Sündenbock


Titel: Sündenbock

Autor: atarius (atarius@gmx.de)

Kategorie: AU, Crossover (X Files/ Highlander), MST

Spoiler: ich fürchte eine Menge zu mindestens den ersten 5 oder 7 Staffeln


Feedback: Gern gesehen, solange es in gewissen Rahmen bleibt. Erzählt mir was ihr von der Geschichte haltet, zeigt mir wie ich das ein oder andere besser machen kann. Vielen Dank im voraus an jeden der sich die Zeit dafür nimmt.


Kurze Beschreibung: Mulder als Unsterblicher oder wie löst man X Files ohne eine zu werden? Die Welt geht unaufhaltsam ihrem Ende entgegen. Dunkle Gestalten lauern in den Schatten und versuchen an Macht zu gelangen. Ihre scheinbaren Verbündeten sind eine mächtige außerirdische Rasse, die den Planeten Erde aber für ihre eigenen Zwecke will. Bereits als Kind wird Mulder in diesen Sumpf hineingezogen…


Disclaimer: Nichts gehört mir leider. Carter, Fox und Co besitzen alle Rechte, ich mische mich nur ungefragt ein. Alle Orte und Personen sind frei erfunden.














Sündenbock

von Atarius Behrnardt


Inhalt

Inhalt 3

Prolog „Von Leben und Tod” 4

Kapitel 1 „Wie alles Begann” 7

Kapitel 2 „Papier Herzen“ 17

Kapitel 3 „Ihr Auftritt Scully!“ 34

Kapitel 4 „Arabische Nächte“ 48

Kapitel 5 „Arabische Invasion“ 65

Kapitel 6 „Von Urlaub und dem Teufel“ 83

Kapitel 7 „Vorfreude und Pyromanen“ 110

Kapitel 8 „Fröhliche Weihnachten“ 132

Kapitel 9 „Undercoverteen“ 147

Kapitel 10 „Manchmal kommt es richtig dick!“ 161

Kapitel 11 „Der FBI Weiterbildungskurs“ 174

Kapitel 12 „Im Körper des Feindes“ 185

Kapitel 13 „Das Geheimnis ewiger Jugend“ 196

Kapitel 14 „Wer hat den schönsten Hintern im Land?“ 214


Prolog „Von Leben und Tod”


Chilmark, Martha's Vineyard

Samstag 14.10.1961 23:00 h


Sie werden uns töten Teena!“ Bill Mulder lief aufgeregt in seinem Wohnzimmer auf und ab während seine Frau weinend auf der Couch saß. „Das ist nicht unser Sohn! Unser Kind ist TOT!“ schrie Sie ihn an. Ihre Stimme war fast hysterisch. Vor drei Tagen kam ihr Kind, hier in diesem Haus tot zur Welt. Wie immer war Bill nicht da gewesen, nur eine Hebamme hatte ihr bei der Geburt zur Seite gestanden. Ihr kleiner Junge war Tod und jetzt wollte Bill doch tatsächlich so tun als hätte es Vorgestern und Gestern nie gegeben. Ein anderes Kind, das er irgendwo in Washington aufgegabelt hatte sollte den Platz ihres Babies einnehmen. Der kleine Junge lag nun in einem Tragekorb auf dem Tisch direkt vor ihr, doch sie wollte ihn nicht einmal ansehen. ‚Nicht mein Kind!’ war als woran sie denken konnte und der Anblick tat so weh. Warum konnte er das nicht verstehen?


Teena du weiß was passieren wird. Wir haben ihnen ein Kind versprochen, nicht nur ich. Du bist am Projekt genauso beteiligt gewesen wie ich. Wir teilten dieselbe Meinung, sahen wie notwendig es ist für das Wohl aller. Wir haben ihnen unser erstgeborenes Kind versprochen, damit wir eine Zukunft haben können!“ redete er auf sie ein doch schien keinen Erfolg mit seinen Worten zu haben. Er hatte dem Projekt sein Erstgeborenes versprochen und dabei den Fehler gemacht bereits zu kassieren. Es war nicht mehr möglich aus diesem unheiligen Pakt heraus zu kommen und mit diesen Leuten war nicht zu spaßen, sie kannten nur einen einzigen Weg, eine Lösung für die meisten aller Probleme. Tod! Tod für jeden der es wagte ihnen in die Quere zukommen, Tod für jeden der mit ihnen Geschäfte machte und seinen Teil der Abmachung nicht hielt! Wie konnte sie das nicht begreifen? Sie war doch damals dabei gewesen. Mr. Mulder wollte ganz sicher nicht sterben, er war noch viel zu jung dafür. Aber wie umgehen? Zwei Tage hatte es ihn gekostet die perfekte Lösung auf das Problem zu finden. Ein anderes Kind musste her und die Lücke füllen. Gestern kam ihm wie ein sechser im Lotto vor als er in einer kleinen Klink außerhalb Washingtons auf diesen Jungen stieß. Das Neugeborene war einfach im Warteraum der Entbindungsstation abgelegt worden. Höchstwahrscheinlich gerade mal eine Stunde nach seiner Geburt. Mit Hilfe seines besten Freundes konnte er den Bericht über diesen Vorfall verschwinden lassen und das Kind ans sich nehmen. Es war perfekt, warum konnte sie das nicht begreifen?


Jeep, es war eine einfache Lösung. Das musste auch sie anerkennen. Es war nicht ihrs also was kümmerte es sie was aus diesem Geschöpf wird? Sie würde es wahrscheinlich nie wieder sehen. Nur sagen es ist ihrs und warten bis das Experiment zu Ende geht. Aber was war wenn er die Prozedur tatsächlich überlebt? Könnte sie dann dieses Kind in ihrem Haus dulden und so tun als ob es ihr eigen Fleisch und Blut ist? Ihr Mann verlangte da eindeutig zu viel, selbst wenn nie jemand davon erfahren würde, sie würde immer wissen es ist nicht ihrs, ihr Babyboy war tot. Konnte er nicht genauso den Verlust spüren wie sie es tat? Ja es klang damals alles so einfach. ‚Es ist nur ein Kind. Nur ein Kind für die Zukunft vieler anderer Kinder. Wir könnten dann eine glückliche Familie sein und bräuchten uns um nichts sorgen machen. Unsere anderen Kinder könnten aufs Collage gehen. Vielleicht wird unser nächstes Kind sogar der nächste Präsident oder oberster Richter’ oder ‚Es ist für das Wohl aller wenn wir kooperieren und so die Leben tausender retten. Durch diese Experimente verschaffen wir uns Zeit um eine Lösung zu finden damit wir alle eine Zukunft haben können.’ so oder so ähnlich konnte sie Bill und seine Kollegen immer noch im Hinterkopf hören. Diese Reden kannte sie alle auswendig. Ja sie konnte noch weitere Kinder haben und das Wissen das diese eine Zukunft haben würden von der Sie immer nur träumen konnte ließ Sie damals zu stimmen. Eine Entscheidung die sie nun bitterlich bereute und in ihren Träumen jeden Tag aufs Neue heimsuchte. War die Todgeburt eine Strafe Gottes weil sie und Bill eine derartige Entscheidung getroffen hatten? Würden sie mit dieser Tat wirklich die Zukunft ihrer Familie sichern oder auf ewig verfluchen? „Was wenn der Schwindel auffliegt?“ Sie hatte Angst und brauchte mehr Zeit um nach zu denken.


Das wird nicht passieren. Carl hat alle Spuren beseitigt, du kennst ihn, weißt was für ein guter Freund er ist. Er wird uns nicht enttäuschen. … Ich bin nicht nur für die Auswahl der Testobjekte zuständig sondern kann auch dafür sorgen das es das Projekt so schnell wie möglich wieder verlässt. … Ich habe Zugriff auf die Daten, ich verspreche Dir ich tue alles was notwendig ist. … Und wenn alles vorüber ist, dann lass uns noch einmal von vorne anfangen. … Wir werden andere Kinder haben. Vielleicht eine Tochter wie du dir immer gewünscht hast. … Und ich verspreche dir das ich dann alles tun werde das es unserer Familie gut geht und wir nie wieder so eine Entscheidung treffen müssen.“ Verzweiflung klang in jedem seiner Worte mit und auch Angst und Wut. Bill Mulder würde nicht mehr lange einen klaren Kopf behalten können. Was sollte er machen wenn sein Weib nicht zustimmte?


Das Gespräch ging weiter ob wohl es immer später wurde und beide langsam mehr als nur Müde waren. So gegen zwei Uhr morgens kam man dann zu einer Einigung. Mr. Mulder hatte gewonnen, sie würden dieses Baby als das ihre ausgeben und an das Projekt übergeben. So grausam es klingen mag, beide hofften dieses Kind niemals wieder zu sehen.


Quonochataug, Rohde Island

Freitag 02. November 1973 20:30 h


Die Kinder waren im Bett. Ein Gefühl von Déjà vu lag über dem Haus. Wieder befanden sich die Mulders in einer Situation wie vor 12 Jahren. Eine Entscheidung musste getroffen werden. Damals war nicht alles so verlaufen wie man es sich vorgestellt hatte. Das Experiment war ein Fehlschlag gewesen und das Projekt unzufrieden mit den Ergebnissen. Das Baby von damals hatte überlebt und lebte nun als „Sohn“ in der Familie. Er hatte kaum eine Reaktion auf die Tests gezeigt und war deshalb schnell aussortiert worden. Teena wollte das Kind zuerst nicht in ihrem Haus haben doch um der alten Lüge willen, war auch ihr keine andere Wahl geblieben als zuzustimmen. So kam Fox zurück in ihr Haus, der Junge war damals nicht älter als ein dreiviertel Jahr gewesen und man hat den Nachbarn erzählt, dass das Baby krank gewesen sei und solange im Krankenhaus war. Damit konnte man auch gleich erklären warum der Junge so oft zu „Nachuntersuchungen“ musste. Obwohl er nicht mehr an der Testreihe teilnahm wollte man ihn unter Beobachtung behalten wegen Spätfolgen und so weiter. Etwa drei Jahre später kam dann ihr kleiner Sonnenschein Samantha zur Welt, das machte das Leben um einiges leichter. Samantha war ihr Kind und sie hatten schon genug geopfert das sollte ihnen keiner mehr nehmen. Die Jahre mit ihrer kleinen Tochter sind bisher die glücklichsten Jahre ihres Lebens gewesen und beide Mulders wollten nichts daran ändern. Doch das Projekt forderte neue Ressourcen, die Fremden verlangten Garantien. Um ihre Loyalität zu beweisen sollten alle am Projekt beteiligten etwas das ihnen am liebsten ist den Fremden über lassen. Sie würden eines Tages zu uns zurück gebracht hieß es, aber konnte man ihnen trauen? Schon einmal wurde ein Opfer von den Mulders verlangt und jetzt noch eins? Hörte es denn niemals auf?


Beide waren sich einig das wenn sie schon eines ihrer Kinder hergeben mussten dann sollte es Fox sein. Er war ein guter Junge und Samantha liebte ihn wie einen Bruder ganz ohne Zweifel. Sie kannte die Wahrheit nicht und die Mulders könnten den Verlust ihres zweiten Kindes niemals verkraften auch in diesem Punkt waren sich beide einig. Erleichterung, dass man Fox damals aufgenommen hatte machte sich nun in beiden breit. Er war ein guter Junge, intelligent und alles doch hatte er es nie geschafft den leeren Platz in Teena Mulders Herzen aus zu füllen. Alles erinnerte sie immer noch daran, dass ihr Babyboy eine Todgeburt war und der Schmerz saß immer noch tief auch wenn Bill den „Vorfall“ längst vergessen hatte. Dennoch Fox war bereits einmal getestet und als Fehlschlag aussortiert worden. Würden Sie ihn nehmen? Man wollte ja schließlich nur eine Versicherung, eine Geisel haben und wenn alles vorbei war dann würden sie ihn zurück bringen. Es war so einfach auf diese Art das es doch wieder beunruhigend war. Es konnte soviel schief gehen.


Beide lieferten sich an diesem Tag eine heftige Diskussion die erst durch Carls Ankunft beendet wurde.


Kapitel 1 „Wie alles Begann”


Oxford, England

Freitag, 21.12.1984 6:00 h


Weihnachtszeit, Urlaubszeit eine tolle Erfindung solange man einen Platz, eine Familie hat mit der man diese doch ach so schönen Momente genießen kann. Und damit fingen gewöhnlich die Problem an. Wo soll man hin gehen wenn die Eltern getrennt leben und die Schwester seit 11 Jahren spurlos verschwunden ist? Zu Mam, die seit Samanthas verschwinden vergessen hat das er überhaupt existiert oder zu Dad der sich lieber dem Alkohol widmet und ihn ab und an mit einem Punchingball verwechselt? In der Regel wenn man so eine Auswahl hat dann ist nicht einmal England weit genug von „zu Hause“ entfernt und alles ist besser als die Feiertage in dieser Familie zu verbringen.


Dieses Jahr hatte Fox Glück, er brauchte sich nicht mit diesen Fragen zu beschäftigen. Seine Mutter hatte ihm Geld als Weihnachtgeschenk geschickt, nicht viel aber es genügte für einen Trip nach Tirol zum Ski fahren mit anderen Studenten die über die Feiertage etwas, eh’ „armselig“ dran waren. 6 Studenten hatten sich für die Fahrt finden lassen und wollten sich die Kosten für die Fahrt und das Ferienhaus teilen. Mulder hatte keine Ahnung von Ski fahren doch war das immer noch verlockender als die Ferien allein zu verbringen. Das Nachtleben soll dort super sein und es gibt Berg-, Gletschertoren und reizende Ski- Fahrlehrerinnen.


In seinem Kopf hatte er schon so die eine oder andere Vorstellung wie er seine Zeit dort verbringen würde. Er ging noch einmal seine mentale Checkliste durch ob er auch nichts vergessen hatte und machte sich kurze Zeit später auf dem Weg zum Sammelpunkt. Die Studenten hatten den Informationsschalter im Bahnhof als Treffpunkt ausgemacht. Man wollte mit der Bahn nach Dover und von dort mit der Fähre nach Calais übersetzen. Einer der Studies hatte dort einen Freund der einen alten VW- Bus besaß, den konnten sie leihen sie mussten nur für die Spritkosten selber aufkommen. Zum Glück fuhr man auf dem „Festland“ rechts so das Mulder keine Probleme hatte sich mit den anderen während der Fahrt nach Österreich abzuwechseln. Das einzige was er auf der Hinreise vermeiden wollte war in den Alpen hinter dem Steuer zu sitzen. Ein alter VW- Bus in den engen meist kurvenreichen, steilen Strassen war ein Bild zum Gruseln, doch sie hatten alles geplant und er konnte sich nicht wirklich vorstellen das es irgendwelche Schwierigkeiten auf der Tour geben würde.


Er brauchte nicht lange zum Bahnhof. Ein paar der Gruppe waren schon anwesend und bei ihrem Anblick kamen ihm die ersten Zweifel ob er auch wirklich genug mitgenommen hatte. Er trug seinen alten grauen Winterparker, darunter einen braunen wollenen Rollkragenpullover und schwarze Jeans. Schal und Handschuhe hatte er vorerst im Rucksack verstaut. War er vielleicht zu dünn angezogen? Die anderen hatten Wattejacken und bei einem Lagen neben den Schiern noch ein Bündel das wie dicke Winterkleidung aussah. Das ganze sah definitiv danach aus als ob er sich dort den Hintern abfrieren würde. Die Reise fing ja schon mal gut an.


Irgendwo in den Alpen, auf alle Fälle noch Österreich (Scheiß Orientierungssinn)

Donnerstag, 27.12.1984 17:05 h


Sie hatten sich verirrt. Ihr Führer hatte sich das Bein gebrochen und hatte bis jetzt das Bewusstsein immer noch nicht wieder erlangt. Was konnte jetzt eigentlich noch schief gehen? Es hatte alles als eine harmlose Tour in die Berge angefangen. Wie hatte es soweit kommen können? Über die Feiertage gab es reichlich zu Essen und jeder glaubte nun das es nötig war ein paar dieser „überflüssigen Pfunde“ wieder los zu werden. In den letzten Tagen hatte sich die Gruppe aus England mit ein paar Franzosen und Italienern angefreundet. Sie hatten zusammen für heute einen Bergführer gemietet. Früh um 7 Uhr waren sie aufgebrochen und wollten eigentlich zur Mittagszeit zurück im Ort sein um dort gemeinsam den Nachmittag zu verbringen. Das war so harmlos und simpel das sich Mulder nur fragen konnte wie sich das ganze so rasant in einen Alptraum verwandeln konnte. Es war kalt, die warmen wattierten Wintersachen die er sich für den Trip in die Berge geborgt hatte halfen gegen die Kälte, machten seine Bewegungen aber unbeholfener. Die Jacke war etwas zu klein für ihn wenn er die Arme anhob dann drückte sie unbequem an den Schultern und die Ärmel rutschten halb bis zu seinen Ellbogen hoch. Lästig, mehr als Lästig und jetzt musste er auch noch den Bergführer schleppen. Man hatte abgestimmt sich auf den Rückweg zu machen ohne darauf zu vertrauen das der Mann wieder zu bewusst sein kommt. Einer der Franzosen glaubte den Weg zurück zu kennen. Mulder hatte ein ungutes Gefühl bei der Sache und dagegen gestimmt doch war am Ende überstimmt worden.


Sie waren nun schon doppelt solang auf dem Rückweg wie sie für den Hinweg gebraucht hatten. Man musste kein Genie sein um die Wahrheit die sich dahinter verbirgt zu erkennen. Glasklar sie hatten sich verlaufen, der Franzose hatte sie vermutlich mehr als nur in die falsche Richtung geführt. Ihm war zum Schreien zu mute und er würde mit Sicherheit längst Kilometerweit zu hören sein wenn er nicht wüsste das so etwas üble Konsequenzen haben konnte, besonders hier in den Bergen. Im Ort wo sie untergekommen sind hatte man ihm neben alten Räuber und Geistergeschichten auch einiges über Lawinen, Gletscherspalten und verunglückten Bergsteigern erzählt. Zu diesem Zeitpunkt konnte er kaum glauben das man ab und an Leichen in der Nähe eines Gletschers findet die über hundert Jahre alt und immer noch gut erhalten sind. Jetzt konnte er sich das sehr wohl vorstellen und hoffte das niemand in fünfzig oder hundert Jahren über seine Leiche stolpern würde. Er blieb kurz stehen um tief Luft zu holen und noch einmal den Verwundeten auf seinem Rücken zurecht zurücken. Er trug den Mann huckepack, so wie er oft seine Schwester am Strand lang getragen hatte, damals in den besseren Zeiten bevor sie verschwand. Er konnte sich nicht erinnern das ihm dabei jemals sein Kreuz zuschaffen gemacht hatte wie heute. War es weil seine Schwester im vergleich zu seiner jetzigen Last ein Federgewicht war oder simpel weil es damals um Spaß und nicht Überleben ging? Überleben, darum ging es im Augenblick wohl. Der Spaß war längst vergessen. Er wollte gerade weiter gehen als er ein Grollen hörte. Als er sich gerade umdrehen wollte um zu sehen woher das Geräusch kommt war es schon zu spät. Irgendetwas schnappte nach ihm und dann war es nur noch Dunkel.


Krankenhaus in Innsbruck, Österreich

Sonntag, 06.01.1985 13:45 h


Er kam langsam zu sich, brauchte einiges an Zeit um sich an das Licht zu gewöhnen bevor er heraus finden konnte wo er sich zur Hölle befand. Seine Nase und Ohren lieferten bereits Informationen an sein Gehirn und was er da verarbeitete beunruhigte ihn. Der Gedanke an ein Krankenhaus hielt sich hartnäckig, aber er musste es sehen um es auch glauben zu können. Er hasste Krankenhäuser genauso wie er Ärzte nicht leiden konnte. So warum zum Teufel war er hier? Nur ungläubig schaute er sich im Raum um. Eindeutig Krankenhaus doch irgendwas war anders. Sein Blick schweifte über die Einrichtung blieb vor schreck starr an einer Blumenvase hängen. Wie konnte das sein? Er war Farbenblind und doch konnte er plötzlich rote Rosen sehen. War das nur Einbildung? Rot! Grün! Er kannte diese Farben nicht, hatte sie bisher nur als unterschiedliche grau Töne war genommen. Samantha hatte einmal versucht sie für ihn zu beschreiben und seine Schwester war die einzige Person die sich jemals die Mühe gemachte hatte ihm zu helfen die beiden Farben aus einander zu halten sie überhaupt zu erkennen. Rote Rosen, Verkehrsampeln waren Teil eines Spiels was sie sich dazu ausgedacht hatte. Er hätte nie zu träumen gewagt rot oder grün zu sehen.


Nach gut fünf Minuten hörte er auf die Blumen an zu starren. Mulder schloss kurz die Augen und schaute sie sich dann noch einmal an. Sie waren immer noch rot nicht grau in grau. Schnell suchte er mit den Augen den Raum ab und ein Handtuch fand sein Interesse. Das Handtuch war weiß mit einem roten Kreuz drauf. Treffer, ein rotes Kreuz das Symbol des „Roten Kreuz“ also konnte er sich das ganze nicht einbilden, richtig? Mulder kam sich nun vor wie jemand der sein ganzes Leben lang schwarz-weiß Fernsehen gekuckt hat und plötzlich einen Farbfernseher bekommen hat. Er wollte raus, Gras, einen Park sehen und natürlich wollte er endlich wissen welche Farbe Captains Kirks Uniform nun wirklich hat. Das war für ihn immer hin ein Jahrzehnte langes Streitobjekt gewesen.


Oxford, England

Sonntag 13.01.1985, 6:30 h


Es war gerade mal eine Woche her das er im Krankenhaus aufgewacht war. Man hatte ihm erzählt das er von einer Lawine verschüttet wurde und das er einer der glücklichen Drei war die Lebend geborgen werden konnten. Von seiner Gruppe hatte keiner überlebt, die anderen beiden Überlebenden waren das eine Ehepaar aus Frankreich. Man glaubt das die Leiche des Bergführers ihn vor Schaden bewahrt hatte. Den als man ihn fand war er nur bewusstlos sonst unverletzt. Man hatte sich in den USA über ihn informiert und so von dem Vorfall nach Samanthas Entführung erfahren. Die Ärzte nahmen an das er sich wie damals in einen komatösen Zustand befand und von allein wieder aufwachen würde. Seine Eltern hatten ihn im Krankenhaus nicht besucht oder angerufen. Die roten Rosen waren von dem französischen Ehepaar gewesen. Sie und jemand von der Botschaft waren seine einzigen Besucher in der letzten Woche. Das er auf wundersame Weise von seiner Farbenblindheit geheilt wurde hatte er niemanden erzählt. Er fürchtete das man ihn dann länger im Krankenhaus behalten würde. Am Freitag hatte er es dann geschafft das man ihn gehen ließ er wollte unbedingt zurück nach England um an der Messe für die anderen Opfer des Unglücks teilzunehmen. Es hatte bereits einen Trauergottesdienst in Innsbruck gegeben doch zu diesem Zeitpunkte hatte Fox noch nicht das Bewusstsein wieder erlangt. Die beiden Franzosen hatten ihm davon erzählt, sie hatten teilnehmen können trotz ihrer Verletzungen. Die Frau hatte sich bei dem Unglück beide Beine gebrochen und ihr Ehemann war mit einem gebrochenen Arm und einer Gehirnerschütterung davon gekommen. Auch sie konnten sich nicht erklären wie Mulder es geschafft hatte unverletzt der weißen Hölle zu entkommen.


Er hatte seine eigenen Probleme damit. Mulder hatte noch nie so etwas wie Glück gehabt. Der Gedanke ließ ihn nicht los und deshalb rannte er sich gerade die Lunge aus dem Leib. Er wollte seine Gedanken frei bekommen, wissen was genau passiert war. Doch mehr als ein lautes Geräusch und dann alles Dunkel fand er nicht in seinem sonst so perfekten Gedächtnis. Das er am Leben war konnte er sich genauso wenig erklären wie das verschwinden der Farbenblindheit oder die anderen Merkwürdigkeiten die ihm innerhalb der letzten Woche aufgefallen waren. So hatte er sich inzwischen nicht nur an Rot und Grün gewöhnt sondern konnte auch alles ob nah oder fern deutlich erkennen. Seine Brille konnte er jetzt beim Lesen stecken lassen und wenn ihm seine Erinnerungen keinen Streich spielen dann hatte man ihm die Mandeln herausgenommen als er 10 Jahre alt war. Dennoch war er Vorgestern wegen einer leichten Mandelentzündung behandelt worden und dürfte auf Anordnung seines Hausarztes jetzt nicht joggen sondern das Bett hüten und vielleicht Eiscreme essen. So waren die Mandeln wieder da und jede einzelne Narbe die er gehabt hatte war verschwunden. Wie konnte das angehen? So nahmen die Rätsel kein Ende.


Was ihn aber am meisten verwirrte waren Erinnerungen die wie aus dem Nichts erschienen sind. Merkwürdige Lichter in der Nacht von Samanthas verschwinden. Sie waren so grell und er konnte sich nicht bewegen und dann Sam sie schrie nach ihm und er konnte ihr nicht helfen. Bildet er sich das jetzt nur ein? Hatte sein Vater recht das er an allem Schuld war? Er sollte auf sie aufpassen und er hatte sie nicht beschützen können. War er wirklich ein Feigling gewesen der vor Angst erstarrt war und nicht half als er ihre Schreie hörte? Aber was war dann das für ein graues Männchen das zu ihm kam und … und an der Wange berührte. Es hat sogar geredet aber ohne die Lippen dabei zu bewegen. So sehr er Sincefiction las und im Fernsehen sah wo kam dieses Wesen her? Einbildung? Erinnerung? Was war es? Mulders Atem ging schneller und sein Herz schlug wie wild, die Muskeln in seinen Beinen fingen an zu rebellieren und ließen keine andere Wahl als kurz zu verschnaufen. Er blieb stehen, beugte sich kurz nach vorne. Eine Hand ging automatisch zur Seite um das Seitenstechen zu lindern. Er beschloss es hatte keinen Sinn weiter zu laufen. In der Nähe gab es ein Mac Donalds, Zeit für ein Kaffee und was zu Essen.


Oxford, England

Montag, 14.01.1985 8:00 h


Der Gedenkgottesdienst war mehr als verwirrend für Mulder gewesen. Er hatte sich die meiste Zeit beobachtete gefühlt so als wären sämtliche Blicke auf ihn gerichtet gewesen. Er war irgendwie froh als es vorbei war und wollte nichts lieber als nach Hause rennen und sich in sein Zimmer einschließen. Er bemühte sich wirklich es nicht wie Flucht aussehen zu lassen und versuchte einen neuen Geschwindigkeitsrekord für die Strecke Kapelle zum Wohnheim auf zu stellen. Er konnte es einfach nicht ertragen. Jeder Blick schien zu sagen ‚Warum er?’ und jedes Wort das er hörte klang wie ‚Wieso er?’ er konnte die Stimmen schon nicht mehr hören. Er hatte geglaubt ihnen entkommen zu sein, doch kurz nach dem er den Dome erreicht hatte klopfte es an seiner Tür. Professor Mark Conners sein Tutor stand vor der Tür. Er war der Vater von Ellen Conners die das Lawinenunglück nicht überlebt hatte. Mulder hatte einen Schlag ins Gesicht erwartet oder Vorwürfe doch stattdessen wollte er nur reden. Der Verlust seiner Tochter hatte ihn tief getroffen, er gab Mulder keine Schuld an dem Vorfall. Er brauchte Zeit und hatte sich deshalb bis Ende des Semesters beurlauben lassen. Er wollte nicht das Mulder es von jemand anderem erfährt und sehen wie es ihm ging, waren zwei seiner Gründe Mulder zu besuchen. Der dritte und letzte Grund war hinter der Tür vor der Mulder gerade stand. Mr. Conners hatte ihm einen neuen Tutor besorgt und sein erster Termin war jetzt Punkt 8:00 Uhr bei einem gewissen Adam Pierson. Ein Gastdozent der hier für ein Jahr Geschichts und Philosophie Vorlesungen hält.


Er klopfte kurz und betrat dann ohne auf ein ‚Herein’ zu warten das Büro. Er war überrascht als er den Mann hinter dem Schreibtisch sah. Der wirkte kaum älter als er selbst. War das vielleicht nur eine Assistent des Professors, ein HIWI oder so etwas in der Art? Mulder war bei dem Anblick so verwirrt das er den verwirrten Gesichtsausdruck auf dem Gesicht des Mannes gar nicht bemerkte. Der Unbekannte brauchte gut eine Minute um sich zu fangen und musterte ihn dann mit den Augen. „Mr. Mulder nehme ich an?“ brach Pierson mit einem freundlichen Lächeln das Schweigen. „Ja. Und sie sind Professor Pierson?“ Unglaube schwang deutlich in Mulders Stimme mit. „In voller Größe.“ Sein Lächeln wurde breiter als er sah wie sich Mulders Augen vor Unglauben weiteten. Pierson war jung und konnte noch glatt für einen Studenten gehalten werden nichts verriet sein wirkliches Alter und das sollte nach Möglichkeit so bleiben. Doch Pierson faste Mulders momentane Sprachlosigkeit als Genugtuung auf. Einen anderen Unsterblichen hier zu treffen hatte ihn genauso überrascht und es gab nur noch wenig Dinge die das konnten. Er wollte eigentlich Schwierigkeiten aus dem Weg gehen, doch war ein Duell höchstwahrscheinlich unvermeidbar. Er wartete geduldig, ließ Mulder Zeit sich zu sammeln. Sollte er ruhig den nächsten Schritt machen.


Entschuldigung. Mr. Conners hat mir gestern einiges von ihnen erzählt und ich muss gestehen ich hatte heute einen älteren Herrn so um die 50 erwartet hier anzufinden. … Kein guter Start finden Sie nicht?“ Mulder wusste das sein Verhalten nicht ganz angemessen war konnte sich aber nicht helfen. Er hatte keine Ahnung was er sagen sollte um diesen nun wirklich misslungen Start wieder gut zu machen. „Schon okay. Ich bin diese Reaktion gewöhnt. Sag mal Fox, fragen sie dich in der Kneipe immer noch nach deinem Ausweis bevor Sie dir ein Bier einschenken?“ Die Frage kam trocken rüber und trieb Mulder die Röte vor Verlegenheit ins Gesicht. „Mulder, Sir. Einfach nur Mulder. Nicht Fox, niemals Fox und ja ich weiß was sie meinen aber zum Glück gibt es hier Alkoholausschank schon ab 18 und da habe ich keine Probleme. Es tut mir Leid, könnten wir nicht einfach noch einmal von Vorne anfangen?“ Seine Stimme wurde zum Ende hin ein klein wenig leiser, unsicherer und er schenkte dem Prof. ein scheues Lächeln. Pierson hatte alle Mühe sich ein schmunzeln zu verkneifen, der Junge gefiel ihm irgendwie. „Okay Mulder. Ich bin Adam Pierson. Freut mich dich kennen zu lernen und nenn mich Adam.“ Er schien es wirklich so zu meinen.


Er ließ Mulder Platz nehmen und machte es sich selbst am Schreibtisch gemütlich. Noch einmal musterte er den jungen Mann vor sich. Er fragte sich wann es wohl so weit ist. In den letzen zweihundert Jahren hatte er sich mehr als nur Mühe gegeben dem Spiel aus dem Weg zu gehen, der Junge war noch nicht alt das konnte er deutlich spüren. Doch wieso reagierte er nicht? Ob er ihn direkt konfrontieren sollte? Kopf ab und dann weiter als wäre nichts gewesen? Mulder hatte gerade erst für Gesprächsstoff gesorgt, sein Tod würde Scoutland Yard Kopfschmerzen bereiten aber sie würden sich mit Sicherheit zuerst an die Angehörigen der fünf Opfer des Lawinenunglücks wenden, genügend Zeit also um unter zu tauchen. „So was hat dich hierher geführt Mulder?“ War das zu deutlich? „Mr. Conners hat mir gesagt das sie mein neuer Tutor sind und das er mir für heute einen Termin gemacht hat. Also hier bin ich.“ Pierson beobachtete ihn gründlich während er sprach, suchte in seiner Körpersprache, Augen nach Anzeichen. Die Augen waren Haselnuss braun und grün und spiegelten so viel vor allem eine gewisse Traurigkeit aber nicht das was er suchte. Keine Anzeichen von Erkennen oder Verwunderung. Selbst wenn er neu im Spiel ist, muss er sich doch über die Kopfschmerzen wundern oder?


Und was ist mit meinem Kopf?“ Subtiler ging es nicht, Piersons direkter Angriff auf das Unvermeidliche ließ Mulders Kinnlade runterklappen. Das Gespräch wurde langsam bizarr in Fox Augen und er wusste nicht was er darauf antworten sollte. Er kannte den Prof. noch nicht so gut und wollte es sich nicht schon am ersten Tag mit ihm verscherzen. Also vorerst keine vorlauten Bemerkungen, das Eis war noch zu dünn. „Verzeihung, ich weiß nicht was sie meinen. Das Köpfe rollen überlasse ich den Historikern. Ich für meinen Teil bevorzuge Psychologie.“ Er konnte seine Stimme wie ein Wunder klar und deutlich halten und sein Gesicht in ein neutralen Ausdruck zwingen. „Das Spiel. Das ‚Es kann nur einen geben.’ Spiel.“ Half Mulder auch nicht zu verstehen worauf Pierson hinaus will. „Tut mir Leid aber ich spiele lieber Stratego.“ Der Professor war wirklich mehr als sonderbar. „Oh du ahnst es nicht. Sag Mulder ist dir nach dem Lawinenunglück irgendetwas Merkwürdiges aufgefallen?“ Beide hatten nicht wirklich das Gefühl das der andere Verstand und das machte Mulder immer nervöser. Er kannte den Mann knapp 15 Minuten und wollte ihm mit Sicherheit noch nicht soweit vertrauen. „Nicht das ich wüsste.“ Versuchte er sich aus der Sache heraus zu reden und stellte fest das er schon mal überzeugender gelogen hatte.


Wirklich?“ Ja die Augen waren der Spiegel zu der Seele und das Paar das er gerade betrachtete verriet ihm alles. Mulder hatte also was bemerkt. Es war Adams verdammtes Pech das er ausgerechnet einem „Neugeborenen“ über den Weg laufen musste. Er wusste genau was in dem Jungen vor sich ging und aus irgendeinem verfluchten Grund konnte er nicht anders. Er musste sich einmischen. Er gab Mulder noch etwas Zeit und als er nach einer Weile immer noch keine Anstalten machte zu antworten, versuchte er selbst seine Frage zu beantworten. „Wie sieht es zum Beispiel mit dem Rasieren aus? Nicht einmal verletzt in den letzten Tagen? Sind die Wunden vielleicht auf der Stelle geheilt?“ Der Junge brauchte nicht antworten, seine Augen verrieten ihn wieder. Adam hatte also einen Volltreffer gelandet und lächelte leicht. Jetzt kam die schwierige Phase. „Hattest du vielleicht plötzlich Kopfschmerzen als du hier bei meinem Büro angekommen bist?“ Mulders Reaktion auf die Frage war nicht ganz wie erwartet. Verwirrt okay aber offensichtlich keine Bestätigung, kein Widererkennungseffekt. „Das mit dem Rasieren stimmt, aber keine Kopfschmerzen. Ich war Rot- Grün Farbenblind vor dem Unfall jetzt aber nicht mehr.“ Die Antwort war leise und Adam hatte sich anstrengen müssen sie überhaupt zu hören. Es war aber nicht das was er erwartet hatte und zum zweiten Mal an diesem Tag war er überrascht und sprachlos. Wie sollte er das Gespräch fortsetzen ohne das Mulder in Panik gerät und flieht?


Okay. Ich will ehrlich sein. Aber dafür musst du mir versprechen bis zum Ende zu zuhören. Kannst du mir versprechen zu warten bis ich fertig bin?“ Seine Stimme hatte nun den Ton angenommen als würde er zu einem kleinen Kind sprechen. Ein Kind das jeden Moment Schreien und weglaufen konnte. „Okay, das ist nur fair.“ Mulder war sichtbar Nervös und seine Hände umklammerten fester die Armlehnen so als würde er sein Todesurteil oder tödliche Krebsdiagnose erwarten. „Es mag wirklich unglaublich klingen aber ich möchte das du mir zu hörst Mulder.“ Nach einer Pause und einem Nicken von Mulder fuhr Piersen fort. „Ich werde versuchen meine Behauptungen zu beweisen, aber das ist etwas unschön so das ich es erst erklären will. Hast du dich in den letzten Tagen mal gefragt wie du ein Lawinenunglück unbeschadet überleben konntest? Es ist schwer zu erklären und die einzige Antwort die ich dir darauf geben kann ist das du es nicht überlebt hast.“ Pierson hob beschwichtigend die Hand versucht den nun etwas mehr als ungläubigen Mulder zu beruhigen und wartete bis er wieder bequem in seinem Stuhl saß bevor er weiter sprach. „Es ist die Wahrheit. Mulder du bist an dem Tag gestorben und wiedergeboren. Du bist ein Unsterblicher und die einzige Art für dich zu sterben ist wenn du deinen Kopf verlierst.“ Er studierte Mulder gründlich ließ ihm Zeit die Worte zu verarbeiten. Es war definitiv zulange her das er einen Schüler hatte.


Tod? Unsterblich? Soll das ein schlechter Witz sein? Was soll der Scheiß?“ Mulder war nun wütend und fühlte sich mehr als nur verarscht. Er hatte versprochen sich alles anzuhören, das war der einzige Grund was ihn noch auf seinen Platz hielt und doch wenn er sich den Professor so ansah. „Ich bin wirklich Älter als ich aussehe. Wenn ich in meinen Vorlesungen jemals über Freud und Jung spreche dann nicht weil ich über sie gelesen habe sondern weil ich sie persönlich gekannt habe. Ich weiß es ist schwer zu verstehen aber es ist die Wahrheit. Wir leben schon seit Jahrtausenden unter den Menschen und versuchen unser Bestes dies Geheim zu halten. Ich werde dir etwas zeigen und dann urteile selbst. Glaub mir das muss man gesehen haben um es zu glauben.“ Er wartete nicht auf eine Reaktion sondern holte einfach einen kleinen Dolch den er gewöhnlich als Brieföffner verwendete aus einer der Schubladen seines Schreibtisches. Er zeigte Mulder die Handfläche seiner linken Hand und machte dann einen Schnitt von links nach rechts mit der Spitze der Klinge. Seine Hand blutete nur kurz und er beobachtete wie kleine blaue Blitze über die Wunde zuckten und wieder verschlossen. Nach nur ein paar Sekunden war alles wieder verheilt und nur noch das Blut bezeugte das es dort einmal eine Wunde gab.


Mulder starrte ungläubig auf die Hand. Wie war das Möglich? „Wie … Wie ist das Möglich?“ fragte er und beobachtete fasziniert wie Pierson das Blut mit einem Taschentuch wegwischte und weiße Haut ohne die geringste Narbe zum Vorschein kam. „Das weiß niemand. Wir wissen nur das Wunden sofort heilen und je älter du wirst umso schneller ist der Vorgang.“ Fox brauchte definitiv Zeit um das erst mal zu verdauen aber nenn es Instinkt irgendetwas sagte ihm das dies nicht längst alles war und das es seine Schattenseiten hatte Unsterblich zu sein. Was hatte Pierson vorhin gesagt? Der einzige Weg zu sterben war wen man seinen Kopf verliert? Ein unschönes Bild machte sich in Mulders Gehirn breit und ließ ihn Schlucken. Kopf war schon zweimal erwähnt worden, so mit wichtig. „Was war das noch mal dem Kopf verlieren?“ Wichtig genug um es genau wissen zu müssen. „Nun, lange Rede kurzer Sinn. Wir können nur sterben wenn man uns den Kopf von den Schultern trennt und wenn du deinen dort behalten willst musst du lernen mit einem Schwert um zu gehen. Wir sehen es als ein Spiel, jeder von uns ist ein Spieler darin, auch du Mulder. Der erste Schritt ins Spiel ist für jeden von uns der Selbe, du stirbst einen gewaltsamen Tod. Danach findet dich wenn du Glück hast ein Lehrer der dir alles beibringt was du wissen musst um in diesem Spiel zu überleben.“ Adam machte eine kurze Pause wohl um zusehen ob er ihm immer noch Folgen konnte. Er hatte nun wirklich etwas Oberlehrerhaftes an sich.


Wenn man Pech hat kommt dann wohl jemand und nimmt meinen Kopf. Ich hoffe doch das heute ausnahmsweise mein Glückstag ist.“ Hölle der Junge kann Glück gebrauchen, stimmte ihm Adam ins geheim zu. „Ja. Das wäre mein Vorschlag. Ich kann dir alles beibringen was du wissen musst um zu überleben. Aber zuerst was anderes. Als du bei meinem Büro angekommen bist, hast du da irgendetwas gespürt? Irgendetwas wenn schon keine Kopfschmerzen.“ Das wollte ihm nicht aus dem Kopf gehen, er hatte Mulders Ankunft deutlich gespürt. „Nein. Nichts. Sollte ich etwas bemerkt haben?“ Neugierige Augen schauten ihn nun fragend an. Adam war sich nicht sicher was er sagen sollte, vielleicht war es noch zu früh. „Nun ja wir haben so etwas wie ein ‚Unsterblicher – Frühwarn – System’ eine Art Buzz wenn du älter wirst. Zu Beginn sind es normalerweise Kopfschmerzen, aber da du keine gespürt hast verwundert mich das etwas.“ Es war ein bisschen mehr als ‚verwundert’, er hatte noch nie von einem Unsterblichen gehört der die Gegenwart eines anderen nicht spüren konnte. Ober war es vielleicht noch zu früh um so eine Behauptung aufzustellen? Er dachte immer das wäre so etwas wie der Klaps den ein Neugeborenes nach seiner Geburt bekommt und wenn es schreit dann weiß jeder das alles in Ordnung ist.


Da war nichts. Kann das bedeuten das ich so etwas wie Blind bin, was das frühzeitige Erkennen von Unsterblichen angeht?“ Mulder stellte die Frage recht trocken so als würde er nach dem Salz am Essenstisch fragen. Er schien sich definitiv nicht über die Bedeutung und die Ausmaße des Problems im Klaren zu sein. Es wäre ein gewaltiger Nachteil für ihn in diesem Spiel. Ein Spiel das keinen Zweiten kannte, aber soweit war Adam noch nicht gekommen in seiner Erklärung. Eins war ihm jetzt schon klar Mulder war clever er würde einen Weg finden diesen Nachteil aus zu gleichen. Was Mulder über seine Farbenblindheit erwähnte hatte Adam nicht vergessen aber das konnte bis zu einem späteren Zeitpunkt warten. Nun war es wichtig das Mulder die Grundregeln lernte und deshalb setzte er erst einmal seine Vorlesung ‚Unsterbliche 101’ für eine weitere Stunde fort. Am Ende hatte er erst einmal alle wichtigen Punkte einmal abgedeckt, verstehen würde später kommen und während des Trainings fand sich sicherlich die Zeit um das ein oder andere zu besprechen. Mulder war jung und zurzeit hilflos wie ein Neugeborenes, er brauchte noch jemanden der ihn beschützt. So überredete er ihn heute noch bei ihm ein zu ziehen, ein Angebot das der Junge ohne viel argumentieren annahm.


Oxford, England

Dienstag, 15.01.1985 1:08 h


Ein lauter Schrei riss ihn aus dem Schlaf und ließ ihn nach seinem Schwert greifen. Nicht einmal Cesar hatte so laut geschrieen als ihm das Messer in der Ratshalle in den Rücken gestoßen wurde. War das vielleicht ein Tier gewesen? Zwei Katzen die sich draußen prügeln? Ein weiterer Schrei verriet ihm das es scheinbar aus Richtung Gästezimmer kam. Adam war froh das er keine Nachbarn hatte und etwas abgelegen außerhalb der Universitätsstadt lebte. Diese Schreie konnten definitiv Tote wecken. Er fand seinen Schüler offensichtlich in einem Alptraum gefangen vor. Die Zudecke hatte die Schlacht bereits verloren und lag auf dem Boden. Pierson hatte sein Schwert immer noch in der Hand und lehnte es erstmal gegen die Wand bevor er die Decke auf hob und sich vorsichtig Mulder zuwandte. Gutes Zureden reichte nicht um ihn zu wecken so das er ihn anstoßen musste um ihn wach zu kriegen. Jetzt war zu mindest klar warum der Junge es vorzog ein Zimmer für sich zu haben.


Bitte nicht! Nein … Bitte … Bitte nicht schlagen!“ Fox war noch nicht ganz bei sich und Adam gefiel das Ganze immer weniger. „Ruhig. Komm wach auf, du hast einen Alptraum.“ Er schüttelte ihn leicht und Mulder öffnete die Augen doch konnte man deutlich erkennen das noch niemand zu Hause war. „Alles nur ein böser Traum. Hier ist es Sicher also komm zu mir Fox.“ Sanft und geduldig sprach er weiter auf den jungen Mann ein bis er endlich halbwegs wach war. „Entschuldigen Sie. Es tut mir Leid ich wollte sie nicht wecken.“ Angst war in seinen Augen und Adam konnte sich keinen Reim daraus machen was in dem Jungen vor sich ging. 5000 Jahre Erfahrungen konnten ein nicht auf alles vorbereiten. „Schon Okay. Alpträume sind was Fürchterliches und können sogar den Besten von uns treffen. Kann jedem passieren und ist ganz sicherlich nicht das erste Mal das ich dadurch aufgeweckt wurde.“ Versuchte Adam die Sache runter zu spielen. Egal von was Fox träumte das konnte nicht gesund sein und was hatte er im Schlaf geschrieen als er ihn versuchte zu wecken? ‚Bitte nicht schlagen’? Unsterblichkeit war nicht sein einziges Problem. Wie es aussah ließ der Junge ihm die Initiative, es schien fast so als würde er auf irgendetwas warten. Ein Bild an der Wand hielt sein ganzes Interesse. Man erzählt sich das Still-Leben das manchmal können, doch war hier wohl eine klassische Ausweichtaktik am Werk.


Willst du darüber reden?“ versuchte Adam die Aufmerksamkeit des anderen wieder auf sich zu richten doch kam er scheinbar gegen eine Obstschale nicht an. „Fox? Komm las uns in die Küche gehen. Ich mach uns Milch mit Honig danach können wir beide wieder besser schlafen.“ Er stand auf noch bevor er den Satz zu Ende gesprochen hatte und machte sich auf den Weg zur Küche. Er war sich sicher das der Junge ihm irgendwann folgen würde. Adam wusste eins aus Erfahrung, nach so einem schlechten Traum wollte man in der Regel nicht alleine sein, selbst wenn man so unabhängig wie Fox war. In einem geordneten Haushalt waren Milch und Honig schnell gefunden und auf den Herd gebracht. Er ignorierte den Jungen als er rein kam und sich an den Tisch setzte und bemühte sich redlich ein Lächeln zu unterdrücken und seine Gesichtszüge ‚neutral’ zu halten. Er wollte schließlich nicht den Eindruck erwecken das er sich vielleicht über Fox lustig machte.


Warum haben sie mich behalten?“ fragte Fox nach einer Weile in seiner Milch vertieft. Adam wusste zu erst nicht was er meinte erinnerte sich aber schnell wieder an das Gespräch was sie über das Abendessen geführt hatten. Mulder hatte nicht glauben wollen das alle Unsterblichen ‚Findlinge’ waren. Wollte nicht hören das die Mulders nicht wirklich seine Eltern waren. „Das weiß ich nicht.“ Was sollte er sonst antworten? Das wenige was er bis jetzt von Mulder wusste war gelinde gesagt nicht das Familienidyll aus den 50iger TV- Serien. Mr. Conners schien bei ihrer Unterhaltung jedenfalls nicht untertrieben zu haben und seine Vermutungen waren wahrscheinlich korrekt. Das Bild wurde immer klarer und er konnte jetzt auch verstehen warum der alte Professor ihn angesprochen hatte. Die Tatsache das er als Gastdozent kaum Studenten zu Betreuen hatte war sicherlich nicht der einzige Grund warum er Adam angesprochen hatte. Es wäre nicht einmal seine Aufgabe gewesen. Fox war allein und brauchte mehr als jeder andere einen Freund, jemanden der sich um ihn kümmerte. Auch Adam war allein hatte es aber nie so deutlich gespürt wie er es in den Augen seines Schülers sehen konnte.


Oxford, England

Sonntag, 12.01.1986 12:00 h


Ein Jahr war es nun her das Mulder bei ihm eingezogen war und Adam konnte nicht behaupten das ihm diese Zeit keinen Spaß gemacht hatte. Es hatte eine Weile gedauert bis er sich an die Angewohnheiten seines Mitbewohners gewöhnt hatte und das Mulder oft eine Spur aus den Überresten von Sonnenblumenkernen hinterließ war dabei wohl das Schlimmste gewesen. Der Junge war recht schnell aufgetaut und der scheue schüchterne Junge entpuppte sich schnell als intelligenter humorvoller Gesprächspartner der es verstand hitzige Diskussionen zu führen und selbst jemanden mit ein paar Jahrtausenden auf dem Rücken ins schwitzen bringen konnte. Wenn man ihm die Gelegenheit gab dann zeigte sein Schüler einen brillanten Verstand, der Wissen wie ein Schwamm aufsaugte und seinen Lehrer immer wieder in Erstaunen versetzte.


Das Training mit dem Schwert stelle über das Jahr seine eigen Herausforderungen. Fox war ein guter Techniker und nur Adams Erfahrung ließen ihm im Schwertkampf noch die Oberhand behalten. Aber so gut seine Technik auch war, ein Übungskampf war etwas anderes als ein reales Duell und das bereitete ihm Sorgen. Mulder hatte viel gelernt und die Fähigkeiten um aus so einer Begegnung als Sieger hervorzugehen, es war viel mehr sein Herz das da gegen setzte. Der Junge hatte noch nie getötet und Adam war sich nicht sicher ob er jemals konnte. Fox Mitgefühl und die Tatsache das er das Leben anderer über sein eigenes stellte, könnten ihm leicht den Kopf kosten. Adam fürchtete sogar das er kaum Widerstand leisten würde, der Selbsterhaltungstrieb seines Schülers war gleich null. Was machte man mit jemand der nur ein geringes Selbstwertgefühl besaß und Schuld wie Briefmarken sammelte? Selbst wenn er das Haupt seines Gegners von dessen Schulter trennen würde, die Schuldgefühle hinterher allein könnten Fox zerstören.


Adam hatte große Lust nach Amerika zu fliegen um dem Bastard der Mulder eingeredet hat, dass er nur ein Fehlschlag und ein Leben nicht wert war, ein Dolch durch die Brust jagen. Wie konnte man so etwas einem Kind antun? Es hatte lange gebraucht bis der Junge Adam genug vertraute um ihm von seiner Vergangenheit zu erzählen. Es geschah dann oft in der Nacht wenn Fox wieder einmal einen Alptraum hatte. Es war ihr Ritual dann in der Küche zu sitzen und heiße Milch mit Honig zu trinken. Nachts war er dann mehr Therapeut als Lehrer was ihn nicht allzu sehr störte. Das Reden half und Adam fand etwas in den Gesprächen das ihm helfen konnte seinen Schüler zum kämpfen zu motivieren. Seine Schwester Samantha, die verschwand als er 12 Jahre alt war. Der Wunsch sie zu finden war stark in seinem Schüler und schaffte den Trick aus Fox einen guten Kämpfer zu machen. Abgerundet mit allem Wissen was Adam je über Selbstverteidigung, Strategie und Taktik gesammelt hatte war aus ihm ein ernst zu nehmender Spieler geworden.


Das Jahr war so schnell vergangen. Adam hatte seinen Vertrag um ein Jahr verlängert und Fox stand jetzt kurz vor dem Abschluss seiner Doktorarbeit. Im Juni schon würden sie getrennte Wege gehen. Das Fox Mulder seinen Abschluss voraussichtlich mit summa com lauda abschließen wird, ist für jeder man ein offenes Geheimnis. Die meisten Leute sehen das bereits mehr als ein Fakt und der Einzige der es noch nicht zu wissen scheint ist übrigens kein anderer als Mulder selbst. Er kann es immer noch nicht verstehen warum er bereits Stellen angeboten bekommt für die er seiner Meinung nach gar nicht qualifiziert genug ist. Adam brauchte sich bisher keine Sorgen über diese Angebote zu machen, doch vor etwa einer Woche war jemand vom FBI hier gewesen. Sie waren von seiner bisherigen Arbeit so begeistern das sie ihn sogar Farbenblind nehmen würden. Für ein normal Sterblichen ein tolles Angebot, aber einen Unsterblichen? Sicher es könnte Fox seinem Ziel seine Schwester zu finden ein Stück näher bringen doch war es mehr als nur riskant.


Ein Blick auf die Uhr verriet ihm das es langsam an der Zeit war, Essen war fertig und das Bier kalt gestellt. Über ein gutes Essen konnte man bekanntlich über viele Dinge reden und hoffentlich ausreden. Die Sache mit dem FBI lag immer noch dick in der Luft. Mit einem Lächeln ging er noch einmal seinen Plan durch und servierte dann das Essen. Fox würde jeden Augenblick vom joggen zurück sein. Er hatte den Braten gerade aus dem Ofen geholt als die Tür aufging auf ein ziemlich durchgeschwitzter Mulder herein kam. Sein braunes Haar war nass und hing in Strähnen herunter, alles an ihm Schrie nach einer Dusche und so würde Adam wohl noch 10 Minuten mit dem Essen warten müssen.


Was gibt es heute schönes zu essen?“ Es roch herrlich in der Küche und Fox brauchte nicht wirklich zu fragen was es gab, aber es war dennoch schön an zu hören. „Schweinebraten dazu Kartoffeln und Buttergemüse. Als Nachspeise habe ich Schokoladentorte. Das Bier ist schon kalt gestellt also beeil dich, sonst fang ich in 10 Minuten allein mit dem Essen an.“ Fox brauchte keine zweite Einladung und beeilte sich. Bereits nach 8 Minuten saßen beide zu Tisch und aßen was das Zeug hielt. Erst mit dem Nachtisch versuchte Adam langsam das Gespräch Richtung FBI zu dirigieren. Sein Schüler war außerordentlich stur und es würde schwer sein ihn zu überzeugen, aber einen Versuch was es wert. „So, hast du dich bereits entschieden was du nach deinem Abschluss machen willst?“ so unschuldig klingend wie möglich gestellt dennoch ein direkter Einstieg, Mulder mochte es nicht wenn man zu lange um das eigentliche Thema herum redete, so etwas brachte sehr schnell sein heißblütiges Temperament zum kochen.


Das Angebot vom FBI ist interessant. Sie haben den Fall meiner Schwerster immerhin untersucht und so könnte ich einen Blick in ihre Akte werfen.“ Kam als Antwort auf Adams Frage. „Aber dafür zum FBI gehen? Es gibt andere Wege um in Samanthas Akte Einsicht zu nehmen. Wege die weniger gefährlich und risikoreich sind.“ Adam hatte so seine Zweifel das der Junge überhaupt wusste welche Schwierigkeiten da überhaupt auf ihn zu kommen würden. Er hatte immer noch nicht ganz verstanden was es bedeutete unsterblich zu sein. Er hatte noch kein Leben aufgeben oder Freunde zurück lassen müssen. „Es ist ein Job. Ein Job wie jeder andere, gut das Risiko verletzt zu werden ist höher aber es sterben immer noch mehr Leute in ihrem eigenen Bad als Gesetzeshüter im Dienst.“ Bingo es war wirklich wie befürchtet. „Fox, du denkt noch immer wie einer von denen. Wenn du zum FBI gehst wird dein Leben vollständig durchleuchtet und weiß der Henker alles erfasst und in irgendwelchen Datenbanken gespeichert. Die moderne Technik macht es uns immer schwerer unerkannt zu bleiben und in ein paar Jahren wirst du dann mit diesem Problem leben müssen. Fox Mulder könnte dich dann auf jeden Schritt und Triff verfolgen.“ Mulder wollte schon etwas sagen doch Adam machte mit einer Handgeste deutlich das er noch nicht zu Ende gesprochen hatte. „Hast du in letzter Zeit mal in den Spiegel geschaut? Nein? Dann solltest du das vielleicht einmal machen. Du bist unsterblich, das bedeutet nicht nur das deine Wunden schneller heilen sondern auch das du nicht älter wirst. Du siehst wie 20 aus und das wird sich auch nicht mehr ändern. Was werden wohl deine zukünftigen Kollegen darüber sagen? Oh ja und was erzählst du ihnen wenn du dich im Einsatz mal verletzt oder aus versehen erschossen wirst?“ Warum konnte Fox das nicht sehen?


Es tut mir Leid. Es war eine dumme Idee. Aber es ist eine Chance meine Schwester zu finden. Das FBI hat die richtigen Ressourcen für meine Suche.“ Das sah ihm wieder einmal ähnlich die Konsequenzen die es für ihn mit sich bringen würde interessierten ihn nicht. Das alte Problem, kein Selbsterhaltungstrieb! Wenn man nicht ständig auf ihn acht gab, konnte das noch einmal böse enden. „Du bist nicht allein. Ich bin auch noch da, unsere Ressourcen können sogar das FBI in den Schatten stellen und wer sagt das du ihre Mittel nur benutzen kannst wenn du Vereinsmitglied bist. Denk dabei auch an deine anderen Interessen, dieser Job ist mehr als Zeitraubend und könnte dir am Ende sogar die Zeit für deine Suche nach deiner Schwester nehmen.“ Kritisieren war leicht aber man musste auch Alternativen zeigen können um jemanden wirklich auf den richtigen Weg zu bringen. „Adam, wie meinst du das?“ Fox Neugierde hatte mal wieder den besseren über ihn gewonnen und jetzt hing er am Hacken. „Du kannst etwas was, sie können es gebrauchen. Soweit ich weiß lässt sich das FBI auch von Experten die nicht fest angestellt sind beraten. So könntest du dir die Jobs aussuchen und mit deinem Doktortitel eine Praxis eröffnen um wirklich unabhängig zu bleiben.“ Sie verbrachten den Nachmittag damit Möglichkeiten zu diskutieren und am Abend hatte man sich auf einen Kompromiss einigen können.


Kapitel 2 „Papier Herzen“


FBI HQ, Washington

Montag, 04.06.1990 9:00 h


Fox Mulder besuchte selten das FBI und schon gar nicht deren Hauptquartier das J. Edgar Hoover Building. Adam hatte von Anfang an recht gehabt, er war nun fast 30 und sah immer noch aus wie Anfang zwanzig, das war zumindest nett ausgedrückt. Böse Zungen würden sagen er sieht aus wie 16 oder 17. Er hatte schon immer jünger ausgesehen als er wirklich war. Der dunkle Anzug den er für heute ausgesucht hatte half auch nicht viel um ihn älter aussehen zu lassen. Der Vollbart den er sich wachsen lassen hatte war da schon etwas hilfreicher. Aber lange wollte er nicht so herum laufen und die Charade fortsetzen. Wozu auch? Er hatte die Akte seiner Schwester inzwischen eingesehen und neben ihrer noch hunderte andere von Vermissten die auf ähnliche Weise verschwunden waren. So hatte er mehr Fragen statt Antworten gefunden und vieles ließ vermuten das die merkwürdigen Erinnerungen die er seit seinem „Tod“ hatte der Wahrheit entsprachen. Es konnten tatsächlich kleine graue Männchen gewesen sein die sie geholt hatten. Doch was wollten Außerirdische mit seiner Schwester? In seiner Praxis hatte er viele Fälle übernommen in den es um Entführung durch Aliens ging und Geschichten gehört das ihm die bloße Vorstellung, Samantha könnte bei diesen Kreaturen das selbe durch machen, den Magen umdrehte und ihn stundenlang über der Kloschüssel halten konnte. Doch wirklich weitergekommen war er bei seiner Suche bisher nicht. Unter dem Pseudonym M.F. Luder hatte er angefangen zu schreiben und Artikel zu veröffentlichen die sich mit diesen Themen und paranormale Phänomene auseinandersetzten.


Adam war zurzeit in Frankreich, spielte mit den Beobachtern. Mulder konnte immer noch nicht glauben was für ein Spiel das war. Es war ihm egal das Adam, Methos ein über 5000 Jahre alter Unsterblicher war. Er verstand nicht warum die Beobachter sie einfach nicht in Ruhe lassen konnten und weshalb Adam so tat als würde er ihnen bei der Suche nach Methos helfen. Er traute diesen Leuten nicht über den Weg und der Gedanke das einer von diesen Typen nach ihm Ausschau hielt, begeisterte ihn noch weniger. Er konnte aber akzeptieren das dies Methos Problem war und solange er nicht gefragt wurde, würde er sich auch nicht einmischen. Stattdessen würde er sich jetzt in einem Meeting langweilen und anschließend mit Reggie Essen gehen.


Die Zusammenarbeit mit Reggie Purdue und seiner Abteilung in Gewaltverbrechen war bis jetzt angenehm gewesen. Sie hatten es sich angewöhnt sich einmal in der Woche zu treffen und über aktuelle Fälle zu reden. Mulder würde sich dann heraus picken was ihn interessierte und Purdue seine Meinung dazu geben. Diese Treffen waren inoffiziell und mehr eine Art Gefallen für einen Freund, also nichts mit dem er Geld verdiente. Seinen Lebensunterhalt verdiente er inzwischen ganz als Psychologe in einer Gemeinschaftspraxis in Georgetown und dem Artikel schreiben. Seine letzte Arbeit hatte sich mit falschen Erinnerungen beschäftigt und hatte in der Welt der Psychologie für reichlich Gesprächsstoff gesorgt. Hauptsächlich hatte Mulder dieses Thema gewählt, weil er seinen eigenen Erinnerungen nicht trauen konnte und wissen wollte ob dies alles nur Halluzinationen eines Sterbenden waren. Er war sich immer noch nicht sicher, aber der Artikel hatte ihm mehr als genug Geld in die Kasse gebracht. Weswegen er sich gerade die Mühe machte an einem Meeting im Hoover- Building teilnehmen zu wollen war selbst ihm ein Rätsel. Das er auf ‚Was tut man nicht alles für einen Freund’ zurück schob.


Wie jeder andere musste sich auch Mulder an der Rezeption wegen eines Besucherausweis melden bevor er zu dem Konferenzsaal geführt wurde. Auf seinen Weg dort hin fühlte er sich mehr als nur beobachtet. Es viel ihm schwer die neugierigen Blicke die auf ihn gerichtet waren und das Getuschel mit wilden Spekulationen über ihn, zu ignorieren.


FBI HQ, Washington

Montag, 04.06.1990 11:30 h


Das Meeting war endlich zu Ende und Mulder hatte gegen seine Gewohnheit Hilfe am Fall mit den Stoffherzen zu gesagt. Fälle in den es um Kinder ging waren schwer für ihn und deshalb vermied er meistens daran mit zu wirken. Aber nun hatte er gesehen was dieser Killer anrichtete da viel es nicht nur ihm schwer die Hände in den Schoß zu legen und sich weg zu drehen. Eine Bestie lief da draußen frei herum und ermordete kleine Kinder. Das war ein Fakt und jemand musste etwas unternehmen um dieses Monster zu stoppen.


Die Akte war dick, reichte bis zu Beginn der 80iger Jahre zurück. Mädchen im Alter zwischen acht und zehn Jahren entlang der Ostküste waren seine Opfer. Neun tote Mädchen bisher und das FBI hatte keine heiße Spur. Selbst Patterson und seine Top- Profiler hatten in dem Fall nicht weiterhelfen können. Es war Reggies Idee gewesen ihn zu rufen und Patterson war nicht sonderlich begeistert, was er während des Meetings auch offenkundig demonstrierte. Er konnte auf eine weitere Konfrontation mit dem Kopf der ISU gut verzichten und beeilte sich deshalb so schnell wie möglich den Saal zu verlassen. Er wartete auf Reggie in dessen Büro, es dauerte nicht lange aber nach Essen war ihm im Augenblick nicht mehr zu mute. Reg hatte Verständnis und so unterhielten sie sich einfach nur in seinem Büro.


Ich weiß das du solche Fälle normaler Weise nicht bearbeiten willst, dieser Fall könnte aber etwas besonderes sein. Das erste Opfer wurde 1979 gefunden, aber alle Experten die an einem Täterprofile gearbeitet haben waren sich darüber einig das dies nicht sein erstes Opfer war.“ Mulder ahnte worauf er hinaus wollte und er konnte sehen das es Reggie nicht leicht viel die Worte aus zu sprechen. Also musste er ihm helfen. „Du meinst das er vielleicht meine Schwester auf dem gewissen hat?“ Sein Freund nickte nur, war sich seiner Sache aber nicht sicher. Die Fälle wiesen so viele parallelen auf und jemand der nicht an Entführung durch Aliens glaubte, konnte durchaus vermuten das dies die Tat eines verrückten Serienkillers gewesen sein könnte. Eine Vermutung die sich bis jetzt durch nichts weiter beweisen ließ, so das Purdue Mulder ruhig zu dem Fall hinzuziehen konnte ohne gegen FBI- Regeln zu verstoßen. Es war allerdings nicht seine Art jemanden in ein offenes Messer laufen zu lassen und egal wie unwahrscheinlich die Idee auch war, er wollte sie zumindest einmal angesprochen haben.


Man vertrieb sich noch den Rest der Mittagspause mit Familiengeschichten und den neusten FBI Geschichten, dann machte sich Mulder auf den Weg zurück, mit einem Berg an Unterlagen. Er hatte sich den heutigen Tag komplett freigehalten so das er nicht mehr in die Praxis musste, er würde aber seine Sprechstundenhilfe anrufen müssen damit sie seine Termine für die kommenden Tage absagen oder verschieben würde.


Mulders Wohnung, Arlington

Montag, 04.06.1990 20:00 h


Den Rest des Tages verbrachte Fox damit sich durch die Akten zu kämpfen. Jeder Ordner enthielt ein Schicksal, alle waren definitiv demselben Täter zum Opfer gefallen. Der Verdächtige ging immer gleich vor. Er wählt sein Ziel, dann entführt er das Mädchen nachts aus dessen Schafzimmer und anschließend tötet er sein Opfer durch erwürgen mit einem Elektrokabel oder so etwas in der Art. Die Visitenkarte des Täters ist das er ein Stoffherz aus der Kleidung der Kinder schneidet. Das Klingeln des Telefons riss ihm aus seinen Gedanken.


Mulder.“ Meldete er sich nach dem er das Telefon unter all dem Kram gefunden hatte. „Hallo! Wie sieht es zurzeit aus in Washington?“ Adam war am anderen Ende der Leitung. „Gut. Nichts Besonderes los hier und bei dir?“ Es war besser nichts zu erwähnen. Mal abgesehen davon das Mulder paranoid genug war um zu glauben das jemand mit hören würde. „Erzähl mir nicht, das alles in Ordnung sei. Was ist los? Fox, ich weiß wenn du nicht ganz bei der Wahrheit bleibst.“ Jetzt hatte er wieder diesen ‚Ich rede mit meinem fünfjährigen’ Ton an sich mehr als peinlich. „Okay. Ich habe dem FBI meine Hilfe bei einem ihrer Fälle zu gesagt. Nichts Schlimmes.“ Das war so weit die Wahrheit. „Nicht Schlimm wie die Opfer sind alle Volljährig und keine kleinen Kinder?“ Mulder schwieg, soweit wollte die Geschichte eigentlich nicht erzählen, aber das brauchte er auch nicht. „Kinder also. … Fox ich weiß wie dir diese Fälle unter die Haut gehen, aber du kannst es dir im Augenblick nicht leisten abgelenkt zu sein. Meine Freunde hier haben jemanden aus den Augen verloren und wir glauben das er auf dem Weg in die Staaten ist.“ Das bedeutet dann wohl das sich hier bald noch ein Verrückter mehr herum treiben wird. Ein großes Kaliber wenn Adam sich die Mühe macht deswegen anzurufen.


Okay. Ich halte die Augen offen wenn was ist rufe ich an. Bis Bald!“ Mulder war nun mehr als gereizt und hörte nicht mehr was Adam zu sagen hatte, als er den Hörer auflegte und sich wieder an die Arbeit machte.


FBI HQ, Washington

Donnerstag, 07.06.1990 21:30 h


Es war spät und ein langer Tag immer noch nicht zu Ende. Fox saß am Ende eines großen Tisches und starte die Wand ihm gegen über an. Man hatte dort Bilder der neun Mädchen aufgehängt die man bisher dem Täter zuordnen konnte. Die erste Leiche war 1980 gefunden worden, Sarah Jones, seit Oktober 1979 vermisst. Da sich bisher nicht das Gegenteil beweisen ließ war dies sein erstes Opfer. Danach scheint er jedes Jahr erneut zu zuschlagen. Fox war sich sicher das er auch 1983 und 1987 aktiv war, man hatte die Leichen der Kinder nur noch nicht gefunden. Somit war die Opferzahl 11 statt 9 über den Norden der Ostküste verstreut. Der Täter kommt herum, hat die Zeit sich die Mädchen auszusuchen, dass er sie direkt aus ihren Schlafzimmern holt beweist, dass er schon einmal im Haus gewesen sein muss. ‚Doch wie stellte er es an?’ Nicht jeder lässt einen Fremden in seine Wohnung und macht dann noch eine Hausführung. Es ist wohl sein Job der ihm erlaubt weit herum zu kommen und ihm Zugang zu den Häusern seiner Opfer verschafft. ‚Ein Vertreter!’ Jemand der von Haus zu Haus geht und seine Waren verkauft, den man vielleicht ins Haus lässt damit er sein Produkt vorführt.


Ein Verkäufer hat sicherlich ein paar Tricks im Ärmel um bei den Hausfrauen an zu kommen, seinen Charme bei ihnen spielen zu lassen. Das bedeutet äußerlich wirkt er keines falls bedrohlich sondern absolut harmlos. Also nicht zu groß, nicht zu jung und mit Sicherheit kein Bodybuildertyp. Er ist vermutlich von durchschnittlicher Größe und zwischen 40 und 55 Jahre alt. Als Vertreter ist er vermutlich zwischen Frühling und Herbst auf Achse. Was bedeutet das er zur Zeit wohl schon auf der Suche nach seinem nächsten Ziel ist und zum Ende seiner Tour zuschlagen wird. Das gibt uns noch gut vier Monate um den Killer zu finden bevor er erneut aktiv wird. „Mulder, was machst du noch hier?“ riss ihn Reggie aus seinen Gedanken, er hatte nicht einmal bemerkt das jemand den Raum betreten hatte. „Man Reggie musst du mir so ein Schrecken einjagen, irgendwann sterbe ich noch mal an einem Herzinfarkt wenn du so weiter machst.“ Fox grinste, er hatte nicht gerechnet das noch jemand anderes vom Team da war, den letzten hatte er um acht gehen sehen. Er mochte die Stille die dann im Einsatzraum herrschte, ein totaler Kontrast zu der Hektik die hier am Morgen existierte. „Es wird Zeit, das FBI kommt selten für Überstunden auf.“ Scherzte der SAC als er Mulder seinen Mantel reichte. Er hatte sich schon gedacht das er den jungen Mann hier noch finden würde und wollte sicher stellen, das er nach Hause ging und etwas Schlaf bekam.


Es ist ein Vertreter, Reg. Vermutlich verkauft er Verlängerungskabel oder Elektrogeräte. Wir müssen die bei der Befragung der Angehörigen mit einbeziehen und mehr als die üblichen drei Monate zurückgehen. Der Typ scheint sein Touren von Frühjahr zu Herbst zu machen. Den Winter zieht er sich dann gemütlich zurück und macht die Vorbereitungen für seine nächste Tour.“ Erklärte Fox seinem Freund auf dem Weg zur Parkgarage. „Ich kümmere mich Morgen als aller erstes darum. Kommst du morgen ins Büro?“ Sie hatten inzwischen Reggies Wagen erreicht. „Nein, ich habe Patienten. Ich schicke dir aber ein vorläufiges Profile per Fax.“ Sie schüttelten sich zum Abschied die Hände und Fox sah noch wie der FBI Agent in sein Auto einstieg bevor auch er sich auf den Weg heim machte. Schlaf würde er wahrscheinlich keinen finden diese Nacht so blieb genug Zeit um sein Täterprofil zuschreiben.


Catbetin Mt Park, Maryland

Mittwoch, 20.06.1990 16:00 h


Die Kinderleiche wurde heute durch Zufall von Parkarbeitern entdeckt. Die Polizei hat uns sofort informiert als man das herzförmige Loch im Schlafanzug des Kindes bemerkte. Meine Leute sind bereits vor Ort. Das Forensic Team sollte schon mit seiner Arbeit fertig sein. Ich hatte gebeten die Leiche des Kindes noch nicht zu entfernen damit du dir selbst ein Bild vom Tatort machen kannst.“ Reggie führte ihn am Tatort herum und versuchte ihm einen Überblick über den aktuellen Stand der Dinge zu verschaffen. Das war der erste Tatort an diesem Fall den Mulder so ‚frisch’ zu sehen bekam. Den Fundort des letzten Opfers hatte er erst zwei Monate nach deren Fund besichtigt. Er war sich nicht sicher ob sein Magen den Anblick vertragen würde. Im Gegensatz zu Polizisten und FBI Agenten sah er so etwas nicht jeden Tag und selbst nach vier Jahren als Berater des FBIs hatte er sich an den Anblick nicht gewöhnen können. Dabei hatte er schlimmeres gesehen, bei weitem, aber Kinder waren immer noch eine Klasse für sich und würden es wohl für immer bleiben.


Mulder sagte nichts schaute sich nur um. Der Himmel war durch das Blätterdach der Bäume kaum zu sehen, jede Menge Laub im Herbst. Verkehrsgünstig gelegen, die Fundstelle war nicht weit von der nächsten Strasse entfernt. Nur weit genug um zufälligen Blicken von der Strasse aus zu entgehen. Der Täter hatte sich nicht viel Mühe gemacht, sie nur verscharrt und dann vielleicht etwas Laub darüber verteilt damit die karge Stelle nicht weiter auffiel. Er hat sie hier nicht umgebracht, nur entsorgt. Dieser Tatort schien ihm nichts Neues erzählen zu können. Der Verdächtige hatte hier keine Spuren hinter lassen. Er machte keine Anfängerfehler mehr und wusste wahrscheinlich genau was er tat. So würden sie ihm nicht näher kommen. „Reggie ich hab genug gesehen.“ Er hatte alles gesehen und da war noch etwas anders was ihn störte. Etwas das nichts mit dem Fall zu tun hatte, es entsprang vielmehr seiner blühenden Phantasie. Seit Tagen schon fühlte er sich irgendwie beobachtet und selbst hier konnte er das Gefühl einfach nicht abschütteln. Es war selten so stark wie jetzt und deshalb hatte er kaum Lust länger zu bleiben als notwendig.


Ein Park in der Nähe von Fox Wohnung, Arlington

Mittwoch, 20.06.1990 23:00 h


Fox brauchte Luft und sein Gehirn musste mal wieder ordentlich durchgeblasen werden. Der beste Weg das zu erreichen war für Mulder immer noch Laufen. Die Zeit dafür war ihm egal und manchmal erlaubte es ihm sogar ein paar Stunden Schlaf nach dem er vom Joggen zurückkam. Schlaf, er hatte schon seit Tagen keine Nacht durchschlafen können und dunkle Ringe unter seinen Augen gehörten inzwischen zu seinem alltäglichen Erscheinungsbild. Wenn er so weiter machte, würde er bald keinen Bart mehr brauchen um Älter zu wirken. Man könnte meinen er hatte in den letzten zwei Wochen genug von Parks gesehen, dennoch zog es ihm zum Joggen immer wieder hier her. Simpel um die Blocks rennen war nichts für ihn und hier war der Boden weicher als die asphaltierten Strassen in seiner Wohngegend. Was das Gesindel das sich angeblich nachts in Anlagen wie diesen herum trieb machte er sich keine Sorgen, auch unbewaffnet wie er war fühlte er sich hier normalerweise sicher. Laufen, alles andere war ihm an diesem Ort egal, hier konnte er für wenige Augenblicke vergessen.


Vergessen das es da draußen jemanden gab, der kleine Mädchen auf den gewissen hat. Vergessen wer die Kleine heute Nachmittag im Park war. Was für ein Leben sie wohl geführt hat. Welche Sorgen sich ihre Eltern gemacht haben mussten. Polizisten oder FBI Agenten die in den nächsten Stunden einer Familie die Nachricht überbringen müssen, das ihre kleine Tochter nur noch Tod gefunden werden konnte. All das und vieles mehr konnte er hier im Park für einige wenige Momente ignorieren. Wenn sein Herz schneller ging, Schweiß seinen Körper entlang floss und seine Muskeln langsam zu schreien anfingen. Erschöpfung und dann hoffentlich Schlaf damit der nächste Tag nicht wie der vorangegangene wird. Dieser Fall traf zu weit nach Hause, war zu dicht auch wenn er nie wirklich geglaubt hatte seine Schwester unter den Opfern dieses Killers zu finden. Er war sich inzwischen sicher das seine Erinnerungen stimmten und nicht nur durch seinen Tod hervorgerufene Halluzinationen waren. Sie füllten sich zu echt an und Mulder wollte glauben das sie real waren, so hatte er immer noch Hoffnung Samantha eines Tages lebend wieder zu sehen.


Völlig aus der Puste machte er sich zurück auf den Heimweg. Mulder war mehr als eine Stunde gelaufen und konnte nun jeden seiner Muskeln spüren. Sein Verstand konnte sich darauf konzentrieren ihn sicher nach Hause zu bringen. Er wollte nicht umfallen bis er bei seinem Bett angekommen war, duschen konnte er morgen früh immer noch und er wollte gewiss nichts unternehmen was ihn wieder munter machte. Er war mehr als nur erschöpft und so unachtsam das er nicht merkte wie sich ihm jemand näherte. Er spürte nur einen Schlag auf den Hinterkopf bevor alles um ihn herum in Dunkelheit versank.


Fox Wohnung, Arlington

Freitag, 22.06.1990 8:55 h


Adam hatte schon seit Mittwoch versucht Fox telefonisch zu erreichen und Gestern war der Junge dran gewesen ihn in Paris an zu rufen, ein Anruf den er nie erhalten hat. Das hatte sprichwörtlich das Fass Bier zum überlaufen gebracht und er hatte den nächsten Flieger genommen den er finden konnte. So stand er nun vor Mulders Wohnungstür und als Fox nicht öffnete, ließ er sich mit seinem Schlüssel selbst hinein. Er fand die Wohnung verlassen vor. Das Bett sah aus als hätte schon seit Tagen niemand mehr darin geschlafen. In der Küche stand noch Geschirr mit Speiseresten auf dem Tisch. Ein Milchfilm war in einer Tasse getrocknet und bildete Risse. Auf einem Teller daneben war irgendetwas mit einer braunen Kruste angetrocknet, er wollte lieber nicht wissen was es war. Beides stand vermutlich schon eine Weile dort. Das sah dem Jungen nicht ähnlich, er räumte den Tisch immer ab bevor er für länger als eine Runde Laufen oder einen kurzen Stopp beim Laden um die Ecke, das Haus verließ.


Im Wohnzimmer fand er nur einen Berg Akten. Der Couchtisch war überseht mit Bildern und handgeschriebenen Notizzetteln. Fox war wohl immer noch mit diesem Kindermörder beschäftigt. Wie es aussah hatte er wohl die letzten Nächte auf der Couch geschlafen, das würde das unbenutzte Bett erklären. Der Fernseher tat manchmal den Trick und half ihm beim einschlafen, deswegen würde sich Mulder aber nicht unbedingt ein Zweitgerät in sein Schlafzimmer stellen. Ein Blick auf die Bilder genügte Adam um zu wissen, dass der Junge dringend Hilfe zum Einschlafen gebraucht hatte. Selbst er würde nicht ruhig schlafen können wenn er sich mit so etwas beschäftigen musste. Fox konnte nicht abschalten und seine Arbeit schien ihn immer tiefer hinein zu ziehen, er würde erst ruhe haben wenn der Killer gefasst und der Fall gelöst war. Der Junge konnte nicht nur in die Köpfe der Täter sehen, sondern fühlte auch mit den Opfern das es einem Angst machen konnte. Es war eine Gabe, ein Fluch für den Besitzer und ein Segen für alle denen dieses Talent half Frieden zu finden. Doch meistens war es so das alle an die Opfer und Täter dachten aber Männer wie Fox Mulder dabei vollkommen vergaßen. Es interessierte niemanden wie er mit den Erinnerungen an Fälle wie diesen fertig wurde.


Das Telefon klingelte, brachte Adam in die Gegenwart zurück. Er brauchte nicht lange um den Telefonhörer unter einem Berg Papier hervor Lucken zu sehen. „Hallo?“ meldete er sich. „Mulder? Bist du das?“ Die Stimme kam ihm bekannt vor, nur erinnern konnte er sich nicht wo er sie schon mal gehört hatte. „Nein. Ich bin Adam ein Freund von Fox und ich habe das Vergnügen mit wem zu sprechen?“ Es lag ihm auf der Zunge, er kannte den Mann da war er sich zu hundert Prozent sicher. „Reggie Purdue, FBI. Ich arbeite mit Mulder zusammen an einem Fall. Könnte ich ihn bitte sprechen?“ Er klang besorgt. Soweit ihm Fox von dem Mann erzählt hatte war er in Ordnung. „Tut mir Leid, aber Mulder ist nicht hier und wie seine Wohnung aussieht war er Gestern auch nicht hier. Wann haben sie das letzte Mal mit ihm gesprochen?“ Oh je nun verhörte er schon FBI Agenten. „Mittwoch, wir hatten gemeinsam einen Tatort besucht und sie?“ Adam überlegte kurz. „Letzte Woche Donnerstag. Ich habe ihn angerufen und Gestern wäre er dran gewesen mich anzurufen. Wir halten das immer so wenn einer von uns außer Landes ist und bis jetzt hatte Fox nie einen Anruf versäumt. Außerdem habe ich bereits seit Mittwoch versucht ihn vergeblich zu erreichen. Ich hatte Mittwoch und Donnerstag in der Praxis angerufen seine Sprechstundenhilfe hatte ihn Dienstag zu letzt gesehen und meinte er hätte Termine am Donnerstag verpasst und nicht abgesagt.“


Er hatte mir erzählt das er Patienten am Donnerstag hat und sich Freitag bei mir im Büro melden würde. Das bedeutete normalerweise das er hier Punkt Acht auf der Matte steht würde und meine Sekretärin um eine Tasse Kaffee erleichtert.“ Adam wurde langsam schlecht, Ärger schien Mulder mal wieder gefunden zu haben. Es war schon eigenartig mit dem Jungen wo er auch hinging Schwierigkeiten schienen ihnen überall zu finden und er musste nicht einmal danach suchen. Wo war er dieses mal hinein geraten? „Das klingt nicht gut. Ich fürchte wir können davon ausgehen das ihm etwas zu gestoßen ist.“ Sagte er mehr zu sich selbst. Es war ihm gar nicht bewusst das er laut gesprochen hatte. „Ich werde eine Suchmeldung herausgeben und die Spurensuche in seine Wohnung schicken.“ Der Mann am anderen Ende der Leitung klang nun mehr als besorgt. „Die Mühe können sie sich sparen. Fox Turnschuhe, das Paar, dass er immer zum Joggen anzieht, stehen nicht am Eingang. Schicken sie lieber ein paar Leute in den benachbarten Park dort ist er am liebsten seine Runden gelaufen. Es ist gut möglich das er von seinem letzten Lauf nicht zurück gekommen ist.“ Ein Kloß bildete sich in seinem Hals. Mulder unbewaffnet und vom Rennen ausgelaugt trifft auf … Nein soweit wollte er noch nicht denken. Fox hatte seinen Kopf immer noch fest zwischen seinen Schultern sitzen, alles andere war inakzeptabel! „Okay, aber ich brauche noch ihre Aussage.“ Er hatte keine Zeit sich mit FBI Agenten zu unterhalten, aber er könnte noch nützlich sein so stimmte er zu.


Gegend unbekannt

Zeitpunkt unbekannt


Als Unsterblicher hatte man das Glück das Wunden schnell heilten, das bedeutete aber nicht das sie schmerzlos waren. So war Fox Wunde am Kopf längst verheilt doch seine Kopfschmerzen waren die Hölle. Sie trafen ihn mit voller Wucht als er wieder zu sich kam. Damit war zu mindest die Frage ob er noch lebte beantwortet. Das sein Angreifer ihn nicht an Ort und Stelle erledigt hat bedeutete vermutlich das Fox etwas hatte was er unbedingt haben musste. Das könnte ihm Zeit verschaffen einen Weg zur Flucht zu finden. Doch sein Gehirn lief zurzeit nur auf Halbstrom, seine Sinne überfluteten seinen schmerzhaften Kopf mit Statusmeldungen und Schadensberichten, Flucht war irgendwo in einer Wartschleife geparkt. So oder so ähnlich ging es gerade in Fox Mulder zu und er brauchte eine Weile um voll zu sich zu kommen und seine Umgebung wahrzunehmen. Er fand schnell heraus das er nackt und nicht gerade Trocken in einer Badewanne lag. Seine Hände waren in Handschellen an ein Rohr oder Haltegriff an der Wand befestigt. Die Fesseln waren fest zu fest für seinen Geschmack. Sie drosselten die Blutzufuhr zu seinen Händen ab und die waren bereits eingeschlafen. Seine Füße waren ebenfalls zusammengebunden und mit einer Schnur an irgendetwas festgebunden so das er sich kaum bewegen konnte. Von seinem Platz konnte er durch die offene Badezimmertür in ein Schlafzimmer sehen. Auf dem Bett lag ein Gegenstand der Sonnenlicht reflektierte. Da musste außerhalb seines Sichtbereichs ein Fenster sein.


Der Gegenstand war lang und Fox brauchte nicht viel Phantasie um zu wissen, das es sich um ein Schwert handeln musste. Es gibt nur noch wenig Typen die mit so etwas durch die Gegend rennen, so war die Wahrscheinlichkeit groß, dass sein Gastgeber ein Unsterblicher ist. Fox hatte schnell bemerkt das er dieses ‚Unsterbliche Radar’ nicht besaß und so konnte er sich in diesem Punkt nicht wirklich sicher sein. Aber das spielte nicht wirklich eine Rolle. Die Tatsache das er sich in einem Bad befand, war im Augenblick von größerer Bedeutung. Bäder waren schnell zu reinigen, Wasser ließ alle Spuren den Abfluss herunter laufen. Der Typ war ein Pro. So war die Frage was wollte er von Mulder und war er überhaupt in der Lage was immer es war zu geben? Je länger er ihn hinhalten konnte um länger würde er Leben und eine Chance auf Rettung haben.


FBI HQ, Washington

Freitag, 22.06.1990 10:30 h


Das FBI war eigentlich einer der letzten Orte die Adam jemals besuchen wollte. Doch jetzt war er hier um eine Aussage zu machen. Es war nie gut wenn man die Aufmerksamkeit der Behörden auf sich zog und nun lud er sie förmlich dazu ein. Es würde nicht lange dauern bis sie vielleicht die Wahrheit über ihn heraus fanden und er hatte sich an den Namen schon so sehr gewöhnt das er ihn eigentlich noch mindestens 10 Jahre behalten wollte. Es würde nicht leicht werden und es war am besten wenn er die Sache kurz und schmerzlos hinter sich bringen konnte.


Purdue’s Büro hatte er schnell gefunden, die Beschreibung von der Rezeption war ausgezeichnet gewesen. Er flirtete kurz mit der Sekretärin und ließ sich dann ins Büro führen. Reggie Purdue war nicht mehr der jüngste. Die Spuren des Alters waren schon deutlich zu erkennen. „Guten Tag, Mr. Pierson. Danke das sie gekommen sind.“ Begrüßte er Adam und beide gaben sich die Hand. „Die Freude ist ganz meiner seits.“ Die ersten Freundlichkeiten waren ausgetauscht und beide ließen sich auf einer Seite des Schreibtisches nieder. Er versuchte sich ein erstes Bild von dem FBI Agenten zu machen. Ihn Abzuschätzen, Fox schien dem Mann zu trauen doch konnte auch er ihm über den Weg trauen? „Mulder redet nicht viel über privates aber ich glaube er hat sie einmal erwähnt. Sie waren die letzten Wochen in Paris richtig?“ Nun damit hätte er sein Alibi schon mal sicher und konnte den Mann vielleicht davon überzeugen das sie auf der selben Seite standen. Das hielt ihn eventuell davon ab in Adams Vergangenheit zu stochern. „Ja. Wie ich bereits am Telefon erzählt habe telefonieren Fox und ich einmal die Woche. In der Regel Donnerstag gegen acht Uhr abends. Da ich ihn seit Mittwoch nicht erreichen konnte und er gestern nicht angerufen hat, habe ich mir Sorgen gemacht und bin heute Morgen hier her geflogen.“


Und woher kennen Sie Mulder?“ setzte Reggie das 20 Fragen und Antworten-Spiel fort. „Oxford. Ich war ab 1985 sein Tutor und wir sind seit dem sehr gute Freunde.“ Die Wahrheit konnte hier nicht schaden. „Wissen Sie ob er irgendwelche Feinde hatte?“ Die Frage hatte er erwartet, das machte sie aber nicht leichter zu beantworten. „Ich glaube das müssen sie am besten wissen. Mal abgesehen von den Feinden die er sich durch seine Arbeit mit den Polizeibehörden geschaffen hat, gibt es keine. Fox ist ein sehr privater Mensch, mit wenigen Freunden. Er ist gut mit allem was er macht und seine Arbeit genießt hohes Ansehen. Da gibt es sicherlich ein paar Leute die neidisch sind.“ In stillen fügte er noch eine Horde Unsterbliche hinzu die nichts lieber als seinen Kopf nehmen würden. „Wir können ausschließen das es jemand ist den Mulder überführt hat. Die Leute die er zur Strecke bringt landen meistens in der Todeszelle oder lebenslänglich hinter Gittern. Alle sind noch da wo sie hin gehören. Keine Entlassungen oder Ausbrüche. Könnte er vielleicht die Stadt verlassen haben? Ein Notfall oder eines seiner anderen Projekte?“ Mulder hatte manchmal die Angewohnheit zu gehen ohne jemanden davon zu erzählen, das war richtig. „Nein. So ein Fall nimmt ihn ganz in Anspruch und er würde nichts Neues anfangen solange er den Täter nicht hinter Schloss und Riegel gebracht hat. Fox ist manchmal etwas ruhelos und leichtsinnig aber er ist auch ein Profi und sich seiner Verantwortung, die er hat stets bewusst. Bei einem Notfall hätte er zumindest seine Sprechstundenhilfe informiert damit sie seine Termine absagt oder verschiebt.“ Ein Anruf unterbrach kurz das Gespräch und Adam nutzte die Zeit um sich kurz einen Überblick über das Büro zu verschaffen. Persönliche Dinge konnten einem manchmal nützliche Informationen über deren Besitzer geben. Purdue war z.B. verheiratet das verriet nicht nur der Ring an seinem Finger sondern auch das eine Foto auf dem Schreibtisch.


Meine Leute haben einen Zeugen gefunden der gesehen haben will wie jemand Mittwochnacht einen bewusstlosen Mann in sein Auto geschleppt hat. Er konnte uns nur sagen was der ohnmächtige Mann trug. Das waren weiße Sneakers, eine schwarze Trainingshose und ein ‚Knicks’ Sweatshirt.“ Das klang ganz nach Mulder, das alte Sweatshirt war so ausgefranst und doch mochte er es wie kein anderes. „Das könnte Fox sein. Er trug sein altes Knicks Shirt häufig beim Laufen.“ So wer war der Unbekannte? „Der andere Mann hatte eine auffällige große Narbe über seine rechte Gesichtshälfte. Kennen sie so jemanden?“ Adam musste schlucken und es viel ihm schwer eine neutrale Haltung zu bewahren. Vor zwei Wochen hatte er Fox wegen dem Mann gewarnt. „Nein. Ich bin ihm nie begegnet.“ Das war die Wahrheit, er hatte schließlich nur durch Don und seine Freunde von diesem Unsterblichen erfahren. Persönlich waren sie sich nie begegnet, was sich jetzt wohl ändern würde.


Gegend unbekannt

Zeitpunkt unbekannt


Ein Mann mit einer langen hässlichen Narbe im Gesicht kam ins Bad. Er grinste und musterte Fox nackten Körper von oben bis unten ab. Mulder versuchte ruhig zu bleiben konnte aber nicht verhindern das sich Schamröte in seinem Gesicht breit machte. „Einen hübschen Welpen habe ich mir da gefangen.“ Fox bis sich auf die untere Lippe und seine Augen funkelten seinen Kontrahenten wütend an. Er war nervös und solche dummen Sprüche machten ihn nur noch wütender. Das sein Temperament mit ihm durchgeht war das letzte was er jetzt gebrauchen konnte. „Was wollen Sie?“ Er war stolz auf sich als er merkte das die Worte laut und deutlich heraus kamen und keines Wegs ängstlich klangen. „Es ist ganz einfach Fox. Ich bin ein Jäger und ich möchte das du mich zu meiner Beute führst.“ Nun musste sich Mulder das lachen verkneifen. Man hatte ihn schon wie Dreck oder Luft behandelt, aber für einen Hund hatte ihn noch niemand gehalten. „Dann schaffen sie sich einen Jagdhund an. Für ‚Platz’ und Apportieren bin ich ungeeignet.“ Wut schwang in seiner Stimme mit und jedes Wort triefte nur so vor Respektlosigkeit.


Fox sah den Schlag nicht kommen, spürte nur wie seine Lippe platzte und das Blut langsam über sein Kinn floss. „Du wirst mich mit Respekt ansprechen und dir dumme Sprüche in Zukunft sparen mein junger Welpe. Haben wir uns da verstanden?“ schrie er Mulder förmlich ins Ohr was den jüngeren zusammen zucken ließ. „Ja.“ Ein Blick genügte und Fox hing noch ein ‚Sir’ ran. ‚Er ist der Alphawolf und du ziehst den Schwanz ein und zeigst brav deine Kehle.’ schon kapiert, dachte sich Mulder im Stillen. Er musste Zeit schinden und so konnte er es sich nicht leisten den Mann weiter zu provozieren. Deshalb senkte er seinen Blick und versuchte direkten Blickkontakt zu vermeiden. Der Alte lächelte über seinen ersten Sieg, sollte er ihn ruhig genießen. Mulder wusste, hoffte seine Zeit würde kommen. „Guter Junge. Nun erzähl mir was du dem FBI über den Killer im ‚Papier Herzen’ Fall erzählt hast.“ Darum ging es ihm? Er würde nicht viel Spaß haben, soviel war Fox jetzt schon klar.


Fox Wohnung, Arlington

Freitag, 22.06.1990 13:45 h


Das Fax aus Paris war gerade erst eingetroffen. Er hatte mehr Informationen über diesen Unsterblichen angefordert und war nicht gerade begeistert mit dem was er las. Eugene Fockworth war Engländer und so um 1100 nach Christi in den englischen Adel geboren worden. Er hatte sich in der Vergangenheit einen Namen als Großwildjäger gemacht und jetzt mit Greenpeace und Artenschutz hatte er scheinbar auf ein anderes Wild umgesattelt. Die Watcher gingen davon aus, das er sich auf die Jagd nach Kriminellen spezialisiert hat. Mörder und Massenmörder waren nun seine bevorzugte Beute. Fox Fall hatte auch in Europa für aufsehen gesorgt, Adam konnte sich noch gut an den Artikel in einer Pariser Zeitung erinnern. Das war noch bevor Mulder in die Ermittlungen mit eingestiegen ist. Neun getötete Mädchen waren ein gefundenes Fressen für die Medien und ließen die Behörden in keinem guten Licht stehen so das sie wohl alles getan hätten um den Fall so schnell wie möglich ab zu schließen.


Fockworth war zu diesem Zeitpunkt aus Europa verschwunden. Wahrscheinlich hatte er hier auf der Lauer gelegen und dem FBI über die Schulter gesehen. Dabei ist er dann wohl über Mulder gestolpert, der in dieser Untersuchung an Tatorten sogar öffentlich in Erscheinung getreten ist. Spätestens am Mittwoch als Fox am Fundort der zehnten Mädchenleiche aufgetaucht ist muss der Engländer herausgefunden haben welche Rolle der junge Unsterbliche in diesem Drama spielt. Ein Jäger setzt oft gute Spürhunde ein um seine Beute zu finden. Doch mit Fox wird er kaum seine Freude haben, der Mann besaß einen starken Willen und würde sich wehren mit allen ihm zur Verfügung stehen Mitteln. Der Junge hatte Prinzipien und würde niemals zulassen das jemand ihn benutzte um einem anderen Schaden zu zufügen. Selbst wenn es sich bei beiden um Monster handelt. Adam musste Fockworth schnell finden bevor er die Geduld mit dem Dickschädel verlor und bemerkte das er allein besser voran kam. Die Suche musste schnell gehen und das FBI war wohl seine einzige Chance Mulder rechtzeitig zu finden. Aber was sollte er den Agenten erzählen?


Er hatte sich eine kleine Geschichte zu Recht gelegt als er zum Telefon griff und Purdues Nummer wählte.


Fox Wohnung, Arlington

Freitag, 22.06.1990 22:05 h


Purdue und Adam saßen und schon seit Stunden über Fox Unterlagen. Das Täterprofil war fertig und Mulder hatte eine heiße Spur. Auf dem Papier schien der Fall bereits gelöst zu sein, zu mindest was den Profiler anging. Alles was noch fehlte war der Name des Täters. „Ich kann es nicht glauben. Ich frage mich jedes Mal wie er das macht. Mulder scheint uns immer drei Schritte voraus zu sein.“ Unglaube aber auch Bewunderung waren Purdue deutlich ins Gesicht geschrieben. „Sie hatten auf Mulders Rat hin noch einmal Agenten zu den Familien der Opfer geschickt. Fox hat am Mittwochabend das gemeinsame Glied gefunden. Vier der befragten Angehörigen hatten in dem betreffenden Jahr einen Staubsauger bei einem Vertreter gekauft. Drei der anderen Familien konnten sich ebenfalls an einen Staubsaugervertreter erinnern. Alle sieben sagten aus das sie den Mann zum Vorführen seines Staubsaugers ins Haus gelassen hatten. Das ist kein Zufall. Wir müssen jetzt nur noch die Marke herausfinden und können so eventuell die Kette vom Hersteller bis zum Verkäufer zurückverfolgen. Dann haben wir den Namen.“ Fasste Adam kurz zusammen was sie in den letzten zwei Stunden beim Studieren von Mulders Notizen herausgefunden hatten.


Wir können heute eh nichts mehr machen. Ich schlage vor wir machen Schluss für heute. Morgen als aller erstes lasse ich Agenten Mulders Spur nachgehen.“ Purdue rieb sich die Müdigkeit aus den Augen und nahm noch einen Schluck seines Biers bevor er dann das Appartement verließ. Adam leerte sein Bier noch in aller Ruhe bevor auch er ins Gästezimmer ging um etwas Schlaf zu finden.


Gegend unbekannt

Zeitpunkt unbekannt


Den Gestank von Blut, Kot und Erbrochenen konnte er einfach nicht aus der Nase bekommen. Durch den Mund zu atmen half dabei auch nicht viel. Er presste die Augen zusammen er wollte nicht sehen was um ihm herum vor sich ging. Er hatte bereits einen Blick riskiert kurz nach dem er wieder bei Besinnung war und wollte ganz gewiss keinen zweiten riskieren. Er hatte Stunden von Qualen hinter sich und war beschämt das er am Ende doch nachgegeben hatte. Er konnte nicht länger und hatte diesem Bastard alles erzählt was er herausgefunden hatte. Es war nur noch eine Frage der Zeit bis Fox nutzlos war und hoffentlich sterben konnte. Sterben, wie er dieses Wort schon hasste. Der Irre hat ihm gezeigt was das Wort bedeutet. Fox glaubte drei Tode gestorben zu sein, seit er hier in der Wanne das erste Mal aufgewacht ist. Das erste Mal wahr wohl ein versehen er war erstickt, als sein Kopf zu lange unter Wasser bliebt. Beim zweiten Versuch ist er verblutet, der Typ hatte die Halsschlagader mit einem Messer aufgeschlitzt. Langsam zu Tode gefoltert war das letzte woran er sich erinnern konnte. Er hatte standgehalten bis er anfing die Zehen abzutrennen. Der Anblick hatte ausgereicht um Mulder zum Reden zu bewegen und jetzt hielt er die Augen geschlossen weil er den Blick auf seine geschunden Füße nicht ertragen wollte. Er konnte sie spüren es war als hätte sie jemand unter Feuer gesetzt. Dieses Schwein hatte sich nicht mal die Mühe gemacht seine Füße zu verbinden.


Mulder wünschte sich er wäre noch bewusstlos, er hatte keine Hoffnung mehr hier Lebend heraus zu kommen.


FBI HQ, Washington

Montag, 25.06.1990 12:10 h


Adam hatte keine Probleme mehr sich hier im FBI Hauptquartier auf zu halten. Fox Freund Reggie Purdue hat sich als guter Verbündeter heraus gestellt. Er hatte seine Agenten am Wochenende zu Überstunden angetrieben und es sogar geschafft jemanden aus seinem Urlaub auf Hawaii zurück zu holen und hierher nach Washington zu schleifen. Der arme Mann wusste nicht einmal was mit ihm geschah, als kleiner Datenerfasser in einem Großhandelszentrum erlebte man so etwas auch nicht alle Tage. Jetzt bereute er vermutlich das er den EDV- Weiterbildungskurs mitgemacht hatte. Seine Firma befand sich noch mitten in der Umstellung ihrer Datenerfassung von Papier zur modernen Computergestützten Datenhaltung. Der Urlauber hatte dabei die Verantwortung für den Kundenstand der letzten 5 Jahre gehabt und musste ihnen helfen einen zwei Jahre alten Beleg für einen Staubsauger wieder zu finden. Agenten des FBIs unterstützten ihn bei der Suche, dennoch die Papiere waren soweit durcheinander geraten, das die Suche noch Tage dauern konnte.


Das zehnte Opfer hatte inzwischen einen Namen, Nancy Rice aus Hanover, Pennsylvania. Das Kind war ein Schock für alle in mehr als einer Hinsicht. Nancys Tod bedeutete das der Killer seine Vorgehensweise geändert hat und jetzt zwei statt ein Kind im Jahr nach stellte. Ihr Todeszeitpunkt hatte auf Ende September des letzten Jahres bestimmt werden können. Ein Monat vor dem anderen Kind das man Anfang Mai Tod aufgefunden hatte. Die Befragung der Rice hatte die Theorie mit dem Staubsaugervertreter noch erhärtet und ihnen einen weiteren Kaufbeleg für ihre Suche nach dem Täter eingebracht. So hatten sie zwei statt einer Nadel im Heuhaufen und Adam konnte wetten das auf beiden der selbe Name stand. Er selbst war dankbar das er sich nicht durch scheinbar endlose Stapel an Papier kämpfen musste und konzentrierte sich ganz auf Fockworth. Reggie hatte ihm dafür seinen Zugang zu den FBI Datenbanken verwenden lassen und das war auch der einzige Grund warum Adam hier in Purdues Büro saß. Es war etwas illegal aber das Risiko wert.


FBI HQ, Washington

Dienstag, 26.06.1990 15:45 h


Reggie hatte heute einen beunruhigenden Anruf von den Rice erhalten. Demnach war ein Mann bei ihnen aufgetaucht und behauptet er sei ein Privatdetektiv. Frau Rice beschrieb den Fremden als auffallend, eine Narbe im Gesicht. Sie hatte keinen Grund an seiner Identität zu zweifeln so war sie kooperativ, beantwortete seine Fragen. Fockworth hatte direkt nach einem Staubsaugervertreter gefragt. Es war jetzt ein Wettrennen wer den Killer zuerst ausmacht und Fox war wohl so etwas wie der Preis der dabei heraus sprang. Eine Situation die Adam mehr als hasste und wütend im Raum herum springen ließ.


FBI HQ, Washington

Mittwoch, 27.06.1990 10:30 h


Ein Durchbruch! Die Suche nach den Belegen war endlich erfolgreich. Das FBI hatte den Namen des Vertreters. Verdächtiger Nummer Eins war jetzt John Lee Roche. Weitere Belegfunde aus diesem Jahr haben bereits verraten das er sich zurzeit irgendwo im Bundesstaat New York aufhält. Die Fandung läuft bereits auf Hochtouren.


Rochester, New York

Freitag, 29.06.1990 16:30 h


Eugene Fockworth war in Rochester gesehen worden. Der Augenzeuge konnte sein Auto beschreiben. Man glaubt auch das Roche sich in der Gegend aufhält. Die Polizei Behörden suchen nun vor Ort nach Hinweisen in beide Richtungen. Adam hatte nicht lange gebraucht um hierher zu kommen. Er hatte sich in einem kleinen Hotel ein gecheckt und wartete nun auf Purdues Ankunft. Er brauchte die Hilfe des Agenten um an die neuen Ermittlungsergebnisse zu gelangen. Aus Paris hatte sich Don inzwischen noch einmal gemeldet und ihm Kontakt zu Fockworth Watcher verschafft. Der Mann kannte ‚seinen’ Unsterblichen gut genug um die Vorlieben seines Schützlings bei der Hotelauswahl zu kennen. Wie er ihm da entwischen konnte war Adam ein Rätsel. Aber zumindest konnte er seine Zeit sinnvoll verbringen und schon mal nach möglichen Hotels im Telefonbuch suchen.


Umgebung Rochester, New York

Samstag, 30.06.1990 12:00 h

Sie hatten den Vormittag Hotels in der Umgebung abgesucht und bisher kein Erfolg gehabt. Auf ihrer Liste befanden sich immer noch vier Hotels in einem Umkreis von ein bis zwei Autostunden von Rochester entfernt. Es war eine von Fockworth Angewohnheiten sich nicht direkt in seinem „Jagdgebiet“ ein zu nisten und er bevorzugte Hotels der Mittel- oder gehobenen Klasse. Das Grenzte nur wenige Ratenlöcher aus und Gott sei dank war er nicht der ‚Bed and Breakfast’ Typ. Davon gab es in der Gegend zu viele. Sie hatten für Mittag an einer Raststätte halt gemacht. Adam war nicht wohl bei der Sache einen FBI Agenten im Schlepptau zu haben. Das würde nur ein lästiger Zeuge sein. Dennoch hatte Reggie Purdue darauf bestanden ihn zu begleiten und seine Argumente waren überzeugend gewesen. Der alte Bastard kannte das Gesetz was er vertrat genau und hatte Adam mit Gefängnis gedroht sollte er ohne ihn fahren. Mulder war ein Meister im abhängen unwillkommener Zuschauer, vielleicht sollte er mal Unterricht bei ihm nehmen. Doch dazu musste er ihn erstmal finden.


Er vertrieb sich die Wartezeit auf sein Essen damit das er noch einmal die Hotelliste studierte. Fox würde wohl schon wissen zu welchem Hotel sie fahren mussten, er hatte das Talent solche Rätsel zu lösen. Wie er den Jungen vermisste! Jeden Moment hatte er Angst das er zu spät kommen würde. Sein Geduld hing an einem dünnen Faden trotz der Tatsache das er mehr als 5000 Jahre Zeit gehabt hatte sich an solche Situationen zu gewöhnen. Er hatte schon häufiger gewartet vor einer Schlacht, sogar dem einen oder anderen Erschießungskommando. Doch nie zuvor hatte es ihn so nervös gemacht wie heute. Fox war sein Schüler, sein Freund und das Leben war nie langweilig um ihn herum. Wenn man älter als die Bibel war sollte es eigentlich nichts mehr geben was ein noch überraschen sollte doch Mulder war eine ständige Quelle an Überraschungen und so hatte Adam neben Unterhaltung auch Sinn in seiner Existenz gefunden. Sein Leben hatte plötzlich wieder mehr Farbe und bestand nicht mehr aus Flucht vor sich und dem was er war. Es gab endlich jemanden der ihn akzeptierte und dem es egal war das er Methos ist. In den letzten Jahrhunderten hatten es alle anderen die es geschafft hatten ihn zu finden nur auf seinen Kopf abgesehen, wollten sich einen Namen machen. Mulder trank vielleicht wenig Bier mochte aber seine Kochkünste und es machte Spaß mit ihm dabei zu philosophieren oder einfach nur über Gott und die Welt zu unterhalten. Fox Humor und ungewöhnliche Sicht der Dinge waren dabei Gold wert.


Umgebung Rochester, New York

Samstag, 30.06.1990 19:00 h


Es ging schnell. Reggie hatte gerade den Anruf erhalten das Roche tot aufgefunden wurde. Fockworth hatte ihn vor der Polizei gefunden. Jetzt mussten sie sich beeilen und Mulder finden bevor der Jäger von seiner Jagd zurückkehrte. Roche hatte sich in der Stadt direkt auf gehalten und so brauchte auch Fockworth mindesten noch zwei Stunden bis zurück in sein Hotel. Purdue hatte Straßensperren errichten lassen, das könnte ihn noch etwas mehr Zeit kosten. Aber nicht viel, Fockworth war nicht der Mann der sich von ein paar lausigen Highway Cops aufhalten ließ. Zum Glück standen nur noch zwei Hotels auf der Liste. Das eine nur noch zehn Minuten und das andere maximal eine halbe Stunde mit dem Auto entfernt.


Sie hatten Ausnahmsweise mal Glück und das vorletzte Hotel auf der Liste erwies sich als Treffer. Ein Hotelangestellter konnte ihn mit Hilfe des Fotos was Don aus Paris rüber gefaxt hatte identifizieren. Purdue konnte den Ersatzschlüssel mit Hilfe seiner Marke und gut zu reden an sich bringen. Das Hotel war eines von denen wo jedes Zimmer Erdgeschoß-Level war und von außen seinen separaten Eingang hatte. Fockworth hatte also keine Schwierigkeiten gehabt Fox einzuschmuggeln. Er hatte lediglich sein Fahrzeug vor seiner Zimmertür parken und ihn dann in aller Ruhe rein tragen müssen. Manchmal konnte man den Fortschritt echt verfluchen. Aus dem Zimmer kam kein Licht als sie es erreichten. Die Gardinen waren zugezogen um neugierige Blicke raus und an der Tür hing ein ‚Bitte nicht stören’ Schild um die Reinigungskraft fern zu halten. Fockworth hatte scheinbar an alles gedacht. Adam schloss vorsichtig die Tür auf, während Reggie mit entsicherter Waffe Deckung gab. Alles war sehr einfach, zu einfach für Adams Geschmack. Deshalb öffnete er nicht sofort die Tür und ließ lieber einem Wasserspender den vortritt. Mit Reggie zusammen war es nicht schwer gewesen ihn gegen die Tür knallen zu lassen. Als die Tür aufsprang löste sich eine Selbstschussanlage und ein Pfeil raste an Adams Gesicht vorbei und traf einen Baum etwa zehn Meter entfernt. Soviel zum Thema einfach.


Sie fanden Mulder bewusstlos im Bad. Zu ihrer Erleichterung schien er unverletzt zu sein. Purdue rief Verstärkung und Adam überredete den Agenten das er Mulder befreien und aus der Wanne holte. Adam fand ein Decke die er benutzte um Fox einzuwickeln nach dem er die Fesseln gelöst hatte. Bis zur Ankunft der Verstärkung hatte er den jungen Mann auf seinen Schoß und wiegte ihn wie ein kleines Kind vorsichtig hin und her. Der Junge hatte deutlich an Gewicht verloren und egal was Fockworth mit ihm angestellt hatte die gute Selbstheilung der Unsterblichen hatte bereits alle sichtbaren Spuren beseitigt. Die Narben an der Seele konnten sie leider nicht heilen, aber es gab im Moment ein anderes Problem. Wie konnte er die Sanitäter davon abbringen Mulder in ein Krankenhaus zu bringen? Ein Krankenwagen kam etwa fünf Minuten nach Reggies Anruf bei ihnen an. Fox wurde ihm abgenommen und auf eine Trage gelegt. Ein Sanitäter murmelte etwas von Unterernährung und Dehydration. Sie legten sofort eine Fusion. Fox war schwach und Adams Wissen beruhigte ihn etwas. Er hatte ihn gefunden, sein Kopf war noch fest am Hals angewachsen alles andere konnte und würde er überleben. Adam hatte da noch ein paar großartige alte Rezepte die prima zu Bier passten, mit denen würde er die Pfunde schnelle wieder dort hinbekommen wo sie gebraucht wurden.


Krankenhaus Buffalo, New York

Sonntag, 01.07.1990 15:30 h


Fox hatte das Bewusstsein noch nicht wieder erlangt. Adam hatte nicht verhindern könne das man ihn ins Krankenhaus brachte. Fockworth war immer noch auf freien Fuß und das FBI fürchtete nun das er hinter Mulder her war. Sie hatten eine 24 Stunden Wache vor seinem Zimmer platziert was aus Adams Erfahrung den Engländer niemals stoppen würde. Der einzige der ihn jetzt noch aufhalten konnte war Adam selbst doch hier gab es zu viele Zeugen. Er musste Fox aus dem Krankenhaus bekommen. Doch wie konnte er die anderen davon überzeugen?


Hilfe kam aus unerwarteter Richtung. Don gab ihm die Adresse von einer Ärztin die für den Geheimbund arbeitete. Sie war in New York zugelassen und bereit ihm zu helfen als er mit ihr am Telefon sprach. Er gab sich als Mulders Watcher aus, wenn er ihn aus dem Krankenhaus hatte dann musste er nur noch zusehen wie er die Doktorin dazu brachte sie allein zu lassen. Zeugen wurden immer noch nicht gebraucht! Aber ein Problem nach dem anderen. Fox musste erst mal aus dem Krankenhaus raus. Es gelang ihm am Ende mit Hilfe der Ärztin Purdue davon zu überzeugen das Mulder im Hospital nicht sicher genug war und das er ein sicheren Ort kannte wo sie für einige Zeit untertauchen konnten. Adam war als Fox nächster Angehöriger gelistet und hatte alle Befugnisse um Entscheidungen für ihn zu treffen. Frau Dr. Brown versprach sich gut um den Patienten zu kümmern und zeigte dem FBI Agenten ihre Zulassungspapiere. Mit der Versorgung garantiert erklärte er sich am Ende bereit ihn dabei zu helfen und veranlasste Mulders Entlassung. Angeblich weil man ihn in ein Krankenhaus in Washington verlegen wollte.


Eine Kabine irgendwo in den Appalachen

Mittwoch, 04.07.1990 19:00 h


Sie hatten die Kabine die einem von Mulders Partnern gehörte ohne große Schwierigkeiten am Montag erreicht. Dr. Brown hatte sie nicht bis hier hinauf begleitet und sollte inzwischen bei ihren Patienten in New York sein. Fox hatte sich endlich dazu entschlossen auf zu wachen. Das erste was er ganz erstaunt angestarrt hat waren seine Füße gewesen. Adam hatte es zu erst nicht verstanden aber als ihm Mulder erzählt hat das ihm drei Zehen abgeschnitten wurden konnte er selbst nicht anders als ungläubig auf die Füße zu starren. Was war das für eine Kreatur die seinem jungen Freund so etwas antun konnte. Die Zehen waren wieder nachgewachsen und keine Narben waren zurückgeblieben, die emotionalen Wunden mussten aber immer noch tief in Fox innerem klaffen. Es würde Zeit brauchen bis er diese Erfahrung verarbeiten würde. Seine Selbstheilungskräfte waren deutlich besser, wahrscheinlich aus demselben Grund weshalb er keinen Spürsinn für Unsterbliche hatte. Die Heilung hätte bei jedem anderen länger gedauert als nur ein paar Stunden. Das Ersetzen von Gliedmaßen konnte Tage, falls es überhaupt möglich war, dauern. Das konnte kein Zufall sein, da waren sich beide einig.


Fox war nicht lange wach gewesen. Er hatte gerade noch genug Zeit gehabt über die Infusionsnadel zu jammern bevor er wieder eingeschlafen war. Eine Suppe brodelte bereits über dem Feuer des Kamins für den Fall das er bald wieder aufwacht und Hunger haben sollte. Alles war vorbereitet, was Adam noch fehlte war Fockworth. Er war überzeugt das der Großwildjäger nicht lange brauchen würde um sie zu finden. Der Mann war schließlich einer der Besten. Aber im Gegensatz zu Fox würde er den Jäger spüren können, es war nicht leicht für einen Unsterblichen sich an einen anderen heran zu schleichen ohne das er ihn vorher spüren konnte. Diese Begegnung würde sein erstes Duell nach 200 Jahren sein und Adam war sich nicht sicher ob er dem Engländer gewachsen war. Er hatte in den letzten Jahren viel mit Mulder gemeinsam trainiert aber ob das gegen einen Profi wie Fockworth reichte wusste er nicht. Er konnte nur hoffen, das er noch nicht allzu lange aus der Form war und ihn seine guten Instinkte erhalten geblieben waren.


Eine Kabine irgendwo in den Appalachen

Donnerstag, 05.07.1990 6:00 h


Ein Buzz im Hinterkopf weckte Adam und ließ ihn nach seinem Schwert greifen. Fockworth schien sie endlich gefunden zu haben. Er zog sich schnell an, er wollte den Jäger außerhalb der Kabine begrüßen. Ein Duell auf leerem Magen, nicht gerade der ideale Start in den Morgen. Der Platz um der Hütte herum eignete sich wie jeder andere für ein Duell und so setzte er sich einfach auf eine Bank am Eingang, sein Schwert offen in der Hand und hoffte das der Jäger sich bald zeigen würde. Schließlich kannten beide die Regeln des Spiels.


Fockworth ließ nicht lange auf sich warten Er betrat die Lichtung und kam näher. Ein Lächeln zierte sein Gesicht, der Mann schien sich seiner Sache sicher zu sein. „Sie haben lange gebraucht. Ich hatte sie schon viel früher erwartet.“ Begrüßte ihn Adam. „Stand im Stau. Der Verkehr auf Amerikas Autobahnen ist mörderisch. Sie sollten wie jeder vernünftige Mensch Links fahren.“ Der Jäger war zum Scherzen aufgelegt, es fehlten nur noch die alten Kolonialwitze. „Kommen wir doch am besten zur Sache. Schließlich nach der ganzen Mühe die ihr auf euch genommen habt um hier her zu kommen, kann ich euch doch nicht enttäuschen. So mehr aus Höflichkeit als Neugierde gefragt: Was wollt ihr hier?“ Adam lächelte ihn freundlich an, im inneren aber war er angespannt und wollte am liebsten über diesen Bastard herfallen. „Fuchsjagd. Ihr wisst doch das wir Engländer eine schwäche dafür haben. Aber ich bin großzügig ich werde euren und seinen Kopf verschonen wenn er sich bereit erklärt freiwillig mit mir mitzukommen. Ich kann jemanden mit seinen Talenten brauchen.“ Er gab sich englisch überheblich wahrscheinlich über Jahrhunderte kultiviert. Fox hatte in Oxford eine überzeugendere Show geliefert.


Fox mag seinen Job und ich glaube kaum das er Interesse an eurem großzügigen Angebot hat.“ Das ‚großzügigen’ dehnte er besonders lang und legte übertrieben viel Betonung in seine Worte. „Dann wird er wohl so mitkommen müssen.“ Meinte der Jäger nur trocken. „Nur über meine Leiche.“ Adam versuchte dabei leicht die Betonung des anderen zu emittieren. Es erfüllte seinen Zweck der Engländer wurde langsam wütend. „Auch das lässt sich einrichten.“ Sagte er und zog sein Schwert. Adam parierte den ersten Schlag und ging dann in Angriffsstellung um auf den nächsten Zug seines Gegners zu warten. Er wehrte ein paar Mal ab und ging dann in den Angriff über. „Es ist mir egal das ihr diesen Bastard Roche erwürgt habt aber ich lasse nicht zu das ihr den Jungen in euer schmutziges Spiel mit hinein zieht.“ Wütend und wild entschlossen drängte er den Jäger ein paar Schritte zurück. „Roche war eine Null, keine Herausforderung. Der Fuchswelpe dagegen war die Reise nach Amerika wert. Ich habe sein Blut fließen lassen und ihn Schreien lassen. Das war Musik, eine Sinfonie in meinen Ohren und wenn ich mit euch fertig bin dann werde ich sie noch einmal erklingen lassen. Hier im Wald kann er so laut schreien wie er will.“ Fockworth wollte ihn noch wütender machen und hoffte wohl das er dann einen Fehler machen würde. Doch Adam war zu alt um solche Anfängerfehler zu machen und ließ sich auf solche Kopfspiele nicht ein. Aber das bedeutete nicht das er sie nicht auch spielen konnte. „Sein Talent ist an euch verschwendet. Wie habt ihr es eigentlich geschafft ihn zu entführen? Von Hinten? War er aus der Puste vom Joggen? War er bewaffnet? Ihr seht mir nicht so aus als wärt ihr ein Gegner für ihn gewesen.“ Das schaffte es und der Jäger begann wild und unüberlegt auf Adam einzuschlagen. Seine Wut führte sein Schwert und nicht der Verstand. Adam aber sah seine Chance und ehe er sich versah hatte er den Engländer auf dem Boden. Eine Wunde klaffte in seinem Bauch und er krümmte sich vor Schmerzen. Schnell hatte er ihm auch seine Waffe aus der Hand geschlagen und war für den letzten Schlag bereit.


Mindestens 3000 Jahre zu früh.“ Spottete er noch bevor er den Kopf von den Schultern trennte. Entsetzen war in Fockworth Augen zu sehen aber es war längst zu spät für ihn und sein Kopf rollte im Dreck entlang. Adam machte sich bereit. Ein Sturm brach los und blaue Blitze glitten den Boden entlang unaufhaltsam auf ihn zu. Er hob sein Schwert als ihn die ersten Lichtbögen trafen und das Glas der Kabinenfenster in Scherben flog. Im Hintergrund konnte er ein Schreien hören das seinem eigenen in nichts nach stand. Er wunderte sich kurz woher es kam doch dann war der Schmerz zu überwältigend das er vor Erschöpfung nach hinten fiel und erst einmal Zeit brauchte um sich von dem langsam zu Ende gehenden Quickening zu erholen. Mit Fockworth Lebensenergie kamen auch seine Erinnerungen und mit Entsetzen sah er was dieses Schwein seinem Freund angetan hatte. Ihm war nur noch schlecht und er übergab sich an Ort und Stelle. Zirka ein viertel Stunde später hatte er sich soweit gesammelt das er wieder aufstehen konnte. Er war der Meinung, dass die Schreie aus der Kabine gekommen waren und wollte nach sehen ob Fox in Ordnung war.


Er fand ihn bewusstlos neben seinem Bett auf. Behutsam legte er ihn zurück und deckte ihn gut zu dann machte er Feuer im Kamin und hängte einen großen Topf Wasser für Kaffee und zum Waschen hinein. Bis das Wasser heiß genug war konnte er sich schon mal Überlegen was er mit der Leiche machte und wo er neue Fenster für die Berghütte her bekam. Die freiwerdenden Kräfte beim Quickening waren immer so groß das kaum etwas von ihnen verschont blieb. Vielleicht hätten sie für ihr Duell ein Stück tiefer in den Wald gehen sollen. Aber hinterher war man immer Schlauer. Ein Blick auf die Uhr verriet ihm das es inzwischen nach Sieben wahr. Zeit für ein gutes Frühstück, der Rest konnte bis danach warten. Fox würde bestimmt bald zu sich kommen und Hunger haben.


Eine Kabine irgendwo in den Appalachen

Sonntag, 08.07.1990 20:30 h


Sie saßen gemütlich am Kaminfeuer und tranken heiße Schokolade. Marshmallows waren bereits aufgespießt und warteten nur noch darauf, in die Flammen gehalten zu werden. Adam hatte Gestern einen kleinen Trip gemacht um neue Fenster zu besorgen und bei der Gelegenheit eingekauft. Er hatte dort sogar ein paar Anrufe tätigen können. Neben Don und Purdue hatte er auch mit Mulders Partnern sprechen können. Sie hatten viel Verständnis und wünschten Fox gute Besserung. Giles dem die Kabine gehörte meinte sie könnten solange belieben wie sie wollen. Das Angebot nahm Adam nur allzu gerne an. Fox hatte sich verändert und brauchte Zeit mit diesen Veränderungen leben zu lernen.


Es war als hätte Mulder’s Körper auf die Entführung reagiert und Verteidigungsmechanismen entwickelt um Wiederholungen vor zu beugen. Mulder war schon immer mitfühlend gewesen konnte Gefühle anderer lesen und nach empfinden. Jetzt war er regelrecht empathisch. Das Quickening hatte nicht nur Adam durchlebt sondern auch er. Es hatte ihn vollkommen unvorbereitet getroffen und ausgeknockt. Der Junge hatte irgendwie gespürt was sein Freund fühlte und der Schmerz hatte ihn dann überwältigt. Neben Empathie hatte sich auch Telepathie entwickelt. So konnte Fox die Gedanken seines Freundes lesen und das Experiment seine Gedanken zu übertragen war ebenfalls erfolgreich gewesen. Beide Fähigkeiten waren interessant aber jagten dem jüngeren einen gewaltigen Schrecken ein. Adam hatte den ganzen Freitag gebraucht um ihn zu beruhigen. Das Sie die Kabine solange nutzen können wie sie wollten war da ein willkommener Zufall gewesen. Sie waren sich einig das sie mindesten die nächsten drei Monate hier verbringen. Hier in der Kabine waren sie nur zu zweit, keiner von beiden konnte sagen wie Mulder reagieren würde wenn er die Gefühle und Gedanken vieler Menschen durcheinander ertragen musste. Er brauchte also eine Methode um sich davor zu schützen wie zum Beispiel eine Sonnenbrille empfindliche Augen vor zuviel Licht schützen konnte.


Aber das hatte Zeit Heute und die nächste Woche wollten sie erstmal entspannen und sich von den Strapazen erholen. Heiße Schokolade und Marshmallows waren da ein guter Anfang gewesen.


Eine Kabine irgendwo in den Appalachen

Sonntag, 23.09.1990 23:55 h


Fox hatte sich im Juli von seinem Bart getrennt und verspürte wenig Lust sich einen neuen wachsen zu lassen. Was Gott sei dank auch nicht mehr Notwendig war. Ihre drei Monate hier in der Kabine waren nun vorbei. Der Roche Fall abgeschlossen und vergessen. Fox hatte die vergangenen Monate genutzt um seine neuen Fähigkeiten unter Kontrolle zu bringen und war damit recht Erfolgreich gewesen. Er traute sich wieder unter Menschen und hatte seine Talente soweit unter seiner Gewalt das er sich halbwegs schützen konnte. Er mochte vielleicht kein Radar für Unsterbliche besitzen aber zumindest konnte er den Verlust dieses Instinkts mit seinen neuen Fähigkeiten etwas ausgleichen. Ihre Gefühle, Gedanken, Absichten würden sie verraten. Adam hatte versucht dies geschickt ins Kampftraining einfließen zu lassen und die Ergebnisse konnten sich sehen lassen. Die Tatsache das Unsterbliche bei ihren Kämpfen Publikum scheuten war von Vorteil. Mit vielen Menschen um sich herum waren seine Talente aber nutzlos. Zu viele Informationen zur selben Zeit es war als würde er in grelles Licht sehen und mehr als nur unangenehm empfinden.


Während des Trainings hatte sich eine dritter Verteidigungsmechanismus vorgestellt. Fox konnte sich jetzt besser anpassen. Wenn er es wollte dann sah er jetzt tatsächlich wie ein 30ig Jähriger aus. Es war nicht einfach Gedankenmanipulation den selbst Kameras ließen sich täuschen. Sein Gesicht schien wirklich zu altern. Es brauchte viel Geduld und Übung aber jetzt konnte er es wie eine Maske an und ablegen. Das einzige Problem war wenn er schlief, dann hatte er keine Kontrolle darüber und war wieder er selbst. So gehörte der Bart zur Vergangenheit und Fox freute sich auf den praktischen Test. Für Washington war es immer noch zu früh und gefährlich so aufzutauchen. Mulder brauchte Zeit um die Feinheiten abzustimmen und eventuell 24 Stunden lang die Verkleidung aufrecht zu halten. So hatten beide entschieden drei weiter Monate in Europa zu verbringen. Französische Riverra und Italien sollten genügend Gelegenheiten zum Üben bieten.


Morgen sollte die Reise losgehen und Mulder freute sich wie ein kleiner Junge auf den Trip. Er hatte seine Sachen gepackt und konnte jetzt vor Aufregung nicht schlafen. Adam konnte darüber nur schmunzeln er hatte den Jungen schon lange nicht mehr so ausgelassen erlebt. Das Fox beschlossen hat seine Beratertätigkeit an den Nagel zu hängen, wunderte ihn aber.

Kapitel 3 „Ihr Auftritt Scully!“


FBI HQ, Washington

Freitag, 31.01.1992 15:00 h


Es war wie ein Auftritt vor OPR für Scully als sie den Konferenzraum betrat. Auf der einen Seite saß die Jury und ein einzelner Stuhl vor ihnen war wohl für den fehlgeleiteten Agent bestimmt. Nur Dana Katherine Scully hatte sich bisher nichts zu Schulden kommen lassen. Als Pathologe in Quantico war ihre Akte bisher sauber. Sie nahm Platz und wartete geduldig bis sie angesprochen wurde. „Agent Scully wir haben sie heute hier her gebeten weil wir ihnen eine neue Stellung als Feldagent anbieten wollen.“ Das Klang mehr als verlockend, wer träumte nicht davon? Wenn musste sie umbringen um den Job zu bekommen? Das war Humor und zwar von der Sorte den man so makaber es klingen mag manchmal brauchte. Besonders als Frau in einem Männerklub wie das FBI. Sie mochten inzwischen Frauen als Agenten haben, dennoch musste man immer noch schneller, besser sein als seine männlichen Kollegen um ein Fünkchen Anerkennung zu erlangen. Schwäche durfte man nicht zeigen sonst wurde man den Haien zum fraß vorgeworfen und galt als Agent ungeeignet. Wenn man als Frau Karriere machte wurde man oft gefragt mit wem man geschlafen hat um die Stelle zu bekommen. Natürliche fragte niemand direkt aber der Gedanke schwang immer mit. So was sollte sie darauf antworten? Sie durfte ihre Begeisterung nicht zeigen, auch das gehörte zu diesem Spiel.


Das wäre eine interessante Abwechslung.“ Das klang nicht sonderlich begeistert und ihr Ton war mehr als hätte sie am Essenstisch zu Haus bei ihren Eltern nach dem Salz gefragt. Man konnte soviel hinein interpretieren. „Haben sie schon einmal von den X Akten gehört?“ fragte jemand der Herren, Belvins wenn sich Scully da nicht irrte. „Das sind Fälle die das FBI als unmöglich Lösbar oder so ähnlich eingestuft hat und deshalb aus der Bearbeitung heraus genommen hat.“ Ein Kloß bildete sich in ihrem Hals was sollte sie mit diesen verstaubten Fällen zutun haben? „Das könnte man so sagen. Wir planen einige dieser Fälle wieder aufzuarbeiten. Sie besitzen neben Ihren Doktor med. noch einen Abschluss in Physik. Das sind ideale Voraussetzungen für dieses Projekt. Fakten, wissenschaftlich fundierte Erklärungen finden. Glauben Sie das sie dazu in der Lage sind?“ Scully musste die Frage erstmal runter schlucken. Sie war ungenau formuliert und beleidigend. Aber wenn man es zu etwas bringen wollte durfte man sich nicht provozieren lassen. „Viele Phänomene lassen sich heute wissenschaftlich analysieren und erklären. Ich bin mit den Methoden vertraut.“ Das beantwortete die Fragen nicht, aber war die beste Antwort die sie bereit war zu geben. Langsam wurde es heiß im Raum. Blicke wurden ausgetauscht, offenbar war man mit der Antwort zufrieden.


Überlegen Sie sich über das Wochenende ob sie dieser Herausforderung gewachsen sind. Wenn sie die Stelle wollen dann Melden sie sich Montag früh bei Assistent Direktor Skinner. Das wäre dann alles Agent Scully.“ Damit war sie entlassen und konnte erstmal erleichtert durchatmen und auf den Heimweg machen.


Scully’s Apartment, Georgetown

Samstag, 01.02.1992 11:05 h


Nein. Das wäre die Chance. Feldagentenstatus. Richtige Ermittlungsarbeit nicht nur Unterrichten in Quantico und Autopsien am Fließband. Versteh doch Ahab das könnte mich die Karriereleiter ein Stück rauf bringen.“ Sie wechselte den Telefonhörer verärgert auf die andere Seite, in die linke Hand. Warum hatte sie das überhaupt erwähnt? Weshalb musste sie sich jetzt schon wieder rechtfertigen? Das auch noch übers Telefon. Konnte er nicht einmal eine Entscheidung die sie macht akzeptieren?


Starbuck, was glaubt wie deine Mutter darüber fühlen wird? Hättest du dich entschieden als Ärztin zu praktizieren dann müsste sie sich jetzt nicht solche Sorgen um dich machen.“ Scully’s Vater hatte ihre Entscheidung zum FBI zu gehen nie verstanden und fast in jedem Gespräch musste er ihr einen Seitenhieb darauf geben. Sie war gut und sie mochte ihren Job! Warum konnte er das nicht endlich begreifen? Sie wollte Polizeiarbeit leisten, Fälle lösen und nicht nur in Quantico sitzen! „Mam hat die letzen dreißig Jahre nichts anderes gemacht. Sie ist die Frau eines Navy Captains.“ Schuldgefühle erzeugen war ein alter Trick aber diesmal würde sie nicht darauf herein fallen. Sie würde es durchziehen und allen zeigen das sie es schaffen konnte!


FBI HQ, Washington

Montag, 03.02.1992 8:30 h


Guten Morgen. Agent Scully.“ Sie war etwas neugierig und schaute sich etwas um als sie darauf wartete das die Sekretärin des Assistent Director sie anmeldete. Definitiv kein Vergleich zu ihrem Büro und das war nur das Vorzimmer. Sie musste nicht lange warte bis sie in Skinners Büro geführt wurde. Dieses Mal kam sie sich nicht wie bei OPR vor. Ihr wurde ein Platz angeboten und sie entschied sich für den Rechten. Ober man etwas davon ableiten konnte ob sie nun den linken oder rechten Stuhl wählte? Der Mann hinter dem Schreibtisch wirkte professionell und strahlte eine gewisse Autorität aus. Die Höflichkeiten wurden auf notwendig respektvoll beschränkt und sie kamen direkt zu Sache.


Sie haben sich also entschlossen das Angebot anzunehmen, Agent Scully?“ Braune Augen musterten sie nun und er rückte seine Brillengläser zurecht als er sprach. „Ich habe daran gedacht, ja. Aber zuvor hätte ich noch ein paar Fragen wenn Sie gestatten Sir.“ Der Mann schüchterte sie etwas ein, sie konnte aber nicht sagen was ihr nicht gefiel oder besser gesagt beunruhigte. „Fragen Sie ruhig. Jeder gute Agent stellt Fragen. Dafür steht das I in FBI.“ Scherzte Skinner aber die Spannung im Raum konnte er damit auch nicht zerstreuen. „Ich würde als erstes gerne wissen welcher Abteilung die X Akten zugeordnet sind und wem ich Bericht erstatten würde, Sir.“ Diese Situation hier war ungewöhnlich normalerweise hätte man sie einfach an den Abteilungsleiter ihres neuen Aufgabenbereichs geschickt nicht zu einem AD. Er war in der Hierarchie einige Stufen zu hoch für solche Gespräche. „Wenn sie sich der X Akten annehmen dann ist es eine eigenständige Abteilung unter meiner Zuständigkeit. Sie wären also Teil der Sektion Gewaltverbrechen und könnten wenn bedarf besteht auch in anderen Abteilungen der Sektion eingesetzt werden. Sie würden ihre Berichte direkt mir gegenüber verantworten. Im Fall das man ihre Dienste in einer anderen Abteilung benötigt gilt selbstverständlich die übliche Kommandokette.“ Dem AD persönlich Bericht erstatten? Das wurde immer schöner und sie hatte alle Mühe ihre Verwunderung anmerken zulassen. „Werde ich einen Partner erhalten?“ Es war normalerweise Vorschrift das Feldagenten immer zu zweit arbeiteten.


Nein. Zum jetzigen Zeitpunkt ist keine zweite permanente Stelle vorgesehen. Wenn nötig wir ihnen ein Agent zeitweilig zugewiesen. Das bedeutet aber nicht das sie ganz auf sich allein gestellt sind. Das FBI stellt ihnen die Hilfe eines zivilen Beraters zur Verfügung. Er gilt als ein Experte auf diesem Gebiet und hat obwohl er bei uns nicht fest angestellt ist, eine sehr hohe Aufklärungsquote. Meine Sekretärin kann ihnen die Adresse des Mannes geben, wenn sie seine Hilfe in Anspruch nehmen wollen, melden sie sich einfach bei ihm.“ Es wurde immer merkwürdiger. Sie sollte mit einem Zivilisten zusammen arbeiten? Sie konnte sich den Typen ja wenigsten Mal ansehen. „Danke Sir. Das werde ich machen. Sir, dürfte ich noch fragen wo sich mein neuer Arbeitsplatz befindet oder arbeite ich weiter aus Quantico heraus?“ Er gab ihr auf die Frage einen leicht amüsierten Blick nicht nur weil sie gerade mehr oder weniger zum Ausdruck gebracht hatte das sie die Stelle nimmt. Nein da steckte etwas anderes dahinter. „Nein, ihr neues Büro ist hier im Hoover. Sie können sich aussuchen ob sie einen Platz im dritten Stock oder unten direkt bei den Akten haben wollen.“ Mit Unten meiner er wohl Keller. Das wollte sie doch lieber vermeiden. Doch wollte sie ihr Büro gegen eines dieser pseudo- Office eintauschen? Ihr altes Büro hatte wenigstens Wände und nicht nur irgendwelchen Sichtschutz.


FBI HQ, Washington

Montag, 03.02.1992 17:30 h


Sie hatte sich für den Keller entschieden. Der dritte Stock war dann doch nichts für sie gewesen. Den Rest des Tages hatte sie versucht Möbel für ihr neues Büro zusammen zu kratzen und es halbwegs vernünftig einzurichten. Wenigsten war sie dicht an den Akten und sie wusste schon mal das der Kaffee im vierten besser war als der den man sich im dritten Stock zusammen braute. Morgen würde sie als aller erstes diesen so genannten Experten besuchen. Seine Sprechstundenhilfe hatte sie noch für acht Uhr in seinen Terminkalender hinein schieben können. Fox Mulder! Was war das eigentlich für ein Name? Er hatte etwas seltsam Bekanntes an sich.


Gemeinschaftspraxis, Georgetown

Dienstag, 04.02.1992 7:55 h


Scully war überrascht zu sehen das sich die Praxis gerade mal ein paar Strassen von ihrem Apartmentblock entfernt lag. Es war so gar gut möglich das sie ihren Morgenkaffee im selben Geschäft kauften. Dennoch hatte sie noch nie von den Namen, die sie auf dem Schild vor ihr lesen konnte, gehört. Das heißt bis auf den Namen Mulder inzwischen war sie sich sicher das sie schon einmal von dem Mann gehört hatte doch sie konnte sich beim besten willen nicht mehr daran erinnern wo. Sie hatte sich schon den ganzen gestrigen Abend das Hirn darüber zermartert. Neben den Fragen was für ein Typ Mensch er war und wieso er als Berater für das FBI tätig war. Bisher hatte sie die Berater für Spezialisten gehalten die es aus irgendeinem Grund nicht als Agenten ins FBI geschafft hatten. Dabei dachte sie mehr in Richtung überschreiten der Aufnahme- Altersgrenze oder irgendwelche körperlichen Mängel wie Farbenblindheit, Sehschwächen oder andere gesundheitliche Gründe. Dieser Mulder konnte also weit über 40ig sein und Brille mit richtig dicken Gläsern tragen. Wahrscheinlich war er sogar fett und nicht gerade der Fitnesstyp. So in etwa hatten sich ihre Theorien weit in die Nacht hinein entwickelt. Sie konnte nur hoffen das nichts davon zu traf.


Guten Morgen. Ich bin Special Agent Dana Scully vom FBI. Ich habe ein Termin mit Dr. Mulder.“ Meldete sie sich am Empfangstressen an. Die junge Frau auf deren Namensschild Tracy stand lächelte freundlich und bat sie für einen Augenblick im Wartezimmer platz zu nehmen. Der Empfang und das Wartezimmer waren sehr hell und freundlich gehalten. Die vier Psychologen hatten die ganze zweite Etage des Bürohauses für sich gemietet und teilten sich offensichtlich die Sprechstundenhilfe im Empfangsbereich und den Wartebereich. „Kann ich ihnen vielleicht einen Tee oder Kaffee bringen? Dr. Mulder braucht wohl noch zehn Minuten mit seinem Patienten.“ Fragte Tracy sie etwa nach 5 Minuten warten. Sie nahm das Angebot für einen Kaffee dankend an und ca. 15 Minuten später führte sie die Sprechstundenhilfe zu Dr. Mulders Büro. Der erste Eindruck überraschte sie dann etwas. Der Mann war groß, schlank kurz um gut aussehend. Scully schätzte ihn so auf anfangs Dreißig. Er hatte seine braunen Haare kurz geschnitten und trug im Gegensatz zu ihren Kollegen keinen Anzug. Er trug Jeans dazu ein weißes Poloshirt und weiße Sneakers. So hatte sie sich einen Irrenarzt ganz sicher nicht vorgestellt.


Verzeihen sie das sie warten mussten, aber ich hatte noch einen Patienten der heute ein bisschen länger gebraucht hat. Sein Stimme war auch nicht zu verachten, sie hatte etwas angenehmes, beruhigendes an sich. „Das macht doch nichts. Ich bin froh das sie mich so kurzfristig empfangen konnten, Dr. Mulder.“ Er lächelte auf ihre Worte hin und zum erstmal hatte sie einen richtig guten Blick auf seine Augen. Sie waren braun grün grau je nach dem wie das Licht in sie fiel. Sie enthielten etwas Trauriges und wirkten älter wesentlich älter als der Mann der vor ihr stand. So als hätten sie schon viel zu viel gesehen, vielleicht erklärte das die Traurigkeit die in ihnen lag. Sie nahmen Platz und Scully nahm sich einen Augenblick Zeit um sich in seinem Büro umzusehen. Es war gemütlich eingerichtet die Farben vom Eingang und das Licht hatte man auch hier eingefangen. Statt einer Couch gab es in der Ecke zwei bequem aussehende Sessel mit einem kleinen Beistelltisch dazwischen. Eine Stereoanlage befand sich in einem kleinen Regal das direkt in die Wand eingelassen war, die Lautsprecher hatte man geschickt versteckt. Pflanzen und ein Aquarium machten den Raum lebendig. Das große Panoramafenster sorgte für ausreichend Licht.


So was kann ich für sie tun, Agent Scully?“ nahm er das Gespräch wieder auf. „Ich habe gestern die Revision der so genanten X Akten übernommen und da wir in Zukunft wohl häufiger Zusammenarbeiten werden. Dachte ich mir es wäre gut sich kurz vorzustellen.“ Mulders Gesicht verriet nichts aber sie konnte in seinen Augen Verwunderung, Unglaube ablesen. „Und was bringt sie auf diese Idee?“ Er schaute nun wirklich als wäre ihr ein zweiter Kopf gewachsen. „Assistent Director Skinner. Von ihm habe ich ihre Adresse bekommen, er meinte sie würden mir als Berater zur Seite stehen.“ Er schaute sie an es war fast so als würde er tief in sie hinein sehen. Doch bevor es ihr zu unangenehm wurde sprach er sie an. „Es tut mir Leid, aber da hat man sie wohl falsch informiert. Ich arbeite schon seit 2 Jahren nicht mehr als Berater für das FBI. Das ist für mich ein abgeschlossenes Kapitel, ich fürchte sie werden sich an jemand anderes Wenden müssen, bei mir verschwenden sie ihre Zeit.“ Damit war das Gespräch mehr oder weniger gelaufen und Dr. Mulder hatte sie nur noch hinaus begleitet und sich höflich von ihr verabschiedet. Sie fragte sich nun was zur Hölle hier los war!


FBI HQ, Washington

Dienstag, 04.02.1992 11:25 h


Scully hatte seit ihrer Ankunft im Büro zeit genug gehabt um ein wenig erfolgreiches Gespräch mit AD Skinner zu führen und einen Backgroundcheck an Mulder durchzuführen. Doch das machte sie zwar etwas schlauer, löste aber ihre Probleme nicht. Skinner hatte ihr klipp und klar gesagt das es neben Mulder keinen anderen gab der für diese Tätigkeit in Frage kam. Das FBI war nicht bereit jemand anderes dafür einzustellen. Sie hatte also die Pistole auf die Brust gedrückt bekommen und war im Moment ratlos. Dieser kleine Karriere Booster schien mehr als ein Fehlzündung zu haben und würde sie vermutlich ihre ganze Karriere kosten. Ihre einzige Chance dieses Spiel zu gewinnen war Mulder und der hatte nun wirklich kein Interesse an ihr oder dem FBI. Sie konnte es ihm nicht einmal verübeln. Sein letzter Fall vor zwei Jahren hatte ihn für mehr als ein Woche in die Hand eines Irren befördert. Als man ihn dann endlich befreite war er bewusstlos, unterernährt und dehydriert. Nach so einem Erlebnis hätte sie wahrscheinlich auch nicht weiter gemacht.


Der Mann war ein Rätsel für sie, nichts was sie sich letzte Nacht in ihrer Phantasie vorgestellt hatte. Ohne Zweifel ein Genie. So hatte man ihm nach seinem Abschluss an Oxford, angeboten fürs FBI zu arbeiten, er hatte abgelehnt und sich lieber hier an einer Gemeinschaftspraxis beteiligt. Dennoch hatte er sich bereit erklärt als Berater für das FBI tätig zu werden. Ausgesprochen erfolgreich, das man weitere Versuche unternommen hatte um ihn anzuwerben. Seine Fälle und einige Veröffentlichungen sind Lehrmaterial an der FBI Academy in Quantico, daher kam ihr der Name auch so bekannt vor. Sie konnte sich jetzt wieder erinnern das man an der Academy einige Gerüchte über ihn erzählt hatte. Er soll Fälle an den FBI Agenten Monate verbracht in drei Tagen gelöst haben und seine Täterbeschreibungen sollen dabei verblüffend genau gewesen sein. Kaum jemand war in der Lage gewesen seinen Gedankengängen zu folgen oder zu erklären. Trotzdem hatten sich seine Annahmen immer als korrekt herausgestellt. Es soll gespenstisch gewesen sein weshalb einige anfingen ihn hinter seinem Rücken „Spooky“ zu nennen. So verstand Scully auch weshalb die Personalabteilung auf Mulder für den Beraterjob gekommen war.


Es war Mittagszeit und sie hatte noch keine Idee die ihr vielleicht weiter helfen könnte. So beschloss sie eine längere Pause zu machen und ihr Lieblingskaffee in Georgetown zu besuchen. Unterwegs konnte sie auch gleich ein paar Besorgungen machen, so würde sie vielleicht auf andere Gedanken kommen.


Kaffee und Sandwichs, Shop in Georgetown

Dienstag, 04.02.1992 13:00 h


Es hatte etwas länger gedauert als sie erwartet hatte, aber jetzt war sie endlich da und ihr Magen schrie schon förmlich nach einem der leckeren Putenbrustsandwichs die es hier gab. Dazu einen entkoffeinierten Kaffee Latte und der Tag war gerettet. Der Shop galt als Geheimtipp, hier traf sie sich häufiger mit alten Freunden aus der Medizinschule zum Mittagessen. Ihre Terminkalender hatten sich als ausgesprochen inkompatibel erwiesen so das dies in der Regel die einzige Zeit war wo alle konnten. Leider sah man sich wie so üblich viel zu selten und die Treffen waren über die Jahre noch seltener geworden. Dies war also ein Ort wo sie in Erinnerungen schwelgen und an bessere Zeiten denken konnte. Etwas das sich Dr. Scully jetzt verschreiben würde, weil sie es gut gebrauchen konnte. Der Shop war gut besucht und die wenigen Tisch waren bereits besetzt, sie würde sich ihr Essen wohl mitnehmen müssen.


Sie brauchte nicht lange warten bis sie an die Reihe kam. Ihr Essen war schnell bestellt und genauso schnell hatte die Verkäuferin es für die Mitnahme fertig eingepackt. Sie wollte sich gerade auf dem Rückweg machen da viel ihr jemand mit einem weißen Poloshirt zwischen all den dunklen Anzügen auf. Er saß allein an einem Tisch für zwei Personen und der andere Platz war noch frei. Scully fand das war die Gelegenheit und machte sich auf den Weg schließlich aß es sich besser wenn man Gesellschaft hatte. Oder? „Ist der Platz noch frei, Dr. Mulder?“ fragte sie ihn in einer Stimme das man fast glauben konnte sie versuchte mit ihm zu flirten. Er musterte sie kurz und wies dann mit der Hand auf den leeren Stuhl. „Jetzt nicht mehr.“ Er grinste sie an und seine Augen schien sie zu fragen was sie hier machte. „Ich wohne hier in der Gegend und komme hier ab und an zum Mittagessen her. Es wundert mich das ich sie nicht früher schon einmal hier gesehen habe.“ Beantwortete sie die ungestellte Frage. „Ich bin heute etwas spät dran und es sollte schnell gehen. Dieser Shop liegt dicht bei, also hier bin ich.“ Versuchte er zu erklären ohne wirklich viel Preis zu geben. Er bis in sein Schinken- Sandwich und sie erinnerte sich wieder daran das sie ihr Essen in der Tüte hatte und es langsam auspacken konnte. Sie kam sich mehr als nur leicht gegen den Wind vor und fragte sich woran das wohl lag. Der Mediziner in ihr sagte das es wohl an ihrem Blutzuckerspiegel lag. Er war wohl im Keller und es war aller höchste Zeit für eine gute Mahlzeit.


Wie war ihr Tag?“ fragte sie nach ein paar guten Bissen von ihrem Sandwich um ein wenig Smalltalk zu betreiben. „Heute nur Beratungsgespräche. Dabei waren sie mein einziger Termin der in einer Altersgruppe über 20 war. Kinder und Teenager sind für mich eine relativ schwierige Patientengruppe. Und Sie? Wen haben sie verärgert das man sie Karrieresuizide begehen lässt?“ Gut er hatte also auch einen scheiß Tag gehabt, das erfüllte sie mit einer leichten Genugtuung. Das er das Thema freiwillig zurück auf heute Morgen bringt, damit hatte sie nicht gerechnet. „Ich will ehrlich mit ihnen sein, Dr. Mulder. Die letzten zwei Jahre habe ich in Quantico in der Pathologie gearbeitet und an der Academy unterrichtet. Als mir diese Stelle angeboten wurde, war es die Chance für mich endlich den Feldagentenstatus zu erlangen, dass ich nicht großartig darüber nachgedacht habe. Es sah wirklich wie ein Karriereschub aus, der sich dann heute in ihrem Office zu einer wahren Sackgasse entwickelt hat. Was ist ihre Theorie? Sie scheinen eine zu haben.“ Jepp jetzt hatte sie es sich selbst eingestanden. Sie war so blind gewesen das sie nur den Honigpott gesehen hatte aber nicht die Bienen und war mehr als einmal gestochen worden. Man hatte sie wohl benutzt. Aber wozu das Ganze und wer steckte dahinter?


Sie sind das Opferlamm auf dem Weg zur Schlachtbank. Wissen sie eigentlich was genau diese X Akten beinhalten? Neben Entführungen durch Ausserirdische werden jede Art von Phänomen das die moderne Wissenschaft nicht erklären kann darin finden. Kurz gesagt alles was paranormal, übernatürlich ist und der Otto- Normalverbraucher sich nicht erklären kann wird beim FBI mit einem X markiert und landet dann in deren Keller. Man rechnet damit das sie versagen und dann kann man sie ohne Probleme wegen Unfähigkeit entlassen.“ Da war noch etwas Anderes, das konnte sie ihm von den Augen ablesen. „So etwas habe ich mir schon gedacht als ich mir gestern die ersten Akten angesehen habe. Aber ich glaube das sich für einige dieser Phänomene durch aus wissenschaftliche Erklärungen finden lassen.“ Ganz so dumm wollte sie nun auch nicht erscheinen. „Lassen sie mich raten sie haben einen streng wissenschaftlichen Hintergrund und sind im Allgemeinen skeptisch. Ihre Wissenschaft wird sie hier aber nicht ans Ziel führen.“ Er war wirklich ein arroganter Bastard, was wusste er schon über sie.


Wenn sie alles besser wissen, warum machen sie den Job nicht?“ Es war schwer ihren Ärger aus der Stimme zu halten und so kam die Frage definitiv etwas harsch heraus. „Weil ich die ganze Angelegenheit für einen Köder halte. Ich weiß nur nicht wofür. Entweder wollen sie mich diskreditieren oder simpel nur als Berater ins FBI zurückholen. Es ist bei ihren Chefs kein Geheimnis das ich mehrfach versucht habe an die Akten heran zu kommen. Es ist definitiv eine Falle und ich bin nicht dumm genug hineinzulaufen.“ Er grinste jetzt breit so wie ein kleiner Junge der die Keksdose gefunden hat. Aber was er sagte machte erschreckend Sinn. Der Mann war einer der besten Profiler die je für das FBI gearbeitet haben und warum sollten sie ihm nicht sein eigenes kleines Petprojekt bieten wenn er dafür wieder die Aufklärungsquoten in die Höhe jagt. Sie kam sich plötzlich mehr als nur benutzt vor und das machte sie wütend. Das Spiel konnte sie nicht gewinnen, weil es in diesem Spiel nie um sie ging. „Ich hatte mich schon gefragt worum es ihnen ging. Ihre Geschichte macht da mehr Sinn als alles was ich mir bisher ausgedacht habe. Ich kann ihnen versichern das ich nichts davon wusste. Als ich die Stelle angeboten bekam und man mir ihre Adresse gab hat man mich bewusst in der Überzeugung gelassen das sie bereits zugestimmt haben.“ Sie schüttelte nun den Kopf sie war wirklich Ahnungslos gewesen. „Das glaube ich ihnen und es tut mir Leid das sie in diese Sache hinein gezogen wurden. Aber ich weiß beim besten willen nicht wie ich ihnen da wieder heraus helfen kann.“ Es war schon eigenartig das der Mann sich für etwas entschuldigte was nun absolut nicht seine Schuld war.


Sie trifft keine Schuld. Könnten sie mir wenigstens erzählen wie sie von den X Akten erfahren haben? Ich spendiere uns beiden noch einen Kaffee wenn sie wollen.“ Im FBI gab es nur ein paar Gerüchte über die Aktenschränke im Keller, wie sie zuvor wusste kaum jemand was in ihnen verborgen lag. Wie kam es also das ein einfacher Zivilist mehr darüber wusste als sie? „Das ist ein Angebot das ich gerne annehme. Aber seien sie mir nicht böse wenn ich die Geschichte lieber mit weniger Publikum erzähle. Dieser Kaffeeshop scheint mir dafür nicht der geeignete Ort zu sein. Ich habe jetzt eh frei. Was halten sie davon wenn wir unseren Kaffee bei einem Spaziergang im Park trinken?“ Er lächelte sie an und hatte seinen besten ‚Sag schon ja’ Dackelblick aufgesetzt. Selbst Scully kam nur schwer dagegen an und sagte schließlich zu. Sie holte nur noch zwei Becher Kaffee und schon waren sie auf dem Weg zum nächstgelegenen größeren Flecken Grün hier in Georgetown.


FBI HQ, Washington

Dienstag, 04.02.1992 20:50 h


Das Gespräch mit Mulder, nur Mulder sie hatten sich darauf geeinigt, dass sie aufhört ihn mit seinem Titel an zu sprechen. Fox war auch Tabu, der Mann konnte seinen Vornamen nicht leiden und das konnte sie nachvollziehen. Mit so einem Namen muss er es schwer in der Schule gehabt haben. Sie hatten ihr Gespräch weit über eine Stunde im Park fortgesetzt und so hatte sie allerhand erfahren. Der Grund warum sie jetzt noch im Büro war lag nun vor ihr auf den Tisch. Es sie Stunden gebraucht um diese Akte zu finden trotz der guten Beschreibung von Mulder. Es war schon erstaunlich wie genau er ihr beschreiben konnte wo sich die einzelnen Unterlagen befanden und das nach all den Jahren. Er hatte ihr von seiner Schwester erzählt, dass er den Beraterjob nur angenommen hatte weil er sich Zugang zu ihren Ermittlungsunterlagen verschaffen wollte. Er war damals selbst erstaunt gewesen als er sie hier im Keller in den so genannten ‚X Akten’ fand. Scully hatte selbige nun vor sich liegen. Das erklärte sein Interesse an diesem Haufen Altpapier.


Seine Schilderungen über die Suche nach seiner Schwester ließen sie aber nur ungläubig zurück. Er war überzeugt das Außerirdische dahinter steckten und das es Leute in unserer Regierung gab die davon wussten und diesen Aliens sogar dabei halfen. Wenn das nicht verrückt Klang, was dann? Kein Wunder das er das Gespräch aus dem Laden in den Park verlegen wollte. Die meisten Kunden waren dort eh Banker und andere Krawattenträger und sie hatten ihnen mit ihrer kleinen Unterhaltung sicherlich nichts Neues gesteckt. Aber an Entführungen durch Bewohner von anderen Welten konnte Scully nicht glauben. Sie wollte aber dennoch wissen was hier über Samantha Ann Mulder geschrieben stand, schließlich hatte ihr Bruder viel versucht und getan um diese Akte nur einmal lesen zu können.


Es gab schon einige Ungereimtheiten an diesem Fall. Mulder war zu dem Zeitpunkt 12 Jahre alt und sollte auf seine Schwester aufpassen, während die Eltern ein Haus weiter beim Kartenspielen waren. Der einzige Augenzeuge der den oder die Täter gesehen haben könnte war Fox Mulder selbst. Doch er konnte sich an nichts was nach 21:00 Uhr passierte erinnern. Er war an jenem Abend bewusstlos aufgefunden worden und erst zwei Wochen später im Krankenhaus wieder zu sich gekommen. Die Ärzte die ihn damals behandelt haben meinten er währe durch den Schock in einen komatösen Zustand, eine Art Wachkoma gefallen. So warum glaubte er jetzt es wären Aliens gewesen?


Mit den Ermittlungen war erst die lokale Polizei beschäftigt. Sie hatte sofort eine Suchaktion eingeleitet und das FBI war zwei Tage darauf verständigt worden hauptsächlich weil der Vater des Opfers für die Regierung arbeitete. Die Polizei verdächtigte zu beginn den Jungen und hielt Neid oder Eifersucht für sein Motiv. Als die Suche dann erfolglos blieb, musste man das FBI einschalten. Es gab aber keine Beweise die Fox belasten konnten und so gab man ihn als Tatverdächtigen auf. Der letzte Eintrag in der Akte wurde am 15. Januar 1974 gemacht. Das war der Tag an dem die Ermittlungen offiziell beendet wurden und dieser Fall mit einem ‚X’ markiert in den Keller verschwand. Ungewöhnlich schnell, normale Einbruchsdelikte hält man länger offen oder als Referenz in Bearbeitung. Die Ermittlungsergebnisse waren wenn man sie lass nichts ungewöhnliches, keine Hinweise auf paranormales. Also warum war die Akte dann hier? Was hatte diesen Fall so unmöglich lösbar gemacht? Es musste schließlich einen Grund dafür geben.


Gemeinschaftspraxis, Georgetown

Freitag, 06.03.1992 9:35 h


Mulder war von Freitagen in letzter Zeit nie sonderlich begeistert gewesen. Freitag war für ihn in erster Linie ‚Verwaltungstag’ wo er den ganzen Papierkram für seine Praxis erledigte. Er teilte sich mit den anderen die Kosten für Miete, Strom, Gehälter für die Sprechstundenhilfen und so weiter aber da hörte die Partnerschaft im Prinzip schon auf. Er hatte seine eigenen Patienten und musste sich selbst um die Organisation und Verwaltung seiner Praxis kümmern. Er war also weitgehend unabhängig und musste nur jeden Monat zusehen wie er seinen Anteil an den Gesamtkosten aufbringen konnte und paranoid wie er nun mal war kümmerte er sich lieber um alles selbst als es einem Buchhalter oder Verwalter zu überlassen. Als Psychiater und Gelegenheitsschriftsteller - Journalist kam er finanziell gut über die Runden und konnte sich sogar das ein oder andere kleine Nebenprojekt leisten. Selbst ein Monat Urlaub in Paris bei seinem Mentor Adam war dieses Jahr locker drin. Das änderte aber nichts an der Tatsache, dass er den Papierkram lästig fand.


Er starrte geistesabwesend sein Aquarium an als das Telefon klingelte und ihn zurück in die Realität holte. Seine Sprechstundenhilfe hatte Scully in der Leitung, es dauerte nicht lange bis sie das Gespräch zu ihm durch gestellt hatte. „Hallo.“ Begrüßte er sie am Telefon und bekam ein leicht gestresst wirkendes ‚Hallo’ zurück. „Was gibt es Neues?“ Er war neugierig es war selten das sie um die Zeit anrief und noch seltener vom Büro aus. Sie hatten abgemacht das er nur sehr inoffiziell half und sie dabei ausgesprochen diskret vorgehen mussten. Seine Nummer auf der FBI Telefonrechnung war dabei genau das Gegenteil. „Was hältst du von einem Trip nach Oregon, dieses Wochenende?“ Oregon? Was in der Welt sollte er dort wollen. „Ist das etwa ein Date, Scully?“ Er hörte wie sie am anderen Ende der Leitung stöhnte und konnte nicht anders als grinsen. „Kein romantisches Dinner bei Kerzenschein, sondern lediglich ein paar tote Jugendliche und ein Pathologe, der offenbar Autopsieergebnisse fälscht.“ Sie hatte wirklich eine Art die Dinge interessant zu machen. „Was hatte das ganze mit den X Akten zu tun?“ Er wollte schon mehr wissen, bevor er seine Wochenendpläne über den Haufen warf. „Treffen wir uns zum Lunch? Dann weihe ich dich ein und du kannst dann entscheiden ob sich der Trip lohnen wird oder nicht.“ Er schaute auf seinen Schreibtisch und dem Papierkram den er noch vor sich hatte. Die Entscheidung war eigentlich leicht. „Also gut. Treffen wir uns bei Alfred um zwölf?“ Mit Alfred meinte er Alfredo, ein nettes kleines italienisches Restaurant. „Einverstanden. Also dann bis zwölf, Ciao.“ Er verabschiedete sich und kümmerte sich dann wieder um seine Unterlagen. Vielleicht war ein Wochenende außerhalb Washingtons gar nicht mal so schlecht.


Alfredo, Washington

Freitag, 06.03.1992 12:05 h


Fox hatte sich etwas verspätet, der Verkehr war mal wieder schuld gewesen, warum war er nicht mit der Metro gefahren statt diesem gottverdammten Taxi. Scully hatte sich schon an ihren üblichen Tisch gesetzt. Seit er sie vor etwa einen Monat kennen gelernt hatte war dies einer ihrer üblichen Treffpunkte gewesen. Als auch er endlich am Tisch saß kam ein Kellner vorbei um die Bestellung aufzunehmen. Beide hatten noch zu arbeiten deshalb bestellte man lieber Mineralwasser statt Rotwein zu Mulder’s Pasta Napolli und Scully’s Gemüselasagne. Sie warteten bis der Kellner gegangen war und unterhielten sich dann über die Gründe warum sich ein Trip nach Oregon lohnen soll.


Es gab bereits vier tote Jugendliche. Alle gehörten zur selben Abschlussklasse und starben auf mysteriöse Weise. Die ersten drei Fälle waren bereits von anderen FBI Agenten untersucht worden. Sie waren vor Ort eine Woche mit den Ermittlungen beschäftigt gewesen bis man sie zurück beordert hatte und deren Ermittlungen zu einer X Akte gestempelt wurde. Vor ein paar Tagen gab es einen weiteren Todesfall. Ein Mädchen derselben Abschlussklasse hatte auf bisher unerklärliche Weise den Tod gefunden. Bei der Autopsie hatte man etwas Ungewöhnliches entdeckt. Ein Metallsplitter in der Nasehöhle des Mädchens. Das war etwas worauf Mulder sie gebeten hatte zu achten und der Grund weshalb sie sich bei ihm gemeldet hatte. Sie gingen kurz die restlichen Fakten durch und kümmerten sich dann erstmal um ihr Mittagessen. Als beide fertig waren setzen sie das Gespräch fort.


Was genau planst du dort zu untersuchen?“ Mulder war gespannt welchen Grund sie auf ihrem ‚302’ Formular angegeben hatte. Er war sich sicher das es nicht ‚Untersuchung möglicher Entführungsfälle durch Außerirdische’ war. „Ich führe eine Ermittlung gegen den Pathologen durch der die ersten drei Autopsien durchgeführt hat. Unterschlagung von Beweismitteln, Behinderung einer Polizeilichen Ermittlung oder Verhinderung einer Strafrechtlichen Verfolgung. Klingt doch gut für den Anfang.“ Darauf konnte man etwas aufbauen ohne gleich lächerlich zu klingen. Mulder war zu frieden damit und sie besprachen die weitere Vorgehensweise. So würde sich Scully um die Exhumierung der anderen drei Opfer kümmern, einen Backgroundcheck an ihrem Verdächtigen, einen gewisser Dr. Nemman machen und dann ihre Abreise planen. Mulder hatte es da definitiv leichter er musste lediglich seine Verabredungen fürs Wochenende absagen, seine Sprechstundenhilfe bitten seine Termine für Montag auf einen anderen Tag zu verlegen und natürlich musste auch er Reisevorbereitungen treffen. Sie würden getrennt reisen, vielleicht war es sogar klug den Trip unter anderem Namen zu machen.


Coastal Northwest, Oregon

Samstag, 07.03.1992 16:00 h


Die Reise hierher war für Scully nicht so angenehm verlaufen wie erwartet. Erst ging es kurz vor der Landung etwas turbulent zu. Das Flugzeug war richtig durchgeschüttelt worden und das wo sie Fliegen so wieso nicht so recht mochte. Dann spielte auf dem Weg hierher das Auto plötzlich verrückt und Mulder hatte nichts Besseres zu tun als auszusteigen und ein großes ‚X’ mit Farbspree auf die Strasse zu sprühen. Als das nicht reichte musste sie sich jetzt auch noch mit einer Gruppe Demonstranten herum ärgern, die verhindern wollten das man die Gräber der anderen drei Opfer öffnet. Mulder hatte beschlossen sich das Ganze von weitem anzusehen und war deshalb schon etwas früher ausgestiegen. Sie konnte fast ihr eigenes Wort nicht verstehen als sie mit dem Mann von Coroner sprach und dann musste auch noch dieser Dr. Nemman auftauchen und eine Szene machen. Sie fragte sich ob sie es Mulder nicht irgendwie heimzahlen konnte das er sie hier allein stehen ließ und von weitem gemütlich zusah wie man sie hier in den Wahnsinn trieb. Die Vorstellung das er büßen würde machte die ganze Situation etwas erträglicher und da störte es auch nicht mehr das es statt drei Graböffnung nur noch eine gab. Weil zwei Familien einen Eilantrag gegen die Öffnung bei Gericht durchgesetzt haben. Ray Soames das dritte Opfer hatte hier keine Familie mehr und so hatte auch keiner die Öffnung seiner Grabstätte verhindern können.


Es hatte die Männer von Coroner nicht viel Zeit gekostet den Sarg zu heben und als ob es für diesen Tag noch nicht gereicht musste sich der Sarg selbstständig machen und den Arbeitern vom Hebekran fallen. Dabei öffnete er sich und jeder konnte deutlich sehen was man in diesem Grab beigesetzt hatte. Scully wurde schlecht bei dem Anblick. Da hatte sich wohl jemand einen schlechten Scherz erlaubt, das in dem Sarg konnte niemals ein Mensch gewesen sein. Der Körper war dünn und hatte eine graue Farbe. Die Arme waren viel zu lang, das alles sah für Scully eher wie ein Primat aus, vielleicht ein Orang- Utan. Schnell ließ sie den Sarg abdecken, sie wollte nicht das vielleicht einer der Demonstranten etwas sah. Die Familien hier hatte schon genug gelitten, da mussten sie nicht sehen wie wenig Respekt man hier scheinbar vor den Toten hatte.


Scully’s Hotelzimmer, Oregon

Sonntag, 08.03.1992 4:35 h


Es war spät und sie war erschöpft, die Autopsie war gelaufen und sie musste sich jetzt noch um den Bericht kümmern. Ein Fall gegen Dr. Nemman war nur schwer aufzubauen. So hatte sie in der Nasenhöhle der Leiche ein Metallstück gefunden das zu der Beschreibung im Autopsiebericht von Opfer vier passte. Beweisen würde sie es aber nie können da zum einen unmöglich Ray Soames im Sarg gelegen haben kann und zum anderen das Fundstück aus dem vierten Opfer nicht mehr auffindbar war. Das hatte man ihr noch vor ihrem Abflug nach Oregon berichtet. So hatte sie praktisch nichts, mit dem sie den Doktor belasten könnte. Sie konnte nur hoffen das die Proben die sie an das FBI Labor geschickt hatte etwas Licht in diese Geschichte bringen konnte. Mulder hatte neben einen toxikologischen Bericht auch noch eine volle DNA Untersuchung haben wollen. Sie verstand nicht was er sich davon versprach. Im Augenblick konnte es ihr jedenfalls egal sein, alles was sie wollte war ihren Bericht abzuschließen und dann ein paar Stunden schlafen. So hörte sie sich das Band der Autopsie an und tippte am Laptop ihren Bericht.


Es klopfte an der Tür und sie fragte sich wer wohl so verrückt war schon um diese Zeit auf den Beinen zu sein, von ihr mal abgesehen. Es überraschte sie nicht das es Mulder war. Er wollte doch tatsächlich um diese Zeit Joggen gehen. Scully lehnte sein Angebot ihn zu begleiten dankend ab und schaffte es dann ohne weitere Unterbrechungen ihren Bericht zu beenden und doch noch ein paar Stunden Schlaf zu finden.


Staatliche Nervenheilanstalt, Raymon County

Sonntag, 08.03.1992 14:15 h

Soames war vor seinem Tod hier in einer Nervenklinik untergebracht gewesen. Er war von dort geflohen und nur sieben Stunden später im Collum National Forest tot aufgefunden worden. Todesursache war Unterkühlung. An einem Tag im Juli, Mulder hatte da einen Punkt es war wirklich schwer nach zu vollziehen wie so etwas möglich sein konnte. Sie hatte gehofft weitere Hinweise zu finden wenn sie die Vorgeschichte des Opfers näher durch leuchtet. Deshalb hatte sie heute der Klinik einen Besuch abgestattet. Dr. Glass der Arzt der Ray Soames wegen einer Art von posttraumatischen Stress behandelt hat erwies sich als keine große Hilfe. Er behandelt im Moment noch zwei weitere Jugendliche mit denselben Symptomen, die wie es das Schicksal will zur selben Abschlussklasse wie die Opfer gehören. Billy Miles liegt in einem Wachkoma und seine Freundin Peggy O’ Dell sitzt in einem Rollstuhl. Wie mag es da Soames ergangen sein, der an denselben Symptomen gelitten haben soll wie diese Beiden? Und noch wichtiger wie hatte er es geschafft aus dem Krankenhaus zu entkommen? Während der Befragung bekam Peggy Nasenbluten und wurde darauf fast hysterisch. Als Pfleger sie zu beruhigen versuchten verrutschte ihre T- Shirt etwas nach oben und zwei kleine rote Beulen kamen auf ihrer Rückseite zum Vorschein. Scully hatte etwas Ähnliches in den Autopsieberichten aller vier Opfer gesehen. Der Arzt der die vierte Autopsie durchgeführt hat, hatte sich die Mühe gemacht das Gewebe dieser Einstichstellen zu untersuchen. Dabei war eine unbekannte Substanz gefunden worden. Was ging hier vor? War diese Substanz die Ursache für die Störungen an den diese beiden immer noch litten?


Mulder war der Ansicht das Peggys Nasenbluten kein Zufall sein, wahrscheinlich hatte auch sie ein Metallstückchen in der Nase. Leider können wir sie nicht untersuchen, ihr Arzt hat dies abgelehnt. Das einzige was jetzt klar zu sein schien war das alle bis zu ihrer Abschlussfeier in dem Collum National Forest bei bester Gesundheit waren und danach erst fingen die Probleme an. Somit hatten sie noch mehr Fragen als zuvor und beschlossen am Abend den Wald wo alles hin zulaufen scheint unter die Lupe zunehmen.


Mulder’s Hotelzimmer, Oregon

Sonntag, 08.03.1992 22:35 h


Der Ausflug in den Wald war nicht gerade zu ihrer Zufriedenheit verlaufen. Als erstes hatte sie Mulder aus den Augen verloren. Bei der Suche fand sie eine große Fläche scheinbar verbrannter Erde vor, eine Probe war alles was sie nehmen konnte bevor Detektive Miles auftauchte und sie aus dem Wald verjagte. Mulder hatte natürlich ausgerechnet diesen Moment ausgesucht um wieder aufzutauchen. Auf dem Weg zurück zum Hotel spielte dann ihr Wagen verrückt und sie mussten ihren Weg zu fuß fortsetzen. Es war verrückt das sie an derselben Stelle standen wie am Tag zuvor. Doch Mulders ‚X’ wirkte als wäre es schon ein paar Jahre alt. Er meinte sie hätten neun Minuten verloren, was sie aber keinesfalls Glauben wollte. Im Hotel als sie ihren Bericht weiter schreiben wollte gab es einen Stromausfall. Ohne Strom konnte sie eh nichts mehr tun außer Schlafen gehen. Beim Umziehen hatte sie überall an ihrem Körper kleine rote Stellen bemerkt und war darüber in Panik geraten. Nur in Unterwäsche und Bademantel bekleidet war sie zu Mulders Zimmer gerannt.


Jetzt kam sie sich wie ein Idiot vor, es waren nur Mückenstiche gewesen. Er hatte die Sache zum Glück mit Humor genommen, sonst wäre sie vor Scham wohl in den Boden versunken als sie den Schreck erstmal verdaut hatte. Den Rest des Abends verbrachten sie dann gemeinsam in seinem Zimmer, selbstverständlich nach dem sie sich noch etwas übergezogen hatte. Sie unterhielten sich über das Phänomen mit dem Zeitverlust und über seine Beobachtung im Wald. Sein Kompass hatte verrückt gespielt. Eine passende Erklärung hatte sie für beides nicht, wohl ein weiters Teil des Puzzles was sie nicht beweisen konnten. Sie bezweifelte das seine Messmethode einer kritischen Untersuchung standhalten würde. Er sah niedlich aus wenn er auf seiner Lippe kaute und sie dabei schmollend anschaute. Leider war der Moment viel zu schnell vorbei und Mulder versuchte dann sie von seiner Theorie zu überzeugen, aber es viel ihr mehr als schwer zuglauben das Außerirdische Jugendliche entführen und an ihnen Experimente vornehmen. Noch weniger konnte sie glauben das die Regierung so etwas geheim halten und vertuschen würde. Ihr Telefon brach dann ihre Unterhaltung ab. Ein anonymer Anruf, eine Frauen Stimme. Peggy war tot. Schnell informierte sie Mulder und beide machten sich kurz darauf auf den Weg zum Tatort.


Rural Highway 133, Oregon

Sonntag, 08.03.1992 23:05 h


Der angebliche Selbstmord war einer der merkwürdigsten den Scully je zu Gesicht bekommen hatte. Peggy war angeblich in einen Laster gerannt. Das sagte zumindest der Truckfahrer aus. Der Rollstuhl in dem Scully sie noch am Nachmittag gesehen hatte war auch nirgends zu sehen. Mulder zeigte ihr die Uhr die Peggy trug sie war genau wie seine um 9:03 Uhr stehen geblieben. „Vorhin auf der Rücktour von unserem Waldausflug spielte mein Kompass wieder verrückt da war es genau 9:03 Uhr gewesen, das war Sekunden bevor der Wagen plötzlich stehen blieb. Merkwürdiger Zufall, nicht wahr?“ Scully konnte im Augenblick nur mit den Schultern zucken. Sie war ratlos, die Sache wurde einfach immer unheimlicher. Sie glaubte schon es konnte nicht mehr Schlimmer kommen als sie ein Anruf von der Leichenhalle erreichte. Man hatte den Autopsieraum verwüstet und den Körper gestohlen. Zum Glück hatte sie alle Berichte, Bilder und Röntgenaufnahmen bei sich im Hotelzimmer.


Doch sie musste schnell lernen das sie hier auf Sand gebaut hatte. Als sie am Hotel ankamen stand bereits alles in Flammen und es war ihn nicht mehr Möglich etwas vor den Flammen zu retten. Wer immer dahinter steckte hatte ganze Arbeit geleistet. Eine junge Frau kam zu ihnen gerannt, sie war verängstigt und bat um Schutz. Scully hatte sie schon einmal gesehen, bei der Ankunft, am Friedhof. Das Mädchen war Dr. Nemmans Tochter Theresa. Um sie etwas zu beruhigen und mit ihr zu sprechen mussten sie von der Strasse runter. Das Diner kam da gerade recht.


Diner, Oregon

Montag, 09.03.1992 00:55 h


Mulder konnte spüren wie angespannt die Kleine war, ihre Gefühle und Gedanken waren schwer für ihn zu blocken und mehr als verwirrend. Sie hatte Angst und war definitiv Scully’s anonyme Anruferin. Sie war heute Nacht plötzlich im Wald zu sich gekommen und hatte keine Ahnung wie sie dahin gekommen war. Sie erzählte ihnen von der Abschlussfeier, sie gehörte zur selben Klasse wie Billy, Peggy und den anderen. Sie wusste nicht was genau in der Nacht geschehen war, sie hatte so gut wie keine Erinnerungen an die Zeit zwischen ihrer Ankunft auf der Party und dem Zeitpunkt wo sie im Wald zu sich gekommen ist. Sie konnte sich nur schwach an ein grelles Licht erinnern und das sie panische Angst hatte. Jetzt war ihr das wieder passiert und hatte diese Erinnerungsfetzen von der Party mit zurück gebracht. Scully verhielt sich ruhig, überlies ihm das reden. Sie war noch viel zu aufgewühlt wegen dem Feuer und immer noch skeptisch was seine Theorie anging, soviel konnte er zumindest bei ihr lesen.


Sie konnten nicht mehr in Erfahrung bringen. Theresas Vater kam ins Diner gestürmt und wollte das seine Tochter mit ihm kommt. Angst, vor allem um seine Tochter, ging deutlich von ihm aus auch wenn er äußerlich gefasst schien. Es war nun klar das er mehr wusste und die Autopsieberichte gefälscht hatte. Der Gedanke das sie ihm auf die Schliche gekommen waren war außerordentlich ‚laut’ zu vernehmen, aber leider zu beherrschend um Mulder mehr über die Hintergründe zu verraten. Er war nur ein besorgter Vater der alles tun würde um seine Tochter zu beschützen. Sie konnten ihn nicht davon abringen seine Tochter mit zunehmen. Der Sheriff kam ihm zur Hilfe. Mulder konnte nichts machen als sie gehen zu lassen. Es war unklug mit dem lokalen Gesetz anzulegen. Sie sahen noch wie sich Theresa mit einem Taschentuch Blut von der Nase wischte. Was für Nemman galt traf definitiv auch auf Billy’s Vater zu. Konnte er die Beweise vernichtet haben? Da fragte man sich doch was in den anderen beiden Särgen auf dem Friedhof begraben lag.


Die Antwort hatte sie schnell gefunden. Die Fahrt zum Friedhof brachte zwei leere Gräber zum Vorschein, offenbar war jemand schell gewesen als sie. Dieser jemand hatte scheinbar eine anstrengende Nacht gehabt um alle Spuren zu beseitigen. Nemman würde alles tun um seine Tochter zu beschützen, das gleiche galt für Miles. Beide hatten somit ein Motiv die Beweise zu vernichten. Aber vor was Billy beschützen? Er lag im Wachkoma. Dennoch Peggy konnte plötzlich laufen! „Scully ich glaub ich weiß wer der Täter ist.“ Würde sie ihm glauben, die Beweise sprachen nicht gerade für seine Theorie und Scully hatte sich bisher immer ausgesprochen skeptisch gegeben. Dennoch bisher hatte sie sich jede seiner Theorien angehört, etwas das er von den wenigsten Menschen behaupten konnte. „Meinst du es war der Detektiv?“ Dicht dran. „Nein. Seinen Sohn, Billy Miles.“ Sie gab ihm nun ein Blick, der deutlich zeigte was sie von seiner Annahme hielt. Dennoch gab sie ihm die Gelegenheit zu erklären wie er darauf kam. Seiner Meinung nach waren die Jugendlichen von Außerirdischen entführt worden und man hatte vermutlich Tests an ihnen durchgeführt die höchstwahrscheinlich in genetische Mutationen geendet haben. Das währe eine Erklärung für die Einstichstellen am Rücken der Opfer. Dieses Wesen im Sarg konnte also wirklich Ray Soames gewesen sein. Bei seinem Aussehen könnte man meinen das die Experimente ein Fehlschlag waren, weshalb man wohl versuchte alle Spuren der Tests zu vernichten.


Das Implantat in der Nasenhöhle hatte dabei wohl eine Kontrollfunktion um sie in den Wald zurück zu rufen. Es ist durch aus denkbar das sie genau dafür Billy benutzt haben und er Theresa heute Nacht in den Wald gebracht hat. Was die Anwesenheit seines Vaters heute Nacht dort erklären würde. Peggy war um neun vor einen Truck gerannt. Sie hatte zu diesem Zeitpunkt laufen können. Selbst Scully musste zugeben das dies tatsächlich so passiert war. Wenn Peggy O’Dell wieder laufen konnte, warum war es dann so schwer zu glauben das Billy Miles aus seinem Wachkoma aufgewacht war? Aber damit sie ihm glaubte war es wohl an der Zeit Billy Miles einen Besuch abzustatten.



Staatliche Nervenheilanstalt, Raymon County

Montag, 09.03.1992 3:30 h


Es war unglaublich für sie das sie Mulder nachgegeben hatte und mit ihm hier her gefahren war. Es war trotz der zeit ein leichtes für sie gewesen in die Klinik zu kommen, die Schwester die auf Billy Miles Station Dienst hatte, war nach einem Blick auf Scully’s Dienstmarke außerordentlich kooperativ. Sie war in der Nacht nur einmal in seinem Zimmer gewesen um sein IV zu überprüfen. Dabei hatte sie nichts Ungewöhnliches festgestellt. Allerdings hatte sie um 9:00 Uhr ferngesehen, ein Punkt für Mulder. Das Zimmer von Billy sah aus wie bei ihrem letzten Besuch doch auf der Bettdecke waren ein paar Flecken zu sehen und für einen Komapatienten hatte der Junge verdammt dreckige Füße. Sie kratzte eine Probe von seinen Fußsohlen ab, in eine kleine Viole die sie bei sich hatte. Sie konnte schwören das es das selbe Zeug war was sich auf dem Waldboden befand, doch Mulder bestand darauf das sie es analysieren lassen damit sie es genau wissen. Da ihre Probe vom Waldboden mit dem anderen Zeug verbrannt war, blieb ihnen nicht anders übrig als noch einmal zurück zu fahren und eine neue Probe zu besorgen.


Collum National Forest, Oregon

Montag, 09.03.1992 4:25 h


Scully konnte kaum glauben was sie sah. Detektiv Miles hielt seinen Sohn im Arm. Der nun scheinbar kerngesund war. Wie hatte es dazu kommen können? Wie war Billy so schnell hier her gekommen? Alles war so schnell gegangen das sie es sich selbst nicht erklären konnte. Sie waren direkt von Billy Miles zum Wald gefahren um etwas von dem verbrannten Waldboden zu holen. Dabei hatten sie den Wagen vom Sheriff department gesehen. Als sie dann endlich die Stelle im Wald wieder gefunden hatten war da Billy’s Vater der uns am weiter gehen hindern wollte. Dann waren da diese Schreie und Mulder hatte den Detektiv kurz ausgeknockt, als er abgelenkt war. Anders hätten wir es wohl kaum an ihm vorbei geschafft. Wir sind dann den Schreien gefolgt und hatten schließlich Billy gefunden der Theresa in seinen Armen hielt. Mulder versuchte mit ihm zu reden doch er reagierte nicht. Miles Vater musste sich schnell von dem Schlag erholt haben den er war plötzlich da, mit einem Gewehr in der Hand. Er stürzte sich damit auf Mulder und es kam zu einem Handgemenge. Scully war dann kurz abgelenkt als plötzlich alles um sie herum grell erleuchtet war. Sie konnte Billy sehen wie er Theresa höher hob, Richtung Himmel streckte. Der Wind war stärker geworden und wehte ihm die Haare ins Gesicht. Mulder schien inzwischen den Kampf für sich entschieden zu haben den er stand jetzt neben ihr. Dann war das Licht für einen Augenblick so hell das sie die Augen schließen musste.


Als sie sie wieder öffnete war Theresa auf dem Boden und Vater und Sohn lagen sich in den Armen. Mulder stand immer noch neben ihr und schaute sie besorgt an. Sie ging zu Theresa um zu schauen ob mit ihr alles in Ordnung war und konnte erleichtert aufatmen als sie feststellte, dass das Mädchen nur bewusstlos war. Sie hatte von ihrem Platz auch einen guten Blick auf Billy’s Rücken. Die beiden kleinen Beulen waren verschwunden. Es war nicht einmal ein Narbe zurück geblieben. Damit war Scully klar, das auch die letzten Spuren wohl für immer verschwunden waren. Nur eine Menge Fragen war geblieben und Billy war vielleicht der Einzige der ein paar davon beantworten konnte. Leider gehörte ‚Was soll ich in meinen Bericht schreiben?’ nicht zu den Fragen auf die er eine Antwort haben würde. Das Problem musste sie ganz allein lösen.


Alfredo, Washington

Dienstag, 24.03.1992 12:00 h


Sie hatte es dann doch noch irgendwie geschafft einen Bericht abzuliefern und hatte sogar einen Beweis. Sie hatte in aller Aufregung vergessen das sie das Metallstückchen das sie aus dem Körper geholt, in ihrer Jackentasche aufbewahrt hatte. Ihre Vorgesetzten wollten am Anfang nicht so recht glauben und auch der Versuch Billy Miles unter tiefer Regressions- Hypnose zu befragen hatte sie nicht überzeugen können. Es war Schade das Mulder nicht dabei sein konnte. Aber es war ihr gelungen eine Kopie der Sitzungsaufzeichnung für ihn heraus zu schmuggeln. Aber es hatte dann doch gereicht um ihren Hals zu retten. Bei dem ganzen Durcheinander hatte sie beinahe etwas übersehen, da war ein neues Gesicht aufgetaucht, er hatte sich zurück gehalten aber seine Zigaretten hatten man in den letzten Tagen fast überall riechen können. Scully war sich sicher das dieser Mann kein FBI Agent war.


Mulder war heute pünktlich zum Essen und sie bestellten wie beim letzten Mal. Sie hatte ihn hierher bestellt um ihm etwas zu erzählen. Sie konnte es selbst noch nicht glauben aber ihr Bericht und der Beweis waren spurlos verschwunden. Sie konnte nicht einmal ihre Budgetabrechnung von dem Trip finden. Was das FBI anging hatte es diese Ermittlung nie gegeben und sie war nie in Oregon gewesen. Mulder hatte nur ein müdes Lächeln dafür übrig und meinte das Scully nun eines der Geheimnisse der X Akten kennen würde.

Kapitel 4 „Arabische Nächte“


Scully’s Wohnung, Georgetown

Sonntag, 26.04.1992 16:00 h


Sie saß in ihrer Wanne und ließ die Ereignisse der letzten Tage und Wochen noch einmal an sich vorbei ziehen. Der Monat April hatte sich als zäh und anstrengend erwiesen. Erst diese Untersuchung in Idaho auf der Ellens Air Force Base. Wo man nach Mulder angeblich ein geheimes Flugzeug testet das UFO Technologie verwendet. Sie hatten ein paar merkwürdige Lichter über der Basis fliegen sehen. Mehr nicht und das Militärpersonal hatten sich dort ausgesprochen unkooperativ gezeigt. Es schien sie nicht zu interessieren das einer ihrer Männer erst spurlos verschwindet und dann mit einem Schweizer Käse von Gedächtnis wieder auftaucht. Nach Mulders Theorie war der Mann Testpilot der Maschine und hatte wohl unter den Nebenwirkungen der Flüge zu leiden. Man konnte wohl deren Technik in unsere Maschinen bauen aber nicht den Menschen so verändern das er mit deren Technologie auch klar kommt. Damit begnügte er sich jedenfalls und sie ließen den Fall einfach als nicht abgeschlossen stehen. Das einzige was ihnen der Fall eingebracht hatte war eine mysteriöse Gestalt als Informant und das Wissen das es jemanden gab der sogar in Skinner’s Büro Rauchen durfte.


Dann kam Tom Colton, ein alter Freund aus der Academy zu ihr. Es war toll gewesen ihn mal wieder zu sehen. Er brachte sie mit in einen Fall an dem er gerade arbeitete und es sah so aus als hätte sie einen Weg gefunden der Karrierefalle X Akten zu entgehen. Doch dann musste sich Mulder wieder einmischen. Er konnte wohl nicht anders und sie fand sich plötzlich zwischen den Stühlen wieder und hatte zu entscheiden wem sie mehr vertraute. Ihre Unentschlossenheit hatte sie fast mit dem Leben bezahlt als sie beinahe selbst Eugene Tooms nächstes Opfer wurde. Es ist schon merkwürdig, Mulder hatte keine Sekunde an ihr gezweifelt. Erst hatte er für sie eingestanden als sie der Überzeugung war das Tooms der Täter ist und dann geholfen ihre Theorie zu beweisen. Tom hatte ihr keine Sekunde geglaubt und sogar die Überwachung von Tooms Haus abgesagt. Das war der Fehler der ihr Leben fast beendet hatte, wäre es nicht wieder Mulder gewesen der zu ihrer Rettung gekommen war. Jetzt fragte sie sich, wie sie sich so in Colton täuschen konnte und war irgendwie froh das sie in ihrem Karriereloch doch irgendwie sicher war vor Typen wie Tom.


In der Nähe von Mulder’s Wohnung, Arlington

Sonntag, 26.04.1992 18:35 h


Mulder freute sich schon auf zu Hause, das Training war wieder Mal anstrengend gewesen. Nun wollte er nur noch zwei Dinge Essen und anschließend Schlafen. Er war dankbar das er den alten deutschen Unsterblichen vor ein paar Jahren kennen gelernt hatte und war froh das er ihm half seine Kampftechniken zu verbessern. Aber musste er ihn deshalb so schinden? Sie trainierten fast jeden Tag ein oder zwei Stunden und an diesem Wochenende hatten sie etwas von der Zeit nachgeholt die er durch seine Arbeit mit Scully diesen Monat versäumte. Roy Schneider hatte dabei keine Gnade gezeigt und ihn seit Sonnabendmorgens schonungslos gedrillt. Vielleicht das einzig Gute an diesem Wochenende war das Essen bei Roy. Seine Lebensgefährtin war eine ausgezeichnete Köchin, die ein paar klasse deutsche Gerichte für die beiden auf den Tisch gezaubert hatte. Ein paar Tage mehr bei Roy und Mulder würde wohl gut 5 Kilo mehr auf die Waage bringen, so gut war sie.


Aber jetzt freute er sich auf ein simples Sandwich und dann nur noch hinlegen, Beine ausstrecken und schlafen. Morgen würde schon bald kommen und anstrengend genug sein. Er war tief in Gedanken versunken, kümmerte sich kaum um seine Umgebung. Er war Müde und gähnte bereits vor sich hin. Sein Gehirn arbeitete praktisch nur noch mit halber Leistung. So das er sich erst nichts dabei dachte als er von jemanden angerempelt wurde und stürzte. Er spürte kurz einen Stich in seinem Arm, war aber so wütend auf den Fremden das er dem keine Beachtung schenkte. Er schimpfte und fluchte als er versuchte auf zustehen doch irgendwie schien er am Boden festgewachsen zu sein. Er konnte seinen Hintern einfach nicht von der Erde kriegen. Dann fühlte er Arme wie sie sich von hinter um seine Taille schlossen und ihm langsam nach oben halfen. Jemand sprach auf ihn ein doch er konnte nicht verstehen was gesagt wurde. Die Stimme wurde immer leiser und er war viel zu Müde, seine Augen wurden schwerer. Er schlief tief und fest bekam nichts mehr mit was um ihn herum geschah. Ein Krankenwagen kam und der Mann der Mulder angerempelt hatte half einem Sanitäter ihn auf die Trage zu legen. Gemeinsam fuhren sie dann fort.


FBI HQ, Washington

Montag, 27.04.1992 11:00 h


Scully ging wie üblich Akten durch als sie einen Anruf von Mulders Praxis bekam. Es war Tracy, eine der drei Schwestern die in der Gemeinschaftspraxis arbeiteten. Sie klang besorgt. Meinte sie wüsste nicht an wenn sie sich sonst wenden sollte. Mulder war heute nicht zur Arbeit erschienen und sie konnte ihn auch nicht telefonisch erreichen. Es war nicht seine Art so ohne ein Wort zu verschwinden, selbst wenn er mal wieder irgend einer Sache nach ging rief er immer in seinem Büro an damit seiner Termin noch rechtzeitig abgesagt werden konnten. Scully wusste auch nicht wo er steckte, versprach aber nach Arlington zu fahren und in seiner Wohnung nach dem rechten zu sehen. Sie konnte es am Telefon nicht sagen, wollte Tracy nicht noch mehr beunruhigen aber auch sie hatte kein gutes Gefühl bei der Sache so das sie sich gleich nach dem der Hörer in der Gabel lag auf den Weg zu Mulders Apartment machte.


Mulder’s Wohnung, Arlington

Montag, 27.04.1992 12:10 h

Als sie bei seiner Wohnung ankam, öffnete ihr niemand die Tür. Sie konnte aber den Hausmeister finden und mit ihrer Dienstmarke dazu bringen sie in die Wohnung zu lassen. Sie war noch nie zuvor hier gewesen und war überrascht wie sparsam das drei Zimmer- Apartment eingerichtet war. Mulder war wie erwartet nicht anwesend. Es sah halbwegs ordentlich, also Spuren eines Kampfes gab es hier schon mal nicht. Seine Reisetasche die sie schon auf den Trips nach Oregon und Idaho gesehen hatte lag auf dem Kleiderschrank im Schlafzimmer. Kurz verreist war er also auch nicht. Das Bett war gemacht und ein Stapel Sachen die er wohl frisch aus der Reinigung geholt hatte lag da neben. Das Abholdatum war aber schon Freitag gewesen. Er hatte sie wohl das ganze Wochenende hier liegen lassen. Als nächstes wandte sie sich dem Anrufbeantworter zu. Er war seit Sonnabend nicht mehr abgehört worden. Die letzte Nachricht war von einem gewissen Roy Schneider. Er hatte Sonntagabend angerufen und wollte wissen ob Mulder gut zu Hause angekommen war. Das war ihre beste Spur bisher.


Über das FBI konnte sie schnell eine Adresse hier in der Umgebung finden die zu dem Namen Roy Schneider passte. Sie nahm sich noch die Zeit die Wohnung nach weiteren Spuren zu untersuchen, fand aber nichts weiter und wandte sich dann der Adresse von Schneider zu. Schließlich wohnte er nur ein paar Blocks von hier entfernt.


Schneider’s Wohnung, Arlington

Montag, 27.04.1992 13:45 h


Als sie bei Schneider ankam, öffnete ihr eine Frau die Tür. Schneider selbst war noch unterwegs, sie würde ihn aber in kürze zurück erwarten, so beschloss Scully zu warten. Die Frau stellte sich als Rike Müller, Roy Schneiders Lebensgefährtin vor. Bei einer Tasse Kaffee erzählte sie Scully das Mulder die meiste Zeit des Wochenendes hier verbracht hatte. Er hatte zusammen mit Roy trainiert. Ihr Lebensgefährte besaß eine Kampfsportschule und Mulder war einer seiner Schüler. Das war Neu für Scully, andererseits Mulder hatte ihr nie viel über sein Privatleben erzählt. Sie wusste eigentlich nur das er einen guten Freund hatte der zur Zeit in Paris lebte und dort als Historiker arbeitete. Der Name Schneider war dabei nie erwähnt worden. Rike hatte Mulder gestern so gegen 18:00 Uhr das letzte Mal gesehen. Da wollte er direkt nach Hause gehen. Er hatte Müde und erschöpft auf sie gewirkt. Scully kannte ihn in zwischen gut genug um zu wissen das er in der Verfassung keine extra Touren machte. Er muss sich von hier also auf dem direkten Heimweg gemacht haben. Das er einen Anruf nicht angenommen hatte sagte aber noch nicht aus das er es an diesem Abend nicht bis nach Hause geschafft hatte. Trotzdem war das etwas dem sie nachgehen sollte.


Roy Schneider kam kurz nach 14:00 Uhr zu Hause an und konnte Rike’s Aussage nur bestätigen. Er hatte Mulder angerufen weil er sich etwas Sorgen gemacht hatte. Auch er hatte bemerkt wie kaputt Mulder vom Training war, hatte sogar angeboten ihn nach Hause zu fahren doch Mulder lehnte ab, wollte die Strecke lieber zu Fuß gehen.


Gegend unbekannt

Zeitpunkt unbekannt


Als Mulder zu sich kam, konnte er sich kaum bewegen. Er konnte alles nur verschwommen sehen und war sich somit nicht genau sicher was er sah. Er konnte schwören das er Wolken sah. Die befanden sich direkt hinter dem kleinen Fenster. Das bildetet er sich nur ein, oder? Er konnte nicht lange darüber nachdenken, denn er war immer noch Müde und schlief wieder ein.


Strasse in Mulder’s Wohngegend, Arlington

Montag, 27.04.1992 16:00 h


Langsam wusste auch sie nicht weiter. Sie war den Weg zwischen Scheider’s und Mulder’s Wohnung abgelaufen. Aber nichts, nicht der kleinste Hinweis war zu finden gewesen. Sie hatte keine andere Wahl als erstmal mit der Suche zu stoppen. Sie brauchte einen Kaffee und dann würde sie noch einmal zu seiner Wohnung gehen. Einen Shop hatte sie an der letzten Ecke gesehen. Der Laden war um diese Zeit kaum besucht und die Verkäuferin hatte sogar noch Zeit mit einer Kundin zu tratschen. Normalerweise war es nicht Scully’s Art, doch man konnte die beiden nicht überhören. Sie unterhielten sich die ganze Zeit über die jungen Leute von heut zutage und das sie wohl kaum noch etwas vertragen können. So hatte sie erst gestern Abend beobachtet wie ein junger Mann auf der Strasse zusammengebrochen war und mit dem Krankenwagen weg gebracht werden musste. Scully verschluckte sich fast an ihrem entkoffeinierten Kaffee als sie das hörte und ging zu der alten Frau. Das musste sie genauer wissen.


Verzeihen Sie. Mein Name ist Dana Scully. Ich arbeite für das FBI.“ Sie zeigte ihre Marke und die alte Dame starrte sie nur überrascht an. „Wie kann ich ihnen helfen?“ Zumindest zeigte sie sich kooperativ. „Ich bin auf der Suche nach einem Mann, der seit gestern vermisst wird und habe gerade ihre Unterhaltung mit verfolgen können. Können sie mir bitte genau beschreiben was gestern genau vorgefallen war?“ Hoffnung machte sich in Scully breit, aber auch ihre Sorgen bekamen mehr Nahrung. Was wenn Mulder im Krankenhaus lag? „Ich wohne hier in der Nähe gerade mal vier Häuser weiter und habe von meiner Wohnung aus einen guten Blick auf die Strasse. Da habe ich einen jungen Mann gesehen. Er wurde von jemand anderem so stark angerempelt das er auf seinem Hinterteil gelandet ist. Dann hatte er wohl Schwierigkeiten wieder hoch zukommen. Der Mann der ihn angerempelt hatte versuchte ihm noch zu helfen. Aber ohne Erfolg. Jemand muss einen Krankenwagen gerufen haben, denn kurze Zeit später war einer vor Ort. Der junge Mann wurde auf ein Trage gelegt und abtransportiert.“ Soweit hatte sie die Geschichte bereits mitgehört und nichts Ungewöhnliches entdecken können. „Wann war das ungefähr?“ fragte sie nach. „Es muss so kurz nach halb sieben gewesen sein. Mein Nachbar hatte den Fernseher laut so konnte ich hören das Bonanza gerade anfing. Das schaut er jeden Sonntag um diese Zeit.“ Das passte, nur noch eine Frage um sicher zu sein: „Können sie die beiden Männer beschreiben? Wie hat der junge Mann ausgesehen?“ Sie holte noch einmal tief Luft und machte sich schon mal auf das Schlimmste gefasst.


Er war groß und schlank, hatte kurze braune Haare. Er trug Trainingskleidung.“ Das klang verdächtig nach Mulder, so konnte sie also davon ausgehen das er es an dem Abend nicht mehr nach Hause geschafft hatte. Jetzt musste sie nur noch das Krankenhaus finden in den man ihn eingeliefert hatte. Sie beschloss das von seiner Wohnung aus zu machen. Dann konnte sie ihm auch gleich ein paar Sache mitnehmen. Sie hatte sich den Ersatzschlüssel aus seiner Wohnung mitgenommen, so sollte das kein Problem sein.


Mulder’s Wohnung, Arlington

Montag, 27.04.1992 20:00 h


Sie hatte alle Krankenhäuser in der Nähe angerufen, doch ohne Erfolg. Keines hatte gestern jemanden unter dem Namen Mulder aufgenommen, noch wurde jemand eingeliefert auf dem seine Beschreibung passte. So hatte sie die Notrufzentrale angerufen. Hier war kein Notruf eingegangen der auch nur im Entferntesten nach dem Klang was ihr die alte Dame erzählt hatte. Es waren jetzt gut 24 Stunden vergangen und somit Zeit die Polizei ein zu schalten.


PD, Arlington

Montag, 27.04.1992 20:30 h


Sie hatte nicht lange warten müssen, woran ihre Dienstmarke wohl nicht ganz unschuldig war und ein Detektiv nahm mit ihr Zusammen die vermissten Anzeige auf. Sie erzählte ihm was sie bisher heraus gefunden hatte und bestand darauf das neben Mulder auch nach einem gefälschten Krankenwagen gesucht wird. Man versprach ihr sich zu melden sobald man etwas herausgefunden hatte. Ein Blick in Detektiv Masterson’s Gesicht verriet ihr, das sie vermutlich lange darauf warten konnte. Er wirkte gestresst und machte die Suche nach Mulder mit Sicherheit nicht zu seiner Hauptaufgabe. Ihr blieb erstmal nichts anderes übrig als zu gehen, dabei konnte sie kaum glauben das sie fast zwei Stunden im Polizeirevier verbracht hatte. Scully war wütend, selbst als FBI Agentin konnte sie nicht mehr machen als eine Vermisstenanzeige aufzugeben. Sie würde erstmal nach Hause zu fahren und warten. Wie sie das hasste! Aber Morgen früh, das versprach sie sich würde Masterson sie wieder hier sitzen haben und sie würde ihm solange Beine machen bis er jeden Stein umdrehte nur allein um sie wieder los zu werden. Aber vielleicht konnte sie noch etwas finden um den Fall zur FBI Sache zu machen.


FBI HQ, Washington

Dienstag, 28.04.1992 9:00 h


Sie hatte mit AD Skinner gesprochen. Seit dem Tooms Fall war es kein Geheimnis mehr das Mulder mit ihr zusammen arbeitete. Der AD war deshalb verärgert gewesen, duldet aber die weitere Zusammenarbeit mit Mulder. Er sah es von der Seite, sie sparten das Beraterhonorar. So sah er einfach in die andere Richtung, würde aber Scully voll zur Verantwortung ziehen wenn wegen Mulder irgendetwas passiert. Sei es das jemand verletzt wird oder Mulder nicht nach den FBI Regeln spielte. Es war ihr Kopf der in der Schlinge steckte. Heute hatte Skinner nur ihr gestriges Verhalten kritisiert und gemeint es sei ein Fall für die Polizei. Sie war also mehr oder weniger auf sich allein gestellt.


Sie hatte gestern noch etwas anderes vergessen. Sie fragte sich jetzt ob Mulder Angehörige hat die sie vielleicht informieren sollte. Die Praxis hatte sie heute schon angerufen, damit Tracy Mulders Termine in Ordnung bringen. Bei der Gelegenheit hatte sie noch ein paar Fragen gestellt. Das übliche ob Mulder Feinde hatte oder in letzter Zeit etwas ungewöhnliches Vorgefallen war. Aber es gab nichts, offenbar erzählte Mulder auch in der Praxis nicht viel von seinem Privatleben. Sie konnte mir nur noch sagen das ein gewisser Adam Pierson als sein Notfallkontakt gelistet war. Das war sein Freund in Paris, Scully hatte seine Telefonnummer im Adressbuch in der Wohnung gefunden. Ein Versuch war es wert. „Bonjour.“ Meldete sich eine männliche Stimme am Telefon, sie hoffte das es Pierson war, ihr französisch war etwas mehr als eingerostet. „Guten Tag, mein Name ist Dana Scully. Ich würde gerne mit Adam Pierson sprechen.“ Hoffentlich verstand er sie. „Am Apparat.“ Sie atmete erleichtert aus. Aber die Freude währte nicht lange. Was sollte sie ihm erzählen? „Mister Pierson, ich rufe wegen Fox Mulder an. Sie sind als sein Notfallkontakt gelistet.“ Ein Stöhnen war am anderen Ende der Leitung zu hören. „Ja das bin ich. Ist ihm etwas zugestoßen?“ So weit so gut. „Er wird seit Sonntagabend vermisst. Es sieht so aus als wäre er entführt worden. Haben sie vielleicht eine Ahnung wer dahinter stecken könnte?“


Nein. Da kann ich ihnen wahrscheinlich kaum weiter helfen. Sein Verhältnis mit seinen Eltern ist nicht so besonders. Sein Vater arbeitet wohl fürs DOD, so weit ich weiß und der würde für Fox keinen Cent Lösegeld bezahlen. Das wäre der einzige Grund der mir für eine Entführung einfallen würde.“ Lösegeld-Erpressung, DOD. Sie wusste gar nicht das seine Eltern noch am Leben sind, sie hatte Mulder nur einmal von ihnen reden gehört und da hatte sie angenommen das sie bereits verstorben wären. Wenn sein Vater aber wirklich beim DOD war könnte das Grund genug sein das FBI ein zu schalten. Sie hing nur noch mit einem halben Ohr am Telefon. Sie plante schon ihre nächsten Schritte. Sie reagierte nur noch einmal als Adam anbot nach Washington zu kommen. Doch sie sah noch keinen Grund dazu. Im Augenblick würden sie beide eh nur warten können. Sie gab ihm ihre Telefonnummern vom Büro und Privat und verabschiedete sich dann. Jetzt musste sie Mulders Eltern finden.


Nach der Datenbank des FBI lebten die Mulders getrennt. Mrs. Mulder lebte in Greenwich, Connecticut und Mr. Mulder hatte ein Haus in West Tisbury auf Martha’s Vineyard, MA. Mulders Vater arbeitet tatsächlich für das DOD hier in Washington, sie würde es dort als erstes versuchen und dann seine Mutter sprechen. Ein paar Telefonanrufe später hatte sie Gewissheit das sich Mr. Mulder zurzeit auf Martha’s Vineyard aufhielt.


Gegend unbekannt

Zeitpunkt unbekannt


Mulder wachte in einem weichen Bett auf. Er kannte seine Umgebung nicht. Das war nicht sein Schlafzimmer und gewiss kein Krankenhausbett. Also wo war er? Er konnte sich noch erinnern das er auf dem Heimweg war und angerempelt wurde. Doch wie war er hier her gekommen? Wie lange hatte er geschlafen? Das Zimmer hatte neben dem Bett kaum Möbel und die Fenster waren mit einer Art Holzgitter versehen. Was wohl als Sichtschutz diente. Beim aufstehen bemerkte er erst das er nackt war. Man hatte ihm seine Kleidung genommen und er konnte sie nirgends im Raum erspähen, so benutzte er erstmal die Decke und wickelte sie fest um seinen Körper. Sein erstes Ziel war das Fenster. Vielleicht konnte ihm ein Blick nach draußen verraten wo er war. Das Zimmer hatte wirklich einen schönen Ausblick doch konnte Mulder nur schwer glauben was er da sah. Kleine Häuser, Zelte, Palmen und Wüste? Seit wann gab es in Washington gelbe Sanddünnen? War er vielleicht in Nevada? Er versuchte eines der Fenster zu öffnen um besser sehen zu können doch sie waren alle fest verschlossen. So ging er zu Tür, auch sie war abgeschlossen. Mulder sah sich um, hier gab es nichts was ihm verraten könnte wo er sich befand. Das Zimmer wirkte orientalisch, besonders die Fensterbögen waren typisch, könnten fast aus den Geschichten von Tausend und einer Nacht stammen. Der Raum war sehr hell und die Wände waren schlicht weiß gehalten. Neben einem kleinen Tisch, ein Stuhl und dem Bett gab es hier nichts weiter. Die Fensterbänke waren noch ungewöhnlich breit und gepolstert. Hier hatte man sogar ein paar Kissen hingelegt.


Da er neben in Panik fallen nicht viel machen konnte, beschloss er sich auf eine der Fensterbänke zu setzten. Vielleicht gab es da draußen doch noch etwas das ihm weiter helfen konnte. Er strengte sich an irgendetwas um ihn herum auf zu spüren. Er versuchte Gedanken zu lesen konnte das meiste aber nicht verstehen. Da man hier in der Umgebung offensichtlich nicht in Englisch dachte. Da waren definitiv Menschen, doch keiner war besonders nervös, wütend oder ängstlich. Da draußen herrschte scheinbar das ganz normale Leben. Es schien niemand zu kümmern das er hier eingesperrt war. Sein Magen knurrte und er hoffte das man ihn hier nicht vergessen hatte.


FBI HQ, Washington

Dienstag, 28.04.1992 15:00 h


Scully hatte es inzwischen geschafft Mr. Mulder ans Telefon zu bekommen. Pierson hatte Recht, sein Sohn war ihm gleichgültig. Er hatte noch nichts von einer Entführung gehört, meinte nur das sich sein Sohn wohl wieder mal in der Gegend herum treibt. Dann hatte er auf gelegt. Mrs. Mulder war nicht im Land. Sie hatte sich mit Freunden auf eine Kreuzfahrt am Mittelmeer begeben. Die Familie schien Geld zu haben, aber es sah nicht danach aus als würde jemand Lösegeld fordern. So was blieb übrig? Scully war in einer Sackgasse, sie kam mit ihren Ermittlungen nicht weiter. Wenn er nicht einfach in einem Krankenwagen verschwunden wäre, dann hätte sie jetzt sogar Entführung durch Außerirdische als Möglichkeit akzeptiert. Aber dies schien wirklich auf sehr irdischen Mist gewachsen zu sein.


Gegend unbekannt

Zeitpunkt unbekannt


Mulder war am Fenster leicht eingenickt, als ihn eine Hand vorsichtig wach schüttelte. Er machte sich nicht die Mühe sich älter erscheinen zu lassen, dafür war es eh zu spät. Er schaute sich nur fragend um, suchte nach demjenigen der ihn geweckt hatte. Es war ein älterer Mann der sich kleidete wie man es aus diesen Filmen wie Sinbad der Seefahrer oder Arabische Nächte her kannte. Ein weißer Kaftan und Turban, ehrlich. Der Mann hatte bereits weißgraue Haare und trug einen gepflegten Vollbart. Er sprach nicht, sondern deutete nur auf den Tisch wo jetzt ein Tablett stand. In Schalen hatte man verschiedene Speisen serviert die Mulder keines Wegs bekannt vorkamen. Dazu gab es Obst und eine Art Fladenbrot. Saft und Wasser hatte man ihm in zwei Krügen zu trinken gebracht. „Wo bin ich?“ fragte er den Mann doch er schaute ihn nur an so als ob er ihn nicht verstehen konnte. Die Gedanken des Mannes bestätigten diesen Verdacht. Er sprach kein Englisch. So dachte Mulder erst einmal mit seinem Magen und ließ sich am Tisch nieder. Das Essen war gar nicht mal so schlecht. An Gift im Essen oder ähnliches, verschwendete er keinen einzigen Augenblick seiner Zeit. Wer wusste schon wann er wieder etwas zu Essen und Trinken hatte. Abgesehen davon er war unsterblich. Was konnte ihm noch passieren? Mulder bemerkte nicht einmal wie der Fremde den Raum verließ.


Scully’s Wohnung, Georgetown

Mittwoch, 29.04.1992 2:40 h


Das Klingeln des Telefons riss sie aus dem Schlaf und sie fragte sich wer verrückt genug war sie um diese Zeit zu stören? „Hallo?“ Sie war noch nicht wirklich wach. „Detektiv Masterson. Wir haben einen Krankenwagen gefunden. Ich dachte sie wollten persönlich einen Blick hinein werfen.“ Jetzt war sie hell wach. Schnell ließ sie sich die Adresse geben und bedankte sich noch bevor sie wieder auflegte. Die Nacht war für sie gelaufen, sie zog nur schnell etwas an und machte sich dann auf den Weg.


in der Nähe von R 267, bei Reston

Mittwoch, 29.04.1992 3:30 h


Agent Scully.“ Begrüßte sie der Detektive am Fundort. „Danke das sie angerufen haben, Detektive Masterson. Was haben sie bisher herausfinden können?“ Sie schaute sich um und stellte erstmal fest das es sich bei dem Fund um einen echten Krankenwagen handelte, kein Fake. „Nicht viel. Wir konnten im Fahrzeug keine Spuren finden. Das Kennzeichen ist bereits überprüft, der Krankenwagen ist seit einer Woche als gestohlen gemeldet. Mehr lässt sich im Augenblick noch nicht sagen.“ Scully nickte nur und warf einen Blick ins Innere des Krankenwagens. Die Täter hatten vermutlich Handschuhe getragen und sorgfältig darauf geachtet keine Spuren zu hinterlassen. Profis? „Danke, Detektiv Masterson. Rufen Sie mich bitte an sobald sie den Bericht von der Spurensuche haben.“ Hoffnung das man noch etwas fand hatte sie keine. Aber ihr Gefühl sagte ihr das dies der Wagen war den sie suchten. Die Trage fehlte, ein Detail das ihr sofort ins Auge gefallen war, sie wusste nur noch nicht was sie damit anfangen sollte. Scully würde hier eh nur im Weg stehen, so verabschiedete sie sich und fuhr wieder zurück. Aber nicht in ihr Apartment, sie fuhr gleich weiter in ihr Büro. Sie konnte eh nicht mehr schlafen.


Man hatte den Krankenwagen in der Nähe einer Strasse gefunden die Washington direkt mit dem Dulles Flughafen verbindet. Das konnte nichts Gutes bedeuten. Mulder konnte inzwischen überall sein. Aber der Flughafen war als Anhaltspunkt inzwischen genauso gut wie jeder andere.


Gegend unbekannt

Zeitpunkt unbekannt


Mulder war sich inzwischen sicher das er nicht in Nevada war. Vielmehr war er wohl irgendwo im Norden Afrikas oder Arabien gelandet. Er war in irgendeiner Oase gestrandet. Er braucht Kleidung, Wasser und einen Weg zurück in die Zivilisation, vorher brauchte er gar nicht an Flucht denken. Er fragte sich was sie von ihm wollten, er besaß nichts was jemand interessieren könnte. Man hatte ihm bisher drei Mal Essen und Trinken gebracht, das war alles an dem er seine Zeit hier abschätzen konnte. Das Zimmer hatte er nicht einmal verlassen können. Als Toilette diente ihm eine Bettpfanne, die der alte Mann regelmäßig wechseln kam. Der Alte ist die einzige Person die er bis jetzt zu Gesicht bekommen hatte. Er konnte sich das alles nicht erklären. Er hatte bei jedem Besuch versucht ihn nach Kleidung zu fragen doch offensichtlich will er nicht verstehen und Mulder gingen langsam die Ideen aus seinen Wunsch zu verdeutlichen. Er glaubte das er ihn schon längst verstanden hatte und nur nicht reagierte. Er konnte sich auch nicht den ganzen Tag mit der Decke einwickeln, die Temperaturen kletterten hier ganz schön in die Höhe, so das ihm nichts anderes übrig blieb als Nackt herum zu sitzen. Er behielt die Decke in Griffweite, machte sich aber inzwischen nicht einmal mehr die Mühe sich zu bedecken wenn er den Alten kommen hörte. Alles war inzwischen irgendwie egal.


Er hörte das jemand dabei war die Tür zu öffnen, er ignorierte es und starte weiter aus dem Fenster. Die Tür ging auf und jemand trat ein, kam näher. Das Klang anders als der Alte und so drehte er sich neugierig um. Er sah in der Tat ein anderes Gesicht. Dieses war jünger, kein Bart und seine Kleidung war vornehmer in weiß und einem dunklen blau Ton gehalten. Mulder griff nach der Decke um sich vor den durchbohrenden Blick des Mannes zu schützen. Er grinste nur als er Mulders Verlegenheit bemerkte. „Willkommen in meinem Haus.“ Sagte er nach dem er scheinbar genug gesehen hatte und Mulder war fast begeistert endlich jemanden zu Treffen der seine Sprache verstand. „Warum bin ich hier?“ War das erste was ihm einfiel zu fragen. „Ihr seit mein Gast.“ War alles was er als Antwort bekam. „Sie haben eine seltsame Art Einladungen zu verschicken. Dann kann ich jetzt wieder nach Hause fahren?“ Mulder glaubte nicht daran aber ein Versuch war’s Wert. „Ihr seit bereits zu Hause. Dies ist euer Heim.“ Mulder schaute ihn ein Moment nur ungläubig an, er wusste nicht was er darauf erwidern sollte. „Darf ich wissen wer ihr seid?“ Eine dumme Frage zugegeben, aber etwas besseres war ihm auf die Schnelle nicht eingefallen. Er brauchte Informationen und vor ihm stand bisher seine beste Chance welche zu erhalten. „Ich bin Scheich Harim Al Sudahli. Wir befinden uns hier in meinem Haus in der Sudahli Oase.“ Okay das bedeutet wohl das alles einschließlich die Oase ihm gehörte und er irgendwo noch anderen Grundbesitz hatte. Das erklärte vielleicht auch weshalb er erst heute vorbei schaute um ‚Guten Tag’ zu sagen.


Wie darf ich sie anreden? Mr. Sudahli oder Scheich Sudahli?“ Er war ihm zurzeit ausgeliefert und konnte sich es nicht leisten Schwäche zu zeigen. Unhöflichkeit konnte man immer als Schwäche sehen. „Hier im Haus einfach nur Harim, Fox. Das reicht für den Anfang den Rest wirst du später noch lernen.“ Er war nun also per du und hatte sich bereits auf ‚Fox’ festgelegt. Mulder würde damit wohl leben müssen. „Harim, wie lange plant ihr mich hier noch ein zu sperren?“ Mulder war mit seinen Fragen noch lange nicht am Ende und es störte ihn auch nicht sie zu stellen. „Wenn du dich benimmst Fox, dann kannst du dich hier im Haus frei bewegen. Du siehst aus als könntest du ein Bad gebrauchen.“ Er grinste bei seiner letzten Bemerkung und da war etwas in seinen Augen das Fox nicht gefiel. „Ein Bad könnte ich in der Tat gebrauchen, wenn es nicht zu viele Umstände macht. Kann ich dann endlich auch etwas zum Anziehen bekommen?“ Die Frage musste er jetzt stellen, der Alte würde seine Frage doch nie beantworten. „Nein. Diese Privileg musst du dir erst verdienen.“ Das musste er erst einmal Schlucken, das konnte er aber nicht so ohne weiteres stehen lassen. „Verdienen? Wie meinen Sie das, Harim?“ Der Mann lächelte nun und das gefiel Mulder immer weniger. „Zeige das man dir vertrauen kann in dem du dich benimmst und die Regel des Hauses achtest. Damit würdest du zumindest einen Schritt weiter kommen.“ Fox wollte nicht wissen was ‚ein Schritt weiter’ bedeutete, er hatte schon eine Ahnung das es ihm nicht gefallen würde. Aber er würde wohl mitspielen müssen, zumindest bis er einen Weg hier raus gefunden hatte. „Ich war noch nie besonders gut mit Regeln aber ich werde es auf einen Versuch ankommen lassen.“


Dann lass die Decke fallen und stell dich gerade hin, Fox.“ Befahl er, der Ton verriet deutlich das er das Befehlen gewöhnt war und wahrscheinlich auch gewohnt war das man ihm gehorchte. Mulder wollte wissen was sein Status hier im Haus war, traute sich aber nicht zu fragen. Die Antwort konnte und würde ihm nicht gefallen. Er stellte sich gerade hin und ließ die Decke auf die Fensterbank gleiten. Der Scheich befahl ihm etwas Näher zu kommen, so machte er ein paar Schritte vom Fenster weg bis er fast auf Armlänge zu dem Mann stand. Der Araber musterte ihn von Oben bis Unten. Umrundete ihn ein paar mal dabei fühlte sich Fox wie ein Stück Vieh auf dem Markt. Er lief rot an im Gesicht, Schweißperlen bildeten sich, er schwitzte. Seine Nackenhaare sträubten sich und er bekam Gänsehaut fast über all am Körper. Er zitterte am ganzen Leib, konnte seine Wut nur gerade so unter Kontrolle halten und flehte innerlich das dies endlich ein Ende hatte. Zum Glück wurde er nicht angefasst, er wusste nicht ob er sich dann noch beherrschen könnte. Es schien für Fox eine Ewigkeit zu dauern doch dann endlich war Schluss und der Fremde ließ ihn erstmal allein. Mulder sackte an Ort und Stelle zusammen und die Tränen ließen sich nicht mehr stoppen. Er fühlte sich plötzlich schmutzig und mehr als erniedrigt.


Dulles Flughafen, Virginia

Donnerstag, 30.04.1992 21:00 h


Scully hatte es geschafft beim Flughafen Einsicht in die Aufnahmen der Sicherheitskameras zu erhalten. Seit gestern saß sie nun schon und schaute sich die Bänder an. Die Fluglisten waren bisher keine Hilfe gewesen, hier hoffte sie endlich eine Spur zu finden und so hatte sie seit Gestern hier gesessen und sich ein Band nach dem anderen angeschaut. Sie hatte nicht gewusst das es soviel Kameras auf dem Flugplatz gab. Im Passagierbereich war sie nicht fündig geworden, deshalb schaute sie sich jetzt die Bänder von einem Bereich an wo die Passagiere privater Flieger abgefertigt wurden. Ihr blieb fast das Herz stehen als sie endlich gefunden hatte wonach sie die ganze Zeit gesucht hatte. Sein Profil war ihr bestens vertraut, selbst mit der Sauerstoffmaske im Gesicht konnte sie ihn wieder erkennen. Sie hielt das Band an und schaute auf die eingeblendeten Daten. Montag, 27.04.1992 8:05 Uhr. Sie suchte in den Listen nach einem möglichen Flug und fand einen privaten Learjet der etwa eine halbe Stunde später abhob. Angeblich eine Krankenüberführung nach Algerien. Der Pilot hatte als Ziel Algier eingereicht.


Sie bat den Techniker der mit ihr in der Zentrale saß um eine Kopie des Bandes und machte sich auf den Weg zur Polizei damit. In der Hoffnung das Detektiv Masterson ihr bei der Identifizierung helfen könnte. Die FBI Datenbanken konnte sie danach immer noch füttern. Es war im Augenblick nicht klug das Band direkt zum FBI zu nehmen. Sie brauchte eine Weile bis die Information ihr Gehirn erreicht und sie vor Wut auf schreien ließ. Wie zur Hölle sollte sie Mulder in Algerien finden? Leute schauten sie komisch an doch sie ließ sich nicht stören, holte noch einmal tief Luft und machte sich dann auf den Weg zu ihrem Auto.


Scully’s Wohnung, Georgetown

Donnerstag, 30.04.1992 22:25 h


Der Detektiv hatte schon Feierabend gemacht als sie ankam. So hatte sie das Band erstmal mit nach Haus genommen. Sie war nicht bereit es einfach so aus der Hand zugeben. Sie würde morgen als erstes mit Masterson sprechen und dann noch einmal den Flughafen besuchen um mehr über den Flug des Learjets in Erfahrung zu bringen. Nur wie man dann die Ermittlungen weiter führen wird war ihr ein Rätsel. Sie vertraute den ausländischen Behörden nicht so ganz über den Weg. Sie hatte da so ihre Zweifel ob man ihn dort auch wirklich finden wollte. Pierson wusste da vielleicht einen Rat, nach Mulders angaben war er viel gereist und kannte sich im Mittelmeerraum gut aus. Sie würde ihn anrufen wenn sie mehr wusste, jetzt war es noch zu früh.


Haupthaus, Sudahli Oase

Zeitpunkt unbekannt


Die Tatsache das er unbekleidet war hielt ihn ziemlich effektiv an einem Ort. Er wusste das die Tür nicht mehr verschlossen war, dennoch zog er es vor hier in seinem Zimmer sitzen zubleiben. Seine eigenen Gefühle wie Scharm, Angst, Verzweiflung, Ratlosigkeit und mehr hielten ihn hier fest, besser als es ein paar Handschellen oder die verschlossene Tür es konnten.


Er hatte sein ‚Bad’ gehabt. Er war in der Wüste, ein Ort wo Wasser kostbar ist, da war ihm nicht einmal die Idee gekommen, dass hier ein Bad etwas anders aussehen könnte. Er kam sich wie ein kleiner naiver dummer Junge vor als er ins Badehaus gebrachte worden war. Er hatte sich geweigert die Decke im Zimmer zu lassen so war die Reise dahin schon mal ziemlich rau und unbequem gewesen. Die Wachen waren hier nicht gerade zimperlich und das musste er auch spüren als er sich weigert sich von jemand waschen zu lassen. Er war schließlich Alt genug das er das schon allein ganz gut hinbekam. Doch das wollten sie nicht hören und setzten sich am Ende durch. Er wurde simpel zwischen zwei Pfähle angebunden und konnte dann so viel schreien wie er wollte. Er wurde trotzdem gewaschen. Zu diesem Zeitpunkt hatte er geglaubt das Schlimmste hinter sich zu haben aber seine Entführer hatten noch einen drauf setzen können. In mühevoller Handarbeit wurden ihm nicht nur die Stoppeln aus seinem Gesicht entfernt sondern auch gleich seine Körperbehaarung abwärts. Er versuchte sich zu wehren, zappelte, trat um sich aber die Wachen schafften es immer wieder ihn unter Kontrolle zu bringen bis er sich am Ende noch entblößter als vorher fühlte.


Nach dieser Tortur erlaubte man ihm nur eine kurz Verschnaufpause. Er wurde zu einem Massagetisch geführt und von geschickten Händen ordentlich durchgeknetet und zum Abschluss noch einmal abgerieben und mit duftenden Ölen eingerieben. Danach wurden ihm noch Fußfesseln angelegt und die Hände auf den Rücken gebunden, erst dann hatte man ihn zurück auf sein Zimmer gebracht. Wo er sich nur auf sein Bett gelegt hatte und irgendwann in den Schlaf geweint hat. Das war jetzt mindestens zwei Tage her und er war immer noch in seiner Bewegungsfreiheit eingeschränkt und musste mit den Demütigungen leben die dies mit sich brachte. So konnte er ohne Hilfe nicht essen, sich zudecken oder einfach nur die Decke halten um seine Blöße zu verdecken. Er war jetzt noch hilfloser als zuvor und musste hinnehmen das man ihn wie ein Baby wusch, fütterte und ins Bett brachte. Von Toilette wollte er lieber nicht reden und schon gar nicht erinnert werden. Er hatte sich natürlich zuerst gewehrt aber schnell heraus gefunden das man ihn auch hier sehr gut Zwingen konnte. Wenn er sich schon körperlich nicht wehren konnte hatte er wenigsten mit anschreien, meckern, sich Luft machen wollen. Auch wenn sie die Schimpfwörter die er verwendet nicht verstanden, hatten sie ihm doch schnell gezeigt das er auch damit nicht durchkam. So hatte man ihm dafür den Mund mit Seife ausgewaschen und anschließend mit einem Stück der Seife geknebelt. Er hatte hier absolut kein Zeitgefühl, aber es müssen schon ein paar Stunden gewesen sein, die er dieses Ding in seinem Mund hatte.


So hatte er in zwischen Begriffen das es hier Regeln gab und das er sie nach Möglichkeit befolgen sollte oder bei Missachtung mit Strafen rechnen kann. Er fragte sich was er hier wohl noch auf die harte Tour lernen würde. Diesen Harim hatte er bisher nicht wieder gesehen. Warum hatte er ihm nicht einfach ein Regelbuch in die Hand gedrückt oder erzählt was hier von ihm erwartet wurde. Zu mindest hatte er schon etwas von der Umgebung gesehen so war dies kein prunkvoller Palast. Sondern ein einfach gehaltenes zweistöckiges Gebäude von dem das Erdgeschoß komplett als Arbeitsfläche genutzt wird. Er hatte auf dem Weg zum Bad die Küche und andere Wirtschaftsräume sehen können. So lebte dieser Harim wohl hier oben im ersten Stock. Alles was es hier gab war praktisch und wurde auch gebraucht und verwendet. Luxus, Prunk suchte man hier vergebens. Strom gab es genauso wenig wie fließen Wasser. Licht kam hier noch von Kerzen, Öllampen oder Fackeln. In seinem Zimmer gab es nichts davon, er musste mit dem Tageslicht auskommen und hatte hier kein Fernseher den er als Nachtlicht verwenden konnte wenn er mal wieder keinen Schlaf fand.


Scully’s Wohnung, Georgetown

Sonntag, 10.05.1992 15:25 h


Sie hatte jetzt schon öfters mit Adam in Paris telefoniert. Er war gerade erst aus Algerien zurück. Auch er hatte von Mulder oder wenigsten dem Flugzeug keine Spur finden können. Wie sie hier in Washington war er dort ständig in eine Mauer das Schweigens gerannt. Die Polizei hatte die Ermittlungen eingestellt. Den Behörden waren die Hände gebunden. Keine amerikanische Vertretung entlang der gesamten Mittelmeerküste nahm ihre Telefonanrufe noch an. Pierson war ihre letzte Hoffnung gewesen doch noch etwas vor Ort in Erfahrung zu bringen. „Es tut mir Leid, Dana. Aber da war nichts zu machen. Selbst meine Kontakte unter den Einheimischen konnten nichts ausgraben. Es könnte gut möglich sein das das Flugzeug irgendwo auf seinem Weg den Kurs geändert und niemals Algier angeflogen hat.“ Adam war genauso ratlos und besorgt wie sie und Scully wusste auch wenn sie den Mann noch nie in die Augen gesehen, gegen übergestanden hat das er wirklich alles versuchte was er konnte. Das es eben nicht gereicht hat oder es kein Spur gab der man folgen konnte. „Danke, Adam.“ Aber sie konnte Mulder noch nicht aufgeben, auch wenn sie als FBI Agentin wusste das je länger sie brauchten um ihn zu finden, die Chancen immer größer wurden das sie ihn nur noch Tod wenn überhaupt finden würden. Doch Scully war sich sicher das er noch lebte und wollte deshalb nicht aufgeben. Sie wusste das er wenn die Situation umgekehrt wäre nach ihr Suchen würde und nicht stoppen würde bis er sie gefunden hat.


Haupthaus, Sudahli Oase

Zeitpunkt unbekannt


Es müssen gut zwei Wochen gewesen sein, die man ihn mit Fußfesseln und den Händen auf dem Rücken gebunden gehalten hat. Er kannte inzwischen die tägliche Routine und leistete keinen Widerstand mehr beim Essen, Waschen, Rasieren, Zahnpflege oder Massage. Irgendwann waren sie dann überzeugt das er sich besser benehmen wird und hatten die Fesseln wieder entfernt. Essen durfte er jetzt wieder selbstständig diese kleine Freiheit gönnte man ihm, der Rest wurde aber immer noch ausschließlich von denen bestimmt und ausgeführt. So war jeder Tag für ihm mehr eine einzige Demütigung als alles andere und aus Furcht das man ihm die wenigen Freiheiten nahm die er besaß, ließ er sie weitgehend machen ohne auch nur den geringsten Widerstand zu zeigen. In den Zwischenzeiten schlief er, schaute aus dem Fenster oder langweilte sich. Man gab ihm keine Aufgaben, überließ ihn einfach sich selbst. Aber wo sollte er hin? Was sollte er machen?


Fast eine weitere Woche muss vergangen sein als er das erste mal etwas bekam mit dem er nicht mehr ganz so Nackt vorkam. Ein Lendenschutz. Mulder’s erste Reaktion beim Anblick war das er heftig lachen musste. Er hatte für den ‚ersten Schritt’ nicht viel erwartet, aber scheinbar doch mehr als er bekam. Was hatten die Leute gegen Boxershorts? Ob er das Ding nun an hatte oder nicht er kam sich immer noch nackt vor und war anfangs gar nicht bereit sich so zu zeigen. Den Wachen war es egal ob er es trug, sie zerrten ihn auch ohne zum Badehaus. Aber er hielt die Langeweile hier oben nicht mehr aus. Er brauchte etwas zu tun und so nahm er eines Tages allen Mut den er noch irgendwo hatte zusammen und ging runter ins Erdgeschoss. Er beobachtete die Leute wie sie ihren Arbeiten nach gingen und kam dann häufiger hier her. Er freundete sich über die Zeit sogar mit einer alten Frau an die in der Küche arbeitete. Er verstand anfangs gar nichts und über die Tage das ein oder andere Wort. Er half ihr, schnitt das Gemüse oder holte Brennholz für den Ofen. Das half ihm ein wenig, machte das Leben hier etwas erträglicher für ihn und immer wenn er in die Küche kam dann bekam er Tee und was zum Naschen wie Datteln oder Feigen mit Honig. Die Leute waren nett und schienen sich wenig aus seinem Aufzug zumachen. Er gewöhnte sich an sie und man zeigte ihm auch wie man Felle gerbte oder Zeltplanen reparierte. Nebenbei versuchten sie auch seine Vokabeln zu verbessern, ermutigten ihn in ihrer Sprache zu sprechen. Er langweilte sich immer seltener, er hatte endlich etwas mit dem er sich beschäftigen konnte.


Haupthaus, Sudahli Oase

Anfang Juni, Mittagszeit


Mulder hatte sich inzwischen das Privileg verdient einen Kaftan zutragen und war in der Lage einfache Gespräche mit den Oasenbewohnern zu führen. Er durfte das Haus in Begleitung verlassen und hatte so Gelegenheit sich etwas umzusehen. Er war wirklich mitten in der Wüste gestrandet und kaum einer hier hatte sich je die Mühe gemacht die Oase zu verlassen. Der Scheich und seine Leibwache waren somit die einzigen die den Weg hier raus kannten. Er war unsterblich und die Wüste vermochte vermutlich nicht ihn zu töten, aber er könnte seinen Verstand verlieren und das Risiko war ihm dann doch zu hoch um einfach, planlos die Wüste durchqueren zu wollen.


Der Scheich war wieder einmal vor Ort und er hatte erfahren das inzwischen Juni sein muss. Das hatte er einem Gespräch seines Fahrers mit einem der Diener entnehmen können. Er durfte zur Zeit nicht aus dem Haus, jetzt wo die Fahrzeuge in der Oase standen fürchtete man das er wohl Dummheiten machen würde. Die Küchenfrau Jasa hatte ihm erzählt das er heute wohl mit dem Scheich zusammen essen wird. Er hatte es sich inzwischen angewöhnt in der Küche zu essen doch heute hatte er nichts bekommen. Jasa hatte ihm nur etwas Tee und einen kleine Snack gegeben um die Wartezeit zu verkürzen. Doch Warten war das einzige was er jetzt machen konnte und er war dabei mehr als ungeduldig oder aufgeregt. Harim hatte ihn bisher nicht mehr gesprochen und jetzt nach so langer Zeit, konnte nichts Gutes bedeuten. Mulder hatte Regeln gelernt und sich daran gehalten. Er kannte die Strafen wenn er sie nicht einhielt und hatte es in letzter Zeit vermieden jemand zu verärgern. Also was wollte der Scheich jetzt von ihm? Hatte er einen Fehler gemacht? Wollte er ihn bestrafen?


Wenn man auf etwas wartete dann zog sich die Zeit wie Sirup dahin diese Erfahrung musste auch Mulder machen. Er wartete in der Küche bei Jasa. Er hatte Angst in seinem Zimmer die Wände hoch zu gehen. Dann nach scheinbar einer Ewigkeit war es so weit. Einer von Harim’s persönlichen Lakaien kam um ihn ab zu holen. Der Mann schien nie ohne seine eigenen Wachen und Diener zu reisen. Das er beim Scheich wohl kein vertrautes Gesicht um sich hatte beunruhigte ihn ein bisschen. Bei den Oasenbewohnern fühlte er sich inzwischen sicher, gut aufgehoben auch wenn er diesen Ort wohl niemals Heim nennen würde. Er hatte neben seinem Raum noch keinen anderes Zimmer im ersten Stockwerk gesehen. So schaute er sich erstmal um als sie ankamen und nahm dann am Ende der Tafel platz. Auch hier war von dem Prunk aus ‚Tausend und einer Nacht’ nichts zu sehen. Ein paar Teppiche und Ziegenfelle waren alles an Schmuck was der Raum zu bieten hatte. Tisch und Stühle wie er es von zu Hause gewohnt war gab es hier nicht. Man saß auf Kissen und der Tisch war gerade mal 30 bis 40 Zentimeter hoch und mit Ziegenfellen belegt. Gegessen wurde aus Schalen und es gab Tee zu den Speisen. Verschiedene Gemüsesorten, Ziegenfleisch, Fladenbrot und andere Sachen waren angerichtet worden. Der Scheich saß nicht allein, seine Berater saßen mit ihm und starrten Mulder nur an. Musterten ihn mit Blicken von Oben bis Unten ab. Er hatte bisher noch nichts mit ihnen zu tun gehabt, kannte sie nicht. Wie sie ihn fast auszogen mit ihren Augen machte ihn nur noch nervöser als er ohne hin schon war und sein Appetit schien langsam ins Nichts zu verschwinden. Aber er musste etwas Essen, wollte Mulder den Mann dem er mehr oder weniger ausgeliefert war nicht beleidigen. Er hatte inzwischen gelernt, das so etwas nicht gut für ihn war.


So aß er ein wenig von dem Gemüse und Fladenbrot und wartete in Ruhe bis man ihn ansprach. Das war etwas was Mulder hier gelernt hatte, er redete nur, wenn er gefragt wurde. „Fox. Du hast Fortschritte gemacht. Die Bewohner der Oase sind zufrieden mit dir. Sie sagen du lernst schnell und arbeitest hart. Du hast dir eine Belohnung verdient. Gibt es etwas was du dir wünscht?“ Mulder schaute ihn kurz ungläubig an. Das einzige was er wollte war nach Hause fahren, doch bezweifelte er das man ihn gehen lies. So was konnte er sich wünschen? „Bücher, Scheich Sudahli. Es wäre angenehm wieder einmal ein gutes Buch lesen zu können.“ War das Beste was ihm einfiel und von dem er glaubte etwas länger Spaß zu haben. Hier gab es außerordentlich wenig Unterhaltung, so ohne Fernseher, Radio oder Zeitungen. Die Antwort schien den Scheich nicht zu stören, vielleicht hatte er Glück und bekam tatsächlich etwas zum Lesen. ‚Wie überlebe ich in der Wüste’ wäre ein Titel der ihn brennend interessieren würde. Aber er hatte nicht wirklich Ahnung um welche Titel er bitten sollte. Er hatte keine Ahnung was zurzeit in der Bestsellerliste stand. „Das wird sich einrichten lassen. Ich habe mir schon überlegt ob es nicht an der Zeit ist ein Schritt weiter zu gehen. Fox, wie würde es dir gefallen die Oase zu verlassen?“ Es war ihm eigentlich egal. Ein Gefängnis war nicht besser als das andere. Er wollte nach Haus. Scully wieder sehen und Hamburger essen und sogar Bier trinken. Gott wie er diese Dinge hier vermisste.


Etwas Abwechslung wäre nicht schlecht.“ Mulder klang aber nicht sehr überzeugend, das es ihm egal war konnte man deutlich hören. Selbst wenn sich dort bessere Fluchtmöglichkeiten ergeben würden, so wäre er dort wieder bei Null angelangt. Hier hatte er wenigsten ein paar Leute mit den er Reden konnte. Was würde er dort haben? Wie Frei würde er sein? Harim lächelte ihn verständnisvoll an, er schien zu begreifen was in ihm vor sich ging. Dennoch sagte er nichts dazu. Sondern meinte nur das er dieses Mal mit ihnen Fahren würde.


Scully’s Wohnung, Georgetown

Sonnabend, 26.06.1992 20:30 h


Scully konnte es immer noch nicht glauben. Über Adam hatte sie Vollmacht über Mulders Finanzen erhalten. Wenn sie schon nicht nach ihm Suchen konnte, dann wollte sie wenigsten das er einen Ort hat an dem er zurückkommen konnte. Es war nicht leicht gewesen da durch zusehen, aber seine Wohnung würde sie noch gut ein Jahr halten können. Schwierigkeiten hatten aber die Partner von der Gemeinschaftspraxis gemacht. Mulders Anteil fehlte für die Miete, Nebenkosten und Gehälter. Sie hatten keine andere Wahl als seine Büroräume an jemand anderen zu vergeben. So hatte Scully Mulders Möbel einlagern lassen und seine Fische hatten nun einen Platz hier in ihrer Wohnung. Sie vermisste ihn, die Arbeit machte nicht halb soviel Spaß und auch das Mittagessen schmeckte ohne seine Gesellschaft nicht mehr so gut wie früher. Wie hatte es jemand in ein paar Monaten geschafft sich so in ihr Leben rein zu stehlen das es jetzt ein klaffendes Loch hinterlassen hatte. Nicht einmal ihr letzter Freund hatte so eine Leere hinterlassen wie sie jetzt fühlte. Sie bettete jeden Tag, dass er noch lebte, den Weg zu ihr zurück findet. Wie kam es das man immer erst hinterher sah, wie viel er ihr bedeutet? Das sie ihn liebte?


Sudahlis Haus, Al- Manama

Sonntag, 05.07.1992 ca. 16:00 h


Er war jetzt ein paar Wochen hier und hatte einige Zeit gebraucht um heraus zu finden wo er jetzt war. Er hatte die Reise über geschlafen oder besser gesagt unter Drogen gesetzt verbracht. So hatte er keine Ahnung wo die Oase lag oder wie lange die Reise bis hier her gedauert hat. Aber es war schon eine Überraschung gewesen als er herausgefunden hatte, das er sich in Bahrain befand. Er hat Zeitungen gefunden und wusste daher das mittlerweile Juli war. Er konnte damit rechnen das man die Suche nach ihm inzwischen aufgegeben hat und er fragte sich was er vorfinden würde wenn er den langen Weg zurück nach Amerika schafft. Auf der Arabischen Halbinsel müsste es noch so wimmeln vor GI Joes, es würde ihn nicht wundern wenn er aus dem Fenster schaut und einen ihrer Flugzeugträger sehen würde. Das vor seinem Fenster war schließlich der Persische Golf.


Das Leben hier bot ihm mehr Privilegien. So konnte er hier richtig Baden und durfte sogar täglich eine Stunde lang ungestört im Pool schwimmen oder im Garten joggen. Die Bibliothek war auch nicht zu verachten und es gab sogar Fernsehen auch wenn er kein Wort verstand. Das bisschen was er in der Oase gelernt hatte, nützte ihm hier nichts. Hier sprach man definitiv eine andere Sprache. Mit den Vorzügen kamen auch Schattenseiten. So gab es hier mehr Regeln und auch die Strafen für Regelverstöße waren um einiges härter und brachten immer Entzug der Privilegien für Tage mit sich. Er wusste von was er sprach, die letzte Woche lag noch frisch in Erinnerung. Zu beginn der Woche war er mit Akim, dem Verwalter aneinander geraten und hatte dafür den Preis bezahlen müssen. Nicht nur das er für den Rest des Tages geknebelt wurde, man hatte ihm bis gestern auch seine Sachen genommen. Sie hatten ihm wirklich nicht ein fetzen Stoff gelassen und ihm war mit der Zeit fast die Decke auf den Kopf gefallen. Aber es hätte auch schlimmer sein können, man hätte ihn genauso gut öffentlich in der Eingangshalle bestrafen können. So wie sie es vor kurzem mit einem der Diener gemacht hatten. Er war vor den Augen aller ausgepeitscht worden, weil er eine der Frauen beleidigt hatte.


So genoss er heute seine wieder erlangten Rechte und lass bei Tee und Gebäck in einem der vielen Bücher die es hier gab. Die meisten Bücher waren natürlich in Arabisch aber es gab auch ein paar in griechisch, französisch und englisch die er lesen konnte. Sein griechisch war zwar mehr als dürftig aber trotzdem war er in der Lage das ein oder andere zu verstehen. Es gab hier auch ein paar Wörterbücher so das er sich ab und an die Zeit mit Übersetzen vertrieb. Im Gegensatz zur Oase gab es hier nur wenig zu tun für ihn und die Leute die hier lebten redeten weniger mit ihm. So das er sich viel mehr selbst beschäftigen muss. Das war einer der Gründe weshalb er mit Akim in Streit geraten war.


Sudahlis Haus, Al- Manama

Mittwoch, 15.07.1992 20:00 h


Der Scheich ist von einer seiner Geschäftstouren zurück und Mulder plant ihn zu Rede zu stellen. Er hatte in der Bibliothek etwas Interessantes gefunden. Eigentlich nichts besonders, nur einen Brief den jemand in einem der Bücher vergessen hatte. Der Brief war auf den 18.09.1887 datiert und das Buch war eine Erstauflage aus dem Jahr 1872. So gesehen ein altes Schriftstück das wohl an einen von Harims Vorfahren geschickt wurde. Doch wenn man das Ahnenbuch mit dem Wissen das es Unsterbliche gibt durchleuchtet. Kommt man schnell auf die Idee das Harim mindestens zweihundert Jahre alt ist. Für diesen Zeitraum sind die Einträge nämlich mehr als dünn. Mulder war wütend vor allem auf sich selbst weil er es bisher nicht bemerkt hatte. Es war ein Weg raus und er hatte ihn nicht gesehen. Er konnte ihn zu einem Duell heraus fordern und Harim musste den Regeln des Spiels folgen. Sein Kopf zu verlieren war immer noch besser als der goldene Käfig in dem er sich befand.


Er fand den Scheich in seinem Arbeitszimmer vor. Es war ihm nicht verboten ihn dort auf zu suchen so klopfte er nur und wartete Geduldig bis man ihn herein rief. Der Sekretär schaute ihn etwas von der Seite an, aber Mulder ließ sich nicht stören. „Dürfte ich Sie einen Moment unter vier Augen sprechen, Scheich Sudahli?“ Harim nickte nur und schickte den anderen Mann raus. „Natürlich. Nimm Platz Fox.“ Er wies auf einen der Stühle vor seinem Schreibtisch und Fox überlegte kurz ob er besser stehen bleiben sollte nahm dann aber das Angebot an. „Es ist mein erstes Mal, also weiß ich nicht ob ich es richtig mache. Das ist mir im Augenblick auch egal. Ich fordere Sie zu einem Duell heraus, Scheich Harim Al Sudahli.“ Er hoffte sich jetzt nicht lächerlich gemacht zu haben. „Ein Duell? Mit Pistolen?“ Der Scheich schien sich lustig über ihn zu machen, seine Stimme hatte so einen amüsierten Klang. „Ich dachte eigentlich mehr an Schwertern wie es unter Unsterblichen üblich ist!“ Mulder blieb ruhig ließ sich nicht provozieren und ließ seine Stimme monoton klingen. So als würde er nur irgendwelche Fakten auflisten. „Fox, warum ausgerechnet jetzt?“ Neugierde, der Mann schien es wirklich nicht zu verstehen. „Ich habe euer Geheimnis gerade erst entdeckt. Im Gegensatz zu anderen kann ich die Gegenwart eines Unsterblichen nicht spüren.“ Der Scheich hatte die rechte Augenbraue hochgezogen, studierte ihn, versuchte ihn wohl einzuschätzen.


Warum wollt ihr Kämpfen? Ihr seid noch jung Fox und mit so einer Schwäche seid ihr leichte Beute. Hier in meinem Haus seit ihr sicher.“ Damit hatte er Recht. Aber was für ein Leben hatte er hier? „Was für ein Leben? Ich möchte meine Freiheit zurück und mit dem Duell bekomme ich sie auf die eine oder andere Weise.“ Mulder war entschlossen und nichts konnte ihn mehr von seiner Entscheidung abbringen. „Also gut. Du sollst dein Duell haben. Wir tragen es Morgen früh aus. Ich werde Anweisung geben das man dich unbehelligt ziehen lässt wenn du das Duell für dich entscheidest. Solltest du aber verlieren, dann gehört dein Leben mir. Du wirst schwören das du nicht mehr zu fliehen versuchst, deine Treue und Loyalität mir gehören. Natürlich lasse ich dich auch bestrafen für diesen Akt der Rebellion.“ Fox überlegte nicht lange, er stimmte zu und ging. Nur noch diese Nacht dann war er endlich frei oder tot.


Sudahlis Haus, Al- Manama

Donnerstag, 16.07.1992 5:00 h


Fox hatte die Nacht kaum ein Auge zubekommen. Er war aufgeregt und ängstlich. Er hatte noch nie in einem Kampf auf Leben und Tod gekämpft. Noch nie ein Leben ausgelöscht. Es störte ihn nicht wenn er heute starb, das machte ihm erstaunlich wenig aus. Aber das er tötet, zum Mörder wird störte ihn. War das der Preis wert? Er wollte nach Hause. Er wünschte sich nichts mehr als das. Dafür war er bereit alles zu opfern und zu riskieren. So machte er sich bereit und wartete bis man ihn holte.


Der Scheich hatte um das Haus herum ein große Garten- Parkanlage errichten lassen. Mulder war hier ab und an gelaufen. Er wollte wohl nicht das durch den Sturm und die Energie die nach dem Kampf freigesetzt wird die Fenster oder der Wintergarten beschädigt werden. So hatte er einen entlegenen Winkel für ihren Kampf ausgewählt. Zwei Schwerter steckten in der Erde als Mulder am Ort eintraf. Er durfte als erstes Wählen und wählte das alte Schwert statt den Säbel. Beide Stücke waren vermutlich Souvenirs aus den alten Kreuzfahrer Tagen. Es wurden nicht mehr viele Worte gewechselt, sondern einfach nur angefangen. Am Anfang war es nur ein einfaches Kräfte messen und jeder versuchte seinen Gegner einzuschätzen, seine Schwächen zu erkunden. Jetzt konnte Mulder nur hoffen das sein Training mit Adam und Roy etwas gebracht hatten. Es gelang ihm die Schläge des Arabers ab zu wehren oder zu kontern. Er konnte deutlich spüren das dies kein Übungskampf war. Die Schläge waren heftiger und es steckte mehr Kraft dahinter. Sie kamen schneller gaben ihm keine Zeit zu überlegen oder sich einen Moment aus zu ruhen. Hier musste er praktisch seinen Instinkten folgen und hoffen das sein Training so gut saß das er fast automatisch reagiert.


Fox verlor an Boden und sein Schwert verfehlte sein Ziel, ließ den Säbel in sein empfindliches Fleisch schneiden. Er war Müde und hatte nicht die Erfahrung um viel länger durchzuhalten. Verzweiflung und Wut machten sich in ihm breit und gab ihm noch einmal Kraft. Fast wie ferngesteuert, er konnte sich später nicht mehr erinnern wie, griff er an. Er schlug zu, es war als wäre das Schwert ein Teil seines Armes und er konnte förmlich sehen was Harim als nächstes plante und dem entsprechend kontern. Er war wie in Trance und als er aus ihr erwachte war die Klinge seiner Waffe voller Blut und der Scheich lag vor ihm auf dem Boden, sein Kopf zwei Meter von ihm entfernt. Wind kam auf und Mulder hatte alle Mühe ihm stand zu halten. Blaue Blitze gingen von der Leiche aus, kamen auf ihn zu und dann war es so weit. Die Lebensenergie, das ganze Wissen von Harim Al Sudahli hatte Form angenommen und prasselten als Blitze in gleißendem Licht auf den Sieger ein, zwangen ihn in die Knie. Er schrie, glaubte das er jeden Moment zerspringen würde und sein Körper bäumte sich vor Schmerzen auf. Es war als würden Sekunden zu Minuten, Minuten zu Stunden und ihn niemals zufrieden lassen. Doch dann so plötzlich es angefangen hatte, hörte es wieder auf. Er war erschöpft und spürte wie sich dieser Mann in ihm breit machte. Da waren plötzlich Erinnerungen die nicht seine eigenen waren, Gedanken die er niemals gehabt hatte und Wissen das er sich nie selbst angeeignet hatte.


Aber er spürte auch etwas wie Macht oder Kraft die durch seine Adern schoss und ihm das Gefühl gaben unbesiegbar, stark zu sein. Fox wusste das dies mit Sicherheit nicht der Fall war. Trotzdem, das Gefühl war da und es verlangte nach mehr. Es war als hätte er eine Droge geschluckt, die gleich nach dem ersten Schuss süchtig macht. Doch Mulder kämpfte da gegen an. Er war stark im Willen und Geist und hatte schon mehr erlebt und sich niemals unterkriegen lassen. Er war Frei und diese Freiheit würde er sich von niemanden nehmen lassen und so zwang er auch diesen Dämon in die Knie. Er war Fox Mulder und würde es bleiben und kein Spiel der Welt würde daran etwas ändern können. Nach einer Verschnaufpause besann er sich wo er war. Der Scheich hatte zwar gesagt das er gehen konnte aber er traute dem Frieden nicht. Er würde sich erst wohler fühlen wenn er auf amerikanischen Boden ist. So nahm er das Schwert und machte sich auf den Weg zum Haus. Der Haupteingang war der einzige Weg hieraus. Zu mindest war das der einzige Weg den er kannte und in seinem Kopf tobte gerade ein kleiner Wirbelsturm da viel es ihm schwer sich zu konzentrieren und über andere Wege nach zu denken.


Auf dem Weg raus lief er fast in Akim hinein. Er umklammerte das Schwert und machte sich auf einen Angriff gefasst doch nichts passierte. Der Verwalter starrte ihn nur an. „Es tut mir Leid, er hat verloren. Entschuldigen sie das ich ihnen so viel Umstände gemacht habe. Das ganze ist meine Schuld. Warum hatte er mich nicht einfach gehen lassen? Es tut mir Leid!“ stammelte er. Der Schock über seine Tat saß nun tief und hatte ihn hart getroffen. Der Adrenalinkick hatte nach gelassen. Aber der Araber schaute ihn nur an, tat nichts, schwieg einfach. Mulder schaute ihn fragend an, machte sich auf den Schlag der jeden Moment kommen musste gefasst doch nichts geschah. Sie starten sich nur gegenseitig an. „Es tut mir aufrichtig Leid. Sie müssen mir glauben das ich es so nicht gewollt habe. Ich hoffe das sie und die Anderen über die Runden kommen, einen neuen Arbeitgeber finden und wir sehen uns hoffentlich nie wieder.“ Er kam sich lächerlich vor und merkte gar nicht das er die letzten Worte in arabisch gesprochen hatte. Als er merkte das von Akim keine Reaktion kam ging er einfach. „Es tut mir Leid. … Vielleicht kann man ja ein Hotel aus dem Haus machen. Zimmer gibt es hier genug.“ Murmelte er als er das Haus verließ zu sich selbst. Er wusste nicht das Akim ihn verstanden hatte. Er legte seine Maske wieder an und hoffte das der Altersunterschied genug war um ihn sicher von hier fort zu bringen.


Dulles Flughafen, Virginia

Montag, 20.07.1992 11:00 h


Endlich! Nach so langer Zeit war er fast daheim. Er hatte Scully und seinen Freund Adam noch von Bahrain aus angerufen und ihnen gesagt wo er zurzeit ist. Scully hat für ihn die Adresse der nächsten amerikanischen Botschaft heraus gesucht und für ihn alles geregelt. Sie wussten bereits Bescheid als er der Botschaft ankam. Man half ihm dann mit seinen Papieren, versorgte ihn mit Kleidung und gab ihm ein Bett wo er endlich seinen Schlaf nach holen konnte. Am nächsten Tag war er befragt worden. Er gab an das er seinen Entführer getötet hat doch glaubten alle das er sich das nur eingebildet haben muss da keine Behörde in Bahrain dazu Stellung nehmen wollte und auch keine Meldungen in der Presse waren. So gab man ihm noch einen Tag Ruhe und setzte ihn dann in eine Militär Maschine nach Deutschland. Nur für den Fall das Mulders Geschichte stimmte und eine Horde wütender Araber nach seinem Leben trachten. Von Deutschland aus konnte er dann die nächste Maschine nach New York nehmen und von dort nach Dulles weiter fliegen. So war er endlich wieder hier angekommen und eine Monate lange Odyssee zu ende.


Scully war da und begrüßte ihn. Sie umarmte ihn und hatte plötzlich Tränen im Gesicht. Er hielt sie fest und küsste ihre Stirn. Er hatte nicht mehr daran gedacht sie noch einmal so in den Armen halten zu dürfen und jetzt konnte er es kaum glauben. Es war wie ein Traum. Sie war so wunderbar warm, der Stoff ihres Mantels fühlte sich rau unter seinen Fingerspitzen an und sie duftete nach Rosen. Sie standen eine Weile so da, keiner der Beiden wusste was er sagen sollte. Jeder hatte Angst wenn er etwas sagte dann konnte sich das alles doch als nicht wahr heraus stellen. Er hatte oft von diesem Moment geträumt und jetzt war er einfach zu überwältigt. Er wollte nicht weinen und doch konnte er sie nicht aufhalten, die Tränen. Es war einfach zu schön um wahr zu sein. Zu Hause, endlich daheim. Scully fuhr mit ihm erstmal nach Arlington. Sie hatte sein Wohnung schon aufgeräumt und den Kühlschrank gefüllt. Sie hatte vor Aufregung nicht gewusst was sie die Tage über machen sollte. Zwischen Donnerstag und jetzt hatten einfach zu viele Stunden gelegen die einfach nicht verfliegen wollten. Er hatte kaum Gepäck, nur ein paar Sachen die er zum Wechseln bekommen hatte und ein paar kleine Souvenirs die er auf dem Weg, in Deutschland, für Scully und Adam gekauft hatte.


Mulder’s Wohnung, Arlington

Montag, 20.07.1992 13:00 h

Er hatte sich erstmal duschen müssen um den Dreck der letzten Tage aus den Poren zu bekommen. Scully hatte in der Zwischen Zeit Pizza bestellt und ihm eine großen Pott Kaffee gekocht. Nach all dem Tee wollte er Kaffee. Sie würden heute auch noch Burger essen gehen, aber vorher, das hatte er Scully versprechen müssen, sich ausruhen, des Jetlacks wegen und der Tatsache das er die Reise über nicht geschlafen hatte.


Die Pizza war mit extra viel Käse und Anchovis. Sie unterhielten sich während des Essens. Scully erzählte ihm was in den letzten Monaten alles passiert war und wie sie mit ihren Fällen vorangekommen ist. Sie hatte auch schlechte Nachrichten so stand er jetzt mehr oder weniger ohne Job da. Seine Patienten müssten sich inzwischen nach einem anderen Psychologen umgesehen haben. Sein Büro war an einen anderen vermietet worden. Er war sich Sicher das sich niemand dort die Mühe gemacht seinen Anteil aus der Kaution auf sein Konto zu überweisen. Er konnte praktisch wie vor acht Jahren von Vorne anfangen, nur mit dem Unterschied das er dieses mal noch einen kleinen Reserve Groschen hatte. Das alles musste er verdauen und so aßen sie erst mal in aller Ruhe zu Ende.


Scully versprach ihn rechtzeitig zu wecken und er legte sich hin. Es war als wollte sie ihn nicht mehr aus den Augen lassen. Er fühlte sich wohl mit ihr hier. Er hatte erst Entführt werden müssen um zu sehen wie viel ihm diese kleine Powerfrau bedeutete. Er liebte sie, nur leider war er sie nicht wert. Er war ein Mörder und verdiente sie nicht. Wie könnte sie ihn lieben, wenn sie wüsste das er einen Mensch auf dem gewissen hat. Was für ein Monster er ist. „Scully? Ich habe jemanden umgebracht. Könntest du mit jemanden zusammen sein wollen der ein Leben auf dem gewissen hat?“ Er war der Meinung das er alleine im Raum war und erschrak als sie antwortete. „Ja. Ich bin FBI Agentin und trage eine Waffe. Ich beschütze damit Unschuldige und mein eigenes Leben. Dafür habe ich trainiert, dafür bin ich bereit. Wenn du Fox Mulder jemand getötet hast, dann bin ich überzeugt das es aus Notwehr geschah.“ Sie setzte sich zu ihm ans Bett und küsste ihn auf die Stirn, dann schaute sie ihm direkt in die Augen. „Du hast ein gutes Herz, Fox. Du könntest nie einem Lebewesen ohne Grund etwas zu leide tun. Du Fox Mulder hast ein Recht dich zu verteidigen und für das zu Kämpfen was dir wichtig ist, wie jeder andere auch.“ Sie strich ihm mit der Hand über die Wange und schaute kurz zur Seite so als ob sie über etwas nach dachte und als sie scheinbar eine Entscheidung getroffen hatte, da stand sie auf. Ging zur anderen Seite des Betts und legte sich zu ihm. Nahm ihn in ihre Arme und so schliefen sie beide fest aneinander gekuschelt ein.