten sich noch eine Weile während sie sich gegenseitig den Rücken schruppten. So ein Bad zu Zweit gefiel ihr doch immer wieder. Es war schön ein paar ruhige Momente mit ihrem Ehemann zuhaben, da hatte sie auch nichts dagegen wenn sie den ganzen Tag in Quantico Autopsien machen muss.


FBI Academy, Quantico

Mittwoch, 28.04.1993 9:30 h


Sie hatte gerade einen besonders ekligen Fall hinter sich und brauchte dringend eine Pause. Scully hoffte das war das letzte Brandopfer zu mindest für heute. Ein Kaffee in der Cafeteria und etwas zu Essen, dann konnte der nächste kommen. „Agent Scully?“ Sie drehte sich um und ein Mann stand hinter ihr. Sie hatte ihn schon einmal gesehen, kam aber nicht darauf. „Ich bin Reggie Purdue. Wir haben ums auf dem letzten FBI Ball kennen gelernt. Erinnern sie sich wieder?“ half er ihrem Gedächtnis auf die Sprünge. „Ja, richtig. Mulder hat in seiner Zeit als Berater mit ihnen zusammen gearbeitet. Es ist nett sie einmal wieder zu sehen. Wie geht es ihrer Frau Gina?“ Sie konnte sehen das die Frage ihn zusammen zucken ließ. „Meine Frau hatte Krebs. Er war leider stärker als sie. Gina ist im letzen Monat von uns gegangen.“ Er schaute auf den Boden. Sie konnte sehen das er versuchte Haltung zu bewahren. „Mein aufrichtiges Beileid Mr. Purdue. Wenn sie jemanden zum Reden oder Hilfe brauchen, so stehen Mulder und ich ihnen gerne zur Verfügung.“ Es war schwer die richtigen Worte zu finden und sie hoffte ihn nicht noch mehr verletzt zu haben. „Danke Ms. Scully. Ich weiß ihr Angebot zu schätzen.“ Der Mann tat ihr Leid. Gott wie würde sie sich fühlen wenn sie Mulder verliert? „Ich war gerade auf dem Weg zur Cafeteria. Möchten sie mir nicht ein paar Minuten Gesellschaft leisten?“ lud sie ihn ein. „Gerne. Ich bin nach Quantico gekommen, weil ich mit ihnen reden wollte. Die Cafeteria ist mir recht.“ Er war wegen ihr hier? Vielleicht ein neuer Auftrag?


Sie hatten sich einen ruhigen Tisch ausgesucht, der Kaffee stand warm und duftend vor ihnen. „So was kann ich für sie tun, Sir?“ fragte sie ihn gleich nach dem sie sich bequem hingesetzt hatte. Er legte eine Akte vor ihr auf den Tisch du sie überflog kurz den Inhalt. Sie verstand nicht ganz, was sie damit sollte. Ein Raubüberfall auf ein Juwelengeschäft. Eine junge Verkäuferin wurde dabei getötet. Wollte er vielleicht das sie die Autopsie machte? „Der Überfall ereignete sich gestern Nachmittag. Ich weiß das sie vermutlich nichts damit anfangen können, deshalb lassen sie mich kurz erklären. Ich kenne Mulder seit Mitte ’87. Unser erster gemeinsamer Fall beschäftigte sich mit einer Serie von Überfällen auf Geldtransporten. Es war Mulders Idee das der Täter Insiderinformationen hat. Das es eine undichte Stelle in dem Transportunternehmen gab. Wir haben darauf hin versucht dem SOB eine Falle zu stellen. Falsche Informationen, gefälschte Frachtbriefe, das übliche. Aber der Typ war uns scheinbar immer einen Schritt voraus und fing an mit uns zu spielen. Er hinter ließ uns Nachrichten, wie diese hier.“ Er gab ihr eine Fotokopie von einem handgeschriebenen Zettel:


(Fox can’t guard the chicken coop.)


Der Fuchs kann den Hühnerstall nicht beschützen? Was hat das alles mit diesem Fall zu tun? Haben sie den Mann gefasst?“ Das ergab wenig Sinn. Fuchs, Fox … Hatte das etwas mit Mulder zu tun? „Ja wir konnten ihn Ding fest machen, dank Mulders Hilfe. Die Verhaftung war nicht ganz sauber verlaufen. Einer meiner Agenten und der Fahrer des Geldtransporters kamen bei der Aktion ums Leben. Wir haben damals einen gewissen John Barnett verhaftet. Der Mann war äußerst schießwütig und hatte bis wir ihn schnappen konnten sieben Menschen auf dem Gewissen. Ein Verfahrensfehler rettete ihn vor der Todesstrafe. Mulders Aussage brachte ihn aber für 340 Jahre ins Gefängnis wo er 1989 gestorben ist. Jetzt wollen sie bestimmt wissen was dies mit dem Fall in der Akte zu tun hat. Der Zettel den ich ihnen gegeben habe wurde bei diesem Juwelenraub gefunden, alles an diesem Fall trägt Barnett’s Handschrift. Es gibt nur ein Problem der Mann ist tot. Ein Handschriftexperte hat den Zettel untersucht. Mit einer Sicherheit von 95 % ist das Barnett’s Handschrift. Auf dem Zettel befanden sich keine Fingerabdrücke. Sie sehen wir sehen hier vor einem echtes Rätsel.“ Ein Nachahmungstäter? Hatte er es auf Mulder abgesehen? „Ist Mulder in Gefahr? Könnte ich die alten Akten zum Barnett Fall sehen?“ Er lächelte sie zum ersten Mal an. „Barnett hatte Mulder im Gerichtssaal mit dem Tod gedroht. Mit wem immer wir es hier zu tun haben, er könnte hinter Mulder her sein. Deshalb wollte ich das sie über den Fall bescheid wissen. Ich habe die Akten bereits auf ihren Schreibtisch schicken lassen. Schauen sie sich auch das Video an, es ist von Barnett’s Festnahme.“ Sie würde sich sofort darum kümmern. Sie tranken nur noch ihren Kaffee aus und machten sich dann auf den Weg zu ihrem Büro. Sie wollten sich zusammen das Video anschauen. Was gab es besseres als das Geschehen von einem Augenzeugen erklärt zubekommen.


Wir hatten ihn in einer Lagerhalle des Flughafens umstellt, aber alles ging Berg ab als es Barnett gelang den Fahrer des Panzerwagens als Geisel zu nehmen. Er sitzt in der Falle, wir ziehen das Netz enger um ihn herum zusammen. Hauptsächlich um ihm zu zeigen wie ausweglos seine Situation ist und fordern das er seine Geisel freilässt und sich ergibt. Aber es ist gegen die FBI Regeln das Leben einer Geisel unnötig zu gefährden, deshalb versucht Agent Wallenberg zu verhandeln, Barnett zur Aufgabe zu überreden. Ohne Fluchtweg, dachte auch ich das Barnett aufgeben würde, so rief ich Steve Wallenberg nicht zurück. Doch statt zu verhandeln drückt Barnett ab, tötet seine Geisel und richtet dann die Waffe gegen Agent Wallenberg, die Kugel trifft ihn mitten im Gesicht. Bevor Barnett weiter um sich schießen kann, wird er abgelenkt, lässt seine Waffe fallen und wir können ihn problemlos festnehmen.“ Sie sieht die Bilder wie Barnett von einem Ball am Kopf getroffen wird. „Wo kam der Ball her?“ fragte sie interessiert, sie hatte bereits einen verdacht wer da hinter steckte. „In der Lagerhalle sehen sie an der Seite die Büroräume? Das sind diese transportablen Dinger, die man oft auf Baustellen sieht oder einige Unternehmen während Renovierungsarbeiten nutzen. Jedenfalls … ich weiß nicht wie er es geschafft hat, aber Mulder war denen aufs Dach geklettert und hatte von dort eine gute Position auf Barnett. Er war unbewaffnet so konnte er nichts ausrichten, mal abgesehen davon das er eigentlich vor der Halle auf uns warten sollte. Als Barnett dann feuerte, schmiss Mulder das erst beste was er bei sich trug. Seine Hilfe kam leider zu spät, als der Ball traf war unser Agent bereits getroffen. Hätte Mulder an diesem Tag statt seinem Basketball eine Waffe gehabt, hätte das vielleicht zwei Menschen das Leben gerettet.“ Scully schaute ungläubig auf den Monitor, das Bild war inzwischen eingefroren.


Sie wusste das Mulder zu Hause im Büro war und den ganzen Tag mit der Planung seines neuen Lernprojekts verbringen wollte. Roy und Rike waren nach Deutschland geflogen, so würde er heute nicht trainieren gehen. Das Haus hatte eines der besten Sicherheitssysteme, damit war Mulder erst einmal sicher. Sie rief erstmal Akim an um ihn zu warnen und eine Auge auf Mulder zu behalten. Sie wollte ihren Mann noch nicht einweihen, sie wollte erst die Fakten genau kennen und ihn nicht unnötig beunruhigen. Vielleicht hatten sie einmal Glück und es war wirklich nur ein Nachahmungstäter und kein Unsterblicher. Sie wollte wissen wie Tod Barnett wirklich war bevor sie damit zu Mulder ging. Scully schickte deshalb eine Anfrage an das Gefängnis in dem John Barnett bis zu seinem ableben eingesessen hatte und forderte gleich sämtliche Unterlagen an die sie über den Mann hatten. Vielleicht gaben seine medizinischen Unterlagen ein paar Hinweise auf Unsterblichkeit. Im Knast ging es rau zu und Verletzungen konnte man sich dort schnell zuziehen. Sie interessierte die Geschwindigkeit mit der seine Wunden heilten.


In der Medizin hat man versucht den Begriff Tod genausten zu definieren. Als Ärztin hatte auch sie sich mehr als genug mit diesem Thema auseinander gesetzt. Aber was davon traf auf Leute wie Mulder zu? Er redete nicht viel darüber, glaubte aber seit 1984 viermal gestorben zu sein. Es war ihnen also möglich einen Todes ähnlichen Zustand anzunehmen. Mulder konnte nie sagen wie lange er sich in diesem Zustand befand. Barnett kann sich diesen Effekt im Gefängnis zu nutze gemacht haben und so entkommen sein. Sie brauchte wirklich seine Unterlagen.


Mulder’s Haus, Georgetown

Mittwoch, 28.04.1993 16:30 h


Sie war nicht wirklich zufrieden mit den Ergebnissen ihrer Nachforschungen. So war Barnett laut Totenschein am 16.09.1989 an einem Herzinfarkt gestorben. Aus seinen Medizinischen Unterlagen wusste sie das er blutet und mit Verletzungen zu bekämpfen hat wie jeder Sterbliche auch. Barnett war vor seinem Tod wegen einer Infektion an seiner rechten Hand auf die Krankenstation überwiesen worden. Selbst zu diesem Zeitpunkt keine Anzeichen oder Diagnose die auf Herzprobleme hin deuten. Der Routine Gesundheitscheck sechs Monate vorher bescheinigte Barnett war in Topzustand, kerngesund. So was sollte sie Mulder erzählen und wie wollten sie dieses lästige Problem weiter angehen?


Du bist heute früh dran. Sind euch etwas die Toten ausgegangen?“ Fragte sie Mulder, als sie sein Büro betrat. „Nein, für den Fall haben wir eine Reserve auf Eis gelegt. Ich bin etwas früher gekommen weil es ein Problem gibt, das wir besprechen müssen.“ Sie beiden mochten es nicht um den heißen Brei herum zu reden und deshalb kam sie gleich zur Sache und gab ihm wie Purdue in der Cafeteria die Akte über den Juwelenraub. Er studierte die Unterlagen und Scully konnte sehen wie sein Verstand arbeitete, sich sein Gesicht verfinsterte. „Woher hast du das?“ fragte er nach dem er genug gesehen hatte. „Reggie Purdue hat mir die Akte nach Quantico gebracht.“ Beantwortete sie seine Frage ohne weiter in Detail zugehen. „Denkt er das Barnett hinter dem Überfall steckt?“ Er wirkte frustriert, genervt weil er ihr jede Information aus der Nase ziehen muss. „Er ist der Meinung das der Fall Barnetts Handschrift trägt. Er weiß aber auch das John Barnett 89 im Gefängnis gestorben ist.“ Sie reicht ihm den Totenschein. Er wirkte nicht im Geringsten beeindruckt. „Was hast du noch herausgefunden?“ fragte er weiter. „Ich habe mir seine medizinischen Unterlagen kommen lassen. Nichts was ihn von einem normal sterblichen Abheben würde. Kurz vor seinem Herzinfarkt war er mit einer Infektion an seiner Hand auf die Krankenstation überwiesen worden. Das klingt nicht gerade nach einem von euch.“ Er nickte in Zustimmung. „Konntest du seine Geburtsurkunde ausfindig machen?“ Auch danach hatte sie sich erkundigt. „Ja. Er scheint wirklich der Sohn von Mary und John Barnett Sr. zu sein.“ Das ließ ihn erleichtert aufatmen. Stellte ihn aber gleichzeitig vor ein Rätsel.


Die Chancen stehen also besser als erwartet das Barnett wirklich tot ist und doch haben wir jemanden der Juwelengeschäfte ausraubt und eine junge Verkäuferin tötet um mir eine Botschaft zu hinterlassen.“ Er konzentrierte sich noch einmal auf die Fotos in der Akte. „Purdue hat mir erzählt was vorgefallen ist. Barnett dürfte im Gefängnis viel Zeit gehabt habe, vielleicht hat er jemanden gefunden der …“ Mulder unterbrach sie und schüttelte mit dem Kopf. „Nicht Barnetts Stil. Wie heißt es so schön … Wenn es aussieht wie ein Huhn und gackert wie ein Huhn, dann ist es auch ein Huhn. Hier im Bericht des Schriftexperten steht das die Tinte zum Zeitpunkt seiner Analyse vielleicht 48 Stunden alt war. Glaubst du nicht auch das 4 Jahren Spuren an dem Zettel hinterlassen hätten?“ Er hatte einen Punkt. „Es gibt an dieser Geschichte noch etwas Merkwürdiges. Mit ist beim studieren seiner medizinischen Unterlagen aufgefallen, das es keine Voranzeichen gab. 6 Monate vor seinem Tod wurde ihm noch ausgezeichnete Gesundheit bescheinigt, ein Traum für jede Lebensversicherung. Wie schon einmal erwähnt kam er wegen dieser Infektionsgeschichte auf die Krankenstation, selbst hier zeigen die Berichte nichts Ungewöhnliches. Wir sollten Barnetts Tod noch einmal genauer unter die Lupe nehmen. Ich habe für morgen ein Treffen mit Barnetts Zellengenossen vereinbart. Er war in Barnett’s Testament als Alleinerbe eingetragen. Interesse mich zu begleiten, vorausgesetzt du hältst es aus?“ Sie musste ihn nicht zwei Mal einladen. „Ich glaube ich kann es aushalten. Nach drei Stunden mit Willis - Dupre in einem Krankenhaus, habe ich jede Gelegenheit genutzt um meine Blocktechnik zu verbessern.“ Sie musterte ihn kurz, er wirkte wirklich optimistisch.


FBI HQ, Washington

Donnerstag, 29.04.1993 16:00 h


Reggie, es ist John Barnett. Sein Zellengenosse will ihn noch an dem Abend lebend gesehen haben. Crandell meinte dieser Dr. Ridley hätte ihn sogar mit dem Messer bedroht weil er gesehen hat wie Ridley an diesem Abend Barnetts rechte Hand amputierte.“ Versuchte Mulder seinen alten Freund zu überzeugen. „Es tut mir Leid Mulder, aber die Aussage von Crandell allein genügt mir nicht. Hast du einen Blick in seine Akte geworfen. Der Mann ist ein notorischen Lügner, er soll sogar den Polygraphen ausgetrickst haben.“ Purdue war nicht so leicht zu überzeugen und er hatte im Augenblick keine handfesten Beweise. Zurzeit Würde das Wort eines Knackis gegen das eines Doktors stehen. Er hoffte das Scully mehr Erfolg hatte. So verabschiedete sich Mulder und machte sich auf den Weg zum Kellerbüro seiner Frau.


He Scully.“ Meldete er sich an damit sie sich nicht unnötig erschreckte. Der Keller machte sie immer etwas sprunghaft. „Na Mulder, war hat Agent Purdue gesagt?“ Ihre rechte Augenbraue war leicht nach oben geschnellt. „Er glaubt mir kein einziges Wort. Crandell hat es angeblich geschafft den Lügendetektortest aus zu tricksen. Das macht ihn zu einem furchtbar schlechten Zeugen.“ Er ließ sich in einen der Stühle fallen. Sie hatte jetzt wieder diesen ‚Ich habe es dir gleich gesagt!’ - Blick. „Ich habe Dr. Ridley wie versprochen durchleuchtet. Unser Doktor ist kein Doktor. Zumindest seit 1979 da wurde ihm seine Lizenz vom Staat Maryland entzogen weil er bei der NIH nicht genehmigte Experimente durchgeführt hat und dafür Fördergelder der Regierung zweckentfremdet hat. Er experimentierte an Kindern mit einer seltenen Krankheit namens Progeria.“ Sie reichte ihm einen Bericht den sie vom National Institutes of Health erhalten hatte. „Ich wüsste zu gern was genau unser Doktor da erforscht hat.“ Meinte er während des Lesens. „Wie immer bin ich dir ein Schritt voraus. Ich habe uns für morgen ein Termin bei eines seiner früheren Kollegen besorgt. Jetzt aber ist an der Zeit für uns nach Hause zu fahren, denn du siehst Scheiße aus. Der Besuch im Gefängnis hat dich mehr mitgenommen als du zugeben willst.“ Scully war wieder in ihrem gefürchteten Doktormodus und er kam sich vor wie die Bazille unter dem Mikroskop. Seine Frau konnte manchmal echt unheimlich sein.


Scully’s Büro hatte ein Vorteil sie hatten es nicht weit zu ihrem Auto. Sie ließ nicht mit sich reden und bestand darauf zu fahren. Als sie einstiegen bemerkte Mulder das die Beifahrertür offen war und ein Päckchen auf dem Sitz lag. „Scully warte eine Sekunde.“ Er zeigte Richtung Beifahrersitz. „Ich rufe die Spurensicherung. Rühre es nicht an. Glaubst du das es eine Bombe ist?“ Er schüttelte den Kopf. „Er spielt mit uns, es macht keinen Spaß wenn er uns schon so früh aus dem Spiel nimmt.“ Sie hatte bereits das Handy in der Hand und rief Verstärkung und ein Spurensicherungsteam in die Parkgarage. Es dauerte nicht lange und er wurde von Agenten zur Seite gedrängt. Das Spektakel zog neben Schaulustigen auch jemanden an mit dem Mulder nicht gerechnet hatte, aber einen beeindruckenden Auftritt hinlegte. „Darf man fragen was hier los ist?“ fragte Skinner in seiner besten befehlsgewohnten Stimme. Er überragte den Agenten den er ansprach fast um einen Kopf und starrte ihn regelrecht in den Boden. „Sir, Agent Scully hatte ein Spurensicherungsteam angefordert, um mögliche Spuren an einem Päckchen zu sichern was von unbekannten in ihr Fahrzeug gelegt wurde, Sir.“ Der Mann war sichtbar nervös. „Alle?“ Der Assistent Director schaute sich ungläubig um und einige die das Gespräch verfolgten und klug genug waren machten sich aus dem Staub. Alle die dumm genug waren zu bleiben machte Skinner persönlich Beine. Mulder beobachtete das Schauspiel mit regem Interesse, hatte er zurzeit doch nichts anderes zu tun.


Mr. Mulder. Ich hätte mir eigentlich denken können, das wenn es Ärger gibt, sie nicht weit entfernt sein können. Warum erzählen Sie mir nicht was hier gespielt wird?“ Es war faszinierend alles was dieser Mann sagte klang wie ein Befehl. Fluchtmöglichkeiten waren auch keine in Sicht so würde Mulder wohl in den sauren Apfel beißen müssen. „Ich vermute es liegt an meinem unvergleichlichen Charme. Wir wollten gerade nach Hause fahren da ist mir aufgefallen das die Beifahrerseite offen war und ein Päckchen auf dem Sitz lag. Es ist entweder ein Geschenk für Scully von einem unbekannten Verehrer oder eine Botschaft aus dem Jenseits. Ich bin selbst gespannt welches von beidem zutrifft.“ Skinner schaute ihn mehr als Finster an. „Sehr witzig Mr. Mulder.“ Er ging zu Scully, Mulder konnte hören das er ihr die selbe Frage stellte und erntete einen wirklich bösen Blick von Skinner. Seine Ehefrau versuchte sich für ihn zu entschuldigen, machte Stress, Übermüdung und Kopfschmerzen für seine schlechte Laune verantwortlich. Skinner schien ihre Erklärung zu schlucken. Statt einem bösen Blick bekam Mulder jetzt mitleidige Blicke. Er wusste wirklich nicht welcher schlimmer war der Böse oder der mitleidige Ausdruck.



FBI HQ, Washington

Donnerstag, 29.04.1993 20:00 h


Sie saßen jetzt in einem der kleineren Besprechungsräume. Skinner und Purdue waren anwesend. Henderson ein Schriftexperte der schon den ersten Zettel untersucht hatte, gab seinen ersten Bericht zu dem neuen Schriftstück ab. Er hatte nichts Neues gefunden. Wieder keine Fingerabdrücke und mit einer Sicherheit von 95 % war das John Barnetts Handschrift. Er konnte sagen das ein Rechtshänder beide Zettel geschrieben hat, hielt es aber unmöglich so sauber mit einer Prothese zu schreiben. So konnte er es sich auch nicht erklären wie Barnett es ohne seine rechte Hand schreiben konnte. Die neue Botschaft:


(A hunted Fox eventually dies.)


Dazu waren jede Menge Überwachungsfotos in dem Päckchen gewesen. Sie zeigten Mulder allein beim joggen, auf dem Weg zur Bank, mit Fatima am College und in einem Cafe. Die Bilder auf denen er mit Scully zu sehen war gefielen ihm noch am Besten. Ein paar der Aufnahmen stammten von ihrem heutigen Mittagessen auf dem Rückweg vom Gefängnis. Wie es aussah war er seit letzter Woche Montag unter Beobachtung gewesen. Er hatte sich wohl schon zu sehr daran gewöhnt, denn ihm war nichts aufgefallen. Skinner und Purdue wollten nicht glauben das wirklich Barnett hinter dieser Aktion steckte. Selbst die neuen Informationen die Scully über Dr. Ridley hatte, konnten die Beiden nicht umstimmen. Es überraschte Mulder doch immer wieder das es leichter war jemanden für Tod zu erklären als zu behaupten er wäre am Leben. „Ich kann ihre Besorgnis verstehen Agent Scully. Sie sind aber in diesem Fall zu dicht verwickelt um objektiv zu bleiben. Lassen sie es Purdue und sein Team von Agenten regeln. Ich biete ihnen ein paar Männer als Personenschutz an, mehr kann ich im Augenblick nicht für sie tun.“ Noch mehr Leute die um ihr Haus schleichen, für Fatima und Scully’s Sicherheit würde er zustimmen. „Danke, Sir. Wir wissen das zu schätzen.“ Bedanke sich seine Ehefrau. Auch sie hatte ungewöhnlich schnell nachgegeben. Damit war für sie die Unterhaltung beendet und die beiden wollten so schnell wie möglich nach Hause.


Scully war wieder in ihrem Doktormodus als sie zu Hause ankamen und schickte Mulder sofort auf ihr Zimmer. Sie sorgte dafür das er sich hinlegte und untersuchte ihn trotz seiner zahlreichen Einwände. Dann gab sie ihm ein paar Tylenol gegen Kopfschmerzen und das leichte Fieber das sie bemerkt hatte, meinte sie würde ihm in einer Stunde Abendessen ans Bett bringen. Sie wechselten dabei zwischen ihrer ‚Mam weiß es immer am besten’ – Stimme (ein gute Imitation ihrer Mutter) und ihrer ‚Ich bin der Doktor’ – Befehlsstimme hin und her was ihn schier wahnsinnig machte. Am Ende gab er nach und Scully war zufrieden mit ihrem schwierigen Patienten.


Mulder’s Haus, Georgetown

Freitag, 30.04.1993, 18:00 h


Dein Boss hat Wort gehalten und ich bin ihm wegen dir und Fatima auch ausgesprochen dankbar. Aber müssen die so offensichtlich sein?“ Mulder war mehr als sauer. Er kam sich außerhalb des Hauses vor als würde er überall wo er hinging einem FBI Agenten auf die Füße treten. Selbst Fatima war vom College früher nach Hause gekommen, weil ihr ein Agent bis in die Kurse gefolgt ist. „Sorry Mulder. Aber ich fürchte wir werden damit Leben müssen bis, diese Misere durch gestanden ist.“ Okay, Scully hatte genauso darunter zu leiden wie er oder Fatima. „Was hast du bei der NIH herausgefunden?“ Er konnte es vielleicht nicht ändern, aber zu mindest beschleunigen. „Das unser Dr. Ridley dort unter dem Namen Dr. Mengele bekannt ist. Wir hatten bereits mit seiner Sorte zu tun. Er sah die Kinder nur als Testobjekte, nicht als Menschen. Kommt dir das irgendwie bekannt vor? Er arbeitete dort an einem Projekt mit, das die seltenen Krankheit Progeria erforscht. Kinder die an dieser Krankheit leiden altern rapide und sterben Laienhaft ausgedrückt an Altersschwäche. Ich habe dort Aufnahmen gesehen, einfach grauenhaft. Das musst du dir mal vorstellen ein neun Jähriges Mädchen sah aus wie eine Neunzigjährige. Aber weiter zu unserem Dr. Mengele, eine Kurzfassung aus dem was ich heute gehört und gelesen habe. Er sah hier in der Forschung mit dieser seltenen Krankheit eine ‚wunderbare Gelegenheit’, das sollen seine Worte gewesen sein. Nach seiner Theorie ist Altern nichts anderes als eine Krankheit und er benutzte seine Forschungen an Progeria um herauszufinden was Altern bewirkt und wie man es kurieren kann. Wir bewegen uns hier wieder in die Genforschung, alles sehr futuristisch. Kurz gesagt er testete seine Theorie verbotenerweise an Menschen, das Institut fand dies heraus, es kostete ihm seine Lizenz. Wenn das nicht der Stoff für einen neuen Frankenstein oder ‚Mr. Jackal und Mr. Hyde’ Film ist.“


Scully brauchte einige Zeit um sich zu beruhigen. Es machte sie wütend nur daran zu denken was ein skrupelloser Arzt wie Ridley anrichten konnte. „Verstehe ich das richtig er versuchte das Altern zu stoppen oder rückgängig zu machen? Eine Art Jungbrunnen?“ Er hatte schon vieles gehört aber dies ließ selbst ihm die Nackenhaare zu Berge stehen. „Ja, so könnte man es wohl ausdrücken. Der Doktor mit dem ich gesprochen habe, glaubt das Ridley seine Forschungen fortgeführt hat und dafür nach Brasilien gegangen ist.“ Schloss sie ihren Bericht ab. „Greifen wir noch einmal deine rhetorische Frage von vorhin auf. Es kommt mir bekannt vor und ich glaube das unsere Freunde oder andere Bonzen in der Regierung reges Interesse an derartigen Forschungen haben mussten. Ridley schien skrupellos genug zu sein das er sich nicht besonders darum kümmern würde an wen er experimentiert. So was hältst du von der Theorie: Er hat andere Geldquellen aufgetan und die waren so freundlich ihn mit neuen Laborraten zu versorgen. Da seine Geldgeber vermutlich sehr mächtig sind, haben sie es geschafft Gefängnisinsassen als Laborratten zu missbrauchen. Die Preisfrage wie passt Barnett in dieses Schema? War er eine der Testpersonen? Oder war er dahinter gekommen und hat den guten Doktor erpresst? So etwas wie sein Schweigen gegen seine Freiheit?“ Er konnte sehen das Scully nicht sonderlich begeistert war von seiner Idee. Aber was machte das schon, er konnte nicht behaupten das sie ihm selbst gefiel.


Crandell meinte gesehen zu haben wie Dr. Ridley die kranke Hand von Barnett abtrennte. So würde ich meinen er war eine der Testpersonen für was auch immer dieser Verrückte an ihm ausprobierte. Wenn wir schon bei kranken Theorien sind. Warum sollen Barnett und der Doktor nicht ein Deal gehabt haben. Er darf ein paar Test machen dafür verhilft er dem anderen zur Freiheit? Mulder jetzt einmal im ernst. Wir sollten die Möglichkeit das Barnett tatsächlich Tod ist nicht unter den Teppich fallen lassen.“ Spann Scully die Geschichte sarkastisch weiter und brachte das Thema zurück auf den Punkt wie das FBI die Angelegenheit sah. „Fang bitte nicht wieder damit an. Ich fühle es, es ist Barnett. Wir müssen nur herausfinden wie er das Kunststück gemeistert hat.“ meinte Mulder als das Telefon klingelte. „Mulder.“ Er war schneller am Hörer als sie gewesen. „Fox Mulder.“ Mulder schaltete das Gespräch auf Lautsprecher so das auch Scully mithören konnte. „Barnett?“ Mulder war mehr überrascht als er es zu geben wollte. Er hatte nicht mit einem Anruf gerechnet. Er konnte den Anruf weder aufzeichnen noch zurückverfolgen lassen. „Du klingst überrascht.“ Mulder atmete noch einmal tief durch. „Warum sollte ich nicht überrascht sein? Du rufst nie an und schickst keine Blumen. Ich kann noch nicht einmal sagen ob du wirklich bist wer du vorgibst zu sein.“ Er wählte seinen besten ‚Guter Kumpel’ Ton. Mal sehen was er heraus bekommen konnte. Er sah wie Scully das nächst beste gegriffen hatte und Notizen machte. Ihr Schlafzimmer war für Anrufe von Psychopaten nun mal schlecht ausgerüstet. „Oh Fox, natürlich bin ich es. Weißt du noch was ich dir damals im Gerichtsaal versprochen habe?“ Wie konnte er das vergessen. ‚Ich werde dich kriegen’ hatte er ihm zu geflüstert nach dem die Gerichtsdiener Mulder fast aus dem Zeugenstand ziehen mussten weil er einen seiner gefürchteten Wutausbrüche hatte.


Kann mich nicht erinnern. Wie wär’s wenn du meinem Gedächtnis auf die Sprünge hilfst?“ stellte er sich dumm. „Jetzt tu nicht so, natürlich weißt du es und ich pflege meine Versprechen war zu machen. Ich schulde dir etwas Fox. Hast du etwa daran gezweifelt das ich mein Versprechen nicht halte?“ Er konnte ihn lachen hören, was sollte er antworten? „Nicht wirklich. So weit ich weiß ist John Barnett ein toter Mann. Ich habe vorgestern erst seinen Totenschein gesehen. Was machst du zurzeit?“ Mulder war gespannt ob er eine Antwort erhielt. „Du bist der tote Mann, Fox auch wenn du es noch nicht wahr haben willst. Und was ich gerade mache … hm … sagen wir mal ich bin auf dem Weg einen gemeinsamen Freund zu besuchen.“ Oh das war nicht gut überhaupt nicht gut. Scully holte schon mal ihr Handy. „Was hast du vor? Wie kannst du Barnett sein? Er ist tot?“ Mulder war mehr als Nervös. „Du kennst die Antworten.“ Damit hatte er auf gelegt und auch Mulder drückte kurz die Gabel bevor er eine Nummer wählte. „Scully schick Verstärkung zu Purdue’s Haus. Barnett ist auf dem Weg dort hin. Er hörte es am anderen Ende klingeln. ‚Bitte geh ran! Bitte geh an das Gott verdammte Telefon.’ Doch niemand ging ran. Er trennte die Verbindung und wählte die Wahlwiederholung. Wieder ging keiner ran. „Verdammt der Bastard muss bereits dort sein!“ schrie er wütend. „Polizei und FBI sind auf dem Weg. Komm! Du hast getan was du konntest.“ Sie umarmte ihn und versuchte Mulder so gut es ging zu beruhigen. „Er hat Reggie, Scully. Er hat ihn.“ Seine Stimme war nur ein flüstern und klang so verloren das es ihr fast das Herz brach.


FBI HQ, Washington

Samstag, 01.05.1993 8:05 h


Wie geht es ihrem Mann?“ Skinner klang aufrichtig besorgt. „Reggie Purdues Tod hat ihn ganz schön mitgenommen, Sir. Fatima ist bei ihm und passt auf das er keine Dummheiten macht. Sie hatte schon immer einen guten Einfluss auf ihn und mit ihr in der Nähe würde er nichts riskieren, dafür sorgt er sich zu sehr um ihre Sicherheit.“ Sie hatte es schwer gehabt ihn zu beruhigen, sie hatte Angst um ihn. Sie befürchtete das er sich zu etwas extrem dummen hinreißen könnte. Er hatte einen Ausdruck in den Augen, den sie bei ihm noch nie zuvor gesehen hat. Mulder wirkte wie ein Jäger der auf Blut aus war. Wenn er Barnett findet, sie hatte nicht den geringsten Zweifel das er es schafft, würde er ihn mit Sicherheit töten. Nicht das sie eine Sekunde an dieses Monster verschwenden würde, es war ausschließlich ihr Ehemann um den sie sich sorgte. Selbstjustiz war keine Lösung und Mulder würde es mit dem Gesetz zu tun bekommen. Seine Feinde würden gewinnen, es für ihre Zwecke ausnutzen. Denen war alles zu zutrauen. Nein sie musste Verhindern das Mulder Barnett in die Finger bekommt. „Wer auch immer für Tod von Agent Purdue verantwortlich ist. Seine Botschaft war deutlich.“ Er hielt die Nachricht die der Täter in Purdue’s Wohnung gelassen hat in der Hand. Sie konnte die Schrift deutlich erkennen:


(Funerals for Fox's friends-- then for Fox)


Sir, er spielt mit uns und Mulder. Mein Mann glaubt zwar nicht das es viel bringen wird, dennoch habe ich das Übliche veranlasst. Die Telefonanrufe von Haus und dem Büro meines Mannes können jetzt mit geschnitten und zurückverfolgt werden. Zwei Agenten sind dafür in unserem Haus. Vorausgesetzt wir können ihn lang genug in ein Gespräch verwickeln. Der Täter ist ausgesprochen überzeugt von sich und Mulder meint das er davon ausgehen wird das sein Anruf zurückverfolgt wird.“ Sie versuchte den Namen Barnett zu vermeiden. Ihr Boss bezweifelte nach allem was vorgefallen war immer noch das John Barnett dahinter steckt. Sie konnte es ihm nicht einmal übel nehmen, noch vor einem Jahr hätte sie vermutlich genauso gedacht. „Versuchen sie es trotzdem. Ich habe zusätzliches Personal für diesen Fall abgestellt. Bleiben sie bei ihrem Mann so können wir sie beide am besten im Auge bleiben. Gibt es unter ihren Freunde noch andere die unser SOB ins Visier nehmen könnte?“ Mulder hatte nicht viele Freunde, sie wollte sich nicht einmal vorstellen wie er auf den Verlust eines einzigen reagieren würde.


Mr. Skinner, wir haben mehrere, die unser SOB in den letzten Wochen ausgemacht haben kann. Roy und Rike sind zum Glück nach Deutschland geflogen um Rikes Eltern zu besuchen. Mulder hat sie bereit angerufen und gebeten ihren Urlaub um eine Woche zu verlängern. Adam hat seine Hilfe angeboten, Mulder hat ihm aber klipp und klar zu verstehen gegeben das er uns am besten helfen kann wenn er in Paris bleibt. Um die Sicherheit meiner Mutter hat er sich auch gekümmert. Ein Bekannter meines Mannes bei der Polizei in Baltimore sorgt für Polizeischutz. Mulder wollte auch Fatima, Akim und mich außer Landes schaffen, das konnten wir ihm gestern Abend aber noch geradeso ausreden. … Sir. ich mache mir Sorgen um Mulder. Ich habe ihn noch nie zuvor so erlebt. Ich glaube wer auch immer hinter dieser Sache steckt ist ein toter Mann, wenn ihn mein Ehemann zuerst erreicht. Sie müssten meinen Mann inzwischen kennen, die Chancen das er ihn vor uns findet stehen außerordentlich gut.“ Sie wusste nicht warum sie etwas Derartiges ihrem Boss anvertraut hat. Sie wussten immer noch nicht für wenn Skinner sonst noch arbeitete oder sein Dauergast dieser Raucher war. Vertrauen in diesen Mann setzen, war so mit eine heikle Angelegenheit. „Ich verstehe. Sie und ihr Mann befinden sich in einer äußerst schwierigen Situation. Passen Sie auf das er keine Dummheiten macht. Er hat Feinde die nur auf eine Gelegenheit warten, Mulder legal aus dem Weg zu schaffen.“ Skinner klang ernsthaft besorgt. Scully konnte nichts erkennen was an seiner Aufrichtigkeit zweifeln ließ. Es war fast als würde er wie ein Freund und nicht als Vorgesetzter zu ihr sprechen. Vielleicht hatte Mulder doch recht mit diesem Mann, aber sie wollte mehr Beweise bevor sie Skinner vertraute.


Sie besprachen die weitere Vorgehensweise am Fall. Die Identität des Täters war immer noch nicht eindeutig geklärt. Von der Idee eine Falle zu stellen wollte Skinner nichts wissen. Der Henson Fall war noch immer in guter Erinnerung. Scully glaubte aber auch das Mulder dem niemals zustimmen würde. So wusste sie zurzeit keinen Rat wie man ihren ‚mysteriösen Unbekannten’ aus seinem Versteck locken konnte. Als sie dann endlich von Skinner entlassen wurde, machte er sie noch auf etwas anderes Aufmerksam, das sie in all der Aufregung völlig übersehen hatte. Sie hatte Kollegen in ihrem Haus, auch wenn ihr Boss versprochen hat alles zu tun um die Angelegenheit diskret zu behandeln, so würde es Gerede geben, ihr Privatleben vermutlich von Leuten die sie nicht einmal kannte in der Öffentlichkeit diskutiert werden. Das musste Scully erst einmal verdauen. Ihre Arbeit beim FBI würde um einiges schwieriger werden.


Mulder’s Haus, Georgetown

Samstag, 01.05.1993 20:00 h


Das ist ein dickes Ding. Barnett rennt vermutlich mit einer Salamanderhand, komisch aussehenden Augen und ein paar Jahre jünger als zuvor durch die Gegend. Wenn ich den guten Doktor Joseph Ridley richtig verstanden habe. Ein Jammer das Reggie Purdue nicht mehr am Leben ist um sich an der Ironie dieser Geschichte zu erfreuen.“ Sie konnte hören wie außer sich Mulder war. Die Spannung die von ihm ausgingen schienen den Raum zu elektrisieren und das Wort wörtlich gemeint. Sie konnte schwören blaue Lichtblitze im Zimmer gesehen zu haben. „Beruhige dich Mulder, der gute Dr. Mengele scheint seiner gerechten Strafe nicht zu entkommen. Er ist ein toter Mann. Du hast es selbst gehört das er vielleicht noch 4 Wochen zu leben hat. Und hast du seine Augen gesehen?“ Sie fand sie ausgesprochen gruselig. Ridleys Augen waren milchig bläulich, sahen wie tot aus. Es jagt ihr eine Gänsehaut über den Rücken wenn sie nur daran dachte. Sie fragte sich aber auch was Ridley in den letzten Jahren in Mexiko und Brasilien alles angerichtet hat. Das er zurück gekommen ist um zu sterben, weckte bei ihr nicht den geringsten Funken an Mitgefühl für den Mann. „Scheußlich, aber vermutlich neben der Reptilienhand unsere beste Chance Barnett zu identifizieren. Ich bin froh das wir diese Unterhaltung mit ein paar deiner Kollegen als Zeugen geführt haben. Jetzt sollte dem letzten Idioten klar sein das John Barnett quick lebendig ist.“ Sprach er ihr nächstes größeres Problem an. Scully hatte auch keine Idee wie Barnett jetzt wohl aussehen mochte. „Das Büro besitzt eine nette Software mit der man die Gesichter von Personen altern lassen kann. Die werden im Labor vermutlich eine Voodoopuppe nach mir benennen, aber ich lasse morgen ein paar Varianten durchspielen. Ein paar besondere Wünsche?“ Er lächelte sie an, ihr kleiner Scherz hatte seine Wirkung nicht verfehlt.


Lass ihn fünf, zehn und fünfzehn Jahre jünger machen. Gesund und wohl genährt. Ich weiß nicht ob Barnett der Typ Mann ist der Bärte mag, aber so etwas sollten wir vielleicht auch berücksichtigen.“ Scully gönnte ihm das bisschen Kontrolle. Sie notierte sich seine Wünsche. „Das kannst du als erledigt betrachten, bis morgen Abend haben wir die Bilder.“ Stimmte sie ihm zu. „Noch etwas ich würde gerne einen meiner Informanten wegen Ridleys Geldgebern kontaktieren. Vielleicht gibt es mehr an dieser Geschichte das unser guter Doktor vergessen hat zu erwähnen.“ Ihr gefiel die Idee nicht. Sie kannte Mulder er würde seinen Informant alleine treffen wollen. „Mulder, du planst doch nicht irgendetwas verrücktes?“ hakte sie deshalb nach. „Nein. Ich verspreche dir ich besuche nur meinen Informanten und komme dann brav nach Hause, ohne mit den Nachbarjungs zu spielen. Ich verspreche dir sogar das ich eine Waffe mitnehme.“ Wenn Mulder freiwillig eine Waffe mitnimmt, stimmt etwas nicht. Aber im Augenblick musste sie ihrem ‚Magneten für Schwierigkeiten aller Art’ wohl Vertrauen. „Gut. Aber sollte ich hören das du Barnett auf eigener Faust nachgestellt hast, töte ich dich eigenhändig.“ Er hatte jetzt wieder diesen traurigen Hundeblick. Dieser Mann konnte sie echt schwach machen. „Keine Sorge. Ich will nur mit unserem Freund reden.“ Versicherte er ihr. Sie gab nach und sie beiden überlegten sich ein Plan wie er unbemerkt das Haus verlassen könnte. Die Sicherheitsanlage des Hauses arbeitete jetzt echt gegen sie.


Gertie’s Bar, Washington

Samstag, 01.05.1993 23:05 h


Scully hatte ihre Kollegen abgelenkt damit er sich aus dem Haus schleichen konnte. Es war einfacher gewesen als angenommen, niemand von den FBI Agenten hatte diesen Zug erwartet und waren deshalb schnell von ihrer Aufgabe abgelenkt. Er rannte dann ein paar Straßen weiter und rief sich ein Taxi als er sich sicher war das ihm niemand gefolgt war. Die Bar war den Göttern sei dank nicht wie Fina’s Nachtclub. Die Einrichtung war einfach und es gab jede Menge Möglichkeiten sich ungestört zu unterhalten. Sein Kontakt, ein Mann den er ‚Deep Throat’ nennt weil er seinen richtigen Namen nicht kannte, saß bereits am Tisch. Er trank irgendetwas Alkoholisches dem Glas nach zu urteilen. Aber was konnte Mulder nicht erkennen, es war so dunkel das er die Farbe der Flüssigkeit nicht näher bestimmen konnte. „Ich weiß warum sie mich herbestellt haben. Hören sie einfach zu und ich werde alles erklären. Ich bin nicht gerade stolz wie die Sache gelaufen ist und ob wir es mögen oder nicht Barnett ist immer noch sehr lebendig.“ Das wusste Mulder bereits, seine eigene Unsterblichkeit hatte ihn auf diesem Gebiet ausgesprochen paranoid gemacht. „Ich wünschte Reggie Purdue könnte das jetzt hören.“ Der Tod seines Freundes hatte ihn im Mark erschüttert. Der Gedanke das Reggie mit seiner Frau Gina wieder vereint war tröstete ihn ein wenig. „Der Regierung war es sehr wohl bekannt das Barnett wieder im Land ist. Sie wissen bestimmt schon das Barnett die Forschungsergebnisse von Dr. Ridley gestohlen hat.“ Mulder nickte nur zustimmend. „Was ihnen der Doktor vermutlich nicht erzählen konnte ist das die Regierung mit Barnett verhandelt um ihm die Informationen ab zu kaufen.“ Mulder beherrschte sich, wollte nicht plötzlich laut loch lachen. Erst finanzieren sie die Forschungsarbeit und jetzt werden sie ein weiteres Mal dafür zur Kasse gebeten. Schade das der Steuerzahler nie erfahren wird wofür sein sauer verdientes Geld verwendet wird. „Was will er?“ fragte er halb amüsiert, halb angewidert.


Das übliche viel Geld, Immunität, einen sicheren Hafen.“ Beantwortete Depp Throat die Frage. Er machte keinen Hehl daraus was er davon hielt. Er war genauso abgestoßen von der Idee wie Mulder. Das war vermutlich sein Grund warum er hier saß und mit ihm darüber redete. „Wird er es bekommen?“ Dumme Frage, aber eine die er stellen musste. Manchmal viel es leichter etwas zu akzeptieren wenn man es mit den eigenen Ohren hört. „Höchst wahrscheinlich. Barnett hält alle Trümpfe in der Hand.“ Antwortete er nach dem er genug gelacht hatte. „Es stört sie nicht das dieser Freak der Wissenschaft mit dem sie verhandeln, ein Mörder ist?“ Auch auf diese Frage wollte er lieber die Antwort hören als sich selbst eine Meinung zu bilden. Es gab Tage da viel es ihm richtig schwer noch einen Funken an Respekt für die Leute die dieses Land regieren auf zu bringen. „Diese Ergebnisse könnten die Geschichte der Menschheit ändern. Es geht wie immer um Macht und wie man sie behält. Machen sie sich ein eigenes Bild von den Möglichkeiten.“ Mulder hatte sehr wohl eigene Vorstellungen. Ihm musste niemand erzählen was die Regierung mit diesen Informationen anfangen konnte. „Das werde ich machen.“ Damit war für ihn das Gespräch beendet. Er verabschiedete sich höflich und machte sich auf den Weg zurück zu Scully.


Auf dem Weg nach draußen, ging er gedanklich noch einmal alle neuen Informationen durch. Das nahm ein Großteil seiner Aufmerksamkeit in Anspruch, das er nicht bemerkt wie er in 200 Pfund Schwierigkeiten hinein lief. „Entschuldigung.“ Murmelte er und versuchte so schnell wie möglich weiter zu kommen. Doch eine Hand packte ihn an der Schulter und drehte ihn zu sich um. „Mulder was machen Sie hier?“ Mit Schrecken schaute er in das mehr als verärgert wirkende Gesucht von Walter Skinner, dem Boss seiner Ehefrau. „Ups. Die Drinks hier sind ausgezeichnet.“ Wo war er jetzt wieder hinein geraten, Scully wird ihn umbringen wenn sie davon erfährt. „Freut mich zuhören, das ihn die Bar zusagt. Letzte Chance Mr. Mulder. Nennen sie mir einen guten Grund warum ich sie nicht verhaften und den Schlüssel wegwerfen soll.“ Der Mann war wirklich sauer. Furcht einflössend, dass Mulder sogar seine Manieren wieder einfielen. „Nicht hier, Sir.“ Versuchte er es mit etwas Zeitschinden. „Gut. Ich gebe ihnen Gelegenheit mir alles auf dem Weg zu ihrem Haus zu erklären.“ Toll das hatte ihm noch gefehlt. „Okay.“ Gab Mulder sich geschlagen, er wollte den anderen Mann nicht reizen deshalb sparte er es sich seine Widerworte. „Gute Entscheidung.“ Beglückwünschte ihn Skinner zu seiner Entscheidung und zog Mulder mit sich zu seinem Wagen.


Okay, eine kurze Zusammenfassung. Wir hatten heute Abend interessanten Besuch. Dr. Ridley war überraschend aufgetaucht. Er hat bestätigt das Barnett noch sehr lebendig ist und uns ein wenig über seine Arbeit erzählt. Bei der Gelegenheit erwähnte er auch das einer seiner Geldgeber die US Regierung war. Ich wollte mehr wissen so habe ich nach dem Ridley gegangen war einen meiner Informanten angerufen und in der Bar getroffen. Vom ihm weiß ich das Barnett gerade damit beschäftigt ist die Forschungsergebnisse die er dem Doktor geklaut hat, an die Regierung zu verkaufen.“ Er konnte sehen wie sehr Skinner seine Antwort leiden konnte. „Was ist so wichtig, das unsere Regierung einen Mann wie Barnett frei herum laufen lässt?“ Unglaube war breit, fett und in Leuchtschrift über sein Gesicht geschrieben. „Man könnte sagen Ridley hat eine Art Jungbrunnen gefunden. Barnett war sein einziger großer Erfolg. Denn Rest können sie sich vermutlich denken.“ Skinner stöhnte, er kam sich vermutlich wie in einem schlechten Science Fiktion Filme vor.


FBI HQ, Washington

Sonntag, 02.05.1993 11:30 h


Sir, sie hatten Recht Mr. Mulder ist etwas eingefallen.“ Skinner freute sich das er einmal Mulder einen Schritt voraus war. „Was können sie mir berichten?“ Ein Jahr Erfahrung mit den X Akten hatte ihn schon so einiges gelehrt und das wichtigste war das man Mulder niemals unterschätzen sollte. So hatte er vorsichtshalber einen Agenten der arabisch spricht, dem Überwachungsteam im Haus der Mulders zugeteilt. „Sie hatten Recht was seine Arabisch Kenntnisse angeht, er spricht es wie ein Einheimischer. Als die junge Araberin ihm beim Frühstück von einem neuen Freund erzählt hat sind sie vom Englischen ins Arabische gewechselt. Ich konnte nicht alles verstehen da waren ein paar Phrasen die sie verwendeten wohl nur in Bahrain verwendet werden. Aber ich glaube das wichtigste verstanden zu haben. Sie erzählte ihm das sie sich heute Nachmittag mit einem jungen Mann verabredet hat den sie jetzt ungefähr zwei Wochen kennt. Mulder scheint ziemlich paranoid zu sein, er bestand darauf das ein gewisser Mike den Jungen vorher kennen lernt. Sie erzählte ihm das sie ein Basketballspiel in der Sporthalle der Georgetown Universität besuchen wollen. Sie war nicht begeistert von der Idee sich dort mit Mike zutreffen, willigte aber ein. Mulder meinte noch es wäre nicht nötig seiner Ehefrau etwas davon zu erzählen. Er hat auch nichts gesagt als Fatima ihre diplomatische Immunität verwendet hat um ihren FBI Begleitschutz ab zu wimmeln.“ Wenn Barnett wirklich in den Jungbrunnen gefallen ist dann könnte er sich vielleicht als College Boy ausgeben, die Überwachungsfotos beweisen das Barnett an Fatimas College gewesen ist. Skinner konnte sich noch gut an die Fotos von Mulder und der jungen Frau erinnern.


Dann schätze ich mal werden wir heue ein Basketballspiel besuchen. Lassen sie alles vorbereiten. Das Labor arbeitete zurzeit an Bildern wie Barnett aussehen könnte, sorgen sie das jeder diese Gesichter kennt. Weihen sie Agent Scully nicht ein, sie könnte uns die Überraschung verderben.“ Dieses Mal würde er Mulder einen Schritt voraus sein. Dieser Mike, könnte das derselbe Junge sein den Mulder an der Lincoln High als seinen Informanten eingesetzt hat? Er hatte ihn nie kennen gelernt, aber das würde sich heute vermutlich ändern.


Sporthalle, Georgetown UNI

Sonntag, 02.05.1993 15:00 h


Mulder freute sich auf das Spiel. Es waren nicht die Knicks die heute spielten sondern zwei Amateurmannschaften, dennoch freute er sich. Es war ein warmer Tag so ärgerte er sich ein wenig das man in der Halle spielte. Er sah aus wie Siebzehn und war wie ein Teenager gekleidet. Blue Jeans, Turnschuhe, ein hellblauen Sweater mit einem Michael Jordan Aufdruck und ein schwarzes NY Baseball Cap. Das Sweater war Fatimas Idee, sie hatte darauf bestanden das er es trägt, sonst hätte sie Scully von ihrem gemeinsamen Vorhaben erzählt. Frauen konnten ja so grausam sein. Er wusste noch nicht welche der beiden Mannschaften er anfeuern würde. Beide waren aus Washington, gleich unbekannt, kurz gesagt es war schwer zu entscheiden. Mulder holte sich Popkorn und eine Pepsi und setzte sich in eine der oberen Reihen in den Zuschauerreihen. Er brauchte nicht lange um Fatima und ihren Begleiter aus zu machen. Auf den ersten Blick machte der Typ einen guten Eindruck und Mulder glaubte sich geirrt zu haben. Die beiden nahmen nur drei Reihen von ihm entfernt platz, er hatte eine gute Sicht auf das Paar so brauchte er seinen Sitzplatz nicht mehr zu ändern.


Das erste Viertel des Spiels war gelaufen und Mulder’s Aufmerksamkeit war von den Spielern auf das Geschehen am Hallenrand abgedriftet. Es gab einen ausgesprochen seltenen Anblick, Skinner ohne Anzug, in Jeans, T- Shirt und Turnschuhe gekleidet. Auch er trug ein Baseball Cap. Er war Mulder sofort aufgefallen weil seine ganze Statur EX- Marine schrie. Er suchte die Reihen weiter ab und glaubte noch vier weitere Agenten aus zu machen. Alle waren zivil gekleidet, interessierten sich aber mehr für die Zuschauerreihen als das Spiel. Schön zu wissen, dass das FBI seine Einladung erhalten hatte. Er wollte nicht das Scully hier her kommt so hatte er mehr oder weniger indirekt um Hilfe gebeten. Einer der Agenten die Skinner in seinem Haus platziert hatte beherrschte Arabisch. Agent Joe Cartwright war der Sohn von Sam Joel Cartwright, ein Journalist der durch seine Berichte aus dem mittleren Osten bekannt wurde. Mulder hatte ein paar seiner Artikel gelesen. Besonders die Reihe über Kinder im Krieg hatte sein Interesse gefunden. Sein Sohn, Joe Cartwright saß jetzt auf der Ersatzbank der Washingtoner Bears als Co Trainer verkleidet. Kein Journalist sondern FBI Agent und Mulder’s Botenjunge. Es schien sich alles wie geplant zu entwickeln. Der einzige der noch fehlte war sein Stargast. Er war sich noch unsicher was den Mann an Fatimas Seite anbelangte.


Er wartete bis zur Pause nach der ersten Spielhälfte. Fatima ging zur Damentoilette, das war sein Zeichen vorzurücken. Er setzte sich auf ihren verwaisten Platz. „Etwas Popcorn?“ bot er dem jungen Mann großzügig an um auf sich aufmerksam zu machen. Der Fremde drehte sich zu ihm und Mulder versuchte einen Blick auf seine Augen zu werfen. Sie wirkten normal. Er streckte ihm die Tüte entgegen und der Mann griff mit seiner rechten Hand rein. Er trug Handschuhe! „Danke, Junge.“ Bedankte er sich. Die Stimme war der einzige Hinweis den Mulder brauchte. Es war Barnett! „Keine Ursache. Wie gefällt ihnen das Spiel?“ versuchte er ihn in ein Gespräch zu verwickeln. Er bediente sich selbst beim Popkorn. Barnett musterte ihn aber er schien Mulder nicht zu erkennen. „Hab schon besseres gesehen. Kenne ich dich, Junge?“ Seine Stimme, war vermutlich das was ihn so irritierte. „Was einmal zu oft vom Ball getroffen worden, dass ihr mich nicht wieder erkennt?“ lästerte Mulder in der Hoffnung das er den Hinweis verstand. „Kid, du solltest zu deinen Freunden in den Sandkasten zurückkehren. Hier verbrennst du dich nur.“ Die Drohung kam mehr als deutlich rüber. „Die Frischzellenkur des guten Dr. Mengele hat sie wohl nicht auf alles vorbereitet. Wie geht es eurem Geschäft mit Onkel SAM, schon zu einer Einigung gekommen?“ Langsam müsste er doch auf den richtigen Zug springen. Er schluckte heftig, er schien zu begreifen. „Wie … zur Hölle … Netter Trick.“ Bingo, Barnett war aus dem Gleichgewicht, die Erwähnung von Onkel Sam hatte die Gedanken getriggert die Mulder sehen wollte. Er wusste jetzt was er wissen wollte. Die Papiere lagen in einem Schließfach am Flughafen. Barnett hatte Sinn für Humor die Schließfachnummer stand für ICE.


Fatima wird nicht zurückkommen und Scully ist auch nicht hier. Warum ergebt ihr euch nicht einfach?“ Mulder hatte was er wollte, er konnte auf hören zu spielen. „Ich habe immer noch dich Junge.“ Er stieß ihm den Lauf seiner Waffe in die Seite. Mulder lachte kurz. „Glauben Sie ich würde hier sitzen wenn ich annehmen müsste das sie auch nur die kleinste Bedrohung auf mein Leben darstellen würden?“ Barnett schaute ihn nur verständnislos an. Der Mann hatte immer noch nicht begriffen das Mulder vor ihm saß, er hielt ihn vermutlich für einen jüngeren Doppelgänger oder Verwandten. „Ich werde langsam Müde, von deinen dummen Sprüchen.“ Seine Geduld war dünn, das konnte Mulder spüren. „Warum sind sie nach all den Jahren hier her gekommen? Nur um sich an Fox Mulder zu rächen? Kommen Sie, wir beide wissen das Ridleys Experimente nicht so verlaufen sind wie er es sich vorgestellt hat. Barnett sie werden entweder Blind oder sind auf dem Weg zur Hölle. Was von beidem ist es?“ Mulder grinste ihn wissend an. „Kluges Kind. Ich frage mich warum Mulder ausgerechnet dich geschickt hat. Aber du kannst ihm ausrichten das es mein Herz war. Der Witz an dieser Geschichte wird ihm bestimmt nicht entgehen. Ein Herzfehler, mein Arzt meinte nur noch eine Transplantation könnte helfen. Das ist durch meine veränderten Gene aber ausgeschlossen.“ Das war mehr als Mulder erwartet hatte.


Das werde ich ihm ausrichten. Mir kam der Gedanke das es euch um mehr als Rache geht während des Spiels, ihr wollt mit dem großen Knall abtreten. Sie können sich bestimmt vorstellen das ich kein Interesse habe ihnen in die Hände zu spielen. Die Pause ist bald um, es wird Zeit für mich zu gehen. Sie sollten aufgeben.“ Damit Stand Mulder auf und war ehe er sich versah Barnetts Geisel. Er konnte sehen wir Agenten ihre Waffen zogen und ein paar der noch anwesenden Zuschauer in Panik nach draußen rannten. Andere sich zwischen den Sitzen auf den Boden legten. „Du glaubst doch nicht, das ich dich so ohne weiteres davon kommen lasse Junge.“ Nein er hatte nicht damit gerechnet. Er sah Skinner kurz in die Augen. Versuchte ihm begreiflich zu machen das Verhandeln sinnlos war. Er vertraute seinem Glück, verwendete den Trick der schon Henson abgelenkt hat und sein Kampfsporttraining um sich aus dem Griff zu lösen. Es ging alles wahnsinnig schnell. Er befreite sich, fiel zu Boden während Skinner schoss. Barnett landete beinahe auf ihm er hatte sich geradeso wegrollen können. FBI Agenten sind zur Stelle. Einer zieht ihn von Barnett weg und hilft ihm beim aufstehen. Skinner steht neben ihn und brüllt ihn an, doch seine Augen sind bei Barnett, er nimmt nicht war was um ihn herum geschieht. Ihre Augen sind aufeinander fixiert und Mulder fängt an sich die Maske vom Gesicht zu ziehen. Eine Maske auf einer Maske. Barnett starrt ihn nur an.


Skinner bringt sich schmerzhaft in Erinnerung als er Mulder Handschellen anlegt und ihn abführt. Er sieht wie Sanitäter versuchen Barnetts Leben zu retten. Doch er weiß das es sinnlos ist. Er sieht den Mann in schwarz wie er zu Barnett eilt und versucht ihn nach den Papieren zu fragen. Der Fremde redet auf ihn ein doch erhält keine Antwort. John Barnetts Herz bleibt stehen, die Rettungskräfte versuchen ihn wieder zu beleben. Mulder hat keine Chance zu sehen ob sie erfolgreich sind, da er das Ende der Halle erreicht hat und es nicht schafft sich aus Skinners Griff zu befreien. Er hört auf sich zu wehren, lässt sich friedlich abführen.


FBI HQ, Washington

Sonntag, 02.05.1993 21:00 h


Der Mann in schwarz hatte das Verhör übernommen. Mulder saß nur regungslos da und studierte den MIB. Was war er wohl? CIA? NSA? Es spielte eigentlich keine Rolle. Mulder hielt seine Antworten auf Ja oder Nein beschränkt. Er wusste das er dem anderen Mann damit ganz schön auf die Nerven ging. „Wissen Sie wo Barnett die Forschungsergebnisse versteckt hat?“ hatte er bereits 25 Mal mit ‚Nein.’ beantwortet. Mulder ließ es sich nicht anmerken das es ihn in irgendeiner Form störte, würde mit derselben monotonen Stimme ein 27tes oder 28tes Mal antworten. Er war sich sicher das sie seine Unterhaltung mit Barnett mit geschnitten hatten. Sie mussten es sich inzwischen angesehen haben und die Antwort kennen. So dicht und doch so fern, Mulder könnte lachen wenn es nicht so erschreckend ernst wäre. Sie würden einen Sündenbock brauchen, er selbst wäre ein großartiger Kandidat für diese Rolle. Fatima und Scully schieden aus, ihnen konnten sie nichts anhängen. So würden sie versuchen ihm etwas anzuhängen, seine Jugendsünden an die Oberfläche schaufeln und so weiter. Die Sache war noch nicht ausgestanden und er würde die nächsten Monate sehr vorsichtig sein müssen. Sie würden sich ihre Zähne an ihm ausbeißen. „Haben Sie eine Vermutung was er mit den Unterlagen gemacht haben könnte?“ Mulder grinste auf die Frage. „Liegen vermutlich irgendwo auf Ice oder haben nie existiert.“ Scully kam und nahm ihn mit nach Haus. Sie schien mehr als verärgert zu sein. Vielleicht sollte er noch eine Stunde mit Mr. MIB verbringen.


FBI HQ, Washington

Freitag, 07.05.1993 10:00 h


Der Vorfall wird klassifiziert und unter den Teppich gekehrt?“ fragte Skinner ungläubig nach, er musste sich verhört haben. Von Agent Scully hatte er bereits erfahren das alle Beweise verschwunden waren, selbst ihr halbfertiger Bericht war nicht mehr auffindbar. „Sie haben mich verstanden Mr. Skinner.“ Der Mann in schwarz versuchte ihn einzuschüchtern, aber daran waren schon bessere Männer als er gescheitert. Skinner wusste nicht genau was gespielt wird. Er hatte die Überwachungsbänder aus der Sporthalle gesehen. Mulder wusste das FBI Kräfte vor Ort waren, hatte ihn gesehen. Es war eine Falle für Barnett gewesen, er hatte sie nicht aufgestellt, sondern Mulder. Dummheit wurde in diesem Land noch nicht unter Strafe gestellt, so hatten sie nichts Handfestes gegen den Mann in der Hand. Er hat versucht John Barnett zur Aufgabe zu überreden, das gaben die Bänder deutlich wieder. Das FBI oder besser ausgedrückt er der Assistent Director hatte Barnett auf dem gewissen. Die Regierung hatte ihre elenden Forschungsergebnisse nicht und wollte dafür jemanden zur Verantwortung ziehen. Seine Handlungsweise war durchs FBI bereits als gefertigt und Regelkonform zu den Akten gelegt worden. Agent Scully hatte ein reines Gewissen, sie hatte von all dem nichts gewusst. Er selbst hatte das bezeugen können. Die junge Araberin hat auf Mulders Anweisung gehandelt und war durch ihre diplomatische Immunität außer Reichweite.


Blieb nur Mulder, niemand konnte sagen was der Mann wirklich wusste. Sie konnten ihn schwer für Barnetts Tod verantwortlich machen. Skinner wusste genau wie das Enden würde. Mulder würde den Spieß vermutlich umdrehen und die Regierung würde nicht riskieren das dieser Fall an die Öffentlichkeit kommt. Aber sie wollten auch nicht das Fox Mulder ungeschoren davon kommt. Die Mächte die sind, wollten ein Exempel an dem Mann statuieren. Deshalb suchten sie jetzt fieberhaft nach Dreck unter seinen Fingernägeln. FBI, Steuerbehörde, Börsenaufsicht alle sichten nach einem Fleck auf seiner weißen Weste. Bisher Negativ. Skinner hat die Ergebnisse aufmerksam verfolgt. So war Mulder für die Rettung des Motorenwerks in Baltimore verantwortlich, er hat dies bezüglich Senator Malcolms Rolle aufgedeckt und einen der größten Investmentskandale aufgeklärt. Sein eigenes Vermögen von 2 Millionen Dollar, Stand September des letzten Jahres, hat er durch geschicktes Handeln an der Börse inzwischen auf 15 Millionen Dollar gebracht. Er ist ein Genie, nicht nur wenn es um das aufklären seltsamer Fälle geht. Er bezahlt seine Steuern, nicht einmal ein unbezahltes Ticket wegen Falsch- Parkens. Das einzige was man finden konnte ist das seine Geschäftsbeziehungen außerhalb der USA etwas mehr als Schleierhaft sind. Nach CIA Berichten hat er regen Kontakt in den Mittleren Osten. Er ist Investor bei einem gigantischen Hotelprojekt in Dubai. Schließt Wetten mit dem Emir von Bahrain ab, bekommt Weihnachtsgrüße vom saudiarabischen König und besitzt ein paar der wertvollsten Pferde in Algerien. Die Königin von England versucht gerade eines seiner Pferde für ihre Zucht zu kaufen. Da fragte man sich, wer ist dieser Fox Mulder wirklich?


Der Raucher hatte mit der letzten Miesere scheinbar nichts zu tun und hatte sich die letzte Woche köstlich amüsiert und alles was ans Licht der Öffentlichkeit gezerrt wurde förmlich verschlungen. Er meinte nur das es schön wäre mal auf der anderen Seite von Mulder’s Scherzen zu stehen. Skinner musterte den Mann vor ihm, kein Vergleich zu dem Kettenrauchenden Bastard. Der MIB tat ihm Leid, wenn sie nichts gegen Mulder finden, würde er wohl dessen Platz einnehmen. Da sie bereits kräftig damit beschäftigt sind ihren Dreck unter den Teppich zukehren, war es wohl schon so weit.


Mulder’s Haus, Georgetown

Sonntag, 09.05.1993 15:00 h


Sie saßen beide beim Kaffee und sie studierte ihren Ehemann. „Was glaubst du? Werden sie bald aufhören dein Leben auf den Kopf zustellen?“ Er war so ruhig und sie wollte das Schweigen brechen. Die Stille im Raum war ihr unheimlich. „Ich fürchte sie haben noch nicht mal richtig angefangen. So lange sie glauben über mich an diese Forschungsergebnisse zu kommen, lassen die nicht locker.“ Ihr gingen die Typen langsam aber sicher auf die Nerven. Sie wusste was Mulder getan hatte und warum. Sie hatte ihm inzwischen verziehen das er sie nicht eingeweiht hatte. Er wollte sie beschützen, vor Barnett, vor dem FBI und der US Regierung. „Da können sie lange suchen.“ Ihr Ehemann hatte sie eingeweiht, sie wusste das die Berichte längst das Land verlassen haben, Mulder würde sie niemals in die Hände dieser Idioten fallen lassen. Die Experimente dieses verrückten Wissenschaftlers hatten bereits Menschenleben gekostet, wenn die Regierung an seine Forschungsunterlagen kommen würde, gäbe es noch mehr Tote. Sie würde vermutlich nie begreifen das man das Leben nicht betrügen kann.


Natürlich hatte sie sich für die Aktion in der Sporthalle bei ihrem Mann gerächt. So leicht war er ihr dann doch nicht davon gekommen. Vermutlich einer der Gründe warum er so still war. Sie hatte jede Menge Prospekte angefordert. Scully hatte nicht gedacht das Militärschulen für Kinder und Jugendliche so interessante Sommerangebote hat. Sie hatte Mulder damit gedroht das sie ‚Mike’ für den Sommer dort anmelden und seinen Hintern persönlich dort hin zerren würde, sollte Mulder es wagen sie noch einmal so abzuhängen. Sie waren Partner, sie deckten einander den Rücken und wie sollte sie das machen wenn er solche schwierigen Situationen im Alleingang zu lösen versucht. Sie war da für ihn! Das sollte doch langsam in seinen Dickschädel gehen. „Scully bitte, mein Kopf. Ich weiß das du für mich da bist, das bedeutet aber noch lange nicht das ich zulasse das du in Gefahr gerätst.“ Oh ja Mr. Machoman durfte sein Leben riskieren und sie etwa nicht? „Das kannst du vergessen. Wir sind Partner, hier wird alles geteilt. Das solltest du endlich mal begreifen.“


Kapitel 14 „Wer hat den schönsten Hintern im Land?“


Mt. Vernon College, Foxhall

Donnerstag, 17.06.1993 14:35 h


Entschuldige Fatima, ich weiß die Frage mag etwas komisch klingen, aber ist mein Hosenboden irgendwie dreckig? Sitzt die Hose nicht richtig?“ Mulder war mehr als verunsichert. Er fühlte sich schon den ganzen Tag so, als würde jeder auf seinen Hinterteil starren. „Nein. Mit deiner Hose ist alles in Ordnung.“ Oh Gott Fatima musste glauben er hätte den Verstand verloren. „Danke.“ Was stimmte hier nicht? Er hatte Fatima schon häufiger vom College abgeholt oder wie heute eine Tasse Kaffee in der Cafeteria getrunken. Da hat sich niemand so verhalten, wie heute. Es war schönes Wetter so nahmen sie sich einen Tisch auf der Terrasse. Sie waren etwas früh dran, Fatimas erster Kurs war überraschend ausgefallen und ihr nächster beginnt erst um 15:30 Uhr. So hatte Mulder angeboten mit ihr in der Cafeteria etwas Zeit tot zuschlagen. Jetzt wünschte er sich er hätte es nicht gemacht. Die jungen Frauen an den Tischen um sie herum schienen über ihn zu tuscheln. Es war fast so als würden sie bedauern das er sich hingesetzt hat. Mulder kam sich schon mehr als paranoid vor, er konnte es sich einfach nicht erklären. Vielleicht wurde er krank. Ob er sich von Scully untersuchen lassen soll? Es hat seine Vorteile wenn man mit seinem Hausarzt verheiratete ist, auch wenn man nur selten einen braucht.


Mulder was ist los? Du wirkst so nervös.“ Fatima wirkte besorgt. „Ich weiß nicht Fatima. Es mag verrückt klingen, aber ich fühle mich als würde hier jeder auf mein Hinterteil starren und mich gleich lynchen weil ich mich hingesetzt habe.“ Sie kicherte auf seine Antwort. „Ich glaube die hätten etwas anderes als Lynchen im Sinn.“ Scherzte sie und Mulder gab ihr dafür einer seiner gefürchteten Dackelblicke. Seine Laune war nun endgültig im Keller.


FBI HQ, Washington

Donnerstag, 17.06.1993 15:00 h


Es war in den letzten Tagen ruhig gewesen. Zu ruhig. Sie hatte genügend um ihre letzten Berichte fertig zu schreiben. Die Gerüchteküche hatte endlich aufgehört sich mit ihrem Privatleben zu beschäftigen und hatte jetzt Agent Kelly’s Brust- OP am Wickel. Es ging das Gerücht um das sie sich während eines Undercoverauftrag in New York von einem Mafiaboss die OP bezahlen lies. Das interessiert Scully ausgesprochen wenig, sie war nur glücklich das man sie scheinbar vergessen hatte. Der ganze Papierkram hatte sie Müde gemacht und wenn sie die letzten beiden Stunden noch durchstehen wollte, brauchte sie Kaffee. Deshalb steuerte sie die Kaffeeküche im Vierten an. Es war drei Uhr nachmittags, da war sie gut besucht. Sie sah einige Agenten über einer Zeitung gebeugt redeten. „Was für ein knackiger Arsch.“ Und „Den würde ich auch nicht von der Bettkante schubsen.“ Weckten ihre Neugierde. Scully wollte sehen worüber die Sekretärinnen da redeten. „Gibt es etwas Interessantes Kim?“ Skinners Assistentin war die einzige die sie kannte, so sprach Scully sie direkt an. „Wir schauen uns nur ein Gemälde an, das in der Tageszeitung unter der Überschrift ‚Schlafende Schönheit’ gedruckt wurde.“ Sie reichte ihr die Zeitung damit sie es sich anschauen konnte. Auf dem Bild war ein junger schlanker Mann schlafend auf einem Bett zusehen. Er war in seinem Geburtstagsanzug und lag in einer leicht geöffneten Fötusposition auf dem Bett. Ihre Augen wanderten von dem braunen Haarschopf, den breiten Schultern über den wohlgeformten Rücken runter zu dem entblößten prallen sexy Hinterteil, die langen angewinkelten Beine hinauf zurück bis zu seinem Gesicht. Wo ihr die scheinbar etwas zu groß geratene Nase auf viel.


Vor Schreck ließ sie die Zeitung fallen. Das konnte doch nicht wahr sein. Das war unmöglich er. Was hatte Mulder jetzt schon wieder angestellt?


Mulder’s Haus, Georgetown

Donnerstag, 17.06.1993 15:00 h


Fatima könntest du bitte aufhören das Bild in der Zeitung anzustarren.“ Er konnte immer noch nicht glauben was seine Ehefrau mitgebracht hat. Das Fatima dem Bild soviel Aufmerksamkeit schenkte, machte ihn mehr als Nervös. Die Erkenntnis das mit ihm alles in Ordnung war beruhigte ihn kein bisschen, wenn das was er heute an dem Frauen College erlebt hat auch in den nächsten Tagen aktuell ist dann prost Mahlzeit. Gott, es war Hölle pur. Das kann er keinen Tag länger mitmachen. Fatima wurde leicht Rot im Gesicht und legte die Zeitung zurück auf den Tisch. „So Mulder, hast du irgendeine Erklärung für dieses … dieses Bild?“ Scully war mehr als aufgebracht, das konnte er deutlich an ihrer Gestik und Stimme erkennen. Kein Wunder man sieht nicht jeden Tag seinen Ehemann splitter faser Nackt in der Zeitung abgebildet. „Nein. Ich habe absolut keine Erklärung. Das ich einmal als Nacktmodell posiert haben soll, ist selbst mir Neu. Akim ist bereits damit beschäftigt herauszufinden woher diese Kunstwerk stammt.“ Er dehnte das Wort Kunstwerk in die Länge. Er konnte selbst kaum glauben was er da sah. Hatte er vielleicht einen Zwillingsbruder von dem er nichts wusste? Ein Doppelgänger? Wenn sie wenigsten wüssten wer das Bild gemalt hat. Er würde gerne ein paar Worte mit diesem Mann wechseln. Als erstes aber würde er dieses Bild vom Markt nehmen, es war zurzeit in der Kingsley Galerie ausgestellt.


Kingsley Galerie, Alexandria

Freitag, 18.06.1993 9:00 Uhr


Scully und Fatima betraten die kleine private Galerie. Mulder wollte das Haus nicht verlassen, die Frauen am Mt. Vernon College hatten ihm bereits gereicht. ‚Warum soll ich mit kommen? Für was, um Autogramme zugeben?’ waren seine Worte, als Scully versuchte ihn zu überreden sie hierher zu begleiten. Nun war sie hier mit Fatima. „Guten Morgen, die Damen. Ich bin Constantin, wie kann ich ihnen behilflich sein?“ Ein junger Mann lächelte sie freundlich an. „Guten Morgen. Wir haben in der Zeitung dieses Bild gesehen. Wir würden gerne mehr darüber wissen.“ Antworte Fatima weil Scully noch etwas geistig abwesend war. „Sie meinen bestimmt. ‚Sleep’. Seit das Bild gestern in der Zeitung war, können wir uns vor Nachfragen kaum retten. Es ist im hinteren Teil der Galerie. Wenn sie mir bitte folgen würden.“ Er führte sie durch zwei mit Kunst voll gestopfter Räume. Die Galerie war klein so war Platz ausgesprochen kostbar und jeder freie Zentimeter genutzt. „Das Bild ist Teil der Ausstellung ‚Facts of Life’. Es ist eine Leihgabe eines Kunstsammlers aus Los Angeles. Es kam zusammen mit dem Gemälde ‚Concentration’. Beide Werke stammen vermutlich von demselben Künstler da sie dasselbe Modell zeigen. Aber niemand konnte bisher Angaben zu dem Maler oder seinem Modell machen.“ Erklärte er ihnen auf dem Weg. Die beiden Frauen hörten nur zu, sagten nichts weiter.


Oh mein Gott.“ Scully war mehr als geschockt als sie die beiden Bilder neben einander hängen sah. Das zweite Bild zeigte Mulder beim Lesen eines Buches. Absolut in einer anderen Welt versunken, so wie sie ihn schon so oft gesehen hat wen er über einen Fall nachdachte. Das war ohne Zweifel ihr Ehemann auf den Bildern. „Sie sagen der Maler ist unbekannt? Was können sie uns über die Bilder erzählen?“ fragte Fatima. „Ihr Besitzer hat die beiden Werke auf seiner letzten Ägyptenreise erstanden. Er will sie für läppische 500 Dollar auf einem Basar in Kairo erstanden haben, das hat er mir zumindest anvertraut. Der Mann der sie verkauft hat, muss wirklich keine Ahnung von Kunst gehabt haben.“ Scully hätte gerne etwas darauf erwidert, sparte sich den Kommentar aber. „Können sie uns den Namen des Kunstsammlers verraten? Wir würden ihm gerne ein Angebot für beide Bilder machen.“ Sie war jetzt wieder die voll professionelle FBI Agentin. „Bedaure Ma’am, aber er wünscht anonym zubleiben und so weit ich informiert wurde sind beide Werke unverkäuflich.“ Scully starrte den armen Mann zu Boden. „Ich will den Namen, sofort.“ Ihre Stimme war jetzt in einem Befehlston der sogar einen Drillsergeant der Arme blass aussehen ließ. Um ihre Anordnung zu unterstreichen zeigte sie noch ihre Dienstmarke. „FBI? Ich bedaure Miss. Diskretion ist Teil des Geschäfts. Solange sie nichts Besseres als ihre Marke haben, werde ich nicht den Zorn meiner Kunden riskieren.“ Constantin zeigte sich nicht im Geringsten eingeschüchtert.


Aber, Aber! Ich bin sicher, wir können eine friedliche Lösung für dieses Problem finden. Mr. Constantin entschuldigen sie bitte meine Freundin, aber sie müssen verstehen, man sieht nicht jeden Tag seinen Ehemann wie Gott ihn schuf in der Tageszeitung.“ Versuchte Fatima zwischen den beiden Streithähnen zu schlichten. Wer wusste schon wozu Scully Fähig war, wenn es um ihre Familie ging. „Sie glauben den Mann auf den Bildern zu kennen? Das ändert einiges. Ich schlage ihnen ein Geschäft vor. Sie stellen mir ihren Ehemann vor, wenn er wirklich das Modell auf den Bilder ist, gebe ich ihnen Name und Adresse des Eigentümers.“ Scully gefiel der Blick des Mannes nicht. Sie würde nie einen Gerichtsbeschluss erwirken können, sie hatte nichts in der Hand. Was sollte sie machen. „Gut. Ich werde mit meinem Mann darüber reden. Wenn er einverstanden ist, kommen wir heute Nachmittag zurück. Ist ihnen 15:00 Uhr recht?“ Sie würde Mulder die Entscheidung überlassen. Er hatte vermutlich Recht mit den Autogrammen. „Einverstanden. Heute ist Freitag da haben wir gewöhnlich nur bis 14:30 Uhr geöffnet. Machen sie sich einfach durch Klopfen bemerkbar.“ Sie nickte nur zustimmend und wandte sich den Bildern zu. Sie studierte sie noch einmal gründlich bevor sie die Galerie verließen.


Kingsley Galerie, Alexandria

Freitag, 18.06.1993 15:00 Uhr


Sie waren Pünktlich. Mulder hatte sich die Entscheidung zu kommen nicht gerade leicht gemacht. Was Scully ihm erzählte, ließ seine Vermutung wahr werden. Die beiden Kunstwerke waren im Auftrag von Harim Al Sudahli gefertigt worden. Kairo war der entscheidende Hinweis gewesen damit sich Mulder an den Namen des Künstlers erinnern konnte. Akim hatte daraufhin einige Erkundigungen eingezogen und herausgefunden, dass die Bilder aus dem Atelier gestohlen worden sind. Insgesamt 20 Bilder, 3 Skulpturen und vier in der Entstehung befindliche Arbeiten waren entwendet worden. Der Künstler hatte die Einbrecher wohl überrascht und wurde von ihnen mit einem Messer niedergestochen. Er verstarb noch in der Nacht, auf dem Weg ins Krankenhaus. Die Polizei von Kairo hatte ihnen den bericht über den Vorfall geschickt und die Notwendigen Unterlagen die Beweisen das die Bilder rechtmäßig der Familie Sudahli gehören. Er konnte nur hoffen, das er ohne viel Aufsehen in den Besitz der beiden Werke gelangt. Die Bilder zeigten ihn nicht nur Jung sondern auch ohne jede Spur von den Misshandlungen die er durch die Hand seines Vaters erlitten hatte. Als Teenager hatte er ein paar Narben auf dem Rücken. Sie stammten nicht vom Gürtel seines Alten, sondern von einem unglücklichen Sturz. Er muss fünfzehn gewesen sein als es passierte. Er hatte versucht einem Schlag auszuweichen und hatte dabei das Gleichgewicht verloren. Bei dem Streit war wohl eine Flasche kaputt gegangen, anders hatte er es sich die Scherben auf dem Boden später nicht erklären könnten. Er war voll auf den Scherbenhaufen gelandet und hatte sich dabei mehrere tiefe Schnittwunden über seinen ganzen Rücken verteilt zugezogen. Die Ärzte in der Notaufnahme hatten gut drei Stunden gebraucht um die Splitter zu entfernen und den Schaden halbwegs zu beheben. Er hatte Narben zurück behalten, die wie vieles andere nach seinem ersten Tod verschwunden waren.


Er bereits mit Scully darüber gesprochen. Sie erzählte ihm etwas von künstlerischer Freiheit und das Maler schon häufiger den einen oder anderen Schönheitsfehler bei ihren Porträts weg gelassen hätten. Er solle sich keine Sorgen machen und das egal was kommt Scully würde bei ihm sein und ihn beschützen. Sie war schließlich die Frau mit der Knarre im Haus und scheute sich nicht davor von ihr gebrauch zu machen. Mulder wusste das sie nicht scherzte, er hatte sie auf dem Schießstand in Vegas trainieren sehen. Das war dieselbe Person die ihm eine Smith & Wesson zum Valentinstag geschenkt hatte. Gott wie er sie doch liebte. Sie hielt seine Hand fest als sie an der Ladentür klopfte. Mulder wollte am liebsten umdrehen und nach Hause fahren. Was würden die Leute von ihm halten? Er war kein Hollywood Star oder Politiker dem eine derartige Jugendsünde nicht nur schlechte Presse brachte. Die Folgen waren schwer abzusehen. Einige seiner Kontakte in Regierungskreis würden wohl behaupten ihn nie kann zu haben. Leute wie Mrs. Webster würden ganz sicher auf ihn herabsehen und ihn in nächster Zeit meiden als hätte er die Pest. An Eltern wollte er nicht einmal denken. Er konnte seine Mutter schon förmlich sehen, wie sie mit ihren Freunden darüber redet und so tun würde als wer das jemand anderes gewesen. Ein Mann unterbrach seine Gedanken. Er begrüßte sie freundlich und bat sie herein. Mulder fühlte sich auf der Stelle unwohl, der Blick des Mannes lag auf ihm wie Blei und er fühlte sich trotz seines hellgrauen Armanianzugs nackt unter diesen starrenden Augen.


Mr. Constantin, ich glaube wir hatten eine Abmachung.“ Scully stellte sich leicht zwischen ihn und den Galeristen, versperrte ihm leicht die Sicht. Mulder war ausgesprochen dankbar dafür. Er hatte keine Probleme mit Aliens, Unsterblichen oder Mutanten, die wollten ihn in der Regel nur töten, da wusste er woran er ist. Hier ging es um sein Leben als Fox Mulder und der Aussicht als Versuchskaninchen zu enden, wenn er nicht schnell genug war. Was noch viel Schlimmer war Scully konnte ins Feuer geraten. Er würde sie vielleicht verlieren. „Natürlich, bitte folgen sie mir.“ Keiner von beiden war bereit gewesen sich vorzustellen. Mulder würde lieber einen Fake- Namen verwenden als seinen eigenen. Aber das konnte er vermutlich vergessen. Scully hatte heute Morgen dem Mann ihren Dienstausweis unter die Nase gehalten. Die Nummer würde also nicht laufen. Klasse, jetzt hatte er schon wieder etwas gefunden woran er sich aufhängen kann. Warum konnte er nicht endlich auf einen Gedanken kommen, der ihn nicht ausflippen ließ? Und warum rannten sie jetzt eigentlich diesem Typ hinterher? Scully war bei ihm, was konnte da schon passieren.


Sie gingen in den hinteren Raum wo Scully schon am Morgen die Bilder bewundern durfte. Ein Mann stand vor ihnen und betrachtete die Gemälde. Hatte Scully nicht erzählt die Galerie würde um 14:30 Uhr schließen? War das vielleicht der Eigentümer der Kunstwerke? „Alex das sind die Herrschaften die ich dir vorstellen wollte. Ich fürchte sie müssen sich selbst vorstellen, da ich immer noch nicht ihre Namen kenne.“ Dieser Alex drehte sich zu ihnen um und sein Blick blieb sofort auf Mulder hängen. Erstaunen war mehr deutlich aus seinen Gesichtzügen ablesbar. „Das ist meine Ehefrau Dana Scully und ich bin Fox Mulder.“ Brach er das Eis. „Freut mich ihre Bekanntschaft zu machen Mr. Mulder, Mrs. Scully. Ich bin Alexander de Valais, für meine Freunde Alex.“ Sie gaben sich die Hand. „Freut mich sie kennen zu lernen Alex. Sie können mich Dana nennen, mein Mann bevorzugt es einfach mit Mulder angesprochen zu werden. Da wir die Formalitäten nun hinter uns haben. Sind sie der Eigentümer dieser beiden Kunstwerke, Alex?“ Ihr Ton war freundlich, ließ aber eine spur von Ungeduld mit schwingen. Sie konnte so etwas normalerweise besser verbergen, ein Zeichen das auch ihr nicht ganz wohl bei der Geschichte war. „Ja, die beiden Bilder gehören zu meiner Sammlung. Sie haben für die Bilder Modell gestanden Mr. Mulder?“ Mulder überlegte kurz wie er diese Frage beantworten soll, entschied sich aber das die Wahrheit vermutlich das beste war.


Nein ich habe nicht Modell gestanden, bis Gestern wusste ich nicht einmal das diese Bilder existieren. Die Ähnlichkeit ist allerdings mehr als verblüffend.“ Antwortete er und warf dabei ein Blick auf den Gegenstand des Gesprächs. Das eine Bild auf dem er liest war harmlos, aber das andere was auch in der Zeitung abgebildet war, musste vom Markt. Er ging rüber um es noch der Nähe zu betrachten. „Wie erklären sie sich den Altersunterschied? Ich habe die Bilder untersuchen lassen, Mr. Mulder. Sie sind nicht älter als ein Jahr.“ Mit der Frage hatte er gerechnet. „Beide Kunstwerke wurden von einem arabischen Scheich letztes Jahr in Auftrag gegeben. Dem Maler standen neben aktuellen, auch Fotos aus meiner Studienzeit zur Verfügung. Ich würde sagen der Künstler hat einfach das Beste daraus gemacht. Nur leider werden wir nie mehr darüber erfahren. Der Maler ist ums leben gekommen, als er versucht hat Diebe davon abzuhalten seine Werke zu stehlen.“ Er reichte dem Mann einen schmalen Ordner in dem er eine Kopie des Berichts der Polizei aus Kairo aufbewahrte. Es dauerte seine Zeit bis die beiden Herren mit lesen fertig waren. „Sie wollen damit sagen, das diese Kunstwerke gestohlen wurden und Eigentum dieses Scheich Sudahli sind?“ Dieser Alex war ein Blitzmerker. „Genau das wollte ich andeuten. Die Polizei von Kairo wird sicherlich an ihrer Aussage interessiert sein. So weit uns bekannt ist, sind das die ersten von insgesamt 20 gestohlenen Gemälden die wieder aufgetaucht sind.“


Wenn es hilft, mache ich selbstverständlich eine Aussage. Aber was die Bilder angeht so werde ich dies mit meinen Anwälten besprechen. Ich trenne mich höchst ungern von beiden.“ War das nicht was Mulder befürchtet hat? Großartig! „Ich vermute ihnen wird nichts anderes übrig bleiben. Sie haben nicht einmal einen Kaufvertrag, der beweisen könnte das die Bilder rechtmäßig ihnen gehören. Ich werde Morgen meine Vorgesetzten über diesen Vorfall informieren und Fatima Sudahli wird ihre Ansprüche auf die Kunstobjekte geltend machen. Ich schlage vor sie bereiten sich darauf vor.“ Mischte sich jetzt Scully ein. „Fatima Sudahli, ein interessanter Zufall, das sie sofort zur Stelle ist.“ Alex Stimme hatte einen leichten anklagenden Ton. Er roch vermutlich eine Verschwörung. Sah er vielleicht auch so aus wenn er nach Hinweisen über seine verschwundene Schwester suchte. „Kein Zufall. Mr. Constantin hatte bereits die Ehre Fatima heute Morgen kennen zu lernen. Sie ist Gast in unserem Haus. Ihr Mann Scheich Sudahli ist vor einem Jahr verstorben, selbst seiner Ehefrau waren die Bilder bis gestern unbekannt. Sie sehen Alex, keine Verschwörung nur eine Kette unglücklicher Zufälle.“ Erklärte seine Frau bevor er es konnte. „Ich bin noch nicht ganz überzeugt. Was haben sie mit der ganzen Angelegenheit zu schaffen?“ Er wirkte wie Scully, wenn Mulder eine seiner wilden Theorien erzählt hat.


Scheich Sudahli starb vor cirka einem Jahr an einem Herzinfarkt. Ich kann nicht behaupten das ich ihn gut gekannt habe, unsere Begegnung war ausgesprochen unfreiwillig was mich anbelangt. Kurz gesagt er ließ mich entführen und ich war für etwa 3 Monate sein unfreiwilliger Gast. Durch seinen Tod hatte ich eine Chance zu fliehen. Ich fürchte so ist er an die Nacktfotos von mir gekommen, die für ‚Sleep’ als Vorlage dienten. Fatima war seine fünfte Ehefrau. Ihr Vater hatte sie mit dem Scheich verheiratet da war sie gerade Mal 15 Jahre alt. Als ich im September die Familie besuchte, bat sie mich um Hilfe. Sie ist jetzt 20 Jahre alt und möchte etwas mehr vom Leben als Ehefrau zu sein. Weil sie Angst hatte das ihr Vater sie wieder verheiraten würde, bat Fatima mich sie hierher nach Washington mit zu nehmen. So lebt sie jetzt in meinem Haus und besucht das Mt. Vernon College. Ist ihr Frage damit hinreichend beantwortet, Alex?“ Es war ihm mehr als schwer gefallen, so viel zu erzählen. Selbst nach fast einem Jahr waren die Ereignis noch zu schmerzhaft für ihn. Scully hielt inzwischen seine Hand und drückte sie, gab ihm etwas von ihrer Kraft. „Entschuldigen Sie, Mr. Mulder, wenn ich unangenehme Erinnerungen geweckt habe. Lassen sie mir bitte etwas zeit zum Nachdenken. Ich bin mir sicher das sich eine Lösung in unser aller Interesse finden lässt.“ Sie unterhielten sich noch ein Weile, Scully übernahm das meiste Reden. Es ging um die Bilder, Die Ausstellung und andere Dinge. Dieser Alexander de Valais war ein interessanter Mann. Er lebte in Los Angeles und verdiente sein Geld als Modeschöpfer. Es stellte sich heraus das er einen guten Draht nach Hollywood hatte, für viele Filme die Kostüme entworfen hat. Mulder hätten diesen Geschichten für Stunden zuhören können.


FBI HQ, Washington

Montag, 21.06.1993 10:15 h


Scully war etwas überrascht über Kims Anruf. Sie hatte ihren Termin mit Skinner bereits hinter sich. Was konnte in den letzten 90 Minuten passiert sein, das er sie sofort sprechen wollte? Als Scully in seinem Vorzimmer ankam und versuchte seiner Sekretärin den einen oder anderen Hinweis zu entlocken, war auch sie keine große Hilfe. Skinner war nicht allein, das war die einzige Information die Kim für sie hatte. Es half nichts sie musste in die Höhle des Löwen um mehr zu erfahren. Sie atmete noch einmal tief durch, versuchte so professionell wie möglich zu wirken und betrat sein Büro. Skinners Besucher war kein anderer als Alexander. ‚Was hatte dies zu bedeuten?’ dachte sie sich im Stillen und versuchte sich ihre Verwunderung nicht anmerken zu lassen. „Agent Scully, danke das sie so schnell kommen konnte. Ich habe gehört das sie und Mr. Alexander de Valais bereits kennen?“ Warum ging es eigentlich nie ohne irgendwelche Erklärungen? „Ja Sir. Mr. Valais ist in den Besitz zweier Kunstwerke gelangt, nach denen die Polizei in Kairo gesucht hat. Ich hatte ihnen am Sonnabend diesbezüglich einen Bericht eingereicht.“ Erklärte sie knapp. „Stimmt. Jetzt wo sie es sagen Agent Scully fällt es mir wieder ein. Aber das soll heute nicht Gegenstand des Gespräches sein, Agent. Ich habe sie her gebeten weil ich einen neuen Fall für sie habe.“


Ein Fall? Was hatte dieser Modedesigner damit zu tun? „Einen neuen Auftrag Sir? Aber ich nahm an das ich diese Woche der VCU mit Autopsien aus helfen soll?“ Skinner hatte sie heute Morgen wieder einmal nach Quantico ausgeborgt. Nicht das ihr eine Woche Autopsien besonders gefielen, sie würde zumindest die Abende mit ihrem Mann verbringen können. „Vergessen sie Quantico. Wir haben etwas anderes für Sie.“ Er begann sie kurz in den neuen Auftrag einzuweihen. Nach dem wurde in Los Angeles eine Art Aktionswoche ‚Gay’ statt. Bei dieser Aktion geht es um Aufklärung, die Rechte Homosexueller, AIDS und vieles mehr. Eine rechts gerichtete Organisation hat mit Anschlägen gedroht, soweit das übliche. In den vergangenen sieben Monaten war es bereit verstärkt zu übergriffen auf Homosexuelle gekommen. Treffen wurden sabotiert, in einer Gay Bar war eine Brandbombe entdeckt worden und einige Menschen waren auf Grund ihrer sexuellen Neigungen Krankenhausreif geschlagen worden. Dazu gab es noch diverse Akte von Vandalismus die sich gegen die Szene richteten. Das volle Programm und man vermutete das ein und dieselbe rechts gerichtete Organisation dahinter steckte. Eher ein Fall für die Terrorismus Abwehrspezialisten und keine X Akte. „Sir, ich verstehe nicht ganz. Wie passe ich in diese Ermittlungen. Sie müssen zugeben, das dies nicht meinen üblichen Aufträgen entspricht.“ Sie hatte inzwischen gelernt das Skinner zu den Leuten gehörte die man direkt auf so etwas ansprechen konnte. Er schätzte wie sie Offenheit.


Mr. Valais hat uns seine Unterstützung bei der Aufklärung angeboten und wird dem Team als Berater bei diesem Fall zur Seite stehen. Er hat sie und Mr. Mulder für diese Ermittlungen angefordert.“ Das war wieder großartig. Was war das noch einmal über Offenheit? „Mein Ehemann, Sir?“ fragte sie ungläubig nach, sie musste sich verhört haben. „Ja, Agent. Sie und Agent Mulder.“ Versicherte er ihr. Wobei er das ‚Agent’ stark betonte. „Ich danke für ihr Vertrauen Mr. Valais. Aber ich fürchte das dieser Fall weit außerhalb von Mulders Interessenbereich liegt. Er ist kein FBI Agent und ich setzte meinen Ehemann höchst ungern einer derartigen Gefahr aus. Abgesehen davon sie scheinen weder einen Pathologen noch einen Profiler zu brauchen.“ Das alles ergab absolut keinen Sinn für Scully. „Agent Scully. Was könnte wichtiger sein als das Leben von Menschen. Sind Homosexuelle in ihren Augen etwas weniger Wert? Sehen sie es nicht als ihre Pflicht an den Menschen in diesem Land zu helfen? Oder helfen sie allen solange sie dieselben sexuellen Vorstellungen wie sie teilen?“ Alex war sichtbar aufgebracht. „Ich bin katholisch erzogen worden, das bedeutet aber nicht das ich etwas gegen gleichgeschlechtliche Beziehungen habe. Ich bin glücklich verheiratet und wünsche jedem genauso viel Glück wie ich es habe. Die Wahl des Partners überlasse ich jedem selbst. Mr. Valais, als FBI Agentin habe ich geschworen meine Mitbürger zu beschützen und werde dies auch tun. Wenn ich bei den Ermittlungen etwas betragen kann, dann werde ich meinen Teil leisten. Ich kann im Augenblick nur nicht erkennen wo dieser liegen soll.“ Versuchte sie den aufgebrachten Mann zu ruhigen. „Sie und Mr. Mulder werden uns also helfen?“ Sie unterdrückte ein Stöhnen.


Ich werde ihnen selbst verständlich helfen, Mr. Valais. Nur ich fürchte sie werden auf die Hilfe meine Mannes verzichten müssen.“ Antwortete sie geduldig. „Warum würde Mr. Mulder nicht helfen? Ihr Mann ist doch FBI Agent, gelten für ihn etwas andere Gesetzt als für den Rest von ihnen? Hat er Vorurteile?“ Sie schaute Skinner entsetzt an. „Wer hat ihnen erzählt das mein Ehemann ein FBI Agent ist? Mulder ist Psychologe, er arbeitet nicht für das FBI. Glauben sie mir er ist ausgesprochen Aufgeschlossen, Mulder hat gewiss keine Vorurteile.“ Wie konnte er es wagen ihren Mann schlecht zu machen. Sie versuchte sich unter Kontrolle zuhalten. „Kein FBI Agent? Was sollte das dann in der Galerie?“ Musste sie das verstehen. „Er hat sich nur als Fox Mulder vorgestellt. Sein derzeitiger Beruf ist nie zur Sprache gekommen. Er verdient sein Geld an der Börse. Ich hatte mich als FBI Agentin ausgewiesen, weil ich ihren Namen in Erfahrung bringen wollte. Der Galerist war so freundlich uns über die Herkunft der Kunstwerke zu informieren. Mein Ehemann verfügt über ausgezeichnete Kontakte so war es ihm ein leichtes mehr über die Bilder in Erfahrung zubringen. Was wir ihnen am Freitagnachmittag erzählt haben, war nichts als die Wahrheit.“ Wo führte dieses Gespräch eigentlich hin? Sie verteidigte sich und Mulder, doch wusste nicht einmal wovor. Sie hatten bisher noch nicht einmal beschrieben wofür sie gebraucht werden.


Agent Scully, Mr. Valais beruhigen sie sich bitte. Ich schlage vor sie suchen Mr. Mulder auf und bitten ihn um seine Mithilfe an diesem Fall. Agent Scully, das FBI bietet ihrem Mann ähnliche Konditionen wie bei dem Weiterbildungsprogramm im Februar an und ist bereit das übliche Beraterhonorar zu zahlen.“ Das wird ihm vom Hocker hauen, so würden sie Mulder nie überzeugen können. „Ich werde es ihm ausrichten, Sir. Sie sollten ihm zumindest eine Antwort auf die Frage geben können, die sie mir bisher nicht beantwortet haben. Mulder hat ein neues Petprojekt in Brasilien, damit ist er voll ausgelastet. Wenn sie also keine guten Gründe haben, wird er garantiert ablehnen.“ Warnte sie ihren Boss. „Gute Gründe? Das Menschenleben in Gefahr sind ist etwa nicht gut genug?“ fragte Mr. Valais mehr als empört. „Mr. Valais, ich weiß nicht worauf sie hinaus wollen. Wie jeder andere hat auch mein Ehemann die Freiheit selbst zu entscheiden, bei welchen Ermittlungen er mitwirken möchte und welche er ablehnt.“ Ihre Geduld hing mehr als an einem dünnen Faden und Skinner schien es zu bemerken. „Ich werde sie begleiten. Vielleicht können wir gemeinsam Mr. Mulder überzeugen.“ Sie glaubte eher das er mit kam um zu verhindern das sie ihre Waffe auf den netten Alex richtete.


Mulder’s Haus, Georgetown

Montag, 21.06.1993 11:30 h


Hallo Hasan. Hat Mulder einen Augenblick Zeit für uns?“ begrüßte sie Mulders Sekretär. „Für Sie immer, Dana. Kann ich ihnen etwas aus der Küche bringen lassen?“ Er meldete sie kurz an und Mulders Kaffee Bestellung war zu hören. „Ich nehme auch ein Kaffee und könnte ein Truthahn Sandwich vertragen.“ Meinte sie nur nach dem sie Hasans Aufmerksamkeit zurück hatte. Ihr Boss bestellte sich einen Kaffee und ihr Gast nahm sich einen Tee. So gingen sie ins Büro ihres Mannes. „Guten Tag, was verschafft mir die Ehre?“ Akim war im Büro, sie wechselten kurz ein paar Wort in Arabisch und dann verließ der Alte den Raum. „Die beiden Herren hätten einen neuen Fall für uns beide und würden die Einzelheiten gerne mit dir besprechen.“ Erklärte sie ihm kurz. <Soll ich ablehnen?> Bingo er schien sie zu verstehen. Scully schrie ‚Ja’ förmlich in ihren Gedanken. Sie nahmen alle Platz und Mr. Skinner wiederholte noch einmal was er ihr bereits erzählt hatte. Ein Mädchen brachte die Getränke und Snacks. Das gab ihr und Mulder kurz Gelegenheit sich abzustimmen. Telepathie war etwas Feines.


Ich bedaure aber ich habe das Profilen vor drei Jahren aufgegeben, noch sehe ich keinen übernatürlichen Hintergrund an diesem Fall. Ich wüsste nicht wie ich in den Ermittlungen helfen könnte.“ Lehnte er höfflich ab. „Mr. Mulder bedeutet ihnen das Leben unschuldiger Menschen den gar nichts?“ mischte sich Mr. Valais ein. „Sie reden um den heißen Brei herum. Das sie bisher nicht erzählt haben wie wir bei diesen Ermittlungen helfen können, bedeutet für mich das es uns nicht gefallen wird.“ Sie war froh das Mulder auf den Kalifornier nicht weiter einging. „Sie haben Recht, es wird ihnen nicht gefallen. Wir würden sie gerne als Model einschleusen, da sie bereits Erfahrungen auf diesem Gebiet haben. Fotos machen, Modeschau und eine Mister Wahl.“ Sie wusste nicht was sie dazu sagen sollte. Wie stellte sich Skinner das vor? Wie hatte er sich dazu überreden lassen? „Model. Ganz sicher nicht! Mr. Skinner wie kommen sie auf die Idee das ich damit Erfahrung habe?“ Auf die Frage hätte sie auch gerne eine Antwort.


Ich habe die beiden Kunstwerke gesehen. Glauben sie etwas ich lese Agent Scullys Berichte nicht?“ Aber da waren keine Fotos bei. Er muss sie also in echt gesehen haben. Großartig, genau was ihnen gefehlt hat. Mulder könntest du nicht einmal in deinem Leben Glück haben? „Dann sind sie einem Irrtum unterlegen. Ich habe noch nie in meinem Leben gemodelt Mr. Skinner. Es gibt bestimmt Agenten oder Professionelle Models die besser für den Job geeignet sind als ich.“ Versuchte er sich raus zu reden. „Kommen sie Mr. Mulder, ich habe sie mit Barnett gesehen. Selbst er hat geglaubt Sie wären ein Teenager. Sie sahen fast wie auf diesen beiden Kunstwerken aus. Sie müssen ein Genie von Maskenbildner kennen.“ Damit lag er fast richtig. Sein Freund arbeitete am Theater hier in Washington, ein alter Bekannter von Boarder School. Ein Wizard wenn es um Masken ging, er hatte alles aufgehoben. So war es leicht gewesen eine Maske zumachen die Mulder wie ein Teen aussehen lässt. Sie hatten einfach einen der alten Abdrücke verwendet. Das würde er Skinner aber niemals erzählen. „Das beantwortete nicht meine Fragen. Warum ausgerechnet uns? Wer sitzt ihnen im Nacken, das sie es eher inoffiziell regeln? Irgendjemand der nicht genannt werden möchte, mit nahen Verwandten oder Freunden in der Szene?“ Das gab beiden Rätsel auf. Scully hätte eine Frage wie diese nie ihrem Boss gestellt. Sie wollte ihren Job gerne noch ein paar Jahre behalten.


Hoch genug um ein paar nette Zugeständnisse für sie heraus zuschlagen Mulder. Wir möchten die Angelegenheit schnell und diskret geregelt haben. Das Ermittlungsteam würde aus ihnen Dreien plus was immer sie aus dem Feldbüro in LA gebrauchen können bestehen. Soweit ich informiert bin verstehen sie sich gut mit den Agenten White and French. Das war einer der Gründe weshalb ich sie als Team vorgeschlagen habe. Ich habe die Aktion nach Barnetts Tod mit Interesse verfolgt so weiß ich das Geld nicht ihr Problem ist. Wenn sie aber diesen Auftrag annehmen und den Fall lösen, haben sie ein Freund in hohen Kreisen der sagen wir mal einen besonderen Bibliotheksausweis zum Keller für sie bereithält.“ Skinner bot Mulder direkten Zugriff auf die X Akten? Die Idee gefiel ihr, dann würde er vielleicht aufhören sie ständig zu löchern und selber Suchen können was er wissen wollte. Scully hatte gut zwei DIN A4 Seiten mit Suchkriterien von Mulder auf ihrem Schreibtisch liegen. Sie hatte jede Akte die sie öffnete für ihn nach diesen Kriterien ab zu suchen, das war manchmal mehr als anstrengend und in ihren Augen vollkommen verrückt. „Klingt viel versprechend. Aber ich habe noch eine Bedingung. Egal was in LA geschieht. Ich mache nichts in Badehosen oder mit freiem Oberkörper.“ Scully konnte Alex Enttäuschung sehen. „Einverstanden, Agent Mulder. Es ist ihre Entscheidung wie weit sie gehen wollen.“ Damit waren sie sich einig und gingen über zur Besprechung der Einzelheiten. Sie hatten einen Auftrag in LA, Mulder war ganz offiziell ihr Partner. Warum konnte sie nicht ein Mal ein gutes Gefühl bei so einer Sache haben?


Maritim Hotel, Los Angeles

Dienstag, 22.06.1993 14:00 h


Ich bin froh das wir dieses Mal ein Zimmer gemeinsam haben und niemand mein Handy haben will.“ Sie hatten ein Zimmer im fünften Stockwerk des Hotels. Nettes Bett, gemütlich eingerichtet, aber kein Vergleich zum Hilton. Es war etwas klein das Zimmer. Die ‚keine Technik’ – Regel in Vegas jagte ihm immer noch einen Schauer über den Rücken. Scully war nicht besonders glücklich das er zugestimmt hatte, aber die Sonne hier in Kalifornien hat ihre Stimmung wieder etwas angehoben. Besonders nach dem er ihr einen Trip nach San Diego versprochen hatte um ihren Bruder Bill und seine Ehefrau Tara zu besuchen. Sie waren in der Gegend und konnten genauso gut von dort nach Hause fliegen. Er freute sich nicht gerade auf Bill, aber wenn es Scully glücklich machte, war er zufrieden. „Erinnere mich nicht daran. Ich weiß noch welches Gesicht du gemacht hast, als ich den Computer ohne Kampf in Vegas abgeben habe. Wir haben noch etwas Zeit. Das Treffen mit Alex ist erst um 17:00 Uhr. Unsere Freunde vom LA Büro treffen wir morgen früh zum Brunch. Was willst du als erstes machen?“ Drei Stunden, nicht gerade viel Zeit um sich weit vom Hotel zu entfernen. „Ich möchte gerne mehr vom Hotel sehen und mit den Sicherheitsleuten vom Hotel reden. Die große Show beginnt erst Samstag, da bleibt uns nicht mehr viel Zeit.“ Sie nickte, ein Blick hinter die Kulissen solange sie leer sind, konnte nichts schaden. „Einverstanden. Las uns ein Blick auf den Catwalk werfen.“ Sie konnte sich ein kichern nicht verkeifen. Die Aussicht ihn als Model zu sehen war wohl zu verlockend. Nach seiner Meinung war Scully zu einfach davon gekommen. Sie war Ärztin und somit für die medizinische Betreuung der Teilnehmer zuständig. Mulder trat auf diesen Event als Valais Model auf, deshalb musste er heute noch Alex Werke anprobieren.


Er wollte ein Gefühl für seine Umgebung bekommen, es konnte nichts schaden das Schlachtfeld zu kennen bevor man in die Schlacht zog. Er hatte die Unterlagen über diesen Fall studiert und nahm die Bombendrohung ernst. Spezialisten der LAPD durchsuchten bereits seit Montag einmal täglich die Austragungsorte mit Spürhunden nach Sprengstoff um das Anbringen während der Aufbauarbeiten zu erschweren. Das Sicherheitspersonal war verdoppelt und zusätzliche Sicherheitskameras waren installiert worden. Die Behörden waren der Ansicht mit erhöhter Sicherheit und Polizeipräsenz die rechtsradikalen abschrecken zu können. Mulder wagte dies zu bezweifeln. Es ging ihnen um die Aufmerksamkeit, ihre 15 Minuten Ruhm in den Nachrichten, diese Chance war zu verlockend um sich von einer Handvoll Polizisten und ein wenig Elektronik abschrecken zu lassen. So hatte er eine Menge Arbeit vor sich. Ein Profile zu erstellen war sein erstes Ziel. Er würde sich mit den Opfern dieser rechts gerichteten Gewalt unterhalten und die Tatorte besuchen. Agent White hatte sich bereits bereit erklärt ihn morgen zu fahren. Scully würde sich mit Agent French im Büro an eine Liste möglicher Verdächtiger ran wagen. Sie hätten dann drei Tage um die Liste zu verkleinern, in der Hoffnung das unsere SOBs dem Gesetz schon einmal aufgefallen sind.


Sie gingen gemütlich das Hotel ab, besuchten den Pool, den Fitnessbereich, die Umkleidekabinen der Teilnehmer und den Saal wo die Modenschau und Mr. Wahl ausgetragen werden. Der Aufbau war immer noch im gang und Mulder konnte nicht verhindern das er den Leuten das ein oder andere Mal im Weg stand. So konnte er die Welle von Erleichterung die ihn auf den Weg nach draußen förmlich überschwappte verstehen. Das Gespräch mit Typen von der Sicherheit lief nicht ganz wie erwartet. Sie waren sich ihrer Sache sicher und fasten die beiden Agenten aus Washington als überflüssig, störend auf. Dem entsprechend war die Begegnung nicht gerade herzlich und aus gesprochen unkooperativ gewesen. Natürlich hatte es auch an seinem Auftritt in einer khaki Hose, Turnschuhe und weißem Poloshirt liegen können. Sein Aussehen entsprach nicht gerade FBI Dresscode. Scully schaffte es aber irgendwie an einen Satz Blaupausen vom Hotel zugelangen. Wenigstens etwas, das sie gut gebrauchen konnten. So vergingen die drei Stunden schnell.


Maritim Hotel, Los Angeles

Dienstag, 22.06.1993 18:45 h


Können wir nicht endlich eine Pause machen?“ Mulder traute sich nicht nach dem Ende dieser Tortur zu fragen. Seit fast zwei Stunden waren sie jetzt mit Alex und zwei seiner Assistenten beschäftigt Kleidungsstücke an zu probieren. Mulder hatte bereits aufgehört zu zählen wie oft er von einer Stecknadel gestochen wurde, weil irgendetwas nicht richtig saß und für Änderung abgesteckt wurde. Soviel konnte ein einzelner Mann doch unmöglich in drei Tagen entworfen und angefertigt haben. Dennoch wirkten die meisten Stücke als wären sie direkt für ihn gemacht. Die Größe stimmte, selbst die Farben passten zu ihm. Sie jammerten nur das seine Augen nicht Rehbraun sind sondern zwischen grün und braun wechselten je nach Licht und Stimmung. Sie konnten froh sein das er immer noch nicht seine Geduld verloren hatte, sonst hätten sie sich über ein stürmisches Grau in seinen Augen aufregen können. Wie konnte es möglich sein von Montag bis jetzt 10 verschiedene Outfits für ihn zu schneidern? „Beruhig dich Mulder, nur noch zwei zum anprobieren.“ Versuchte ihn Scully zu beruhigen. Sie machte keinen Hehl daraus wie sehr sie die private Show genoss. Seine Frau saß da mit einem Glas Sekt und schaute gespannt zu wie er vor ihren Augen gequält und herum geschupst wurde. Das wo er Nadeln so sehr mochte. Sie hatte leicht reden, niemand piekste sie mit spitzen Stecknadeln. Nur noch zwei Outfits, dann würde der Spuk vorbei sein. Alexander hatte sich noch nicht entschieden welche 5 aus den 10 Kostümen, er auf dem Laufsteg präsentieren würde. Er wollte auf alle Fälle noch ein paar Änderungen machen und drohte Freitag mit einer weitern Tortur… äh Anprobestunde. Mulder wusste noch keinen Weg um dies zu vermeiden, rechnete aber nicht mit seinem Glück die Täter bis dahin Dingfest gemacht zu haben.