Mulder’s Wohnung, Arlington
Samstag, 01.08.1992 13:00 h
Der Araber war mehr als 200 Jahre alt gewesen. Mulder schätzte ihn inzwischen über Tausend und es war ihm anfangs ein Rätsel, wie er der Anfänger es geschafft hatte diesen Mann zu besiegen. Doch dann dämmerte es ihm und die Schuld an diesem Tod überwältigte ihn fast. Der einzige der wirklich ernsthaft gekämpft hatte war er gewesen. Der Scheich hatte es nie auf seinen Kopf abgesehen. Er hätte ihn nie verletzen können. Alles was er wollte war ihm das Schwert zu entreißen. Dann hätte er Mulder schwören lassen und vielleicht als Strafe öffentlich auspeitschen lassen. Aber getötet hätte er ihn nicht. Fox war für ihn eine Art Kunstobjekt, das er seiner Sammlung zufügt hatte. Der Scheich hätte sich eher den Arm abgehackt als einem seiner Schätze Schaden zu zufügen. Das verletzte Mulder wieder rum tief, dieser Mann hatte nie ein menschliches Wesen in ihm gesehen nur ein Objekt das er besitzen konnte. Er hatte mit Scully darüber gesprochen und sie hatte gesagt das er ein Mensch sei. Ein atmendes, fühlendes Wesen das es verdient auch so behandelt zu werden. Aber war er das? Er wusste nicht einmal wer er wirklich war. Sein ganzes Leben war auf einer Lüge aufgebaut.
Er hatte die letzten Tage wirklich gebraucht um seine Gedanken zu ordnen. Scully hatte versucht dabei zu helfen. Sie war sein Fels gewesen und hat ihn gehalten. Sie waren sich Näher gekommen und Mulder hatte nun neben ihrem Vertrauen, ihrer Freundschaft auch ihre Liebe. Sie hatte es nicht gesagt aber er hatte es in ihren Augen sehen. Doch wie konnte er das zulassen? Sie hatte etwas Besseres als ihn verdient. Sie wusste nicht einmal was er war und er konnte es ihr nicht sagen weil er die Antwort auf diese eine Frage selbst nicht kannte. Er war schon als Mensch nicht normal gewesen und selbst als Unsterblicher war er anders. Das war ihm jetzt klarer als jemals zuvor. Es machte ihm Angst. Er konnte ihr auch nichts bieten. Er stand vor dem Nichts, wusste nicht einmal was er als nächstes machen sollte. Er wusste nur das er für eine Zeit nicht praktizieren wollte. Er hatte soviel im Kopf das er wohl selbst einen Psychiater brauchte und wohl in einer Nervenheilanstalt landen würde wenn er ihm erzählte was in seinem Kopf vor sich ging. Der Araber hatte ihn fast überflutet und überlastet mit alle dem was er fast auf einmal in sich aufgenommen hatte. Er konnte vom Glück reden das er immer noch er selbst war und es ihn nicht verändert hatte. Das war der einzige Punkt bei dem er sich sicher war.
Er hatte praktisch Inventur in seinem Verstand gemacht und einen Weg gefunden wie er seine Erinnerungen von den anderen Trennen kann. Es war nun so als hätte er seine eigene kleine Wissensdatenbank im Kopf auf die er bequem zugreifen konnte. Der Scheich hatte sich neben Kunst auch für Medizin, Geschichte, Pferde, Kamele und die Börse interessiert um mal einiges zu nennen. Mulder wusste nun nicht wie genau diese Informationen waren und wie sicher er sie einsetzen konnte so hatte er beschlossen sie zu testen. Er hatte Museen in Washington besucht um seine Kunstkenntnisse zu testen und nun plante er ein paar Aktiengeschäfte zu machen. Das schien ihm sicher als sein medizinisches Wissen aus zu probieren, das wollte er sich lieber für ein anderes Leben aufheben und dann die Medizinschule besuchen. Aber die Börse erschien ihm ein gutes Testfeld zu sein auch wenn Geld ihn nie sonderlich interessiert hat. Montag würde er jedenfalls sein Glück versuchen. Er hatte jemanden gefunden der sein Büromöbel haben wollte und einen guten Preis erzielt das zusammen mit ein drittel seiner Ersparnisse sollte sein Startkapital sein.
Jetzt jedenfalls musste er sich beeilen. Er war mit Roy verabredet. Sie wollten nicht trainieren. Nur reden und einen neuen Trainingsplan aufstellen damit er langsam wieder in Übung kam. Er bedauerte jetzt das er das alte Schwert in Bahrain lassen musste, Roy hätte sich bestimmt darüber gefreut. Roy Schneider sammelte Sachen aus der Zeit der Kreuzzüge, das war eines seiner Hobbys. Ein Glück das er zu dieser Zeit noch nicht geboren war, sonst wäre er vielleicht Scheich Harim Al Sudahli über den Weg gelaufen und Mulder hätte jetzt keinen so guten Freund und Lehrer gehabt. Er konnte immer noch nicht glauben das er Erinnerung daran hatte mit Saladin in die Schlacht gezogen zu sein. Das verwirrte ihn mehr als es ihm half.
Mulder’s Wohnung, Arlington
Samstag, 15.08.1992 12:00 h
Er war mit Scully verabredet. Er hatte sie zu sich zum essen eingeladen und eines von Rike’s Rezepten nach gekocht. Er hoffte ihr würden Schweinerouladen mit Rotkohl und Kartoffeln gefallen. Der Tisch war gedeckt, eine Flasche Weißwein kaltgestellt und das Essen war auch schon fertig. Alles was noch fehlte war Scully. Er hatte einen Grund zum feiern und sie deshalb heute eingeladen. Die Geschäft an der Börse waren gut gelaufen fast über Nacht hatte er seinen Einsatz verdreifacht. Wenn er nicht auf großem Fuß lebte dann konnte er damit bequem ein Jahr leben. Zu beginn hatte er das gekauft woran der Scheich zuletzt interessiert war und machte damit seine ersten Gewinne. Inzwischen hatte er ein Gespür für den Markt entwickelt, es war nicht leicht gewesen sich mit all dem Zeug zu beschäftigen und Tage lang seine Nase in Finanzberichte, Tageszeitungen, Marktanalysen und so weiter zu stecken. Aber sein Fotographisches Gedächtnis kombiniert mit seinen analytischen Fähigkeiten haben ihm gute Dienste geleistet.
Es klopfte. Scully war endlich eingetroffen. Er zündete die Kerzen an und ging dann das Essen holen während sie schon mal den Wein eingoss. „Ich hoffe du magst was ich gekocht habe. Es ist ein Rezept von Rike. Schweinerouladen mit Kartoffeln und Rotkohl. Die Soße ist von den Rouladen.“ Sie lächelte ihn an als er einen Teller vor ihr abstellte. „Das sieht lecker aus.“ Lobte sie ihn und er wurde leicht rot im Gesicht. „Rike hat mir erzählt das sie das Rezept von ihr Großmutter aus Deutschland hat.“ Erzählte er während er am Tisch platz nahm. Er schaute ihr zu wie sie ihren ersten Bissen nahm und behielt dabei ihr Gesicht genau im Auge. Es verzog sich nicht. Er atmete erleichtert aus, Fox hatte nicht einmal bemerkt das er den Atem angehalten hatte. „Das ist gut, wirklich gut.“ Er lächelte und probierte dann selbst was er da zusammengebraut hatte. Es schmeckte und er nahm sich vor es bei Gelegenheit noch einmal zu machen. So war das Mittagessen ein voller Erfolg. Zum Nachtisch gab es dann noch Apfelstrudel, den hatte ihm Rike gestern nach dem Training in die Hand gegeben. Damit konnte man nichts falsch machen.
Den Nachmittag verbrachten sie dann mit einem Spaziergang im Park. Kaffee in der ‚National Gallery of Art’ und einem Kinobesuch. Für den Abend hatte Mulder dann einen Tisch reserviert in einem kleinen chinesischen Restaurant das ihm Roy empfohlen hatte. Es war ein toller Abend und er bedauerte das er so schnell zu Ende war. Er brachte sie noch nach Hause und verabschiedete sich dort von ihr ohne noch auf einen Kaffee nach oben zu kommen. Er hatte Angst das aus einem Kaffee mehr würde und was sollte er dann machen? Sein Gesicht war letztendlich auch nicht echt und sollte er versehentlich einschlafen dann würde sie vielleicht sehen wie er wirklich aussah. Was sollte er ihr dann erzählen? Der Nachmittag den er mit ihr zusammen in einem Bett geschlafen hat, nach seiner Ankunft aus Bahrain war reines Glück gewesen. Er war vor ihr aufgewacht und hatte so noch einmal rechtzeitig die Kurve gekriegt. Er zweifelte aber das er ewig so viel Glück haben würde. Nein er war ihr die Wahrheit schuldig, vorher konnte und wollte er nicht.
FBI HQ, Washington
Montag, 17.08.1992 10:00 h
Scully war gespannt warum AD Skinner nach ihr gerufen hatte. Sie saß nun in seinem Büro vor ihm. Er studierte irgendwelche Unterlagen und so wartete sie noch einen Moment. „Der Bericht aus Bahrain ist eingetroffen. Es wird sie freuen zu hören das man Mulder nichts nach weisen konnte. Damit ist der Fall abgeschlossen. Die Familie Sudahli hat ihn von aller Schuld rein gewaschen. Demnach stimmt es das der alte Scheich gestorben ist, aber Mr. Mulder trägt keine Schuld an seinem Tod. Die Todesursache so heißt es war Herzversagen.“ Das waren gute Nachrichten und Scully freute sich darüber. „Das sind gute Nachrichten. Was bedeutet dies für Mr. Mulders und meine Zusammenarbeit an den X Akten? Kann ich seine Hilfe als Berater wieder in Anspruch nehmen, oder sieht das FBI Einwände die dagegen sprechen?“ fragte sie. Sie hatte sich bisher nicht getraut ihn zu einem Fall zu konsultieren. Sie hatte nicht gewusst wie ihre Vorgesetzten darauf reagieren würden. Nach seiner Flucht hatte er immerhin eine Aussage gemacht und deutlich zu verstehen gegeben das er Scheich Harim Al Sudahli getötet hat. Das FBI sah es darauf hin als notwendig an in dieser Sache zu ermitteln.
„Nein. Das FBI hat keine Einwände, auch wenn es uns lieber wäre einen vernünftigen Beratervertrag mit Mr. Mulder zu haben.“ Scully war erleichtert und sich sicher das er darauf lange warten konnte. Mulder wollte nie wieder als Profiler arbeiten. Er vertraute Scully genug um zu wissen das sie ihm so etwas nicht antun würde. Doch das FBI war da ein anderer Fall. Mulder war sich sicher das sie Weg finden würden ihn wieder an diese verhassten Fälle zu bringen. Damit war sie entlassen und machte sich auf den Weg in ihr Büro. Sie musste dringend Telefonieren.
Lincoln Memorial
Montag, 17.08.1992 12:00 h
Nach Scully’s Anruf hatte Mulder erst mal Luft gebraucht. So hatte man den Tod des Scheichs als Herzinfarkt getarnt. Doch warum? Wieso vertuschte man die wahren Hintergründe? Der Fall wäre klar gewesen er hatte das Schert zwar vom Tatort entfernt aber dann Fallen lassen als er mit Akim zusammen gestoßen war. Ein Blutbeschmiertes Schwert mit seinen Fingerabdrücken, war doch mehr als Beweis genug für seine Schuld. Dennoch hatte man ihm vom Hacken gelassen. Sein Magen brachte ihn in die Realität zurück und er beschloss irgendwo in der Nähe etwas Essen zu gehen. Aber selbst wenn er sich nur einen Hotdog kaufen wollte. Dafür musste er erstmal zum Automaten und Geld abheben.
Ein Automat war schnell gefunden und er führte wie gewohnt seine Karte ein und versuchte dann die PIN ein zu geben. So wie er es schon tausendmal gemacht hatte, Die Karte war gerade Mal ein Monat alt wie fast alles in seiner Brieftasche. Nach dem er als Bahrain zurück war musste er Ausweis, Führerschein, Kreditkarten und so weiter ersetzen lassen. Der Papierkram war riesig gewesen. Und erklärt einmal einem Bankangestellten warum er eine neue Karte für den ATM brauchte. Die schauten ihn blöd an wenn er ihnen erzählen das er von Arabern gekidnappt, in ein anderes Land verschleppt worden ist und irgendwo auf dem Weg ihre Karte verloren hatte. So wunderte er sich jetzt warum der Automat seine Karte nicht annahm. Er hatte die Geheimzahl doch korrekt eingegeben. Sein zweiter Versuch war ebenfalls erfolglos. Es blieb ihm keine andere Wahl als zur Bank zu gehen und dort Geld am Schalter abzuheben und vielleicht seine Karte überprüfen zulassen. Das machte er wohl am besten in der Filiale wo er sein Konto eröffnet hatte. Bis nach Georgetown war es ja nicht weit.
Bank, Georgetown,
Montag, 17.08.1992 13:30 h
Er hatte ganz vergessen das diese Bank zwischen 12:30 und 13:30 Uhr Mittagspause machte. Das Warten raubte ihm so ziemlich den letzten Nerv und so verwunderte es wohl niemanden als der erst beste Bankangestellte einen sehr wütend aussehenden Mulder vor sich hatte. „Guten Tag, ich habe ein Probleme mit meiner Karte für den Geldautomaten. Sie funktioniert nicht.“ Er sah nicht nur so aus er war wütend und das konnte man jetzt auch hören. „Einen Moment Sir. Ich werde mich sofort darum kümmern. Könnte ich bitte ihre Karte haben.“ Mulder gab sie ihm. Der Angestellte war noch jung und sah noch ziemlich grün hinter den Ohren aus. Das konnte ja noch lustig werden. Er musste gut 5 Minuten warten bis der Junge wieder vor ihm stand. „Würden sie bitte mit mir kommen? Es gibt da ein Problem mit ihrer Karte, Sir.“ Gut zu wissen wofür seine Gebühren eingesetzte wurden. Er war her gekommen mit einem Karten – Problem und jetzt hatten sie tatsächlich das Selbe festgestellt.
Er wurde in eine Kabine geführt die vom Kundenbereich nicht einsehbar und nur mit einem Tisch und zwei Stühlen ausgestattet war. Er nahm Platz und wartete bis endlich jemand kam um mit ihm zu reden. Der Bankangestellte kam in Begleitung mit jemandem der aussah als würde er für eine Sicherheitsfirma arbeiten. Mulder fragte sich instinktiv was dies sollte. Der Mann von der Bank nahm Platz und seine Begleitung positionierte sich strategisch am Eingang. „Sir. Ich muss sie bitten sich aus zu weisen.“ Gut, Mulder holte seinen Ausweis hervor und zeigte ihn, bestand aber darauf ihn nicht aus der Hand zu geben. „So was für ein Problem haben sie gefunden.“ Eine Antwort auf diese Frage war längst überfällig. „Das Konto auf dem die Karte ausgestellt ist, existiert nicht.“ Das musste er erstmal verdauen. Natürlich muss das Konto existieren. Er hatte es 1986 eröffnet als er von England hier her gezogen ist. Damals hatte er gerade mal zwei Strassen weiter zur Untermiete gewohnt. Er kannte die Gegend gut er hatte hier gelebt bis er sich die Miete für das Apartment in Arlington leisten konnte. „Wie das Konto existiert nicht. Ich bin hier schon seit Sommer ´86 Kunde!“ Auf dem Konto war nie viel Geld. Er hatte es hauptsächlich um seine Rechnungen zu bezahlen und Geld für den Lebensunterhalt zuzahlen. Seine Ersparnisse hatte er auf den Caymans. „Sir. Ich weiß nicht was sie sich dabei gedacht haben aber Kartenbetrug ist kein Kavaliersdelikt und wir werden diesen Fall zur Anzeige bringen. Die Polizei wurde bereits verständigt.“ Was? Was redete er da?
Die Polizei kam wie aufs Stichwort und Mulder wurde vorläufig festgenommen. Das alles kam ihm wie ein schlechter Witz vor. Er konnte nur hoffen das man ihm seinen Anruf gewährte und das Scully im Büro und nicht irgendwo in den USA an einem Fall dran war.
PD, Georgetown
Montag, 17.08.1992 17:00 h
Knapp 4 Stunden saß er nun hier. Erst in einem Verhörraum wo er seine Geschichte mindesten zehn Mal wiederholen durfte und dann hier in der Haltezelle. Er musste hier dringend raus, jemand starrte schon verdächtig auf seinen Hintern und es stank hier nach Erbrochenem und billigem Fussel. Irgend so ein Betrunkener hatte sich hier ausgepennt und war inzwischen entlassen worden. Um seinen Dreck hatte sich bisher niemand gekümmert. Er stand an den Gittern und schaute den Gang entlang zum Eingang in dieses Höllenloch. Als könnte er Scully herbei starren.
Ein Officer holte ihn aus der Zelle und brachte ihn zurück in den Verhörraum. Erleichterung machte sich in ihm breit als er den rot Schopf durch das Türfenster schimmern sah, noch bevor die Tür geöffnet wurde. Scully stand da und diskutierte mit dem Detektiv. Sie hielt eine Akte in der Hand und wedelte vor seiner Nase damit rum. Der Mann mochte ein paar Zentimeter größer sein als sie. Aber damit schüchterte er sie nicht ein, wenn Scully mal loslegte gab es nur wenig das sie stoppen konnte. „Hier sind Mr. Mulders Bankunterlagen. Sein Vertrag und die Kontoauszüge der letzten sieben Monate! Sind sie Blind oder wollen sie dies nicht als Beweis zur Kenntnis nehmen.“ Redete sie auf ihn ein. „Das kann er leicht gefälscht haben.“ Blieb er stur. „Wollen Sie damit etwas andeuten das ich mich in den letzen drei Monaten eines Verbrechens schuldig gemacht habe als ich für dieses Konto Kontoauszüge geholt und Überweisung getätigt habe.“ Wie konnte er jetzt eine FBI Agentin anklagen? Falsche Verdächtigung war auch ein Vergehen und dann noch gegen einen Bundesagenten? „Warum decken sie ihn?“ Die Frage war schon etwas vorsichtiger gestellt worden und auch die Überzeugungskraft hatte gelitten. „Mr. Mulder war Opfer einer Entführung und für gut drei Monate vermisst. Ich hatte als Freund der Familie über sein Vermögen gewacht. Deshalb bin ich mir sicher das sich die Bank in diesem Fall irrt und der Fehler bei ihnen liegen muss!“
Mulder nahm sich vor die Gunmen anzurufen, sobald er hier raus ist. Sie waren wahre Meister mit Computern und konnten vielleicht herausfinden wo sein Konto abgeblieben ist. Mulder hoffte irgendwie das sich dies alles als ein schlechtes Missverständnis heraus stellen wird. Denn sonst würde er noch heute oder spätestens Morgen Besuch von seinem Vermieter haben. Sein Geld war am Freitag fällig und er hatte dafür einen Dauerauftrag bei seiner Bank eingerichtet. Erst jetzt bemerkten sie das er im Raum war und schaute ihn fragend an. Was sollte er sagen? Er wusste doch auch nicht weiter. Am Ende erkannte man seine Unterlagen an und Scully durfte ihn mit nach Hause nehmen. „Es tut mir Leid Scully. Ich weiß wirklich nicht wie das passieren konnte.“ Entschuldigte er sich auf dem Weg zurück zur Bank. Sein Auto stand immer noch in der Nähe und er wollte es abholen. „Sei froh das ich die Kontoauszüge abgeholt hatte. Diese Dinger sollte man übrigens nicht einmal im Jahr abholen.“ Er gab ihr seinen besten getretener Dackelblick und entschuldigte sich noch einmal. „Es tut mir Leid und Danke das du die Kontoauszüge abgeholt hast.“ Das machte er wirklich selten, warum auch er wusste genau was er drauf hatte da brauchte er keinen Zettel der ihm erzählte was er längst wusste. So interessant war das ganze auch wieder nicht.
Mulder’s Wohnung, Arlington
Montag, 17.08.1992 18:45 h
Als Mulder endlich bei seinem Apartment an kam erwartete ihn die nächste Überraschung. Scully vor dem Hauseingang und hielt einen Briefumschlag in der Hand. Er ging zu ihr und sie schaute ihn nur einen Moment ungläubig an. „Mulder man hat dich aus deiner Wohnung geschmissen. Angeblich Renovierungsarbeiten. Der ist für dich.“ Sie gab ihm den Brief, doch er musste sich erstmal von dem Schlag erholen. Da pinselten nur ein paar Tupfer Farbe an die Wand und wollen dann sicher 50 $ mehr Miete haben. Doch wo sollte er hin und wie konnte man das machen? Hatte er als Mieter nicht irgendwelche Rechte? Er öffnete erstmal den Brief und fand die Adresse eines Hotels in dem man ein Zimmer für ihn gemietet hatte. Offenbar war fast der ganze Block von irgendeiner Finanzgruppe aufgekauft worden. Das alles heute war irgendwie zu viel für ihn und so nahm er Scully’s Angebot ihn hinzufahren dankend an. Er hatte nicht wirklich auf die Adresse geachtet, staunte aber nicht schlecht als Scully vor dem Hilton hielt. Auch sie hielt es für einen Fehler, war aber bereit gewesen noch ein bisschen mit zu spielen.
Sie kam mit ihm und jemand fuhr ihren Wagen erst Mal in die Parkgarage. Auch wenn sie meinte das ihr Besuch wohl nicht lange dauern würde. Sie gingen zur Rezeption und waren in für den Standard des Hotels billiger Garderobe, gleich ein Dorn im Auge. Der Mann an der Rezeption musterte sie kurz. „Was kann ich für sie tun, Sir? Madam?“ Er blieb höfflich dennoch klang er ausgesprochen arrogant. „Haben sie eine Reservierung auf den Namen Mulder? Fox Mulder?“ Mulder klang gelassen, ließ ein bisschen von dem einfließen was er in England gelernt hatte, als er sich mit Phoebe und Ihren Freunden unterhielt. „Ah. Mr. Mulder. Ja ihre Reservierung ist bei uns eingegangen. Ihr Gepäck ist bereits eingetroffen, Sir. Ein Page wird ihnen den Weg zeigen.“ Er winkte einen Jungen heran und gab ihm die Karte. „Sir wenn sie mir bitte folgen würden?“ Mulder schaute Scully an, die zuckte nur mit den Schultern und ging einfach los. Warum nicht? So entschied er sich fürs erste mit zu spielen und folgte ihnen wohl zum Expressfahrstuhl.
Er wunderte sich etwas warum der Page seine Karte in einem Schlitz in den Fahrstuhl steckte. Erst dann setzte er sich in Bewegung und die Fahrt ging immer höher. „Das ist ihr Privater Lift, Sir. Sie benötigen diese Karte um ihn zu aktivieren.“ Noch bevor sich Mulder über diese Aussage wundern konnte hielt der Fahrstuhl an und gab den Blick auf das Fourie einer Suite frei. Das musste das Penthouse sein, oder? Sie traten ein und schauten sich erst einmal um. „Da muss ein Missverständnis vorliegen.“ Meinte er als er seine Sprache wieder gefunden hatte. Eigentlich hatte er Scully angesprochen aber es war der Page der antwortete. „Wenn ihnen etwas nicht zu sagt, dann melden sie sich bitte an der Rezeption. Sie können das Telefon benutzen, Sir. Es steht gleich da drüben.“ Mulder schaute Scully fragend an und sie stöhnte nur leicht genervt auf. Auch sie wusste nicht was sie davon halten sollte. Da er mit ihr unter vier Augen sprechen wollte bat er den Pagen zu gehen. Doch der blieb stehen, wartete offensichtlich auf etwas. „Mulder du bist der einzige den ich kenne, der in einem Penthouse wohnen kann und nicht einmal ein Trinkgeld für den Pagen dabei hat.“ Sie gab dem Jungen einen fünfer. Als FBI Agenten verdiente sie auch nicht die Welt. Zumindest konnte sie sie so etwas wie dies hier wohl nie leisten.
Mulder’s Zimmer, Hotel Hilton
Montag, 17.08.1992 20:55 h
Sie sahen sich um und Mulder fragte sich wessen Gepäck wohl hier angekommen war. Man hatte die Koffer bereits ausgepackt und alles in den Schränken verstaut. Mulder konnte so gar einige der Sachen aus seiner Wohnung wieder erkennen, andere waren neu. Aber da waren auch Kleidungsstücke dabei die er seit Bahrain nicht mehr gesehen hatte und der Schreck saß tief genug das er sich setzen musste. Scully kam besorgt zu ihm und fühlte nach seinem Puls der wie wild hämmerte. Sie gab ihm eine Tüte in die Hand. Er stand kurz davor zu Hyperventilieren. Geduldig wartete sie bis er sich wieder einiger Maßen unter Kontrolle hatte und fragte ihn dann leise war ihn so aufgeregt hatte. „Da sind Sachen drin die ich in Bahrain getragen habe, aber dort gelassen habe.“ Sie verstand und warf einen Blick in den Kleiderschrank. Sah neben seinen Armani Anzügen etwas blaues, eine Art Mantel hängen der aber keine Ärmel hatte und da neben in weiß eine Art Kaftan. Beides aus gutem Stoff. „Die haben eine merkwürdige Art auf sich aufmerksam zu machen. Also wenn sie es darauf anlegen mein Leben zu ruinieren dann muss ich sagen das sie irgendetwas falsch verstanden haben.“ Scully konnte ihm da nur Recht geben. Es war möglich das sie hinter der Geschichte in der Bank steckten und ihn dann auf die Straße gesetzt haben. Nur warum sie jetzt hier im Hotel sind, war ihr ein Rätsel.
Mulder ging zum Telefon und ließ sich zur Rezeption durch stellen. „Ja. Guten Abend. Ich bin es noch einmal. Mr. Mulder aus der Penthousesuite. Können sie mir bitte sagen wer das Zimmer für mich reserviert hat?“ Er hatte das Telefon auf Freisprechen eingestellt so das Scully mit hören konnte. „Sind sie mit ihrem Zimmer nicht zufrieden, Sir?“ Unzufrieden? Ganz sicher nicht. „Nein. Ich interessiere mich lediglich wer die Buchung gemacht hat. Schließlich muss ich wissen an wen ich den Check für die Rechnung schicke.“ Bei dem Gedanken das er diesen Scherz vielleicht selbst bezahlen muss wurde ihm ganz schlecht. „Oh da brauchen sie sich keine Sorgen machen, Sir. Ihr Unternehmen hat sich bereits um alles gekümmert. Ihr Verwalter ein Mr. Akim hatte genaue Anweisungen hinterlassen. Wenn Sie es wünschen kann ich ihnen selbst verständlich eine Kopie der Buchungsunterlagen schicken.“ Kam ihm der Mann entgegen, von seinem arroganten Ton am Anfang war nichts mehr zu hören. „Ja das wäre mir Recht. Vielen Dank für ihre Mühen. Auf Wiederhören.“ Verabschiedete er sich und legte auf. Mein Unternehmen? Mein Verwalter? Mr. Akim? Was zur Hölle ging hier vor?
„Ich kenne ein Akim. Er war der Verwalter von Sudahlis Haus in Bahrain.“ Er erzählte ihr lieber nicht von dem kleinen Streit und die Woche Privilegienentzug. „Und dieser Akim ist jetzt dein Verwalter? Und seit wann besitzt du ein Unternehmen?“ Sie klang schon wieder so als hätte er ihr wieder eine seiner verrückten Theorien gegeben. „Ich habe keine Ahnung. Das kannst du mir glauben. Ich habe in den letzten Wochen ein paar Aktien gekauft aber bestimmt kein Unternehmen.“ Versuchte er sich zu verteidigen. Heute schien wirklich nicht sein Tag zu sein. Sein Magen rebellierte. Aus Mittagessen ist nie etwas geworden und jetzt hatte er auch noch nichts zum Abendbrot gegessen. „Scully was hältst du davon das wir uns etwas zu Essen bestellen? Ich sterbe fast vor Hunger!“ Gut Sterben war etwas übertrieben. Er bezweifelte das man hier Hamburger und Fritten servierte und fragte sich wie weit er gehen konnte, wenn er das Essen auf deren Rechnung setzt. Das Hilton war definitiv nicht in seiner Preisklasse und konnte leicht seine Gewinne der letzten Wochen verschlingen und ihn wieder an den Anfang bringen. „Gut. Zimmerservice oder der nächste Burger um die Ecke?“ Sie hatte zumindest Humor. Aber Mulder dachte nicht daran heute noch einmal irgendwo hin zu gehen. „Zimmerservice. Ich mach dir einen Vorschlag du bestellst und ich nimm eine Dusche und zieh mir was anderes an. Ich komme mir vor als würde ich überall nach dieser entsetzlichen Zelle stinken. So kann ich nichts essen, mir würde nur der Appetit vergehen.“ Sie nickte nur und er machte sich auf die Suche nach dem Badezimmer.
Er war fertig als das Essen gebracht wurde. Ein Kellner deckte den Tisch für sie und servierte ihn dann die Speisen. Die Hoteldirektion hatte ihnen noch eine Flasche Champagner als kleine Aufmerksamkeit geschickt. Das Essen war hervorragend. Scully hatte für sie beide Fisch bestellt zu dem sie beide ein Glas Weißwein tranken. Da sie noch fahren musste lies er das Geschenk für eine andere Gelegenheit zurück stellen. Er machte sich nicht viel aus Alkohol und ein Glas Wein war mehr als genug für ihn. Nach dem Essen verabschiedeten sie sich, beide hatten einen langen anstrengenden Tag hinter sich und Mulder sah sich erst einmal im Penthouse um. Neben dem Hauptschlafzimmer gab es noch zwei weitere, ein Arbeitszimmer und ein Raum voll gestopft mit Unterhaltungselektronik. Das Speisezimmer und die gemütliche Sitzecke hatte er schon gesehen. Mulder konnte sich nicht mehr lange auf den Beinen halten und seine Gedanken kreisten schon bald nur noch um das eine Thema. Schlafen.
Mulder’s Zimmer, Hotel Hilton
Dienstag, 18.08.1992 8:05 h
Mulder wurde mit Frühstück geweckt. Obwohl er weder den Weckservice noch das Frühstück bestellt hatte, saß er jetzt vor belgischen Waffeln mit Erdbeeren und Sahne. Kaffee, Orangensaft standen daneben. Er hatte nichts dagegen jeden Morgen so geweckt zu werden, aber es beunruhigte ihn das jemand seine Angewohnheiten so gut kannte. So war in den letzen Wochen immer um Acht aufgestanden und er liebte Waffeln zum Frühstück. Dieser Akim schien mit seinen Anweisungen ans Hotel wirklich genau gewesen zu sein. So lecker das Frühstück hier auch sein konnte, er wusste das es so nicht mehr weiter gehen konnte. Er musste einen Weg finden mit diesem Akim zu sprechen und klären was dieser ganze Zirkus soll. Die Rechnung auf der er vielleicht Morgen schon sitzen könnte verdarb ihm nämlich den Appetit.
Nach dem Essen zog er sich um, wählte um hier im Hotel nicht weiter aufzufallen einen seiner Anzüge zum Tragen aus. Als er sich gerade auf dem Weg zum Lift machen wollte, klingelte das Telefon. Jemand vom Empfang war dran offenbar hatte er einen Gast. Er hoffte das es dieser Akim war und bat ihn nach Oben zu schicken. Er musste nicht lange warten, nur der Mann der aus dem Fahrstuhl stieg hatte nichts mit einem Araber gemeinsam. War wohl eher ein Amerikaner, älter Herr um die 50, gepflegtes Äußeres. Scheint Maßanzüge zu mögen, der Graue den er gerade trägt ist eindeutig nicht von der Stange. „Guten Morgen, Mr. Mulder. Mein Name ist Greg Roberts. Ich bin der Geschäftsführer ihrer Bankfiliale in Georgetown.“ Stellte er sich vor und gab Mulder die Hand. Es ging also um die Kartengeschichte von gestern. Er führte den Banker zur Sitzecke und wartete geduldig bis beide bequem saßen. „Dann hat sich das Missverständnis von gestern Nachmittag aufgeklärt?“ Mulder konnte sehen das der Herr schwitzte, die Sache war ihm offenbar mehr als Peinlich.
„Es war ein bedauerliches Missverständnis, ein Computerfehler. Wir haben die Anzeige bereits zurückgezogen und die Verantwortlichen für diese peinliche Situation sind nicht mehr für uns tätig. Ich möchte mich für die Unannehmlichkeiten die ihnen dadurch entstanden sind aufrichtig entschuldigen.“ Der hörte fast gar nicht mehr auf sich zu Entschuldigen. Was war hier los? „Dann haben sich meine Kontodaten also wieder an gefunden?“ So ganz vom Harken konnte er ihn noch nicht lassen. „Durch die Übernahme unser Bank und der Umstellung der Konten hat ein Sachbearbeiter wohl versehentlich die alten Kontodaten gelöscht. Ihr Konto war dabei mit einer anderen Nummer von den Privatkunden zu den Geschäftskunden transferiert worden. So können sie sicher sein das sich abgesehen von der Kontonummer für sie nichts geändert hat.“ Andere Kontonummer? Soll das heißen ein Zahlendreher konnte an allem Schuld gewesen sein? „Damit kann ich leben. Aber ich benötige dann zumindest eine neue Karte für die ATMs.“ Vom Papierkram für Überweisungsaufträge und Kreditkarten mal gar nicht zu reden. „Das ist bereits in die Wege geleitet worden. Ich habe mir die Freiheit erlaubt ihnen ihre neuen Unterlagen und etwas Handgeld mit zu bringen.“ Damit öffnete er seine Aktentasche. Ein großer brauner Briefumschlag kam zum Vorschein. Darin war neben Vertragsunterlagen auch gleich eine neue ATM- Karte und ein Stapel neuer Kreditkarten. So wie ein kleiner Briefumschlag mit Bargeld. Mulder zählte nicht aber das mussten mindestens 5000 Dollar sein und die waren alle echt! War das etwa Schweigegeld? Er schaute sich die Karten noch einmal an und musste feststellen das sie alle anders aus sahen als die die er gewohnt war.
Goldcards. Jetzt wusste er das er irgendwie im falschen Film war. Er wandte sich den Unterlagen zu und prüfte ob auch wirklich sein Name darin stand und tatsächlich in sauberen schwarzen Druckbuchstaben: ‚Fox William Mulder’. Das war wirklich er. „Eine Frage wer hat das ganze veranlasst? Darf man erfahren wem die Bank jetzt gehört?“ Er war sich sicher die Antworten zu kennen. „Ihr Verwalter ein Mr. Akim. Er meinte das sie sich für Börsengeschäfte interessieren und ihre Konten dementsprechend eingerichtet werden müssen.“ Einer von Scully’s viel gelobten Kontoauszügen viel ihm auf. Seit wann besaß er 2 Millionen Dollar? Die Hotelkosten wären damit gesichert, wenn das Geld ihm gehören würde. Die Bank schien wohl mehr als einen schusseligen Sachbearbeiter zu haben. Bei der Summe konnte er jedenfalls verstehen warum der Mann eine Summe von 5000 für Handgeld hält. Es war Sinnlos mit ihm darüber zu reden, der Einzige der wirklich Licht ins Dunkel bringen konnte war dieser Akim und Mulder hatte nicht mehr das Gefühl das er auf Rache oder etwas in der Art aus war. Es sah eher so aus als versuchte er Mulder irgendwie zu helfen, unterstützen und dabei waren ein paar Missgeschicke passiert. Nur warum und weshalb sich dieser Akim nicht bei ihm zeigte war Mulder ein Rätsel.
Das Gespräch mit dem Bankmenschen wurde dann langweilig. Man unterhielt sich über Anlagemöglichkeiten, Börsenkurse und Fonds. Der Filialleiter konnte sich wohl stundenlang über solche Dinge unterhalten, so tat er ihm den Gefallen und nach einer Stunde etwa trennten sich ihre Wege. Zeit für ein Anruf bei Scully. „Hallo. Spezial Agent Dana Scully am Apparat.“ Sie klang müde. „Hi, ich bin’s Mulder. Ich rufe an weil ich gerade einen interessanten Besucher hatte. Du ahnst nicht wen.“ Forderte er sie heraus, er war der Ansicht ein kleines Spielchen würde vielleicht ihre Laune etwas heben. „Lass mich raten der Präsident … oder halt war es vielleicht jemand von der Bank, der dir mitgeteilt hat das es alles ein großer Irrtum war und die Anzeige zurückgezogen wurde?“ Sie konnte einem wirklich jeden Spaß verderben. „Wer hat gepetzt?“ Das wollte er schon genau wissen. „Unser freundlicher Polizeibeamter von gestern hat mich angerufen und mir erzählt das man die Anzeige zurück gezogen hat. Er wollte es dir persönlich sagen, konnte dich aber nicht erreichen.“ Da fragte man sich wie ihn ein Banker finden konnte wenn die Polizei es nicht mal schaffte. „Der Filialleiter war hier und hat einen netten Briefumschlag hinter lassen. Ich glaub das könnten wir bald als X Akte verkaufen. Mein Konto wurde unter einer anderen Kontonummer abgelegt und enthält ca. 2 Millionen Dollar. Ich habe den Kontoauszug direkt vor mir liegen.“ Ein ungläubiges Stöhnen kam vom anderen Ende der Leitung. „Mulder, wie soll plötzlich soviel Geld auf dein Konto kommen?“ Jetzt konnte er nicht mehr anders als lachen. „Binäre Zellteilung. Das fragst du mich? Woher soll ich das wissen? Aber vielleicht kenne ich jemand der uns die Frage beantworten kann. Der Banker kennt scheinbar unseren Freund Akim.“
„Es wird schwer sein deinen Akim zu finden. Ich kann keine Suchmeldung für jemand heraus geben nur weil er dein Konto mit 2 Millionen bestückt und dich im Hilton einquartiert. Da fragen sich die Meisten, ob sich Akim nicht auch mal um sie kümmern könnte.“ Sie hatte Recht, er würde sich lächerlich machen wenn er damit zur Polizei geht. „Du hast Recht. Aber vielleicht weiß ich wo er steckt.“ Wenn Mulder im Hilton war, könnte es dann nicht sein das er auch hier ist? Er verabschiedete sich und machte sich auf zum Empfang. Mal sehen ob er Akim eine Nachricht hinterlassen konnte.
Eine junge Frau war an der Rezeption und Mulder freute sich. Flirten war angesagt. „Guten Morgen, Sir. Was kann ich für sie tun.“ Er schenkte ihr sein schönstes Lächeln und lass ihr Namensschild. „Hi, Conny. Ich habe versucht einen meiner Geschäftspartner telefonisch zu erreichen, aber er geht nicht an sein Handy. Kann ich ihm vielleicht eine Nachricht hier an der Rezeption hinter lassen?“ Er sprach etwas leiser, fast schüchtern. „Das dürfte kein Problem sein, Mister…?“ Gut. „Mulder. Fox Mulder. Ich habe leider sein Nachnamen vergessen, aber er erzählte mir er sei hier abgestiegen. Er ist Araber und sein Vorname ist Akim. Er kommt aus Bahrain. Falls ihn das bei der Suche weiter helfen kann.“ Sie war bereit dabei den Namen einzugeben. „Ich glaube ich habe ihn gefunden. Es ist kein Wunder das sie den Nachnamen nicht kennen, er scheint ohne einen aus zu kommen.“ Bingo! Jetzt brauchte er nur noch die Zimmernummer. „Das kann sein. Ein gemeinsamer Freund hatte uns vor ein paar Monaten vorgestellt und ich könnte schwören das auch er den Nachnamen nicht kannte. Jedenfalls könnten sie ihm bitte ausrichten das Dinner heute klar geht. Ich bin circa 20:00 Uhr zurück.“ Dann machte er kurz eine Pause tat so als würde er überlegen. „Könnten Sie mir vielleicht sagen welche Zimmernummer er hat. Ich habe noch ein paar Unterlagen und es wäre gut wenn er sie vor dem Essen noch einsehen könnte.“ Er lächelte und schaute sie mit großen flehenden Augen an. „Zimmer 0705.“ Das war’s und hoffentlich würde er bald mehr wissen. „Danke Conny. Ich hoffe sie haben einen schönen Tag.“ Damit verließ er erst einmal das Hotel.
Mulder’s Zimmer, Hotel Hilton
Dienstag, 18.08.1992 19:55 h
Mulder hatte den Vormittag bei Roy verbracht und sich zum Mittagessen mit Scully getroffen. Er hatte ihr erzählt das seine Vermutung zugetroffen hat und das er die Zimmernummer dieses Akim kannte. Scully hatte ihn danach unbedingt aufsuchen wollen, doch Mulder wollte noch bis Morgen warten. Er war sich sicher das Akim heute zum Abendessen vorbei schauen würde. Scully’s Angebot ihnen beim Essen Gesellschaft zu leisten, lehnte er dankend ab. Er wollte erstmal unter vier Augen mit ihm reden und es gab Dinge von denen sie besser noch nichts wusste. Er musste ihr aber versprechen nach dem Gespräch anzurufen. Sie musste dann wieder zur Arbeit, Akten einsehen und zu irgendeinem Meeting gehen. Er hatte sich eigentlich nichts für den Nachmittag vorgenommen. Nur einen kleinen Blick auf die Börse, sehen wie seine Wertpapiere stehen und dann auf Wohnungssuche gehen. Er würde wohl schon bald auf der Strasse sitzen.
Eine passende Wohnung hatte er noch nicht gefunden als er wieder am Hilton eintraf und sich nach Oben begab. Er machte sich nur frisch und zog etwas bequemere Kleidung an. Eine einfache braune Hose und ein beigefarbenen Pullover. Sollte Akim tatsächlich kommen wollte er nicht in Freizeitkleidung hier sitzen. Er hatte aber auch keine Lust einen Anzug zutragen. Das war ihm dann doch zu förmlich. Punkt Acht genau kam dann tatsächlich sein Gast an. Es war wirklich der Hausverwalter den er aus Bahrain kannte. Er begrüßte ihn und hielt einen gewissen Sicherheitsabstand von dem Mann. Er lächelte ihn nur verständnisvoll an. Konnte offensichtlich Mulders Misstrauen verstehen. „Mr. Akim danke das sie gekommen sind. Ich war mir nicht sicher ob sie tatsächlich kommen würden. So habe ich noch nichts vorbereiten lassen.“ Er führte ihn zur Sitzecke und bot ihm an Platz zunehmen. „Das macht nichts. Ich habe mir die Freiheit genommen zu bestellen. Das Essen sollte zu 20:30 hier in ihrem Zimmer eintreffen, wenn ihnen das Recht ist.“ Er hat das Essen schon bestellt? „Das geht in Ordnung. So haben wir noch etwas Zeit für eine kleine Unterhaltung.“ Jetzt wo das geklärt war konnte auch er sich setzen. „Sie wollen sicherlich wissen was für ein Spiel ich spiele, nicht wahr?“
„Ja, das wäre schon Mal ein guter Anfang.“ Stimmte Mulder zu und ging noch einmal seine Mentale Checkliste durch. Er hatte sich am Nachmittag schon ein paar Gedanken darüber gemacht was er Akim fragen wollte wenn er ihn traf. „Ich weiß was sie sind und der verstorbene Scheich war. Meine Familie dient ihm schon seit Jahrhunderten. Unsterbliche können keine Kinder haben und somit hatte er niemanden den er als Erben einsetzen könnte. So war es immer sein Wunsch gewesen das wenn er eines Tages verliert, der Sieger des Kampfes auch sein Erbe ist.“ Mulder war überrascht dieser Akim schien ihn in keiner Weise für den Tod seines Arbeitgebers verantwortlich zumachen. Seine Gedanken und Gefühle zeigten keine Spur von Ärger und Feindseligkeit ihm gegenüber. Und was war das über Erben? „Erben? Wie darf ich das verstehen?“ fragte er deshalb ungläubig nach. Hatte er etwa die 2 Millionen geerbt? „Das gesamte Vermögen, Harim Al Sudahlis Lebenswerk gehört nun ihnen. Ich war der Vermögensverwalter des Scheich und kann ihnen dabei helfen sich einen Überblick über die Geschäfte zu machen, wenn sie es wünschen.“
„Das kann hoffentlich bis Morgen warten. Ich brauche eine Nacht um mich von diesem Schreck zu erholen. Aber erlauben sie mir bitte ein paar Fragen. Was sollte die Geschichte mit der Bank und meiner Wohnung?“ Er war leicht gereizt, konnte nicht vergessen das er gut 4 Stunden mit der Polizei verbracht hatte. „Ich war wohl etwas übereifrig. Da ich der Meinung war das sie ihre Geschäfte lieber von hier statt Arabien tätigen, wollte ich dafür sorgen das ihre Bankverbindungen und Wohnbedingungen ihren Verhältnissen entsprechend angepasst sind. Deshalb hatte ich die Bank, ihre Wohn- und leider auch ihre alten Büroräume gekauft.“ Übereifrig? Das war die Untertreibung des Jahres. „Sie haben das alles gekauft? Ich hoffe nicht auf meinen Namen.“ Wenn jemand das heraus findet war sein Leben gelaufen. Die Presse würde diese Geschichte wohl bis zum letzten Cent ausbeuten und er würde sich vor Bittstellern nicht mehr retten können. 2 Millionen waren eine Menge Geld. „Natürlich nicht. Ale Käufe wurden über ein amerikanisches Finanzunternehmen getätigt. Ein Unternehmen das zu unserer Konzerngruppe gehört. Es dürfte aber unmöglich sein sie damit in direkten Zusammenhang zubringen. Wir haben für sie in Bahrain und einigen anderen arabischen Staaten eine andere Identität etabliert, eine Art Künstlername wenn sie so wollen.“ Das wurde immer verwirrender und war definitiv zuviel für heute Abend. Er würde das Morgen alles aussortieren. „Ein Künstlername?“ Konzerne, Unternehmen konnten bis Morgen warten. „Der Scheich hatte mehr oder weniger die Idee dazu gegeben. Er hatte sie immer, sehr frei übersetzt als ‚Wüstenfuchs’ bezeichnet und so haben wir dies einfach beibehalten.“ Wüstenfuchs? Es war genauso gut wie jeder andere und er musste ja nicht in der Öffentlichkeit damit in Erscheinung treten. Wer kannte hier schon arabisch? Das konnte auch bis Morgen warten.
„Wieso sind sie erst heute zu mir gekommen?“ Das konnte nicht bis Morgen warten. „So wie ich sie verstanden hatte war es ihr Wunsch uns nie wieder zu sehen. Ich dachte ich könnte ihrem Wunsch nachkommen und ihnen trotzdem dienen.“ Stimmt er hatte beim gehen gesagt er sei froh sie nie wieder zu sehen. Aber wer hätte auch gedacht das dies so Enden würde. „Verzeihung, das hatte ich so nicht gemeint.“ Entschuldigte sich Mulder, das alles war wieder einmal seine Schuld gewesen. Der Araber lächelte ihn nur an. „Es war meine Dummheit, ich habe sie enttäuscht. Bitte verzeihen sie mir und erlauben sie einem alten Mann weiterhin ihnen dienen zu dürfen.“ Das machte Mulder verlegen, es war ihm peinlich. „Einverstanden. Ich möchte das Sie mir als meine rechte Hand zur Seite stehen. Sie sind im Augenblick weit von zu Hause fort. Wie geht es ihrer Familie? Ich hoffe das ich sie nicht mehr lange von ihnen fern halte.“ Mulder gefiel der Gedanke nicht das der Mann soweit Weg von seinen Freunden und Verwandten war. Er wusste aus erster Hand wie sehr man gewisse Dinge mit der Zeit vermissen konnte. „Es geht ihnen gut und sie freuen sich schon auf Amerika. Ich mache mir aber Sorgen um meine Töchter. Das Leben hier ist so anders als daheim.“ Sie kommen nach Amerika? „Ihre Familie kommt nach Amerika?“ fragte er ungläubig nach. Es klang irgendwie verrückt. „Natürlich. Sie haben hier niemanden der sich um sie oder ihr Haus kümmert. Meine Familie wäre zutiefst gekränkt wenn sie uns diese einfache Ehre abschlagen würden.“ Mulder wollte gewiss niemanden verletzten und so sagte er erst einmal nichts weiter. Auch das war etwas das er in den nächsten Tagen klären müsste.
Man unterhielt sich noch eine Weile weiter, hauptsächlich über den Scheich und wie Angesehen er bei seinen Angestellten war. Erst mit Ankunft des Essens vertagte man diese Unterhaltung auf den nächsten Tag. Beim Essen erzählte Akim von seiner Familie seinen Söhnen und Töchtern. Mulder hörte seiner Geschichte nur zu. Genoss einfach nur die Gesellschaft und das arabische Essen was aufgetragen wurde. Es war klar das sein Leben eine weitere Wendung nahm, nur was sollte er Scully erzählen? Ein Teil der Wahrheit? Er konnte sich bis zum Schluss nicht entscheiden und so fasste er einen Entschluss. „Darf ich sie um einen Rat bitten?“ Es viel ihm scher jemanden um Hilfe zu bitten und so hatte es ihn einiges an Überwindung und Mut gekostet. „Aber natürlich.“ Das Gesicht des Arabers wirkte freundlich und die braunen Augen sahen aus als hätten sie schon viel gesehen. „Ich habe einer Freundin versprochen sie nach diesem Gespräch an zurufen. Und ich weiß nicht was ich ihr erzählen soll, sie kennt die Wahrheit nicht und ich bin noch nicht bereit ihr alles zu erzählen.“ Er wirkte schüchtern und verlegen. Es war deutlich das dies für ihn peinlich war und das er sich schuldig fühlte. „Es ist noch zu früh. Sie müssen dies alles erst einmal selbst verarbeiten. Wie wollen sie jemand etwas erklären das sie noch nicht einmal selbst verstehen? Lernen sie Verstehen, dann kommt das Wissen wie sie damit umzugehen haben ganz von allein.“ Mulder nickte nur und bedankte sich dann für den Rat. Er würde darüber nachdenken.
Als er dann endlich allein war, wählte er Scully’s Nummer. „Mulder?“ Sie war sehr schnell am Telefon, es machte fast den Eindruck als hätte sie auf diesen Anruf gewartet. Das hob sein Stimmungsbarometer gewaltig an. „Ja. Danke das du gewartet hast. Mr. Akim war hier. Wir haben gesprochen, aber ich verstehe es selbst noch nicht so ganz. Ich hoffe er kann mir Morgen mehr erzählen.“ Das war die Wahrheit. „Du triffst dich Morgen wieder mit ihm? Ist alles in Ordnung?“ Sie klang besorgt und Mulder wollte nicht das sie sich seinetwegen sorgte. „Ja es scheint alles in Ordnung zu sein. Wie gesagt ich verstehe es selbst noch nicht so ganz, aber es scheint so als hätte ich das Geld auf meinem Konto geerbt. Aber ich möchte über Telefon nicht mehr darüber sagen. Wie wäre es Morgen mit einem gemütlichen kleinen Abendessen?“ Sie war seine beste Freundin und er wollte in Ruhe mit ihr darüber Reden. Vielleicht konnte sie ihm doch irgendwie helfen etwas Sinn in diese Geschichte zu bringen. „Ein Abendessen klingt gut wenn ich das Restaurant aussuchen darf.“ Oh je. „Einverstanden. Du reservierst den Tisch und ich hole dich morgen Abend gegen 19:30 Uhr ab.“ Lieber gleich Nägel mit Köpfen machen bevor sie es sich doch noch anders überlegt. „Gut. Ich erwarte dich aber in Abendgarderobe. Ich glaube diesen kleinen Luxus bist du mir nach der gestrigen Aufregung schuldig.“ Oh Schreck. Er sollte sich wie ein Pinguin verkleiden. „Okay. Dann sehe ich dich morgen Abend. Ich kann es schon kaum abwarten dich im Abendkleid zu sehen. Bye.“ Er hörte sie kichern. Sie sah für ihn in allem gut aus. „Schlaf gut.“ Verabschiedete sie sich und nach einem ‚Gute Nacht’ legte auch er den Hörer auf. Morgen würde er ein Date mit Scully haben, mit diesem wunderbaren Gedanken ging er dann zu Bett.
Zimmer 0705, Hotel Hilton
Mittwoch, 19.08.1992 10:05 h
Mulder hatte es sich im Wohnbereich der Suite bequem gemacht und studierte die Papiere die vor ihm ausgebreitet auf dem Couchtisch lagen. Sein Gedächtnis reagierte und auf die Dokumente vor ihm und half ihm sich schnell in den Unterlagen zu Recht zu finden. Es ging hauptsächlich um Immobilien, Wertpapiere und Investitionen die am persischen Golf getätigt wurden. Es störte ihn nicht einmal das mehr als die Hälfte der Papiere in Arabisch verfasst waren, er konnte die Sprache jetzt wie seine Muttersprache sprechen, lesen und schreiben. Man musste es selbst erlebt haben um zu wissen was ein Quickening wirklich ist und Fox verstand langsam was der Preis in diesem tödlichen Spiel der Unsterblichen beinhalten würde. Wissen, Fähigkeiten die die Spieler wie ihre Pokerchips mit sich trugen und man musste sich nur vorstellen was zusammen kommt wenn der Letzte alle Chips in seinen Händen hält. Es war für ihn beängstigend und faszinierend zu gleich. Harim Al Sudahli hatte mehr als tausend Jahre teilgenommen und eine Menge Herausforderungen überlebt. Dabei hatte sich eine Menge an Wissen angesammelt, mehr als Mulder bisher bewusst verarbeiten konnte. So aktivierte das Lesen dieser Dokumente förmlich Erinnerungen aus dem Leben des Scheichs oder anderer wie z.B. Gespräche die er geführt hat um den einen oder anderen Vertrag abzuschließen oder ein Haus das er vor dem Kauf besichtigt hat.
Auf diese Weise waren die Sachen auf dem Tisch vor ihm mehr als nur Zahlen und Fakten auf dem Papier. Er wusste genau was sich dahinter verbarg und er erinnerte sich auch das es neben Akim noch vier weitere Verwalter gab. Der Scheich musste wie jeder andere Unsterbliche auch ab und an die Identität wechseln. Er hatte dafür fünf unterschiedliche Stammbäume neben einander herlaufen um ihm im rechten Augenblick mit einer neuen Identität zu versorgen. Warum ausgerechnet fünf war Mulder ein Rätsel. Es war für sein Geschmack viel zu viel Aufwand. Drei waren aktiv während zwei passiv neben den anderen her existierten. Er müsste sich mit den anderen Verwalter in Verbindung setzen um sich ein besseres Bild machen zu können. Aber im Augenblick war schon dieser Berg eine Herausforderung. So war Akim für ungefähr zwei drittel seiner Erdölgeschäfte verantwortlich. Chemische Industrie – Anlagen, Hotelkette, Kamelzucht, einige Immobilien, Aktien, Wertpapiere und fast die gesamte Kunstsammlung gehörten in seine Zuständigkeit. Bahrain, Katar, VAE, Oman und Saudi Arabien sein Operationsgebiet. Praktisch der Löwenanteil des Vermögens, Sudahlis Hauptperson. Die beiden passiven Persona waren einfach nur Konten, risikoarme Wertanlagen, ein paar Immobilien im europäischen Ausland. Mulder wusste aber auch das sich jemand um die Geschäfte in Afrika kümmerte und dort neben Erdöl auch Edelsteine, Perlen handelte. Der letzte hatte praktisch den Norden der arabischen Halbinsel, Türkei und Asien unter sich wo der Scheich Tourismus, Gewürzhandel favorisiert hatte.
Die Frage war was er Akim davon erzählen sollte. Wie weit konnte er ihm vertrauen? Für Mulder gab es wichtigere Dinge als Geld im Leben. Ein wenig spekulieren an der Börse war ein netter Zeitvertreib, mehr nicht. Das Erbe brachte neben Geld auch eine Menge Verantwortung mit sich. Da waren jetzt ein paar tausend Angestellte die von seinen Entscheidungen abhängig sind und er schaffte es kaum sein eigenes Leben auf die Reihe zubringen. Es würde viel Zeit in Anspruch nehmen. Aber anderer seits gab es vielleicht eine Möglichkeit dies zu seinem Vorteil zu nutzen. Jeder brauchte Geld, man konnte damit nicht nur Leute sondern auch Informationen kaufen. Zudem auch Schattenregierungen brauchten Geld aber auch Materialen, Rohstoffe. Der heimische Markt bot Mulder vielleicht Möglichkeiten sie aufzuspüren, sich selbst eine gewisse Lobby zu verschaffen. So wie die Bonzen aus der Tabak- oder Waffenindustrie. „Akim, die Unterlagen sind wirklich beeindruckend. Zeigen aber auch das sie eine gute Hand direkt vor Ort brauchen. Wenn ihr hier nach Amerika kommt, dann brauchen wir einen neuen Verwalter der sich von Bahrain aus um die Geschäfte kümmert. Wüsstet ihr jemanden dem man diese Verantwortung übertragen kann?“ Vertrauen war so eine Sache, es gab nur wenige Menschen den Mulder vertraute und er würde das alte System des Scheichs seinen Zwecken anpassen müssen.
„Mein ältester Sohn. Er ist mit den Geschäften vertraut. Der Scheich hatte ihn oft auf seine Reisen mitgenommen und persönlich für seine Ausbildung gesorgt. Er sollte eines Tages meine Position übernehmen.“ Mulder versuchte den Araber zu lesen konnte aber nichts finden was auf eine Lüge oder Täuschungsmanöver hindeuten könnte. Väterlicher Stolz und Zuversicht dominierten zurzeit. „Einverstanden. Ich glaube es ist Sinnvoll die Aktien und Wertpapiere hier nach Amerika zu holen. Ich möchte in den amerikanischen Markt einsteigen und mit ihnen als Verwalter, müsste das zu schaffen sein.“ Mulder war in Gedanken versunken und starrte die Papiere an als würden dort alle Antworten stehen die er suchte. „Ich fühle mich geehrte, das sie so viel Vertrauen in meine Familie setzen. Ich verspreche ihn das wir sie nicht enttäuschen werden.“ Akim verbeugte sich tief vor Mulder den diese Geste etwas schockte. „Danke. Ich werde ihre Hilfe brauchen. Was hat es eigentlich mit der Renovierung in Arlington auf sich. Ich kann hier nicht ewig im Hilton wohnen, das wäre zu auffällig und ich möchte nicht das man mich mit all dem hier in Verbindung bringen kann.“ Er zeigte auf den Stapel vor sich. „Die Wohnung in Arlington ist etwas, das ich heute eh noch mit ihnen besprechen wollte. Beim Ausräumen ihres Apartments sind Überwachungsgeräte gefunden worden. So hatte man nicht nur ihr Telefon abgehört, sondern auch jeden ihrer Räume verwanzt und es gab so gar Überwachungskameras im Eingangsbereich ihrer Wohnung.“ Das war mehr als ein Schock. Nicht nur das es bedeutete das jemand fremdes in seine Wohnung eingedrungen war, es ergab plötzlich so viel Sinn.
Mulder hatte sich schon häufiger gefragt warum sie ihn in der Suche nach seiner Schwester so mühelos blockieren konnten. So wollte er einer Spur in Kalifornien nachgehen, kam aber nicht dazu weil ihm die Steuerfandung ins Visier genommen hat oder es gab Berichte von Ufo Sichtungen in New Mexico und plötzlich hatte er das Gesundheitsamt am Hals wegen irgendwelchen frei erfundenen Verstößen in der Gemeinschaftspraxis. Ob seine Bekannten auch überwacht wurden? Scully gut möglich, aber Adam oder Roy? Die Gunmen waren zu paranoid, ihre Wohnung checkten die wahrscheinlich mehrmals täglich. Er würde sie auf alle Fälle warnen. Was bedeutete das aber für ihn selbst? Jetzt wo er wusste das Fremde scheinbar regelmäßig ohne sein Wissen in der Wohnung ein und ausgehen, konnte er sich dort nicht mehr sicher oder wohl fühlen. „Sie haben dort mehrere Gebäude gekauft nicht war? Wie wäre es wenn wir die Wohnungen dort einfach nur renovieren und weiter vermieten. Ich ziehe um. Zum einen weil mich die Überwachung meine Wohnung mehr als stört und zum anderen weil ich Platz für ein Büro oder eine neue Praxis brauche.“ Akim wirkte nachdenklich, reagierte nicht sofort auf Mulders Ankündigung. „Das macht Sinn. Wir hatten geplant das Wohnhaus umzubauen. Aber die Baubehörden und die alte Bausubstanz bereiten mehr Schwierigkeiten als sie Wert sind. Da ist es einfacher sich für eine neue Immobilie zu entscheiden, die bereits den Anforderungen genügt.“ Neu Bauen kam nicht in Frage darüber waren sich beide einig, zu zeitaufwendig.
Mulder verbrachte fast den ganzen Tag bei Akim, sie bestellten ihr Essen beim Zimmerservice und gingen die Unterlagen komplett durch. Der Araber wollte sich schon mal nach möglichen Wohnungen umsehen und versprach heute noch jemanden ins Penthaus zuschicken um nach zusehen ob auch dort Wanzen angebracht waren. Mulder hatte nicht mehr viel Zeit, er hatte schließlich eine Verabredung mit Scully und musste sich dafür noch umziehen. So verabschiedete man sich gegen 17:00 Uhr und vereinbarte sich Morgen um zehn wieder hier zu treffen.
Scully’s Apartment, Georgetown
Mittwoch, 19.08.1992 18:00 h
Nur noch anderthalb Stunden bis Mulder sie abholen würde. Sie freute sich schon auf den Abend. Sie hatte eine kleine Nische in einem ihrer Lieblingsrestaurants reserviert. Abendkleidung war dort nicht vorgeschrieben, aber sie wollte Mulder unbedingt einmal im Smoking sehen und hatte keine Lust länger darauf zu warten. Sie fürchtete das die nächste Gelegenheit für schicke Abendkleider der alljährliche FBI Ball wäre und bis Dezember wollte Scully nun wirklich nicht warten. Ihr Blick fiel auf ihr dunkelblaues Abendkleid. Ob es ihm gefallen wird? Sie wollte schön sein für ihn und hoffte das er den nächsten Schritt bald wagen würde. Sie wusste nicht was es war, aber ihr Gefühl sagte ihr das es da irgend etwas gab das ihn zurück hielt. Sie wusste das er das Selbe für sie empfand wie sie für ihn. Das konnte sie in seinen Augen sehen, in den Blicken die er ihr nach warf.
Es war Zeit sich langsam fertig zu machen, sonst würde Mulder bald hier sein und sie immer noch im Bademantel vor ihm stehen. Sie freute sich auf den Abend, sie war gespannt was er von diesem Akim in Erfahrung bringen konnte. Er hatte eine Erbschaft erwähnt. Seine Eltern lebten noch, so konnten die 2 Millionen auf dem Konto nicht von ihnen sein. Scully hatte bisher nur einmal das Vergnügen gehabt mit Mulders Vater zu sprechen. Es hatte ihm nicht im Geringsten interessiert was mit seinem Sohn passiert war. Wild Fremde Menschen auf der Strasse hätten wahrscheinlich mehr Mitgefühl gezeigt als dieser Mann. Von ihm stammte das Geld ganz sicher nicht. Scully fragte sich nur wie es für Fox gewesen sein muss mit so einem als Vater aufzuwachsen. Sie war eine Navy Göre. Dank ihrem Vater wechselten sie ständig von einem Ort zum anderen und er war dann oft Monate lang auf See. Doch sie wusste immer das er sie liebte und sie waren glücklich als Familie. In Mulders Fall konnte sie sich das nicht vorstellen. Die Stimme von Mr. Mulder war so kalt und herzlos am Telefon, so hatte sie ihre Eltern nicht über jemanden reden hören und schon gar nicht über eines ihrer eigenen Kinder.
So hatte er vielleicht einen reichen Verwandten, letztendlich war es egal woher das Geld kam. Sie freute sich das Mulder endlich etwas Glück zuhaben schien. Sie hatte sich sorgen um ihn gemacht. Er brauchte Zeit um die Ereignisse der letzten Monate zu verarbeiten. Sie konnte verstehen das er da nicht anderen Menschen helfen konnte, wenn er sich selbst nicht einmal verstand. Sie hatte ihm geraten zu einem Psychiater zu gehen. Vielleicht konnte er einem Psychologen eher anvertrauen was ihn quälte als er ihr nicht anvertrauen wollte. Doch Mulder wollte davon nichts wissen. Sie hatte deshalb sogar mit Adam gesprochen, doch er gab ihr den Rat zu warten. Mulder würde darüber mit ihr oder Adam reden wenn er bereit dazu war. Er brauchte gewöhnlich Zeit um die Dinge für sich selbst zu verarbeiten und suchte dann gewöhnlich Adams Rat um die letzten Antworten auf die Fragen zu finden die er selbst nicht beantworten konnte. Sie hatten so Nächte in Oxford verbracht, in den er Fox einfach nur zugehört hatte. Das hatte Scully etwas beruhigt. Sie selbst hatte über Telefon mitbekommen das Mulders Freund ein guter Zuhörer war. Er hatte auch ihr zu gehört, ihr Mut gemacht und die Suche nach Fox in jeder erdenklichen Art unterstützt. So hatte sie vertrauen gehabt und scheinbar war endlich etwas Gutes für ihren besten Freund in Sicht. Sie freute sich für ihn und wollte dies heute Abend vielleicht ein bisschen feiern.
Das Mayflower, Alexandria
Mittwoch, 19.08.1992 20:35 h
Das Mayflower war ein kleines Restaurant das sich noch auf alte Kost wie aus den Zeiten der ersten Siedler verstand. Die Einrichtung war rustikal und schlicht. Kerzen und Fackeln sorgten für Licht und auf der Speisekarte war für fast jeden Geschmack etwas zu finden und die Portionen riesig. So hatte Mulder Steak, während sich Scully an der frisch geräucherten Forelle versuchte. Beide tranken roten Wein zum Essen. In ihrer Abendkleidung schienen sie vielleicht nicht ganz hier her zu passen aber das störte die Beiden wenig. Scully sah bezaubernd aus, er bedauerte es ein wenig das er sie hier nirgends auf eine Tanzfläche entführen konnte. Dieses Kleid schrie förmlich nach einem Tango. Doch das würde wohl noch warten müssen. Hier gab es keinen Tanz, ein geeigneter Ort viel ihm auf die schnelle auch nicht ein. Aber er nahm sich vor es bei Gelegenheit nach zu holen.
Sie redeten während des Essens kaum über die Ereignisse die letzten Tage, stattdessen war man mehr zu Themen wie Musik, Theater und Klassiker der Filmgeschichte übergegangen. Scully merkte aber das er persönlichen Fragen lieber aus dem Weg ging. So wollte er nichts aus seiner Vergangenheit erzählen, hörte ihr aber aufmerksam zu als sie von ihrem Leben auf Marinebasen oder von ihren Freunden an der Medizinschule erzählte. So verging der Abend wie im Flug und erst als Mulder sie nach Hause brachte und für einen Kaffee mit nach oben kam, fanden sie Zeit um über diesen Akim zu reden. Sie hatten es sich in ihrem Wohnzimmer gemütlich gemacht und sie unterhielten sich bei eine Packung Schokoladeneis. Beide löffelten sie aus derselben Packung. Scully hatte das Gefühl er würde mehr Wissen als er ihr erzählte, vermutlich ließ Mulder Teile die er selbst noch nicht Verstand aus. Wenn es so war, konnte sie vorerst damit Leben. Sie hoffte für ihn das diese Geschichte ein gutes Ende nehmen würde. Sie traute diesen Arabern nicht, hatte Angst um ihn. Sie wusste nicht einmal warum man ihn entführt hatte und sie fürchtete das die Erben des Scheichs auf die Selbe dumme Idee kommen konnten. Es war absurd, trotzdem hatte sie Angst ihn ein weiteres Mal zu verlieren.
Dann wurde es plötzlich für einen Augenblick fast unheimlich still im Raum. Mulder schaute sie fragend an und sein Gesicht wurde plötzlich so ernst. „Scully? Was ist wenn ich eine Theorie habe zu dieser Entführung. Würdest du sie hören wollen, egal wie verrückt sie klingen mag?“ Es musste ihn einiges an Überwindung gekostet haben zu fragen. Was immer er zu sagen hatte war ihm vermutlich mehr als peinlich und sie müsste behutsam sein. „Klar. Es wäre nicht die erste verrückte Theorie die ich von dir hören würde.“ Versuchte sie zu scherzen. „Aber du musst mir versprechen nicht zu lachen.“ Sie nickte und legte die rechte Hand aufs Herz und hob die andere zum schwören. „Pfadfinderehrenwort!“ Ein lächeln machte sich in ihrem Gesicht breit das ansteckend war und so das angespannte Klima im Raum etwas auflockerte. „Der Mann war nicht nur Kunstsammler. Er liebte es sich mit schönen Dingen zu umgeben. Für ihn war ich nichts weiter als ein Objekt das er einfach dieser Sammlung hinzugefügt hatte. Kein Mensch, sondern nur eine seiner Anschaffungen.“ Sein Gesicht war rötlichen angelaufen und er starrte verlegen zum Boden, vermied deutlich den Blickkontakt mit ihr. Mulder hatte ein geringes Selbstwertgefühl und dieser Gedanke muss ihm mehr als nur einen Schlag ins Gesicht verpasst haben. Er schien sich jedenfalls sicher zu sein, was diese Theorie anging. Vielleicht hatte dieser Akim sogar seinen Verdacht bestätigt.
„Fox, ich kann nicht sagen das deine Theorie falsch ist. Er konnte dir vielleicht für kurze Zeit deine Würde nehmen, aber und das musst du mir glauben. Deine Menschlichkeit konnte er dir niemals nehmen. Er war einfach nur ein verrückter, gemeiner alter Mann und manchmal müssen Taten keinen Sinnen ergeben, besonders wenn sie irgendwelchen Hirngespinsten entsprungen sind. Ich würde dem nicht soviel Bedeutung schenken.“ Sie umarmte ihn. Mulder konnte den Eindruck erwecken er sei ein arroganter, aufgeblasen, manchmal egoistischer Hornochse. In Wirklichkeit aber wenn man sich die Zeit nahm ihn kennen zu lernen war er ein sehr feinfühliger, empfindlicher Mann der sich mit einer rauen Schale zu schützen versuchte. Er verstand die Menschen den er half besser als jeder andere simpel weil er regelrecht mit ihnen fühlte, ihr Leid wie sein eigenes spürte. Er konnte nicht in eine andere Richtung schauen, er würde immer versuchen zu helfen, selbst wenn es sein Leben kosten würde. Sie verstand nicht warum es so war, aber Mulder schien sich nicht bewusst zu sein welche Wirkung er auf andere haben konnte. Er schien nicht zu wissen das ihn jemand lieben konnte, einfach nur weil er war wie er war. Man könnte meinen er lebte in der Überzeugung das er Dinge wie Liebe oder ein glückliches Leben nicht verdiente. Das war in ihren Augen absurd, doch stand sie dem machtlos gegenüber. Sie konnte ihm nur täglich sagen das er das Selbe wie jeder andere Mensch auch verdiente und hoffen das er es ihr eines Tages glauben würde.
Fox hätte ihr in diesem Moment am liebsten alles erzählt, doch es bestand die Möglichkeit das sie Zuhörer hatten. Das was er ihr bisher anvertraute war die Wahrheit, aber nur der Teil den auch die anderen in ihren Verstecken mit ihren Überwachungsanlagen hören durften. Es konnte sich noch einmal als nützlich erweisen das sie glaubten Mulder hätte sich von den Arabern für sein Schweigen bezahlen lassen. Er wollte zwar nicht das Scully so über ihn dachte, aber im Augenblick ließ sich das wohl nicht vermeiden. Aber er musste sie noch warnen, das war er ihr schuldig. So löste er sich von ihr und schaute ihr in die Augen bevor er sprach. „Scully, da gibt es etwas das du vielleicht wissen solltest. Akim hatte mich heute darüber informiert. Beim Ausräumen meiner Wohnung sind mehrere Wanzen zum Vorschein gekommen. Einige von den Dingern waren schon ein paar Jahre alt.“ Ihr Gesicht verfinsterte sich. „Deine Wohnung wurde überwacht? Weißt du ungefähr wie lange? Hast du in letzter Zeit vielleicht Handwerker oder ähnliches in der Wohnung gehabt?“ Sie war aufgeregt, das konnte er deutlich spüren. „Einige waren bereits ausgefallen, simpel weil ihnen die Energie ausgegangen war. Ich hatte so weit ich weiß keine Handwerker in der Wohnung seit mindesten letzten Weihnachten. Da hatte es in der Wohnung über mir Probleme mit dem Abfluss gegeben. Der Vermieter hatte daraufhin alle Abflussrohre und Anschlüsse im Aufgang prüfen lassen.“ Er hatte kein Schimmer wie lange jemand ihm schon hinterher spionierte. Er hatte immer damit gerechnet das seine Telefonate ins Ausland abgehört werden. Er hatte schließlich auch die Geschichten gehört das die Geheimdienste die Überseeleitungen überwachten und so ziemlich alles mithörten und nach verdächtigen Phrasen absuchen ließen. Aber das man seine komplette Wohnung verwanzt, damit hatte er nicht gerechnet.
„Ich weiß wirklich nicht was es zu bedeuten hat, ich will nur das du in nächster Zeit vorsichtig bist und vielleicht auch deine Wohnung überprüfst.“ Meinte er nach einer Weile als sie scheinbar immer noch nichts zu sagen hatte. Ihr schien das Ganze genauso wie ihm zu missfallen. Es lies ihnen keine Ruhe und sie wollte es genau wissen so suchten sie in der Wohnung und fanden schließlich drei der kleinen Biester. Eine im Telefon, unter den Bilderrahmen im Schlafzimmer und eine in der Küche hinter einem dem Gewürzregal. Es war schon weit nach Mitternacht und so beschlossen sie erst mal Feierabend zu machen. Beide bedauerten das der Abend so ausgegangen war und waren enttäuscht. Sie wollten sich aber nicht unterkriegen lassen und verabredeten sich zum nächsten Abend bei Scullyy zum „Kriegsrat“. Bis dahin wollte sie ihre Wohnung eine gründlichen Untersuchung unterziehen und Anzeige erstatten.
Restaurant, Hotel Hilton
Donnerstag, 20.08.1992 12:35 h
Mulder und Akim aßen gemütlich im Hoteleigenen Restaurant zu Mittag und diskutierten ihre weitere Vorgehensweise. Ihre Räume im Hilton hatten sich bisher als sauber erwiesen, dennoch wollte man kein Risiko mehr eingehen und die Zimmer regelmäßig von Akims Leuten absuchen lassen. Mulder hatte auch den Entschluss gefasst den alten Mann über die anderen vier Verwalter ein zu weihen. Sie wollten mit den Männern in Kontakt treten und ihre Bereiche einer gründlichen Prüfung unterziehen. Dies konnte schlecht von hier aus geschehen und so planten sie eine längere Reise. In der Mulder alle Orte persönlich kennen lernen konnte. Auch Bahrain würden sie besuchen, damit Fox sich ein besseres Bild von diesem Ort machen konnte und mehr als nur die Villa sehen würde. Akim schätze das sie mindestens ein bis zwei Monate Zeit einplanen sollten.
Sie gingen nach den Essen getrennte Wege. Akim wollte sich um die Reiseplanung kümmern, während Mulder zu Roy fuhr um den Nachmittag bei ihm zu verbringen.
Scully’s Apartment, Georgetown
Donnerstag, 20.08.1992 19:15 h
Das Essen war fast fertig und sie wunderte sich wie sie es doch noch rechtzeitig geschafft hatte alles für den Abend vorzubereiten. Sie hatte von einem Spurensuchteam des FBI ihre Wohnung am Vormittag praktisch auf den Kopf stellen lassen. Dabei waren noch fünf weitere Überwachungsgeräte zum Vorschein gekommen. Sie selbst hatte den Vormittag damit verbracht der Polizei und ihren Chefs zu erklären warum jemand ihre Wohnung überwacht. Mit Fragen auf die sie selbst keine Antwort wusste. Sie versuchte zu mindest bei der Polizei und den öffentlichen Berichten Mulders Namen heraus zu halten. Aber ihren Chef. AD Skinner konnte sie damit nicht abspeisen. Dieser wollte es genauer als genau wissen und am Ende erzählte sie ihm von Mulders Wohnungsrenovierung und den Funden. Er schien nicht besonders überrascht aber gab ihr keinen Hinweis wer da hinter stecken könnte. Stattdessen fragte er sie mehr über Mulder aus. Scully wusste als sie sein Büro verließ das diese Untersuchung zu nicht führen würde. Sie hatte aber zu mindest eine Ahnung wer da hinter stecken könnte als sie den Geruch im Vorzimmer des ADs war nahm. Es war bestimmt kein Zufall das sich dieser Zigaretten rauchende alte Bastard ausgerechnet heute hier herum trieb. Nur warum? Auf diese Frage wollte ihr einfach keine Antwort einfallen.
Sie hatte sich den Rest des Tages frei genommen um ihre Wohnung wieder aufzuräumen. Ihre Kollegen hatten sich zwar Mühe gegeben aber dennoch gab es einiges das zurück an den rechten Platz gerückt werden mussten. Nebenbei hatte sie noch irgendwie geschafft zu kochen. Nichts besonderes, ein altes Stew Rezept von ihrer Mutter, mit dem sie angeblich ihren Vater nach seiner Rückkehr von der Blockade Kubas überrascht hatte. Das war der Abend gewesen wo er ihr einen Antrag machte. Ahab hatte dann immer behauptet es sei ihr wunderbares Stew gewesen, das ihn dazu gebracht hatte. Kurze Zeit später standen sie vor dem Traualtar. Scully hatte die Geschichte romantisch gefunden, ihr Schwester Melissa meinte immer das wohl eher Billy Jr. der Grund gewesen wäre. Es klingelte und brachte sie zurück zum hier und jetzt. Das musste Mulder schon sein. Sie schaute sich noch einmal um, prüfte ob alles fertig war und ging dann zur Tür.
Mulder hatte ihr einen Strauß Rosen mitgebracht. Rote und weiße Rosen. Als sie die Blumen in eine Vase stellte erzählte er ihr zum ersten Mal etwas aus seiner Vergangenheit. Es klang fast wie eine X Akte. Er erzählte ihr von einem Lawinenunglück und das er als er im Krankhaus wieder zu sich kam als erstes einen Strauß roter Rosen gesehen hatte. Er war vor dem Unglück Rot- Grün Farbenblind gewesen und konnte die Farben plötzlich sehen. Es schien manchmal wohl doch Wunder zugeben. Sie stellte die Rosen ins Wohnzimmer auf den Couchtisch und kümmerte sich dann um das Essen. Sie unterhielten sich über angenehmere Dinge während der Mahlzeit, mieden die Gründe weshalb sie heute Abend zusammen gekommen waren. Der Abend war noch jung, es würde dafür noch viel Zeit später am Abend kommen. Jetzt wollten sie nur entspannen und die Gesellschaft des anderen genießen. Sie konnte sehen das ihr Stew Mulder schmeckte, er fragte sogar ob er eine weitere Portion haben könnte.
Danach tranken sie gemütlich Kaffee und erzählten sich wie ihr Tag verlaufen war. „Es ist nur für ein Monat oder so. Praktisch nur eine Reise am Mittelmeer entlang und zu guter letzt Bahrain. Ich möchte ein für alle mal die Dinge klären.“ Sie war davon gar nicht begeistert. Konnte nicht glauben das er verrückt genug ist dort noch einmal hinzufahren. Sie konnte verstehen das er mit den Angehörigen reden wollte, aber sich deshalb in die Höhle des Löwen begeben? „Es ist zurzeit viel zu gefährlich in der Gegend. Währe es nicht besser noch eine Weile zu warten bis sich die Situation dort entspannt hat?“ Sie konnte es nicht direkt zur Sprache bringen, hoffte das er verstand. „Es wird immer eine Krise geben. Dort ist jeder Zeitpunkt gleich schlecht. Ich kann verstehen was du meinst. Ganz angenehm ist mir der Gedanke auch nicht, aber sie sind mir bereits ein Stückchen entgegen gekommen und ich denke in diesem Fall kann ich diese Geste erwidern. Dann weiß ich wenigsten ob ich mit bestem Gewissen das Geld annehmen kann.“ Mulder musste die Dinge immer genau wissen und so hatte er einen Entschluss gefasst von dem sie ihn nicht mehr abbringen konnte. Sie konnte nur noch dafür Sorgen das er vorsichtig blieb und beten das er heil zu ihr zurückkommen würde.
Hotel „La Palma“, Algier
Dienstag, 15.09.1992 10:00 h
In Algier lebte der letzte der vier Männer die Mulder besuchen wollte. Zuvor war er schon in Spanien, Schweiz und Türkei gewesen, mit einem kleinen Stopp in Paris wo er ein paar Tage Urlaub bei Adam gemacht hatte. Die Reise war bisher zufriedenstellend verlaufen nur der Spanier hatte sich als nicht vertrauenswürdig herausgestellt. Bei der Durchsicht seiner Buchhaltungspapiere konnte Mulder auf Anhieb einige Löcher finden. Der Mann hatte an der Börse spekuliert und dann das Vermögen des Scheichs verwendet um seine Verluste zu bezahlen. So hatte Mulders Reise mit einer Kündigung angefangen. Der genaue Schaden stand noch nicht fest und Mulder würde erst nach dieser Reise entscheiden wie es in Spanien weiter gehen würde. Schweiz und Türkei waren da angenehmer gewesen und alles sah dort sehr viel versprechend aus. Gestern hatte er die Gelegenheit den vierten und letzten Verwalter hier in Algier kennen zu lernen. Seine Unterlagen hatten einer ersten Prüfung standgehalten und Mulder war auch hier zuversichtlich. In den nächsten Tagen waren neben Entspannung auch die Besichtigung einiger Besitztümer und ein paar Treffen mit Geschäftsleuten geplant.
Jetzt befand er sich in der Bar seines Hotels und trank gemütlich einen Fruchtcocktail. Er wartete auf seinen Fahrer, die Besichtigung eines Gestüts stand heute auf dem Programm. Der Scheich hatte sich nicht nur für Kamele sondern auch Pferde interessiert und hier in Algerien ein Gestüt betrieben. Neben seinen Zuchttieren waren hier Rennpferde untergebracht und trainiert. Mulder wusste nicht viel von Pferden, konnte nicht einmal reiten, dennoch freute er sich auf den Ausflug. Es war nach all den Zahlen und Fakten eine willkommene Abwechslung. „Hallo Fox. Was machst du den hier? Es muss schon eine Ewigkeit her sein…“ Mulder wusste nicht was los war, ein älterer Herr schüttelte ihm die Hand und lächelte ihn freundlich an. Er hatte wirklich keinen Schimmer wer der Mann war, Ahnungslosigkeit stand ihm deutlich übers Gesicht geschrieben. „Verzeihung, kenne ich Sie?“ Fragte er, nach dem er es geschafft hatte seine Hand zu befreien. „Es ist schon eine Weile her. Aber erinnerst du dich wirklich nicht mehr? Rohde Island, wir waren dort jeden Sommer Nachbarn.“ Stimmt, das Gesicht kam ihm bekannt vor und er suchte schnell nach einem Namen in seinem Gedächtnis. „Webster. Sie müssen Jonathan Webster sein. Ihre Tochter Timberley hatte immer mit uns anderen Kindern am Strand gespielt.“ Er erhielt ein Nicken als Bestätigung. „Meine Tochter Timberley lebt jetzt in LA. Zur großen Schauspielerkarriere hatte es leider nicht gereicht aber dafür ist eine hervorragende Anwältin aus ihr geworden. Sie wird sich ärgern wenn ich ihr erzähle das wir dich hier getroffen haben. Hast du deine Mutter schon getroffen? Sie und die anderen müssten hier eigentlich irgendwo sein.“ Er blickte sich um und noch bevor ihn Mulder aufhalten konnte, hatte er sie entdeckt und zog den jungen Mann an der Hand mit sich zu den anderen. Seine Mutter hier? Das konnte nicht gut gehen! „Schaut mal wen ich an der Bar gefunden habe?“ Alle schauten ihn an und Mulder sah das neben Frau Webster und seiner Mutter noch zwei andere Damen an einem Tisch saßen.
„Hallo. Welch eine Überraschung sie hier alle zu treffen. Ich wusste gar nicht das sie Algier ein Besuch abstatten würden.“ Flunkerte er. Von Scully hatte er erfahren das seine Mutter im April eine Kreuzfahrt im Mittelmeer mitmachte. Das war das letzte was er von ihr gehört hatte. „Oh Fox, ich hatte es bestimmt erwähnt, du musst es nur vergessen haben.“ Meinte seine Mutter und versuchte dabei ihr Entsetzen so gut wie möglich zu verstecken. Sie war nicht sonderlich erfreut ihn hier zu sehen. Das konnte Mulder deutlich spüren. Aber sie würde vor ihren Freuden gute Miene machen und die liebende Mutternummer durchziehen. „Das wird es wohl sein. Ich hatte letzte Zeit viel zu tun und da konnte mir diese Kleinigkeit entfallen sein.“ Es gab keinen Grund nicht mit zu spielen. „So etwas kann schon einmal passieren Fox. Machst du hier Urlaub?“ Mischte sich Mr. Webster ein, Mutter und Sohn hatten ihn offensichtlich täuschen können. „Nein. Ich bin hauptsächlich geschäftlich hier und fliege Freitag schon wieder ab.“ Er überlegte kurz ob er seine Mutter fragen sollte wie lange sie hier bleiben würde, aber ließ es dann bleiben. „Hast du etwas Zeit? Die Damen wollen einen Bummel durch die Stadt machen.“ Mr. Webster schien sich allein mit den Damen nicht ganz Wohl zu fühlen. Mulder konnte das durch aus nachvollziehen. „Ich bedaure, aber ich habe schon eine Verabredung. Ein Bekannter von mir züchtet hier in der Nähe Pferde, das Gestüt schaue ich mir heute an.“ Mr. Webster tat ihm etwas Leid, aber er würde sich wohl allein mit den vielen Damen unterhalten müssen. „Pferde? Ich und meine Tochter sind begeisterte Pferdenarren. Wir haben neben unseren Reittieren sogar ein echtes Rennpferd im Stall stehen. Diese Anlage würde ich zu gerne sehen. Fox wäre es vielleicht möglich mich bei diese Besichtigungstour anzuschließen?“ Mulder glaubte das er mehr den Frauen aus dem Weg gehen wollte, aber eigentlich gab es nichts was da gegen sprach.
„Es dürfte kein Problem sein. So weit ich weiß war ein Platz noch frei.“ Er betonte das ‚ein Platz’ etwas zu sehr. Wollte aber verhindern das seine Mutter auf die selbe Idee kam. Mr. Webster schaute kurz zu seiner Frau, Blicke wurden ausgetauscht und man kam offensichtlich zu einer Einigung. „Dann hole ich mal meine Sachen. Du wartest hier auf mich Fox?“ Mulder nickte nur und der alte Herr rannte los. Er konnte es scheinbar nicht erwarten etwas Zeit für sich zu haben. „Ich hoffe die Damen kommen allein zu recht.“ Entschuldigte sich Mulder leicht bei den Frauen am Tisch. „Das wird schon gehen, Fox. So alt und hilflos sind wir nun auch noch nicht.“ Scherzte Mrs. Webster. „Das habe ich auch nie behauptet. Ich wollte nur wissen ob sie vielleicht einen Stadtführer gebrauchen können. Die Hotelführung wüsste vielleicht jemanden.“ Erklärte er. „Danke für das Angebot Fox. Aber wir haben bereits einen.“ Seine Mutter schien mehr als verärgert. Es war ihrer Stimme nicht anzumerken aber Mulder konnte es in ihren Augen lesen. Er merkte das seine Mutter die Unterhaltung langsam beenden wollte und verabschiedete sich mit dem Vorwand nach seinen Begleitern zu suchen.
Er ging zur Bar zurück wo Akim bereits auf ihn wartete. „Das Auto wartet bereits am Eingang.“ Begrüßte ihn der Araber. „Entschuldigen sie die Verspätung. Meine Mutter und ein paar ihrer Freunde sind hier im Hotel. Unglücklicher Weise habe ich einem ihrer Bekannten versprochen, dass er uns auf dieser Tour begleiten kann. Ich hoffe das macht ihnen nichts aus.“ Mulder war etwas unsicher. „Durchaus nicht, was ist schon ein Gast mehr.“ In diesem Moment kam auch schon Mr. Webster zurück. Er trug seine Jacke über den Arm und eine kleine Tasche bei sich. „Mr. Webster, das ist Mr. Akim. Mr. Akim das ist Mr. Webster ein alter Freund der Familie.“ Stellte Mulder die beiden Herren kurzer Hand vor. Es wurden noch ein paar Höflichkeiten ausgetauscht und dann machte man sich auf den Weg. Mit dem Auto ging es zum Flugplatz wo ein Hubschrauber auf sie wartete. Die Reise dauerte dann noch ungefähr eine Stunde bevor man in der Nähe der Anlage landete. Man hatte die Ställe praktisch am Rand der Sahara errichtet. Wasser war hier schon knapp und wurde mit Tankfahrzeugen angeliefert. Das Wasser einer nahe gelegenen Oase wurde nicht dafür verwendet. So erklärte es ihm sein Berater Akim. Mr. Webster hörte die ganze Zeit nur gespannt zu.
Pferdezuchtanlage, bei Al- Kuleia
Dienstag, 15.09.1992 11:45 h
Sie wurden von drei Männern begrüßt, die ihre Gesichter mit Tüchern verhüllte hatten um sich vor dem Sand zu schützen. Auch Mulder hatte sich für diesen Ausflug zeigen lassen wie er sich am besten vor der Sonne und dem Wind schützte. Musste aber zugeben das es zu seiner westlichen Kleidung idiotisch aussah, so das er ihn erst jetzt anlegte, sein Gesicht aber nicht verdeckte. Die Männer unterhielten sich alle in Arabisch und stellten sich als Leiter, sein Assistent und Cheftrainer der Anlage vor. Akim übernahm für Mr. Webster die Rolle des Übersetzers während Mulder seine volle Aufmerksamkeit dem Leiter widmete. Sie wurden zuerst zu einer Tasse Tee und einem kleinen Snack eingeladen und unterhielten sich dabei ein wenig das Wetter und alltägliche Dinge bevor man auf die Pferde zu sprechen kam. Die Araberzucht war der ganze Stolz dieser Männer hier und man brauchte keine besonderen Fähigkeiten um das erkennen zu können. Es schwang fast mit jedem Wort mit. So hatte man gerade erst Preise mit den zwei Jährigen gewonnen und man hoffte sogar das nächste Rennen der Wüstenstämme zu gewinnen. Die Chancen standen gut und ihr Hengst Fasir galt als Favorit. Danach machte man sich auf den Weg zur Reithalle wo einige der Tiere vorgeführt werden sollten.
Den Anfang machte natürlich der Araberhengst Fasir. Das stolze dunkelbraune Tier wurde einfach so frei in der Halle laufen gelassen. Es war wild und ließ seinem Übermut freien Lauf als es an seinen Bewunderern vorbei preschte. „Das ist Fasir. Unser ganzer Stolz. Ein prima Rennpferd und auch einer unserer besten Zuchthengste. Wir bekommen sogar aus Europa anfragen nach seinen Fohlen oder als Deckhengst für ihre Stuten.“ Erklärte man ihnen. Man ließ ihn noch gut fünf Minuten laufen bevor man ihn einfing und zwei andere Pferde brachte. „Das braune Hengstfohlen ist ein gutes Beispiel für Fasirs Qualitäten als Deckhengst. Jahmal ist cirka ein Jahr alt und wie sie sehen viel versprechend. Seine Mutter ist Jamina, auch sie hat schon mehrere Preise gewonnen.“ Er deutet auf den Schimmel. Beides waren in Mulders Augen wirklich prächtige Tiere und sein Wissen leistete ihm gute Dienste durch die Vorführung hindurch. Er stellte ab und an eine Frage. Mr. Webster blieb die Zeit über ruhig und genoss einfach die Pracht die sich vor seinen Augen zu entfalten schien. Der Mann hatte definitiv nicht gelogen, er war tatsächlich ein Pferdenarr und machte reichlich Fotos. Ein Pferd war schöner als das andere und Mulder konnte schwören das Webster überlegte ob er nicht eines davon kaufen sollte. Einer der präsentierten zwei Jährigen hatte es ihm besonders angetan. Ein Apfelschimmel, bildhübsch ein wahnsinnig stolzes Tier, das die Halle im Schritt förmlich entlang stolzierte.
Die Vorführung dauerte gut 90 Minuten, danach wurde in aller Ruhe Mittag gegessen. Das Thema beim Essen waren natürlich die Pferde. Mr. Webster konnte sich kaum zurück halten und stellte so eine Frage der anderen das sich Mulder schon fragte wann er es schaffte einen Bissen vom Inhalt seines Tellers zu nehmen. Den Nachmittag wurde dann die gesamte Anlage besichtigt und man konnte in den Ställen sehen wie die Tiere untergebracht waren. Alles war sauber und Mulder war überzeugt das dies nicht nur der Fall war wenn Besucher vor der Tür standen. Er war zufrieden mit dem was er sah und konnte einen Teil der Leidenschaft die der alte Scheich für diese Pferde besessen hatte gut verstehen. Selbst ihn hatte es in zwischen angesteckt. Er nahm sich vor reiten zu lernen, vielleicht würde er dann bei seinem nächsten Besuch das Angebot eines der Tiere reiten zu dürfen annehmen. Heute jedenfalls konnte nur Mr. Webster sich an diesem Angebot erfreuen. Er hielt sich gut auf dem Pferd und Mulder ließ sich von ihm überreden Fotos zu schießen. So ging die Besichtigung langsam zu Ende und man verabschiedete sich und flog dann zurück nach Algier.
Hotel „La Palma“, Algier
Dienstag, 15.09.1992 18:30 h
Sie waren rechtzeitig zum Abendessen zurück. Mr. Webster bestand darauf das sich Mulder ihnen anschloss. Er erzählte während Diner fast ohne Pause von dem was er heute gesehen hatte. Seine Frau wirkte am Ende schon leicht genervt, sie teilte seine Begeisterung für Pferde nicht. „Timberley wird so neidisch sein wenn sie die Bilder sieht und sich ärgern das sie das verpasst hat.“ Da war sich Mr. Webster sicher. „Ganz sicher.“ Pflichtete ihm seine Frau bei, sie schien wenig erfreut über die Aussicht was sie sich wohl bei ihrem nächsten Besuch in LA alles anhören musste. Mulder musste sich ein amüsiertes Lächeln verkneifen. Aber Mitleid hatte er mit Mrs. Webster nicht, er war sich sicher das ihr Mann während der Reise allein unter den vier Damen mehr litt. Er schien kein Fan von Shoppingtouren zu sein. Mulders Mutter blieb über das Essen ruhig, unterhielt sich nur leise mit ihrer Tischnachbarin und ignorierte ihren Sohn voll und ganz. Es war fast so als würde er nicht am selben Tisch mit ihr sitzen. Da hing eine gewisse Feindseligkeit in der Luft die sich Mulder nicht so recht erklären konnte. Hatte er etwas falsch gemacht?
Sie verließ nach dem Essen den Tisch. Ihr war nicht gut und sie wollte sich hinlegen. Den Vorwand kaufte er ihr nicht ab. Mulder ließ sich aber nicht weiter stören und verbrachte noch ein paar Stunden mit den Websters. Sie erzählte ihm was sie auf diesem Trip noch alles geplant hatten. Zum Glück blieben sie am Mittelmeer. „Was ist ihr nächstes Ziel, Mr. Mulder?“ Im Gegensatz zu ihrem Mann machte sich Mrs. Webster die Mühe ihn formeller an zu sprechen. „Erst Dubai und da nach Bahrain. 14 Tage Urlaub.“ Erzählte er ihnen. „Ihre Mutter erzählte uns sie wären Psychologe. Wie kommt es das sie sich jetzt mit Pferden beschäftigen?“ fragte sie ihn neugierig und schien damit auch das Interesse ihres Mannes getroffen zu haben. „Das dürfte eine lange Geschichte sein. Die Pferde gehören einem Bekannten.“ Antwortete er, ohne groß darauf ein zugehen. Seine Stimme verriet aber deutlich das er nicht weiter darüber reden wollte. Es gab schließlich keinen Grund ihnen mehr zu erzählen als unbedingt notwendig war. Sie verstanden scheinbar den Hinweis und die Unterhaltung ging in eine andere Richtung. Man unterhielt sich über alte Zeit, gemeinsame Bekannte und so weiter.
Mulders Suite, Hotel „La Palma“
Dienstag, 15.09.1992 22:00 h
Der Abend mit den Websters war so weit gut verlaufen, Mulder hatte nicht mehr erklären müssen. Jetzt war er nur noch Müde und wollte nach dem langen Tag endlich zu Bett gehen. Er hatte Scully versprochen sich regelmäßig bei ihr zu melden aber das konnte noch bis Morgen warten. Es klopfte an seiner Tür und als er sie öffnete stand seine Mutter davor. Sie war wütend und schob ihn einfach bei Seite um ins Zimmer zugelangen. Seine Mutter wartete bis er die Tür wieder geschlossen hatte bevor sie ein Ton sagte. „Fox was machst du hier? Spionierst du mir etwa nach?“ Mulder war für einen Moment geschockt. Seine Mutter schien noch paranoider als er selbst zu sein. „Ob du es glaubst oder nicht, es ist wirklich purer Zufall das wir uns hier begegnet sind.“ Was erwartete sie? Der ganze Vorwurf war absurd. „Zufall? In den letzten 8 Jahre habe ich nicht mehr von dir gesehen als ab und an mal eine Karte und da tauchst du plötzlich hier aus der Versenkung auf und nennst das Zufall?“ Sie wirkte nicht überzeugt und ihre Gedanken und Gefühle bereiteten ihm langsam Kopfschmerzen. Es war schwer sie zu blocken.
„Ja. Hätte ich gewusst das du hier her kommst hätte ich statt diesem Hotel ein anderes gewählt. Das würde aber nichts an der Tatsache ändern das ich hier geschäftlich zu tun habe.“ Er bemühte sich seien Ton ruhig zuhalten, es viel ihm aber sichtlich schwer. „Geschäftlich? Und das soll ich dir glauben? Pferde besichtigen, nennst du etwa geschäftlich?“ In ihrem Ton war deutlich hohn zu vernehmen, den Mulder versucht zu ignorieren. „Die Pferde sind Teil davon und es tut mir Leid wenn meine Anwesenheit deinen Urlaub ruiniert. Aber du wirst mich hier wohl noch bis Freitag ertragen müssen. Plant ihr von hier aus ein Trip an den persischen Golf?“ Sein Gesicht blieb ausdruckslos, verriet nichts von dem Ärger den er empfand. „Warum willst du das wissen?“ Ihr Gesicht hatte sich verfinstert und sie hatte diesen Blick. „Weil ich am Freitag dort hin fliege und zukünftigen Zufällen aus dem Weg gehen möchte.“ Dieser Blick war wirklich unheimlich und jagte ihm jedes Mal einen kalten Schauer über den Rücken. „Ist es dir etwa peinlich mit mir gesehen zu werden?“ Die Frage verstand er nun wirklich nicht. Warum war plötzlich er wieder der Dumme. „Nun ich nahm an es stört dich. Du wirkst nicht begeistert mich zu sehen und ich möchte nun wirklich nicht deinen Urlaub stören.“ Sarkasmus triefte nur so von seiner letzen Bemerkung.
„Ich war nur überrascht das ist alles. Es war ein langer Tag, ich wird dann wohl gehen.“ Es gab scheinbar nichts mehr zu sagen und so verließ sie ihn wieder. Er schaute noch eine Weile die Tür ungläubig an und fragte sich was dies alles sollte. ‚Wie geht es dir?’ oder ‚Was hast du in letzter Zeit gemacht?’ Gab es mal eine Zeit wo sie sich solche Fragen gestellt haben? Sein Kopf dröhnte nun und an Schlaf war irgendwie nicht mehr zu denken. Ihm viel nur ein Sache ein die er jetzt machen konnte, so rief er Scully an.
Mulders Suite, Hotel „La Palma“
Freitag, 18.09.1992 16:00 h
Er packte seine Unterlagen zusammen um sein Gepäck hatte sich schon jemand gekümmert. In einer Stunde würde er im Flieger nach Dubai sitzen. Er brauchte dringend eine Pause. Die letzten Tage waren anstrengend gewesen. Ein Termin hatte den nächsten abgelöst und nebenbei hatte er sich noch um Börsengeschäfte und andere Dinge kümmern müssen. Dieses Leben war mit dem des einfachen Psychiaters nicht mehr zu vergleichen. Wo er sich früher nur freitags um seine Finanzen und Geschäfte gekümmert hatte, verbrachte er jetzt täglich mehrere Stunden. Er lernte schnell und seine Entscheidungen hatten sich bisher nicht als Falsch erwiesen. Mulder hoffte nur das dies so blieb, nicht für sich selbst sondern viel mehr für die Menschen die nun für ihn arbeiteten und deren Gehälter er bezahlte. Die Verantwortung lastete auf seinen Schultern und er wollte sein bestes geben. Das seine Mutter hier war addierte zum Stress den er hatte. Sie gingen sich aus dem Weg und ignorierten sich. Er hatte in den letzten Tagen mehr mit ihren Freunden gesprochen als mit ihr. Dennoch wollte er vermeiden das sie mehr mitbekam als notwendig. Er hatte keine Lust den Leuten zu erklären was er genau hier machte. Sie konnten nicht viel gesehen haben, ein paar seiner Gäste vielleicht.
Er war nun wirklich paranoid. Es schien ihn wirklich erwischt zu haben. Als könnte seine Mutter oder ihre Freunde irgendwas von seinen Besuchern ableiten. Was sollten die schon wissen? Das er sich für Edelsteine interessiert? Bekannte hat die Pferde züchten? Nein solche Gedanken konnte er getrost seiner blühenden Phantasie zuschreiben. Die Leute waren hier um Urlaub zu machen und nicht um ihm nach zu spionieren. Oh Gott! Jetzt war er schon wie seine Mutter. Warum glaubte sie eigentlich das er ihr nach spioniert hätte? Darauf konnte er sich selbst jetzt nach drei Tagen kein Reim machen. Er hatte sogar Scully gefragt ob das vielleicht so ein Frauending ist, bekam aber nichts als ein Lachen zu hören. Danach ärgerte er sich über sich. Scully hatte wichtigeres zu tun als sich seinen Mist an zu hören. Sie hatte zurzeit einen Fall in Atlantic City. Die Polizei schien ihr dort das Leben zur Hölle zu machen und ihre Nachforschungen zu torpedieren. Sie schien sich dort mehr für Tourismusstatistiken als Menschenleben zu interessieren. Das da jemand frei herum lief einen Menschen getötet hat und dann Teile von ihm scheinbar gegessen hat schien niemanden bis auf Scully zu stören. Bisher war es ja nur ein Obdachloser.
Vieles hatte ihn an den alten Mythos vom Jersey Devil erinnert und er hatte Scully gebeten sich dies bezüglich mal um zu hören. Sie war zu beginn skeptisch gewesen, hatte dann aber eine passende X Akte gefunden. Sie glaubte zwar nicht daran, hatte aber versprochen nach seinem Teufel Ausschau zu halten. Jetzt hoffte er das sie ihm bald mehr Informationen zuschicken würde. So gern er wollte, zum jetzigen Zeitpunkt konnte er schlecht selbst nach Atlantic City fliegen und die Sache untersuchen. Das Thema würde bestimmt einen netten Artikel für die Zeitschrift der Lone Gunmen abgeben und er war den Jungs noch einen Schuldig für die letzten Informationen die sie ihm beschafft hatten. Trotzdem die nächsten zwei Wochen würde er sich um seine Geschäfte am persischen Golf kümmern müssen. Das war noch so eine Sache, die mit dieser Verantwortung gekommen war. Er konnte nicht mehr so schnell Geschichten, Spuren hinterher jagen wie er es früher gewohnt war. Ein Anruf bei seiner Sprechstundenhilfe genügte nicht mehr um sich frei zu machen und nicht einmal Bigfoot würde auf ihn warten bis er mal eben seine Börsengeschäfte geregelt hat. ‚Bleib stehen. Ich muss mal eben mein Gespräch mit meinem Makler beenden.’ Würde wohl auch der Jersey Devil kaum verstehen.
So hoffte er das wenn er in Dubai landen würde ein Fax von Scully bereits auf ihn warten würde. Er nahm sein Notebook und die Aktentasche in der er seine Papiere verstaut hatte und machte sich auf den Weg zum Eingang. Akim müsste schon im Wagen auf ihn warten. So beeilte er sich das er nach unten kam. „Du reist schon ab?“ Er kannte die Stimme, es war die von Mr. Webster. Er drehte sich um und der ältere Herr stand nun vor ihm. „Ja. Mein Flieger geht in knapp einer Stunde.“ Aber das sollte er wissen, schließlich hatte Mulder ihm gestern Abend davon erzählt. Als er Mulder gefragt hatte ob er heute den Trip in die Wüste mitmachen möchte. Er hatte abgelehnt und ihm erklärt das er heute abreisen würde. „Du könntest dich wenigsten Verabschieden.“ Der alte Mann schien beleidigt, enttäuscht darüber zu sein. „Entschuldige, aber ich dachte ihr wärt noch Unterwegs. Wolltet ihr nicht erst zum Abendessen wieder hier sein?“ Mulder hatte nicht die Absicht gehabt irgendjemanden der Gruppe vor den Kopf zu stoßen. Er war wirklich im Glauben gewesen, das keiner von ihnen zu dieser Zeit im Hotel sein würde. „Einer der Damen ist die Sonne nicht bekommen und wir hatte schon früher umkehren müssen.“ Die Sonne hatte ihm während der Besichtigungstouren auch zu schaffen gemacht.
„Dann worauf warten wir noch. Gehen wir zu den Damen damit ich mich verabschieden kann.“ Mr. Webster grinste ihn nur an und zeigte ihm dann die Richtung. „So nun hast auch du endlich Urlaub?“ fragte er auf dem Weg zu den Frauen. „Ja, zwei Wochen Urlaub. Nach dem Stress der letzten Wochen kann er glaube ich zumindest nicht lang genug sein.“ Mulder freute sich auf ein paar entspannte Tage, auch wenn es wie hier Geschäfte gab um die er sich kümmern musste. Aber das wollte er den Bekannten seiner Mutter nicht erzählen. „Ich hoffe du meldest dich bei uns und verrätst uns wie es dir dort gefällt. Wir suchen immer noch für nächstes Jahr einen interessanten Urlaubsort.“ Das konnte er machen. Mulder mochte die Websters, es würde nichts Schaden mit ihnen in Kontakt zu bleiben. „Das werde ich machen.“ Die Damen hatten sich unten im Restaurant versammelt und unterhielten sich bei Tee und Gebäck. Mr. Webster nahm ihm kurz die beiden Taschen ab damit er die Hände frei hatte. Mulder setzte sein charmantestes Lächeln auf und verabschiedete sich der Reihe nach bei den Frauen wobei seine Mutter als letztes an der Reihe war. Es wurden noch ein paar Worte gesprochen und dann begleitete ihn Mr. Webster nach draußen wo auch er sich dann von Mulder verabschiedete.
Mulder’s Suite, Hotel Wüstenwind
Freitag, 18.09.1992 23:00 h
Es war schon spät und Scully hatte ihm tatsächlich ein Fax geschickt. Sie hatte sich mit dem Ranger unterhalten der die Leiche gefunden hat. Scully hatte ihm trotz besseren Wissens über den Mythos des Jersey Devils ausgefragt. Er glaubte nicht an diese Legende, konnte aber Scully von einer seltsamen Begegnung berichten. Er hatte mal einen großen unbekleideten Mann durch den Wald laufen sehen und später weitere Spuren wie Kot oder ein Zahn in einem angefressen Kaninchen gefunden die eher auf einen Menschen statt Tier als Verursacher hindeuten. Mulder hätte deshalb gerne mit Scully gesprochen doch leider war sie heute Abend auf der Geburtstagsfeier ihres kleinen Patenkindes. So konnte er sie leider erst Morgen anrufen.
Mulder’s Suite, Hotel Wüstenwind
Samstag, 19.09.1992 19:00 h
Es war heute etwas spät geworden. In seinen Augen waren die Menschen hier verrückt, sie schütteten Sand ins Meer um ein Insel zu bauen und dann wollten sie ein Hotel darauf setzen. Da lachten die Leute über ihn weil er an Aliens glaubte und hier war er nun und schaute sich solch ein Wahnsinns Projekt an. Er war jetzt einer der Hauptinvestoren und wenn er an kleine grüne Männchen glauben konnte so war er auch überzeugt das dieses Hotel wohl ein Erfolg sein wird. Der alte Scheich hatte ein Auge für gute Geschäfte, das musste man ihm lassen. Das Wochenende könnte er nun genießen, hier in Dubai war alles geregelt.
Er wählte Scully’s Nummer und musste nicht lange warten bis sie den Hörer abnahm. „Hallo?“ Meldete sie sich. „Hi, Scully ich bin’s Mulder.“ Scully schien guter Laune zu sein, vielleicht konnte es klappen. „Oh Mulder. Wie ist es in Dubai?“ Die Geburtstagspartie mit den Kindern muss gestern wirklich gut verlaufen sein. „Gut. Stell dir mal vor die schütten hier an der Küste eine künstliche Insel an um ein Hotel darauf zu errichten: Klingt verrückt, oder?“ Sie lachte. „Das klingt wirklich sehr aufwendig. Lass mich raten du bist an diesem Projekt beteiligt?“ Sie schien wohl nichts mehr zu überraschen. „Der Scheich war einer der Hauptinvestoren. Was hältst du von einer Woche in diesem Hotel nach der Eröffnung?“ Es war bis dahin noch ein paar Jahre aber Fragen konnte er ja schon mal. „Klar warum nicht. Weshalb rufst du an?“ Sie würde kommen? „Die Eröffnung ist erst in ein paar Jahren, aber ich stehe auf der Gästeliste und habe in der Eröffnungswoche eine der Suiten zu Testzwecken. Ich frag dann noch mal wenn das große Ereignis kurz bevor steht. Warum ich anrufe? Scully du kränkst mich, ich wollte nur wissen wir die Geburtstagsfeier deines kleinen Patenkindes verlaufen ist.“ Meinte er etwas scheinheilig und hoffte das die Verbindung nicht so gut war das sie es mit bekam.
„Gut. Ich habe Ellen geholfen das Schlachtfeld in Grenzen zuhalten. Die kleinen Racker können einen ganz schön auf trapp halten, da nehme ich doch lieber täglich einen dieser verrückten Fälle an. Etwas Gutes hatte der Abend noch. Ich habe Rob kennen gelernt. Er ist geschieden, er kam gestern Abend vorbei um seinen Sohn von der Party abzuholen. Wir haben uns für Morgen zum Essen verabredet.“ Ein anderer Mann? Mit seiner Scully zum Abendessen verabredet? Mulder war kein bisschen eifersüchtig. Kein Stück, sollte er diesem Typen aber über den Weg laufen konnte er für nichts garantieren. „Das ist schön für dich. Freut mich zu hören.“ Flunkerte er und hoffte das sie ihn nicht durch schaute. „Mulder, weshalb rufst du wirklich an?“ Er hatte sie scheinbar nicht täuschen können. „Ich dachte du könntest dich vielleicht noch einmal in Atlantic City umhören. Vom Leichenfundort in New Jersey sind es nur cirka 2 Kilometer bis zur Stadt. Was wenn was immer diesen Mann auf dem gewissen hat sich dort in den Vororten nach Nahrung umsieht? Vielleicht haben anders Obdachlose etwas beobachtet?“ Jetzt war es raus und er konnte sie am anderen Ende der Leitung stöhnen hören. „Das ist nicht dein ernst, Mulder. Du willst das ich mich unter den Obdachlosen umhöre?“ Sie hatte diesen typischen Ton in der Stimme den sie immer nach dem sie eine seiner Theorien gehört hat.
„Scully, bitte. Nur diesen ein kleinen Gefallen, ich bin dir dann auch ein Abendessen schuldig.“ Mulder konnte Schleimen wenn er wollte, nur über Telefon war es schwerer. „Also gut. Für ein Abendessen und du kochst!“ Das war ein akzeptabler Preis. „Wenn du mich in deine Küche lässt, einverstanden.“ Akzeptierte er. Ohne Wohnung hatte er auch keine Küche und so war es schwer etwas für Scully zu kochen. Rike hatte bestimmt noch ein gutes Rezept für ihn, das er leicht nach kochen konnte. „Also abgemacht. Das erste Wochenende das du wieder hier bis, kochst du in meiner Wohnung für uns das Abendessen.“ Damit konnte er leben, wenn sie jetzt noch diesem Rob absagen würde, wäre das Leben perfekt. „Okay. Heute in 14 Tagen bei dir.“ Der Termin stand. „Ich kümmere mich gleich Montag darum und schicke dir alles was ich finde per Fax. Du bist ab Montag in Al- Manama auf Bahrain, oder?“ Sie klang nun besorgt. Es gefiel ihr immer noch nicht, dass er an diesen Ort zurückkehrte. Scully hatte Angst das sich dort irgend jemand an ihm für den Tod des Scheichs rächen würde.
„Ja. Aber ich stehe nicht in der Villa, sondern habe mir ein Zimmer in einem Hotel gebucht. Ich schicke dir wie üblich die Daten vom Hotel sobald ich sie haben und ich weiß solange ich in Bahrain bin rufe ich dich wie abgemacht einmal am Abend an.“ Das hatte er ihr versprechen müssen sonst hätte sie ihn nicht gehen lassen und er wäre wohl mit Handschellen an sie gefesselt in Washington geblieben. Scully konnte ganz schön konsequent sein wenn sie etwas wollte. „Ich hoffe du hältst dich auch wirklich an unsere Vereinbarung. Du ich muss Schluss machen. Ich glaube da ist jemand an der Tür.“ Er konnte es im Hintergrund klopfen hören und hoffte es war nicht dieser Rob. „Okay. Bis Bald. Bye.“ Er konnte noch ein ‚Ciao’ hören und dann war die Leitung auch schon tot. Sie hatte aufgelegt.
Hotel Diplomat, Bahrain
Montag 21.09.1992 15:45 h
Er saß im Cafe und trank gemütlich einen heißen Kaffee und aß dazu ein Stück Wiener Sachertorte. Sein Notebook stand auf dem Tisch du er hatte eine seiner selbst erstellten Bilanzen offen. Die Geschäftsunterlagen dieses Bereichs hatte er bereits in Washington gesehen und hier gab es nicht mehr viel auf dem Papier, das er noch nicht gesehen hatte. So war dies mehr um Land, Leute und die hiesigen Geschäfte zu sehen als Zahlen oder blanke Fakten zu betrachten. Akim betrachtete sich selbst als sein Gastgeber und hatte ihn heute schon seiner Familie vorgestellt. Morgen würde er noch die fünf Frauen des Scheichs treffen, für der Unterhalt er jetzt zuständig war. Damit wäre der Teil auch schon abgeschlossen und Mulder würde noch einige Besichtigungstouren machen. Erdöl Produktion und Verarbeitung standen da genauso auf dem Plan wie Kamelzucht oder Hotelbesichtigungen. Es würde bestimmt nicht langweilig in den nächsten Tagen.
Dennoch der morgige Tag in der Villa mit diesen 5 Damen beunruhigte ihn etwas. Er wusste nicht was er von diesem Besuch halten, erwarten sollte. Er hatte diese 5 Frauen noch nie gesehen und war nun praktisch für sie verantwortlich. Dann dieses Haus, ein Ort an dem er für gut ein Monat festgehalten wurde. Was würde all die Leute die dort leben und arbeiten von ihm halten? Würden sie ihn als ihren Arbeitgeber akzeptieren? So abwegig es klingen mag, er hatte Angst. Angst das man ihn wieder einsperren könnte, führte seine Liste an. Das sich vielleicht jemand rächen wollte und deshalb versucht ihn zu töten war weit unten auf der Liste. Er hatte eigentlich keine Angst um sein Leben, das kümmerte ihn weniger als wieder hilflos, eingesperrt zu sein. Zu dieser Erkenntnis ist er nicht gerade erst hier in Bahrain gekommen, sondern schon etwas früher als er sich in der Gewalt dieses englischen Jägers befunden hatte. Man konnte die beiden Taten eigentlich nicht vergleichen. Doch wo Fockworth versucht hat ihn mit Gewalt, besser gesagt Folter zu zwingen, hatte Sudahli ihn eigentlich gut behandelt. Der Mann hatte auf Zeit gespielt und ihn simpel mit dem alten Konzept von ‚Zuckerbrot und Peitsche’ unter Kontrolle gehalten. Wobei die Peitsche nicht Wort wörtlich gemeint war. Zwischen dem Engländer und dem Araber lagen Welten und er konnte nur seinem Schöpfer danken das sein erstes Quickening von dem Scheich bekam. Nicht aus zu denken was für Alpträume er gehabt hätte wenn er den Kopf des Jägers genommen hätte, so unwahrscheinlich der Gedanke auch sein mochte. Mulder bezweifelte das er je eine Chance gegen den Mann gehabt hätte.
Mulders Zimmer, Bahrain
Montag 21.09.1992 22:05 h
Ein Fax von Scully:
Hallo Mulder,
habe mich wie versprochen umgehört. Ich muss erst einmal sagen, dass du mit einem Abendessen viel zu billig davon gekommen bist. Nach langem Suchen habe ich jemanden gefunden der zum Reden bereit war. Ein Obdachloser, der sich Jack nennt kannte das Opfer Roger Crockett. Nach dem ich ihm etwas Geld zugesteckt hatte zeigte er mir ein Bild (siehe unten). Er behauptete das dieses Wesen für Crockett’s Tod verantwortlich ist. Er meinte er und andere haben es schon häufiger gesehen wie es in den Abfallbehältern herum wühlte. Du willst diese Geschichte doch nicht etwa glauben, oder?
Bis Bald
Scully
Das Bild zeigte etwas was man für einen großen nackten Mann halten konnte. Nur mehr wie eines dieser Bilder aus den Geschichtsbüchern über den Neandertaler aber nicht soviel Körperbeharrung. Es war schon spät und Zeit Scully wie versprochen an zu rufen. „Hallo Scully.“ Meldete er sich als jemand ans Telefon ging. „Mulder. Ich bin gerade zurückgekommen. Ich hoffe du hast nicht schon wieder vor mich dorthin zu jagen.“ Ihre Laune war im Keller und er sollte sich lieber wie auf Eierschalen wegen wenn er etwas von ihr wollte. „Danke für die Mühe. Was unternimmt eigentlich die Polizei an diesem Fall zurzeit?“ Versuchte er etwas Zeit zu schinden. „Nichts. Sie fahren nur verstärkt Streife in dem Vorort und versuchen es so gut wie möglich unter den Teppich zu kehren. So hat mit dieser Jack erzählt das man der Polizei mehrfach von diesem Biest erzählt hat doch scheinbar nur auf taube Ohren gestoßen ist.“ Es schien Scully nicht sonderlich zu überraschen. „Es ist eben wichtiger das die Touristen kommen und der Dollar in den Casinos rollt. So werden sie dieses Beast niemals kriegen und es wird weitere Opfer geben.“ Die Vorgehensweise der Polizei ärgerte ihn, aber konnte schlecht etwas daran ändern. „Wenn man den Halluzinationen eines Trinkers glauben schenken soll, Mulder. Es kann sich auch um die Tat irgendeines Irren der auf Kannibalismus steht handeln.“ Dann sollte sich wohl Patterson darum kümmern.
„Möglich. Aber ich bin in diesem Fall mehr auf die Halluzinationen zu setzen. Es war hungrig und kommt deshalb in die Stadt um Nahrung zu finden.“ So weit war es noch einfach. Aber es war vermutlich schwer den Behörden klar zu machen das sich jemand in Nahrungskette über den Menschen gestellt hat. Vielleicht eine Mutation wie Tooms? „Ich kenne vom Studium her einen Professor. Er ist Anthropologe, er könnte vielleicht mit dem Bild weiter helfen. Ich werde ihm morgen einen Besuch abstatten. Soll ich ihn nach irgendetwas speziellem Fragen.“ Mulder war erleichtert, er musste sie nicht einmal mehr danach fragen. „Dieses Wesen könnte vielleicht eine genetische Mutation sein. Zum Beispiel Tooms schien der Meinung zu sein das er in der Nahrungskette über uns normale Menschen steht. Es folgt seinen Instinkten. Es wäre interessant mehr über sein Verhalten zu wissen. Speziell Nahrungssuche, Kannibalismus, Intelligenz solche Stichpunkte halt abarbeiten. Sein Motiv Crockett zu töten wäre interessant. Hat es Crockett als Beute gesehen? Hat er es irgendwie erschreckt und es hat nur reagiert um sich zu schützen und dann erst als Nahrung gesehen? Es scheint den Kontakt zu den Menschen zu meiden und geht ihm wohl eher aus dem Weg. Wenn es anders wäre müssten wir mehr Opfer haben, es scheint aus meiner Sicht nicht gezielt Jagd auf Menschen zu machen.“ Das wäre im Augenblick alles was ihn interessieren würde und er konnte hören das Scully dies nicht sonderlich gefiel. „Okay. Ich werde in diese Richtung fragen.“ Sie war aber bereit seiner Fährte zu folgen, das liebte er so an dieser Frau. Sie unterhielten sich eine Weile weiter und er nutzte die Gelegenheit sie über ihre Verabredung mit Rob zu löchern. Sehr zu seiner Freude musste er hören das dieses Abendessen wohl nicht der Überflieger gewesen war und das sie wohl so schnell zu keinen zweiten Treffen gehen würde. Rob schien Geschichte zu sein!
Sudahli Villa, Al- Manama
Dienstag, 22.09.1992 11:30 h
Mulder wusste nicht ganz was er erwartet hatte, aber das Haus war noch so wie er es verlassen hatte. Selbst ‚sein’ Zimmer war noch so wie er es das letzte Mal gesehen hatte. Seine Angst schien unbegründet gewesen zu sein. Man hatte ihn in der Villa empfangen als wäre er der Hausherr. Gut er war der Hausherr aber mussten sich alle vor ihm Verbeugen und so unterwürfig geben. Das war mehr als Gewöhnungsbedürftig. Akim führte ihn durch die Villa und stellte ihm die wichtigsten Hausangestellten vor. Dann gab es ein zweites Frühstück und Mulder zog sich für eine Weile in die Bibliothek zurück wo er in aller Ruhe eine Tasse Tee trank und in einem der Bücher die er dort liegen gelassen hatte blätterte. Während seines ersten Besuchs hier hatte sich dieser Ort schnell zu seinem Lieblingsplatz entwickelt und er musste sich eingestehen das er es in den letzen Wochen vermisst hat hier zu sitzen und ein gutes Buch zu lesen. Allein dafür schien sich der Besuch bereits gelohnt zu haben.
Er überflog die Seiten, tank ab und an seinem Tee oder warf ein Blick aus dem Fenster. Von hier aus hatte man einen guten Blick auf den Garten und konnte sogar das Meer weit am Horizont entlang sehen. Es war wirklich ein schöner Ort, nicht nur zum Urlaub machen. Er versuchte seine Gedanken zu sammeln, Mittagessen war nicht mehr als eine halbe Stunde entfernt. Er würde sich danach mit den Damen des Hauses treffen. Was sollte er sagen? Sollte er sich vielleicht bei ihnen entschuldigen? Er hatte wirklich keine Ahnung. Die Sitten hier waren alle so fremdartig. Mulder konnte sich vorstellen irgendwann mal sein Leben mit einer Frau zu teilen, aber gleich fünf? Wie hatte sich der Scheich seinen Frauen gegenüber verhalten? Was wurde jetzt von ihm erwartet? Das Leben hier war so anders als in den Staaten. Er könnte sie zu ihren Familien zurück schicken. Natürlich könnten sie auch hier in der Villa leben. Akims Sohn Amman war tüchtig, er würde sich gut um die Frauen kümmern. Natürlich wollte Mulder ihrem Glück auch nicht irgendwie im Wege stehen. Was war wenn eine von ihnen wieder heiraten wollte? Wurde hier so etwas nicht von den Familien geregelt? Er musste erkennen das trotz seines geerbten Wissens es vieles gab auf das er noch keine Antwort hatte und jemand um Rat fragen musste.
Sudahli Villa, Al- Manama
Dienstag, 22.09.1992 15:45 h
Er konnte wieder einmal dankbar sein das er Akim als Berater hatte. Der Mann hatte dafür gesorgt das er nicht allen Damen auf einmal gegen überstand sondern eine nach der anderen kennen lernte. Mulder saß in einem gemütlichen kleinen Raum, bequem auf Kissen vor ihm ein kleiner Tisch mit Tee, türkischem Honig, Feigen, Datteln und verschieden anderen Früchten. Auf der anderen Seite des Tisches war Platz für eine Person. Durch das große Fenster kam viel Licht in den Raum und man hatte einen fabelhaften Blick auf den Garten. Tee und Speisen wurden regelmäßig von den Dienern aufgefüllt. In dieser Umgebung hatte er seit dem Mittagessen bereits mit drei der Damen sprechen können. Er glaubte man hatte sie ihm in der Reihenfolge Ehejahre geschickt. Denn die Frauen schienen immer jünger zu werden.
Das erste Gespräch war kurz gewesen. Sie hatte ihn beschimpft und dann den Raum verlassen. Die Frau, Sadira war vermutlich so alt wie seine eigene Mutter. Er hatte nicht gewusst wie er reagieren soll, hatte nur still da gesessen und zu gehört bis sie fertig war und ging. Hier würde er wohl noch Probleme haben, Mulder versuchte es von der positiven Seite zu sehen. Sadira hatte nicht versucht ihn um zubringen.
Jasmin war die nächste gewesen. Sie war vielleicht Anfang 40. Sie hatte sich ihm gegenüber recht freundlich gegeben und dann gebeten in das Haus ihrer Familie zurückkehren zu dürfen. Ihr Bruder hatte eine große Familie und konnte Hilfe mit den Kindern gebrauchen. Selbstverständlich hatte er nichts dagegen und wünschte ihr viel Glück. Dann kam Sherasa, sie war vermutlich in Mulders Alter auch sie war höflich und sie unterhielten sich gut eine Stunde lang. Die Türkin war intelligent und gebildet so hatten sie reichlich Gesprächstoff gefunden. Ihr Vater hatte sie in Europa auf die Schule geschickt und in England ihr Medizinstudium finanziert. Jetzt wollte sie dieses Wissen gern einsetzen und dafür in ihre Heimat zurückkehren. Der alte Scheich war immer dagegen gewesen, Mulder selbst hatte absolut nichts dagegen und versprach ihr sie so gut wie möglich beim Aufbau einer eigenen Praxis zu unterstützen. Sie nahm ihm das Versprechen ab das er sie dann auch einmal besuchen würde. Sie war eine stolze selbstbewusste Frau die sich mit Sicherheit durchsetzen konnte.
So hatte er nur noch zwei der Frauen vor sich und gönnte sich eine kurze Pause. Wenn er richtig tippte mussten die Beiden jünger sein als er. Er hatte sich entschieden die Reise über seine Fassade aufrecht zu halten und sein Alter ansehen zu lassen. Für einen Augenblick überlegte er ob es nicht besser wäre die Maske für die letzten beiden Gespräche fallen zulassen. Es war nicht Eitelkeit der diesen Gedanken aufgebracht hatte sondern viel mehr die Idee das sie sich seinem jüngeren ich viel eher offener zeigen würde, die Atmosphäre vielleicht etwas ungezwungener wäre. Doch am Ende entschied er sich dagegen und begrüßte Sarah. Der Scheich hatte scheinbar eine schwäche für Frauen deren Namen mit S anfing. Sarah konnte nicht älter als 25 sein und wirkte keines Wegs wie die anderen Frauen. Sie war die Tochter eines Spaniers und einer Amerikanerin und präsentierte sich dem entsprechend. Auch sie wollte in ihre Heimat zurück. Ihre Ehe war von ihrem Vater arrangiert worden und nun wollte sie endlich den Mann heiraten den sie wirklich wollte. So löste sich auch dieses Problem fast von selbst. Wie Sherasa besaß sie eine abgeschlossene Ausbildung als technische Zeichnerin. Sie wollte vielleicht Architektur studieren, aber das hatte sie noch nicht entschieden. Mulder versprach auch ihr, sie zu unterstützen und wünschte ihr Glück. Mehr konnte er in diesem Fall schlecht machen. Sie küsste ihm zum Abschied auf die Wange und er versprach noch wenn sie ihren Traummann tatsächlich heiratet, dann würde er für die Hochzeit aufkommen. Sie nahm das Angebot unter einer Bedingung an. Mulder musste dann auf ihrer Hochzeit als Gast erscheinen.
Sudahli Villa, Al- Manama
Dienstag, 22.09.1992 16:25 h
Das letzte Gespräch mit Fatima begann für Mulder fast mit einem Schock. Die junge Frau war gerade mal 19. Sie muss 15 gewesen sein als sie den Scheich geheiratet hat. Sie war eine Tochter des Emirs von Bahrain. Er sah hier deutlich Schwierigkeiten auf ihn zukommen. Sollte er das Mädchen zu ihrem Vater zurück schicken? Sie war noch jung, er würde bestimmt einen neuen Ehemann für sie finden. Es viel ihm schwer den Anfang zu machen so schwiegen sie, schauten eine Weile aus dem Fenster. „Ich möchte nicht zurück.“ Machte sie dann nach einer Tasse Tee den Anfang. „Zurück? Zu ihrem Vater?“ Es wunderte ihn, anderer seit wer wollte von einem Harem im nächsten landen? Die Situation erinnerte ihn stark an den Tag wo der Scheich ihm erzählte das er die Oase verlassen würde. „Ja. Man hat mir berichtet das er schon einen Ehemann für mich ausgewählt hat.“ Sie klang mehr als wütend auf ihren Vater. „Sie können bleiben, wenn sie das möchten. Ihre Sitten und Gebräuche sind mir fremd, ich kann auch nicht behaupten das ich sie verstehen würde. Egal wie sie sich entscheiden, ich werde versuchen sie so gut wie möglich zu unterstützen.“ Mulder wusste nicht worauf er sich einließ, würde aber sein Wort halten.
„Danke. Könnte ich sie nach Amerika begleiten?“ Die junge Dame schien zu wissen was sie wollte. Aber es stimmte hier auf Bahrain würde sie schlecht Frieden finden. „Die Reise ist nicht das Problem. Ich habe keinen Einfluss auf die Visa – Vergabe oder die Einwanderungsbehörde. Ich kann also nicht versprechen ob sie im Land bleiben können. Bevor sie Pläne machen wäre es wohl das Beste mit Akim darüber zu sprechen. Er müsste bereits Erfahrungen auf diesem Gebiet gemacht haben.“ Mulder hatte sich nie mit diesem Thema auseinander setzten müssen. Für seine Zeit in England hatte er ein Studentenvisum besessen, das ihm sogar erlaubte ein bisschen Geld nebenbei zu verdienen. So etwas gab es bestimmt auch für die Vereinigten Staaten. Eine Wohnung für sie wäre kein Problem er besaß dank Akim genug davon in Arlington. „Das weiß ich, Mr. Mulder und ich bin bereit es zu versuchen.“ So waren sie sich also einig. Man unterhielt sich dann noch ein wenig in Englisch über Belanglosigkeiten. Sie beherrschte die Sprache gut genug um in den Staaten verstanden zu werden. Mulder sah da keine Probleme für sie, er machte sich mehr sorgen um ihre Abschlüsse. Sie würde vielleicht den Abschluss der Highschool nach machen müssen, bevor man sie sich auf einem College einschreiben konnte. Das war auch ein Punkt an dem vielleicht Akim weiter helfen konnte.
Mulders Zimmer, Bahrain
Dienstag, 22.09.1992 23:40 h
Es war am Ende spät geworden. Er hatte noch in der Villa Abendbrot gegessen und sich mit Akim über Fatima unterhalten. Er versprach sich um alles zu kümmern, glaubte aber nicht das der Emir ihnen Schwierigkeiten machen würde, solange seine Tochter gut versorgt war. Der Mann liebte seine Kinder, auch wenn es manchmal anders aussah. Es ging ihm nicht um die Mitgift, sondern um die Versorgung seiner Töchter. Er würde jedem die Hölle heiß machen der sie schlecht behandeln würde.
Der Abruf bei Scully blieb heute kurz. Sie hatte es nicht geschafft den Anthropologen auf zu suchen. Stress bei der Arbeit, ihr Chef hatte ihr einen anderen Fall zugeteilt. Nun arbeitete sie zeitweise für ein Ermittlungsteam in der Abteilung Gewaltverbrechen. Sie musste heute zwei Autopsien für die Ermittlungen durchführen. Scully wollte aber nicht mehr verraten, war schließlich gegen FBI- Protokoll. Sie versprach aber sich sobald wie möglich weiter um Mulder’s Jersey Devil zu kümmern. Sie klang Müde und so wollte sie Mulder auch nicht länger als notwendig stören. Erst als er aufgelegt hatte, bemerkte er das er ihr doch eigentlich noch von Fatima erzählen wollte. Er nahm sich vor dies bei seinem nächsten Anruf zu machen. Scully und Fatima würden sich bestimmt gut verstehen und die junge Frau würde jemanden zum Reden haben, es gab so viele Dinge die Frauen besser verstanden.
Mulders Zimmer, Bahrain
Donnerstag, 24.09.1992 20:00 h
Fatimas Vater hatte sich inzwischen gemeldet und eine Erklärung verlangt. Es war nicht leicht gewesen aber am Ende hatte er die Entscheidung seiner Tochter akzeptiert. Mulder hatte sich mehrere Stunden mit dem Mann unterhalten und einen wirklich interessanten Gesprächspartner gefunden. So unterhielt man sich nicht nur über Geschäfte sondern auch Pferde, Kamele und Politik. Der Emir war Mulder sympathisch aber leider auch Listenreich. Denn ehe Fox sich versah, hatte ihn das alte Schlitzohr zu einer kleinen Wette herausgefordert. Nichts besonderes es ging einfach nur darum wer den besseren Geschäftssinn hatte. Börsenkurs um genau zu sein. Jeder machte für die Woche eine Voraussage wie sich die Kurse an der New Yorker Börse wohl entwickeln würden. Dollarkurs, Ölpreise und ein paar Aktienkurse galt es dabei so genau wie möglich zu tippen. Der Gewinner würde sich auf Kosten des Verlierers ein neues Pferd oder Kamel kaufen. Das war mehr als dumm, Mulder brauchte weder ein Kamel noch ein Pferd. Es war schließlich nur ein Spiel so hatte er dann trotzdem zugestimmt. Nächste Woche Donnerstag würde Mulder den Abend beim Emir verbringen und dann würde man sehen wer Gewonnen hat.
Besichtigungstouren hatten Mittwoch und Donnerstag auf dem Plan gestanden. Es war wie eine Lehrstunde in Chemie. Die beiden Tage ging es nur um das Erdöl. Wie es gefördert wurde und die Weiterverarbeitung des Öls war dabei Schwerpunkt gewesen. Morgen würde er ein Hotel besichtigen, er besaß allein hier auf Bahrain vier Stück. Die nächste Woche würde er nutzen um Land und Leute kennen zu lernen. Wichtige Entscheidungen für seine Geschäfte würde er erst in Washington treffen, das hatte er sich zumindest so vorgenommen. Es würde nicht leicht werden, er brauchte nicht nur eine neue Wohnung sondern auch ein neues Büro, besser gesagt Büroräume. Entscheidungen die nicht nur sein sondern auch das Leben anderer verändern würden standen bevor und würden ihm kaum eine freie Minute lassen. Freie Zeit würde es dann nur noch selten geben bis alles in gewissen Bahnen verlief und er sich nicht mehr selbst um alles zu kümmern hatte.
Er nippte an seiner heißen Schokolade und schaute hinaus auf das Stadtviertel. Es wirkte alles so friedlich da unten. Dieser Ort hatte sich verändert oder besser gesagt er hatte seine Sichtweise geändert. Bahrain war wirklich schön und hatte kaum noch etwas an sich das er fürchtete. Er schien diesen Dämon endlich besiegt zu haben, die Erkenntnis machte ihn glücklich und er konnte diese Nacht friedlich schlafen. Die Alpträume der letzten Zeit schienen ihre Nahrung verloren zu haben.
Scully’s Wohnung, Georgetown
Samstag, 03.10.1992 17:00 h
Mulder war gestern Abend aus Bahrain zurückgekommen. Die Woche Urlaub war ihm bekommen, das hatte sogar Scully gesagt als sie sich heute Nachmittag getroffen haben und gemeinsam shoppen gegangen sind. Von ihrem Einkauftrip haben sie auch gleich die Zutaten fürs Abendessen mitgebracht. Er würde wie versprochen kochen, aber es würde nichts Besonderes geben. Er hatte ein Lasagne Rezept für den Abend heraus gesucht und wollte dazu einen bunten Salat machen. Scully hatte beim Einkauf einen Rotwein ausgesucht den sie beide heute Abend trinken wollten. So stand er jetzt in ihrer Küche und kümmerte sich um die Zubereitung ihres Dinnermenüs. Scully saß am Tisch und schaute ihm zu. Sie unterhielten sich über seine Reise. Er erzählte ihr von Fatima und ihrem Vater. Die Wette hatte er übrigens gewonnen. „Scully brauchst du vielleicht ein Kamel oder Pferd?“ Sie gab ihm nur einen dieser ‚Bist du jetzt verrückt geworden?’ Blicke und er konnte nicht anders als laut los zu lachen. „Im Ernst. Ich habe gewettet und unglücklicher Weise gewonnen. Jetzt kann ich mir ein Pferd oder Kamel kaufen und die Rechnung bezahlt jemand anderes.“ Es war besser nicht zu erzählen wer das war. „Mulder was willst du mit so einem Tier?“ Ihre rechte Augenbraue war hochgezogen damit machte sie diesen Blick nur noch wirksamer. „Nichts. Aber vielleicht weißt du wer eins gebrauchen kann.“
„Nein, Mulder. Die Leute die ein Kamel gebrauchen könnten sind mir leider ausgegangen.“ Sie fand es wohl doch nicht lustig. „Wir könnten es deinem Freund Rob schenken oder den netten Polizisten in Atlantic City damit sie endlich mal wissen für was ich sie halte.“ Mulder hatte heute morgen mindesten eine Stunde versucht diesen Detective Thompson zu erreichen offenbar machte der Mann gerade einen Angeltrip. Scully hatte in den letzen beiden Wochen nichts erreichen können und dieser Detective war mit seinen Ermittlungen auch noch nicht weiter gekommen. Die Spur war inzwischen kalt, es gab keine weiteren Zwischenfälle so würde man bald die zusätzlichen Patroullien einstellen und den Fall zu den Akten legen. Scully hatte immer noch für die VCU alle Hände voll zu tun. Das würde sich nicht ändern lassen, wahrscheinlich war sie jemandem lästig geworden und wurde deshalb beschäftigt gehalten. Gut möglich das Thompson oder sein Chef dahinter steckte. „Mulder. Das wäre Beamtenbeleidigung. Denk nicht mal daran.“ Schimpfte sie ihn aus. „Okay war auch nur so ein Gedanke.“ Er kümmerte sich jetzt um das Gemüse, wusch den Salat und so weiter. „Das will ich hoffen. Du willst nicht zufällig in den nächsten Tagen nach Atlantic City oder in einen Wald von New Jersey?“ Mulder schaute sie nur ganz unschuldig an, hörte für einen Augenblick auf seine Gemüse zu bearbeiten. „Scully, was denkst du von mir? Ich bin gerade erst aus dem Urlaub zurück.“ Wie konnte sie auch nur auf so eine Idee kommen? Aber warum eigentlich nicht? Bis Atlantic City waren es vielleicht 3 Stunden mit dem Auto. Er könnte bis Vier oder Fünf morgen Nachmittag fertig sein und dann so gegen Acht oder Neun auf der Lauer liegen.
Scully schüttelt nur ungläubig den Kopf. Eine Strähne Haare viel ihr ins Gesicht und Mulder strich sie vorsichtig mit der Hand zurück. „Mulder, ich hoffe wirklich das du nichts verrücktes vorhast.“ Er grinste nur und machte weiter mit dem grünen Zeug. „Bestimmt nicht. Hast du hier zufällig eine Knoblauchpresse?“ Wechselte er schnell das Thema. Er war kein guter Lügner und in Gegenwart von ihr war es sogar noch schwerer. Sie schien ihn irgendwie immer durchschauen zu können. „Ja. In der obersten Schublade dahinten, müsste rechts griffbereit eine liegen.“ Sie zeigte mit dem Finger in Richtung Kühlschrank daneben war ein kleiner Schrank mit 4 Schubladen. „Danke.“ Er hatte noch keine Ahnung für was er das Ding verwenden würde, so legte er sie erst einmal auf dem Tisch ab. Die Lasagne könnte etwas Knoblauch vertragen. Warum war ihm eigentlich nichts Besseres eingefallen?
PD, Atlantic City
Sonntag, 04.10.1992 22:40 h
Mulder saß in einem dieser Verhörräume. Nur ein Tisch, zwei Stühle, schlechte Beleuchtung und ein großer Spiegel an der Wand. Man hatte ihn vor knapp einer Stunde auf der Strasse aufgelesen und ihn hier her gebracht. Die Patrouillen hatte man also noch nicht eingestellt, es schien ihm eher als wären sie verstärkt worden. Er hatte so ab Acht gewartet und dann etwas kurz gegen Zehen etwas gehört. Es hat sich bei den Mülltonnen zu schaffen gemacht und ist davon gelaufen als er dem Geräusch nachgegangen ist. Es war schnell und konnte erstaunlich gut Klettern. Er hatte noch nie jemanden so schnell auf ein Dach steigen sehen. Als er dem Wesen dann folgen wollte ist die Polizei aufgetaucht. Sie haben ihn einfach verhaftet und hier her gebracht. So wartete er jetzt auf diesen Detective Thompson.
Der Mann hatte sich Zeit genommen. Ihn hier gut eine Stunde sitzen zulassen, gehörte wohl zur Verhörtechnik. Die Mühe konnten sie sich eigentlich sparen, sie müssten sich schon etwas anderes einfallen lassen. Kleine Mind games funktionierten schlecht bei Leuten die mehr als die Spielregeln kannten. Der Detective wirkte von der alten Schule, war vermutlich schon seine 20 Jahre bei der Polizei. „Fangen wir doch ganz einfach an. Wer sind sie und was haben sie da draußen gemacht?“ Er setzte sich auf den freien Stuhl, Mulder gegenüber. „Wie ich bereits sagte. Mein Name ist Fox Mulder und ich bin hier um das Nachtleben zu genießen.“ Was sollte man sonst in einer Stadt wie Atlantic City machen? Sein Glück an den Tischen oder einarmigen Banditen versuchen. „Sie waren ein bisschen weit ab von Touristenattraktionen, Mr. Mulder. So was haben sie wirklich dort gemacht?“ Mulder erlaubte sich einen etwas überraschten Gesichtsausdruck und meinte dann in einem vollkommen ersten Ton: „Dann hatte ich mich wohl verlaufen. Ich wusste doch ich hätte links abbiegen müssen.“ Sein Gesicht hatte einen ernsten Ausdruck angenommen. „Wieso haben sie kein Zimmer in der Stadt? Touristen haben so etwas in der Regel. Mit was verdienen sie ihr Geld?“ Mulder hob leicht die rechte Augenbraue und biss sich auf die Unterlippe. So als würde er überlegen. „Ich bin Psychologe und ich wollte die Nacht einen drauf machen und dann an dem Ort wo ich hängen geblieben bin ein Zimmer nehmen. Das ist Teil des Spiels, verstehen Sie?“ Komm endlich zur Sache. „Wo praktizieren Sie?“ Er merkte das er so nicht weiter kam und würde wohl bald die Taktik wechseln. Den Ärger konnte Mulder deutlich spüren und da brauchte er nicht mal seine Fähigkeiten zu. „Normalerweise in Washington DC. Ich habe aber beschlossen für ein Jahr oder so zu pausieren. Wer weiß wenn mir die Gegend hier gefällt, eröffne ich hier eine neue Praxis. Gruppensitzungen für Spielsüchtige müssten fabelhaft laufen.“ ‚Und sie könnten mein erster Kunde sein.’ Dachte er sich neben bei.
„Sehr witzig. Aber kommen wir doch wieder zur Sache. Sie haben bei meinen Kollegen behauptet, etwas beobachtet zu haben?“ Okay. Themawechsel. „Ja. Auf der Suche nach dem Weg zurück, habe ich Geräusche gehört. Es klang als würde jemand in den Abfällen wühlen. Ich dachte das ist eine Chance besser als nichts und wollte nach dem Weg fragen. So bin ich den Geräuschen nachgegangen. Aber er muss mich wohl gehört, missverstanden haben und ist dann davon gelaufen. Ich wusste nicht besser als hinterher zulaufen. Ich wollte ihm schließlich nichts tun, nur nach dem Weg fragen. Dann habe ich nur noch gesehen wie er zu einem verlassenen Haus gerannt und dort aufs Dach geklettert ist. Das habe ich dem Officer erzählt, doch der hatte nichts Besseres zu tun als mich zu verhaften. Sind Leute die auf Dächer klettern nicht irgendwie verdächtig? Oder verhaften sie alle Touristen die nachts ihr Geld nicht in den Spielhöllen lassen?“ Mulder versuchte ernst zu bleiben, hatte mit seiner letzten Bemerkung aber Schwierigkeiten damit. „Jetzt wollen wir doch mal offen sprechen. Sie sind freischaffender Journalist und haben sich in Ermittlungen eingemischt die sie nichts angehen. Ich könnte sie wegen Behinderungen der Polizei bei Ermittlungen, schlechtes Benehmen locker Anklagen lassen.“ Mehr hatte er nicht?
Mulder hatte sich der Verhaftung nicht wieder setzt und hatte sich auch so nicht auffällig verhalten. Das war ziemlich dünn. „Behinderung der Polizei in wie fern? Nur weil ich ab und an für die Zeitung einen Artikel schreibe bedeutet das nicht das ich zur Zeit für irgendetwas Recherchen mache. Es ist viel mehr so das ich gerade aus dem Ausland zurück bin und mich ein wenig amüsieren wollte. Atlantic City war dichter als Vegas und ich musste nicht einmal fliegen.“ Stellte er sich dumm und versuchte bei seiner Story zu bleiben. „Im Ausland? Dann haben sie also nichts gehört?“ Was sollte er gehört haben, die Polizei vertuscht doch alles. „Es tut mir Leid aber ich habe auf meiner Reise nur die New York Times gelesen. So was ist in den letzten 5 Wochen hier interessantes vorgefallen, das man jetzt schon harmlose Bürger auf offner Strasse verhaftet?“ Jetzt machte er auf Journalist der eine heiße Story wittert. Der Detective biss an. „5 Wochen? Sie waren die ganze Zeit im Ausland?“ Dann kann er schlecht wissen, was vorgefallen ist. „Ja. Mittelmeer und persischer Golf. Die haben dort nette Hotels. Kann ich endlich gehen? Sie haben nicht wirklich etwas in der Hand, was diese Behandlung rechtfertigt.“
Das Gespräch fand schnell ein Ende und der Detective nutze seine Möglichkeiten. Er sorgte dafür das Mulder die Nacht in der Ausnüchterungszelle verbringen durfte und würde ihn wahrscheinlich die vollen 48 Stunden hier behalten. Das hatte Fox zumindest in seinen Gedanken lesen können. Tolles Ergebnis wirklich. Er konnte nur warten und hoffen das Scully nichts davon erfährt. Vielleicht sollte er Akim anrufen damit er ihn vorzeitig herausholt. Mulder konnte hier schlecht schlafen und er bezweifelte das er die ganze Zeit wach bleiben konnte. Die Polizei konnte die Klage nicht Aufrechthalten, die Beweise waren zu dünn. Ein Presseausweis, kein Hotelzimmer konnte man kaum als Beweise zählen. Sie würden sich damit nur lächerlich machen. Es war eine Einschüchterungstaktik, die er wohl oder übel aussitzen musste.
PD, Atlantic City
Montag, 05.10.1992 8:30 h
Mulder saß immer noch in der Ausnüchterungszelle. Es stank nach Erbrochenem und billigem Fussel. Es kam ihm alles irgendwie bekannt vor und er fragte sich langsam ob diese Löcher überall gleich waren. Es war eine dumme Idee den Tag über aktiv zu sein, sich dann ins Auto zu setzen und die Nacht hier zu verbringen. Er war jetzt mehr als Todmüde und war schon bereit Scully anzurufen. Die Mühe konnte er sich sparen, wie er just indem Augenblick feststellen musste. Diesen Schopf roter Haare würde er wohl überall wieder erkennen. Die Zellentür öffnete sich und er stand wie ein kleiner Junge den man beim Griff in die Keksdose erwischt hatte vor ihr. Sein Blick war auf den Boden gerichtet und nur ab und an riskierte er einen kurzen Blick weil er wissen wollte wie sehr wütend sie auf ihm war. Aber versprochen hatte er nichts, oder? „Wir sollten aufhören uns auf diese Weise zu treffen.“ Begrüßte er sie und ließ damit die Raumtemperatur um ein paar weitere Grade in den Keller sinken. Diese Bemerkung war nicht so angekommen, wie er es wollte. „Mulder, kannst du mir erklären was du hier machst?“ Sie hatte etwas Frostiges in der Stimme, kein gutes Zeichen. „Ich … Ich habe mich nur einmal etwas umgesehen? Das Touristenzeug eben?“ Seine Stimme war leise und man konnte ihn am Ende nur noch schwer verstehen.
„Du läufst nachts durch eine wildfremde Gegend, ohne Schutz oder jemand informiert zu haben und nennst das ‚etwas umsehen’?“ Scully war mehr als wütend, sein Leichtsinn hätte ihn umbringen können. Aber soweit dachte er ja nicht! „Es war nicht so wie du denkst. …“ Weiter ließ sie ihn nicht kommen. Sie hatte diese Ausreden wohl schon des Öfteren gehört. „Mulder, es ist gefährlich da draußen und du trägst nicht einmal eine Waffe. Hätten dich die Polizeibeamten nicht aufgehalten, dir hätte etwas passieren können und erzähl mir bitte nicht du hättest dich verlaufen! Du hast dich in laufende Ermittlungen eingemischt das kann nicht nur dich in Schwierigkeiten bringen. Ist dir das den nicht klar?“ Sie schimpfte ihn aus und ihre Wut gewann dabei über Hand. Die Sorgen und Ängste die sie die Nacht über seinetwegen ausgestanden hatte, wollten jetzt einfach raus. Mulder kam nicht dazu ein Wort zu sagen, er stand nur da. „Ich hatte alles unter Kontrolle. Mir wäre schon nichts passiert und wäre ich bewaffnet gewesen, dann hätten sie mich jetzt wirklich dran. Nämlich mit unerlaubten Besitz einer Schusswaffe. Die Vorwürfe gegen mich sind haltlos.“ Sie hatte ihn wie ein kleines Kind behandelt und das war ihm mehr als peinlich gewesen. Trotzdem wollte er nicht noch mehr Salz in die Wunde streuen und vielleicht auch noch mit dem Schreien anzufangen. Deshalb versuchte er so gut wie möglich ruhig zu bleiben.
„Stimmt die Klage wurde fallen gelassen und du wurdest in meine Obhut entlassen.“ Auch sie hatte sich inzwischen beruhigt und ärgerte sich nun über sich selbst. Es wäre besser gewesen dies privat zu regeln und nicht vor so viel Publikum. Sie konnte ihn mittlerweile genug um zu wissen, dass sie ihn trotz seiner ruhigen Fassade tief getroffen hatte. Er schaute sie nur kurz an und drängelte sich dann an ihr vorbei Richtung Ausgang. Er wollte diesen Ort nur noch verlassen und das so schnell wie möglich.
Diner, Atlantic City
Montag, 05.10.1992 9:00 h
“Es tut mir Leid. Ich bin da wohl zu weit gegangen.“ Entschuldigte Scully sich, als sie Mulder im Schmollmodus nicht mehr ertragen konnte. Die ganze Zeit war er still geblieben und hatte überall hin geschaut nur nicht zu ihr. „Wie hast du mich gefunden?“ Er schaute sie jetzt wenigsten wieder an. „Ich habe gestern Abend einen Anruf von der Ranger station erhalten. Ranger Boulay hatte eine weitere Leiche gefunden. Männlich und mindestens ein paar Monate tot. Genauer hätte ich es sagen können wenn ich Gelegenheit gehabt hätte den Toten zu autopsieren. Aber wie der Zufall will war die Leiche heute Morgen aus der Leichenkammer der Gerichtsmedizin verschwunden. Ich hatte sogar Dr. Diamond den Anthropologen umsonst hier her bemüht. Deshalb war ich in der Stadt und das du im Gefängnis übernachtet hast, weiß ich von Detective Thompson.“ Sie ließ einen Teil aus. Nämlich denn das sie ihn gestern Abend noch versucht hat zu erreichen und sich niemand gemeldet hatte. Erst heute Morgen hatte sie es geschafft jemand ans Telefon zu bekommen und die Frau am Telefon klang besorgt. Von ihr wusste Scully das Mulder die Nacht nicht zu Hause verbracht hatte. Sie sah kein Grund darin es ihm zu erzählen, den ein Mulder der sich schuldig fühlte war genauso schwer zu ertragen wie ein Mulder im Schmollmodus.
„Konnte Ranger Boulay wenigsten noch ein paar Angaben zu dem Toten machen?“ Das war die Frage auf die Scully gehofft hatte. „Er meinte das dem Toten genau der Zahn fehlte den er damals aus diesem Kaninchen geholt hat. Ich habe ihm dieses Bild zu gefaxt und er meinte es sah ihm ähnlich. Er ist aber schon ein paar Monate tot und fällt somit als Tatverdächtiger aus.“ Auch das wollte sie schon die ganze zeit sagen. „Glaub mir was ich gestern gesehen habe war sehr lebendig. Was ist wenn er eine Gefährtin hatte? Wie heißt es so schön ein Ding kommt selten allein.“ Er war nun wieder an etwas dran, seine Augen funkelten und man sah förmlich wie ihn das Jagdfieber packte. Warum war er nie zur Polizei oder FBI gegangen? Mulder war bestimmt einer der besten Ermittler die sie je gesehen hat. „Alle guten Dinge sind zwei, oder drei? Du meinst also wir haben es mit seiner Frau zu tun?“ Nach alldem was sie ihm heute an den Kopf geknallt hatte, verdiente er eine Chance ihr seine Theorie zu erklären. „Warum nicht. Ich habe sie gestern gesehen. Nicht gut genug um zu sagen das es sich um eine Frau handelt aber immer hin gut genug das ich weiß es war kein Tier. Du hättest sie sehen sollen. Sie war schnell und konnte klettern vermutlich besser als ein Akrobat.“
„Du bist dir also sicher du hast kein Tier gesehen?“ fragte sie noch einmal nach. Sie konnte ihm glauben, das er etwas gesehen hatte. Aber eine Art Beast woman? Trotzdem Mulder war ein guter Beobachter und glaubwürdiger als eine Gruppe Obdachloser. „Ja und sie hat nicht versucht mich an zugreifen. Sie war geflohen, als sie meine Anwesenheit bemerkte.“ Nahm er sie in Schutz. Mulder glaubte nicht mehr an die ‚blutrünstiger Killer’ - Theorie. „Ich schlage vor wir suchen uns ein Hotel. Du holst etwas Schlaf nach und ich versuche den Ranger und Dr. Diamond für heute Nachmittag ins Hotel zu bestellen, damit du mit ihnen reden kannst. Wenn die beiden einverstanden sind und nur dann Mulder. Gehen wir heute Nacht zu der Stelle wo du dieses Wesen das letzte Mal gesehen hast.“ Sie konnte selber kaum glauben was sie da vorschlug. Andererseits die Polizei kam bereits seit Wochen kein Stück weiter, warum nicht Mulders Theorie eine Chance geben. So aßen sie gemütlich Frühstück und nahmen sich dann im nächst besten Hotel Zimmer. Mulder war bereits so Müde das er sich einfach auf Bett fallen ließ und bereits schlief als er das Kissen berührte. Scully versuchte in der Zeit die anderen anzurufen. Ranger Boulay und Dr. Diamond würden zu 17:00 Uhr hier sein. Danach rief sie noch in Mulders Hotel an, damit die junge Frau, Fatima sich keine Sorgen mehr machen musste. Mulder ahnte wohl nicht was er den Menschen um ihn herum mit seinen Extratouren antun konnte.
Motel INN, Atlantic City
Montag, 05.10.1992 16:00 h
Scully muss wohl in der Zwischenzeit Mulders Auto geholt haben, so das er jetzt Sachen zum Wechseln hatte. Nach 5 Stunden Schlaf ging es ihm wesentlich besser. Eine Dusche und saubere Kleidung machten wieder einen Menschen aus ihm. Alles was jetzt noch zu seinem Glück fehlte war etwas zu essen und Kaffee. Es blieb nicht mehr viel Zeit um 17:00 Uhr waren sie bereits verabredet. So ging er zu Scully’s Zimmer und klopfte an. Sie öffnete ihm die Tür und bat ihn herein. Auch sie hatte sich umgezogen und trug statt dem blauen Kostüm von heute Morgen, Jeans und ein weißes Sweatshirt. Sie schien ihre FBI Persona bewusst für ein paar Stunden an den Nagel zu hängen. „Hast du gut geschlafen?“ fragte sie ihn. „Ja. Ich wollte dich fragen ob du mit mir etwas essen gehst? Schließlich haben wir noch knapp eine Stunde und mit leerem Magen diskutiert es sich schlecht.“ Sein Magen unterstrich die Bemerkung mit einem Knurren und Scully musste lachen. Da sie sich eh im Hotelrestaurant verabredet hatten zog sie sich nur noch schnell um und schickte Mulder schon mal vor um ihnen beiden etwas zu Essen zu bestellen. Sie wollte nur etwas Leichtes, er würde schon das richtige bestellen.
Er bestellte Kaffee für beide und dann einen Salat für Scully und Hamburger mit Pommes für sich selbst. Er brauchte nicht lange auf sie warten. Sie hatte wieder das blaue an und gab sich 100 Prozent FBI Agentin. Sie aßen gemütlich, teilten sich die Pommes und unterhielten sich ein wenig bis zur Ankunft des Rangers. Dr. Diamond ließ nicht lange auf sich warten und kam cirka fünf Minuten später als der Ranger. Mulder erklärte ihnen kurz seine Theorie und was er gestern Abend gesehen hatte. Der Anthropologe hatte seine anfängliche Skepsis fallen lassen, nach dem ihm der Ranger seinen letzten Fund beschrieben hatte. Sie waren sich alle einig, das man versuchen sollte sie nach Möglichkeit lebendig zu fassen. Der Ranger bot an sein Betäubungsgewehr mit zu bringen. Ein Plan war schnell gemacht, so verschwendete keiner mehr Zeit und sie machten sich an die Vorbereitungen.
Strasse, Vorort von Atlantic City
Montag, 05.10.1992 21:00 h
Sie waren mit dem Wagen des Rangers gekommen. Dr. Diamond würde in der Nähe des Fahrzeugs bleiben. Mulder, Scully und Ranger Boulay wollten das Gebäude durchsuchen in das Mulder am Abend zuvor die Kreatur das letzte Mal gesehen hatte. Man einigte sich darauf zusammen zu bleiben. Sie fanden ein Loch in dem alten Zaun und konnten schnell einen Weg ins leer stehende Gebäude finden. Das Erdgeschoss war verlassen, als sie sich dem ersten Stock zuwenden wollten hörten sie Stimmen von draußen. Detective Thompson war eingetroffen und hatte offensichtlich Dr. Diamond am Wickel. Sie ließen sich davon nicht stören und setzten ihre Suche fort. Sie hörten wie er Einsatzkräfte ins Gebäude schickte, die Idee die wilde Frau lebend zu fangen wurde damit immer unwahrscheinlicher. Mulder war sich sicher das Thompsons Männer erst schießen und anschließend die Fragen stellen würden. Er hoffte das sie dies noch verhindern konnten und legte deshalb einen Schritt zu. Er konnte auch nichts mit seinen emphatischen Talenten versuchen. Es waren hier einfach zu viele Leute und ihre Gefühle und Gedanken stürmten heftig auf ihn ein.
Da war die Nervosität und Angst des guten Dr. Diamond neben Wut beim Detektiv. Das und vieles mehr war als würde Mulder in grelles Licht sehen und konnte nicht anders als abschotten. Man konnte meinen nach zwei Jahren wäre dies Besser geworden, aber da er mehr damit beschäftigt war seine Fähigkeiten geheim zu halten war dies nicht der Fall. Er hatte Angst vor ihnen und machte nur von seiner Tarnung regen Gebrauch trotz ihrer Schattenseiten. Es war nicht so wie Atmen, es hatte ihn viel Zeit und Übung gekostet bis er einen Tag lang die Maske aufrecht halten und dabei noch andere Dinge erledigen konnte. Im Schlaf konnte er dies leider nicht und so würde jeder sehen wie er wirklich aussah. Ein Problem wenn man so etwas wie ein Leben oder eine Frau an seiner Seite haben wollte. In Bahrain hatten ihn viele Diener bei seinem zweiten Besuch schlicht und ergreifend nicht wieder erkannt. Der Scheich hatte seinen Unterlagen nach das normale Dienstpersonal häufig gewechselt, damit sie nicht mit bekamen das er nicht altert. Die Verwalter hatten ihn kaum zu Gesicht bekommen und bis auf Akim nichts von seinem Geheimnis gewusst. Sudahli hatte Mulder gegenüber einen entscheidenden Vorteil. Der Mann wirkte über vierzig und konnte sich mit ein bisschen Haare färben wie fünfzig oder älter aussehen lassen. Mulder würde immer wie der Collageboy unter 21 wirken, Haare färben half da nicht viel. So war diese Tarnfähigkeit seine beste Chance unentdeckt sein Leben weiter zu führen.
Auch der erste Stock erwies sich als leer und sie hörten wie sich die anderen langsam vom Erdgeschoss in die erste Etage kamen. Es war Zeit ins nächste Stockwerk zu gehen. Dann ein Geräusch das ihm zum Stehen bleiben veranlasst. Er schaut sich um und blickt in einen Raum. Zuerst glaubt er sich geirrt zu haben doch dann nimmt er eine Bewegung aus dem Augenwinkel war und bewegt sich langsam darauf zu. Er sieht noch wie sie aus dem Fenster springt und dann über das Dach des Nachbargebäudes laufen. Er denkt nicht nach, er beginnt einfach ihr hinterher zu jagen. Er hört nicht einmal Scully wie sie leise nach ihm ruft und ihm dann folgt. Er schafft es ihr über das Dach zu folgen und dann weiter über den Boden zu einem alten Lagerhaus. Es ist hier zu dunkel und Mulder verliert sie aus den Augen. Langsam bewegt er sich entlang alter Maschinen und versucht etwas zu erkennen oder hören. So geht er sich langsam voran bis er plötzlich zu Boden gerissen wird und der wilden Frau in die Augen sehen kann. Er atmet schwer und wartet auf eine Gelegenheit sich zu befreien. Sie hat Kraft und kann ihn mit ihrem Körpergewicht auf dem Boden halten. Sie ist wild und mehr als nur verärgert, sollte man besser nicht weiter provozieren.
Sie steht auf und Mulder macht den Fehler sich aufsetzen zu wollen. Die Frau bringt ihn wieder auf den Boden, reißt dabei an seinem Hemd, Krallen schlagen sich ins Fleisch seiner Brust und sein Kopf knallt gegen den harten Beton des Fußbodens. Dann ein Schuss und das Wesen ergreift die Flucht. Ehe sich Mulder versieht ist Scully und ihre Zwillingsschwester über ihm. Er ist zu benommen um eine klaren Gedanken zu fassen und merkt nicht einmal das er verletzt ist. Erst als er Scullys Augen sieht wie sie ihn entsetzt ansehen versteht er was los ist und versucht aufzustehen, doch sie drückt ihn zurück. Stimmen sind zu hören sie kommen immer dichter. Die FBI Agentin sagt kein Wort sie schaut sich nur um und legt dann ihren Mantel über ihn. Gerade noch rechtzeitig als Mitglieder eine S.W.A.T. Einheit erscheinen. „FBI. Special Agent Dana Scully. Die Verdächtige ist da lang gelaufen. Der Mann ist mein Partner, er ist bei der Verfolgung gestürzt und hat sich dabei den Kopf gestoßen.“ Sie zeigt in die Richtung weiter in die Halle hinein und die beiden Männer nehmen die Verfolgung auf. Als sie außer sicht waren atmete sie erleichtert aus. Das war noch einmal gut gegangen. Doch was hatte sie gesehen?
Sie beugte sich über Mulder und hob vorsichtig den Mantel. Die Spuren der Verletzungen an der Brust waren fast verschwunden. Die Wunden waren bereits am verblassen, nur noch Blut erinnerte das hier einmal tiefe Wunden klafften. Wie konnte das möglich sein? Sie brauchte Antworten, wusste aber auch das dies hier nicht der richtige Ort war. „Ich bin ein Freak.“ Hörte sie ihn leise sagen und hörte deutlich die Angst mit jedem Wort. Er schaute sie fragend an, die Augen geweitet und fast starr vor Angst. „Wir reden später, jetzt müssen wir dich hier herausbekommen.“ Sie hatte Angst wie die Polizei auf diese Entdeckung reagieren würde. Sie kannten Mulder nicht und würden nicht wie sie einen Freund sehen. Sie musste verhindern das ihn jemand anderes so sah. Sie hatte ihren Mietwagen bereits abgeben und waren jetzt mit Mulders Wagen unterwegs. Sie hatte ihre Sachen bereits gepackt. Das Hemd und der Pullover den er gestern getragen hatte waren im Kofferraum. Sie waren nicht sauber aber zu mindestens Heil und würden die Spuren vorerst verdecken. Das Blut hier auf dem Fußboden könnte sie dann locker mit einer Platzwunde an seinem Hinterkopf erklären. Das meiste steckte eh in seinen Sachen. So half sie ihm langsam auf und führte ihn Richtung Auto. Sie gab ihm ihren Mantel damit er ein wenig als Sichtschutz diente falls sie noch anderen Einheiten begegnen sollten.
Sie schafften es wie durch ein Wunder zu dem Wagen und Scully half ihm aus den zerrissenen Kleidungsstücken und in das Hemd. Keiner von den Beiden sprach ein Wort. Er sah nicht mehr doppelt, war aber immer noch starr vor Angst und Verzweiflung. Sie hatte es gesehen, sie wusste nun das er ein Freak war. Es füllte sein denken aus und die Dunkelheit um ihn herum schien ihn langsam zu verschlucken. Keinen Sinn, alles hatte keinen Sinn mehr. Er bemerkte nicht wie sie ihm eine Decke um die Schultern legte und auf den Beifahrersitz half. Er ließ sich einfach wie eine Puppe führen. Scully merkte das Mulder scheinbar in eine Art Schockzustand zu versinken drohte. Sie bezweifelte das es physische Ursachen hatte, seine Wunden waren inzwischen verheilt und selbst wenn er sich den Kopf schwer gestoßen hatte glaubte sie, dass die Verletzung wie die anderen gegangen war. „Mulder? Mulder hörst du mich? … Du bleibst hier bei mir. Hast du mich verstanden? … Ich erlaube nicht das du gehst.“ Sie redete auf ihn ein, schimpfte und schlug ihm sogar ins Gesicht doch nichts schien zu helfen. Es war als würde er einfach abschalten, der Realität entfliehen wollen. Sie beugte sich vor und küsste ihn auf die Lippen, bevor sie ihm leise ins Ohr flüsterte. „Mulder, ich liebe dich und nichts wird das je ändern können.“ Tränen liefen ihr übers Gesicht und sie konnte nicht anders als an seiner Schuler weinen. In Gedanken schrie sie nach ihm und Verzweiflung ihn zu verlieren ließ sie immer lauter schreien.
Er konnte sie hören. Ihre Stimme, sie rief nach ihm. Er konnte sie fühlen. Ihre Wärme spüren. Er konnte sie riechen. Der Duft ihres Parfüms und Shampoo lagen in der Luft. Sie waren wie Licht das die Dunkelheit verdrängen konnte. Seine Gedanken wurden klarer und er konnte nur noch sie sehen und hören. Sie war bei ihm. Neben ihm und er hörte sie weinen. Er konnte fühlen was sie fühlte und das war nicht Abscheu, Ekel oder der gleichen. Da war Angst um ihn, angst ihn zu verlieren, Verwirrung weil sie nicht verstehen konnte was sie sah aber vor allem war da Liebe. Dana Scully liebte ihn das konnte er deutlich spüren. Er griff vorsichtig nach ihrer Schulter und sie richtete sich auf, schaute ihm in die Augen. Tränen waren in ihren Augen und er bekam Zweifel. Doch sie nahm nur sein Gesicht in beide Hände und schaute ihm in die Augen. Sie ließ einen Kuss für sich sprechen und er wusste das er seine Scully nicht verloren hatte.
Strasse, Vorort von Atlantic City
Montag, 05.10.1992 22:00 h
Sie beruhigten sich und einigten sich darauf später in einem Hotel über alles zu reden. Die Suche war noch voll im Gange und sie hatte keine andere Wahl als mit zu spielen. Mulder hatte ein Pflaster für alle Fälle über der rechten Schläfe geklebt. Niemand würde sich weiter darum kümmern. Detektiv Thompson war ziemlich sauer gewesen und hat mit allen möglichen disziplinarischen Maßnahmen gedroht und verlangt das Zivilisten wie Mulder und der Anthropologe nicht weiter an der Verfolgung teilnahmen. Das war Scully natürlich mehr als recht. Mulder war Müde. Die Heilung und der Schock hatten an seinen Kräften gezerrt, so hatte er es sich auf dem Rücksitz des Wagens bequem gemacht. Der Wagen stand im Dunkeln und man würde ihn nur schwer im inneren ausmachen können.
Es war ihnen gelungen die Kreatur zu stellen. Scully war mit Thompson draußen als sie Schüsse hörten. Als sie es dann schafften zu den S.W.A.T Einheiten zu gelangen war ein Mann verletzt und eine blutige Spur führte zu einem der Fenster. Sie kümmerte sich kurz um den Verwundeten. Er hatte einen gebrochenen Arm und mehrere Fleischwunden, nichts lebensbedrohliches. „Wir haben eine nackte Frau gesehen. Sie hatte uns überrascht und meinem Partner fasst den Arm ausgerissen. Ich habe geschossen und sie getroffen. Dadurch ließ sie ab und floh durchs Fenster. Richtung Wald.“ Versuchte der andere seine Handlungsweise zu erklären. Damit war die Verfolgung erst einmal vorbei. Sie verabredete sich noch für den nächsten Tag mit Dr. Diamond und Ranger Boulay. Sie wollten sobald es hell wird im Park nach dem Wesen suchen und hoffte inständig das die Polizei nicht wieder dazwischen funken würde. Dann fuhr sie mit Mulder zum nächsten Hotel.
Motel 5, Atlantic City
Montag, 05.10.1992 22:45 h
Sie hatte keine Lust ihn aus den Augen zulassen, die Angst ihn zu verlieren saß tief in ihren Knochen. So hatte sie ein Zimmer mit Doppelbett genommen. Er hat tief und fest geschlafen als sie zum Hotel gefahren ist und Scully hatte ihm mehr aufs Zimmer schleifen müssen als das er gelaufen oder besser gesagt schlafgewandelt ist. Sie ließ ihn aufs linke Bett gleiten und halft ihm beim ausziehen der Schuhe und Sachen. Er sah nun so jung aus und nur seine schläfrigen Augen zeigten ihr deutlich das es immer noch ihr Mulder war. Aber wie konnte er plötzlich gut 10 Jahre jünger wirken? Mit den Kleidungsstück die sie sorgfältig über einen der Stühle zusammen legte kam das nächste Problem. Mulder hatte sich nur für eine Übernachtung eingerichtet gehabt und die Wechselkleidung war jetzt ruiniert. Was sollte er Morgen tragen? Er war noch aus wie ein Licht und sie hatte nicht weit von hier ein Supermarkt gesehen der 24h offen war. So machte sie sich auf den Weg dorthin, es wurde nicht mehr als eine halbe Stunde dauern.
Als sie zurückkam hatte sie ihm das Passende für einen Ausflug in den Wald gekauft. Bluejeans, ein weißes T- Shirt, ein Rotkariertes Holzfällerhemd, ein grauen Parker und Socken für Mulder. Kleidung nach seinem Geschmack führten sie nicht. Hatten aber eine nette Campingabteilung aus der Scully die meisten Dinge abstauben konnte. Zwei Paar Wanderschuhe hatten ihre Ausrüstung komplettiert, mit ihren Hackenschuhen konnte sie ja schlecht durch das Unterholz kriechen. Denn Rest was sie noch gebrauchen könnten würden sie bestimmt in der Ranger station erhalten. Dort würden sie sich eh alle bei Sonnenaufgang treffen. Mulder schlief noch als auch sie sich fürs Bett bereit machte und wachte auf als sie das Licht ausmachen wollte, sie konnte es in seinen Augen aufblitzen sehen. Er schien sich etwas erholt zu haben. Scully setzte sich zu ihm auf das Bett und strich Haare aus seinem Gesicht. „Wo bin ich?“ Mulder schaute sich fragend um, er musste wirklich geschlafen haben als sie ihn ins Zimmer schaffte. „Im Hotel. Ein Motel 5, du musst es gesehen haben als du Sonntag von Washington hier her gefahren bist, liegt direkt am Highway.“ Erklärte sie ihm. „Gut. Was jetzt?“ Er klang immer noch schläfrig und verunsichert. Sie knipste das Licht aus und legte sich dann zu ihm ins Bett. Nahm ihn in ihre Arme und kuschelte sich fest an ihn.
„Willst du mir nicht erzählen, was dich bedrückt? Ich bin hier und ich verspreche dir ich bleibe hier, egal was du mir erzählst.“ Ihre Stimme war sanft und sie meinte jedes Wort. „Ich weiß nicht was ich bin oder wer ich bin.“ Begann er zu erzählen, wobei er den Kontakt zu ihr brauchte. Es schien ihm Kraft zu geben. Er wusste das er ihr vertrauen konnte, er hatte es ihr schon solange erzählen wollen. „Es begann alles am 27. Dezember 1984. Ich glaube, ich habe dir schon einmal davon erzählt. Das Lawinenunglück, ich war einer von drei Überlebenden. Als ich im Krankenhaus zu mir kam da war nicht nur meine Farbenblindheit geheilt sondern auch mein Körper. Meine Mandeln waren wieder da und ich hatte keine einzige Narbe am ganzen Körper.“ Er machte eine Pause, wartete auf eine Bemerkung von ihr doch sie blieb still, drückte nur seine Hand um ihn zu ermuntern weiter zu machen. „Es war für mich ein Rätsel und ich schwieg den Ärzten gegenüber. Ich glaube nicht das sie etwas von der Geschichte mitbekommen haben, die meisten hielten es für ein Wunder das ich das Unglück nahezu unbeschadet überlebt hatte. Ich war nur in dieses Koma gefallen aber vollkommen gesund gewesen. Da vielen diese Dinge wohl nicht weiter ins Gewicht. Ich bin dann zurück nach England und traf dort Adam.“ Es war schwer zu erklären und er musste kurz überlegen wie er es am besten anstellte.
„Er erzählte mir von den Unsterblichen und ihrem beknackten Spiel. Zu beginn hielt ich es alles für einen schlechten Scherz doch dann zeigte er mir etwas das ich wohl so schnell nicht vergessen werde. Er nahm einen Dolch und ritzte sich vor meinen Augen die Hand auf, es heilte auf der Stelle. Du hast es heute gesehen, nicht wahr?“ Dieses Mal wartete er auf eine Antwort. „Ja. Ich habe gesehen wie deine Verletzungen heilten. Du warst 23 als dies alles passierte?“ Sie versuchte ruhig zu bleiben, wollte das er weiter redete. „Ja und im Prinzip bin ich das immer noch. Die Wahrheit ist an diesem 27. Dezember war ich gestorben, es gab nur zwei Überlebende. Es klingt vielleicht mehr als verrückt aber der erste Schritt ein Unsterblicher zu werden ist ein gewaltsamen Tod zu sterben.“ Er wartete wieder auf eine Bemerkung, Einwände, doch Scully hatte nichts der gleichen vor. „Du bist also gestorben und so etwas wie wiedergeboren?“ Ihre Stimme zeigte nichts von Spot oder Unglauben. Sie ermunterte ihn nur weiter zu erzählen. „Ich weiß nicht ob man es so nennen kann. Wir sind anders und das von Geburt an. Adam konnte mir nur erzählen das wir Findelkinder und das die Mulders nicht meine leiblichen Eltern sind. Sie haben mich adoptiert oder einfach nur aufgenommen. Es könnte sogar sein das es tatsächlich einen Fox William Mulder gab, nur das er bei der Geburt gestorben war. So weiß ich nicht wer ich wirklich bin.“
„Die Mulders sind also nicht deine biologischen Eltern. Deine echten Eltern haben dich so einfach irgendwo ausgesetzt?“ Sie konnte nicht glauben das jemand dazu fähig war. Sicher sie lebte nicht hinter dem Mond, sie hatte das bestimmt mehrfach in den Medien gehört. Aber da waren immer andere Schicksale betroffen, Fremde die sie nicht kannte. Nicht der Mann den sie liebte. „Es scheint so. Ich hatte natürlich so meine Zweifel, konnte bei meiner Rückkehr aber schnell einen einfachen Beweis finden, die Blutgruppen meiner Eltern stimmen nicht mit meiner über ein.“ Scully war Ärztin, sie wusste was er meinte. „Was hat dir Adam noch erzählt? Was ist das für ein beknacktes Spiel das ihr spielt?“ Sie hatte das Gefühl das diese Informationen wichtig waren. „Das Spiel. Es ist nicht einfach zu erklären, ich kann kaum einen Sinn darin entdecken und würde lieber kein Spieler sein. Ich bin mir sicher du wirst derselben Meinung sein.“ So fing er an ihr alles zu erzählen was Adam ihm in den ersten Stunden erklärt hatte und Scully hörte aufmerksam zu. Unterbrach ihn nur selten und wenn dann weil sie etwas näher erklärt haben wollte. Sie gab keine Wertung ab und ließ ihn einfach nur Reden. Er erzählte ihr über das Spiel und seine Regeln, warum er nicht zum FBI ging und nur Berater wurde. Anschließend erzählte er ihr von dem Rochefall und sie drückte sich während er erzählte noch fester an ihn, gab ihm Kraft. Er erklärte ihr seinen Trick älter zu wirken und das er seit dem Vorfall die Gedanken und Gefühle der Menschen lesen konnte und deshalb nicht mehr als Profiler arbeiten konnte.
Mit jeder seiner Erklärungen wuchs ihre Angst um ihn, aber auch ihr Hilflosigkeit. Sie konnte ihn schlecht vor den anderen Unsterblichen schützen. Sie verstand jetzt besser warum er fast täglich mit Roy trainierte, welche Rolle Adam in seinem Leben spielte. Der Mann war sein Lehrer, Mentor und bester Freund. Sie hatte sich beinahe verschluckt als er ihr erzählte das dieser Adam älter als die Bibel ist. Sie wusste das sie noch nicht alles Verstand und das es Zeit brauchen würde. Aber eines war ihr jetzt schon klar. Sie liebte Mulder und daran würde dies nichts ändern. Es war schon spät und mit diesem einen Gedanken schlief sie ein, wobei sie ihn mit ihren Händen festhielt wie ein Ertrinkender den Rettungsring greifen würde. Sie wollte selbst im Schlaf sicherstellen das er noch da ist wenn sie Morgen aufwachte.
Motel 5, Atlantic City
Dienstag, 06.10.1992 5:45 h
Als sie aufwachte spürte sie die Wärme an ihrer Seite. Er hatte seinen Arm um sie gelegt, sein Gesicht ruhte auf ihrer Schulter. Die Erinnerungen an letzte Nacht kamen wieder in ihr Gedächtnis zurück und sie beobachtete ihn. Schaute zu wie sich mit jedem Atemzug der Brustkorb hob und wieder senkte. Er sah wirklich wie ein kleiner Junge aus wenn er schlief und sie kam sich plötzlich vor wie sein Teddybär, so hatte er sich an sie gekuschelt. Wenn sie ihn so sah konnte sie kaum glauben was sie gestern Abend gesehen oder gehört hatte. Sie konnte sich noch gut an den Abend erinnern als Mulder ihr erzählte das er diesen Scheich getötet hatte. Für Scully hatte sich seit damals nichts geändert, ihre Meinung war immer noch die Selbe. Aber erst jetzt konnte sie verstehen warum der Tod so schwer auf ihm lastet. Bisher hatte er es vermeiden können an diesem Spiel teilzunehmen. Seit erster Kopf, das erste Leben das er ausgelöscht hat und das erste Mal das er das Wissen, die Erinnerungen, das Leben eines anderen Menschen in sich aufgenommen hatte. Mulder musste mehr als Tausend Jahre Erinnerungen in den letzten Wochen aufarbeiten und sich da noch um die Geschäfte des alten Scheichs kümmern, weil er sich verantwortlich fühlte, keinen anderen Menschen ins Unglück stürzen wollte.
Er war immer noch der Mann in den sie sich verliebt hat, mit einem großen Herzen und mehr als nur Mitgefühl für andere. Mulder würde immer Jung sein und niemals Kinder haben können. Nicht gerade die idealen Grundlagen für eine Beziehung. Sie konnte verstehen warum er bisher nie den nächsten Schritt gemacht hatte. Die Angst entdeckt zu werden und nicht wissen wie sie reagieren würde, musste hart gewesen sein. Er sah sich selbst als Monster oder Freak. Nein, es war nicht verwunderlich das er Angst vor einer Beziehung hatte. Das war ein enormes Packet das er mit sich herum schleppte. Doch wenn sie ihn so sah, konnte sie nicht anders als bei ihm sein. Er wirkte so verletzlich und einsam, er brauchte jemanden der sich um ihn kümmert. Kein Mensch verdiente es allein zu sein, auch sie verdiente nicht weniger als er. Wie konnte sie das in diesen dickschädeligen sturen Kerl hinein bekommen? Sie liebte ihn und würde alles tun um ihn zu beschützen. Sie hatte etwas gebraucht um dahinter zu kommen, aber es schien für sie kein Anderer in Frage zu kommen. Sie hatte in den letzten Monaten fast jeden Mann den sie kennen lernte fast automatisch mit Mulder verglichen und abgelehnt. Selbst Rob war nur zweite Wahl gewesen. Sie wünschte sich Kinder, ein Leben. Bei Ellen hatte alles so fantastisch, perfekt ausgesehen. Sie war schwach geworden und hatte sich deshalb zu einer Verabredung mit Rob hinreißen lassen.
Aber Rob war nicht ihr Typ Mann gewesen, kein Mulder. Nicht der jenige der ihr Leben innerhalb von ein paar Monaten vollkommen auf den Kopf stellen konnte. Am Ende hatte sie sich eingestehen müssen, das Normal nicht gut genug für sie war. So wie bekam sie das alles in diesen sturen Esel neben ihr? Er mochte ein Genie sein, aber er war so Blind in manchen Dingen. „Ich hab es kapiert!“ Hörte sie seine Stimme neben sich. Er war noch immer schläfrig und schaute sie fragend an. Sie hatte vergessen das er Gedanken lesen konnte, besser gesagt hören musste, er machte dies schließlich nicht freiwillig. „Ich liebe dich.“ Meinte sie und küsste ihn. „Ich liebe dich seit dem Moment wo ich dich das erste Mal gesehen habe.“ Gestand er ihr und schaute dabei ganz verlegen die Zudecke an. Der Bezug muss wirklich außergewöhnlich sein. „Hey schau mich an!“ Sie wartete bis Mulder ihr in die Augen sah und dann küssten sie sich.
New Jersey State Park
Dienstag, 06.10.1992 8:30 h
„Sie war hübsch. Ich konnte ihr direkt in die Augen sehen, Doktor. Sie hätte mir den Kopf abreißen können, aber hat nichts der gleichen getan.“ Versuchte Mulder dem Anthropologen seine Begegnung von letzter Nacht zu schildern. Scully war nicht so überzeugt davon, ihrer Meinung nach hatte ihr Wahnschuss schlimmeres verhindert. Aber Mulder wollte manchmal nicht die negative Seite sehen. Für ihn war es jetzt nur wichtig das sie die Biestfrau vor der Polizei finden und dafür Sorgen das sie dies alles hier überlebte. Sie hörte zu wie Mulder sich weiter mit Dr. Diamond unterhielt und wusste das konnte noch ein langer Tag werden. Park Ranger Boulay führte sie durch felsiges Gebiet, hier war er bereits dem Beastman begegnet. Es gab hier viele Möglichkeiten sich zu verstecken. Der Steinige Waldboden machte ihr es nicht gerade leicht voran zu kommen. Sie konnte Hunde hören. Die Polizei war nicht untätig geblieben und suchte mit Bluthunden den Wald ab. Ihr Vorsprung war nicht groß. Der Park Ranger hatte ihn nur ein paar Minuten verschafft.
„Seht!“ Boulay zeigte hinab Richtung Fluss. Sie standen alle auf einer felsigen Anhöhe und konnten sehen wie sie am Ufer des Flusses entlang lief. „Können Sie sie von hier aus treffen?“ wollte Mulder wissen. „Ich kann es versuchen.“ Der Ranger leckte an und traf sie mit einem Betäubungspfeil in der Schulter. Doch sie zog den Pfeil nur heraus und rannte weiter. Das Hundegebell war jetzt lauter und sie konnten Männer der Suchmannschaft sehen. Boulay führte sie von den Felsen herunter doch sie konnten die Biestfrau nicht mehr vor den anderen erreichen. Der Abstieg kostete zu viel Zeit sie fast Zeitgleich mit Detektive Thompson am Fluss ein trafen. Einige seiner Einheiten waren ihr bereits hinter her gerannt. Schüsse halten mehrfach durch die Gegend, das Echo machte es schwer zu sagen wie viele es waren. „Ich habe sie! Dort drüben! Sie hat versucht mich an zugreifen.“ schrie eine Stimme. Sie rannten jetzt alle in die Richtung aus der die Schüsse gekommen waren.
An der Stelle fanden sie einen von Thompson Team, Sein Hemd war zerrissen und eine lange blutende Kratzwunde war an seinem Arm zu sehen. Er zeigte mit seinem Kopf in Richtung der Toten. Sie lag dar, offenbar hatte sie noch versucht sich einzugraben. Laub lag über ihren Beinen, die Augen waren immer noch weit geöffnet. Mulder ging zu ihr und schloss behutsam ihre Augen. „Warum mussten sie sie töten?“ Mulder war mehr als wütend, versuchte aber ruhig zu bleiben. „Der selbe Grund warum sie ein tollwütiges Tier erschießen.“ Meinte der Detektive nur. Scully kümmerte sich um Mulder bevor er etwas tat was er noch bereuen würde.
Mulder’s Zimmer, Hilton
Dienstag, 06.10.1992 16:30 h
Es war wirklich ein langer Tag gewesen. Es hatte lange gedauert bis sie mit der Polizei von Atlantic City fertig gewesen waren. Dieser Thompson hatte Beschwerde gegen Scully beim FBI eingereicht und hatte auch versucht gegen Mulder Schritte zu unternehmen. Doch sie bekamen unerwartet Deckung vom Polizeichef der Stadt. Der Mann kannte Mulder durch seine Tätigkeit als Berater. Vor drei Jahren hatte er hier in Atlantic City mit der Polizei zusammen gearbeitet um einem Mann der fünf Frauen erst vergewaltig und anschließend die Kehle durch geschnitten hatte das Handwerk zu legen. Deshalb war der Polizeichef der Meinung das sie Mulder noch etwas Schuldig waren und sorgte dafür das Thompson seine Anklagen gegen ihn und Scully zurück zog. Die Vorwürfe waren eh nur dünn und hätten den Fall nur in die Öffentlichkeit gezogen und der Stadt schlechte Presse verursacht. So waren sie erst nach einem Gespräch mit dem Polizeichef und dem Staatsanwalt fertig gewesen und konnten nach Washington zurückkehren.
Sie war direkt zum Hilton gefahren und dann mit nach Oben gegangen wo sich Mulder gleich frisch machen wollte und sie beim Zimmerservice Kaffee und ein paar Sandwichs bestellte. Sie wollte ihn nicht allein lassen. Die junge Araberin war noch in der Stadt unterwegs mit Akim. Sie hatte Mulder eine Nachricht hinterlassen, das sie sich ein Haus ansehen wollten. Nach dem Ärger mit den Abhöranlagen in Arlington hatte Fox nicht mehr in seine alte Wohnung zurück gewollt und war immer noch auf der Suche nach etwas Neues, mit einer besseren Alarmanlage. Selbst Scully prüfte jetzt wöchentlich ihre Wohnung nach neuen elektronischen Mitbewohnern. Es war aber nicht nur eine Wohnung die er brauchte, es ging ihm auch um Büros zum einen um seine Geschäfte zu führen und später vielleicht eine neue Praxis zu eröffnen. Spätesten im Januar wollte er hier raus sein, solange sollte das Hilton sein zu Hause belieben. Hier hatte er ein Platz zum Arbeiten, guten Service und seine Ruhe. Wenn es nach Scully’s Meinung ging dann könnte er hier Dauerhaft einziehen. Sie machten es sich auf der Couch bequem. Tranken gemütlich den Kaffee und unterhielten sich während des Essens. Sie machten da weiter wo sie letzte Nacht aufgehört hatten und Scully stellte nun Fragen über Dinge die sie nicht ganz verstanden hatte oder sie bewegten.
Mulder’s Zimmer, Hilton
Dienstag, 06.10.1992 19:00 h
Es wurde langsam spät und Scully wollte nach Hause. Ihr morgiger Tag würde nicht besonders gut Aussehen. Nicht nur das sie ihren Vorgesetzten die Geschichte mit Atlantic City noch erklären musste, da gab es immer noch diese Mördergeschichte. Mulder war ein geschlafen, sein Kopf ruhte auf ihrem Schoss und sie war froh das er etwas Schlaf gefunden hatte. Das der Fall so ein Ende nahm hatte ihn mitgenommen. Er wollte der Frau helfen und jetzt war sie tot, die Polizei hatte nicht einmal den Versuch unternommen sie lebend zu fassen. Sie sah anders aus, verhielt sich anders waren Grund genug erst zu schießen und hinterher die Fragen zu stellen. Ein tollwütiges Tier, damit hatte Thompson sie verglichen. Das es solche Leute gab machte ihr mehr als Angst, nicht um ihrer willen sondern Mulder. Was würde passieren wenn jemand hinter sein Geheimnis kam? Er war in den letzten Tagen so oft dicht dran gewesen, selbst entdeckt zu werden. Was wäre passiert wenn er in der Zelle eingeschlafen wäre? Er hatte so Müde ausgesehen als sie ihn da raus holte. Warum war er ohne Waffen unterwegs? Wenn er einem anderen Unsterblichen begegnet wäre, dann hätte er sich nicht einmal verteidigen können. Schwerter. Scully hatte noch nie eins bei ihm gesehen.
Scully hörte wie der Fahrstuhl aufging und dann Sekunden später jemanden in den Wohnbereich kam. „Guten Abend. Sie müssen Scully sein. Ich bin Fatima Sudahli. Wo ist Mulder?“ Scully zeige nur auf ihren Schoss und die Araberin lächelte. „Er sieht aus wie ein kleiner Junge wenn er schläft.“ Bemerkte sie leise und Scully lief der Schweiß über den Rücken. Wusste sie von Mulders Geheimnis? Schließlich war sie die Frau eines Unsterblichen gewesen. War sie eingeweiht? Das Licht war gedämmt, vielleicht war es nur eine harmlose Bemerkung. „Ja. Wir hatten einen schweren Tag und er war nicht ganz so verlaufen wie er sich das vorgestellt hatte.“ Erklärte sie im Flüsterton und strich dabei ein paar Haare aus Mulders Gesicht. „Die Geschichte hat also kein Happy End gehabt?“ fragte Fatima und wirkte sichtbar enttäuscht. „Nein. Wir konnten den Fall lösen, aber die wilde Frau nicht retten. Sie wurde getötet.“ Es blieb einen Moment still. „Das tut mit Leid zu hören.“ Fatima schaute dabei Mulder an und sprach dann weiter. „Was halten Sie davon? Wir lassen ihn noch eine Weile schlafen und bestellen Diner für uns drei. Er sollte heute nicht alleine sein.“
Scully hatte nichts dagegen, sie war überrascht wie viel Verständnis die junge Frau aufbringen konnte. „Danke, Frau Sudahli. Würde Sie bitte bestellen? Ich glaube wir nehmen den Fisch, dazu Eistee und für später eine große Packung Vanilleeis, nach Möglichkeit die mit den Schokostückchen.“ Nach so einem Tag mochten sie beide kein Fleisch. Geflügel oder Fisch waren da okay, wobei Mulder mehr zu Fisch neigte. „Das geht in Ordnung, Ms. Scully. Ach bitte nennen sie mich doch einfach Fatima.“ Sie lächelte Scully freundlich an. „Danke Fatima und du kannst mich Dana nennen. Im Gegensatz zu Mulder mag ich meinen Vornamen.“ Sie lachten beide und Fatima kümmerte sich dann um die Bestellung.
Mulder’s Zimmer, Hilton
Montag, 12.10.1992 10:00 h
Knapp eine Woche war seit dem Vorfall vergangen. Scully hatte es nicht leicht gehabt obwohl man die Vorwürfe gegen sie und Mulder zurück genommen hatte, war Skinner ziemlich sauer gewesen. Die Mördersuche ging auch nicht besser voran und Mulder hatte sich in die Arbeit gestürzt und war nicht besonders glücklich gewesen. Sie hoffte ihn Morgen mit einer kleinen Geburtstagsfeier etwas aufzumuntern. Die Party wollte sie in ihrer Wohnung geben, Mulder hatte sich in den letzten Tagen hier kaum blicken lassen. Ihre Mutter will extra eine Torte gebacken und wird sich um das Essen für den Abend kümmern. Ihr berühmtes Irish Stew und ein paar andere Überraschungen soll es geben. Aber was genau wollte sie nicht einmal ihrer eigenen Tochter verraten. Fatima, Akim, Roy, Rike und sogar Adam hatten zu gesagt das sie Morgen kommen. Damit hatte sie auch die Gäste organisiert. Alles was ihr noch fehlte war das Geburtstagskind und ein Geschenk und die Zeit wurde langsam knapp. Zudem hatte sie heute zwei Berichte erhalten die sie Mulder nicht vorenthalten wollte. Mit diesem Vorwand wagte sie sich in die Höhle des Löwen.
„Morgen Scully.“ Er hatte keine gute Laune und war wieder mit seinen Papieren beschäftigt, ein Bild das man in letzter Zeit zu häufig sah. „Hallo Mulder. Ich habe dir was mitgebracht.“ Sie setzte sich zu ihm an den Schreibtisch und reichte ihm die beiden Akten. Er studierte sie kurz. „Das sind Autopsieberichte.“ Er schaute sie fragend an. „Von der wilden Frau und ihrem Gefährten. Die Polizei hatte seinen Autopsiebericht endlich frei gegeben. Sie schätzen die Frau zwischen 25 und 30 Jahren und ihr Mann um die 40. Dr. Diamond hatte Gelegenheit sie zu untersuchen. Er konnte aber keine prähistorische Knochenstruktur oder Physiologie feststellen. Man hat sie deshalb als Jane Doe registriert und sucht jetzt verstärkt in den Unterlagen der psychiatrischen Anstalten nach ihrer Identität.“ Faste Scully alles kurz zusammen. „30 und 40 Jahre. Sie könnten Nachwuchs gehabt haben.“ Mulder blätterte weiter in den Berichten. „Es deutet alles darauf hin. Die Untersuchung ihres Uterus läst vermuten das sie ein Kind zur Welt gebracht hat.“ Er schaute sie nun mit großen traurigen Augen an. „Sie hat ihren Nachwuchs verteidigt, Scully. Das macht alles Sinn. Ihr Gefährte stirbt und sie kam aus dem Wald um nach Nahrung zu suchen.“
„Mulder tust du mir ein Gefallen? Komm etwas an die frische Luft mit mir. Ich spendiere uns einen Kaffee und dann machen wir den Park unsicher.“ Er war deprimiert und sie konnte sehen das ihm diese Fakten nur noch mehr nach unten zogen. „Okay. Wie wäre es mit Waffeln dazu?“ Er lächelte sie an. „Mit Erdbeeren und Sahne. Ich glaube ich weiß sogar den besten Laden dafür.“ Sie musste nicht lange auf Mulder warten. Schnell hatte er seinen Mantel an und sie machten sich auf den Weg.
Scully’s Wohnung, Georgetown
Dienstag, 13.10.1992 23:55 h
Die Party war ein voller Erfolg gewesen. Mulder hatte sich gefreut und seine Laune war deutlich gestiegen. Er wirkte diesen Abend seit langem mal wieder glücklich und hatte herzhaft gelacht. Scully war mit sich und der Welt zufrieden. Sie hatte endlich Adam persönlich kennen gelernt. Er wirkte so jung und hätte ihr Mulder nicht vor ein paar Tagen die Wahrheit über ihn erzählt es wäre ihr wohl nie auf gefallen. Adam verstand sich gut darauf sich zu verstellen und setzte seinen Charme und Humor geschickt ein um von sich ab zu lenken. Sie war froh das Mulder ihn als Lehrer und Freund hatte. Er würde für ein paar Tage bei Mulder im Hilton bleiben und er hatte ihr ein Gespräch unter vier Augen versprochen
Mit Rike und Roy hatte sie ebenfalls kurz unterhalten und sie war mit Mulder am Wochenende zum Essen eingeladen worden. Beide amüsierten sich prächtig und hatte ein paar alte Spiele während der Party organisiert und so erheblich zur Unterhaltung am Abend bei getragen. Die Klassiker wie ‚Hängt dem Esel den Schwanz an’ waren dabei immer noch die besten gewesen. Wer hätte gedacht das ein paar Kinderspiele selbst Erwachsene noch zum Lachen bringen. Selbst ihre Mutter hatte es sich nehmen lassen da mit zu machen. Fatima hatte getanzt und so bei den männlichen Gästen reichlich für Stimmung gesorgt. So war es nie langweilig geworden und alle hatten ihren Spaß gehabt. Am Ende hatte Mulder dann seine Geschenke aus gepackt und sich bei jedem bedankt. So hatte er von Roy und Rike ein Kochbuch mit Rezepten von Rike erhalten und dazu noch eine Flasche Met, Honigwein. Adam hatte aus Paris Wein mitgebracht und schenkte dazu zwei Karten für das nächste Spiel der Knicks. Akim hatte ein Päckchen eines gewissen Mr. Webster abgefangen das an Mulder adressiert war und gab es ihm erst jetzt. Es war ein Fotoalbum mit Bildern die Mr. Webster in Algerien gemacht hat als sie zusammen das Gestüt besucht hatte. Akim wusste das sich Mulder an diesem einen Tag nichts mehr gewünscht hat als Reiten zu lernen, also erfüllte er diesem Wunsch und schenkte ihm Stunden in einer Reitschule in der Nähe von Washington. Fatima hatte für Mulder eine Ausgabe der Geschichten aus ‚Tausend und einer Nacht’ und dazu ein schöne alt wirkende Öl- Lampe.
Scully gab ihr Geschenk als letztes. Sie hatte lange überlegt was sie ihm schenken soll. So hat sie am Ende zwei einfache Freundschaftsanhänger gekauft. Einen für sich den sie bereits den ganzen Abend getragen hat und einen für Mulder den sie in ein kleine Geschenkdose gelegt hatte. Zusammen ergeben beide ein Herz und so hatte jeder eine Hälfte des Herzen. Sie wollte ihn wissen lassen, das ihr Herz ihm gehörte und er hatte sie verstanden. Sie beiden lagen sich in den Armen und küssten sich tief und innig. Danach war die Party schon bald vorbei und sie verabschiedeten sich. Mulder bedankte sich noch einmal bei allen und vor allem bei Scully’s Mutter für das fabelhafte Essen. Am Ende waren Scully und er allein in der Wohnung. Er half ihr beim aufräumen der Wohnung und dem Abwasch. So gegen zwei Uhr sanken sie dann Müde ins Bett. Erst jetzt ließ er seine Tarnung fallen und sie schaute in sein jugendliches Gesicht. Er wirkte höchstens wie 19 und nicht 31. Es war etwas das Scully noch schwer viel zu akzeptieren. „Ich liebe dich.“ Flüsterte er ihr ins Ohr. „Ich liebe dich auch.“ Die Worte kamen ihr leicht von den Lippen, denn es war die Wahrheit.
Scully’s Wohnung Georgetown
Sonntag, 13.12.1992 21:35 h
Es war 8 Wochen her das sie und Mulder sich Näher gekommen sind und jetzt konnten sie nicht weiter von einander entfernt sein. Wie hatte es nur soweit kommen können? Es hatte am Anfang doch alles so prima funktioniert. Als erstes kam diese Geistergeschichte. Der Geist eines ermordeten Firmenchefs kehrt zurück um seine Sekretärin zu beschützen. Sein Partner hatte sich mit Terroristen aus dem mittleren Osten eingelassen. Pack noch ein paar überwichtige schweigsame Agenten irgendeiner Agentur dazu und sie hatten einen mehr als mörderischen Fall. Als das geklärt war musste Agent Lamana auftauchen und Mulder überreden ihm bei einem seiner Fälle zu helfen. Sie kannten sich aus der Zeit wo Mulder gelegentlich als Profiler für das FBI gearbeitet hat. Es kam zu einem Streit zwischen ihr und Mulder, weil dieser Typ in einer Besprechung Mulders Arbeit als seine ausgab und Scully das nicht übersehen wollte. Am Ende war ein extrem intelligenter Computer an allem Schuld Dieser Informant von Mulder hatte sie gewarnt das die Regierung den Computer für ihre Zwecke haben wollte. Mit Hilfe des Entwicklers konnten sie ein Virus in das System und es rechtzeitig zerstören bevor jemand anderes seine Finger daran legte. Das alles kam mit einem teuren Preis. Agent Lamana überlebte diesen Fall nicht und Mulder gab sich die Schuld an seinem Tod. Durch die Zerstörung des Computers wurde auch der einzige Beweis für die Unschuld des Systementwicklers vernichtet und die Regierungsleute haben ihn nun in ihren Fingern und wollen wohl ein besseres Computersystem haben. Scully wünschte ihnen viel Spaß dabei.
Dann bekam Mulder die Information über einen angeblichen UFO Absturz zugespielt und sie musste ihn vor dem Militär und ihrem übereifrigen Colonel Calvin Henderson retten. Hier gab es nicht nur Streit zwischen ihn beiden sondern eine klitze Kleinigkeit mehr. Das kam etwa so: Um den Vorfall zu vertuschen hatte man das Gebiet kurzer Hand unter Quarantäne gestellt. Sie hatten Mulder dabei ertappt wie er in die Zone eingedrungen war und Fotos gemacht hat. Er hatte dann die Nacht zusammen mit einem NICAP Anhänger in Militärgewahrsam verbracht, bevor sie ihn da übermüdet wie immer rausholen konnte. Der NICAP Mann ein gewisser Max Fenig hatte auch nicht viel gesehen und Scully hatte ihn für den Anfang zu den üblichen Spinnern abgelegt. Dann hatte sie den schwersten Fehler gemacht und Mulder nicht sofort ins nächste Flugzeug nach Washington verfrachtet. Sie hatte sich überreden lassen noch etwas in der Gegend zu bleiben. Er versprach ihr auf den Weg ins Hotel hoch und heilig sich nur ein bisschen außerhalb des Sperrgebiets um zusehen um so vielleicht den ein oder anderen Gedanken auf zu schnappen. Er war überzeugt das sie etwas suchen würden. Fenig lieferte dann die erste Überraschung, er hatte sich in Mulders Zimmer einquartiert und war eine Art Fan von ihm. Er wusste von M.F. Luders Artikel über paranormale Phänomene und das Mulder gelegentlich an den X Akten half.
Fenig hatte die Funkfrequenzen überwacht und dabei den Funkverkehr des Sheriff Büros mit geschnitten was sie zu Mrs. Wright führte, deren Mann offenbar bei diesem Absturz zu gegen war und dies mit seinem Leben bezahlt hatte. Sie war unter Druck gesetzt worden und wollte deshalb nicht reden. Im Prinzip wollte niemand darüber reden, erst ein gewisser Dr. Oppenheimer brach die Mauer des Schweigens. Er hatte den Leichnam von Deputy Wright gesehen. Schwere Verbrennungen über den ganzen Körper bei Wright und drei toten Feuerwehrmännern. Die Leichen waren vom Militär abgeholt worden bevor man sie näher untersuchen konnte. Oppenheimer konnte aber Scullys Verdacht bestätigen das sie vielleicht an Verbrennung durch Radioaktiver Strahlung gestorben waren. Was für die geheime offizielle Version mit dem libyschen nuklear bewaffneten Flugzeug sprach. Eine Theorie die Mulder nie hören oder glauben wollte. Dann kurz darauf machte sie ihren nächsten Fehler. Soldaten wurden mit Verbrennungen ins Krankenhaus eingeliefert um Mulder zu helfen nahm sie Dr. Oppenheimers Angebot an als Ärztin auszuhelfen. Dieser Colonel bestand aber darauf das Mulder ging und so war er eine Zeit aus ihrer Sicht. Genug Zeit um diesem Fenig über den Weg zu laufen. Was Scully an diesem Tag sah war genug für einen weiteren Versuch Mulder für den Heimflug zu begeistern. Aber er hatte irgendetwas entdeckt und ließ sich nicht überreden. Er hatte wieder diesen Ausdruck in den Augen, dieses Funkeln wenn er etwas dicht auf den Fersen war. Er wollte unbedingt das sie eine Narbe bei diesem Fenig untersuchte und glaube das dieser Typ ein Entführungsopfer durch Außerirdische war, es aber nicht wusste. Vielleicht hätte sie hier die Notbremse ziehen sollen, dann wäre ihr eine Menge Ärger erspart geblieben.
Dann verschwindet Fenig plötzlich und Mulder glaubt das er der Grund ist warum das Ufo hier her gekommen ist. Fenig führte ein Zigeunerleben und Mulder glaubte nicht an einen Zufall das er in der Stadt war zum Zeitpunkt des Absturzes. Seine Entführung würde seine Ufobesessenheit erklären. Mulder war dann der Meinung wenn sie es herausfinden konnten dann auch der Colonel und machte sich auf die Suche nach seinem neuen Freund. Mulder findet ihm in einem verlassenen Warenhaus doch als Scully dort eintrifft ist Fenig wieder verschwunden und der Colonel dicht dran Mulder zu verhaften. Sie kommt ihm aber zuvor und schleift Mulder nach diesem Ereignis mehr oder weniger nach Washington zurück. Er behauptet sie gesehen zu haben und war der Meinung das einer versucht hat mit ihm zu reden. Er erzählte ihr aber nicht was es gesagt hat, er war viel zu verärgert darüber das sie ihn verhaftet hatte. Erst viel später sah Mulder ein das die alternative der Colonel gewesen wäre. Scully wusste das er die letzten 48 Stunden kaum geschlafen hatte und wollte nicht das der Colonel ein anderes Souvenir mit nach Hause nimmt. Das akzeptierte Mulder und sie vertrugen sich wieder. Fenig wurde ein paar Tage später Tod in einem Container gefunden. Das Militär vertuschte den ganzen Vorfall und konnten Mulder und sie selbst schlecht für etwas das nie statt gefunden hatte zur Verantwortung ziehen. So kam sie beide praktisch mit einem blauen Auge davon.
Zigarettenrauch schien wie die alten Rauchzeichen der Indianer in den Büros von Skinner und Co zu hängen. Das sagte fast alles. Ihre Bosse wollten die X Akten jetzt verstärkt im Auge behalten und es gab erste Stimmen das man dieses Projekt einstellen will. Im Prinzip war es immer das was Scully wollte, aber jetzt nach knapp 10 Monaten an den mysteriösen Fällen und Mulder, wollte sie das nicht mehr. Ihre Arbeit mit ihm war ihr wichtig. Sie hatte so vieles gesehen das sie nicht mehr leugnen konnte oder einfach wegsehen ließ. Ihr wichtigster Grund: Mulder, sie war wie Adam der Meinung das man ihm irgendetwas angetan hatte und das war eine Wahrheit die sie mehr als alles andere interessierte. Die X Akten konnten ihr helfen Antworten zu finden und vielleicht den Mann beschützen den sie liebt. Sie waren in diesen Monaten zu so viel geworden, das sie um den Erhalt dieser Abteilung kämpfen wird.
Zeitungsartikel machten dann Mulder auf zwei mörderische Teenager aufmerksam und es war wieder sein Informant der sie zu einem geheimen Experiment der Regierung aus der Zeit des kalten Krieges führte und so Licht ins Dunkel brachte. Man hatte sich am menschlichen Genom zu schaffen gemacht und so Adam und Eve neu geschaffen. Da Scully wegen der Ufo Geschichte im Büro mehr oder weniger unter Beobachtung stand hatte sie einen Partner/ Aufpasser für diesen Fall zur Seite gestellt bekommen und Mulder musste so in Washington bleiben. Sein Kontakt hatte ihr Zugang zu einer Anstalt verschafft wo sie die Überreste dieses Experiments sehen konnte. Eine Frau, Eve6 gehörte zu den letzten Überlebenden des ‚Lichfield Experiment’. Alle Unterlagen des Projekts hatte man längst verschwinden lassen. Sie konnte nicht verstehen wie Wissenschaftler Gott spielen konnten und ihren eigenen Supersoldaten kreieren wollten. Gesteigerte Intelligenz, Stärke, Reflexe und leider auch gesteigerte Psychosen kamen in zehn zusätzlichen Chromosomen verpackt. Eve7 und Eve8 waren geflohen und hatten durch Clonen das Experiment weiter geführt. Eve7 wurde Opfer der Teens als sie versuchte ihren Fehler wieder gut zu machen und Scullys Partner kam auf die gleiche Weise um. Die beiden Mädchen hatten sie vergiftet. Scully hatte nur das Glück ihr Getränk noch nicht angerührt zu haben als ihr Partner starb. Man wies die beiden Mädchen in dieselbe Anstalt wie Eve6 ein, damit war für sie der Fall erledigt.
Die 56 statt 46 Chromosome gingen ihr aber nicht aus dem Kopf. Gesteigerte Intelligenz, ungewöhnliche regenerative Fähigkeiten. Was wenn Mulder ein Opfer solcher Genexperimente war? Sie wollte dies genauer wissen und deshalb seine DNA testen lassen doch Mulder hatte kein Interesse. Sie gerieten heftig in Streit darüber. Die anderen Geschichten inklusive das sie ihn verhaftet hat wurden dabei wieder aufgewärmt und das Ergebnis war Mulder redete seit einer Woche nicht mehr mit ihr. Fatima nimmt all seine Telefongespräche an und wimmelt sie seit dem ab. Mulder wollte sie weder sehen noch sprechen. Scully wusste nicht was sie noch tun könnte. Nächsten Samstag war der FBI Ball und sie wusste nicht einmal ob er immer noch mit ihr dort hingehen wird oder sie sich einen anderen Begleiter suchen soll. Zu allem Ärger findet dieser dämliche Ball auch noch im Hilton statt. Sie vermisste ihn, wollte ihren Mulder wieder haben. Sie konnte nicht verstehen warum er so reagiert hat, sie wollte ihm doch nur helfen. Ein Vergleich seiner DNA mit dem was sie von Eve6 erfahren hatte, könnten sie der Lösung des Rätsels ein Stück näher bringen.
So saß sie jetzt auf ihrer Couch und überlegte was sie tun konnte. Eine Woche ohne ihn, so lange war er selbst nach dem sie ihn verhaftet hatte nicht wütend auf sie gewesen. Was sollte sie machen?
FBI HQ, Washington
Montag, 14.12.1992 9:00 h
Scully wunderte sich warum sie ins Büro von AD Skinner bestellten worden war. Sie hatte zurzeit keinen Fall und war wieder einmal an die VCU ausgeborgt worden. Autopsien, Berichte schreiben und Kaffee kochen waren die Aufgaben für die sie man dort zu brauchen schien. Als sie Skinners Büro betrat war er nicht allein. Eine brünette Frau Mitte dreißig war anwesend und saß wie sollte es anders sein auf ihrem Platz. Ihr blieb nichts anderes übrig als den anderen freien Platz zu wählen. „Agent Dana Scully, das ist Inspector Phoebe Green von Scotland Yard.“ Stellte Skinner die andere Frau vor. Scotland Yard? DAS Scotland Yard? Scully’s Neugierde war geweckt. „Agent Scully es freut mich sie kennen zu lernen und ich freue mich schon auf unsere Zusammenarbeit.“ Ms. Green reichte ihr die Hand. „Die Freude ist ganz meiner seits.“ Spielte sie mit als sie die Hand der anderen Frau schüttelte. „In England sind in den letzten Monaten bereits 3 Parlamentsmitglieder bei Terroranschlägen ums Leben gekommen. Der MO war bei allen im Prinzip Tot durch Verbrennung. Der Täter schickt Briefe an die Witwen seiner Opfer. Vor einen Monat bekam auch Malcom Marsden’s Ehefrau so einen Brief. Ihr Ehemann hatte aber Glück er entkam dem Feuer das man in seiner Garage gelegt hatte. Scotland Yard hat nun um Zusammenarbeit mit dem Büro gebeten um Mr. Marsden Leben zu schützen. Wir haben ihn in einem sicheren Haus auf Cape Cod untergebracht. Wir möchten das sie Agent Scully bei diesem Fall die Interessen des Büro vertreten und Scotland Yard bei ihrer Arbeit unterstützen. Alles weitere erfahren sie von Inspector Green.“ Erklärte Skinner die Angelegenheit und Scully fühlte sich plötzlich zum Babysitter degradiert. „Wie sie wünschen Sir.“ Damit war sie entlassen und wurde von Inspector Green nach draußen begleitet.
Hotel Hilton, Washington
Montag, 14.12.1992 11:55 h
Mulder war nicht wirklich zufrieden mit seinem Leben. Seit dem Streit mit Scully hatte er sich in seine Arbeit vergraben. Die Übernahme der Geschäfte war praktisch vollzogen. Das Vermögen in Spanien war auf die Verwalter in Algerien und Schweiz aufgeteilt worden. Akims Sohn war jetzt für die Golfregion zu ständig und Mulder konnte einige finanzielle Löcher stopfen. Das Unternehmen machte Gewinn, das Aktiengeschäft blühte. Er sollte zu frieden sein doch ohne Scully an seiner Seite machte es ihm kein Spaß. Mulder konnte sich nicht daran erfreuen. Ihm fehlte Scully. Er hatte sich wie ein Idiot verhalten und wusste nicht wie er das wieder gerade biegen sollte. So widmete er sich lieber Tag und Nacht den Geschäften um nicht darüber nachdenken zu müssen.
Er trug seinen grauen Lieblingsanzug und hatte gerade ein Termin bei Roberts dem Filialleiter seiner Bank hinter sich und freute sich auf das Mittagessen mit Fatima. Sie hatten sich einen Tisch hier im Hotelrestaurant reserviert. Die junge Araberin musste bereits auf ihn warten, wie immer wenn er von einem Gespräch mit Mr. Roberts kam war er spät dran. Wie dieser Mann es schaffte sich Stundenlang über nichts anderes als Geld und Anlagemöglichkeiten zu unterhalten war Mulder ein Rätsel. Da schätzte er doch die Gespräche mit seinen arabischen Geschäftspartnern. Die hatten noch Frauen, Pferde und Kamele als Themen zu bieten und seit Mulder Reitunterricht nahm, unterhielt er sich ausgesprochen gern über Pferde und Pferdesport. Er ging mit Fatima dreimal wöchentlich zum Reitunterricht. Wie der Zufall will haben Mr. Webster und seine Tochter ihre beiden Reitpferde im selben Reitstall untergebracht und so sieht man sich dort öfters an den Wochenenden. Eigentlich kein Zufall, er war sich sicher das Akim sich die Informationen von Mr. Webster geholt hatte und auf seine Empfehlung vertraut hat als er den Reitkurs buchte. Mulder hat schon überlegt ob sie sich nicht auch zwei eigene Pferde an schaffen und dort zur Pflege geben. Fatima war eine begeisterte Reiterin und hatte sich schnell mit Timberley angefreundet. An den Wochenenden reiten sie oft gemeinsam aus, während Mulder seine Reitstunde nimmt.
„Hallo, Fatima. Entschuldige es hat heute wieder einmal etwas länger gedauert.“ Machte er sich am Tisch bemerkbar. Sie saß bereits am Tisch und hatte schon für sie beide bestellt als er ankam. „Das macht doch nichts.“ Sie lächelte ihn an und machte eine Geste mit der Hand so als würde sie es einfach vom Tisch wischen, schubsen. „Danke.“ Ein Glas Eistee wartete schon auf ihn und sie hatte für ihn den Weißfisch in Dillsoße mit Reis bestellt. Sie nahm nur einen bunten Salat zum Mittag. Zum Nachtisch sollte es Schokoladenkuchen geben, das Klang für Mulder ausgezeichnet. Er hatte sich angewöhnt in ihrer Gegenwart auf gewisse Dinge wie Schweinefleisch oder Alkohol zu verzichten, so wählte er meistens Fisch wenn sie zusammen Mittag essen. Sie hatten es sich zur Angewohnheit gemacht einmal in der Woche gemeinsam Mittag zu essen und Montag war für beide der beste Tag dafür. Sie hatte nur nachmittags Vorlesungen und er hatte sich den Montag generell als Geschäfts- / Bürotag eingerichtet und kümmerte sich hier um Termine mit der Bank, Investoren und so weiter. Es war gut wenn man den Leuten wenigsten einen Zeitpunkt gab wo sie ihn garantiert erreichen konnten und er nicht gerade irgendwo unterwegs war. „Wie war die Besichtigung?“ fragte er sie nach dem das Essen serviert war. Sie hatte sich heute im neuen Haus umsehen wollen und den Fortschritt bei den Malerarbeiten zu begutachten. „Gut. Deine Büroräume sind fast fertig eingerichtet. Die Sicherheitsanlage ist fertig installiert und ans System der Sicherheitsfirma an geschlossen. Der Wirtschaftsbereich sowie die Unterkünfte des Personals sind fertig. Im Wohnbereich sind nur noch wenige Malerarbeiten, der Kamin ist seit heute betriebsbereit und Akim hat der Innenarchitektin grünes Licht gegeben. Du wirst die Villa nicht wieder erkennen.“ Faste sie kurz zusammen was sie heute gesehen hatte. Natürlich blieb sie sparsam mit Details. Die beiden Araber wollten das alles bis zum Einzug im Januar ein großes Geheimnis für Mulder bleibt.
„Dann können wir Januar tatsächlich einziehen?“ Im Prinzip war das die einzige Frage auf die er eine Antwort erwarten konnte wenn es ums Thema Haus ging. „Ja. Dem Einzug Anfang Januar steht nichts im Weg.“ Fatima und Akim würden die Feiertage und den Jahreswechsel in ihrer Heimat Bahrain verbringen. Der Tag ihrer Rückkehr war als Einzugstermin geplant, da auch das gesamte Dienstpersonal auf das die beiden Araber bestanden haben an diesem Tag mit anreist. Die Villa in Bahrain benötigte nicht mehr so viele Dienstleute so brachte man ein paar mit ins neue Haus. „Wenn das nicht Fox Mulder ist.“ Mulder verschluckte sich fast und schaute sich um. Er kannte diese Stimme mit britischem Akzent. „Fatima, darf ich dir eine alte Bekannte vorstellen. Das ist Phoebe Green. Phoebe das ist Fatima Sudahli.“ Er stellte sie vor als sie mehr oder weniger ungefragt am Tisch Platz nahm. Es folgten die üblichen Höflichkeitsfloskeln und Mulder hatte so ein bisschen Zeit diesen Schock zu verdauen. Diese Frau hatte sich scheinbar nicht verändert. „Was führt dich in die Kolonien?“ Wenn man diese Frau kennt hört man auf an so etwas wie Zufall zu glauben.
„Arbeit, Fox. Scotland Yard und das FBI kooperieren an einem Fall. Ich vertrete unsere Interessen, aber auch ich habe jemanden dem ich Bericht erstatten muss und der hat ein Zimmer hier im Hilton. Ich bin mit ihm zum Essen verabredet und wer läuft mir hier über Weg? Mein alter Freund Fox Mulder.“ Die Agenten vom FBI taten ihm jetzt schon Leid, vielleicht sollte er Scully warnen damit sie rechtzeitig in Deckung ging. „Welch ein Zufall. Ich hoffe du musst nicht mehr lange auf deinen Chef warten.“ Er war mit dem Fisch fertig und überlegte ob er auf den Kuchen verzichten und lieber das Weite suchen soll. „Das hoffe ich auch. Was machst du so Fox? Von dir hört man ja gar nichts mehr.“ Mulder musste kurz überlegen was er darauf antworten sollte. Das er hin und wieder dem FBI auf die Füße tritt wollte er ihr nicht gerade erzählen. „Langweilige Sachen. Hauptsächlich Börsengeschäfte.“ Fatima schien sich bei dieser Antwort das Lachen gerade so unterdrücken zu können. „Börse? Du und Aktiengeschäfte? Kannst du dabei überhaupt etwas verdienen?“ Das hatte ihm gerade gefehlt. „Ich würde sagen, ich kann ganz gut davon Leben. Aber im nächsten Jahr möchte ich wieder eine Praxis aufmachen.“ Er ging nicht weiter auf die kleine Beleidigung in ihren Worten ein.
Der Nachtisch wurde serviert und Mulder bestellte sich noch einen Cappuccino dazu. „Fatima, ich fahr nachher nach Arlington raus. Kann ich dich beim College absetzen?“ Es hatte mit ihren Abschlüssen hier keine Probleme gegeben und sie war direkt ins Semester am Mt. Vernon College eingestiegen. Sie hatte sich vorerst nur halbtags eingetragen weil sie nebenbei noch Land und Leute kennen lernen möchte. Erst im nächsten Jahr wollte sie sich für eine Richtung festlegen und dann ganztags das College besuchen. „Das wäre nett. Danke Mulder.“ Es gab hier ein guten Fahrservice, aber heute war ihm danach. „Sie studieren noch?“ Phoebe tat so als würde sie jetzt erst das alter seiner Tischdame bemerken. „Ja. Ich mache zurzeit eine Art Orientierungsjahr. Ich weiß noch nicht genau was ich möchte und nutze die Zeit um mich umzusehen.“ Antwortete sie bevor Mulder es konnte. „Bevor sie sich festlegen würde ich ihnen empfehlen auch einen Blick auf das Angebot in England zu werfen. Ich habe meinen Abschluss in Oxford gemacht und ich bin mir sicher das auch Fox es wärmstens empfehlen kann.“ Mulder unterdrückte nur ein Stöhnen. „Ich bin vor Oxford in Harvard gewesen. Das kann ich auch empfehlen.“ Mischte sich Mulder ein. „Danke für die Empfehlung Ms. Green. Ich werde bestimmt ein Blick auf das Angebot werfen.“ Fatima blieb freundlich.
Phoebes Verabredung kam endlich und sie verabschiedete sich. Mulder war mit dem Essen in zwischen fertig und trank noch gemütlich seinen Cappuccino aus. Er musste sich noch umziehen. Bei der Gelegenheit viel ihm ein das er Scully vielleicht eine Warnung geben sollte. „Hallo. Special Agent Dana Scully am Apparat.“ Meldete sie sich am Telefon. „Hi Scully ich bin’s. Ich hatte gerade eine Begegnung der dritten Art. Phoebe Green ist in der Stadt und sie plant mit dem FBI an einem Fall zusammen zu arbeiten. Wenn du kannst empfehle ich dir ihr aus dem Weg zugehen.“ Ihm kamen langsam Zweifel ob das so eine gute Idee gewesen war. „Dann bist du zu spät. Skinner hat mir den Fall bereits aufs Auge gedrückt. Du kennst den reizenden Inspector Green?“ Sie schien ihn damit nicht vom Harken zu lassen. „Leider. Aus meiner Zeit in Oxford. Sagen wir einfach ich war jung und ausgesprochen dämlich. Pass auf mit ihr. Sie liebt diese kleinen Spielchen und kann mehr als nur Kopfschmerzen damit verursachen. Ihr Chef scheint im Hilton untergekommen zu sein, so hatte ich das Vergnügen sie wieder zu sehen.“ Er wollte es dabei belassen. „Danke das du an mich gedacht hast. Ich werde aufpassen. Mulder? Können wir Reden und diesen dummen Streit nicht einfach vergessen?“ Sie sprach ihm aus der Seele. „Einverstanden. Ich fahre gleich zu Roy, er hat da etwas das ich mir anschauen soll. Wie wär’s wen wir uns heute Abend treffen? Ich bring die Pizza mit oder Chinesisch wenn du willst.“
„Chinesisch. Bei mir um 19:00 Uhr?“ Mulder war erleichtert das sie einverstanden war. „Okay.“ Sie verabschiedeten sich und Mulder zog sich schnell um. Es wurde Zeit, Fatima musste schließlich zu ihrer Vorlesung. Sie mussten sich auf dem Weg ein klein wenig beeilen. Er setzte sie in Foxhall am College ab und fuhr dann nach Arlington zu Roy.
FBI HQ, Washington
Montag, 14.12.1992 15:00 h
Scully hatte sich durch die Akten aus London durch gearbeitet, es war Zeit das Inspector Green kommt. Sie hatte darauf bestanden dabei zu sein wenn Scully zu dem Fall einen der Brandstiftungsermittler des FBIs konsultiert. Es war ihr ein Rätsel wie man bei der Vergabe dieses Auftrags ausgerechnet auf sie gekommen ist. Ihre Kollegen aus der Abteilung Brandstiftung wären wohl besser für diesen Fall geeignet als sie. Mulder’s Anruf beunruhigte sie auch. Er kannte diese Green und hatte offenbar seine eigene Geschichte mit ihr zu erzählen. Sie kann aber nicht besonders gut sein wenn er eine Woche Funkstille bricht nur um sie vor dieser Phoebe Green zu warnen. Wenigsten redeten sie wieder und heute Abend würde sie nutzen um diese dumme Sache ein für alle man aus der Welt zu schaffen.
„Schickes Büro.“ Unterbrach ihre Tagträume, die britische Polizeibeamtin war endlich eingetroffen. „Man hat hier seine Ruhe. Sie sind spät.“ Scully hatte keine große Lust, aber was soll’s mögen die Spiele beginnen. „Ich habe noch einen alten Bekannten getroffen.“ Sie lächelte und wirkte leicht abwesend als würde sie in Erinnerung schwelgen. „Mulder. Ich habe die tolle Nachricht schon gehört. Ihr Chef ist also im Hilton untergekommen? Der FBI Ball dieses Jahr findet dort statt. Sie haben wohl nicht vor so lange zu bleiben?“ Bitte nicht, es könnte ihr die Woche versauen. „Hier scheinen sich Gerüchte ausgesprochen schnell zu verbreiten.“ Sie wirkte aber nicht sonderlich überrascht. „Ich hatte vorhin mit Mulder telefoniert, da hatte er es erwähnt. Ich war etwas überrascht das sie beide sich kennen.“ Angriff war immer noch die beste Verteidigung. „Aus Oxford. Ein lange Geschichte, gut 10 Jahre her. Wir haben uns aus den Augen verloren und ich war wirklich erfreut ihn nach so langer Zeit wieder zu sehen. Wie lange kennen sie ihn?“ Oh ja, Scully konnte das glauben. „Ein paar Monate. Er steht meiner Abteilung als Berater zur Seite.“ Scully war sich sicher das der Inspector diese Information bereits hatte. So viele Zufälle an einem Tag waren nur schwer zu verdauen. Also warum nicht mit halb offenen Karten spielen? „Apropos Berater. Gut das sie das erwähnen. Ich glaube unserer wartet längst.“ Meinte sie nur und ließ sich dann von Scully den Weg zeigen.
Scully’s Wohnung, Georgetown
Montag, 14.12.1992 19:05 h
Der Nachmittag hatte nicht schnell genug vorbei sein können. Es war kein angenehmer Auftrag und Ms Green hatte es auch nicht leichter gemacht. Mulder saß bereits am Esstisch und das Hühnchen süß sauer duftete im ganzen Raum. Es fehlten nur noch Teller und Besteck. Sie hatte frischen Eistee gemacht und brachte alles an den Tisch. Sie aßen gemütlich und unterhielten sich darüber was sie so die letzte Woche gemacht hatten. Keiner wollte sich anmerken lassen wie mies sie sich dabei gefühlt hatten. Sie hatten wohl angst sich zu verbrennen und tänzelten so um die heißen Stellen herum während des Essens. Es war erst als sie beide mit dem Nachtisch ins Wohnzimmer gingen und es sich auf der Couch bequem machten, dass sie darüber sprachen. „Es tut mir wirklich Leid das ich so aus der Haut gefahren bin. Aber du musst verstehen das es mir Angst macht. Tests bringt in der Regel eine Menge Papier mit sich und das fällt mehr als oft in die falschen Hände.“ Begründete er sein Verhalten ihr gegenüber. „Ich wollte dir wirklich nur helfen. Ich hatte es nur durch die Augen eines Wissenschaftlers betrachtet. Deine Gefühle vollkommen vergessen. Das tut mir Leid und du musst mir glauben das ich dir niemals schaden oder deine Gefühle verletzen möchte.“ Sie hatten an dem Abend beide Fehler gemacht und so akzeptierten sie die Entschuldigung des jeweils anderen. Sie waren beide dumm gewesen. „Ich liebe dich.“ Er küsste sie sanft auf die Lippen und sie erwiderte seinen Kuss.
Der Streit war damit erstmal zu den Akten gelegt und man unterhielt sich über Samstagnacht. Den FBI Ball und ob sie nicht das Wochenende mit ihm verbringen wolle. Das Penthouse besaß immer hin noch ein zweites Gästezimmer. Sie war der Idee nicht abgeneigt wollte aber lieber woanders die Nacht verbringen. Sie dachte da an einen schönen warmen Körper dicht an sie gekuschelt. Ihre letzte gemeinsame Nacht war immerhin schon länger als eine Woche her. „Was hatte Rob dir heute so dringendes zu zeigen?“ wollte sie nach einer Weile wissen. „Ein paar Zeitungsartikel. Es sieht so aus als ist jemand Richtung Washington unterwegs. Es gab da eine Serie von Enthauptungen in verschiedenen Städten. Die Polizei tappt im Dunkeln. Alle Opfer männlich, wurden vor ihrem Tod noch in Bars und Nachtclubs gesehen. Dort haben sie scheinbar eine Bekanntschaft gemacht und sind zu zweit gegangen. Am nächsten Morgen wurden die Männer in der Regel von den Zimmermädchen in Hotels tot aufgefunden. Es gibt scheinbar keine Zusammenhänge zwischen den Opfern. Die Zeitungen verkaufen das übrigens unter der Überschrift ‚Schwarze Witwen Morde’. Sechs Enthauptungen bisher.“ Faste er kurz zusammen was Roy zu berichten hatte. „Sie haben etwas gemeinsam, oder? Hohe Lebenserwartungen?“ Er nickte nur auf ihre Frage bestätigend. „Kindergarten- Morde, wie Roy sie nennt. Die Opfer waren noch verhältnismäßig jung und scheinen ohne Anzeichen auf Widerstand getötet worden zu sein.“ Jung? Das addierte Mulder zur Zielgruppe des Täters und Roy war so nett ihn zu warnen. Sie lockte ihre Opfer wohl in irgendeine Art von Hinterhalt und tötete sie wenn sie wehrlos waren. Scully würde sich gleich morgen früh die Unterlagen zu den einzelnen Fällen besorgen.
„Du bist vorsichtig okay. Ich schau Mal nach ob ich mehr zu diesen Fällen in Erfahrung bringen kann.“ Meinte sie nach kurzem überlegen. „Bin ich doch immer. Wie war dein Tag mit Phoebe?“ Auch er machte sich um sie sorgen und traute der Engländerin nicht. „Ich fürchte sie probt für ihre eigene Bostener Teeparty. Ich kann selbst nicht verstehen warum ich an diesem Fall bin. Brandstiftung. Drei Mitglieder des britischen Parlaments sind bei lebendigem Leib verbrannt. Scotland Yard hat nichts gefunden was erklären könnte wie diese Männer in Brandt geraten sein könnten. Keine Spuren die auf irgendetwas hindeuten. Wir haben heute Nachmittag mit einem unserer Experten gesprochen. Nach seiner Meinung müssen die Opfer erst einmal mit einem Brandbeschleuniger in Kontakt gebracht worden sein, weil der menschliche Körper nicht so verbrennen würde. Etwas das sehr heiß verbrennt und somit keine Spuren hinterlässt. Sein Tipp dazu war eine Art Raketentreibstoff. Wie die Körper aber in Brandt geraten sind, konnte auch er sich nicht erklären.“ Beschrieb sie kurz die Ergebnisse des Tages. „Der Täter ist vielleicht jemand der Feuer erzeugen, manipulieren kann. Es gibt Fälle in den Pyrokinese dokumentiert und beschrieben wurde. Das könnte bedeuten das euer Täter im dichten Umfeld der Opfer zu finden ist. Während der Tat wahrscheinlich in der Nähe war. Wenn ein Brandbeschleuniger verwendet wird muss dieser erstmal an den Körper gelangen. Die Kleidung könnte mit dem Zeug getränkt worden sein oder es kam vielleicht über Pflegeprodukte, ne Creme oder ähnliches auf die Haut. Ich schätze mal das hängt davon ab welchen Geruch der Brandbeschleuniger hat und er ihn am besten überdecken kann. Ich glaube niemand übergießt sich freiwillig mit Benzin und läuft damit durch die Gegend. Der Täter könnte Zugang zu solchen Dingen gehabt haben und deshalb zum dichteren Umfeld gehören wie das Hauspersonal.“ Mulder’s Neugierde war geweckt und der Ermittler in ihm war angesprungen. „Pyrokinese? Ich weiß nicht, aber ich vermute du hast recht damit das der Täter Zugang zu seinen Opfer hatte. Ich werde mir Morgen die Liste ihrer Angestellten schicken lassen und mal nach schauen ob dort ein Name mehrfach auftaucht.“ Scully würde der Spur auf alle Fälle nachgehen.
„Wie kommt es das FBI und Scotland Yard an diesem Fall zusammen arbeiten?“ hakte er nach. „Ein viertes Opfer hatte einem Anschlag in seiner Garage knapp entkommen können. Zu seiner Sicherheit hat man ihn mit seiner Familie hier in Cape Cod untergebracht. Das FBI kümmert sich mit um seinen Schutz.“ Scully blieb wage, gab ihm nur wenig Informationen. „Malcom Marsden, oder?“ Sie schaute ihn jetzt an als wäre ihm ein zweiter Kopf gewachsen. Sie hatte den Namen nicht einmal erwähnt. „Morgen Abend findet ihm zu ehren eine Party in Bosten statt und er ist der einzige Engländer von dem ich weiß das er in Cape Cod erwartet wurde. Sollte gestern oder heute eingetroffen sein.“ Erklärte er schnell seine Schlussfolgerung. Sie schaute ihn immer noch so an. „Woher weißt du das alles? Ich war der Meinung das FBI würde Personenschutz etwas diskreter behandeln.“ Sie wollte wissen ob es eine undichte Stelle gab „Mr. Webster hat es mir am Sonntag beim Kaffee erzählt. Ein anderer Bekannter den ich dort auch getroffen habe ist Makler, er hat nicht nur mein Haus gefunden sondern war auch auf der Suche nach einem Ferienhaus für Sir Marsden und seiner Familie und wie der Zufall will, konnte er etwas Passendes in Cape Cod finden. Der Rest lief dann soweit ich weiß über den Hausverwalter ab.“ Manchmal konnte er ihr den Tag versauen. Wie sollte sie das ihren Vorgesetzten erklären. Das wahrscheinlich jeder Idiot auf der Strasse inzwischen weiß, wo man diesen Kerl finden kann.
„Das ist wirklich interessant, Mulder. Du bist nicht zufällig auf diese Party eingeladen?“ Das war das einzige was ihr noch fehlte. „Ich kann hingehen wenn du das möchtest. Aber auf der Gästeliste stehe ich noch nicht. Solche Anlässe sind mir eigentlich zu wieder und eher etwas für meine Mutter.“ Gut wenigstens etwas. Sie wollte nicht das Mulder und dieser Marsden an ein und dem selben Ort sind solange dieser Fall nicht abgeschlossen ist. „Gut. Tu mir den gefallen und gehe bitte nicht hin. Diese Party könnte ein feuriges Ende nehmen.“ Machte sie ihren Sorgen etwas Luft. „Das kann ich versprechen. Es gibt da etwas was ich dir vielleicht erzählen sollte. Ich hasse Feuer und es gibt nichts was ich lieber damit tue als mich fern davon zu halten.“ Mulder hatte Angst vor Feuer? „Dann ist es mir um so wichtiger das du nicht dort erscheinst und ich rechne damit das du dich an dein Versprechen hältst.“ Sie würde Mulder bestimmt nicht weiter in diese Ermittlungen hineinziehen. Diese Phoebe Green weiß wahrscheinlich auch darüber Bescheid oder wurde Scully langsam paranoid? Sie würde um ihr Ballkleid wetten, das man ihr diese Ermittlungen gegeben hat weil man damit rechnete das sie Mulder in den Fall bringen würde. Diese Green spielt mit ihnen beiden ihr Spiel und sie blöde Kuh spielt auch noch mit. Scully war plötzlich mehr als nur wütend und das nicht nur auf die Britin.
FBI HQ, Washington
Dienstag, 15.12.1992 9:00 h
„Wir können davon ausgehen das der Standort bereits kompromittiert ist, Sir.“ Sie war zusammen mit Inspector Green in Skinners Büro. Scully hatte es für wichtig gehalten ihn direkt zu informieren, besonders nach dem Vorfall in Hennesey’s Bar, Cape Cod letzte Nacht. „Wie komme sie darauf Agent Scully?“ Es klang mehr als nur Sarkasmus in Skinners Frage mit. „Nun ich hatte gestern Abend ein interessantes Gespräch mit Mulder. Nach ihm war Sir Marsden Ankunft schon am Sonntag Tagesgespräch neben dem Pferdesport.“ Meinte sie in ihrer ruhigen professionellen Art. „Sie diskutieren diesen Fall ohne sich vorher mit mir abzusprechen, mit einem Zivilisten?“ mischte sich Green empört ein. „Nein. Mister Mulder ist bereits mehrfach für das FBI als Berater tätig gewesen. Aber in diesem Fall hatte ich nicht einmal den Namen von Sir Marsden erwähnen müssen. Wir kamen darauf als er mir von seinen letzten Reitstunden erzählte und was zurzeit in den höheren Kreisen geredet wird. Mulder kommt aus Massachusetts, Martha’s Vineyard um genau zu sein. Bekannte von ihm gehen morgen zu dieser Party und er hat sein Haus zufällig über demselben Makler gekauft.“ Ging Scully in die Verteidigung. „Ladies, selbst wenn Agent Scully mit Mr. Mulder über diesen Fall gesprochen hätte, sehe ich hier kein Problem. Das Büro ist gern bereit die Kosten für Mr. Mulders Beratertätigkeit zu übernehmen wie wir es schön des Öfteren getan haben, sollte er sich entschließen an diesen Ermittlungen mit zu wirken.“ Versuchte Skinner den Streit zu schlichten und seiner Agentin den Rücken frei zu halten.
„Sir, nach den Ereignissen in dieser Bar können wir davon ausgehen das der Täter den Marsden’s hier her gefolgt ist. Der Täter lässt sich vermutlich im näheren Umfeld finden. Ich habe bereits eine Anfrage an Interpol geschickt und um eine Liste aller Angestellten die für die Opfer tätig waren gebeten. Ich plane diese mit den Daten der Einwanderungsbehörde zu vergleichen. Eine Überprüfung aller Hausangestellten in Cape Cod sollte ebenfalls durchgeführt werden. Inspector Green könnte sich in der Zwischenzeit um die Ereignisse der letzten Nacht in dieser Bar kümmern. Vielleicht gab es Zeugen die uns eine Beschreibung des Täters geben können. Dies wäre für spätere Vergleiche nützlich.“ schlug Scully als weitere Vorgehensweise vor. „Einverstanden. Informieren sie mich sobald sie Ergebnisse haben.“ Entließ AD Skinner die beiden Frauen. Sie verließen sein Büro gemeinsam. Erst im Fahrstuhl, ging ihre Unterhaltung weiter. „Reiten, Verabredung mit einer College Studentin. Ich wusste gar nicht das Fox sich so verändert hat.“ Bemerkte Phoebe mit einem leicht amüsierten Unterton. „Zehn Jahre sind eine lange Zeit. Ich bezweifle aber das er sich verändert hat, sie haben ihn nur nicht richtig gekannt.“ Meinte Scully im ernsten Ton.
„Das glaube ich nicht. Werden wir ihn als Berater für diesen Fall einstellen?“ Wechselte sie das Thema. „Es ist seine Idee den Täter im nahen Umfeld zu suchen, desweiteren glaubt er das wir es mit jemanden zu tun haben der pyrokinetisch veranlagt ist und nach der Geschichte von letzter Nacht will ich diese Möglichkeit nicht mehr ausschließen. Ich glaube das reicht für den Anfang. Mehr wollte er mit diesem Fall nicht zu tun haben.“ War Scully’s Antwort auf die Frage. „Interessieren ihn solche Phänomene neuerdings nicht mehr?“ Sie betonte das ‚neuerdings’ als wäre es ein weiterer Beweis das er sich verändert hätte. „Sie interessieren ihn. Nur Mulder hasst Feuer immer noch genauso wie er es wahrscheinlich schon vor 10 Jahren nicht leiden konnte.“ Begründete sie die Entscheidung, ließ damit aber offen ob es seine oder ihre war. „Feuer? Das ist kein Grund, ein Fall abzulehnen. Wie schafft er es da seinen Vertrag zu erfüllen?“ Sie schien einen neuen Grund gefunden zu haben. „Gar Nicht. Es gibt kein Vertrag. Mulder sucht sich die Fälle aus an den er mitwirken möchte. Er arbeitet mit mir an den X Akten, das genügt ihm.“ Worauf lief dieses Gespräch hinaus? Sie hatte sich jetzt den ganzen Weg zu ihrem Büro diesen Schwachsinn anhören müssen und wollte sich nun um ihre Arbeit kümmern.
FBI HQ, Washington
Dienstag, 15.12.1992 17:30 h
Es war ein langer Tag gewesen und sie freute sich auf den Abend mit Mulder. Ihre Recherchen führten sie zu möglichen Chemikalien die sich als Brandbeschleuniger eigneten, dabei aber kaum Spuren hinterließen und sie hatte von Interpol eine Liste mit mehr als 200 Namen erhalten, durch gearbeitet und anschließend mit den Daten der Einwanderungsbehörde verglichen. Der Name Cecil L’Ively war am Ende übrig geblieben. Er hatte für zwei der Opfer als Gärtner gearbeitet und welch Überraschung ist vor 2 Wochen in die Staaten gekommen. Die Überprüfung des Namens Cecil L’Ively war im Prinzip eine Sackgasse. Zwei Personen mit diesem Namen kamen bei der Suche zum Vorschein, beide tot. Der eine war als Kind 1963 Opfer eines Satankults und der andere verstarb 1971 bei einem Feuer in London. Sie fragte dann Interpol nach einem Bild von Cecil L’Ively und faxte dies dann mit ihren Ergebnissen zu Green und dem FBI Büro in Boston. Damit sie es bei der Zeugenbefragung verwenden konnten.
Boston hatte inzwischen bestätigt und die Fahndung nach dem Mann heraus gegeben, doch von Inspector Green war bisher keine Meldung zurückgekommen und Scully machte sich sorgen. Sie versuchte die Britin telefonisch zu erreichen, bekam aber nur zuhören das sie zusammen mit Marsden’s Familie bereits in Bosten sein muss. Das Venerable Plaza Hotel konnte ihr auch nicht weiter helfen. Es war als wollte die Frau nicht erreicht werden, man schien sie nur abwimmeln zu wollen. Es blieb ihr wohl nichts anderes übrig als selbst nach Bosten zu fliegen. Aber zuvor hatte sie noch etwas zu erledigen. „Mulder.“ Meldete er sich am Telefon. „Hi, ich bin es Scully. Ich muss unseren Abend leider absagen. Inspector Green geht nicht ans Telefon, so werde ich wohl nach Boston fliegen und mit ihr persönlich reden müssen.“ Scully war wütend, sie hatte nicht wirklich Lust wegen ihr den geplanten Abend abzusagen. „Du hast also herausgefunden wer da hinter steckt?“ Mulder klang neugierig und leicht verärgert. „Ich habe ein Namen und ein passendes Gesicht dazu. Unser Büro in Bosten hat bereits bestätigt das er als Verdächtiger in Frage kommt. Zeugen wollen ihn in der Bar gesehen haben als es in Flammen aufging. Sie haben die Fahndung bereits eingeleitet, doch habe ich bisher kein Wort von Green. Der Täter könnte inzwischen im Hotel auf dieser Party sein.“ Wie konnte sie Scully diesen Abend versauen?
„Willst du, dass ich dich begleite? Wir könnten den Abend genauso gut in Boston verbringen.“ Sein Vorschlag war nur halb ernst gemeint, das wusste sie, trotzdem führte es sie in Versuchung. „Netter Versuch Mulder. Wir verschieben es auf morgen Abend, okay?“ Versuchung ja, aber seine Sicherheit hatte dann doch Vorrang und nicht auszudenken was Skinner dazu sagen würde. „Ehm. Das mit Morgen geht leider nicht. Ich bin mit Roy fischen.“ Etwas gefiel ihr an der Sache nicht. „Es tut mir leid aber ich muss los. Wir reden Morgen noch einmal darüber.“ Sie hatte eine böse Vorahnung, sie würde sich auf alle Fälle Morgen darum kümmern. „Einverstanden, ruf an wenn du zurück bist. Bye.“ Er war nicht seine Art so schnell zu zustimmen. Da war etwas im Busch. „Bye.“ Sie würde es herausfinden, so leicht kommt er ihr nicht davon. Aber jetzt hatte sie einen Flug zu erwischen.
Scully’s Wohnung, Georgetown
Mittwoch, 16.12.1992 8:00 h
Es war eine lange Nacht gewesen. Als Scully in Bosten eintraf, konnte sie gerade miterleben wie das Feuer anfing. Alle konnten noch rechtzeitig gerettet werden. Der Fahrer der Marsden’s war der Held des Abends weil er die beiden Kinder gerettet hat. Das hatte sie zu mindestens gehört. Sie blieb bis das Feuer unter Kontrolle war und half bei der Befragung der Zeugen bis sie die Gelegenheit bekam mit Inspector Green zu sprechen. Die Familie war in der Zwischenzeit nach Cape Cod zurückgekehrt. Green behauptete ihr Fax nicht bekommen zu haben und als Scully ihr das Foto zeigte war auch klar warum sie es nicht zusehen bekommen hatte. Der Brandstifter war kein anderer als der vermeintliche Hausverwalter. So waren sie hinterher gefahren und konnten gerade noch schlimmeres verhindern. Mr. L’Ively zog sich dabei schwere Brandwunden zu, überlebte aber wie durch ein Wunder. Mulder hatte mit seiner Theorie wieder einmal recht gehabt. Damit war für Scully der Fall abgeschlossen, Phoebe Green hoffentlich auf den Weg nach London und sie konnte sich ihrer Lieblings X Akte zu wenden, Mulder.
Sie kam gerade erst aus Boston zurück und hatte sich den Rest des Tages frei genommen. Ein paar Stunden Schlaf und dann würde Mulder ihr erklären können was er unter fischen versteht. Das Mulderingefahrwarnsystem das sie scheinbar in letzter Zeit entwickelt hatte, sagte ihr deutlich das sie Beide nicht das Selbe darunter verstanden. Aber erst einmal ein paar Stunden Schlaf waren angesagt so ließ sie ihre Tasche einfach beim Eingang stehen und ging nach einem kurzen Besuch im Bad ins Bett. Sie hatte ihm gestern Abend schon eine Nachricht an der Rezeption hinterlegen lassen, so das er wusste das es ihr gut ging und sich keine Sorgen um sie machte.
Mulder’s Penthouse, Hotel Hilton
Mittwoch, 16.12.1992 15:00 h
Scully war etwas überrascht gewesen das sie Mulder in seinem Hotel angetroffen hat. Den Mittwochnachmittag verbrachte er oft bei Roy wenn er nicht mit Scully unterwegs war um mit ihm zu trainieren. Doch heute war er hier und über irgendwelche Zeitungsausschnitte und andere Papiere vertieft. Er hatte sie bei Scully’s Ankunft weggeräumt so das sie den Inhalt nicht kannte. Jetzt saßen sie gemütlich auf der Couch bei Kaffee, Scully hatte sich dazu ein paar Sandwichs bestellt und Mulder bevorzugte den Apfelkuchen zum Kaffee. Sie hatte ihm von Boston erzählt und wie sie L’Ively verhaften konnten. Das der Mann in der Tat in der Lage war Feuer zu erzeugen und das man ihn nun im Krankenhaus speziell und vor alles Feuersicher untergebracht hat. Es war Zeit langsam auf das eigentliche Thema zu kommen. „So wo wollt ihr heute fischen gehen?“ Nachtangeln, das konnte Mulder einer langbeinigen Blonden erzählen, aber nicht ihr. „Ehm. In Fina’s Nachtclub, die haben mittwochs Cocktails zum halben Preis.“ Nachtclub? Er wollte doch nicht etwa? „Das ist doch nicht etwa wegen diesem schwarzen Witwe- Verschnitt? Für solche Fälle ist die Polizei zuständig, nicht du Mulder!“ Sie klang jetzt mehr als wütend und Mulder sollte sich vorsehen was er jetzt sagte. „Man mag es kaum glauben aber der Club steht auf heiligem Boden, wurde auf den Ruinen einer alten Kapelle errichtet die während einer Schlacht oder so niedergebrannt wurde. Eine alte Bekannte von Roy führt den Laden. Wir wollen uns nur etwas umhören, nicht mehr.“ Heiliger Boden, kein Unsterblicher würde dort einen Kampf anfangen, Scully wusste in zwischen das dies gegen die Regeln des Spiels wäre. So war der Club ein sicherer Hafen.
„Dann wirst du wohl nichts dagegen haben wenn wir daraus eine Doppelverabredung machen. Roy mit Rike und wir beide zusammen. So einen Abend hatten wir schon lange nicht mehr und ich könnte nach dem Stress der letzten Zeit etwas Spaß vertragen.“ War ihre Meinung. In der Aufregung der letzten Zeit hatte sie ganz vergessen das bald Weihnachten war. Eine Zeit die sie mit den Menschen die sie liebte verbringen wollte. Sie hatte Mulder mit Fatimas und Adams Hilfe überreden können das Weihnachtsfest mit der Scully Familie zu verbringen. Er sollte die ganze Familie kennen lernen und ein paar schöne Tage haben. Keine schwarze Witwe würde das verhindern können! „Scully! Vertraust du mir etwa nicht?“ Er hatte jetzt wieder diesen ‚getretener Dackel’ Blick und sie wurde schwach, versuchte aber unter allen Mitteln hart zu bleiben. „Mulder natürlich vertraue ich dir. Aber ich weiß auch das du Ärger wie ein Magnet anziehen kannst und jemanden brauchst der deinen Rücken deckt. Wofür sind Partner da?“ Partner, war vielleicht nicht das richtige Wort gewesen, aber das Beste was ihr eingefallen war. „Partner? Roy ist da, was kann da schon passieren?“ Er war so frei Boston nicht gegen sie zu verwenden. „Roy ist ein Mann und ich kenne dich Mulder es geht euch beiden um diese Mörderin. So wenn ein Mann auf sie herein fallen kann, wer sagt denn das ihre Falle nicht bei zwei Männern funktioniert? Und ich finde es überhaupt nicht gut das du dich absichtlich in Gefahr bringst. Ein weiteres paar Augen könnte nur nützlich sein.“ Argumentierte sie weiter. Sie wussten praktisch nichts über diesen Killer abgesehen davon das es sich um eine Frau handeln soll.
„Also gut. Du kannst uns begleiten.“ Gab er sich nach einer Stunde gutem zureden geschlagen und Scully atmete innerlich erleichtert auf. Sie hatte auch darauf bestanden das er eine Waffe mitnahm. Es war eines der ersten Dinge gewesen was Scully sehen wollte nach dem sie eingeweiht war. Seine Waffensammlung. Durch den Scheich war sie inzwischen angewachsen, aber Mulder übte immer noch mit der Klinge die Adam ihm für seine erste Trainingsstunde gegeben hatte. Es war ein einfaches Schwert wie es wahrscheinlich zu tausenden von den römischen Legionen verwendet wurde. Es war kein Original sondern ein Nachbau aus dem 18. Jahrhundert, trotzdem sehenswert. Das alte Kreuzfahrerschwert mit dem er in Bahrain um seine Freiheit kämpfte, hatte inzwischen einen Ehrenplatz. Mulder wollte es als Erinnerungsstück behalten und hielt es wie seine Übungswaffe in Ehren. Schusswaffen besaß er keine, was sie bisher nicht ändern konnte. Sie wollte das er wenigsten eine bei sich hat wenn er sie ab und an bei der Jagd nach Aliens und Mutanten begleitete. Er war schließlich Scully’s Partner, zu mindest war dies mittlerweile der Weg wie sie es sah. Mulder hatte ihr inzwischen mehr als einmal den Rücken gedeckt und sie beschützt und natürlich wollte Scully das gleiche auch für ihn machen. So existiert da noch irgendwo ein Unterschied zu anderen Partnerschaften?
„Mulder ich bin mir sicher das nicht einmal Roy unbewaffnet aus dem Haus gehen wird. Du solltest zumindest ein Schwert bei dir haben.“ Sie konnte kaum glauben was sie da sagte. Vor ein paar Monaten hätte sie sich selbst für diese Worte einweisen lassen. Doch jetzt kamen sie so normal wie ‚Reich mir bitte mal das Salz’ von ihren Lippen. „Scully, so ein Ding passt nicht gerade in die Handtasche und die Zeiten wo man so etwas offen wie ein Modestück trägt sind auch vorbei. Schwerter und Armani scheinen einfach nicht für einander bestimmt zu sein.“ Trotz seines Sarkasmus musste sie ihm recht gegeben. Ein Schwert war unhandlich und Trenchcoats waren nicht jedermanns Sache. Aber bei Mulder war es mehr die Abneigung eine Waffe tragen zu müssen die sprach. Scully konnte dies nicht verstehen, das er nicht einmal den Versuch machte sich zu schützen. Es kam ihr so vor als wäre es ihm vollkommen egal das diese Einstellung ihm eines Tages den Kopf kosten könnte. Sie hatte darüber schon mit Adam und Roy gesprochen, selbst sie waren mit diesem Thema bei Mulder auf eine Granitwand gestoßen. Er wollte auf niemanden hören. Er lehnte es ab an diesem Spiel teilzunehmen und war seit dem Tod des Scheichs überzeugter den je. Er wollte nie wieder töten, es war ihm egal ob er starb. Das hatte ihr mehr als nur ein Schrecken eingejagt, aber im Augenblick stand Scully dem Machtlos gegenüber.
Das Telefon brach ihre Unterhaltung ab. Offensichtlich ein weiterer Gast für Mulder kündigte sich an. Er wirkte angespannt, genervt und erst als sie den Fahrstuhl sich öffnen sah, konnte Scully den Grund dafür erkennen. Phoebe Green, genau das was ihr heute noch gefehlt hatte. „Hallo, ich hoffe doch ich störe nicht.“ Sie grinste ihn an und drückte ihm zur Begrüßung einen Kuss auf. „Ich denke nicht. Wir haben uns nur über Bosten unterhalten und dabei gemütlich Kaffee getrunken. Kann ich dir vielleicht etwas Anbieten. Der Tee hier im Hotel kann mit dem in Britannien mithalten.“ Mulder war nun wieder ganz der professionelle Psychologe. „Gern.“ Sie kam zu Scully und setzte sich neben ihr auf die Couch während Mulder beim Zimmerservice Tee und Gebäck bestellte. „Oh Agent Scully, es ist so schön sie noch einmal wieder zu sehen.“ Ihre Stimme verriet aber das sie das Gegenteil meinte. „Inspector Green, welch eine Überraschung. Ich dachte sie wären bereits mit Sir Marsden’s Familie abgereist.“ Scully kannte dieses Spiel gut genug um eine Partie zu wagen. „Ich konnte doch nicht gehen ohne mich vorher zu verabschieden.“ Scully hatte gestern ein anderes Bild davon erhalten, aber wenn interessiert das schon. „Natürlich nicht.“ Stimmte sie deshalb zu.
„Von Börsengeschäften scheint man wirklich gut leben zu können.“ Meine Green als Mulder mit einem Tablett kam und sich ihnen gegenüber in einen Sessel setzte. „Das ist nur vorübergehend. Zum Jahresbeginn ist meine neue Wohnung bezugsfertig.“ Meinte Mulder fast verlegen. Es war ihm scheinbar peinlich das sie ihn so sah. „Was macht deine College Studentin?“ setzte sie scheinbar ein Verhör fort. „Fatima ist einkaufen, sie sucht noch ein paar Geschenke. Sie wird die Feiertage bei ihrer Familie in Bahrain verbringen und da benötigt sie wohl noch ein paar Kleinigkeiten. Wie planst du die Feiertage zu verbringen? Bei deiner Familie in Southampton?“ Scully interessierte das alles wenig und sie kam sich langsam vor wie das fünfte Rad am Wagen. „Ja. Das hatte ich vor. Wir wollen gemeinsam zur Kirche in London und Neujahr in den Bergen verbringen.“ Das klang nicht schlecht. Diese alten Kirchen hatten schon etwas an sich, sie konnte sich das wunderbar ausmalen. „Das klingt großartig. Was meinst du Scully?“ Mulder versuchte sie nun mit ins Gespräch zu bringen und sie wusste nicht ob sie ihn dafür treten sollte. „Ja. London mit seinen alten Bauten das muss eine herrliche Weihnachtskulisse sein. Ich fürchte Mulder, Baltimore wird da nicht mithalten können.“ Die letzte Bemerkung war ihr nur versehentlich herausgerutscht. „Sie verbringen die Feiertage in Baltimore Agent Scully?“ griff Phoebe die Bemerkung auf.
„Wir verbringen die Feiertage bei Scully’s Familie in Baltimore. Mit der ein oder anderen Überraschung die ich geplant habe.“ Antwortete Mulder bevor Scully es konnte. „Überraschungen Mulder?“ Scully war jetzt mehr als Neugierig, doch Mulder grinste nur und sagte nicht mehr dazu. „So verbringst du auch dieses Jahr die Feiertage ohne deine Familie?“ Mulder’s Miene verfinsterte sich und dieses Mal war es Scully die antwortete. „Wieso? Was ist falsch daran Weihnachten mit seinen zukünftigen Schwiegereltern zu verbringen?“ Jetzt war es der Inspector die etwas grün im Gesicht wurde. „Aber Scully, das sollte doch keiner bis nach den Feiertagen wissen. Was hat dir Fatima noch gesteckt?“ Mulder spielte nun sichtbar den Empörten. „Nur das du einen Verlobungsring mit ihr zusammen bei einem Goldschmied bestellt hast.“ Ein bisschen Stolz über ihren Spionagering schwang in ihrer Stimme mit. „Man kann vor dir wirklich nichts geheim halten. Ich hätte mir eigentlich denken können das ihr zwei unter einer Decke steckt.“ Er wirkte ein wenig enttäuscht. „Dann wird dieses Weihnachtsfest also ein ganz besonders für euch beide sein.“ Meinte die Engländerin, sie schien mit dieser Entwicklung nicht gerechnet zu haben. „Ja.“ Sagten Beide fast gleichzeitig.
Man unterhielt sich noch einige Zeit. Am Ende hatte der Inspector nicht viel Neues erfahren. Scully hätte auch nicht zugelassen das sie Mulder in irgendeiner Weise schaden könnte. Es ärgerte sie ein wenig das diese Frau Mulder’s Familie ins Spiel gebracht hatte, das war mehr als ein wunder Punkt in seinem Leben. Mulder redete nicht viel aber Scully hatte Augen im Kopf und gute Ohren. Adam war in vielen Dingen eine gute Informationsquelle gewesen. Er machte sich wie sie Sorgen um Mulder und hatte es deshalb für nötig gehalten sie in das ein oder andere Geheimnis bei seinem letzten Besuch ein zu weihen. Sie fragte sich wirklich was Green mit all diesen Fragen bezweckte? Konnte diese Frau nur glücklich nach London zurückkehren wenn Mulder geschlagen am Boden liegt? Scully wusste nicht was zwischen den Beiden vorgefallen war, doch eins war klar Ms. Green hatte mit dieser Entwicklung nicht gerechnet und Scully freute sich das Phoebe Green dieses Spiel wohl verloren hatte.
Fina’s Nachtclub, Washington
Mittwoch, 16.12.1992 21:00 h
Mulder gab sich natürlich und verzichtete darauf sich Älter erscheinen zulassen. Er war zusammen mit Roy und Scully angekommen. Er spielte den Single, während sich seine beiden Freunde als Pärchen ausgaben. Ein Glück das Rike nicht mit dabei war, sie konnte bei dem Anblick bestimmt Eifersüchtig werden. Mulder konnte sehen wie sie sich unterhielten und gemeinsam tanzten. Ja, selbst er nahm ihnen das ab und war etwas eifersüchtig. Nur sein Vertrauen in diese Beiden, ließ ihn auf dem Hocker bleiben und seinen Cocktail trinken. Einen dieser Alkoholfreien, Mulder wollte sich die Kommentare des Barkeepers ersparen. Fatima hatte ihm bereits geholfen sich altersgemäß zu kleiden, er wirkte nun wirklich wie 20 und nicht 31. Ein Glück das Phoebe ihn so nicht sehen konnte, das hätte ihr heute bestimmt den Rest gegeben. Das er Scully einen Antrag machen will, hatte ihr heute schon nicht gut getan. Sie hatte ihn damals fallen gelassen wie eine heiße Kartoffel. Er hatte sie mit einem Anderen auf der Herrentoilette erwischt. Sie hatte ihren Abschluss, brauchte ihn nicht mehr, das war ihre Art gewesen mit ihm Schluss zu machen. Das war ´83 gewesen, danach hatte sich so viel verändert. Sie hatte ihn verletzt und er konnte sich des Eindrucks nicht erwehren das sie es dieses mal nicht anders haben wollte. Nur hatte sie am Ende nichts gefunden was sie für ihre Zwecke nutzen konnte. Er konnte aber nicht sagen das er dieses mal gewonnen hätte. Er fühlte sich weder wie ein Gewinner noch ein Verlierer. Aber er hatte etwas Glück in seinem Leben gefunden, keine Phoebe Green, sondern seine Dana Scully.
Es war laut im Club und es kam scheinbar auf 10 Gästen ein Unsterblicher. Dieser Ort diente nicht nur dem Vergnügen, hier wurden auch Geschäfte abgewickelt. Informationen, Waffen, Identitäten und vieles mehr wurden hier gehandelt. Es war praktisch die erste Adresse für jeden der nach Amerika kam und sich hier für einige Zeit aufhalten wollte. Es war Mulders erster Besuch und er kannte keinen der Anwesenden. Obwohl seine Erinnerungen auf das ein oder andere Gesicht ansprangen, er konnte keine Namen zu ordnen. Es war gut das Roy und Scully hier waren, er würde sich hier allein unwohl fühlen. Sie gaben ihm das Gefühl von Sicherheit unter den Augen die ihn scheinbar alle anstarrten und vor dem was er hier fühlte. Für die meisten war er noch nicht mehr als ein Kleinkind. Sie sahen ihn nicht als Bedrohung, sondern nur leichte Beute. Sandkasten- Kämpfe, nannte man die Duelle zwischen den Jüngeren. Es war auch ein billiger Weg seine Kräfte zu steigern wenn man sich an die Unerfahrenen hielt, frei nach dem Motto ‚Kleinvieh macht auch Mist’. So befand sich Mulder praktisch in einer gefährlichen Phase, einer beliebten Zielgruppe. Die Tatsache das er Sudahli getötete hatte, und so praktisch eine große Menge an ‚Chips’ in die Hände bekommen hat machte ihn als Ziel noch attraktiver. Für manche durfte es den Anschein haben als würden sie einem kleinen Kind den Lutscher klauen. Deprimierende Vorstellung und hier im Club fühlte er sich wie auf dem Präsentierteller. Da niemand glauben würde das er den Mann in einem Duell getötet hat, dürften die Leute bald Schlange stehen. Er verdrängte diese Gedanken und schaute sich um.
Scully schaute ihn an und schenkte ihm ein Lächeln um ihm zu versichern das sie ein Auge auf ihn hatte. Roy unterhielt sich mit jemandem. „Wie Alt bis du Junge?“ Ein Mann schien offensichtlich Streit zu suchen. „Alt genug um mein Bier selber kaufen zu können.“ Vielleicht war Konfrontation der beste Kurs, wenn er sich irrt, wird er es schon bald wissen. „Noch grün hinter den Ohren. Und schon soviel Energie.“ Mulder wusste das die anderen sein Quickening spürten und dem einiges an Informationen abgewinnen konnten. Je älter man wurde umso besser konnte man darin Lesen. Es war eines der Talente die Mulder wohl nie haben würde, ein weiterer Nachteil den er ihnen gegenüber hatte. „Manche Leute haben eben mehr Pech als andere. Was genau wollt ihr von mir?“ Mulder hoffte auf eine direkte Frage auch eine direkte Antwort zu bekommen. „Das was jeder will, deinen Kopf.“ Er musste bei dieser Antwort schlucken und unterdrückte die aufkommende Panik als er sprach. „Ich bin hier um mich zu vergnügen, nicht um zu kämpfen.“ Sein Oxfordtraining verriet ihm das mit diesem Typ nicht mehr zu reden war. Wenn nicht ein Wunder geschieht, würde er sich schon bald duellieren. Natürlich nicht hier, aber der Typ würde ihm irgendwo auflauern. „Was? Kannst du Leute etwa nur hinterrücks ermorden? Ist ein fairer Kamp Mann gegen Mann etwas zuviel für dich?“ Provokation, ein einfaches Mittel um jemanden zu überreden etwas zu tun was man will. „Nein. Ich versuche mich von dem Spiel fern zu halten, das ist alles.“ Nicht darauf eingehen, war eine Lehrbuchmethode, die leichter gesagt als getan war. „DeLavega lass den Jungen in Ruhe.“ Mischte sich Roy ein. „Roy, mein alter Freund. Du kennst diesen Knaben?“ DeLavega schien erfreut zu sein Roy zu sehen. Es konnte alles noch einmal ein gutes Ende nehmen. „Mulder das ist Marcos DeLavega. Wir hatten denselben Lehrmeister. Marcos unser letztes Treffen ist schon lange her. Wann war das? Im Ersten?“ Lenkte Roy von Mulder ab. „Das ist gut möglich. Ich habe gehört das du direkt im Anschluss nach Amerika ausgewandert bist. Wie geht es dir?“ Mulder war scheinbar vergessen. „Gut. Und dir? Immer noch Probleme mit dem alten Kampfleiden?“
„Leider. So was kümmert es dich ob ich diesen Grünschnabel ein Kopf kürzer mache?“ Mulder’s Geduldsfaden war mehr als zum reißen gespannt. Er kochte innerlich, hielt sich aber noch ruhig. Er hoffte Roy weiß was er macht. „Mulder ist ein Freund und wir trainieren oft zusammen. Ich glaube du bist ihm nicht gewachsen und will nur deinen Kopf retten.“ Meinte Roy und machte seinen Freund wütend. Er hob beschwichtigend die Hände und unternahm dann den Versuch einer Erklärung: „Glaub es mir. Dem Jungen mag es noch an Erfahrung fehlen aber seine Technik steht einem Schwertmeister in nichts nach. Sein Lehrer versteht sein Handwerk, hat wahrscheinlich schon den alten Römern gezeigt wie man kämpft. Ich konnte Mulder kaum noch etwas beibringen und verbessere nur seine Fähigkeiten in Selbstverteidigung.“ Es überraschte Mulder was sein Freund über ihn dachte. In den Übungskämpfen behielt Roy gewöhnlich die Oberhand. Die beiden unterhielten sich Leise, so konnte sie zum Glück niemand anderes hören. „Wie kommt es das dieser Jungspund soviel Energie besitzt?“ Wieder ein direkte Frage, die mehr als nur ein Hauch Verachtung mit schwingen ließ. „Mulder hatte Pech. Sein erster und bisher einziger Kampf war gegen jemand der sich zu sicher fühlte. Seine Überheblichkeit hat ihm den Kopf gekostet.“ Versuchte Roy die Situation zu erklären. „Soviel Energie von einem einzigen Kampf. Wenn hat er getötet?“ Mulder wurde schlecht, doch Roy störte die Frage nicht. „Harim Al Sudahli. Ein Araber der vermutlich schon im ersten Kreuzzug gegen das Christentum gekämpft hat. Glaub mir der Junge ist in Ordnung. Warum bist du so nervös? Hast du in den Zeitungen etwa auch die Artikel über die schwarze Witwe gelesen?“
Jetzt überlegte DeLavega kurz und musterte Mulder noch einmal von oben nach unten. „Ja und ich dachte, ihn gefunden zuhaben.“ Sein Blick blieb auf Mulder. „Oh Mulder ist es nicht, das kann ich garantieren. Aber er ist vielleicht der Einzige der uns zu dem wahren Täter führen kann. Deshalb sind wir hier.“ Das ging ein wenig zu weit, aber er ließ Roy erst einmal weiter machen. Fox hätte dies gerne verschwiegen. „Wie soll das bitte schön funktionieren? Dein Mulder sieht aus als hätte er gerade Mal gelernt wie man sich die Schuhe zubindet.“ Es war wirklich schwer ruhig zubleiben und es wurde definitiv nicht leichter, aber alles hatte Grenzen und eine war erreicht. „Er ist Profiler. Was glaubst du wer Ende der Achtziger Typen wie Roche oder Props das Handwerk gelegt hat? Ohne seine Hilfe würden sie wahrscheinlich immer noch auf freien Fuß sein und weiter morden. Es war seine Arbeit die das FBI zu den Tätern geführt hat.“ Der Abend war gelaufen so ging Mulder zu Scully an den Tisch. Sie beide unterhielten sich und warteten auf den Deutschen. Sie wollten nach Hause gehen, sie würden heute eh nichts mehr erfahren.
Roy und der Spanier unterhielten sich gut eine weitere halbe Stunde. Roy’s Freund hatte versprochen sich um zu hören und ihnen Bescheid zu geben sollte er etwas hören. Damit war für alle der Abend gelaufen. Und sie fuhren zurück. Mulder war nicht besonders glücklich darüber wie der Abend verlaufen war und wollte sich noch abreagieren so brachte er Scully nach Hause und machte dann noch einen Spaziergang durch einen benachbarten Park. Er war leer so konnte er den anderen Unsterblichen deutlich spüren und seine Gedanken verrieten das er keine guten Absichten hatte. „Euer Freund konnte euch vielleicht vor dem alten Spanier schützen. Aber ich möchte es schon etwas genauer wissen. Ich bin Miles O’Hara aus Irland und fordere euch zu einem Duell heraus.“ Ein Glück das Scully darauf bestanden hatte das er seine Waffe mitnahm. „Mein Name ist Fox Mulder und ich habe kein Interesse zu kämpfen.“ Es erwies sich als sinnlos. Mulder konnte gerade noch sein Schwert ziehen als er bereits angegriffen wurde und den Schlag parierte. Es folgte eine Serie heftiger Schläge und Fox fand sich in der Defensive. Er wurde langsam in Richtung Bäume abgedrängt was ihm nötigen Raum zum Bewegen nehmen würde. So blieb ihm nicht anderes übrig als die Initiative zu ergreifen und den Kampf auf freiem Feld weiter zu führen. „Nicht schlecht. Für einen Anfänger.“ Meinte der Ire. Mulder war noch wütend auf den Spanier und einiges dieser Wut schien jetzt ein neues Ziel gefunden zuhaben, den auch er schlug nun härter zu und sein Schwert fand sei Ziel. Das alte Kreuzfahrerschwert war wie eine Verlängerung seines Arms und er machte Boden gut. Brachte den anderen ins Schwitzen.
O’Hara bemerkte das er einen Fehler gemacht hat, der Deutsche hatte wohl die Wahrheit über diesen hier gesagt. Der Junge war wirklich gut und ließ sich auch nicht durch dumme Bemerkungen aus der Ruhe bringen. Mulder kämpfte mit hoher Konzentration und schien seine Bewegungen vorauszuahnen. So einen Gegner hatte er in seinen knappen 500 Jahren noch nicht gesehen. Er konnte jetzt glauben das Mulder’s erster Kampf fair zugegangen war und der Araber seinen Gegner wohl unterschätzt hatte. Überheblichkeit, ein Fehler den er vermutlich selbst gemacht hat. Er konnte nur hoffen das der Junge selber einen Fehler machte oder langsam Müde wurde. Seine Technik war wirklich meisterhaft, jeder Zug perfekt ausgeführt, sein Körper schien fast automatisch zu reagieren. „Wer war dein Lehrer, Fox?“ Fox, ein Name der nicht besser gewählt sein konnte. „Methos.“ Die Antwort verfehlte die Wirkung nicht, der Ire war kurz abgelenkt und Mulder nutzte die Gelegenheit um ihn in die Knie zu zwingen. Er wollte nicht töten doch der Ire zwang ihn dazu. Wehrte den Schlag nicht ab und der Kopf trennte sich vom Körper bevor Mulder Zeit hatte zu begreifen was geschehen war. Ein Sturm zog auf und ein weiteres Gewitter brach über Mulder zusammen. Als das Quickening vorbei war schaffte es Mulder sich zurück zu Scully’s Wohnung zu schleppen. Wo er bewusstlos zusammenbrach.
Scully’s Wohnung, Georgetown
Donnerstag, 17.12.1992 01:35 h
Scully war etwas überrascht als es an ihrer Tür klopfte. Es war schon mehr als spät und Mulder war bereits vor eine dreiviertel Stunde gegangen. Sie öffnete vorsichtig die Tür, ihre Waffe entsichert in der Hand. Doch bei dem was sie sah zog sich ihr der Magen zusammen. Mulder lag bewusstlos vor ihrer Tür. Sein Schwert blutig und seine Kleidung ebenfalls mit Blut und Dreck beschmiert. Sie zog ihn erst einmal aus der Sicht ihrer neugierigen Nachbarn in ihre Wohnung hinein. Dann untersuchte sie ihn, konnte aber keine Verletzungen finden. Erleichtert atmete sie aus, er war nur ohnmächtig, nicht schwer verletzt. Er war zu schwer für sie so ließ sie ihn erst mal an Ort und Stelle. Nahm ihm die Waffe ab und versuchte ihn aus der schmutzigen Kleidung zu bekommen und ihn vom kalten Boden auf eine Decke zu legen. Dann wusch sie ihm vorsichtig das Blut ab und rieb ihn anschließend mit Handtüchern trocken. Als Scully eine weitere Decke brachte lag er zu einer Kugel gerollt immer noch auf dem Boden und sie setzte sich zu ihm. Legte seinen Kopf auf ihren Schoss und deckte ihn ordentlich zu. Sie wollte wissen was vorgefallen war, ahnte aber nichts Gutes. Sie redete beruhigend auf ihn ein und wiegte vorsichtig hin und her was ihm scheinbar gefiel.
Er schien langsam wieder zu sich zu kommen. Scully versuchte ihr Glück und es gelang ihr Mulder mit etwas gut zu reden auf die Beine zu bringen. Er lies sich dann wie eine Marionette zu ihrem Bett führen. Er war wie ferngesteuert, dass machte ihr Angst, er schien unter Schock zu stehen. Sie legte sich zu ihm und nahm ihn in ihre Arme. Irgendwann spürte sie wie er sich dicht an sie schmiegte und hörte ihn schluchzen. Sie ließ ihn weinen und hielt ihn einfach nur fest. Es dauerte nicht Lange bis er sich zurück in den Schlaf geweint hatte und Scully küsste ihn noch einmal auf die Stirn bevor auch sie in die Welt der Träume versank.
Scully’s Wohnung, Georgetown
Donnerstag, 17.12.1992 07:35 h
Scully hatte bereits im Büro angerufen und sich für den Rest der Woche beurlauben lassen, angeblich um etwas Abstand von ihrem letzten Fall zu gewinnen. Etwas das wohl jeder beim FBI verstehen konnte. Mulder schlief noch in ihrem Bett, für ihn hatte sie bereits neue Kleidung aus dem Schrank gesucht. Ein Glück das er noch ein paar frische Sachen bei ihr im Schrank deponiert hatte. Nichts besonderes nur eine schwarze Jeans, ein weißes T- Shirt und ein hellgraues Sweatshirt. Socken und Boxershorts von ihm hatte sie neulich erst mit gewaschen so war er jetzt bestens versorgt mit Kleidung und sie musste niemand rufen um etwas bringen zu lassen. Sie würde aber noch Roy anrufen und ihn bitten her zu kommen. Scully hatte in den Nachrichten vielleicht ein Hinweis gefunden was gestern Nacht vorgefallen war. Man hatte im Park nur ein paar Strassen weiter eine Leiche gefunden, enthauptet. Das sagte eigentlich schon alles was sie wissen musste. Sie kannte Mulder, er war wohl noch nicht bereit nach Hause zu gehen. Ein Spaziergang durch den Park war etwas das ihm ähnlich sehen würde. Der Tote hatte wohl den Fehler gemacht ihm vom Club zu folgen und ihn dann im Park zu einem Duell herauszufordern. Mulder gewann und ist jetzt das Häufchen Elend in ihrem Bett. Wenn der Typ nicht schon Tod wäre, würde ihn Scully jetzt erschießen.
Frühstück! Mam’s Waffeln mussten her danach sah die Welt vielleicht nicht mehr ganz so schlimm aus und so um acht oder neun würde sie Roy anrufen. Er würde ihr mit Mulder sicherlich helfen können. Falls sie es nicht schaffte. Scully machte sich sorgen, ihr Freund hatte die Geschichte mit dem Araber immer noch nicht verkraftet und jetzt kamen neue Dämonen hinzu. Hoffentlich verlor er nicht seinen Verstand oder noch schlimmer sich selbst. Sie hatte solche Angst um ihren Mulder. Sie wollte nicht daran denken und versuchte sich durch Zubereitung des Frühstücks abzulenken. Was aber nur schwer möglich war. Der Waffelteig war schnell gemacht und während die erste Waffel im Eisen braun wurde war auch schon der Kaffee aufgesetzt. So ging alles Hand in Hand und ehe sie es sich versah war sie mit einem Tablett auf dem Weg zurück ins Schlafzimmer. Mulder schlief noch als sie das Zimmer betrat und das Tablett vorsichtig auf den Nachtisch stellte. Der Duft schien zu genügen damit Bewegung ins Bett kam. „Guten Morgen Schlafmütze.“ Neckte sie ihn. Er lächelte sie für ein Moment an. „War das alles nur ein böser Traum?“ Sie wünschte sich das es so wäre. „Ich fürchte leider nicht. Es war bereits in den Nachrichten.“ Mulder schätzte nichts mehr als die Wahrheit und so sehr es sie schmerzte konnte sie ihn nicht belügen. Er würde es spüren. Sie setzte sich aufs Bett und holte das Tablett aufs Bett zwischen sich und Mulder. Sie legte sich eine der frischen Waffeln auf den Teller und träufelte Sirup darüber. Dann goss sie sich und Mulder Kaffee ein.
Die Waffeln waren wirklich gut. Der Duft und das sie aß schienen ansteckenden zu sein. Schon bald hatte auch er eine auf dem Teller. Sie leerten in aller Ruhe das Tablett, Reden war nicht nötig. Sie wusste wenn er soweit war dann würde er zu ihr kommen. Sie würde nachher Roy anrufen. Mulder würde noch etwas Zeit brauchen und vielleicht ein Bad statt Dusche würde ihm gut tun. Die Araber hätte sie beinahe vergessen, sie müsste Fatima oder Akim bescheid geben. Mulder war schließlich nicht nach Hause zurückgekehrt. Da waren wahrscheinlich Termine die abgesagt werden mussten. Das konnte sie alles Regeln wenn Mulder im Bad war. Sie stand auf um das Badewasser einzulassen. „Ich lasse dir ein Bad ein. Wenn du willst wasche ich dir nachher den Rücken.“ Er wirkte abwesend, nickte aber und ein hauch von Lächeln machte sich kurz in seinem Gesicht breit. Seine Augen wirkten so traurig. Sie wünschte sich für einen Augenblick nichts sehnlich als mit ihm zu tauschen. Er war für diese Art Leben nicht geschaffen. Er war mutig, konnte es mit Monstern wie Tooms oder Aliens aufnehmen. Aber einen Menschen töten, selbst wenn es in Notwehr geschah? Er fühlte mit den Opfern, er konnte ihr Leid fühlen als wäre es sein eigenes. Seine Empathie rächte sich grausam, ließ ihn beide Seiten einer Tat sehen. Kein Wunder das er so verstört war. Wer wäre es nicht wenn er dem Tod ins Antlitz gesehen hätte?
Sie hatte keine Probleme Mulder ins Bad zu bekommen. Er reagierte auf ihre Stimme, blieb aber irgendwie abwesend. Es kam ihr vor als wäre er ferngesteuert. Sie ließ ihn für eine Weile allein um die Anrufe zu erledigen. Akim wollte Fatima informieren und sich um Mulders Geschäfte kümmern. Er machte das Angebot einige seiner Sachen zu ihr in die Wohnung zu schicken, was sie dankend annahm. Scully glaubte nicht das es gut war ihn für längere Zeit allein zulassen. Als das geklärt war informierte sie Roy. Er hatte schon Informationen über den Toten. Ein gewisser Miles O’Hara aus Irland. 523 Jahre alt, davon 492 Jahre als Unsterblicher. Warum musste Mulder immer an die schweren Brocken geraten? Andere fangen mit etwas kleinerem an. Dieser Typ war wie der Araber und sie hatte Angst das Mulder nicht mehr ihr Mulder war. Er hatte in letzter Nacht viel zu viel in sich aufnehmen müssen, dieser Ire war weit herum gekommen und jemand der nie einer Gelegenheit zum Kampf aus den Weg ging wenn sie sich bot. Wahrscheinlich hatte er dies auch gestern gedacht und den Fehler mit dem Leben bezahlt. Aber seine Erinnerungen, Fähigkeiten, Lebensenergie und die seiner Opfer waren nun im Kopf, Körper ihres Freundes. Als hätte er nicht schon genug eigene Dämonen, jetzt hatte er eine weitere Ladung zum Preis von einem erhalten und alles nur wegen diesem Gott verfluchten Unsterblichen Nonsens.
Nach dem Telefonat mit Roy wusch sie wie versprochen Mulders Rücken und half ihm danach beim abtrocknen und anziehen der Sachen die sie für ihn raus gelegt hatte. Es gab noch einiges in der Wohnung zu erledigen so machte sie es Mulder auf der Couch vor dem Fernseher bequem und schaltete ihm ein Sender mit Trickfilmen ein. Seine geliebten Since Fiktion Oldies kamen leider erst nachts und sie hatte keinen auf Video. So mussten Bugs Bunny und Daffy Duck genügen. Sie brachte ihm Eistee nach einer Weile und sah das er sich kaum bewegt hatte. Sie räumte auf und kümmerte sich um den Abwasch. Zuletzt nahm sie sich die Spuren des Abends vor. Sie reinigte die Schwertklinge und verwendeten ihr Waffenöl für die Klinge um sie zu schützen. Etwas anderes hatte sie nicht in der Wohnung und sie hoffte was für Schusswaffen gut war konnte auch bei Stichwaffen nicht schaden. Seine Kleidung war ein anderes Problem, Sie versuchte es als erstes mit Waschen bei 95° und Bleichen. Nicht wegen den Blutspritzern, sie hoffte die Arbeit an anderen Spuren schwerer zu machen wie Hautpartikel oder Haare, nur für den Fall die Sachen verschwanden nicht für immer von der Bildfläche. Als sie fertig war mit allem, setzte sie sich zu Mulder auf die Couch. Er war eingeschlafen und rote Augenränder verrieten das er geweint haben muss. Sie strich einige widerwillige Haare aus seinem Gesicht. Er sah wirklich wie ein kleiner unschuldiger Junge aus, wen er so da lag und schlief. Sie saß nur neben ihn und schaute zu wie er schlief.
Er hatte sich klein gemacht. Sein Gesicht weg vom Fernseher zur Couchlehne gedreht. Sein Brustkorb hob und senkte sich mit jedem Atemzug. Er schien wirklich nur zu schlafen. Schlaf war Balsam für die Seele und konnte ihm nur helfen. Es klingelte an der Tür und sie verließ ihn leise um zu öffnen. Roy stand vor der Tür als sie öffnete. Er hatte Mittagessen bei sich und sie beide gingen in die Küche um auszupacken was er mitgebracht hatte. Rike hatte sich selbst übertroffen, so schien es zumindest für Scully. Gut mit Alufolie verpackt, fand sie Lasagne mit Brokkoli und einer Art Käsesahnesoße. Ihr Freund mochte Brokkoli nicht. Ließ ihn jedes Mal nicht angerührt auf dem Teller liegen, aber in Rike’s Lasagne mochte er es. Daneben war noch ein frischgebackener Apfelstrudel, Mulder’s Lieblungskuchen wenn es um Rike’s Backkünste ging. Roy’s Freundin hatte sogar daran gedacht Vanillesoße mit zu schicken. „Rike denkt immer an alles. Das ist selbst mir manchmal etwas unheimlich.“ Meinte Roy nur als er Scullys Gesichtsausdruck sah. „Ich weiß nicht wie ich ihr danken soll. An Mittagessen hatte ich noch nicht einmal gedacht und es ist schon fast Zwölf Uhr.“ Die Ereignisse hatten sie mitgenommen, das war deutlich in ihrer Stimme zuhören. Sie war verzweifelt und ängstlich. Ihr war zum Heulen zu mute, aber sie wollte nicht, konnte nicht. Sie hatte stark zu sein und einen kühlen Kopf zu bewahren. „Wie geht es ihm?“ Es soll manchmal helfen wenn man über seine Probleme sprach, das hatte Roy schon lange begriffen. „Schlecht. Er ist geschockt und hat sich in sich selbst zurückgezogen. Er spricht kaum, reagiert nur als wäre er ferngesteuert. Zurzeit schläft er auf der Couch. Ich frage mich die ganze Zeit, wie hat das nur passieren können?“ Sie schüttelte den Kopf und rieb sich mit den Handflächen die Augen um ein paar Tränen die gekommen waren zu verstecken.
„Es tut mir Leid das es weit gekommen ist. Ich habe wirklich geglaubt ein Besuch in Fina’s Club wäre sicher und wir würden vielleicht ein paar Informationen bekommen und Spaß haben. Mulder lernt vielleicht ein paar Leute kennen, das ihn jemand fordern würde, damit habe ich echt nicht gerechnet.“ Versuchte er sich bei Scully zu entschuldigen, er machte sich selbst Vorwürfe. Wie konnte er nur so dämlich sein und dies nicht vorhersehen können. Er war der Meinung das Mulder’s Kraft die Leute eher abschrecken als anziehen würde. Doch dieser irische Dickschädel hat es wissen müssen und den Preis bezahlt. O’Hara war kein Anfänger gewesen, der Mann war älter als DeLavega oder er selbst und hatte seine Kraft stetig erweitert. Er war einer jener gewesen die direkt Jagd auf andere machten. „Wenn er sich erholt, wird er dann wieder der alte Mulder sein? Oder kann ihn diese Begegnung verändert haben?“ Sprach Scully ihre größte Angst aus und es war ‚wenn’ und nicht ‚falls’. Für sie war klar das er sich erholen würde, er war stark, zäh und hatte Scully, die alles tun würde damit es ihm wieder besser ging. „Das kann ich nicht versprechen. Diesen Sudahli hat er unbeschadet überstanden. Der Mann war immerhin doppelt so alt wie unser Ire, so würde ich meinen unsere Chancen stehen nicht schlecht das Mulder wieder der Alte ist wenn er sich erholt hat. Er hat einen starken Willen und Charakter.“ Machte er ihr Hoffnung.
Scully’s Wohnung, Georgetown
Donnerstag, 17.12.1992 14:00 h
Sie hatten alle gemeinsam Mittag gegessen und Roy hat ein paar Worte mit Mulder gesprochen. Es ging ihm jetzt schon etwas besser und Scully plante ihn für einen Spaziergang mit nach draußen zu nehmen. Roy war inzwischen wieder nach Hause gefahren, seine Mission hatte er mit Erfolg abgeschlossen. Scully hatte gewollt das er mit Mulde redet, das hat er gemacht und Mulder schien nach der Unterhaltung wieder etwas mehr er selbst zu sein. Das gab ihr neue Hoffnung und Mut. Akim hatte sein Wort gehalten und jemand hatte ein paar von Mulders Sachen gebracht. Mantel, Freizeitkleidung, Turnschuhe, Scully erkannte die meisten Sachen als Mulders Favoriten wieder. Fatima musste wohl bei der Auswahl geholfen haben. So zogen sich beide um und machten sich dann auf zu einem Bummel durch die Einkaufshäuser. Sie hatte zwar schon ein Kleid für den Ball aber die Suche nach einem anderen würde Mulder mehr als genug beschäftigen und hoffentlich etwas ablenken. Wer bekam schon seine eigene private Modenschau zu sehen?
Ihn ablenken, zusehen das er regelmäßig etwas aß, mit ihm kuscheln und einfach nur da sein wenn er sie brauchte, waren Scully’s Waffen in diesem stillen Kampf. Ein Kampf den sie nicht verlieren wollte. Heute Abend würde Mulder mit Adam telefonieren, es war ein wöchentliches Ritual bei dem sie sich abwechselten, so sparten sie sich die Postkarten und wussten wie es dem Anderen ging. Adam würde vielleicht ein Rat haben oder einfach nur ein paar neue Witze kennen. Aber in der Regel halfen diese Telefonate Mulder, so hoffte sie das es auch heute helfen würde ihn etwas aufzuheitern.
Restaurant, Hotel Hilton
Samstag, 19.12.1992 15:00 h
Sie hatten gerade Fatima und Akim am Flughafen verabschiedet und tranken nun gemeinsam Kaffee im Hotelrestaurant. Mulder war etwas mehr aus sich heraus gekommen, kümmerte sich gerade um ein riesiges Stück Schokoladenkuchen und Scully war der Meinung das der FBI Ball für sie beide doch nicht ausfallen würde. Sie hatte ein neues Kleid das er sie unbedingt tragen sehen wollte, so konnte der heutige Abend eine Menge Spaß versprechen. Er würde sie im neuen dunkelblauen Abendkleid sehen und sie ihn in Smoking mit Fliege und alles was dazu gehörte. Die goldenen Manschettenknöpfe die sie zusammen gekauft hatten würden auch ein erstes Mal Verwendung finden. Es ging ihm wirklich schon besser, er redete wieder und sein Humor hatte sich auch wieder eingefunden. Sie hatten während der Jagd nach letzten Weihnachtsgeschenken eine Menge Spaß gehabt und Scully war sich sicher das sie mit ihrem Mulder shoppen gewesen war. Sie war erleichtert als sie bemerkte das er immer noch der Alte zu sein schien und hatte zur Feier glatt eine große Portion Pommes zu ihrem Salat bestellt als sie hungrig in einem Imbiss im Einkaufscenter Pause machten. So war die Zeit schnell vergangen und heute waren sie dann zurück zum Hotel gekommen. Hauptsächlich weil sie Fatima und Akim eine gute Reise wünschen wollten und noch ein paar Geschenke mit auf den Weg geben wollten.
Sie hatten noch Zeit, im Gegensatz zu Scully’s Kollegen brauchten sie sich nicht zu beeilen. Ihr Anfahrtsweg war praktisch gleich null, Stress wegen Verkehrsstaus war nicht, wegen der Rückfahrt brauchten sie sich auch keine Sorgen machen. Sie würden die Nacht hier verbringen und dann morgen Nachmittag nach Baltimore in ihren Weihnachturlaub starten. Ihre Mutter hatte nichts dagegen gehabt wenn sie schon ein paar Tage früher kommen würden und ihre gute Küche, die gemütliche weihnachtliche Atmosphäre im Scullyhaus würden Mulder gut tun. Da war sie sich sicher. „Woran denkst du, Scully?“ Mulder schaute sie fragend an, sein Kuchenteller war inzwischen leer. „Wie gut wir es haben, mit der Übernachtung hier im Hotel. So sparen wir uns viel Ärger heute Abend.“ Sie nippte an ihrem Kaffee. „Kein Streit darüber wer heute Abend fahren muss, ja es hat seine positiven Seiten.“ Pflichtete er ihr bei. „Nicht nur das, es wird bestimmt Spaß machen heute Abend. Ich habe gehört in der Gerüchte Küche des FBIs hat man schon Wetten abgeschlossen mit wem die Ice Queen oder Doc Ice, je nach dem wen du fragst, zum Ball erscheinen wird. Die Quotenrenner sind: Ich komme allein und Ich komme mit meine EX Jack Willis.“ Sie musste lachen bei dem Gedanken das jemand darauf Wetten abschließen könnte. Die Leute werden wahrscheinlich ziemlich enttäuscht sein wenn sie Fox Mulder sehen. „Sie wetten mit wem du zum Ball gehen wirst? Wie hoch ist der Topf? Vielleicht sollte ich noch eine Wette platzieren.“ Sie boxte ihn in den Arm und er lachte und hatte dieses Grinsen aufgelegt. Er wirkte wie ein Junge der gerade etwas ausgeheckt hatte und sich sicher war nicht dabei erwischt zu werden. Das war ihr Mulder, kein Zweifel.
Denn Rest des Nachmittags verbrachten sie Oben im Penthouse. Der Abend versprach mehr als genug Bewegung so kuschelten sie vor dem Fernseher und schauten sich gemeinsam einen alten Klassiker mit James Steward an, der gerade im Programm lief. Erst so gegen 19:30 Uhr nach einem kleinen Abendbrot fing man an sich für den Ball vorzubereiten. Sie duschten gemeinsam, dass sparte keine Zeit sondern es dauerte wesentlich länger. Aber irgendwann hatten sie es dann doch geschafft und standen in ihrer Abendgadrobe vor dem Fahrstuhl wo Scully noch schnell Mulders Fliege band bevor er die nächste Runde gegen sie verlor.
Ballsaal, Hotel Hilton
Samstag, 19.12.1992 20:00 h
Scully hatte nicht übertrieben als sie ihm von den Wetten erzählte. Er konnte die Enttäuschung vieler spüren als er an ihrer Seite den Saal betrat. Er hatte alle Hände voll zu tun diese Gefühle von sich fern zu halten. Scully drückte seine Hand und es ging ihm gleich etwas besser. Sie musste wohl bemerkt haben das er sich nicht wohl fühlte. Die Blicke blieben nicht lange auf sie gerichtet und Scully’s Kollegen hatten schnell ein anderes Thema das ihre Aufmerksamkeit in Anspruch nahm. Eine Hand klopfte ihm auf die Schulter und ehe er sich versah wurde er auch schon von Reggie Purdue umarmt. Sie hatte sich schon seit gut zwei Jahren nicht mehr gesehen. So war die Begrüßung um einiges herzlicher. Er war mit seiner Frau Gina auf den Ball gekommen und ganz überrascht ausgerechnet hier auf Mulder zu treffen. „Reggie, es ist schön dich hier zu treffen. Darf ich dir meine Freundin Dana Scully vorstellen. Dana das ist Reggie Purdue und seine bezaubernde Ehefrau Gina.“ Machte Mulder alle schnell bekannt. Verwendete jetzt aber ihren Vornamen, was Scully zu gefallen schien. „Ich wusste gar nicht, das du wieder für uns arbeitest.“ So etwas wie Hoffnung schimmerte in den Augen seines alten Freundes. „Oh nein. Das Profilen habe ich an den Nagel gehängt. Dana bearbeitet die X Akten bei euch im Büro, da helfe ich ab und an mal aus. Doch das ist schon alles was ich mache.“ Erstickte Mulder jeden Funken an seine Rückkehr in die VCU.
„Agent Scully. Natürlich sie helfen in der VCU gelegentlich als Pathologin aus. Es freut mich sie endlich einmal kennen zu lernen.“ Reggie lächelte Scully freundlich an als er sie ansprach. „Für die Division zu arbeiten ist immer wieder eine Herausforderung und ich mach es gern.“ Erwiderte Scully, sie kannte Reggie offensichtlich vom hören. Sie schien sich noch nicht begegnet zu sein, wenn Mulder die Situation gerade richtig einschätzte. „Wie lange kennt ihr beiden euch schon?“ Regie war neugierig, selbst ein Blinder müsste sehen können wie gut diese beiden zusammen passten und vertraut miteinander waren. „Seit Februar diesen Jahres. Ich hatte gerade die X Akten übernommen und durch ein Versehen Mulder kennen gelernt.“ Sie ging aber lieber nicht auf die ganze Geschichte ein. „Ja solche Zufälle gibt es manchmal. Ist vielleicht schon eine Hochzeit geplant?“ Mulder und Scully schaute sich kurz an und Reg konnte sehen das hier ein Gespräch geführt wurde das er nur nicht hören konnte. Die beiden schienen sich wirklich gut zu verstehen. „Noch nicht wir wollen aber über Weihnachten unsere Verlobung in der Familie bekannt geben und feiern.“ Erzählte Mulder nach dem er von Scully das Okay bekommen hatte. „Das sind ja großartige Neuigkeiten. Ich freue mich für euch beide.“ Reggie klopfte Mulder begeistert auf die Schulter und nahm sich dann die Freiheit ein paar Glückwünsche rüber zu bringen. Seine Ehefrau schloss sich dem an und beide versprachen das Geheimnis für sich zu behalten. Man unterhielt sich noch eine Weile Reggie gab Scully noch reichlich Auskunft über Mulders Zeit als Profiler. Ließ ihn aber nur in einem guten Licht erscheinen. Danach widmete man sich wieder den anderen Gästen der Party.
Mulder holte für sich und Scully ein Glas Champagner. Als er sie wieder fand war sie in Gesellschaft eines größeren Mannes. Der trug einen eleganten Smoking, war Brillenträger und er viel durch seine geringe Haarpracht auf. Die Beschreibung schien auf ihren Boss Skinner zu passen. So ging er zu ihnen und reichte ihr das Glas. Scully übernahm kurz das vorstellen und bestätigte Mulders Verdacht. Es war wirklich ihr Boss AD Skinner. „Es freut mich sie endlich persönlich kennen zu lernen Mr. Mulder.“ Die beiden Männer schüttelten sich die Hände. „Die Freude ist ganz meiner seits, AD Skinner.“ Nach allem was Scully ihm erzählt hatte, war Mulder wirklich neugierig gewesen über ihren Boss. Skinner duldete nicht nur seine Zusammenarbeit mit Scully, er hatte Mulder wie einen seiner Agenten nach dem angeblichen Ufo Absturz verteidigt. Das nicht nur vor dem FBI, sondern auch dem Raucher, den Scully schon häufiger im Büro gesehen hatte. Dieser Mann war ein Problem für sich und er wusste nicht in wie weit man Scully’s Boss vertrauen konnte. Skinner schien einen festen Glauben an das Gesetzt zu haben. Der Raucher mochte ihn vielleicht einschüchtern, Mulder glaubt aber nicht das er ihn zu etwas bringen könnte was gegen die Gesetze dieses Landes verstoßen würde. So war Scully unter seiner Aufsicht vermutlich am besten aufgehoben. Besser als Belvins, von dem Mulder vermutete das er Dreck am Stecken hat. Aber den Rest würde die Zukunft zeigen, solange würde Mulders Meinung von Skinner durchaus positiv bleiben.
Sie unterhielten sich und Mulder hatte manchmal den Eindruck sich mitten in einem Bewerbungsgespräch zu befinden. Skinner schien gewisse Zweifel, was seine Zusammenarbeit mit Scully betraf zu haben. Dabei ging es ihm vor allem um die vertraglichen Aspekte. Ein Beratervertrag würde Mulder bei seiner Arbeit mehr absichern und neben dem Honorar auch die Unkosten ersetzen. Es gab in der Tat Vorteile, es wäre sogar Möglich die Tätigkeit als Profiler vertraglich aus zu schließen oder so allein auf X Akten zu beschränken. Es gab da vielleicht einige Möglichkeiten und Skinner schaffte es Mulder zu einem Besuch in seinem Büro Anfang Januar zu überreden. Bis dahin wollte er sich erkundigen. Der Assistent Director war nicht blind er würde auch prüfen was die FBI Regeln über die Zusammenarbeit von Eheleuten aussagte. Bei FBI Agenten war es klar, aber FBI Agent und Berater? Da konnte er sich nicht festlegen. Wenn er in den letzten Monaten etwas gelernt hat durch das öffnen der X Akten dann das diese zwei allen Schutz brauchten den sie kriegen konnten und vor allem Mulder, jeder schien es auf ihn abgesehen zu haben. Mulder hinterließ bei diesem Gespräch einen positiven Eindruck, er erweckte nicht den Eindruck verrückt zu sein. Im Gegenteil Skinner fand einen brillanten wachen Verstand, einen scharfsinnigen Ermittler, jemand der die Wahrheit suchte egal wie unangenehm sie aussehen mochte. FBI Agenten dieses Format waren selten.
Nach der Unterhaltung mit Skinner bat er Scully um den nächsten Tanz. Ein langsamer Walzer wurde gespielt und beide tanzten eng an einander. Man unterhielt sich nicht, genoss einfach nur die Nähe des anderen. Sie beendeten den Tanz mit einem Kuss, dann mischten sie sich wieder unter die Gäste. Scully wollte ihm unbedingt noch ein paar Kollegen vorstellen. So verging der Abend. Man tanzte, unterhielt sich oder aß eine Kleinigkeit am Buffet. Erst so etwa gegen eins machten sie sich auf den Weg zu ihrem Zimmer. Wo sie beide tot müde ins Bett fielen. Sie schafften es gerade noch so ihre Kleidung abzulegen. Mulder schlief in T-Shirt und Boxer Shorts die er bereits an hatte während sie sich eines seiner Shirts aus dem Schrank holen musste.
Mulder’s Penthouse, Hotel Hilton
Sonntag, 20.12.1992 12:00 Uhr
Sie hatten bis 10:00 Uhr durch geschlafen. Nach dem Frühstück haben sie dann Mulders Sachen gepackt. Den Rest seiner Sachen würde jemand heute noch abholen und ins neue Haus bringen. Es war ihre letzte Nacht in diesem Hotel gewesen, wenn sie aus Baltimore zurückkommen, würde er in seine neue Wohnung fahren. Fatima und Akim würden ein Tag vor ihm eintreffen und sich um alles weiter kümmern. Sie war wie Mulder gespannt auf das Ergebnis. Man hatte sie beide im Dunkeln gelassen und alles als große Überraschung geplant. Selbst Fatima hatte sich in diesem Punkt zu keiner Aussage überreden lassen und ihre Ermittler- Fähigkeiten waren an ihre Grenzen gestoßen. Man hatte Angst sie könnte Mulder etwas verraten, die Araber hatte in diesem Punkt kein vertrauen in sie, leider. Scully prüfte noch einmal ob sie wirklich alles hatten, ihre Sachen hatte sie schon Samstag gepackt mitgebracht. Als sie fest stellte das sie alles es hatten, machten sie sich auf den Weg zum Flughafen. Der Learjet erwartete sie schon für den kurzen Flug nach Baltimore. Warum sie flogen war Scully unklar, Mulder meinte nur das sie ihn über die Ferien sowie so noch brauchen würden und da könnte er genauso gut in Baltimore stehen. Sie würden sich am Flughafen einen Mietwagen nehmen. Was sollte da schon passieren?