Kapitel 8 „Fröhliche Weihnachten“


Scully’s Haus, Baltimore

Montag, 21.12.1992 9:00 h


Mulder war erleichtert. Er hatte sich mal wieder um sonst Sorgen gemacht. Scully’s Eltern waren nett. Mrs. Scully hatte er bereits kennen gelernt, aber Mr. Scully hatte er bis gestern nur von dem was er über ihn gehört hatte gekannt. Er war aufgeregt gewesen ihren Vater zu treffen und war von der Idee ein ‚Gespräch unter Männern’ zu haben nicht besonders angetan. Kurz gesagt er hatte sich gefühlt als würde er seine Verabredung für den Abschlussball an der Highschool abholen. Was beinahe fatal gewesen wäre, weil er beim Anblick des alten Navy Kapitäns sich beinahe nicht nur gefühlt sondern auch ausgesehen hätte wie ein Highschool Junge. Es Dana gewesen die ihn noch einmal gerettet hat. Die Begrüßung im Scully Haus war dennoch herzlich gewesen und er war relativ schnell auf getaut und konnte sich entspannt mit dem älteren Ehepaar unterhalten. Er kam sich hier von als würde er tatsächlich zur Familie gehören und wäre nicht gerade zum ersten Mal in diesem Haus. Er teilte sich ein Zimmer mit Dana. „Wir leben in den Neunzigern.“ War Mrs. Scully’s einziger Kommentar als ihr Mann und Mulder das Gepäck aufs Zimmer brachten. Das war seine zweite große Sorge gewesen. Er hatte Angst wenn Scully nicht bei ihm war. In ihrer Gegenwart fühlte er sich sicher und er musste sich über die Nacht keine Sorgen machen. Sie war da und würde da sein wenn er ein bösen Traum hat, er würde ihre Wärme spüren und wissen das er nicht allein war. Sie war bei ihm und die Welt schien ein hellerer Ort zu sein. Wie konnte eine Frau das schaffen?


Jetzt saß er am Frühstückstisch und aß Mrs. Scully’s köstliche belgische Waffeln. „Die sind ihn großartig gelungen, Mrs. Scully.“ Meinte er nach dem er seine erste Portion gegessen hatte und überlegte ob er vielleicht nach einer weiteren Ladung fragen sollte. „Maggie, Fox. Nenn mich doch einfach Maggie.“ Er brauchte nicht fragen sah nur wie sich sein Teller aufs Neue füllte. „Danke, Maggie.“ Er lächelte wie ein Honigkuchenpferd beim Anblick der leckeren Waffeln. Mr. Scully las die Tageszeitung am Tisch, während Dana neben ihm saß und ihren Kaffee zu Ende trank. Bei ihm zu Hause war Frühstücken im Kreis der Familie schon immer selten und nach Sams Entführung nicht mehr existent gewesen. Hier bei den Scullys zu sitzen kam ihm da etwas merkwürdig, ungewohnt vor. Es gefiel ihm, zu mal seine eigenen Vorstellung von Frühstück ein kurzer Stopp im Kaffeeshop war wo er sich seinen Kaffee holte und vielleicht noch etwas Essbares dazu. Die Araber hatten diese Angewohnheit geändert und im Hotel dafür gesorgt das Frühstück wie alle anderen Mahlzeiten pünktlich geliefert wurden, wenn er anwesend war. Wenn er nicht selbst bestellte, dann wurde automatisch die jeweilige Tagesempfehlung geliefert. Allein essen war nicht wirklich empfehlenswert, aber das was er meistens machte. So genoss er jetzt die Gesellschaft.


Habt ihr schon Pläne für heute gemacht?“ wollte Mr. Scully wissen als er die Zeitung faltete und auf den Tisch legte. Die anderen Scully Geschwister wurden am 23. und 24 erwartete, weil Scully meinte das Mulder etwas Luftveränderung gut tun würde waren sie schon früher gekommen. „Noch nicht wirklich, Sir.“ Antwortete er und schaute Dana an ob sie vielleicht einen Einfall hatte. „Wir können beide etwas Ruhe gebrauchen, so dachte ich ein kleiner Stadtbummel und viel Zeit auf der Couch sind heute angesagt.“ Scully’s Idee klang für den ersten Augenblick nicht gerade berauschend. Mulder würde sich aber nicht daran stören, er war Müde und nicht wirklich in Stimmung für Menschen die noch mehr Verwirrung zu dem was in seinem Kopf vorging beitragen würden. Scully hatte ihn letzten Donnerstag und Freitag an Orte mit genommen wo sich Leute in der Regel amüsieren und die Stimmung hatte ihm gut getan, aber im Augenblick wollte er nur Verarbeiten und da störte es ihm eher. So war er Dankbar das Scully einen ruhigen Tag habe wollte.


Hafen, Baltimore

Montag, 21.12.1992 10:30 h


Scully war erleichtert. Das erste zusammentreffen ihrer Eltern mit Mulder war überstanden und es sah viel versprechend für die kommenden Tage aus wenn ihre drei Geschwister ankommen würden. Bill Junior und Tara seine Ehefrau würden ein Tag früher als Missy und Charlie kommen. Ihre beiden Brüder waren in die Fußstapfen ihres Vaters getreten und beide bei der Navy. Bill war in San Diego stationiert während Charlie zurzeit im Mittelmeer sein Unwesen trieb. Charlie und Mulder werden bestimmt mit einander klar kommen aber Bill? Ihr großer Bruder hatte bisher an jedem ihrer Freunde etwas aus zu setzen und es zur Kunstform erhoben ihre Freunde zu vergraulen. Ihre ältere Schwester Missy war das schwarze Schaf der Familie und zurzeit Besitzerin eines Esoterikladens in New York. Dieses New Age Zeug hatte sie voll im Griff. Mulder wird mit ihr wohl auf einer Wellenlänge schlagen, das machte Scully ein wenig angst. Ihre große Schwester war mehr als einmal Konkurrenz um die Gunst eines Jungen gewesen. In der Highschool waren sie sich des Öfteren in die Quere gekommen und Missy war meistens die Siegerin gewesen. Es schien eines ihrer Hobbies zu sein Dana die Männer vor der Nase weg zu schnappen. Das waren nicht die besten Aussichten, dennoch blieb sie Optimist. Ihre Familie sollte den Mann kennen lernen den sie liebte, das war ihr wichtig.


Hier im Hafen zu stehen, aufs Wasser zu schauen und Schiffe beobachten, brachte innere Ruhe mit sich. Die Luft war kalt so hatte sie einen guten Grund dicht an Mulder gelehnt zu stehen, seine Arme um sie geschlungen, sein Kopf auf ihre Schulter gelehnt. Es war angenehm in seinen Armen zu liegen. „Wenn Dir kalt ist, dann sollten wir uns vielleicht wieder auf den Weg machen.“ Flüsterte er ihr ins Ohr. „Noch ein paar Minuten. Es gibt hier in der Nähe ein nettes kleines Cafe, dort können wir uns dann aufwärmen.“ Es war nicht die Aussicht die sie genießen wollte, sondern Mulder. Sie könnte so Stunden verbringen und freute sich schon auf später wenn sie es sich auf der Couch bequem machen würde. Für ihren Geschmack verbrachten sie einfach viel zu wenig Zeit mit einander.


Strasse, Baltimore

Montag, 21.12.1992 13:00 h


Das Essen war gut.“ Er reibt sich den Bauch und lächelt sie an, bevor er sich streckt. Das gedämmte Licht im Lokal hatte ihn in der Tat etwas Müde gemacht und der volle Magen trug einiges dazu bei. Das Strecken half ein wenig die Müdigkeit aus seinen Knochen zu kriegen und er fragte sich wann er so ein Weichei geworden ist. „Ich hab es gesehen Mulder. Musstest du dir noch einen Zweiten bestellen? Die Dinger sind viel zu fettig und ungesund. Sie erhöhen das Risiko an einem Herzinfarkt zu sterben.“ Scully machte sich über alles Sorgen, aber dies war echt unbegründet. „Herzinfarkt ist das letzte über das ich mir Sorgen machen muss. überfettet ja, aber Herzinfarkt Scully“ Er kämpfte mit sich nicht laut los zu lachen. „Das ist ein Punkt. Aber Schwabbel- Massen können zu ersten Problemen beim Kämpfen führen.“ Sagte sie vollkommen ernst und vor seinen Augen lief eine dieser billigen B- Komödien ab. Fatty der fällt und nicht aus eigener Kraft hoch kommt und so für die Lacher sorgt. Ne so weit würde er es bestimmt nicht kommen lassen. „Scully, du glaubst ich werde Fett?“ Er hatte einen leicht beleidigten Ton und diesen getretenen Dackel Blick. „Nun ich glaube nicht das Armani Übergrößen fertigt.“ War ihre etwas fiese Antwort und damit die Eröffnung für ihre nächste Debatte.


Sie gingen die Strasse entlang, neckten sich gegenseitig und waren in ihre Welt versunken, in der es nur den anderen gab. Erst der Kontakt zu einer Wand von erhöhter Wut, Hoffnungslosigkeit und mehr brachte ihn zurück in die Realität. Sie waren immer noch in der Nähe des Hafens, keine Shopping mile sondern eher ein Industriegebiet. Vor den Toren einer Fabrik wurde protestiert. Die Zeitung von heute Morgen viel ihm wieder ein. Die mögliche Schließung einer Motorenfabrik sorgte zurzeit für Schlagzeilen. Das musste die im Artikel beschriebene Firma sein. Es war fast schmerzhaft für ihn hier zu stehen und er konnte sie nicht aus seinem Kopf halten, aber genauso wenig konnte er sich umdrehen und gehen. „Entschuldigen sie, aber was genau ist hier los?“ fragte er einen der Demonstranten. „Irgendwelche Schlips- Träger wollen uns unsere Arbeit nehmen. Das ist hier los.“ Mulder zuckte zusammen bei diesen Worten. Die Empörung die mit jedem Wort mit schwank war wie ein Nadelstich der ihn quälte. Die Reaktionen waren heftig und seine eigene Verteidigung zu schwach. Scully hatte es scheinbar bemerkt weil sie versuchte ihn weg zu ziehen. Aber er schüttelte ihre Hand ab. Machte deutlich das er noch bleiben wollte. Er kämpfte sich durch die Masse, Richtung Eingang und verlangte den Geschäftsführer zu sprechen.


Scully blieb bei ihm und versucht ihn so gut es ging von den Blicken der Demonstranten ab zu schirmen. Ihre Wut schien sich jetzt gegen Mulder zu richten, weil sie ihn für einen ihrer Feinde hielten. Dabei sah Mulder in Jeans, Sweater und Lederjacke nicht wie einer dieser Bürotypen aus. Er könnte glatt als normaler Angestellter durch gehen. Man hatte zu erst Einwände ihn passieren zu lassen, aber seinem Charme waren selbst die Türsteher unterlegen als er sich den Weg hinein redete. Sie hielt ihn vermutlich für einen harmlosen Spinner. Die Sekretärin empfing sie freundlich und meldete sie ohne wieder Worte an. Sie schien nicht einmal den Versuch zu machen ihn ab zu wimmeln. So lächelte er sie nur freundlich an und führte Scully wie ein Gentleman ins Büro des Fabrikbesitzers. Seine Hand war wie so oft auf dem schmalen unteren Stück ihres Rückens, als er sie führte. Sie hielt sich im Hintergrund über ließ ihm die Führung, auch wenn sie nicht wusste was er vorhatte. Das war seine Scully. „Guten Tag. Meine Name ist Mulder und das ist eine Partnerin Dana Scully.“ Stellte er sich und Scully vor. Sie lächelte ihn an als er das Wort ‚Partnerin’ verwendete und drückte ihm bestätigend die Hand. „Freut mich sie kennen zulernen. Ich bin Mark Simons der Geschäftsführer. Was kann ich für sie tun?“ Auch von ihm ging eine gewisse Resignation aus.


Ich weiß das es mich nichts angeht, aber ich würde trotzdem gerne wissen was hier vor sich geht. Ihre Angestellten sind zu verärgert um sich zu genaueren Erklärungen hin reißen zu lassen.“ Mulders Neugierde hatte scheinbar mal wieder die Oberhand gewonnen. „Dies ist ein altes Familienunternehmen. Mein Großvater hat es an meinen Vater und er vor ein paar Jahren an mich weiter gegeben. Jetzt wollen uns irgendwelche Geschäftsleute aus dem Geschäft drängen. Diese Firma kaufen und einfach Stück für Stück weiter verkaufen. Ich vermute sie haben es auf das Land abgesehen. Meine Mitarbeiter sind ihnen dabei vollkommen egal. Ich würde sagen das ist hier los.“ Sarkasmus schwang deutlich mit der letzen Bemerkung. „Wie genau zwingt man sie ihr Geschäft zu schließen?“ Der Mann stutzt etwas bei dieser Frage, aber er hielt Mulder wohl für einen Reporter und ließ sich deshalb auf dieses Gespräch ein. „Wir haben Aufträge. Ich versichere ihnen unser Auftragsbücher sind voll bis fast Ende des nächsten Jahres. Uns fehlen aber die finanziellen Mittel. Man blutet uns regelrecht aus. Sie zwingen uns Kredite die wir auf genommen haben vorzeitig zu begleichen. Mal abgesehen davon das wir nicht soviel Geld flüssig haben würden uns dann die Mittel fehlen um unsere Lagerbestände für die Produktion auf zu füllen. Unsere Investoren werden weiniger, sind mit Gerüchten und Versprechungen regelrecht vertrieben worden.“ Er fasste kurz die Lage zusammen, während Mulder und Scully aufmerksam zu hörten. Es klang alles recht undurchdringlich und höchst illegal. Gewiss keine X Akte, aber ein Fall der Wirtschaftskriminalität um den sich eine andere Abteilung des FBI kümmern würde.


Wie hoch ist die Summe die man aktuell von ihnen zurück verlangt?“ Mulder hatte genug gehört und war der Meinung das sich hier durch aus was machen lässt. Bis FBI oder sonst wer den Fall gelöst haben wäre dieses Unternehmen längst Geschichte. „4,5 Millionen fällig bis Ende dieser Woche.“ Das war in Mulders Augen Verhältnis mäßig wenig. Er hatte letzte Woche mehr verdient. „Darf ich ihr Telefon benutzen?“ Er erklärte nicht warum und Simons nickte nur bestätigend und zeigte wo das Telefon stand. Scully schaute ihn nur fragend an die rechte Augenbraue leicht angezogen. Er kannte die Nummer aus dem Gedächtnis und er hatte Glück der Teilnehmer war noch nicht in Weihnachtsurlaub gegangen. „Guten Tag Mr. Roberts. Ich bin es Mulder. Könnten sie mir einen kleinen Gefallen tun?“ Mulder lächelte der Banker war Geschäft wie immer: „Was kann ich für sie tun Mr. Mulder?“ Meinte der andere höflich. Mulder hatte inzwischen die Freisprechanlage eingeschaltet so das auch die anderen im Raum das Gespräch mitverfolgen konnten. „Nichts Schlimmes nur ein paar Transaktionen. Ein paar Kredite müssen abbezahlt werden und ich möchte dies als zinsloses Darlehen über meine privaten Konten laufen lassen. Lässt sich das einrichten?“ fragte Mulder den Mann am Telefon ohne auf Scully oder Simons zu achten, deren Augen gerade Comichaft hervor standen. „Natürlich Mr. Mulder. Ich kann die Transaktionen für sie durchführen und die Verträge als zinsloses Darlehen in ihren Auftrag mit dem Empfänger abschließen. Sie können ruhig alles über unsere Bank laufen lassen. Ich müsste aber wissen wie hoch die Summe ist die sie investieren wollen?“ Okay Mr. Roberts könnte das geschäftliche klären. „Ein Investition von cirka 4,5 Millionen Dollar. Das Geld muss aber noch in dieser Woche ausbezahlt werden, da die Kredite schon am Freitag fällig sind. Ich schlage vor ich geben ihn jetzt Mr. Simons. Er wird ihnen alles Weitere erklären.“ Mulder schaute den Mann an und er schluckte leicht. Stimmte aber dem Gespräch zu. „Ich werde mich selbstverständlich darum kümmern Mr. Mulder.“ Stimmte der Banker zu. „Danke Mr. Roberts. Ich verabschiede mich dann und überlasse sie Mr. Simons. Wenn etwas ist, sie wissen wie sie mich erreichen können?“


Natürlich. Wenn etwas sein sollte werde ich mich melden.“ Verabschiedete sich Mr. Roberts von Mulder. „Ich lasse sie jetzt allein um das Geschäftliche zu klären. Aber ich schlage vor das sie sich im Januar bei mir oder meinem Verwalter für ein weiteres Gespräch melden.“ Er reichte dem Mann eine seiner Geschäftskarten und wünschte ihnen noch einen schönen Tag, bevor er und Scully den Raum verließen. „Das war wirklich eine Überraschung.“ Meinte Scully nur, auch sie hatte nichts dagegen den Leuten hier zu helfen. 150 Familien war von dieser Schließung betroffen und das vor Weihnachten. Keine schöne Vorstellung so die Feiertage verbringen zu müssen. Sie umarmte ihn und harkte sich dann bei ihm ein. Sie war scheinbar sehr Stolz auf ihren Mulder. „Ist doch nur Geld.“ Er lächelte und sie verließen das Gebäude als wenn nichts gewesen wäre.


Scully’s Haus, Baltimore

Dienstag, 22.12.1992 9:00 h


Sie saßen wieder am Frühstückstisch und konnten beide die Schlagzeile auf der Titelseite sehen. ‚Investor aus Washington rettet Fabrik vor dem Aus!’ Scully lächelte ihn nur an sagte aber nichts weiter. Er war froh das er helfen konnte, natürlich wussten sie beide das dies nur eine vorübergehende Lösung war. Er konnte die Übernahme diese Mal aufhalten, aber er würde sein Lieblings Knicks Shirt darauf verwetten das sie es wieder versuchen werden. Nein wenn das Unternehmen dauerhaft im Geschäft bleiben sollte, würde er sich erst um diese dubiose Investorengruppe kümmern müssen. Mulder sah da kaum Probleme, nichts was bis nach Weihnachten oder Neujahr warten konnte. Er würde Akim bitten mehr über diese Geschäftsmänner in Erfahrung zu bringen, denn jetzt wo er sich eingemischt hatte, konnte es gut sein das man auch ihn aufs Korn nimmt. Es würde bestimmt lustig werden.


Kath. Kirche, Baltimore

Donnerstag, 24.12.1992 23:55 h


Die Scully Familie war nun vollzählig und sie alle waren gemeinsam zum Mitternachtsgottesdienst gegangen. Charlie und Melissa waren ganz okay und er hatte sich prima mit ihnen verständigen können. Tara war etwas zurückhaltend gewesen, was wohl an ihrem Ehemann Bill Jr. lag mit dem Mulder wohl nie klar kommen wird. Der Mann war ein rechthaberischer Bastard, der glaubt die Weisheit für sich gepachtet zu haben und alles besser wusste. Sie hatten sich gesehen und gehasst. Dieses Gefühl war beidseitig. Der Mann war der Einzige der geschockt reagierte als Dana beim Essen von ihren Verlobungsplänen erzählte. Bill nannte Mulder einen reichen Schnösel, der nur durch Mammi und Daddys Kohle lebte und sich allein wahrscheinlich nicht einmal den Hintern abwischen kann. Darauf war er mit Dana in einen Streit geraten den erst Mrs. Scully schlichten konnte. Dana’s feuriges irisches Temperament war auch nicht zu verachten und Mulder nahm sich vor sie niemals so wütend zu machen. Man durfte nicht vergessen diese zierliche junge Frau war eine FBI Agentin mit einer Knarre. Ihr fehlte es gewiss nicht mehr an Selbstbewusstsein.


Sie saßen nun beide nebeneinander in der Kirche und hielten sich an den Händen. Sie war immer noch wütend auf Bill und würdigte ihm keines Blickes. Mulder fragte sich was Bill wohl später sagen wird, wenn er erfährt das er sich mit Scully das Zimmer teilt. Ob er vielleicht des Friedens willen auf die Couch ins Wohnzimmer zieht? Oder besser ein Hotelzimmer nimmt? Er wollte nicht das man sich seinetwegen in der Scully Familie streitet. Das alles war seine Schuld und es war vielleicht besser geht. Scully hat ein schönes Weihnachtsfest im Kreis ihrer Familie verdient. „Mulder? Hör auf damit. Egal was du denkst es ist nicht deine Schuld.“ Er schaute sie jetzt an wie ein fünf Jähriger den sie beim Griff in die Keksdose erwischt hat. „Aber ihr habt euch gestritten und ich habe euch den Abend ruiniert.“ Er flüsterte leise so das sie ihn kaum verstehen konnte. „Das stimmt nicht Mulder. Du hast keine Schuld. Bill wollte Streiten und er hat etwas gefunden was diesem Zweck diente. Wärst du nicht da gewesen hätte er vielleicht über Charlies, Missies oder meine Karriere gestritten. Es ist nicht deine Schuld, Mulder!“ Sie drückte seine Hand und küsste ihm dann leicht verstohlen auf die Stirn. Sie störte sich nicht daran das sie in der Öffentlichkeit waren, im Gegensatz zu Mulder der aus Verlegenheit leicht Farbe im Gesicht bekam.


Der Pater hielt seine Ansprache und Mulder hörte nur zu. Seine Eltern hatten sich nie viel aus Religion gemacht, erst in Oxford hatte er zum erstmal an einer Messe teilgenommen. So war er ein wenig vertraut, zog es aber vor nur stiller Zuhörer während dieses Gottesdienstes zu bleiben.


Scully’s Haus, Baltimore

Freitag, 25.12.1992 9:00 h


Dieses Mal saßen sie nicht pünktlich Neun Uhr am Frühstückstisch sondern hatten sich im Wohnzimmer beim Weihnachtsbaum versammelt. Es war Zeit die Geschenkt aus zu packen und jeder bekam der Reihe nach die Gelegenheit seine Geschenke unter dem Weihnachtsbaum vor zu holen und sie zu überreichen. Mulder hatte mit Scully Geschenke für ihre Eltern ausgesucht. Bei den Geschwistern hatte er sich nicht eingemischt. Er sah zu wie die Geschenke von Hand zu Hand gingen und schnelle Finger die Päckchen öffneten. Sie hatten für Mr. Scully ein Modellbaukasten der US Enterprise, den Flugzeugträger nicht das Raumschiff mitgebracht. Der Mann war leidenschaftlicher Modellbauer und liebte es Schiffe nachzubauen. Mit diesem Kasten würde er bestimmt viele Stunden Spaß haben. Für Mrs. Scully war es etwas schwerer gewesen etwas Passendes zu finden. Die Frau hatte wenig Hobbys neben ihrem Haus, dem Garten und Kochen. So hatte Mulder eines von Rike’s selbst hergestellten Kochbüchern beigesteuert und mit Scully zusammen etwas für den Garten ausgesucht. Gartenzwerge, eine Idee die sie von Roy hatten, diese Figuren waren in Deutschlands Gärten echt beliebt. Zumindest musste Mrs. Scully beim Anblick der beiden lachen. Sie fand das der eine mit der Zeitung Ähnlichkeit mit ihrem Ehemann hatte.


Dana gab danach ihren Geschwistern ihre Geschenke. Ein Buch für Melissa, ein Seidenhemd für Bill und für Charlie eine Art Restaurant- Gutschein. Scully wusste das ihr Bruder morgen eine Verabredung mit seiner Freundin hatte. Ein kleines romantisches Dinner bei Kerzenschein konnte da nicht schaden. Die Karte enthielt die Reservierungen die sie für den Abend gemacht hatte. Sie wünschte ihrem kleinen Bruder viel Glück. Danach kam sie zurück zu Mulder und reichte ihm ein Päckchen. Er öffnete es vorsichtig. Zum Vorschein kam ein Knicks T- Shirt und Mulder’s Gesicht erstrahlte beim Anblick. Wie hat sie das geschafft? Da waren wirklich die Autogramme von allen Spielern zu sehen, selbst die von der Reservebank. „Ein alter Freund ist jetzt Sportarzt in New York und was soll ich sagen seine Beziehungen sind nicht die schlechtesten.“ Wow, er wusste für einen Augenblick nicht was er sagen soll. „Danke.“ Meinte er nur noch immer fast sprachlos und küsste Scully auf die Wange. ER legte sein T- Shirt zur Seite und reichte Scully ihr Geschenk. Es war nicht wirklich etwas Besonderes und er war sich nicht sicher was sie davon halten wird. Er kam nicht weiter sich sorgen zu machen wie Scully gefallen würde was sie sah. Das kleine Päckchen war offen und sie schaute den Inhalt nur an. Ihr schien das goldene Medallion offenbar zu gefallen. Es war oval mit einer glatt polierten glänzenden Oberfläche und am unteren Rand war ein vierblättriges Kleeblatt zusammengesetzt aus vier herzförmig geschliffenen Smaragden.


Danke Mulder.“ Sie küsste ihn wie er es vor getan hatte auf die Wange und umarmte ihn dann. Als sie das Medalion öffnete sah sie ein Bild von sich und Mulder. Sie konnte sich an den Tag erinnern. Das war als sie beide in New York waren um sich ein Spiel der Knicks an zu sehen, Adams Geburtstagsgeschenk. Sie machte sich nicht viel aus Basketball deshalb konnte sie sich nicht einmal mehr erinnern gegen wenn sie gespielt hatten. Sie wusste nur das ihr Mulder begeistert wie ein kleiner Junge gewesen war. Sie hatte ihn selten so fröhlich, lebhaft gesehen. Das war ein Mulder gewesen den sie bis dahin noch nicht gekannt hatte und häufiger sehen wollte.


Scully’s Haus, Baltimore

Freitag, 25.12.1992 11:25 h


Was habt ihr für Morgen geplant?“ Missy war immer so Neugierig. „Wir fliegen nach New York. Er hat Karten für eine der Broadway- Vorführungen besorgt. Ein romantisches Candlelight Dinner und die Nacht in einem von New York besten Hotels.“ Dana schaute ihre große Schwester an. Sie schaute nicht auf, war immer noch beschäftigt das Gemüse zu schneiden. Trotzdem glaubte Dana die Räder in Missy’s Gehirn in Bewegung zu sehen. „Wird er die berühmte Frage stellen?“ Sie grinste Dana an und ihre Augen hatten ein wissendes funkeln. „Ja. Wir haben Morgen als unseren Verlobungstag geplant.“ Auch Dana konnte nicht verbergen wie glücklich sie war. Sie hatten bereits mit ihren Eltern darüber gesprochen. Mulder war in manchen Dingen etwas altmodisch und wollte vor der Verlobung die Einwilligung ihrer Eltern einholen. So hatte er Dienstagabend Ahab um die Hand seiner Tochter gebeten. Ihre Eltern hatten ihn dann ein wenig ins schwitzen gebracht und ihn gegrillt als wäre er ein grüner Highschool Junge. Scully hatte sehen können wie sehr es ihrem Vater Spaß machte und es war ihre Mutter gewesen die ihrem zukünftigen Schwiegersohn zur Rettung kam. Ahab war ein wenig darüber verärgert das Mulder sie in ihrer Berufswahl unterstütze. Er hatte es einfach nicht lassen können, er musste dieses Thema zur Sprache bringen. Doch Mulder hat voll zu ihr gestanden und sich für sie eingesetzt. Das brach das Eis zwischen ihrem Vater und seinem zukünftigen Schwiegersohn. So hatte er sich in einer Nacht nicht nur ihr Herz sondern auch das ihrer Eltern gewonnen.


Du lässt ihn nicht etwas in der Luft zappeln?“ mischte sich nun Tara ein die sich gerade um den Teig für den Nachtisch kümmerte. „Niemals. Das wäre zu riskant gewesen, nicht war Dana?“ Missy kicherte, sie schien zu wissen wovon sie sprach. „Nein, niemals. Er hat eine Menge durchgemacht, Mulder braucht Klarheit. Für jemanden der so brillant ist, kann er in manchen Dingen ganz schön begriffsstutzig sein.“ Sie konnte es manchmal selbst nicht glauben, Mulder war sich seiner selbst nicht sicher. Sie könnte jedem der ihn so verletzt hat vor Wut die Augen auskratzen. „Er wirkt auf mich nicht als hätte er Probleme mit Frauen. Er sieht aus als könnte er jeden Tag eine andere haben.“ Tara hatte in diesem Punkt Recht, viele dachten so. „Das könnte man glauben. Ist aber nicht der Fall. Wie gesagt er hat eine Menge durchgemacht.“ Wie sollte Dana das erklären? Sie wusste schließlich auch nicht alles. Mulder war sehr verschlossen und redete nicht über diese Dinge. Die wenigen Fakten die sie hatte waren von ihr mühselige an die Oberfläche gezerrt worden. Das meiste wusste sie von Adam. Er hatte es ihr anvertraut weil er sich sicher war das sie Mulder helfen wollte und Paris für vieles zu weit Weg war. Sie hatten sich somit zu Fox Wohl verbündet. Sie waren jetzt seine Familie, etwas das er in seiner Kindheit niemals hatte.


Was meinst du damit, Schwesterchen?“ Missy fing an sich Sorgen um ihre kleinen Schwester zu machen. War dieser Mulder vielleicht doch nicht der Richtige für ihre kleine Schwester? „Missy, ich weiß auch nicht sehr viel, er redet nicht oft über sich selbst. … Sagen wir mal ich hatte die zweifelhafte Ehre eine seiner Exfreundinnen kennen zu lernen. Sie war ein Miststück hoch zehn. Sie hatte ihn nach Strich und Faden ausgenutzt. Nach dem Sie hatte was sie wollte, hatte sie ihn wie eine heiße Kartoffel fallen lassen und sich den nächst besten gegriffen. Ich musste mit ihr Zusammen an einem Fall arbeiten, so kann ich bestätigen das sie genau der Typ von Frau ist.“ Nur der Gedanke an diese Frau machte sie wütend. Phoebe Green, sie hätte wirklich alles getan um sich bei diesem Fall ein paar Lorbeeren zu holen. Sie war kalt und berechnend, Scully konnte nicht verstehen wie Mulder an so eine Frau geraten konnte. „Er hat sich also verbrannt und scheut jetzt das Feuer.“ Missy ahnte nicht wie zutreffend dieser Kommentar war. In ihrer Stimme schwang aber Sympathie mit, so als hätte etwas gehört was sie auf irgendeine Art und Weise beruhigte. Dana wünschte das Mulder hier wäre, er könnte vielleicht heraus finden was es war. Er ist schließlich ein ausgezeichneter Psychologe.


Ja. Aber genug geredet, das Essen bereitet sich nicht von alleine zu und wir haben noch eine Menge vor uns.“ Dana kümmerte sich wieder um die Kartoffel die sie schälen sollte. Das gemeinsame Kochen der Scully- Frauen am ersten Weihnachtstag war inzwischen eine lieb gewonnene Tradition. Da Bill Jr. seine eigene Familie hat und Charlie wer weiß wo stationiert ist, sind Möglichkeiten wie diese selten. Alle versuchen sich wenigsten einmal im Jahr hier zu versammeln und dieses Jahr war es das Weihnachtsfest. Dana freute sich ihre Geschwister zu sehen und Zeit mit ihnen zu verbringen. Beim Kochen des Festessens waren die Frauen unter sich, konnten über Gott und die Welt reden während die Männer den Tag zusammen verbrachten und sich amüsierten. Auf den ersten Blick wirkte es ausgesprochen unfair, aber es glich sich wieder aus weil sich die Herren der Schöpfung nach dem Essen um den Abwasch kümmern mussten, während die Frauen gemütlich im Wohnzimmer saßen. Sie hoffte nur das Mulder mit den Scully- Männern zurecht kam. Besonders ihr großer Bruder Bill machte ihr dabei Sorgen und sie würde sich zu gern für ein paar Minuten aus der Küche stehlen um nach dem Rechten zu sehen. Die Versuchung war riesig. Ob sie vielleicht den Männern die Sandwiches bringen sollte?


Scully’s Haus, Baltimore

Freitag, 25.12.1992 18:05 h


Alle hatten sich am Tisch versammelt und das große Essen hatte begonnen. Man unterhielt sich über Familienereignisse, den neuen Präsidenten Clinton der im Januar sein neues Amt antreten wird, den neusten Tratsch. Im Prinzip nichts wo Mulder mitreden konnte. Für jemanden der an Schatten- Regierungen glaubte, konnte es eigentlich egal sein wer Präsident wurde. Nur eine neue Marionette mehr. So saß er nur da, hielt sich im Hintergrund und hörte Dana zu. Sie schien sich rege an den Gesprächen zu beteiligen. Ihr Vater machte den Versuch auch Fox mit ein zu beziehen, doch dieser Versuch ging mehr als daneben. Ahab wusste von seiner Tochter das er ‚Familie’ als Tabuthema betrachten konnte, so hatte er simpel gefragt wie Fox den 4. Juli verbracht hatte und wie ihm das Feuerwerk gefallen hat. Mulder war mehr als nur bleich geworden. Er schwieg, die anderen Gespräche am Tisch wurden plötzlich leiser und alle schien ihn anzuschauen. Erst als Dana beruhigend seine Hand drückte, gab er ein Antwort: „Ich war im Ausland, habe ein gutes Buch gelesen.“ Er hatte plötzlich keinen Appetit mehr und der Raum war so warm und warum viel ihm das Atmen plötzlich so schwer?


Dana, war sofort auf den Beinen und holte ihm eine Tüte aus der Küche. Er hyperventilierte, war mitten in einer Panikattacke. So heftig hatte er noch nie reagiert und sie machte sich Sorgen. Dana hatte geglaubt, dass er langsam über die Ereignisse hinweg gekommen war. Doch scheinbar hatte sie sich geirrt. Ihr Vater stand neben ihr und schaute sie nur entschuldigend an, er hatte wirklich keine Ahnung was er falsch gemacht haben könnte. Er und Charlie halfen Mulder zur Couch ins Wohnzimmer damit er sich etwas hinlegen konnte. Seiner Tochter gelang es nach einer Weile Mulder zu beruhigen. Sie gab ihm etwas zur Beruhigung und bestand darauf das er für ein paar Stunden liegen blieb. Erst als sie sicher war das er schlief kam sie zurück an den Esstisch. „Verzeiht. Es ist meine Schuld ich hätte vielleicht etwas früher sagen sollen. Er braucht etwas Ruhe, dann wird es ihm schon wieder besser gehen.“ Sie war noch nicht bereit etwas ohne Mulders Zustimmung zu erzählen. Ein Blick in das Gesicht ihres Vaters verriet ihr das er sich selbst Vorwürfe machte und verwirrt war, weil er nicht wusste was er gemacht hat. Sie konnte nicht anders, sie schuldete ihm zu mindesten eine Erklärung. „Mam, Dad ich weiß das wir euch eine Erklärung schuldig sind. Könnten wir das vielleicht unter uns besprechen?“ Sie wollte ihr Geschwister nicht vor den Kopf stoßen, konnte es ihnen aber noch nicht erzählen. „Sicher Liebes, las und ins Arbeitszimmer deines Vaters gehen.“ Meinte ihre Mutter nur und nahm sie kurz in die Arme bevor sie sich beide gemeinsam auf den Weg machten.


Sie saß mit ihrer Mutter auf der Couch während es sich ihr Vater den Stuhl von seinem Schreibtisch holte. Das Arbeitszimmer war schon immer sein Reich gewesen. Seine Zufluchtsstätte die selbst seine Frau nur ein zweimal im Jahr aufsuchte. „Dad, dich trifft wirklich keine Schuld. Ich hätte es nicht verschweigen dürfen.“ Entschuldigte sie sich bei ihrem Vater. Ihre Eltern blieben still als Dana von der Entführung erzählte und das Mulder glaubte einen seiner Entführer getötet zu haben. Natürlich blieb sie bei diesem Punkt bei der offiziellen Variante mit dem Herzanfall und das ihr Freund nicht wirklich Schuld am Tod des Mannes hatte. Sie hatte Angst das sich die Meinung ihrer Eltern über Mulder ändern würde, wenn sie die Wahrheit kannten. Ihre Mutter hielt sich geschockt eine Hand vor den Mund während ihr Vater nur da saß und die Tapete zu bewundern schien. „Der arme Junge und wie du gelitten haben musst. Warum hast du uns nicht angerufen? Wir hätten dir doch zur Seite gestanden.“ Maggie hielt ihre Tochter in den Armen und Dana konnte nicht mehr, ihre Fassade brach zusammen und sie weinte sich an der Schulter ihrer Mutter aus. „Ich kann es kaum glauben. Jemanden auf offener Strasse kidnappen und dann außer Landes verschleppt. Ich wäre nie auf die Idee gekommen das hier so etwas überhaupt möglich ist.“ Meinte ihr Vater, immer noch tief in Gedanken versunken. Zumindest hatte er jetzt eine Erklärung für das merkwürdige Verhalten seines zukünftigen Schwiegersohnes und es tat ihm ausgesprochen Leid diese Szene unbewusst verursacht zu haben.


In seinen Augen hatte dieses junge Paar mehr an Respekt gewonnen. Er freute sich das sein Starbuck endlich jemand gefunden hatte, doch wie jeder Vater war auch er besorgt. War er der Richtige? Würden sie auch in schweren Zeiten zueinander halten? Dieses Paar war definitiv Sturm erprobt und würde sicher in den Hafen der Ehe segeln. Er hatte sie zusammen gesehen, diese beiden jungen Leute waren bereits mehr verbunden als manches Ehepaar nach 25 Jahren Ehe und wie lange kannten sie sich? Ein Jahr? Er und seine Frau hatten bereits darüber geredet und Maggie meinte das diese Beiden eine besondere Bindung teilten. Sie waren die zwei Hälften eines Ganzen. Er glaubte normalerweise nicht an so etwas, aber in diesem Fall konnte er seiner Gemahlin nicht widersprechen. Es war ihm zu beginn schwer gefallen er war neugierig und wollte mehr über die Familie des Jungen wissen. Das Dana und Maggie ihm verboten haben ihn darüber aus zu quetschen war ein harter Schlag gewesen. Aber was machte man nicht alles, wenn einem die Ehefrau mit einer Nacht auf der Couch droht. So hatte er zugestimmt und die Tabuthemen für die nächsten Tage akzeptiert, schließlich würde es immer noch Tage geben an den er dies nachholen konnte. Jetzt hatte er jede Menge neue Fragen, er wusste das Fox Vater fürs Verteidigungsministerium arbeitet. Ob man versucht hatte über den Sohn an den Vater zu kommen? Könnte das eine Gefahr für seine Tochter sein? „Starbuck, hatte diese Entführungsgeschichte etwas mit seiner Familie zu tun? Wolltest du deshalb nicht das wir mit ihm über seine Familie reden?“ Wenn es um die Sicherheit seiner Kinder ging wollte er alles ganz genau wissen. „Nein, Ahab. Seine Familie ist nicht gerade wie aus dem Bilderbuch, nicht einmal annähernd so gut wie unsere. Er hat den Kontakt zu ihnen abgebrochen und möchte es dabei belassen. Die Entführung hatte nichts mit seinen Eltern zu tun.“ Dana wusste nicht was sie anderes sagen sollte. Sie kannte den Grund nicht und wie sich seine Eltern verhalten hatten, wollte sie nicht einmal ihren erzählen.


Was verheimlichst du uns, Liebes?“ presste ihre Mutter nach, so als würde sie mit ihrer achtjährigen reden, die gerade etwas angestellt hatte. „Mam. Ich kann das nicht erzählen. Es ist viel zu persönlich für Mulder.“ Versuchte sich Dana heraus zu reden doch wie früher hatte sie den Verhörmethoden ihrer Mutter nichts entgegen zu setzen. „Junge Dame, wenn es um die Sicherheit der Familie geht ist nichts zu persönlich.“ Mischte sich nun ihr Vater ein. „Fox war in seiner Familie immer das fünfte Rad am Wagen. Der Vater war streng und die Mutter abweisend. Als er zwölf war wurde seine Schwester entführt. Die Eltern waren an dem besagten Abend nicht zu Hause und Fox war für seine kleine Schwester verantwortlich gewesen. Nicht nur das die Polizei ihn für den Hauptverdächtigen hielten, seine Eltern gaben ihm die Schuld. Seine Mutter wandte sich dem Valium zu und verließ kurze Zeit später das Haus. Er blieb bei seinem Vater der sich dem Alkohol widmete und seinen einzigen Sohn jetzt mehr den je mit einem Punchingball verwechselt. Mulder ist dieser Hölle erst mit einem Stipendium nach Oxford entkommen. Selbst in Harvard hatte ihn seine Vergangenheit nicht in Ruhe gelassen. Das ist der Grund warum er nicht über diese Leute sprechen mag. Was die Entführung angeht, seine Mutter war auf einer Kreuzfahrt und sein Vater hatte einfach aufgelegt als ich ihn informierte.“ Eltern, Mutter, Vater waren Wörter bei den es ihr schwer viel sie in Zusammenhang mit diesen Leuten zu verwenden. Dana’s Eltern saßen jetzt still und bleich da. Sie wusste das diese beiden Menschen so etwas nie im Leben hätten machen können.


Du meinst er war als Kind misshandelt und vernachlässigt worden?“ fragte ihre Mutter nach, der Schock war ihr immer noch anzusehen. „Verbal und physisch. Da viele mit der Polizei einer Meinung waren, schauten die meisten in eine andere Richtung oder sie hatten einfach vor den Beziehungen seines alten Herren angst. Anders kann ich es mir nicht erklären das niemand versucht hatte etwas dagegen zu unternehmen. Er war Stammgast in der Notaufnahme. Ich habe es geschafft Einsicht in seine alten Unterlagen zu bekommen. Ein gebrochener Arm weil er angeblich mit dem Fahrrad gestürzt ist, da war er 5 Jahre alt. Gerade Mal zwei Monate später eine große Platzwunde an der Stirn weil er sich angeblich irgendwo gestoßen hat. Die Liste war endlos. Die Misshandlungen müssen angefangen haben als er gerade mal zwei oder drei Jahre alt gewesen war und sein Vater ihn statt mit der Hand mit dem Gürtel bestraft hat. Das ist zumindest was mir eine alte Frau aus seiner ehemaligen Nachbarschaft erzählen konnte. Sie hatte dem Jungen des Öfteren Zuflucht gewährt.“ Sie erzählten ihren Eltern alles was sie im April in Erfahrung bringen konnte, über die X- Akte seiner Schwester und vieles mehr. Es tat so gut sich das alles von der Seele reden zu können und mehr als einmal lag sie in den Armen ihrer Mutter.


Maggie hörte ihrer Tochter aufmerksam zu und konnte nicht verstehen wie ein Kind in so einer Umgebung überhaupt aufwachsen konnte. Noch dazu so ein sensibler intelligenter Junge wie Fox. Sie hatte den jungen Mann bereits bei ihrem ersten Treffen ins Herz geschlossen, jetzt war er einer von ihren Jungs. Sie hatte gesehen wie sich ihre Tochter seit dem Wechsel von Quantico zu ihrem neuen Büro verändert hat. Dana war selbstbewusster, bot ihrem Vater mehr die Stirn wenn es um ihr Leben ging. Kein Zweifel das Fox an ihrer Seite etwas damit zu tun hatte. Er gab ihr Kraft und Maggie konnte viel ruhiger Schlafen mit dem Wissen das Jemand nach ihrer Tochter Ausschau hielt und sie in allem unterstützte. Er war kein FBI Agent und konnte ganz sicher keine Wunder verbringen, aber Fox war für sie da. Was konnte eine Mutter mehr verlangen. Irgendwann während ihre Tochter sprach passierte etwas Merkwürdiges. Sie wurde plötzlich etwas Blass im Gesicht und sprang auf und stürmte aus dem Zimmer.


Dana hatte die ganze Zeit geredet und mit einem Mal ist ihr etwas Wichtiges eingefallen. Mulder lag im Wohnzimmer und schlief! In der Aufregung hatte sie vergessen das dies mit Abstand eine der dämlichsten Ideen gewesen war die sie je gehabt hat. Was wenn es bereits zu spät war und einer der anderen ihn so gesehen hat. Er wirkte so jung wenn er schlief, zu jung. Jemand könnte sich darüber wundern. Sie musste ihn so schnell wie möglich aufs Zimmer bringen und hoffte das dieses verdammte leichte Beruhigungsmittel was sie ihm verabreicht hatte, ihn nicht daran hinderte sich älter zu machen. Warum musste auch immer alles so kompliziert sein. Als sie im Wohnzimmer ankam schlief Mulder immer noch friedlich auf der Couch, sein Gesicht tief in ein Kissen verborgen. Sie konnte die anderen in der Küche hören, offenbar hatten sie bereits mit dem aufräumen begonnen. „Mulder! Komm wach auf.“ Versuchte sie ihn sanft zu wecken. Er stöhnte und drehte sich leicht zu ihr ohne die Augen zu öffnen. Er wirklich wie ein kleiner Junge wenn er schlief. Sie strich ihm durchs Haar und versuchte es noch einmal ihn Wach zu bekommen. Erst der dritte war erfolgreich und so verschlafen wie er war brachte sie ihn dazu aufzustehen und sie nach oben zu begleiten. Er war wirklich aus und Dana hoffte das sie niemand unterwegs sehen würde. Sie konnte ihn gerade so vor ihrer Mutter retten und dann in ihr gemeinsames Bett packen. Sie deckte ihn gut zu und wunderte sich nicht zum erstmal wie er es schafft sich ständig in Schwierigkeiten zu bringen.


Ist alles in Ordnung, Liebes?“ Ihre Mutter klang mehr als besorgt und nach ihrem Benehmen hatte sie auch allen Grund dazu. So ging Dana schnell nach draußen um sie zu beruhigen. „Alles okay. Ich bin nur etwas zu besorgt gewesen. Auf manche Medikamente reagiert er allergisch und ich hatte Angst ihm das falsche Mittel gegeben zu haben in all der Aufregung. Deshalb musste ich unbedingt sehen wie es ihm ging.“ Es war zu mindest ein Teil der Wahrheit. Dana hatte Wochen damit verbracht ihren schwarzen Koffer Muldersicher zu machen, so war da nichts mehr drin was ihn in irgendeiner Form schaden konnte. Er mochte unsterblich sein, konnte aber wie jeder andere krank werden. Er war ihr einziger lebender Patient, dennoch eine Menge Arbeit. Manche Medikamente zeigten bei ihm überhaupt keine Wirkung, andere hatten böse Nebenwirkungen. Die empfohlenen Dosen bei den Medikamenten trafen bei keinem für Mulder zu. Die Tatsache das er empathisch/ telepathisch war ließ ihn oft mit starken Kopfschmerzen leben, er konnte schließlich nicht alles blocken. Besonders starke negative Gefühle lösten sogar Übelkeit aus und Mulders Appetit geht dann den Bach runter. Mam’s Hühnersuppe, die Dana immer für einen Monat auf Vorrat tief gefroren gebunkert hat, ist dann oft das einzige was er zu sich nimmt ohne erneut zu erbrechen.


Sie schaute ihm zu wie er schlief und lag friedlich neben ihm. Sie hatte sich bei den anderen entschuldigt und abgesehen von Bill schienen alle zu verstehen. Die Familie hatte sich ins Wohnzimmer zurückgezogen, wo man sich gemütlich unterhielt dazu etwas Irishcoffee trank und Mutters selbst gebackene Weihnachtsplätzchen aßen. Ihre Mutter hatte von beidem etwas hoch gebracht, aber Mulder war noch zu sehr aus um davon etwas mit zubekommen. Ihre Hand wanderte zu seinen Haaren und sie versuchte etwas Ordnung in die aufgewühlte Haarpracht zu bringen. Sein braunes Haar fühlte sich so weich und seidig an. Sie spielte gerne damit, sie bekam nicht einmal mit das sich große haselnussfarbene Augen öffneten und sie beobachteten. „Nah Schlafmütze, bist du wieder bei mir?“ neckte sie ihn als sie bemerkte das er wach war. „Entschuldige, ich wollte dir und deiner Familie nicht den Abend ruinieren. Es tut mir Leid.“ Entschuldigte er sich mit großen traurigen Augen. „Du musst dich nicht entschuldigen. Es war nicht deine Schuld. Der Stress der letzten Woche und alle die Erinnerungen können einen manchmal überwältigen. Das ist nur menschlich, nicht wofür du dich entschuldigen müsstest.“ Versuchte sie ihn zu beruhigen, es war immer noch ein Rätsel für sie wie jemand so schnell in Schuld versinken konnte. „Aber du könntest jetzt bei deiner Familie sein.“ Es war wirklich schwer ihn von etwas ab zu bringen. „Das bin ich doch. Mam hat Plätzchen und Irishcoffee für uns gebrachte. Ich glaube der Coffee ist nicht mehr ganz so heiß. Na wie wär’s?“ Sie lächelte und bevor er eine Antwort geben konnte hatte sie schon ein Stück des Gebäcks in der Hand und an seinem Mund. „Mhh. Zitrone.“ Sie leckte mit ihrer Zunge ein paar Krümel von seinen Lippen. „Schoko.“ Meinte sie mit einem breiten Lächeln im Gesicht. „Schoko mit Zitronenglasur.“ Er küsste sie leidenschaftlich, zog sie dichter zu sich heran in seine Arme.


Kath. Kirche, Baltimore

Sonntag, 27.12.1992 10:05 h


Sie hatten sich beeilt von ihrem Trip nach New York zurück zu kommen. Scully hatte es kaum erwarten können ihren Eltern ihren Verlobungsring zu präsentieren. Sie hatten einen wunderschönen zweiten Feiertag gehabt. Sightseeing, ein Musical und gutes Essen. Mulder hatte sich wirklich Mühe gegeben den Tag zu planen. Er wäre nicht der Mann den sie liebte wenn es nicht ein bisschen außergewöhnlich zugegangen wäre. So hatte sie Orte besucht an denen es angeblich spuken soll, das Musical wie konnte es anders sein war ‚Das Phantom der Oper’ und das Dinner fand in einem geisterhaft schaurigem Ambiente statt, in einem Geisterhaus wo sie auch gemeinsam die Nacht verbrachten. Mulder konnte wirklich auf Ideen kommen. Zur Geisterstunde konnte sie Kettenrasseln hören und Gespenster durch die Flur huschen sehen. Für einige Zeit hatte es selbst ihr ein Schrecken eingejagt und sie hatte sich dicht an Mulder gekuschelt. Am Morgen wusste sie nicht ganz ob sie ihn umbringen oder küssen sollte. Es war wirklich ein gelungener Tag. Sie wollten heute mit den anderen zur 10:00 Uhr Messe gehen deshalb waren sie rechtzeitig zurück geflogen und saßen jetzt neben einander Hand in Hand.


Die Messe wurde heute von Pater Brown gehalten. Sie bekam nicht viel mit von seiner Rede ihre Gedanken waren wieder einmal bei Mulder. Heute war sein Jahrestag, genau vor acht Jahren ist er bei einem Lawinenunglück wiedergeboren. Für Dana war Wiedergeburt der beste Ausdruck für dieses Ereignis. Sie war eine Ärztin, glaubte fest an die Wissenschaft und doch saß neben ihr ein Wunder das sie mit allem was sie wusste und woran sie glaubte nicht erklären konnte. Ein Unsterblicher. Sie hatte lange überlegt, wie sie diesen Tag begehen sollten. Es kam ihr wie ein zweiter Geburtstag vor und so wollte sie ihm unbedingt etwas schenken. Nichts Besonderes, nur ein einfaches Teleskop für seine Dachterrasse, von der er noch keine Ahnung hatte das er überhaupt eine besaß. Das war eine der wenigen Informationen die sie Fatima über das neue Haus entlocken konnte. Jetzt hatte sie der Zweifel gepackt. Was wenn ihm das Geschenk nicht gefällt? Was sieht er in diesem doch eher traurigen Jubiläum? Dana wollte ihm zeigen das sie akzeptierte was er war. Würde er es so verstehen? Jetzt wo sie über den 27.12.1984 bescheid wusste, konnte sie nicht anders als daran zu denken, das sie ihm vielleicht niemals begegnet wäre. Dieser Tag war etwas besonderes, für sie Beide. Sie hatte in den letzten Tagen oft darüber nachdenken müssen. Sie würden niemals Kinder haben und nur Dank Mulder’s Charade würden sie hier bei ihrer Familie bleiben können. Mulder würde sich tagsüber hinter eine Maske verstecken und nachts würde sie in sein ewig junges Gesicht blicken. Er würde sehen wie sie Alt wird und nur in Bildern und sein perfektes Gedächtnis würde sie jung bleiben. Scully hatte alle Fakten immer wieder hin und her geschoben in ihren Gedanken und alles woran sie denken konnte war Fox William Mulder. Der Mann den sie liebte und ihr Leben verbringen wollte, egal wie kompliziert es auch sein mochte. Sie konnte sich niemand anderen an ihrer Seite vorstellen. Ohne ihn würde sie sich immer unvollständig fühlen.


Scully? Geht es dir nicht gut?“ nur leise von der Seite in Ohr geflüstert, trotzdem reichte es um sie zurück in die Kirche zu bringen. „Nein, Mulder. Ich habe nur über ein paar Dinge nachgedacht.“ Sie schenkte ihm ein Lächeln und drückte seine Hand. „Scully wir können das nicht unter dem Dach deiner Eltern machen. So wirst du noch bis Neujahr warten müssen.“ Sie schaute ihn an und er hatte dieses breite Spitzbuben Grinsen im Gesicht. Seine Worte brachten etwas Farbe in ihr Gesicht. „Mulder, wir sind in der Kirche.“ Ein kleiner Stoß mit dem Ellbogen in seine Rippen unterstrich noch einmal deutlich was sie von seiner Bemerkung hielt. „Scully!“ Er klang nun leicht weinerlich und hatte seinen patentierten ‚getretener- Dackel Blick’ aufgelegt. Gott dieser Mann konnte sie schwach machen. Die Leute um sie herum waren inzwischen hellhörig und sie konnte sehen wie einige der Messebesucher förmlich dahin schmolzen. Sie kassierte mehr als einen neidischen Blick und andere signalisierten ausgesprochen deutlich das er gerne in ihren Betten die Nacht verbringen könnte. Mulder bekam von allem natürlich nichts mit, nicht einmal Rauchsignale oder Funkfeuer konnten seine Aufmerksamkeit von Scully auf jemand anderen transferieren. Dana machte es nicht viel aus, sie strich ihm mit der linken Hand vorsichtig eine Strähne aus dem Gesicht und zeigte dabei deutlich den Ring an ihrem Finger. Machte damit deutlich das er bereit in festen Händen war, in ihren festen Händen. ‚Alles Meins.’ Signalisierte sie stolz und konnte gerade so verhindern das sie wie ein Schulmädchen kichern musste.


Mulder war zu frieden, seine Scully war wieder sie selbst und somit war die Welt für ihn in Ordnung. ‚Seit wann war Scully Linkshänderin?’ war die Frage die ihn bis zum Ende beschäftigte.


Scully’s Haus, Baltimore

Donnerstag, 31.12.1992 19:05 h


Scully Geschwister hatten sich wieder in alle Winde zerstreut. So war ihr großer Bruder Bill mit Tara zu deren Eltern gefahren. Charlie musste in zwischen wieder im Mittelmeer fischen und Missy war mit Freunden nach San Fransisco gereist zu einer Neujahrsparty im New Age Stil. Sie fuhr dort hauptsächlich hin um etwas Werbung für ihr kleines Geschäft zu machen. Dana und Mulder würden erst morgen Nachmittag zurück nach Washington fahren, ein Wagen würde sie abholen kommen. Der Flieger hatte seine Schuldigkeit getan und war anders wo im Einsatz. Der Learjet gehörte Mulder. Er ließ ihn aber über eine kleine Fluggesellschaft an der er einen gewissen Anteil besaß weiter vermieten. Es gab eine Menge Geschäftsleute die von diesem Service Gebrauch machten und das Flugunternehmen hatte sich schnell als eine kleine lukrative Einnahmequelle erwiesen. Jetzt im Augenblick war de Flieger auf den Weg nach Algerien, ein Passagier an Board. Seine Leute hatten ihn erst Gestern darüber informiert und das Jahr konnte nicht besser enden. Seit Wochen hatte es ihn gestört das ein unschuldiger Mann im Gefängnis saß, wegen Morde die nicht er, sondern ein von ihm geschaffenes Computersystem begangen hat. Die Regierung hatte Mr. Wilczek dazu bringen wollen seine Arbeit unter ihrer Aufsicht fortzuführen. Dank den zwei Morden hatten sie ausgesprochen gute Argumente, doch es war Mulders Anwälten gelungen den Computerspezialisten frei zubekommen. Jetzt sollte sich Mr. Wilczek erst einmal erholen, danach würde er vielleicht einen guten Verbündeten abgeben. Wer weiß was das nächste Jahr für Überraschungen bringt? Eins war sicher Peterson wird diese Nachricht wohl den Tag versaut haben.


Den Abend wollte sie beide zusammen auf einer Party hier in Baltimore verbringen. Eine dieser Wohltätigkeitsveranstaltungen die von Mrs. Webster organisiert werden. Mulder hatte zwei Karten dafür erworben. Dana verstand das es wichtig war das sie sich in der Gesellschaft zeigten, das diente in gewissen Sinn ihrem Schutz. Je bekannter sie waren umso schwerer würde es sein ihr Verschwinden zu erklären, sollten sie bei ihren Ermittlungen wieder mal mit IHNEN zusammen stoßen. Dana machte sich dabei besonders um Mulder sorgen, nicht das ihr Staus als FBI Agentin ihr irgendwelche Vorteile verschaffen würde. Es war eher ein Gefühl das an ihr nagte, das er jeden Schutz gebrauchen konnte, dringender als sie. So hatte sie keine Probleme sich auf so einer Party zusammen mit den Websters zu zeigen. Es konnte niemals schaden das Jahr mit neuen Bekanntschaften und Kontakten zu beginnen. Sie hoffte nur das die Medien möglichst dauerhaft von Mulder und ihr fernblieben. Er wollte einen gewissen Bekanntheitsgrad, aber nicht zu bekannt sein. Sie teilte diesen Wusch und hoffte im nächsten Jahr der Wahrheit ein Stück näher zukommen. Jetzt war eine Gelegenheit für ihr schönes dunkelblaues Abendkleid und ein weiterer Abend mit einem zum anbeißen süßen Mulder im Smoking. Der Anblick allein war es Wert, dort hin zugehen.


Mulder’s Haus, Georgetown

Samstag, 02.01.1993 18:00 h


Und wie gefällt dir dein neues Heim?“ sprach Scully die Frage aus die wohl alle am Tisch anwesenden interessierte. „Fantastisch. Ich kann kaum glauben das man soviel in so kurzer Zeit schaffen konnte.“ Er wirklich sprachlos gewesen als er durch die Wohnungstür trat. Das Haus hatte einen orientalischen Tatsch. Er hatte bereits einen Blick in sein neues Büro geworfen und seine neuen Sekretäre kennen gelernt. Ein junger Araber, der Englisch fließend wie seine Muttersprache beherrschte. Er würde ihm hilfreich zur Seite stehen und das meiste des gehassten Papierkrams erledigen. Die Büroräume lagen wie der Wirtschaftbereich im Erdgeschoss und hatten einen eigenen Separaten Eingang, für den Fall das er wirklich daran dachte seine Praxis wieder zu eröffnen. Im Prinzip musste er nur das passende Schild raus hängen, der Rest war bereits entsprechend eingerichtet. Das Therapiezimmer war gemütlich eingerichtet, selbst seine Fische hatten einen Platz darin gefunden. Der einzige Unterschied zu damals, sein Schreibtisch stand jetzt in einem extra Raum und seine Sprechstundenhilfe war gleichzeitig sein Sekretär.


Der Wirtschaftsbereich bestand aus einer Küche, Wirtschaftsraum, Waschküche, Kontrollraum und einigen anderen Dingen die mehr oder weniger das Reich der Hausangestellten waren. Mulder’s Reich war vielmehr das erste Stockwerk mit seiner Bibliothek, Arbeitszimmer, Esszimmer, Gästetoilette und einem großen Salon in dem Gäste empfangen und bewirtete werden konnten. Ein gemütliches Wohnzimmer mit einem schönen Kamin für gemütliche Stunden. Ein kleiner Fitnessraum rundete das Angebot auf der ersten Etage ab. Entertainment, ein privater Raum für Mulders Waffen und andere persönliche Dinge waren neben Schlafräume im zweiten Stockwerk untergebracht. Jedes der fünf Gästezimmer hatte sein eigenes kleines Bad. Sein Schlafzimmer hatte ein ausgesprochen luxuriöses Bad mit Whirlpool und Dusche. Die Wandschränke konnte man schon fast als eigene Räume zählen. So war Scully’s Küche kleiner als sein Kleiderschrank. Im dritten Stock gab es die Personalunterkünfte. Der vierte war zu einer Art Allzweckhalle umgebaut worden, bietet viel Raum für spätere Gelegenheiten. Dann kam auch schon die riesige überdachte Dachterrasse, wo sich Mulder schon freute sein neues Teleskop aus zu probieren und den Blick auf den nahe liegenden Park zu genießen. Das Haus besaß auch einen Keller der für Heizung, Lager, Vorräte und Weinkeller verwendet wurde und den Technikraum beherbergte. Ein Raum von dem aus das Sicherheitssystem des Hauses verwaltet werden konnte. Zum Haus gehörte noch eine Garage mit riesengroßen Hobbyraum und eigenem Keller (ein alter Atombunker) die nicht nur einen Eingang zum Erdgeschoss des Hauses sondern auch zur ersten Etage besaß. Alles im allen ein Ort viel zu groß für eine oder zwei Personen. Aber keineswegs ungemütlich, Mulder fragte sich ob er sich je daran gewöhnen würde und hoffte das Scully bald mit einziehen würde. Ihr schien bisher gefallen zuhaben was sie sah. Nur das Personal schien ihr etwas gewöhnungsbedürftig zu sein. Mulder störte das schon seit Bahrain nicht mehr, solange sie ihn halbwegs in Ruhe ließen.


Fatima und Akim saßen mit ihnen am Tisch und sie ließen sich das erste Abendessen im neuen Heim schmecken. Akim war mit seiner Familie nach Arlington in eines der Mietshäuser gezogen, wie sein Sekretär und ein paar andere vom Personal. Fatima hatte eines der Gästezimmer genommen und den kleinen Salon in der zweiten Etage zum Frauenreich erklärt und alle Männer inklusive Mulder aus diesem Gebiet verbannt. Etwas das ihn anfangs verblüfft hat, aber dann doch mit Humor nehmen ließ. Die Bibliothek würde sich sicherlich schon bald in sein persönliches kleines Reich verwandeln und es gab da noch sein persönliches Zimmer in dem er seine Waffensammlung und andere private Gegenstände aufbewahrte inklusive seiner alten Couch. So beließ er es dabei und genoss das gute Essen während sich die Frauen unterhielten und sich scheinbar gegen ihn verbündeten. Er konnte nicht verstehen worüber sie tuschelten, er konnte sie nur kichern sehen und den einen oder anderen Blick in seine Richtung erhaschen. Da war definitiv etwas im Busch und es konnte nicht gut für ihn aussehen. Er hielt es nicht lange aus. „Darf man erfahren was es so lustiges gibt, oder ist das auch so eine Frauensache?“ Unterbrach er das Gespräch der beiden. „Die 5 Dollar gehören dir Dana. Er ist wirklich so Neugierig wie du meintest.“ Ärgerte Fatima Mulder und Scully grinste ihn nur an. Er hatte auch seine eigenen Waffen und versuchte es mit einem seiner gefürchteten Dackelblicke mit großen braunen Augen und dem Einsatz seiner Unterlippe. Keiner konnte besser Schmollen als er. Wie immer schien es bei den beiden Damen zu wirken und Akim der Immun dagegen war, konnte sich das Lachen nur so verkneifen. Diese jungen Leute. „Ich habe noch ein schönes Geschenk für dich aus Bahrain mitgebracht und wollte von Dana nur wissen ob es dir gefallen wird.“ Eins zu Null für Mulder, Fatima hatte ihm bisher noch nie etwas abschlagen können. Er grinste wie ein Honigkuchenpferd. „Nach dem Essen Mulder!“ Scullys Worte konnten seine Vorfreude nicht bremsen.


Sie aßen friedlich zu Ende und das Gespräch ging in Richtung Neujahrsparty. Scully hatte schon von Weihnachten mit dem Scullys erzählt. Mulder hatte die Gelegenheit genutzt um Akim auf die Sache mit dem Motorenwerk in Baltimore vorzubereiten und wappnete sich jetzt gegen das was Dana über den Neujahrsball berichten würde. Es war wirklich harmlos gewesen, mal abgesehen das Belvins dort aufgetaucht war. Er hatte es kaum glauben können Agent Scully auf einer Feier wie dieser zu treffen und war von Mulders Anwesenheit genauso wenig begeistert. Er konnte es nur nicht geschickt genug verbergen und Mulder hatte so den einen oder anderen Lacher mit seiner Smart- Ass- Routine gelandet. Nur ein klein wenig gepickt aber nicht groß genug um Belvins wütend oder ausrasten zulassen. Schließlich war er einer von Scullys Bossen und könnte dies gegen sie verwenden. Früher war es eines von Mulders Talenten innerhalb von 5 Sekunden ein wild fremden Menschen gegen ihn aufzubringen, sobald er auch nur den Mund auf machte. Die Zeiten waren vorbei. Zum Glück hatte er über die letzten 8 Jahre gelernt dieses Talent zu steuern und für sich Nutzbar zu machen. Während des Balls hatte er sich von seiner besten Seite gezeigt, als Diplomat und voll von den Erfahrungen des Arabers profitiert. So konnte er Belvins und Co von sich fernhalten und einige nützliche Bekanntschaften machen. Scully war stolz auf ihn, selbst ihre Laune nach der Begegnung mit dem Deputy Director verbesserte sich wieder und sie hatten beide einen schönen Start ins neue Jahr.


Akim verabschiedete sich direkt nach dem Essen, seine Frau und Kinder warteten bereits so war Mulder allein mit den beiden Frauen. Sie tranken Tee am Kaminfeuer und unterhielten sich noch eine Weile über Fatimas Trip nach Bahrain. Sie warnte Mulder vor ihren alten Herren, er wollte schon wieder einige Wirtschaftliche Problem mit ihm diskutieren und ihn in eine seiner verrückten Wetten verwickeln. Fox hatte noch nicht einmal die Wettschuld der letzten Wette eingelöst und wollte es dabei belassen. Sein Geschenk war eine alte antike Flasche in der angeblich ein Flaschengeist lebte. Mulders eigener Jinn(iyah). Was könnte sich ein Mann besseres Wünschen? Die Flasche würde einen Ehrenplatz in seinem Raum haben.


Kapitel 9 „Undercoverteen“


FBI HQ, Washington

Montag, 04.01.1993 8:00 h


Kimberley, die Assistentin von AD Skinner hatte den Pot gewonnen. Sie hatte als einzige auf Mulder als Dana’s Ballbegleitung getippt und genug kassiert um sich ein neues Designerabendkleid zu leisten. So war es kein Wunder das sie Scully freudestrahlend begrüßte: „Guten Morgen Agent Scully. Hatten sie ein paar erholsame Tage?“ Dana war an diesem Morgen etwas schlechter Laune. Sie vermisste ihren Mulder, nach zwei Wochen dauer Konsum war eine Stunde Abwesenheit schon fast zuviel. „Gut. Es war schön mal wieder die Familie zu sehen. Selbst mein kleiner Bruder Charlie hat es dieses Jahr geschafft zu kommen.“ Meinte sie nur, klang aber nicht besonders fröhlich. Kimberley musste aber Lächeln als sie den Ring bemerkte. „Wie ich sehe gab es mehr als Weihnachten zu feiern. Wer ist der Glückliche?“ Sie konnte es sich denken, wollte es aber trotzdem hören. Der Gedanke an ihren Verlobten allein, ließ ihr Launebarometer steigen. „Ja, es gab noch etwas anderes zu Feiern.“ Bevor sie weiter sprach streckte Scully nur ihre Hand der Assistentin entgegen damit sie den Ring besser sehen konnte. Es war ein schlichter goldener Ring mit einem Smaragd in der Mitte, in Form eines Herzen geschliffen. „Ich habe mich am zweiten Weihnachtsfeiertag verlobt. Ich verrate aber nicht werde der Glückliche ist.“ Neckte sie die andere Frau. „Hey Dana du sprichst mit der Gewinnerin der großen FBI- Ball- Wette. Ich kann mir also denken wer der Glückliche ist. Aber keine Angst es bleibt mein Geheimnis. Vielleicht gibt es eine neue Wette.“ Scherzte Kimberley. „Vor dir kann man wirklich nichts geheim halten. Du solltest FBI Agentin sein.“


Nein, Danke. Das ist nur einer der Vorteile des Sekretärinnenjobs. Immer bestens informiert. Apropos Job. Ich glaub mein Boss wird wütend wenn wir ihn länger warten lassen.“ So meldete sie Scully bei AD Skinner an und führte sie dann in sein Büro. Der Assistent Director war offenbar schlechter Laune. Kein Wunder lebte der Mann doch laut Gerüchteküche seit Sommer des letzten Jahres getrennt von seiner Frau. Nach 17 Jahren Ehe die Scheidung, dieses Weihnachtsfest muss schlimm für ihn gewesen sein. „Guten Morgen, Sir. Sie haben mich rufen lassen?“ Sie wartet bis sie Platz nehmen durfte und setzte sich dann auf den Stuhl den sie inzwischen als ihren Stammplatz bezeichnete. „Guten Morgen Agent Scully. Wie ich sehe sind ihnen die Feiertage gut bekommen.“ Er holte sich eine Akte von seinem Schreibtisch dichter und schlug die erste Seite auf. „Ja. Danke, Sir. Wie ich sehe ein neuer Fall, Sir?“ Sie wollte lieber nicht fragen wie seine Feiertage waren. „Agent Scully dies ist keine X Akte sondern ein Fall für die VCU und ich möchte das sie mir genau zuhören bevor sie sich entscheiden diesen Auftrag anzunehmen.“ Das klang nach etwas extrem unangenehmen und sie musste einmal kräftig Schlucken bevor sie mit ‚Ja, Sir’ Skinner aufforderte weiter zu machen. „In der Lincoln High hier in Washington DC sind in den letzten vier Monaten acht Frauen vergewaltigt worden. Sechs der Opfer waren Schülerinnen und zwei gehören zum dortigen Lehrpersonal. Der Täter schlägt alle 14 Tage zu. Der MO ist immer der Selbe: Er lauert sein Opfer auf. Betäubt die Frau mit Chloroform oder ähnlichem und bringt sie dann außer Sichtweite von zufällig vorbeikommenden Passanten. Eine dunkle Seitengasse, ein Gebüsch oder ähnliches. Was gerade in der Nähe ist. Dann kommt es zur Vergewaltigung und der Täter entstellt die Gesichter der Frauen mit einem scharfen Gegenstand.“ Er machte eine kurze Pause um Scully ein paar Bilder der Opfer zu zeigen. Sie nickte nur und er führte seine Ausführung fort.


Unsere Ermittlungen sind bisher nicht weiter gekommen. Die Lehrer und Schüler sind verängstigt und schweigen deshalb. Kaum jemand ist bereit eine Aussage zu machen. Ich muss ihnen nicht erzählen wie das unsere Arbeit beeinflusst. Das VCU Team das diesen Fall bearbeitet, ist der Überzeugung das wir vielleicht von Innen mehr erreichen könnten und will eine Agentin Undercover in diese Highschool schicken. “ Das ist es? Ein Undercoverauftrag als Lehrerin? „Undercover als Lehrerin, Sir?“ Ihre rechte Augenbraue war leicht nach oben gehuscht. „Ja. Die Schule benötigt eine Vertretung für Biologie solange bis eine dauerhafte Besetzung der Stelle gefunden werden kann. Eine Ideale Tarnung für jemanden mit ihrem Fachwissen. Physik war leider schon vergeben. SAC Matthew Paxton hat sie angefordert er war mit ihrer Arbeit die sie im Oktober für sein Team geleistet haben mehr als zufrieden und würde sie vielleicht dauerhaft in sein Team aufnehmen.“ Paxton hatte sie lobend erwähnt? Sie mochte den Mann nicht, er hatte sie nicht besser als eine Sekretärin behandelt. Neben den beiden Autopsien hatte ihre Arbeit aus Papierkram und Kaffee kochen für das Team bestanden. Wenn es nach Paxton ging gehörten Frauen nicht zum aktiven FBI Dienst. Seiner Meinung nach waren Sekretärinnen, Telefonistinnen für Frauen die einzigen geeigneten Stellen im FBI. Das sie ein Dr. Med. war hatte ihn wohl am meisten an gestunken, eine weitere Männer Domäne die von den Frauen unterwandert wurde. Weshalb wollte er sie also in seinem Team haben?


Ich würde den Auftrag gerne annehmen, Sir.“ Sie hatte nicht wirklich Lust ein weiteres Mal unter Paxton zu arbeiten. Trotzdem ein Undercoverjob würde sich gut in ihrer Personalakte machen und sie könnte dem SAC zeigen das Frauen mehr können als Kaffee kochen und Berichte tippen. „Ich habe nichts anderes von ihnen erwartet. Agent Scully seinen sie aber vorsichtig, bringen sie sich nicht unnötig in Gefahr. Sie könnten sonst als sein nächstes Opfer enden.“ Der AD klang ausgesprochen besorgt, diesen Ton kannte sie noch nicht von ihm. „Das werde ich. Sir?“ Bevor er sie endgültig entließ, gratulierte er ihr noch zur Verlobung. Er hatte den Ring bemerkt und meinte das es schon auf dem FBI Ball offensichtlich war. Da fragte sie sich, was in der Gerüchteküche über sie erzählt wurde. Aber das musste warten jetzt hatte sie sich auf einen Fall zu konzentrieren. Sie musste sich bei Paxton melden. Die Akten Lesen und wahrscheinlich Morgen schon ihre erste Stunde BIO geben. Die Details würde sie von Paxton erfahren, also nichts wie hin zu dem Mann. Paxton war cirka 50 Jahre alt, seine Haare waren mit Sicherheit schwarz gefärbt und er stand in einem dunkel grauen Anzug vor ihr, nicht die Standardausführung für Agenten, er schien zu den Männern zugehören die Ihre Anzüge nicht bei Sears kaufen. Er hatte wie der AD brauen Augen, ihnen fehlte aber jegliche Wärme, ein Grund mehr warum sie diesen Mann nicht mochte. „Ah Agent Scully. Danke das sie uns wieder einmal aushelfen möchten.“ Begrüßte er sie und bot ihr einen Platzt an. Er war heute ausgesprochen höfflich.


Sir. Es freut mich aushelfen zu können.“ Meinte sie ebenfalls höfflich, schaffte es gerade so nicht zu grinsen und eine professionelle Haltung zu bewahren. „Ich möchte sie nicht lange aufhalten, den ich bin mir sicher das sie für Morgen noch eine Menge vorzubereiten haben. Die Verwaltung der Lincoln Highschool war unter einer Bedingung damit einverstanden sie als Biologie Lehrerin an der Schule aufzunehmen. Sie fangen Morgen an, studieren sie bis dahin diese Akten und melden sich beim Direktor der Lincoln High.“ Er reichte ihr einen Berg Akten. War das Alles? „Was ist das für eine Bedingung von der sie sprachen?“ Etwas sagte Scully das dies nichts Gutes für sie bedeutete. „Nichts Besonderes. Wir haben nur zugestimmt, dass sie bis Ende Januar der Schule als Lehrerin zur Verfügung stehen. Ab da kann die Verwaltung die Stelle fest besetzten, weil eine aussichtsreiche Kandidatin aus dem Schwangerschaftsurlaub zurückkommt.“ Ein ganzer Monat Lehrerin. Sie hatte doch gewusst das etwas an diesem Auftrag faul war. Kein Wunder das er sie für die Stelle vorgeschlagen hat. „Ich werde mich heute Nachmittag an der Schule melden und ihnen täglich meinen Bericht zukommen lassen.“ Sie ließ sich nichts anmerken, blieb ganz ihre Rolle. Was hätte wohl Mulder in dieser Situation getan? Er hatte wahrscheinlich den Klugscheißer gespielt und Paxton von 0 auf 100 in nur knapp 5 Sekunden gehabt. Die Vorstellung musste ihr erst einmal reichen. Abgesehen davon, jetzt war sie sich sicher das sie den ganzen Monat mit Mulder verbringen konnte und nicht aus Stadt musste. Das konnte man durch aus als etwas Positives betrachten. Der Gedanke brachte ein breites glückliches Lächeln auf ihr Gesicht. Lehrer hatten bessere geregelte Arbeitszeiten.


Alfredo, Washington

Montag, 04.01.1993 12:00 h


Lehrerin an der Lincoln High? Das ist kein Zuckerschlecken. Teenager können Schlimmer als Alien- oder Mutantenjagd sein.“ Ihm gefiel es nicht das Scully sich in eine derartige Gefahr brachte und dann auch noch ohne großen Schutz. Sicher würde irgendwo ein Lieferwagen voll gestopft mit FBI Agenten stehen, aber würden sie auch ihre Arbeit machen? „Ja Lehrerin. Ich habe an Quantico unterrichtet. Das sollte keinen großen Unterschied machen.“ Oh ja sie würde sich wundern. „Scully deine Schüler in Quantico waren halb betäubt durch den Gestank oder ihnen war schlecht weil du vor ihren Augen an Leichen herum geschnippelt hast. Kein Vergleicht zu Teenagern, die vielleicht mehr ihren Spaß haben wollen als Biologie zu pauken. Deine Dienstwaffe wird kein Eindruck bei denen hinterlassen, an der Lincoln High gehören Waffen zur Tagesordnung, dort regieren die Gangs. Es ist nicht die kath. Mädchen Schule die du vielleicht besucht hast. Es ist ein hartes Viertel.“ Versuchte er ihr begreiflich zu machen worauf sie sich da eingelassen hatte. Die Lincoln lag in einer der mieseren Gegenden Washingtons, kein Tourist würde sich dahin verirren wollen. Ein Teil der Eltern saß im Gefängnis, war der Flasche verfallen oder arbeitslos. Viele der Kids gehörten einer Gang an und hatten bereits die eine oder andere Vorstrafe.


Mulder, du machst dir unnötig Sorgen. Ich weiß worauf ich mich da einlasse und ich war nie auf einer kath. Mädchen Schule. Ich bin eine Navygöre. Wir sind von einem Stützpunkt zum nächsten gewechselt. Ich habe mehr Schulen gesehen als du. Vielleicht nicht so schlimm wie die Lincoln High aber doch jedes Mal anders.“ Mulder sah jetzt ein das es keinen Zweck hatte, ihr diesen Auftrag aus zu reden. Deshalb wandte er sich wieder der gemeinsamen Pizza zu und wunderte sich warum Fatima heute nicht mitgekommen war. Ihm kam da eine Idee vielleicht, gab es doch eine Möglichkeit. Wer weiß vielleicht brauchte man an der Highschool noch einen Sozialarbeiter.


Lincoln High, Washington

Montag, 04.01.1993 14:30 h


Sie sind also unsere neue Lehrerin, Ms. Scully?“ Die Frage des Direktors war wohl eher rhetorische gemeint. „Ja. Ich bin Dana Scully. Es freut mich ihre Bekanntschaft zu machen, Mr. Miles.“ Sie nahm sein Angebot Platz zunehmen an und seine Sekretärin brachte ihr eine Tasse Kaffee. „Ich bin der einzige hier an der Schule der über sie Bescheid weiß. Doch zum wohl der Schule muss ich wissen ob sie wirklich qualifiziert für diese Arbeit sind. Wir können unsere Schüler schließlich nicht jedem anvertrauen.“ Mr. Miles Sorge um seine Schüler schien aufrichtig zu sein. „Es stimmt ich habe noch nie an einer Highschool unterrichtet. Meine Lehrtätigkeit beschränkte sich bisher auf die FBI Academy wo ich zwei Jahre lang Kurse in Pathologie und Forensic gehalten habe. Ich bin ein Dr. Med., Pathologin und habe zusätzlich noch einen undergrad degree in Physik.“ Was konnte sie noch erzählen. „Haben Sie Erfahrung mit Kindern, Jugendlichen?“ Fragte er weiter. „Nicht viel. Das übliche als Teenager, Babysitten. Als Studentin habe ich ein Sommer lang in einem Camp gearbeitet und Jugendgruppen betreut. Das Alter der teilnehmen Kinder war von 8 bis 15 Jahre. Natürlich habe ich während meines Studiums auch Dienst auf der Kinderstation gehabt.“ Sie hatte keine eigenen Kinder, Nichten oder Neffen. „Okay. Ich denke wir können es auf einen Versuch ankommen lassen. Sie werden die Kurs Biologie Eins, Zwei und Physik Eins geben. Damit sind sie nur vormittags beschäftigt und können an den Nachmittagen ihren anderen Verpflichtungen nachgehen. Ich war so frei ihnen die Kursunterlagen von Mrs. Foster zu besorgen. Sie ist zurzeit im Mutterschaftsurlaub und wird nach ihnen die Kurse weiter führen.“ Er reichte ihr Einen Stapel Unterlagen, oben auf Ihre Stundenplan. Anschließend stellte er Scully noch ihren Kollegen vor.


Lincoln High, Washington

Montag, 04.01.1993 15:30 h


Es freut mich ihre Bekanntschaft zu machen Ms. Forester. Sie wollen also ihren jüngeren Bruder hier an unser Schule anmelden?“ Fragte der Schuldirektor die junge Araberin. „Ja, das möchte ich.“ Sie reichte ihm die Unterlagen und er überflog sie kurz. „Das ist ein bisschen kurzfristig, aber ich sehe keine Probleme damit ihren Bruder hier aufzunehmen. Er soll sich morgen früh im Sekretariat der Schule melden, dann bekommt er seinen Stundenzettel und Lehrbücher. Mike wird sich hier sicher wohl fühlen Ms. Forester.“


English III, Lincoln High

Dienstag, 05.01.1993 08:25 h


Entschuldigen Sie das wir stören, Mrs. Chapman. Ich habe hier einen neuen Schüler für sie Mike Forester.“ Stellte ihn die Sekretärin vor. Mulder grinste leicht in den Raum. Es hatte keine freie Stelle an der Schule finden können so hat er das nächst beste gewählt und sich als Schüler eingetragen. „Hallo Mike. Danke Mrs. Heffner, ich übernehme ab hier.“ Sie schaute sich kurz in der Klasse um und fand einen freien Platz in der dritten Reihe Mitte Links. „Du kannst dich erst Mal neben Becky setzen.“ Meinte sie nur, unwillig ihre Stunde länger zu unterbrechen. Mulder konnte es nur recht sein. Er hatte keine große Lust sich vorzustellen.


Biologie I, Lincoln High

Dienstag, 05.01.1993 09:05 h


Guten Morgen. Ich bin Dana Scully eure Vertretungslehrerin für die nächsten 4 Wochen.“ Scully schaute sich etwas Nervös in der Klasse um. Sie hatte die Nacht vor Lampenfieber fast kein Auge zubekommen und lief jetzt auf einer Überdosis Koffein, was sie nicht nur Wach sondern auch etwas Sprunghaft machte. Es war ihre erste Stunde und sie würde heute einfach verwenden um die Schüler reden zu lassen und sich vorzustellen. Nicht sehr originell, aber sie hatte bisher noch keine Zeit gehabt sich vorzubereiten.


Physik I, Lincoln High

Dienstag, 05.01.1993 10:00 h


Scully hatte ihre erste Stunde überlebt und gönnte sich kurz eine Verschnaufpause bevor sie ihre erste Physik Stunde geben würde. Sie musste zum Glück den Raum nicht wechseln, der Theorie konnte für beide Fächer bequem hier gemacht werden. Für den praktischen Teil gab es Labore im anderen Teil der Schule. Das schien ihr auch irgendwie sicherer, hier gab es weniger zum kaputt machen. Die Schule hatte schon des Öfteren Probleme mit Vandalismus. Sie sah wie die Schüler den Raum füllten und bekam fast einen Herzanfall als sie einen Jungen in Bluejeans und marineblauen Sweater sah. Sie rieb sich die Augen, vielleicht halluzinierte sie, zu viel Kaffee eben. Aber als er sie anlächelte wusste sie das dies sehr real war und das es heute wahrscheinlich einen toten Mulder geben würde. Sie musste warten zum einen konnte sie ihn nicht vor Zeugen erschießen und zum anderen war ihre Dienstwaffe nicht hier. Auch sie durfte in der Schule keine Waffe tragen. Aber ab 12:00 Uhr hatte sie frei, da konnte sie sich eine besorgen. Ein Mädchen griff Mulder am Ellbogen und zog ihn förmlich hinter sich her zu einem der freien Plätze. Scheinbar hatte er schon eine Freundin gefunden.


Der Unterricht begann und wieder ließ sie alle Schüler sich vorstellen. Dieses Mal wartete sie ungeduldig bis endlich Mulder an der Reihe war. „Mein Name ist Mike Forester. Ich bin erst dieses Wochenende von New Orleans in diese Gegend gezogen.“ Wie sie bemerkte war sie nicht die einzige die ihm Aufmerksam zuhörte. Er schien sich bei seinen Klassenkameraden noch nicht richtig vorgestellt zu haben. Das konnte sie ändern. „Wie ich sehe Mike, hatten deine Klassenkameraden noch nicht die Möglichkeit mehr über dich zu erfahren. Warum holst du das jetzt nicht nach.“ Sie grinste ihn breit an und erntete einen bösen Blick inklusive Schmollmund. Ja das gefiel ihm nicht, geschieht Mulder recht. „Also gut. Ich lebe zusammen mit meiner großen Halbschwester Fatima. Sie hat hier eine Stelle als Sekretärin bekommen deshalb sind wir nach Washington gezogen. Meine Hobbys sind Schwimmen, Joggen und Basketball spielen. Möchten Sie noch etwas wissen, Ms. Scully?“ Er grinste jetzt breit übers Gesicht. „Fatima? Das klingt Arabisch.“ Bohrte sie weiter, sie hatte noch keine Lust ihn vom Harken zu lassen. „Ihr Vater kam aus Bahrain, er hat unsere Mutter kurz nach Fatimas Geburt sitzen lassen. Meine Mutter hat dann kurze Zeit später meinen Vater Paul Forester kennen gelernt und geheiratet.“ Erklärte er kurz seine fiktive Familiengeschichte. Sie wunderte sich warum ausgerechnet die junge Araberin bei diesem Unsinn half und die große Schwester spielte. Seine Augen fragten sie bereits ob das Verhör endlich beendet wäre, sie hatte Mitleid und ließ ihn wieder Platz nehmen.


Als nächstes war das Mädchen dran das Mulder gleich neben sich platziert hatte. Sie war ein niedliches Mädchen mit schulterlangem braunen Haar und Sommersprossen. Sie trug eine Brille und wirkte etwas strebermäßig, leicht deplaziert an dieser Schule wo mehr als 75 Prozent eine schwarze Hautfarbe hatten und irgendwelchen Straßenbanden angehörten. „Mein Name ist Becky Meyer. Ich arbeite für die Schulzeitung und den Rhetorikclub.“ Der Rhetorikclub war neu, im Zusammenhang mit einem Lehrer – Austauschprojekt. Alle 14 Tage kam jemand von einer dieser Privatschulen hier her und gab einen Rhetorikkurs und betreute diesen Club. Scully hatte den Namen der Schule vergessen, hatte aber den Lehrer Mr. Hanson bereits kennen gelernt. Ein eingebildeter alter Snob. Nicht wirklich ein Gewinn für die Schule. Da er es niemals schaffen wird die Jugendlichen dazu zu bringen ihre Probleme aus zu diskutieren statt sich zu schlagen. Das Sportprogramm am Nachmittag war besser und brachte wenigstens einige der Kids von der Strasse.


Mulder’s Haus, Georgetown

Dienstag, 05.01.1993 22:15 h


Oh je Scully war ganz schön sauer gewesen, zum Glück war er unsterblich, sonst hätte es ins Auge gehen können. Jetzt saß er über den FBI Akten während sie ihre nächsten Stunden vorbereitete. Frei nach dem Motto ‚Wenn er schon mal da ist, kann er auch etwas machen!’ Das er auch Hausaufgaben hatte, daran dachte sie nicht. Sechs Mädchen, zwei Frauen und die Chancen standen gut das er diese Woche wieder zuschlägt. Die erste Frage die ihm in den Sinn kam war: Warum freitags, jede ungerade Woche? Die Opfer hatten mal abgesehen von Lincoln High nicht viel gemeinsam. Das Alter der Mädchen lag zwischen 16 und 18 Jahren die beiden Frauen sind 25 und 37 Jahre alt. Haut-, Augen- oder Haarfarbe schienen keine Rolle zuspielen da war von allem was dabei. Die Stundenpläne der Mädchen liefern auch keine Anhaltspunkte. Die Kurse sind zu unterschiedlich gewählt. Selbst die Religionen sind unterschiedlich. So lautetet die Frage: Warum ausgerechnet diese Mädchen und Frauen? Was haben sie gemeinsam? Der Täter lauert sie auf, nicht auf dem Weg von oder zur Schule. Er dringt eher in das Privatleben des Opfers ein. Der Weg zum Freund, Fitnessklub oder Einkaufen ist der Zeitpunkt des Zugriffs. Bedeutet dies, dass er sie beobachtet? Wie weit plant er es voraus? Die Tat läuft immer nach demselben Schema ab er betäubt sie und versteckt sich mit ihr in der Nähe. Auch hier ist er nicht wählerisch begnügt sich mit dem was in der Nähe ist. Er vergewaltigt sie, solange sie noch bewusstlos ist und entstellt sie anschließend. Wenn das Opfer zur Besinnung kommt fehlt vom SOB jede Spur. Er tötet sie nicht, versteht sich aber seine Identität zu verbergen. Sie auf offener Strasse zugreifen birgt ein gewisses Risiko entdeckt zu werden. Trotzdem versucht er alles um unerkannt zu bleiben. Kondome, Handschuhe, 0815 Kleidung aus dem Supermarkt. Selbst um seine Haare kümmert er sich, damit keine Spuren am Tatort zurück bleiben die zu ihm führen könnten. Der Mann schien Erfahrung zuhaben.


Was sieht er in seinen Opfern? Warum nimmt er ihnen auch noch das Gesicht? So viele Fragen und er konnte keine Antworten sehen. „Scully, könntest du mir Morgen bitte eine Liste der Klubs besorgen die die Mädchen besuchen?“ fragte er nach dem er die Akten vergeblich nach diesen Informationen abgesucht hatte. „Das kann ich machen. Hatte man diese Informationen nicht mit angefügt?“ Scully wirkte Müde und er konnte sehen das der Ruf ihres Bettes langsam unüberhörbar für sie wurde. Verdammt er hatte noch Hausaufgaben! „Nein. Keine der Akten enthält Informationen darüber was sie nachmittags machen. Welche Klubs sie besuchen.“ Er zeigte ihr zum Beweis eine der Akten. „Morgen Abend hast du die Informationen. Bist du mit deinem Profile schon etwas weiter gekommen?“ Er schüttelt nur mit dem Kopf auf ihre Frage hin. „Noch zu viele Fragen und zu wenig Antworten. Ich glaube das die Opfer ihren Peiniger kennen. Sie sind ihm begegnet und ich würde mein Knicks T- Shirt verwetten das sie ihn von der Lincoln High kennen. Die Stundenpläne sind aber zu verschieden, deshalb erhoffe ich mir einen Anhaltspunkt aus ihren Klubaktivitäten. Ich werde mich Morgen etwas mehr an der Schule umhören und nach weiteren Gemeinsamkeiten fanden. Ich kann förmlich riechen das es da etwas gibt. Auf mehr möchte ich mich im Augenblick noch nicht festlegen.“ Er wusste noch nicht wirklich viel und wollte mindestens eine Nacht darüber Schlafen bevor er sich mit Scully in wüsste Diskussionen stürzte. „Okay. Ich gehe schlafen. Kommst du?“ Oh wie gerne würde er Ja sagen. „Sorry. Hab noch Hausaufgaben. Ich komm in einer Stunde. Halt mir meine Seite schon mal warm.“


Wenn man Hausaufgaben mehr oder weniger das zweite Mal macht und eine schicke Rothaarige auf einen im Bett wartet, kann man seine Arbeit statt in einer Stunde auch in 25 Minuten erledigen, vorausgesetzt die etwas unleserliche Doktorschrift stört niemanden. Das dürfte ein neues Naturgesetz sein.


Cafeteria, Lincoln High

Mittwoch, 06.01.1993 11:55 h


Scully entschied sich noch nicht gleich los zu fahren. Es war ihr erster Tag an dem sie das Reden übernommen und sich mit den Schülern mühselig durch den Stoff gewälzt hatte. Einige Schüler haben bereits versucht ihre Grenzen zu testen. Nur kleine harmlose Streiche und Widerworte. Nichts was sie nicht aus ihrer eigenen Schulzeit kannte. Sie mussten wohl auch glauben das Lehrer bereits Erwachsen zur Welt kommen. Sie hat gehandelt wie ihre Lehrer damals, auch wenn sie es niemals zugeben würde. Sie war sich vorgekommen als wäre sie eine kurze Zeit zur dunklen Seite der Macht gewechselt. Keine Sorge alle beteiligten Parteien haben es überlebt. Etwas war ihr dabei aufgefallen. Als der Direktor sie am Montag nach ihren Qualifikationen gefragt hat, hätte sie noch ‚Ein Jahr mit Mulder’ angeben sollen. Nichts hätte sie besser darauf vorbereiten können. Ihre Diskussionen, die Tatsache das er Ärger wie ein Magnet anziehen kann, sein Schmollmodus und die gefürchteten Killer- Dackelblicke, die sie mehr als einmal in Schwierigkeiten gebrachten hatten. Sie hatte bereits mit einem Meister trainiert ohne es zu wissen. Die Schüler konnten so mit ihren Erfahrungen nicht mithalten und wussten schon bald das sie bei Ms. Scully auf Granit beißen würden. Vielleicht sollte sie sich dafür bei Mulder bedanken.


Wenn man schon vom Teufel sprach, er kam gerade in die Cafeteria. Becky schien es zu lieben ihn hinterher zu ziehen. Er machte aber nicht gerade einen unglücklichen Anblick. Eher überrascht. Sie wusste das Lincoln High auch für ihn etwas vollkommen Neues war. Er war nach Samanthas Entführung auf eine Boarder School abgeschoben worden. Das hat ihn während der Schulzeit vor seinem Vater gerettet. Nur leider traf dies auf Feiertage und Ferien nicht zu. In diesen Zeiten war Mulder seinem Vater schutzlos ausgeliefert gewesen. Auch die Schule selbst muss nicht gerade Zuckerschlecken gewesen sein. Er war immerhin zwei Jahre Jünger und Gerüchte über seine Schwester fanden ihn auch an dieser Schule. So konnte sein Leben dort auch nicht gerade angenehm gewesen sein. Sie würde gern mehr über sein Leben, seine Kindheit wissen. Doch er redete nicht, nur seine traurigen Augen erzählten die Geschichte. Hier an Lincoln High konnte er somit ein Stück normaler Kindheit erleben. Das war wenigstens ein positiver Nebeneffekt dieses Falls. Da vielen ihr wieder die Listen ein die sie für ihn besorgt hatte. Er würde enttäuscht sein, es war dasselbe in Grün mit den Stundenzetteln der sechs Mädchen. Kaum Gemeinsamkeiten. Aber sein Knicks T- Shirt würde er behalten können.


Becky, ich brauche kein Mittagessen. Meine Schwester holt mich nach Rhetorik ab.“ Versuchte er mit ihr zu reden. „Das ist Unsinn Mike. Bis 15:00 Uhr ist es noch lange hin!“ Mulders Gesichtsausdruck war einmalig. Becky hatte fast ihren Ausdruck wenn sie mit Mulder über ähnliche Dinge diskutierte. Das musste Frauen wohl genetisch in die Wiege gelegt worden sein. Mulder war kein guter Esser und solche Fälle ruinierten ihm mehr als nur den Appetit. Deshalb wollte sie ihn eigentlich aus den Ermittlungen heraus halten. Das war der eigentliche Grund gewesen warum sie gestern so sauer auf ihn gewesen war. Sie machte sich Sorgen um ihn und wollte ihn beschützen. Man waren sie sich ähnlich! „Becky, ich habe noch was in meinem Lunchpaket.“ Überzeugte die junge Dame genauso wenig. „Das ist kein Ersatz für ein gesundes vollwertiges Mittagessen.“ Oh ja das war der Blick eben. Der ‚Ich weiß es Besser’ Blick, die Kleine sollte Ärztin werden. „Becky!“ Mulders Ton hatte nun denselben weinerlichen Klang wie wenn er ‚Scully’ nach diesem Blick sagen würde. Für einen Augenblick wünschte sie sich glatt an Beckys Stelle zu sein den sie wusste was jetzt kommen würde. Mulder würde anfangen zu schmollen und diese sexy Unterlippe würde dabei voll zum Einsatz kommen. Bingo! „Es ist wichtig sich Gesund zu ernähren und dazu gehört nun mal das man seine Mahlzeiten regelmäßig einnimmt.“ Er bekam die volle Lektion, der Arme. „Becky? Ist deine Mutter zufällig Ärztin?“ Ein dumme Frage Mulder. „Nein Krankenschwester, aber ich möchte eines Tages Ärztin werden und wenn du so weiter machst wirst du mein erster Patient sein!“ Autsch, das war ins Schwarze. Damit gab er sich geschlagen und holte sich ein gesundes ausgewogenes Mittagessen. Scully war stolz auf ihn, scheinbar hatte er doch etwas bei ihr gelernt. Er grinste breit zu ihr rüber. Ja er hatte etwas von ihr gelernt.


Sie beobachtete ihn noch bis zum Ende der Mittagspause und machte sich dann auf den Weg ins Büro. Paxton wartete auf ihren Bericht. Viel hatte sie nicht zu berichten, so hoffte Scully den Mann schnell wieder los zu sein. Vielleicht hatte das VCU Team eine neue Spur, die Zeit rannte ihn langsam davon und sie konnten einen Durchbruch brauchen.


Mulder’s Haus, Georgetown

Mittwoch, 06.01.1993 18:55 h


Sie saßen beide im Arbeitszimmer über den Akten und Mulder hatte wieder dieses Funkeln in den Augen. Ein deutliches Zeichen das er an etwas heißem dran war. „Was ist es Mulder, spucke es schon aus!“ Jetzt grinste er wie die Katze die den Kanarienvogel gefressen hat. Das war ihr fast unheimlich, er muss wohl wirklich etwas Großem auf der Spur sein. Die Idioten im Büro waren immer noch nicht weiter. „Mr. Hanson. Er ist nur alle 14 Tage an der Schule und ich würde sagen hat mehr als ein gestörtes Verhältnis zu Frauen. Es ist mir in seinem Kurs aufgefallen. Er behandelt die Mädchen anders, er mag es nicht von ihnen kritisiert zu werden, er wird dann schneller wütend als wenn einer der Jungs ihm widerspricht. Ich schätze mal seine Frau ist ein Drache und hält ihn an der kurzen Leine.“ Okay, sie mochte den Kerl auch nicht, das machte ihn aber noch nicht zu ihrem Tatverdächtigen Nummer EINS. „Mulder das würde sogar auf Paxton zutreffen. Ich brauche schon etwas mehr.“ Hatte sie gerade wirklich ‚Paxton’ gesagt? Der SAC hatte ihr heute den Tag versaut und sie vor dem Team fast als inkompetent hingestellt. Es hatte nur noch gefällt das er sie losschickt Kaffee zu kochen. Sie würde es ihm zeigen, aber sie würde wohl auf eine günstige Gelegenheit warten müssen.


Du willst Beweise, sollst du haben. Er hat zu allen Opfern eine Verbindung. Ich habe meine Hausaufgaben wie versprochen gemacht und Becky war mir dabei eine große Hilfe gewesen. Sie hatte mir Zugang zum Archiv der Schülerzeitung gewährt. Die Klatsch und Tratschspalte war sehr aufschlussreich. Kate Bischof Alias ‚Cat’ war für diese Spalte verantwortlich. Sie ist unser vorletztes Opfer gewesen. Sie hatte in ihrer Spalte geschrieben das Mr. Hanson angeblich ein Tupee tragen würde. Eine Schülerin hätte sich darüber lustig gemacht. Das ist Monica Swenson gewesen unser letztes Opfer. Nummer drei war Joan MacBright, sie hatte sich mit Hanson gestritten weil sie der Meinung war das er ihre Freundin Trish ungerecht behandelt hat. Nach Becky soll man diesen Streit fast im ganzen Schulgebäude gehört haben. Gina Gonzales war dem Täter als zweites zum Opfer gefallen, sie hatte Küchendienst als sie an Mr. Hanson geraten ist. Eine Art ‚Fliege in der Suppe’ Diskussion wenn du verstehst was ich meine. Die beiden anderen Mädchen sind leicht, eins besucht seinen Rhetorik Kurs und das andere seinen Rhetorik Club am Nachmittag. Beiden hatten sich als ausgesprochen Redegewandt herausgestellt und ihm wohl mehr als einmal die Show gestohlen.“ Das war’s? Die Mädchen waren alle mit demselben Lehrer aneinander geraten? Sie hatte im Lehrerzimmer gehört das Hanson und Mrs. White sich nicht riechen konnten und häufig gestritten haben. So könnte etwas an seiner Theorie dran sein.


Das VCU Team war bis jetzt mit nichts besserem gekommen, so würden sie wohl Mulders Spur verfolgen. „Okay. Wie wollen wir beweisen das er unser SOB ist?“ Ihm gefiel die offensichtliche Variante nicht. Sie wusste das er niemals zustimmen würde. „Scully, wir müssen herausfinden wer ihn diese Woche am meisten verärgert hat.“ Versuchte er sich um das Thema zu drücken. „Mulder ich bin eine F B I Agentin, ich kann auf mich aufpassen. Wir dürfen kein weiteres unschuldiges Leben riskieren. Wenn du eine Möglichkeit siehst, wie wir ihn dazu bringen mich als sein nächstes Opfer zu sehen, dann sag es.“ Sie schaute ihn nun ernst an. „Es wäre einfacher wenn er auf Männer so reagieren würde. Ich hätte keine Probleme ihn von Null auf Hundert zu kriegen. Meine Anwesenheit reicht manchmal aus um diese Reaktion bei anderen zu erzielen.“ Okay, sie musste ihn richtig wütend machen, das nach Möglichkeit vor Zeugen. Von was Mulder erzählt hat war er von den Anderen immer in der Öffentlichkeit angegriffen, bloß gestellt worden. Bevor sie etwas sagen konnte fuhr er fort: „Er mag es so zu sagen nicht sein Gesicht zu verlieren. Er scheint wohl zu glauben das er seins wieder herstellen kann, dadurch das er SIE bestraft und IHR Gesicht nimmt. Es ist seine perverse Variante seine Ehre wieder herzustellen. Wobei es mir schwer fällt die Vergewaltigung als Teil dieses kranken Rituals zu sehen. Er entschuldigt es sicher damit, es könnte aber mehr dahinter stecken.“


Was glaubst du wie er sich verhält bevor es zu dieser Tat kommt?“ Bei der Jagd mit Ködern musste an seine Beute genau können um den passenden Köder zu finden. „Ich glaube er bereitet sich gründlich vor in dem er bereits ein Kondom anlegt, Handschuhe trägt und so weiter. Aber der Zugriff ist mehr spontan. Er beschattet am Freitag sein Opfer und wartet einfach auf die beste Gelegenheit, wenn wenig oder noch besser keine Zuschauer in der Nähe sind. Freitag ist ein guter Tag. Man plant auszugehen, besorgt noch ein paar Sachen fürs Wochenende, es findet sich immer ein Grund noch einmal die Wohnung zu verlassen. Wie gesagt er wartet auf die günstigste Gelegenheit und schlägt zu.“ Das war der Plan. Hanson in aller Öffentlichkeit blamieren und dann Freitag Schoppen gehen und darauf warten das er zuschlägt? „Dann haben wir einen Plan. Ich rede morgen mit Paxton darüber und sehe zu das er sein Okay gibt. Ich erzähle dir Morgen wie alles gelaufen ist.“ Sie freute sich nicht gerade auf das Gespräch mit dem SAC. „Nein. Wir haben nicht so viel Zeit. Am Freitag muss er vor Wut kochen und er braucht bestimmt eine Nacht um gar zu werden. Dafür brauchen wir den Donnerstag. Ich schlage vor wir benutzen seinen Rhetorik Kurs und versuchen das Selbe was Joan MacBright zu seinem Opfer gemacht hat.“ Joan hatte sich für ihre Freundin eingesetzt und war deshalb mit Hanson in Streit geraten. Wenn es um Mulder ging musste sie die Rolle nicht einmal Spielen.


FBI HQ, Washington

Donnerstag, 07.01.1993 8:30 h


Oh dieser Idiot Paxton. Er hatte ihre Idee vom Tisch gefegt als wäre es nichts gewesen, ein lästiger Fussel nichts weiter. Aber das wollte sie sich nicht länger gefallen lassen und war deshalb zu AD Skinners Büro gegangen. „Agent Scully. Ich dachte sie erstatten zurzeit SAC Paxton Bericht.“ Er wirkte verärgert darüber, das sie sich nicht an die Kommandokette hielt. „Sir. Ich glaube einen Durchbruch in Lincoln High Ermittlungen erzielt zu haben. Doch SAC Paxton scheint über die Tatsache das ich eine Frau bin nicht hinwegsehen zu können. Er weigert sich auch nur eines meiner Argumente in Erwägung zu ziehen.“ Versuchte sie diesen Etikette- Bruch zu rechtfertigen. „Gut. Erzählen sie mir was sie herausgefunden haben.“ Er war zumindest bereit ihr eine Chance zu geben. „Als erstes das Profile ist Falsch, es ist das Standard 0815- Dokument in einer leicht editierten Version. Damit werden sie dem Täter nie auf die Spur kommen, so habe ich Mulder gebeten sich die Akten anzusehen. Er hat nicht nur eine Verbindung zwischen den Opfern gefunden, sondern gleich den Täter. Mr. Hanson ist sein Hauptverdächtiger. Hanson ist ein Lehrer der nur alle ungeraden Wochen an der Schule ist und er hat ein Motiv. Er ist mit allen Opfern in der Öffentlichkeit in Streit geraten und hatte dabei wohl sein Gesicht verloren. Freitags hat er dann versucht sein Gesicht wieder herzustellen in dem er die Frauen bestrafte die ihn in seinen Augen so gedemütigt hatten.“


Können Sie diese Behauptungen beweisen?“ AD Skinner hörte aufmerksam zu. Er wusste wenn Mulder einen seiner Sprünge machte, traf dieser in der Regel zu. Aber ohne Beweise konnte er niemanden verhaften. „Eine Falle Sir. Wir wissen das er Freitag wieder zuschlagen wird um sich Luft zu verschaffen. Wenn wir sein Ziel wählen, könnten wir ihn auf frischer Tat verhaften. Er wird am Freitag seinem Opfer hinterher stellen und einfach auf einen günstigen Augenblick warten. Das ist seine Art sein Opfer auf zu lauern. Er beschattet sie nach der Schule, verfolgt sie auf dem Weg sonst wohin und schlägt zu wenn er sich unbeobachtet fühlt. Ihre Adresse kennt er wahrscheinlich von den Schulunterlagen“ Schulunterlagen, das könnte eines der Indizien sein mit dem sie ihm später die Taten nachweisen könnten. Aber darum konnten sich ihre Kollegen kümmern wenn sie Hanson hinter Schloss und Riegel hatten. Mit einem Namen und Gesicht würden sicherlich noch mehr Beweise zu finden sein die die Anklage erhärten würden.


Sie sollen Ihre Chance haben Agent Scully. Ich stelle ihnen ein paar Agenten zur Verfügung. Aber wenn der Versuch scheitert ist es ihr Kopf der in der Schlinge hängt.“ Warnte er sie und meinte damit nicht nur Paxton. Er machte sich sorgen, das sein Agent diesen widerlichen Mistkerl von Vergewaltiger in die Hände fallen könnte. Bei der Jagd mit Lockmitteln musste man damit rechen das der Köder verschluckt, angenagt oder sonst wie beschädigt wird. Der Lockvogel war immer in Gefahr, dass das Lockmittel eine FBI Agentin war, änderte an dieser Tatsache nicht das Geringste. „Ich habe verstanden, Sir.“ Er entließ sie und sie musste sich beeilen damit sie nicht zu spät zum Unterricht erschien.


Physik, Lincoln High

Donnerstag, 07.01.1993 10:50 h


Okay. Morgen Treffen wir uns nicht in diesem Raum sondern im Labor 3. Ich möchte das ihr bis dahin eure Versuche vorbereitet und meine Fragen schriftlich ausgearbeitet habt. Treffe ich eine Gruppe ohne Vorbereitung an, darf sie an der Laborarbeit morgen nicht teilnehmen.“ Mahnte sie noch einmal ihre Schüler. Bevor sie Mike alias Mulder zu sich rief. „Es verläuft wie abgesprochen. Lass mir aber noch etwas von Hanson übrig, schließlich bin ich der Star der Show.“ Sie hatte nicht wirklich ein gutes Gefühl bei dieser Sache. Sie hoffte nur das er ihn nicht zu sehr auf die Palme bringt, bevor sie das machten konnte. Oh Gott! Was dachte sie da gerade für einen Mist?


Rhetorik, Lincoln High

Donnerstag, 07.01.1993 14:50 h


Die Stunde war fast vorbei und eine seiner üblichen Theorien hatte für die nötige Stimmung gesorgt. Hanson hatte angefangen seinen sorgfältig vorbereiteten Vortrag auseinander zu nehmen. Hanson war wie er Psychologe so war es leicht gewesen ihn mit einem Thema wie ‚Profiler- Dem Straftäter auf der Spur’ auf die Palme zu bringen. Mulder hatte sich dabei keineswegs wie ein Laie sondern wie ein Psychologe mit Oxford- Abschluss gegeben. Das gab dem armen Mann den Rest und jetzt diskutierten sie heftig über seinen Vortrag. Er konnte schwören das er sogar in seinen alten britischen Akzent zurückgefallen ist als er mit dem Lehrer stritt. Er hatte in seinem Vortrag nur das verwendet was Patterson und Co heute verwendeten um Serientätern das Handwerk zu legen. Mulder wollte ihn aber nicht zu sehr provozieren weshalb er Hanson nicht als sein Beispiel verwendete sondern einen der klassischen Fälle, der in den Medien für reichlich Wirbel gesorgt hatte. Patterson's erster Fall, um genau zu sein. Er bot genug Raum für Kritik. Die Methoden damals waren noch nicht so weit wie Heute. Das konnte er verwenden um sein eigenes Profile von dem Täter zu erstellen und die beiden gegenüber zu stellen. Pro und Kontra. Damit war die Diskussion im Gange.


Damit war auch schon Scully’s Auftritt vorbereitet und sie ließ nicht lange auf sich warten. „Mister Forester, ich kann ihre Arbeit so nicht anerkennen. Ich schlage vor sie ändern sie ab oder bekommen eine schlechte Note.“ Die üblichen Drohungen eben. „Meine Arbeit ist korrekt. Das Profile basiert auf dem aktuellen Erkenntnisstand. Ich bin mir sicher das Mr. Patterson es heute in ähnlicher Form schreiben würde.“ Verteidigte Mulder seine Arbeit. „Mr. Patterson ist ein anerkannter PhD, während du nur ein kleiner Schüler auf einer drittklassigen Highschool bist. Wir kannst du dir also das Recht nehmen über so etwas entscheiden zu wollen? Du wirst in Naher Zukunft wahrscheinlich Autos waschen. Versuch erst einmal dein Abschluss in Psychologie zu machen, bevor du überhaupt anfängst von solchen Dingen zu reden. Deine Arbeit ist nichts weiter als heiße Luft, basierend auf heißer Luft.“ Der Lehrer war mehr als außer sich. Fabelhafte Arbeit Mulder, er hatte nicht einmal bemerkt wie Scully den Raum betrat. „Wie können sie so mit einem ihrer Schüler reden. Ich kenne Mikes Arbeit und weiß zufällig das sie auf Fakten basiert. Mr. Patterson hat in seinem Buch seine Arbeit an diesem Fall selbst kritisiert. Er hat dem Birden Fall sogar ein ganzes Kapitel eingeräumt, zusätzlich existieren eine Menge Medienberichte. Mr. Patterson hat ein paar Methoden des Profilierens in seinem Buch beschrieben, so ist Mikes Ergebnis genauso gut wie jedes andere. Schließlich handelt es sich hierbei um keine exakte Wissenschaft. Ich hatte Mike sogar unterstützt sein Profile im Vortrag zu verwenden.“ Und damit hatte Scully seine volle Aufmerksamkeit und den Streit voll entflammt. Mulder kam sich jetzt eher wie ein Ringrichter vor.


Alle blieben wie gebannt auf ihren Plätzen sitzen, bemerkten nicht einmal das die Stunde vorbei war. Erst Direktor Miles brachte die hitzige Diskussion zu einem Ende und sorgte dafür das die Schüler den Raum verließen. So bekam Mulder von dem Rest des Gesprächs nichts mehr mit. Er war sich aber sicher das sie ihr Ziel erreicht hatten.


Scully’s Wohnung, Georgetown

Freitag, 08.01.1993 17:00 h


Es war Showtime. Sie prüfte noch einmal ihren Sender, stellte sich das ihre Kollegen im Wagen sie auch wirklich verstanden. Dann machte sie sich auf den Weg. Die Route war genausten abgesprochen und sie musste bestimmte Checkpunkte passieren. So gehörte neben einen Spaziergang durch den Park ein Stopp beim Kaffeeshop und Deli zum Programm. Genügend Gelegenheit für den Verdächtigen um sie anzugreifen. Hoffentlich lief alles nach Plan. Mulder konnte ihr jetzt nicht helfen, er war schließlich kein FBI Agent. Sie kannte ihn aber gut genug um zu wissen, das er in der Nähe bleiben würde. Ein Gedanke der etwas Beruhigendes an sich hatte. Es war Zeit, sie atmete noch einmal tief durch machte sich auf den Weg.


Es waren kaum Leute im Park unterwegs. Wenn wunderte es, sie hatten Winter und die Außentemperatur lag nicht gerade im Wohlfühlbereich. Sie trug einen dicken Mantel doch die Kälte konnte sich durch die Ritzen schleichen oder war diese ganze Situation der Grund warum sie sich so kalt fühlte? Ihre Hände hatte sie tief in den Manteltaschen vergraben. Ihre Dienstwaffe drückte leicht bei jeder Bewegung an ihrer Seite, gab ein wenig das Gefühl von Sicherheit, auch wenn es nur trügerisch war. Sie ging langsam den Weg entlang, versuchte sich zu entspannen, an etwas anderes zu denken. Es viel ihr schwer nicht jeden Atemzug dafür zu verwenden sich um zu sehen. Sie konnte Mulder nirgends sehen. Sie fühlte sich mehr als allein. Sie steuerte eine Parkbank an, wollte sich für ein paar Minuten setzen. Was war wenn er den Köder nicht geschluckt hatte und eine andere Frau heute sein Opfer ist? Mulder würde sich das nie verzeihen. Er nahm sich so etwas immer sehr zu herzen. „Vorsicht!“ Warnte sie ein Stimme und sie hatte gerade noch Zeit sich weg zu drehen bevor er das Taschentuch in ihr Gesicht pressen konnte. Ihr FBI Training übernahm und ihr Angreifer lag auf dem Boden. Schnell hatte sie ihre Handschellen zur Hand und lass dem Mann seine Rechte vor. Ihr Kollegen kamen angestürmt und nahmen ihr Hanson ab. „Danke das ihr mich gewarnt habt. Sonst würde ich jetzt auf dem Boden liegen und nicht er.“ Der Agent neben ihr schaute sie nur an. „Sorry. Aber wir haben Sie nicht gewarnt. Agent Scully, wir haben den Angriff erst bemerkt als er bereits auf dem Boden lag. Gute Arbeit Agent.“ Sie schaute den Mann nur fragend an bis etwas anderes ihr Interesse weckte.


Mulder war an ihrer Seite und sie ließ sich in seine Arme fallen. Hanson bemerkte Mulder und schaute ihn mit großen entsetzten Augen an. „Schafft ihn fort!“ Befahl sie bevor er etwas über ihren Verlobten sagen konnte. Die Ähnlichkeit zu Mike schien ihm aufgefallen zu sein. So doof war der Mann dann wohl doch nicht. Sie beide schauten zu wie er abgeführt wurde und machten sich dann auf den Weg nach Hause. Sie brauchte eine kurze Verschnaufpause bevor sie sich wieder Henson widmen konnte. Ihre Kollegen schien dies zu verstehen, denn sie hielten sie nicht auf. Sie ließ sich von Mulder führen, blieb dicht an ihm geschmiegt, so als könnte er sich jede Minute in Luft auflösen. Sie brauchte ihn, er war ihr Anker.


Mulder’s Haus, Georgetown

Freitag, 08.01.1993 23:45 h


Sie lagen beide im Bett, er hielt sie in seinen Armen. Der Nachmittag kam ihr jetzt so surreal vor, so als hätte sie das alles nur geträumt. Sie hatte Henson verhört und es war Mulder der ihn dazu brachte zu gestehen. Henson schien ausgesprochen große Angst vor ihrem Verlobten zu haben und sie konnte nicht verstehen wieso. Es war nicht nur die Ähnlichkeit zu Mike die ihn beunruhigt hat. Sicher er hat danach gefragt und Mulder hatte ihm erklärt das Mike sein Cousin ist. Damit ließ er die Sache bewenden. Scully bedauerte es ein wenig das Mike am Montag nicht zur Schule gehen würde, jetzt wo der Fall aufgeklärt war gab es keinen Grund mehr dafür. Mulder hatte andere Geschäfte um die er sich dringend kümmern musste. Da waren seine schwarze Witwe und die Geschäftsleute die ein Problem mit dem Motorenwerk in Baltimore haben. Da sie nur halbtags im Schulgeschäft war konnte sie ihm vielleicht helfen. Scully würde die nächsten drei Wochen als Lehrerin eine ruhige Kugel schieben. Die Lincoln High war nicht ganz das was sie beide erwartet hatten und es machte ihr sogar Spaß dort zu arbeiten. Die Schule war dank ihrer Arbeit wieder etwas sicherer. Aber es gab nichts was ihr mehr Spaß machte als Verbrecherjagd mit Mulder. Trotzdem es gab da noch ein paar Dinge die sie wissen wollte.


Mulder? Warum hatte Henson so große Angst vor dir? Hatte er dich schon einmal gesehen?“ Er hatte wieder einen ganzen unschuldigen Gesichtsausdruck, wenn sie sich vielleicht etwas mehr anstrengen würde könnte sie vermutlich seinen Heiligenschein sehen. „Nein. Ich war etwas zu weit weg um dir zu helfen. So habe ich ihm ein paar meiner schönsten Gedanken geschickt damit er für eine Weile abgelenkt war.“ Bedeutete das etwa …? „Du hast mich gewarnt! Es war deine Stimme die ich gehört habe. Wie hast du das gemacht?“ Nun schaute er etwas verlegen nach unten, so als hätte er etwas ausgefressen. „Der Park war kaum besucht so habe ich mich einfach nur versteckt und mich auf die Gedanken und Gefühle um mich herum konzentriert. Ich habe ihn gespürt bevor ich ihn sah. So habe ich dich waren und ihnen ablenken können. Das mit dem Gedanken lesen ist keine Einbahnstrasse. Es funktioniert auch in die andere Richtung. Dir habe ich eine einfache Nachricht gesendet und ihm ein paar nette Bilder aus meiner glorreichen Vergangenheit. Vielleicht war ich in dem einen oder anderen Bild zu sehen.“ Es funktioniert auch in die andere Richtung? Er kann nicht nur Gedanken lesen sondern auch Senden? Warum hat er nie etwas gesagt? Warum ist sie nicht von allein darauf gekommen? Das hier ist schließlich Mulder. Er hat sie wie immer beschützt. Wie hatte sie auch nur eine Sekunde daran denken können, dass sie allein war? Sie kam sich plötzlich so dumm vor und es machte Klick. „Wie geht es dir Mulder? Hast du Kopfschmerzen, hat er dir weh getan?“


Es geht schon wieder. Nichts was eine Nacht Schlaf nicht korrigieren könnte.“ Versuchte er sie zu beruhigen und sie war gewillt ihm für einen Moment zu glauben. Sie kuschelte sich dichter an ihn ran und beide nahmen ihren wohl verdienten Schlaf.


FBI HQ, Washington

Samstag, 09.01.1993 10:00 h


Sie war ins Büro gekommen um ihren Bericht fertig zuschreiben und abzugeben. Montag hatte sie Schule und da würde es kaum Zeit dafür geben. Zur ihrer Überraschung war Skinner anwesend. Er bat sie in sein Büro und überflog kurz ihren Bericht. „Sehr gute Arbeit Agent Scully. SAC Paxton kann sich um den Rest kümmern. Ich verspreche ihnen das Henson uns so leicht nicht entkommen wird. Bitte richten sie auch Dr. Mulder meinen Dank aus. Sie beide haben wirklich ausgezeichnete Arbeit geleistet. Ich werde mich darum kümmern das er das übliche Beraterhonorar zugestellt bekommt. Ich würde es aber begrüßen wenn er uns noch eine Kopie seines Täterprofiles für die Akten zuschicken könnte.“ Das Lob ihres Vorgesetzten bedeutete ihr viel. „Danke, Sir. Sein Profile befindet sich bereits in der Akte. Ich habe es hinten angefügt, Sir.“ Sie hatte Mulder am Mittwoch keine Ruhe gelassen bis er ihr eins geschrieben hatte. Er verdiente Anerkennung und sollte sie auch bekommen. Es ging nicht das er sich in ihrem Schatten versteckte.


Lincoln High, Washington

Montag, 11.01.1993 8:00 h


Sie war heute schon etwas früher an die Schule gekommen, weil Direktor Miles sie sprechen wollte und es eine Lehrerkonferenz in der erste Schulstunde gab. Der Unterricht sollte erst ab der zweiten Stunde normal fortgesetzt werden. Im Lehrerzimmer war die Verhaftung von Mr. Henson das Gesprächsthema Nummer eins. Die Medien hatten bereits darüber berichtet. Sie saßen alle am großen Konferenztisch im Lehrerzimmer und warteten darauf was der Schuldirektor zu sagen hatte. Als er den Raum betrat wurde es ganz still im Raum. Sie war überrascht als sie Mulder an seiner Seite sah. Er kam zu ihr und nahm neben ihr Platz und drückte kurz zur Begrüßung ihre Hand. Sagte aber nichts weiter. Die Augen waren fragend auf ihn gerichtet wechselten aber schon bald zum Direktor als er mit seiner Rede begann: „Danke das sie sich alle hier versammelt haben. Wie sie vielleicht aus den Medien erfahren haben ist die schreckliche Serie von Gewalt die unsere Schule befallen hatte aufgeklärt worden. So erfreulich dies auch seinen mag, mit den Taten konnte Mr. Henson in Verbindung gebracht werden, das wirft ein schlechtes Licht auf diesen Lehrkörper. Wie sollen unsere Schüler ihren Lehrern vertrauen wenn so etwas passieren kann? Ich möchte das sie sich die Zeit nehmen und mit ihren Schülern dieses Thema offen diskutieren und dazu Stellung nehmen. Wissen und die Wahrheit waren schon immer die besten Mittel die Dunkelheit zu bekämpfen und so möchte ich es auch in diesen Fall halten.“


Mr. Miles klärte die Lehrer kurz über die weitere Vorgehensweise auf und erläuterte ihnen noch einmal wie wichtig es war das Vertrauen der Schüler zurück zu gewinnen. Sie als Lehrer waren gefragt und durften die Aufklärungsarbeit keines falls den Medien überlassen. Schweigen war das Schlimmste was sie in dieser Situation machen konnten. „Ich hoffe sie wissen das wir im Interesse unserer Schüler geschlossen auftreten müssen. Es ist ein schwerwiegendes Problem vor dem wir stehen und ich bin froh das uns Special Agent Dana Scully und ihr Partner Dr. Mulder helfen wollen. Agent Scully wird bis Ende des Monats weiter an der Schule unterrichten. Ihr Partner Dr. Mulder hat sich bereit erklärt bis dahin bei der psychologischen Betreuung unserer Schüler zu helfen. Er ist ein anerkannter Psychologe und wird ihnen gerne ihre Fragen beantworten. Er wird für einige Zeit das Büro des Schulberaters teilen und ihnen in den nächsten Tagen immer von 8:00 Uhr bis 11:40 zur Verfügung stehen. Bitte weisen auch ihre Schüler auf dieses Angebot hin.“ Der Direktor begrüßte sie beide im Team, beantwortete noch ein paar Fragen und beendete dann die Lehrerversammlung.


Alle schauten sie nun an. Mulder lächelte freundlich in die Menge. Sie beide sind FBI Agenten?“ brach Mrs. Jackson ungläubig die Stille. „Nein. Ich arbeite nur Gelegentlich als Berater für das FBI.“ Beantwortete Mulder die Frage. „Sie sehen Mike Forester ähnlich. Sind sie mit ihm verwandt?“ setzte Mrs. Chapman das Verhör fort. „Ja. Wir sind Cousins. Ich bedaure das er bereits zurück nach Algerien musste, sonst hätten sie ihn selber fragen können.“ Damit hatte Mulder auch gleich seine Abwesenheit entschuldigt. „Welche Rollen haben sie in der Verhaftung von Mr. Henson gespielt?“ Die Stimme war fast anklagend. „Es war meine Aufgabe Informationen an der Schule zu sammeln. Deshalb habe ich hier als Lehrerin gearbeitete. Dr. Mulder war so freundlich ein Täterprofil für uns zu erstellen mit dessen Hilfe wir auf Mr. Henson als Täter gekommen sind. Mit Dr. Mulders Hilfe konnten wir ihm Freitag eine Falle stellen und die Verhaftung durchführen. Die Ermittlungen sind noch nicht abgeschlossen, so kann ich im Augenblick nicht mehr über den Fall berichten.“ Beantworte Scully die Frage. Das Verhör wurde noch bis zum Klingeln fortgesetzt, dann mussten alle zur zweiten Unterrichtsstunde und ihren Schülern.


Cafeteria, Lincoln High

Montag, 11.01.1993 11:50 h


Sie tranken beide gemütlich einen Kaffee bevor sie sich auf dem Weg machen würden. Beide hatte sie eine Menge Fragen beantworten müssen und konnten ihre Ruhe vertragen. Scully erzählte ihm über ihre drei Unterrichtsstunden. Sie war kaum dazu gekommen ihren Unterricht fort zu setzten. Alles drehte sich nur um dieses eine Thema. Abgesehen von Becky schien niemand Mike zu vermissen. Die Kleine tat ihr Leid, doch konnte sie nichts daran ändern. Mike Forester war gegangen. Sie hatte gesehen wie Mulder in einer der Pausen mit ihr gesprochen hatte, wollte ihn deshalb aber nicht ausquetschen. Das ging nur ihn und Becky etwas an. „Danke, dass du gekommen bist.“ Ihr brannte das Thema schon seit heute morgen auf der Seele. „Wie bitte? Ich wusste nicht das dir so viel an meiner Gesellschaft liegt. Du sollst schließlich nicht den ganzen Spaß für dich alleine haben.“ Er grinste und versuchte wie immer alles herunter zu spielen. „An deiner Gesellschaft liegt mir immer viel. Ich teile den Spaß gern mit dir. Sag mal wie viel willst du vom Spaß mit Paxton und Skinner abhaben?“ Jetzt war sie an der Reihe mit Grinsen. „Aber Scully ich wusste nicht das du auf so etwas stehst. Ich teile höchst ungern mit anderen. … Mal Hand aufs Herz, was für ein Problem hast du mit diesem Paxton?“


Nicht viel. Er ist ein chauvinistisches Schwein, der glaubt das Frauen keine FBI Agenten sein sollten. Es hatte meine Ideen einfach ignoriert so bin ich am Donnerstag über seinen Kopf zu Skinner gegangen.“ Weihte sie ihn kurz ein. „Autsch. Jetzt steht er also als inkompetenter Volltrottel dar. Weißt du schon was ihn dieses kleine Missgeschick kosten wird? Sag nicht er landet wie Colton irgendwo in Kansas und jagt Bauern die ihre Felder überdüngt haben.“ Ja der Gedanke an Colton bis zum Hals in Scheiße bereitete ihm sichtbar vergnügen. „Etwas Ähnliches. Ich habe gehört das er bei OPR einen Termin hat. Was dann kommt ist noch nicht entschieden.“ Sie hatte keine Lust sich länger mit diesem Mann zu beschäftigen. Der Fall hatte ihr mehr Gelegenheit gegeben sich zu revanchieren mehr als sie es sich in ihren kühnsten Träumen hätte vorstellen können. Sie wollte ihn nicht unbedingt vor dem ganzen FBI bloß stellen, das hatte sich in der Situation einfach so ergeben. Er hatte auch nicht gerade etwas dagegen unternommen. Aber Mitgefühl konnte sie für Paxton nicht aufbringen. Egal was auf ihn zukommt das hatte er sich selbst zu zuschreiben.


Kapitel 10 „Manchmal kommt es richtig dick!“


Scully’s Wohnung, Georgetown

Sonntag, 24.01.1993 15:00 h


Ihre Eltern waren zu Besuch und Fox war noch nicht eingetroffen. Er hatte versprochen vorbei zu kommen wenn ihre Eltern eintrafen. Wo steckte er schon wieder? „Wie gefällt dir das Unterrichten an der High School, Dana?“ Riss sie ihre Mutter aus ihren Mulder gegenüber sehr finsteren Gedanken. „Erstaunlich gut. Es ist wirklich etwas anderes als Kurse an der FBI Academy zu geben. Ich kann kaum glauben das es Freitag schon vorbei ist.“ Scully hatte wirklich ihren Spaß mit den Schülern der Lincoln High gehabt. „Das freut mich zu hören. Wie hat es Fox aufgenommen das du dort unterrichtest?“ wollte ihr Vater wissen. „Er hatte nach dem Vorfall der Schule seine Hilfe als Psychologe angeboten und hat so die letzten zwei Wochen mit mir gemeinsam an der Schule verbracht. Auch ihm hat es bisher ganz gut gefallen.“ Sie konnte sich denken worauf Ahab hinaus wollte. Das alte Thema, sie hatte aber heute keine Lust sich darüber zu streiten. „Ihr seit also beide an der Lincoln High?“ Ihre Mutter hatte es scheinbar Begriffen und kam ihr zur Hilfe. „Ja. Wir arbeiten beide vormittags an der Schule. Er teilt sich das Büro mit dem Counselor und führt Beratungsgespräche, beantwortet Fragen und so weiter die sich mit der aktuellen Situation an der Schule beschäftigen. Viele Schüler und Eltern waren verunsichert, weil der Täter aus den Reihen des Lehrkörpers kam. Er hat viel getan um das alte gute Verhältnis zu den Lehrern wieder herzustellen.“ Mulder hatte wirklich hervorragende Arbeit geleistet und wie stolz sie auf ihn war konnte man ihrer Stimme entnehmen.


Habt ihr euch bereits für einen Termin entschieden?“ Wechselte Ahab das Thema. „Wir dachten an einen Termin im Mai oder Juni. Wir planen Anfang Februar zusammen zu ziehen. Das hatte mich ehrlich gesagt die letzte Zeit mehr beschäftigt.“ Sie wunderte sich schon seit Wochen, wie ihre Eltern darauf reagieren würden, jetzt würde sie es wissen. „Das ist großartiges Liebes.“ Ihre Mutter schien dies nicht zu stören. „Zu meiner Zeit heiratete man erst und zog dann zusammen.“ Ihr Vater hatte wohl doch etwas dagegen. „Aber heute ist das ja alles anders. Wisst ihr schon wo ihr wohnen werdet?“ fügte Ahab an bevor sie etwas einwenden konnte. „Mulder wohnt bereits im Haus. Er hatte bei der Wahl seiner neuen Wohnung mich bereits mit eingeplant. Ein Stadthaus hier in Georgetown.“ Ob sie ihre Eltern zu einer Besichtigungstour einladen sollte, bevor sie einzieht? „Gleich ein Haus. Er muss sich seiner Sache ja wirklich sicher gewesen sein.“ Da hatte Ahab nicht ganz Unrecht. „Er wollte einen Platz an dem er nicht nur Leben sondern auch Arbeiten kann. Er hat ein Unternehmen zu führen und überlegt ob er seine Praxis nicht wieder eröffnen möchte. So diente ein Haus eher seinen Zwecken als ein kleines Apartment.“ Auch wen ihr Vater recht hatte so musste sie es ihm nicht gleich auf die Nase binden. Bei der Gelegenheit, wie sollte sie ihm das mit dem Dienstpersonal erzählen? Sie konnte sich selbst noch nicht an diese Leute gewöhnen. Es klingelte.


Mulder war endlich eingetroffen und wurde von ihrer Mutter mit einer Umarmung und einem Kuss auf die Wange begrüßt, während sich die beiden Männer nur die Hände schüttelten. Sie brachte ihm eine Tasse Kaffee und er entschuldigte sich für die leichte Verspätung. Er hatte auf dem Weg von Arlington hier her wegen einem Unfall im Stau gestanden. Er hatte wohl Roy besucht. Scully machte sich eine mentale Notiz ihn später darüber aus zu quetschen. „Es ist schön sie wieder zu sehen Mister und Misses Scully.“ Brachte er das Thema auf den Besuch ihrer Eltern zurück. Es war offensichtlich das er nicht über seinen Arlington Trip reden wollte. „Aber Fox, hatten wir uns nicht darauf geeinigt das du mich Maggie nennst und mein Mann William?“ Meinte Maggie im selben Ton den sie verwendete wenn sie ihre fünfjährigen Kinder belehrt hatte. Oh Mulder, du weißt nicht worauf du dich eingelassen hast. „Entschuldige Maggie. Hattet ihr eine angenehme Fahrt? Bleibt ihr etwas länger?“ Fragen stellen, das war Mulders Element. In der Hinsicht wussten ihre Eltern nicht worauf sie sich einließen. „Nicht so stürmisch Fox. Eins nach dem anderen. Wir sind von Baltimore gut hier her gekommen und nein, wir bleiben nicht länger. Wir fahren heute Abend wieder zurück.“ Maggie hatte Mulder praktisch adoptiert und behandelte ihn wie eines ihrer Kinder. Wenn er Glück hatte würde er in den Augen ihrer Mutter bald das Teenageralter erreichen.


Das ist schade. Dann bleibst ihr wohl nicht bis zum Abendessen, oder?“ Er klang wirklich enttäuscht. Er war bis jetzt der einzige ihrer Freunde, der ihre Eltern wirklich mochte. Nicht einmal Ahab konnte ihn vergraulen. Auch wenn es ihr Vater öffentlich nie zugeben würde. Mulder war der erste ihrer Freunde der ihm gefiel. Ihre Mutter hatte es ihr kurz nach Weihnachten erzählt. ‚Der Junge hat Rückrad, ist keiner von diesen Wichtigtuern die sie sonst anschleppt.’ Soll er zu ihr gesagt haben. Jack und Daniel fielen definitiv in diese Kategorie so konnte sie ihrem Vater wegen dem ‚Wichtigtuern’ nicht einmal Vorwürfe machen. „Ein anderes Mal Fox. Wie wäre es zu Dana’s Geburtstag. Denn feiert ihr doch bestimmt im neuen Haus? Dann bleiben wir etwas länger“ Mulder gab sich mit dem Vorschlag ihrer Mutter zufrieden und sie hatte bei dem Gedanken ein Kloß im Hals. Das brachte das lästige Dienstpersonal- Problem wieder in den Vordergrund. Es war ihr irgendwie peinlich. Sie sollte wirklich einmal mit Fatima darüber sprechen. Die junge Araberin war dieses Leben gewöhnt. „Das ist eine gute Idee, Mom.“ Stimmte sie zu. Irgendwann würde die ganze Geschichte doch ans Licht kommen und an ihrem Geburtstag hatte sie gewissen Vorteile und wer weiß vielleicht hielten sie all die vielen Leute für den Catering Service.


Sie machten sich ein schönen Nachmittag, unterhielten sich über die Ereignisse der letzten Zeit und so gegen 17:00 Uhr verabschiedeten sie sich. Scully und Mulder blieben in ihrer Wohnung und bestellten sich Chinesisch zum Abendessen. Sie unterhielten sich beim Essen über seinen Besuch bei Roy. Roy’s Kumpel dieser DeLavega hatte scheinbar immer noch keine weiteren Informationen finden können. Wie es aussah hatte die Schwarze Witwe Norfolk einen Besuch abgestattet. Sie war wohl doch nicht auf den direkten Weg hierher. Roy und DeLavega wollten jedenfalls am Ball bleiben. Sie würden sich melden falls sie unsere Hilfe brauchen. Um 19:00 Uhr verabschiedete sich Mulder. Sie hatte noch Hausaufgaben zu korrigieren und auch er hatte noch Hausaufgaben zu machen. Das Problem mit dem Motorenwerk war Zeit intensiver als er es sich vorgestellt hatte. Bisher hatte er gerade drei der Geldgeber die hinter dieser dubiosen Investorengruppe steckten ausfindig machen können. Mulder beherrschte das Geschäft inzwischen gut und würde die anderen beiden von den sie wissen schon bald finden. Da war sie sich sicher.


Scully’s Wohnung, Georgetown

Sonntag, 24.01.1993 22:30 h


Sie war endlich fertig mit den Korrekturen und im Fernsehen lief auch nichts Besonderes. Sie wünschte sich Mulder wäre hier oder das sie mit ihm mit gefahren wäre. Sie würde die Nacht lieber in seinen Armen verbringen als allein in ihrem kalten Bett. Ein Geräusch ließ sie in Richtung Sofa blicken und sie konnte kaum glauben wenn sie da sitzen sah. „Ahab?“ Er schaute sie nur an. Seine Lippen bewegten sich, so als würde er ihr antworten wollen aber kein Ton war von ihm zu hören. „Ahab, Ich dachte du und Mam seid zurück nach Baltimore gefahren.“ Wie war er in die Wohnung gekommen? Sie hatte die Tür doch verriegelt nach dem Mulder gegangen war. Es schien als würde er ihr etwas sagen wollen und sie ging dichter in der Hoffnung etwas verstehen zu können. Das Telefon klingelte und sie drehte sich einen Moment zum Telefon. „Ahab, ich ... mal …“ Sie sprach nicht weiter ihr Vater war verschwunden als sich ihre Aufmerksamkeit wieder Richtung Couch wandte. Sie sah sich im Raum um doch von ihrem Vater fehlte jede Spur so beschloss sie erst einmal ans Telefon zu gehen.


Liebes. Ich bin es Mom.“ Ihre Mutter? Aber wenn Ahab hier war wo war sie dann? „Mam. Wo bist du?“ Das alles kam ihr jetzt ausgesprochen spanisch vor. „Dana … Dein Vater … Dein Vater ist gegangen. … Er ist Tod, Dana.“ Sie hörte die gebrochenen Worte, ihre Mutter weinte. Tod? Aber wie konnte das angehen? Er war doch gerade erst hier gewesen? „Mama? Ich verstehe nicht? Wie kann das sein? Er war doch …“ Sie sprach nicht weiter. „Liebes es ging so schnell. … Wir sind zu Hause angekommen. … Dein Vater hat über schmerzen in der Brust geklagt. … Ehe ich mich versah ist er vor meinen Augen zusammen gebrochen. … Ich habe den Rettungsdienst verständigt. … Er wurde ins Krankenhaus gebracht. … Vor ein paar Minuten ist er eingeschlafen. … Es tut mir so Leid Liebes.“ Herzinfarkt? Aber ihr Vater war doch ein echter Seebär, nie krank. Warum so plötzlich? Sie konnte ihre Tränen nicht mehr bremsen. Sie wollte nicht allein sein. „Mam. Ich komm sofort nach Baltimore.“ Ihre Mutter weinte immer noch und Scully wünschte sich nichts sehnlicher als sie zu trösten. Sie zu umarmen. „Nein, Liebes. Wenn du kommen musst dann komm Morgen. Du kannst in deinem jetzigen Zustand nicht Autofahren. Ruf Fox an und bitte bleib in Washington. Wir haben diese Nacht schon genug verloren.“ Das war typisch ihre Mutter. Egal was passierte immer um das Wohl ihrer Kinder besorgt. „Gut Mam. Ich komm aber Mooooorgen.“ Ihre Stimme wollte auch nicht mehr. Sie beendeten kurze Zeit später das Gespräch und sie wählte Mulders Nummer auf Autopilot. Sie brauchte ihn, konnte diese Nacht nicht allein durchstehen.


Mulder.“ Meldete er sich. Sie hatte sich immer noch nicht beruhigte so musste er sie weinen und schluchzen hören. „Dana bist du das?“ Fragte er nach dem sie immer noch kein Ton gesagt hatte. „Jaa.“ Es hatte sie alle Kraft gekostet dieses einfache Wort laut auszusprechen. „Dana? Ich bin auf dem Weg. Leg auf. Ich ruf dich über Handy zurück. Gib mir zehn Minuten dann bin ich bei dir.“ Er legte auf ohne auf eine Antwort zu warten. Sie tat es ihm gleich und nicht mal 30 Sekunden später hatte er sie wie versprochen zurück gerufen. „Ich bin auf dem Weg. Willst du mir nicht erzählen was los ist?“ Seine Stimme hatte einen beruhigenden Klang. Mulder war im vollen Psychologenmodus. „Ahab …“ Sie konnte es nicht einmal aussprechen. „Es geht um deinen Vater? Ist ihm etwas zugestoßen?“ Sie konnte im Hintergrund die Wagentür zuknallen hören und dann wie die Räder quietschten. Er war auf dem Weg. Er ist gleich hier. Er soll sich beeilen! „Ist Okay Dana. Ich bin gleich da.“ Er redete weiter wie ein Wasserfall. Sie wusste nicht wovon er sprach, das ging alles irgendwie unter. Es war sein Stimme, sie klang beruhigend und gab ihr das Gefühl nicht allein zu sein. Sie klammerte sich ans Telefon als wäre es ein Rettungsring. Ihr Anker.


Mulder beendet das Gespräch erst als er Scully in seinen Armen hatte. Er hatte sich selbst in die Wohnung gelassen und hielt sie jetzt nur fest. Lies sie weinen und trugen sie dann zum Bett wo er sich mit ihr zusammen hinsetze. Er wagte es nicht sie los zu lassen und redete weiter beruhigend, tröstend auf sie ein bis sich scheinbar nach einer unendlich langen Zeit beruhigt hatte. Sie war erschöpft und würde wohl jeden Augenblick einschlafen. Er half ihr aus der Bluse und Hose die sie trug, öffnete dann ihren BH und streifte ihr dann sein T- Shirt über. Er wollte sie keine Sekunde allein lassen. Sie ließ sich wie ein Puppe ins Bett verfrachten und er nahm sich nur kurz die Zeit sich seiner Hose und Schuhe zu entledigen bevor er sich zu ihr legte. Sie kuschelte sich dicht an ihn heran und weinte sich langsam in den Schlaf. Sie hatte kein einziges Wort gesagt.


Scully’s Wohnung, Georgetown

Montag, 25.01.1993 09:30 h


Mulder hatte Akim, die Schule und das FBI angerufen um ihnen mitzuteilen das sie heute nicht kommen würden. Ein Notfall in der Familie. Alle hatten sich sehr verständnisvoll gezeigt auch wenn sie nicht wussten was genau für ein Notfall vorlag. Er hatte nur Skinner über die Ereignisse der letzten Nacht eingeweiht und ihr Boss hatte Scully ohne Probleme den Tag frei gegeben. AD Skinner wollte aber sofort informiert werden, wenn er etwas Neues erfahren würde. Dieser Mann schien sich wirklich um seine Leute zu sorgen. Kein Vergleich zu Patterson. Scully schlief noch, so machte er ihr ein leichtes Frühstück das er mit zu ihr ans Bett nehmen wollte. Vielleicht ging es ihr wieder gut genug um mit ihm zu reden. Er wusste schließlich nur das es um ihren Vater ging. Nach ihrem Verhalten befürchtete er das Schlimmste.


Die Rühreier waren schnell gemacht. Dazu machte er ein paar Scheiben Tost und stellte die Butter und das Gelee mit aufs Tablett. Er fand Tee und zog ihn dem Kaffee vor. Zuletzt stellte er noch zwei Gläser O- Saft aufs Tablett und brachte dann alles in ihr Schlafzimmer. Sie hatte sein Kissen im Arm und lag jetzt auf ganz auf seiner Seite vom Bett. Sie schien ihn gesucht zuhaben. Er stellte seine Last ab und streichelte vorsichtig die Wange. „Scully? Bist du schon wach?“ fragte er leise, ihm war nichts besseres eingefallen zu fragen. Sie nickte nur, brauchte aber noch eine Weilte um ihre Augen zu öffnen und ihn anzuschauen. Er lächelte sie freundlich an. „Ich habe uns Frühstück gemacht.“ Er deutete mit einer Geste der Hand Richtung Tablett. Sie machte ihm Platz damit er sitzen konnte. Sie aßen beide friedlich ohne ein Wort zu sagen. Er schmierte ihr den Toast, reichte ihr den O- Saft und sorgte dafür das sie auch etwas von dem Ei aß. Erst danach war sie bereit über gestern Abend zusprechen. Die Nachricht vom Tod ihres Vaters, war auch für ihn eine Überraschung. Er hatte den Mann nur kurze Zeit gekannt, er hatte ihn respektiert und gut leiden können so ging sein Tod auch an Mulder nicht ohne Anteilnahme vorbei. Doch er ließ sich dies nicht anmerken. Dana brauchte ihn jetzt.


Gegen Mittag waren sie dann soweit das sie nach Baltimore fahren konnten. Er hatte Skinner über die genauen Hintergründe informiert und er versprach sich um die Schule zu kümmern. Scullys Sachen waren gepackt und seine musste er nur noch abholen wenn sie los fuhren. Er hatte bei sich angerufen und Fatima gebeten das sich jemand um sein Gepäck kümmert. Er trug Scullys Koffer zu seinen Wagen und half ihr dann in den Beifahrersitz. Sie fuhren schweigen zu seinem Haus und weiter nach Baltimore. Es war eine lange Fahrt.


Scully’s Haus, Baltimore

Dienstag, 26.01.1993 10:05h


Sie war allein im Haus. Den Fernseher hatte sie ausgeschaltet. Sie konnte die Story über zwei tote CIA Angestellte in Langley nicht mehr hören. Die Welt schien sich plötzlich nur noch um den Tod zu drehen. Billy und Missy würden bald hier sein. Charlie konnte nicht kommen, der der Angriff auf Bagdad am 19. Januar hatte dies unmöglich gemacht. Sein Schiff war in erhöhter Alarmbereitschaft. Mulder war mit ihrer Mam unterwegs. Er half ihr bei den Vorbereitungen der Beerdigung und den tausend Dingen die geregelt werden mussten. Ihrem Vater stand ein Begräbnis in Arlington mit allen Ehren zu, doch er hatte sich gewünscht das seine Asche der See übergeben wird. Er hatte das Meer geliebt, neben ihrer Mutter seine andere große Liebe. Schon Morgen würde Ahab seinen Wunsch erfüllt bekommen. Father McCue würde die Zeremonie durchführen, er kannte die Familie schon seit vielen Jahren. Ihre Mutter hatte unter anderem ‚Beyond the Sea’ als Begleitmusik ausgewählt. Dieser Titel hatte eine große Bedeutung für ihre Eltern, sie hatten die Geschichte so oft erzählt. Es war der Song wurde im Hafen gespielt als Ahab’s Schiff nach der Kubablockade zurück in den Hafen kam und er Mam einen Heiratsantrag machte. So viele Erinnerungen.


Es waren nur noch zwei Stunden bis Mittag. Bis dahin wollten alle hier sein, so ging sie in die Küche und schaute sich um was sie zu Essen haben. Ihr war danach etwas zu kochen. Sie brauchte Beschäftigung. Mit Sicherheit würde sie Mulder morgen bitten mit ihr zurück nach Washington zufahren. Sie musste etwas tun und was gab es da besseres als ihren Job. Sie war in den letzten Stunden noch zu einer anderen Erkenntnis gekommen. Das Leben war kurz und sie wollte keine Minute mehr davon verschwenden. Sie wollte nicht mehr länger warten und Mulder so schnell wie möglich heiraten.


Mulder’s Haus, Georgetown

Mittwoch, 27.01.1993 20:00 h


Bist du dir sicher? Willst du das wirklich?“ Mulder war besorgt um sie und glaubte sie würde sich da in irgendwas hineinsteigern. Aber Scully war sich noch nie so sicher gewesen. „Ja, ich mir sicher. Ich weiß das du glaubst ich brauche meine Familie, tausend Gäste und so weiter. Aber da irrst du dich. Alles was ich will bist du. Für meine Familie können wir später gerne noch eine kirchliche Trauung inszenieren. Aber jetzt will ich einfach deine Frau werden und mit dir zusammen Leben.“ Sie schaute ihm in die Augen und hoffte das er in ihren lesen konnte wie ernst es ihr war. „Ich liebe dich und möchte nur das Beste für dich. Wenn es das ist was du dir wünscht Scully, dann soll es so sein.“ Er umarmte sie. „Danke, Mulder. Ich liebe dich und wünsche mir im Augenblick nichts sehnlicher als deine Ehefrau zu sein. Was hältst du von Sonnabend? Ich habe einen Bekannten beim Standesamt, er bekommt uns sicher noch hinein geschoben. Mein Bluttest kann ich bis dahin haben und Akim hat mir versichert das er dir bis dahin einen besorgen kann.“ Übernahm sie die Planung. „Was eine Hochzeit ohne Elvis?“ Das musste wieder kommen Las Vegas Hochzeit mit Elvis und irgendwelchen Spielsüchtigen als Trauzeugen. Nein Danke. Ihr Blick reicht ihm als Antwort, vollkommen aus und ihr Ellbogen leicht in seine Seite gestoßen unterstrich es noch einmal sehr deutlich.


Ich bin mir sicher das Roy und Rike als Trauzeugen aushelfen. Ringe was Einfaches, Schlichtes. Die können wir uns Morgen aussuchen.“ Sie plante schon mal und er hörte ihr nur zu. Es hatte eh keinen Sinn, sie würde ihn doch nicht zu Wort kommen lassen. Scully konnte ausgesprochen bestimmend sein. „Okay. Eine kleine feine Hochzeit und wir verbringen unsere Flitterwochen in Paris. Ich wollte letztes Jahr mein Urlaub dort verbringen, doch dann ist alles anders gekommen als geplant.“ Warum nicht ein paar Bedingungen anknüpfen. „Einverstanden.“ Mit einem Kuss war alles besiegelt.


Mulder’s Haus, Georgetown

Sonnabend, 30.01.1993 20:00 h


Mrs. Mulder. Darf ich sie um diesen einen Tanz bitten?“ Er verbeugt sich leicht vor ihr und reichte ihr dann die Hand. „Gerne. Mr. Mulder.“ Sie lächelte ihn breit an und nahm seine Hand. Mulder führte sie auf ihre kleine Tanzfläche, ein langsamer Walzer wurde aufgelegt. Sie waren nun offiziell Mann und Frau. Mulders Leute hatten sich um eine kleine private Feier gekümmert und dafür gesorgt das Scully’s Sachen und Möbel aus ihrer alten Wohnung hier hergebracht wurden. Auf Akim war wie immer verlass. Roy und Fatima hatten die Rollen der Trauzeugen übernommen während es Rike sich nicht nehmen ließ das Essen für die kleine Feier vorzubereiten. Die Küche in Mulders Haus wer perfekt für ihre Zwecke geeignet gewesen und am liebsten hätte sie sich hier ganz einquartiert. Die Trauung war am späten Nachmittag wie abgesprochen auf dem Standesamt mit nur den beiden Zeugen anwesend durchgeführt worden. Er hatte einen schwarzen Anzug getragen und sie ihr Lieblingskostüm. Ein weißes Brautkleid wollten sie sich für die spätere kirchliche Trauung aufheben. Mulder hatte darauf bestanden das sie dann auch einen ‚richtigen’ Ehering bekommen würde. Als wären die beiden goldenen Ringe die sie Donnerstag gekauft hatten nicht echt genug. Gleich im Anschluss der Zeremonie sind sie zurück zum Haus gefahren wo sie jetzt gemütlich mit ihren Freunden das gute Essen genossen und ausgelassen feierten.


So saßen sie nun alle in Mulders großen Salon, das neue glückliche Ehepaar tanzte. Roy mit seiner Partnerin Rike leisteten ihn schon bald Gesellschaft auf der kleinen improvisierten Tanzfläche. Sie tanzten und feierten bis in die späte Nacht hinein. Als sich alle verabschiedeten machte sich das Ehepaar auf in ihr neues gemeinsames Schlafzimmer. Es hatte sich seit heute Morgen ganz schön verändert. Kerzen brannten über all im Raum. Das Bett war frisch bezogen mit feiner weißer Satinbettwäsche. Rosenblätter lagen über das ganze Bett verstreut auf dem Nachtisch stand ein Kübel mit eisgekühltem Champagner, zwei Gläser und eine Schale frischer Erdbeeren. Hier hatte sich jemand größte Mühe gegeben und alles schien so perfekt. Sie lagen sich in den Armen, küssten sich. Jeder wollte den anderen spüren und zeigen wie sehr sie einander bedeuten.


FBI HQ, Washington

Montag, 01.02.1993 8:30 h


Agent Scully. Wie geht es ihnen?“ Skinner gab ihr die Hand. „Mir geht es gut. Danke das sie sich um alles gekümmert haben. Ich hatte letzte Woche wirklich nicht gewusst wo mir der Kopf steht. Vielen Dank, Sir.“ Sie schüttelte seine Hand und nahm dann den angeboten Platz in seinem Büro an. „Ich sehe sie haben die Zeit auch anderweitig genutzt. Ist es den immer noch Agent Scully oder sollte ich sie jetzt eher mit Agent Mulder ansprechen?“ Er zeigte kurz auf den goldenen Ring an ihren Ringfinger den sie jetzt zusammen mit ihrem Verlobungsring am selben Finger trug. „Es bleibt vorerst bei Agent Scully, Sir. Wir planen noch eine kirchliche Zeremonie mit unserer Familie und Freunden. Erst dann wollen wir es richtig offiziell machen und beide denselben Familiennamen tragen.“ Erklärte sie kurz. „Mr. Mulder ist ein Glückspilz. Das er eine Frau wie sie an seiner Seite hat. Ich beglückwünsche sie beide zu diesem Entschluss.“ Sie hatte ihn noch nie zu vor lächeln sehen. „Danke, Sir. Ich werde es Mulder ausrichten. Darf ich erfahren warum sie mich in ihr Büro gerufen haben?“


Ihr Auftrag an der Lincoln High ist offiziell beendet und Mr. Miles der Schuldirektor hat uns ein Dankschreiben geschickt in dem er ihre und Mr. Mulders Arbeit ausgesprochen lobend erwähnt. Sie haben hervorragende Arbeit geleistet und man hat sie für eine Belobigung vorgeschlagen. Leider sind auch ein paar negative Dinge während ihrer Abwesenheit vorgefallen. OPR hat Agent Paxton aufgrund seiner schlechten Handhabung des Henson Falls suspendiert bis ein neues Tätigkeitsfeld für ihn gefunden werden kann. Das FBI toleriert das Verhalten von Agent Paxton Frauen gegenüber nicht und hofft damit ein Zeichen gesetzt zu haben.“ Paxton war nicht der einzige im FBI der so dachte. Scully bezweifelte das dies irgendetwas ändern würde. „Das ist gut zu hören, Sir. Sie sagen es gibt mehrere schlechte Neuigkeiten?“ Sie hasste länger zu warten. Schlechte Nachrichten wollte sie am liebsten sofort ohne heißen Brei serviert haben. „Luther Lee Boggs. Er ist ein verurteilter Serienmörder, der am 06. Februar im Staat North Carolina hingerichtet werden soll. Er glaubt einen Weg gefunden zuhaben wie er diesem Schicksal entgehen kann. Im selben Bundesstaat wurden am Wochenende zwei Studenten entführt. Boggs behauptet nun das er die Behörden zu den Kidnapper führen kann, wenn der Staat sein Todesurteil in Lebenslänglich umwandelt. Er glaubt so eine Art Medium zu sein. Wir brauchen ihre Hilfe ihn zu entlarven als das was er ist und gleichzeitig die beiden Studenten zu finden.“ Das klang wirklich mies und sie kam sich plötzlich wie Jodie Foster im Schweigen der Lämmer vor. Er gab ihr drei Akten und sie hatte das Gefühl das dies noch nicht alles war. „Ist das alles, Sir?“


Leider nicht. Boggs will nur mit einer Person verhandeln. Er hat explizit nach Mr. Mulder gefragt. Es war Mulders Profile was dieses Monster hinter Gitter gebracht hat.“ Warum hatte sie gefragt? „Sir. Ich lehne eine Teilnahme meines Mannes an diesem Fall ab.“ Kam fast automatisch aus ihrem Mund. „Auch wenn zwei Leben auf dem Spiel stehen. Sie sollten einmal einen Blick in Boggs Akte werfen um zu sehen zu welchem Schicksal sie diese beiden jungen Leute verurteilen.“ Versuchte er sie um zu stimmen. Sie blätterte kurz durch die Akte. Sah die Gewalt, Leid, Tod und Folter deutlich in den Bildern. „Sie verstehen nicht Sir. Die Gesundheit meines Mannes währe durch diesen Fall genauso gefährdet. Ein Besuch bei Boggs wäre mentale Tortour für ihn. Er könnte seinen Verstand verlieren.“ Blieb sie bei ihrem Standpunkt. Sie wusste nicht wie sie es ihrem Boss erklären sollte. Sie konnte ihm schlecht erzählen das Mulder die Gefühle anderer Menschen lesen, fühlen, spüren konnte. „Mr. Mulder ist ein Zivilist. Es bleibt seine Entscheidung ob er es machen möchte oder nicht.“ Seiner Stimme konnte sie aber deutlich entnehmen was er davon hielt und das er sich so schnell nicht geschlagen gab. Sie würde es schon alleine schaffen.


Mulder’s Haus, Georgetown

Montag, 01.02.1993 10:30 h


Er saß in seinem Büro und ging die Information über das Motorenwerk in Baltimore noch einmal durch. Die feindliche Übernahme konnte bis jetzt verhindert werden. Sie wussten inzwischen warum man auf diesen kleinen Familienbetrieb abgesehen hatte. Die Grundstücke in der nahen Umgebung gehörten bereits diesen dubiosen Geschäftemachern. Es gibt Gerüchte das die Regierung in Zusammenarbeit mit einigen Universitäten und Investoren aus der Wirtschaft ein neues Forschungszentrum plant. Die Fläche auf der das Unternehmen steht und dessen Umgebung wären ideal für dieses Projekt geeignet. So ist der Plan recht simpel. Sie kaufen das Unternehmen machen Profit in dem sie es Stück für Stück auseinander nehmen und verkaufen. Danach können sie das ganze im Augenblick noch wertlose Land teuer verkaufen und so einen zweites Mal Gewinn erzielen. Alles deutet darauf hin das sie Insiderinformationen haben und das lässt ihn vermuten das er den fünften Mann irgendwo in der näheren Umgebung dieses Bauprojekts finden würde. Er hatte Akim schon beauftragt mit der Suche, aber es würde Zeit brauchen. Bis dahin konnte er sie vielleicht in Schach halten in dem er einen anderen Bauplatz beschafft. Auch daran arbeiteten seine Leute bereits, vielleicht würde er das Geschäft machen und ein wenig Gewinn daraus ziehen.


Mr. Mulder, hier ist ein gewisser Mr. Skinner. Haben sie einen Augenblick Zeit für ihn?“ Meldete sich sein Sekretär Hasan über die Sprechanlage. „Natürlich. Schicken Sie ihn bitte herein und lassen sie uns von der Küche Kaffee bringen.“ Er konnte noch hören wie sich Hasan nach Mr. Skinners Kaffee – Trink- Gewohnheiten erkundigte bevor die Anlage verstummte und sich kurze Zeit später die Tür zu seinem Büro öffnete. Er stand auf um den anderen Mann zu begrüßen. Sie reichten sich die Hände und nahmen dann am Schreibtisch platzt. Mulder räumte noch schnell die Unterlagen zusammen bevor er Skinner seine vollkommene Aufmerksamkeit schenkte. „Es freut mich sie wieder zu sehen Assistent Director Skinner. Was kann ich für sie tun?“ Mulder hoffte das dies nichts mit Scully zu tun hatte. War ihr etwas passiert? „Als erstes möchte ich mich für ihre Arbeit am Henson Fall bedanken. Es wird sie vielleicht freuen zu hören das Agent Scully für eine Belobigung vorgeschlagen wurde.“ Das hatte sie in der Tat verdient. In diesem Fall hatte Scully ihr eigenes Leben riskiert um den SOB zu verhaften. „Das freut mich außerordentlich. Scully hatte in diesem Fall eine Menge riskiert. Aber was führt sie wirklich hier her? Ist etwas mit Scully?“ Er machte sich Sorgen um sie und hoffte inständig das sie nicht in Schwierigkeiten war. „Oh keine Sorge. Ihrer Frau geht es gut. Ich bin hier weil ich sie um ihre Mithilfe bitten möchte. Es geht um Luther Lee Boggs.“


Sie wurden unterbrochen als der Kaffee endlich gebracht wurde. Das Dienstmädchen hatte noch ein wenig frisch gebackenes Gebäck dabei das sie vor Skinner auf den Tisch stellte. Mulder bekam seine eigenen Keksteller. Sie bedankten sich und setzten das Gespräch fort nach dem die junge Araberin das Büro verlassen hatte. „Boggs? Ich habe gehört das er in der Todeszelle sitzt und auf seine Hinrichtung wartet.“ Brachte Mulder sie wieder auf das Thema zurück. „Er sitzt und bereits in fünf Tagen soll seine Hinrichtung stattfinden. Etwas das er nur all zu gern verhindern möchte.“ Skinner machte eine Pause, was er nicht sagte störte Mulder. Es konnte nichts Gutes bedeuten. Der Mann überlegte fieberhaft wie er ihm etwas sagen soll ohne dafür Hochkant aus dem Büro zu fliegen. „Boggs hat einen Weg gefunden, von dem er überzeugt ist das er ihn vor dem Tod bewahren kann. Was ist sein Plan?“ versuchte er es Skinner leichter zu machen. „Zwei Studenten sind am Wochenende verschleppt worden. Er behauptet er hat einen spirituellen Draht oder was auch immer zu dem Kidnapper. Boggs bietet dem Staat North Carolina seine Hilfe an, wenn sie dafür sein Urteil in Lebenslänglich umwandeln und er hat um Sie als Vermittler gebeten.“ Das war wirklich ein Brocken. „Scully hat für mich bereits abgelehnt, oder?“ Aus irgendeinem Grund musste er dies wissen. „Ja. Sie hat sich um ihre mentale Gesundheit sorgen gemacht. Da es hier um das Leben zweier junger Menschen geht war ich mit ihrer Entscheidung nicht ganz einverstanden und wollte sie deshalb persönlich aufsuchen.“


Sie waren ein Ehepaar. Jeder versuchte den anderen zu beschützen. Er konnte Scully für diesen Versuch nicht böse sein. „Ich möchte offen mit ihnen sein. Es ist wirklich eine schwere Entscheidung für mich und ich weiß nicht in wie weit ich ihnen von nutzen sein kann. Denn ich fürchte Scully könnte mit ihrer Einschätzung Recht behalten. Ich kann mich an Boggs erinnern und die Vermutung lag nahe das er bei seinen letzten Taten einen Komplizen hatte. Wenn dies stimmt, können diese beiden Jugendlich alle Hilfe gebrauchen die sie kriegen können. Ich würde gerne helfen, nur fürchte ich das meine Hilfe mehr Schaden anrichten als Nutzen würde. Der Roche Fall hatte mich sehr dicht an meine Grenzen gebracht und ich hatte aufhören müssen bevor es mich verschlucken konnte. Wenn sie verstehen was ich meine.“ Mulder war wirklich offen gewesen. Er fürchtete nichts mehr als in diesen schwarzen Abgrund zu fallen. „Ich schätze ihre Offenheit und kann sie sehr gut verstehen. Wir sind für jede Hilfe dankbar die sie uns geben können. Agent Scully wird an ihrer Seite stehen und auch ich biete ihnen meine volle Unterstützung an. Machen sie was sie können, solange sie es können, Mr. Mulder. Sie können zu jedem Zeitpunkt aussteigen.“ Er respektierte Mulder. Meinte jedes Wort so wie er es gesagt hatte. „Gut. Ich will es versuchen. Arrangieren sie ein Treffen mit Boggs außerhalb der Gefängnismauern. Ein nahegelegenes Polizeirevier oder was sie als Treffpunkt für sicher genug halten. Das wird mir helfen und ihn hoffentlich die Illusion vermitteln das wir bereit sind sein Spiel zu spielen und ihn ernst nehmen. Agent Scully und ich sind an diesem Fall Partner.“


Es war ein Risiko. Aber Mulder hatte in einem Punkt Recht. Boggs aus seiner vertrauten Umgebung zu nehmen, könnte sich als nützlich erweisen. So würden sie ihn effektiver von seinen Informationsquellen abschneiden. „Einverstanden. Ich werde alles Notwendige veranlassen. Agent Scully wird alle Informationen von mir erhalten. Danke das sie uns helfen wollen. Ich kann bereits ihre Reise nach Raleigh für heute Nachmittag organisiert. Alles was sie noch benötigen sind ihr und Agent Scullys Gepäck. Ich schicke einen Agenten der sie abholt und zum Flughafen bringt.“ Skinner wirkte sichtbar zufrieden. Er hatte erreicht was er wollte. Mulder und Agent Scully würden sich um diesen Auftrag kümmern. Wer weiß vielleicht würde dieser Fall Mulder dazu bringen, seine Einstellung zum FBI zu überdenken. Sie hatten immer noch nicht aufgegeben den Mann fürs Büro zu gewinnen. Jemand mit Mulder’s Fähigkeiten konnte es weit im FBI bringen. „Einverstanden.“ Mulder begleitete Skinner zur Tür hinaus und informierte Hasan über die Änderung seiner Pläne und bat das sich jemand um ihr Gepäck kümmert. Er brauchte erst einmal frische Luft, ein Spaziergang würde ihm viel Gutes tun.


Raleigh, North Carolina

Montag, 01.02.1993 16:30 h


Mulder, ich kann immer noch nicht verstehen, wie du zu stimmen konntest.“ Scully war schon den ganzen Weg, Flug sauer auf ihn gewesen. „Scully. Ich habe Skinner gebeten das Treffen vom Gefängnis weg zu verlegen. Ich glaube mit einem Psycho kann ich umgehen. Ich verspreche dir so bald es zu viel wird, werfe ich das Handtuch.“ Sie schaute ihn an und er konnte es in ihren Augen lesen. Sie würde es tun wenn er es nicht macht. Sie hatte ihren schwarzen Koffer dabei. Mit Scully im Arztmodus war nicht zu spaßen. „Das will ich hoffen. Ich bin da wenn du mich brauchst und ich bestehe immer anwesend zu sein wenn du mit diesem Irren sprichst.“ Damit konnte er leben. Sie besprachen kurz ihre Vorgehensweise. Er würde wie alle Agenten Anzug tragen. Er hatte genug für eine Woche dabei. Nach ihrem letzten Trip war er schlauer was sein Gepäck angeht. Da sie beide verheiratet sind hat man ihnen ein gemeinsames Zimmer besorgt. Es war beim FBI eigentlich nicht üblich das verheiratete Paare zusammen arbeiten. Zum Glück war er nicht beim FBI und Scully war die einzige Person mit der er zusammenarbeiten würde. So blieb ihnen keine andere Wahl als dies zu akzeptieren. „Was meinst du was das FBI uns für ein Zimmer spendiert hat?“ Ein wenig Smalltalk würde die Stimmung vielleicht etwas heben. „Mir ist alles Recht solange du es nicht ausgesucht hast. Ich keine deine bevorzugten Hotels Mulder.“ Mulder spielte auf verletzt, nur das Grinsen im Gesicht verriet das es nur ein Spiel war. „Scully. Wann habe ich jemals das Hotel ausgesucht?“ Seit sie sich kennen hatte er kaum etwas mit der Wahl ihrer Unterkünfte zu tun gehabt. „Darf ich dich an Atlanta erinnern. Wer von uns hat die Ausnüchterungszelle mit einem Hotel verwechselt?“ Das war etwas vollkommen anderes gewesen. Nicht das er damals eine Wahl gehabt hätte, schließlich hatten ihn die bösen Polizisten verhaftet. „Das ist nicht fair. Ich kenne mich inzwischen mit Hotels aus und muss nicht mehr auf die Preise achten.“ Es war besser nicht auf die Atlanta Geschichte ein zu gehen. „Okay, das las ich gelten.“


Verhörraum, PD Raleigh

Montag, 01.02.1993 17:00 h


Sie waren pünktlich und Boggs wartete bereits auf sie. Mulder hielt sich im Hintergrund, überließ seiner Frau die Show. „Guten Tag Mr. Boggs. Ich bin Special Agent Dana Scully vom FBI. Das ist Dr. Mulder.“ Sie taten so als hätten sie sich gerade erst kennen gelernt. Scully spielte die Rolle des unwilligen Babysitters und er des leicht verrückten Psychologen. „Ich habe gehört Sie möchten mich sprechen, Mr. Boggs.“ Mulder setzte sich an den Tisch und fing an ein paar Sonnenblumenkerne zu knacken. Er ließ den anderen aber keine Sekunde aus den Augen. „Ich habe ihr Profile gelesen Mr. Mulder und muss sagen das sie mich vollkommen falsch beschrieben haben.“ Meinte er. „Es war gut genug um sie zu finden. Aber deshalb sind wir nicht hier. Erzählen Sie mir doch lieber was für eine Verbindung sie mit diesem Kidnapper teilen.“ Mulder war mehr als gespannt auf die Geschichte. „Ich stehe in Verbindung zum Reich der Toten. Mein Letzter Besuch hat eine Verbindung zurück gelassen.“ Wie aufs Stichwort schien ihn ein Ruck / Zucken zu durchfahren und seine Augen schienen sich zu verdrehen. „Mr. Boggs? Ist alles in Ordnung mit ihnen?“ mischte sich jetzt Scully ein. „Mr. Boggs ist im Augenblick nicht hier. Er ist nicht der den ihr sprechen wollt.“ Seine Stimme hatte sich verändert, er hatte einen starken britischen Akzent. „Darf ich fragen wer sie sind?“ spiele Mulder mit. „Wir sind die Toten. Die Lebenden. Unsere Seelen sind alle verbunden.“ Plural? Es sind mehrere?


Und Boggs ist Eure Stimme? Ein Medium?“ Das klang mehr als unglaubwürdig. „Wir sprechen durch ihn. Wir sehen die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Alle Seelen sind verbunden, nichts bleibt uns verborgen.“ Mulder hatte darauf einen guten Kommentar bereit, hielt es aber für besser zu schweigen. „Das könnt ihr von überall machen?“ Mulder glaubte kein Wort von dem was er hörte. Seine Fähigkeiten wären an Boggs verschwendet. „Es ist wichtig das Mr. Boggs für seine Taten bezahlt.“ Ignorierte er Mulders Frage. „Das ist genau was der Staat North Carolina am 6. Februar vorhat.“ Der Deal würde gleich kommen. „Nein … Seine Seele brennt bereits in der Hölle. Wir haben ihn bereits bestraft. Wir können durch seinen Körper kommunizieren. Boggs muss Leben damit wir das können … Lass uns … handeln.“ Je mehr er hörte umso lächerlicher kam ihm die Sache vor. „Okay. Was könnt ihr uns bieten im Tausch gegen Mr. Boggs Leben.“ Er schaute Boggs in die Augen, während er die Frage stellte. „Die Kids. Wir können euch helfen sie zu finden. … Die Kinder gegen Boggs … Zwei Leben für eins.“ Wieder lag ihm ein Spruch auf den Lippen. Er konnte es sich gerade so verkneifen ihn aus zu sprechen. Bevor er Boggs kleine Variante vom Winterschlussverkauf ruinierte. „Ihr werdet doch sicher verstehen das wir Beweise brauchen bevor wir zustimmen können. Etwas mit dem wir unseren Vorgesetzten beweisen können das ihr die Wahrheit sagt.“ Beinahe hätte er es wie mit dem Winterschlussverkauf verglichen, er musste sich besser konzentrieren. Sie hatten sich auf einen Test geeinigt. Scully hatte ein Stück Stoff in einem Beweisbeutel bei sich. Den sie Boggs jetzt schweigend überreichte. Die Show war sehenswert. Er beschrieb die Qualen und den Ort wo die beiden Studenten angeblich waren.


Beeindruckende Vorstellung. Das Stück Stoff gehört mir. Ein Ärmel von meinem T- Shirt das ich gestern Nacht getragen hatte. Ich hatte eigentlich damit gerechnet etwas über guten Sex zu hören.“ Das brachte ihm nur einen bösen Blick von Scully ein. Er hatte genug gehört und ging. Scully blieb noch einen Moment zurück Boggs redete mit ihr. Mulder war aber schon aus der Tür raus und bekam es selbst nicht mit. Er besorgte sich und Scully Kaffee und sie beide setzen sich kurz. Er wusste wirklich nicht was er von der Geschichte halten soll. „Was glaubst du Scully?“ Sie schien irgendwie verstört. „Nichts. Es fällt mir schwer zu glauben das dieser Typ echt sein soll. Wie geht es dir? Konntest du ihn blocken?“ Scully war jetzt wider im Doktormodus und wuselte über ihn. „Es ging. Mir geht es wirklich gut Scully. Boggs war voll auf seine Show konzentriert, den Oskar wird er dafür aber nie bekommen.“ Das beruhigte sie ein wenig und die Tatsache das ihre kurze Untersuchung nichts ergeben hatte. „Was wollte Boggs von dir Scully. Ich spüre das es dich mehr als nur durcheinander gebracht hat.“ Er hatte sie irgendwie verletzt, das konnte er deutlich fühlen. „Er weiß das mein Vater gestorben ist. Er hat ‚Beyond the sea’ gesungen und für einen Augenblick habe ich geglaubt meinen Vater vor mir zusehen. Er wusste sogar wie Dad mich immer rief.“


Er spielt mit uns. Die Erinnerungen an die Beisetzung deines Vaters sind noch so frisch, das macht dich verwundbar. Wir wissen das er einen Komplizen hat. Das Dock die Beerdigung war für jedermann zugänglich. Ich glaube Bill hatte ‚Starbuck’ in seiner Grabrede erwähnt. Als er von eurer Kindheit erzählt hat.“ Das Boggs es mit dieser Masche versuchte, machte ihn wütend genug noch einmal zurück zu gehen und ihm seine Fäuste spüren zu lassen. Es bedeutete aber auch das Boggs wusste das er und Scully sich näher kennen. Er ging noch einmal zurück zur Beerdigung. Es waren einfach zu viele fremde Gesichter unmöglich eines heraus zu picken. „Da hast du wahrscheinlich Recht.“ Scully nippte an ihrem Kaffee und verzog leicht das Gesicht. Stimmt das Zeug war zweiter Aufguss und schmeckte mehr als schlecht. „Lass uns eine Pause machen, etwas essen gehen, ich würde gerne für ein oder zwei Stunden die Beine ausstrecken.“ „Was hältst du davon. Ich setzte dich im Hotel ab und behalte das Auto für einen kleinen Trip durch die Pampa. Wenn ich mich nicht etwas abreagiere, könnte dies sehr unangenehm für unseren Mr. Boggs enden. Ich besorge auf dem Rückweg etwas zum Essen und dann setzen wir so um 21:00 Uhr unsere Unterhaltung fort. Mit mir in der Hauptrolle.“ Das war seine Scully. „Okay. Ich will mein Essen aber warm genießen. Nach Möglichkeit Fritten, ein großen Burger und einen großen Vanille Shake.“ Sie stöhnte nur, sparte ihm aber den Vortrag über gesunde Ernährung.


Raleigh, North Carolina

Montag, 01.02.1993 19:30 h


Sie hatte den Ort gefunden den Luther Lee Boggs in seiner angeblichen Version gesehen hatte. Sie war zufällig vorbei gekommen. Scully hatte nicht danach gesucht. Das Warenhaus war verlassen gewesen, ein Amulett hatte auf dem Boden gelegen. Sie hatten es bereits Liz Hawley zuordnen können. Aber nichts das man dem zweiten Vermissten James Summer zuordnen könnte. Die Polizei suchte immer noch den Tatort ab. „Er spielt mit uns. Wir werden hier nichts weiter finden. Das Amulett ist platziert worden. Boggs würde sich so schnell nicht von seinen Trümpfen trennen. Bist du bereit für eine weitere Runde?“ Sie wusste was er meinte. Er würde das Verhör auch ohne sie fortsetzen. Aber das würde nur über ihren toten Körper passieren. Sie würde auf ihren Mann aufpassen. Dieser Irre würde nicht damit durchkommen. Mulder hatte Recht, es gab einen Unbekannten und Boggs war ihre beste Chance ihn zu finden. „Du wirst mich nicht los. Lass uns was Essen. Ich habe einen Grill in der Nähe gesehen. Der Geruch von guten Steaks und Barbecue Soße wird für unseren Freund die reinste Folter sein.“ Sie grinste. „Scully, du kannst manchmal echt grausam sein.“ Er schmunzelte und sie konnte nicht anders als mit zu machen. Boggs wusste nicht mit wem er sich anlegte.


Verhörraum, PD Raleigh

Montag, 01.02.1993 20:45 h


Sie hatten sich vorgenommen das Gespräch bis zur Geisterstunde zu beschränken. Scully stellte jetzt die Fragen. Während Mulder schweigen da saß und Boggs beobachtete. Sie lernten ein paar weitere Persönlichkeiten kennen. Er hatte seine Hausaufgaben gemacht, er wusste das Scully und Mulder verlobt waren. Sie ließen ihm in dem glauben. Scully versuchte ihn weiter über Mulders und ihr Leben aus zu quetschen. Sie konnte sehen wie Mulder sein photografisches Gedächtnis durch forstete in der Hoffnung ihren Beobachter irgendwo zufällig gesehen zu haben. Aber bisher war nicht bei der Suche heraus gekommen. Sie verschwendeten ihre Zeit. Mulder hatte schon bald die Nase voll und mischte sich in ihr Verhör ein. Er bat ihn Jimi Hendrix zurufen, Mulder wollte von ihm „All Along The Watchtower“ hören. Scully konnte sich das Lachen gerade so verkneifen. Boggs wirkte weniger amüsiert. „Scully, ich bin Müde, lass uns abhauen. Der rennt uns nicht weg.“ Sie hatte nichts dagegen einzuwenden. Sie spielten das Liebespärchen so das Mr. Boggs kleine schmutzige Fantasie genau wusste was sie die Nacht über machen würden. Wer sagte eigentlich das sie die grausame von beiden war?


Holiday INN, Raleigh

Montag, 01.02.1993 23:55 h


So kommen wir nicht weiter. Er weiß das nicht nur ihm sondern auch uns die Zeit davon läuft. Wenn sich der Kidnapper an Boggs Zeitplan hält, haben die Jugendlichen höchsten noch bis Samstag. In der Hand eines Irren der für einen anderen die Drecksarbeit macht. Mir fällt nichts ein was uns im Augenblick helfen könnte. Das wir Boggs hierher verlegt haben, arbeitet im Moment gegen uns. Hier kriegen wir ihn bestimmt nicht dazu mit seinem Freund Kontakt aufzunehmen.“ Ihm viel im Augenblick nichts Vernünftiges ein. „Er weiß eine Menge über uns. Aber wie wir gesehen haben weiß auch er nicht alles. Es ärgert mich das er meinen Vater in diese Geschichte mit hinein gezogen hat. Vielleicht sollten wir ihn glauben lassen das er mich überzeugt hat. Zum Schein auf seine Forderungen eingehen.“ Scully’s Idee hatte etwas für sich. Wenn er glaubte einen von ihnen auf seiner Seite zu haben dann würde er vermutlich sie gegen einander ausspielen. Er würde auf alle Fälle ihren Glauben an ihn festigen müssen. Das sie das Warenhaus gefunden hat, war ein Anfang. „Gut. Du hast morgen eine Stunde mit ihm allein. Wenn du nichts dagegen hast …“ <bin ich in deinen Gedanken. So bist du nicht ganz allein mit ihm.> Sie konnte ihn fühlen und die Wärme spüren die mit jedem seiner Worte in sie strömte. „Einverstanden. Ich hoffe nur das du dich dann immer noch vor IHM schützen kannst.“ Sie vertraute ihm, es störte sie nicht wenn er sie so las oder auf diese Weise mit ihr sprach. „Das wird schon funktionieren. In deiner Gegenwart verblassen alle anderen.“ Sie kannte ihn besser, viel auf seine Ausrede nicht herein. Sie hatte ihn das letzte Mal gesehen, wusste von den Kopfschmerzen die er haben würde. Aber das war morgen, jetzt wollte sie mit ihm schlafen.


Verhörraum, PD Raleigh

Dienstag, 02.02.1993 9:00 h


Sie atmete noch einmal tief durch. Jetzt hatte sie einen Verrückten zu überzeugen das sie ihm glaubte. <Beruhige Dich! Ich bin bei dir.> Mulders Stimme beruhigte sie etwas, Zuversicht, Vertrauen, Liebe und alles was er sonst noch sendete taten mehr als genug damit sie sich auf ihre Aufgabe konzentrieren konnte. Mit Mulder an ihrer Seite viel es ihr leicht an extreme Möglichkeiten zu glauben. Ihr Mann war mehr als eine davon. „Guten Morgen Mr. Boggs.“ Begrüßte sie ihn. „Heute ohne Mr. Mulder, Agent Scully?“ Sie lächelte ihn leicht an. „Ich bin auf eigene Rechnung hier. Ich wollte wissen was sie mir über meinen Vater erzählen können. Haben sie immer noch Kontakt zu ihm?“ Scully atmete erleichtert aus. Der erste Schreck war überwunden. „Soll das etwa bedeuten das sie mir glauben?“ Boggs wirkte immer noch ganz er selbst. „Ich weiß nicht was ich glauben soll. Ich habe das verlassene Warenhaus gefunden. Sie waren dort, doch wir sind zu spät gewesen. Hätten wir auf sie gehört, dann hätten wir sie vielleicht gerettet.“ Meinte sie auf seine Frage hin. „Sie können sie immer noch retten. Wir können helfen. Vertrauen sie auf ihr Herz. Tun sie was es ihnen sagt.“ Sie nickte auf seine Worte hin. Überlegte was sie darauf antworten sollte. „Ich werde mit Mulder darüber reden. Es ist vielleicht das Beste wenn wir einem Deal zustimmen.“ Sie hatte kaum ausgesprochen da begann dieselbe Vorführung wie gestern. Dieses Mal beschrieb er den Täter und wie das Mädchen in seiner Gewalt litt. Dann beschrieb er einen Bootsschuppen am Lake Jordan. Sie konnte Mulder spüren wie er bei der Warnung die Boggs für ihn hatte zusammen zuckte. Sie versuchte etwas positives, Beruhigendes für ihn zu denken, hoffte das es auch in die andere Richtung funktionierte. <Schon okay! Er kann mich nur verletzten, aber niemals das Leben nehmen. Ich informiere die Polizei.> hörte sie ihn und lächelte vor sich hin.


Verhörraum, PD Raleigh

Dienstag, 02.02.1993 15:00 h


Sie saßen allein im Raum ohne Boggs. Sie hatten es nicht geschafft. James Summers war immer noch in der Gewalt dieses Irren und seine Freundin Liz Hawley lag jetzt im Krankenhaus. Mulder war vorsichtig gewesen und hatte die Warnung ernst genommen. Dennoch hatte ihn die Kugel am Schenkel gestreift, sie hatte die Blutung schnell stoppen und die Stelle gut verstecken können bevor irgendjemand etwas davon mitbekam. Der Typ hatte es direkt auf ihren Ehemann abgesehen. Er hatte draußen gewartet, die Sicht auf das Spektakel aus der ersten Reihe genossen. Er hatte Angst um sie gehabt und sie wusste das er alles durch ihre Augen mit verfolgte. Sie ließ ihn, seine Anwesenheit störte sie nicht, beruhigte sie aber ungemein. Er war ihr Partner. Sie diskutierten wie Boggs wohl auf einen gesunden Mulder reagieren wird. Dieses kleine Detail war nicht nach seinem Plan verlaufen. Er hatte sich umziehen müssen, nichts erinnerte mehr an den Kratzer. Er war aber mehr als verärgert über diesen Vorfall und wünschte sich eine Möglichkeit sich bei diesem Psycho zu bedanken.


Als er von den Wärtern hinein geführt wurde verriet nichts das er überrascht war. Mulder konnte es aber mehr als deutlich spüren. Es war stark genug um seine Barrieren zu überwinden. „Ihre Freunde scheinen sich in diesem einen Punkt geirrt zu haben. Danke für ihr Hilfe. Wir konnten Liz retten aber James ist immer noch in seiner Gewalt. Zu mindest kennen wir jetzt den Namen ihres Partners Henry. Lucas Jackson Henry ist 28 Jahre alt und man glaubte schon damals das er bei ihren letzten 5 Morden mitgewirkt hat. Nur leider konnte ihm das niemand nachweisen. Mit seiner Vorgeschichte war er ein leichtes Opfer für sie. Der 06. Februar hat nicht nur für sie sondern auch für ihn eine besondere Bedeutung. Was haben sie ihm eingeredet? Das er seine Mutter und Freundin auf diese Weise zurückbekommt? Ihn nahe sein kann?“ Mulder hatte Henrys Akte gelesen. Vor sieben Jahren war er Zeuge eines Autounfalls in dem seine Jugendliebe und seine Mutter ums leben gekommen sind. Die Mutter enthauptet, keine schöne Vorstellung. Er hatte dies praktisch noch einmal durchlebt. „Es ist immer noch derselbe Deal. Wenn ich sterbe stirbt auch der Junge.“ Er war sich sicher, Mulder mochte dies überhaupt nicht. „Ihr solltet uns sagen wo Henry den Jungen hat. Macht wenigstens einmal etwas richtig in eurem Leben. Erleichtere dein Gewissen Luther.“ Mulder stand vor ihm sein Plan sich an ihm zu rechen war gescheitert. Was hatte er noch zu verlieren. Mulder hoffte wirklich das er auspacken würde.


Bitte Mr. Boggs, Das Spiel ist aus. Ein Junge wird für nichts und wieder nichts sein Leben verlieren. Der Staat North Carolina ist zu keinem Deal bereit.“ Scully spielte ‚Guter Cop’. Sie hätte zu gerne Mulders Rolle ‚Böser Cop’ gehabt. „Ein Deal ist ein Deal. Wenn Boggs stirbt so wird auch der Junge sterben.“ Er blieb hart, schüttelte den Kopf. „Bitte.“ Flehte sie ihn förmlich an. Noch einmal spielte er Orakel. Verriet ihnen wo sie Henry finden konnten und warnte Scully sich vor dem Teufel in Acht zu nehmen, ihm nicht zu folgen das wäre seine Aufgabe. Sie bedankte sich und Mulder ließ die beiden für einen Augenblick allein. Er wusste das sie ihn noch einmal wegen ihrem Vater befragen wollte. „Sie hatten das letzte Mal meine Frage nicht beantwortet. Was wissen sie über meinen Vater?“ Das sie ihn erst in ihrer Wohnung und dann hier gesehen hatte, ließ ihr keine Ruhe. Sie musste ihn fragen. „Informationen haben ihren Preis. Sie sollten sich auf die Zukunft konzentrieren und nicht der Vergangenheit hinterher jagen. Heiraten sie Mulder und werden sie glücklich. Sie haben die Chance gemeinsam alt zu werden. Was interessiert sie da noch die Vergangenheit?“ Sie musste sich eingestehen, das er nicht ganz unrecht hatte. „Wir sind verheiratet und wenn ihre Seelen das sind was sie sagen, dann wüssten das dies mit dem gemeinsam Alt werden nicht funktioniert. Ihr Versuch sich an Mulder zu rächen, war von Anfang an zum scheitern verurteilt. Ein Jammer das ihre Geister ausgerechnet diese eine wichtige Information wohl für sich behalten haben. Es hätte sie vielleicht vor der Gaskammer retten können.“ Damit verließ sie ihn, drehte sich nicht ein einziges Mal um.


<Das war unfair. Glaubst du das er die Andeutung verstanden hat? Ich hoffe nicht, denn ich bin mir nicht sicher wer noch alles zugehört hat.> Sie bezweifelte das er es verstanden hat. Das Tape war abgestellt und wer immer auf der anderen Seite des Spiegels stand würde es bestimmt auch nicht verstanden haben. Er würde nur eine wütende Agentin sehen die sich für einen verpatzen Einsatz revanchierte. Jetzt mussten sie nur noch James Summers befreien und der Fall war abgeschlossen. „Wir sollten seine Warnung ernst nehmen. Er hat dich ebenso wie mich in seine Rachepläne mit einbezogen.“ Mulder reichte ihren einen Kaffee, wieder dieses scheußliche Zeug. Damit konnte man wahrscheinlich Löcher in den Fußboden brennen. „Möglich. Wie kann er sich besser an dir rächen, als wenn er deine Ehefrau aufs Korn nimmt. Ich verspreche dir vorsichtig zu sein und meine Kugelsichere Weste zutragen. Wachst du wieder über mich?“ Sie verlangte viel, aber sie wusste das er es tun würde. Er nickte nur. Während des Einsatzes würde er wie ein Schutzengel an ihrer Seite sein und ihr Kraft geben. Kaum zu glauben wie schnell sie sich daran gewöhnt hat. Sie sollten dies später privat weiter erforschen.


Zentral Gefängnis Raleigh, North Carolina

Samstag, 06.02.1993 15:00 h


Sie sind hier? Warum sind sie noch einmal zu mir gekommen?“ Er schaute sie überrascht an. „Um mich zu bedanken. Sie haben nicht nur James Summers leben gerettet, sondern auch meins. Ihre Warnung hat mir das Leben gerettet. Die Brücke ist unter seinen Füssen zusammengebrochen. Das konnte niemand im Voraus wissen.“ Sie schaute ihn fragend an als wären in seinem Gesicht alle Antworten geschrieben. Sie wollte glauben und er fing an zu lachen. „Es ist eh zu spät. Das war wahrscheinlich das einzig Wahre an der Geschichte. Ob sie es mir glauben wollen oder nicht Agent Scully. In den letzten Nächten ist mir ständig so ein alter Mann in meinen Träumen auf den Geist gegangen. Er hat mir geschworen das wen ich ihnen diese Warnung nicht bringe, Hölle ein Paradies ist im Vergleich zu dem was er mit mir anstellen wird.“ Meinte er nur als er sich vom Lachanfall beruhigt hatte.