Diese Seite wurde von ©Alexander Behrens für © " Volker's Klassikseiten J.S. Bach " übersetzt. Der Betreiber dieses Blogs Volker Hege erklärt: "Die Genehmigung zur Veröffentlichung des Reisetagebuches wurde durch Sir John Eliot Gardiner am 15.12.2006 in Braunschweig persönlich dem Inhaltverantwortlichen Volker Hege erteilt! (Alle Quellangaben von www.monteverdi.co.uk)." Die Veröffentlichung der Künstlerbeiträge auf dieser Seite erfolgt mit Zustimmung von Monteverdi Productions. In den SDG-Booklets sind diese Beiträge nur englisch abgedruckt.

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Meinungsäußerung zu SDG 147 Vol. 5


Jane Rogers, Bratsche

Die Bach Cantata Pilgrimage begann für mich Neujahr 2000 in Berlin und endete genau ein Jahr später in New York. Unterschiedlich hätten die beiden Orte nicht sein können. In Berlin buchte man uns eines der Hotels, die im östlichen Teil der Stadt zwischen den abgewirtschafteten Bauten des kommunistischen Regimes aus dem Boden gestampft wurden.
Mich beschlich ein leichtes Unwohlsein, ja eine Beklemmung, viele der älteren Häuser zeigten noch Einschussstellen, klaffende Wunden aus vergangenen Konflikten.  Fieber lag in der Luft. Wir befanden uns an der Schwelle zu einem neuen Jahrtausend. Auf den Straßen wurden Böller gezündet; unbeeindruckt vom Chaos und Getümmel, schlugen sich einige von uns bis zum Brandenburger Tor durch, um dort das neue Jahr zu begrüßen.

Ganz anders in New York, wo ich, vom Komfort und Überfluss des Waldorf-Astoria-Hotels umgeben, eigentlich nur um meine Kreditkarte bangen musste nach ihrem Dauereinsatz bei Macy’s und Bloomingdale's. Starker Schneefall brachte das Leben in der Stadt (und meine
Shopping-Touren) kurzzeitig zum Erliegen, und ich wusste wieder ein Wort mehr: „Windauskühlungsfaktor“.

Die Orte wechselten über das Pilgrimage-Jahr, unverändert blieb nur die große Identifikation mit dem Projekt unter allen Beteiligten. Da war ein riesiger Wille, diese überwältigenden Werke so gut wie möglich einem großen Publikum näher zu bringen. Als Bratscherin war ich nicht in jedem Satz beschäftigt und hatte Gelegenheit, ab und zu einen Blick hinüber zum Publikum zu werfen. Eine erstaunliche innere Beteiligung und Aufmerksamkeit war durchweg zu spüren. Häufig sah ich Menschen, die zu Tränen gerührt waren. Immer wieder haben mich die Kollegen mit ihrem wunderbaren Gesang und Spiel inspiriert, und ich bin froh, diese Erfahrung in den nun veröffentlichten Konzertmitschnitten noch einmal durchleben zu können. 

Die intensive Auseinandersetzung mit den Kantaten Bachs über ein ganzes Jahr hinweg hat bei mir zu einem Verständnis und einer Wahrnehmung geführt, die mich verändert hat in der Art, wie ich Bach spiele und an meine Schüler vermittle. Dabei gewesen zu sein, empfinde ich als ein großes Privileg. 


© Übersetzung: Alexander Behrens